Beth Hart – You Still Got Me – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Das inzwischen schon fast als Klassiker eingestufte Vorgängeralbum “A Tribute To Led Zeppelin” (2022) hat die Wartezeit etwas verkürzt: Nun hat Beth Hart ihr insgesamt 11. Studiowerk “You Still Got Me” vorgelegt; eine leidenschaftlich emotionale Produktion, gefüllt mit überstarken Songs, die unter die Haut gehen. Die hochtalentierte, Grammy-nominierte, US-Singer/Songwriterin (u. a. mit 3 European Blues Awards) veröffentlicht seit 1993 eigene Solo-Scheiben und hat insbesondere durch die Zusammenarbeit mit Joe Bonamassa (u. a. “Black Coffee”) zurecht jede Menge weitere Fans erreicht. Jetzt vertiefen die Storytelling-Tracks und kraftvollen Kompositionen diese Verbindung.

Maßgeblich beteiligt war wieder Kevin Shirley, der bereits die Longplayer mit Bonamassa und das Solo-Album “Bang Bang Boom Boom” (2012) produzierte. Los geht die Scheibe mit “Savior With A Razor”, einem rockigen Opener, angeführt von Slashs Guns N’ Roses-Gitarre, während Beths Stimme die mitreißende Hymne vorwärts treibt. “Sie (Beth) ist eine unglaubliche Sängerin und Texterin…und eine echte Freundin. Sie ist unglaublich”, lobt Slash die Zusammenarbeit, die sich ebenso auf sein neues Studioalbum “Orgy Of The Damned” erstreckt. Dieses Teamplayer-Format schätzt auch Blues-Gitarrist Eric Gales, der auf dem zweiten Stück “Sugar N My Bowl” die elektrische Saitenzauberei übernahm. Das neben diesen groovigen Funk-Soul Tracks selbstverständlich Platz ist für bluesige und jazzige Chansons, z. B. “Drunk On Valentine”, ist typisch Hart; Etta James und Ella Fitzgerald sind dabei durchaus in Reichweite.

Überraschend findet sich jedoch ebenfalls ein moderner Old School Country-Rock in der Tracklist und bringt eine dicke Danksagung an den Man In Black (“Wanna Be Big Bad Johnny Cash”). Der Sprung in die folgende Klavierballade “Wonderful World” ist für Beth Hart nur ein kleiner und ein zusätzliches, unbedingtes Meisterstück des Albums, welches die Interpretin als überragende, soulige Stilistin feiert. Permanent im Gedächtnis bleibt der post break-up Song “Little Heartbreak Girl” und erhebt nicht zuletzt durch den einfallsreichen Klavier Tempo-Wechsel den berechtigten Anspruch, in die erste Reihe der Rock-Balladen aufzusteigen: Lyrisch eine Empowerment-Hymne, die einen Hauch von Traurigkeit, aber einen Sturm von Optimismus versprüht.

Kein Weg vorbei führt eindeutig am Titelsong. “I Still Got You” ist ein Masterpiece Love Story Track, eine Heart and Soul Ballade, die vielleicht nur Beth Hart in dieser charismatisch intensiven Weise singt und damit an Janis Joplin ebenso erinnert. Die filmreife Interpretation und die puren Emotionen des Gesangs heben den powervollen Epos in die obere “Etage” essentieller Musikstücke, eine Naturgewalt an Substanz und Inspiration, jedoch leider wegen der Länge von 6 Minuten kaum radiotauglich. Dabei ist es durchaus der Mut zu den überlangen Balladen, der dem Album “I Still Got You” insgesamt die persönliche Signatur, die berührende Authentizität und die seltene Magie verleiht, die Beth Hart als unbändige Sängerin und Musikerin erfolgreich ausstrahlt. Erleben kann man sie mit dem neuen Album auch auf Deutschland-Tournee, z. B. im November in Köln, Hamburg oder Berlin.

Mascot Label Group (2024)
Stil: Blues Rock, Soul

Tracks:
01. Savior With A Razor (feat. Slash)
02. Suga N My Bowl (feat. Eric Gales)
03. Never Underestimate A Gal
04. Drunk On Valentine
05. Wanna Be Big Bad Johnny Cash
06. Wonderful World
07. Little Heartbreak Girl
08. Don’t Call The Police
09. You Still Got Me
10. Pimp Like That
11. Machine Gun Vibrato

Beth Hart
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The Lowdown Drifters – In Time – Album-Review

Review: Michael Segets

SoS kann behaupten, eine internationale Leserschaft zu haben. Über einen Beitrag zu American Aquarium ist Ryan Klein, der Manager der Lowdown Drifters, auf unsere Website aufmerksam geworden und schickte Besprechungsmaterial zum neuen Album der Band über den großen Teich. Er dachte, dass „In Time“ zu SoS passt. Er hat Recht, das tut der Longplayer wie die Faust aufs Auge.

Jeder Song ist ein Treffer. Die acht Stücke sind zudem ideal auf dem Werk, bei dem The Lowdown Drifters den Produzenten Wes Sharon (John Fullbright, Turnpike Troubadours) gewinnen konnten, angeordnet. Den Auftakt macht der Titeltrack „In Time“. Dem straight forward gespielten Roots Rocker schieben The Lowdown Drifters den Country Rocker „Ghost“ nach. Der Einstieg hat richtig Schwung, der mit „Awful Truth“ zurückgefahren wird. Das Duett von Leadsänger John Cannon, der über eine ausdrucksstarke Stimme verfügt, und Raina Wallace bewegt sich im Midtempo und leitet dramaturgisch geschickt zum stimmungsvollen „Burn“ über. Die Ballade bekommt durch den begleitenden Gesang von Wallace nochmal eine extra Portion Gefühl mit. Das Songwriting erinnert an das von BJ Barham (American Aquarium), bewegt sich also auf sehr hohem Niveau. Statt auf die Steel Pedal setzen The Lowdown Drifters allerdings auf die Geige, um Atmosphäre zu erzeugen.

Mit „Fatherless“ zieht die Geschwindigkeit wieder an und steigert sich nochmal mit dem losrollenden „Nothings Scared“. Während beim erstgenannten Stück die Gitarre eher dezente Akzente setzt, bekommt sie beim letztgenannten mehr Raum, die sie energisch nutzt. Eine Piano-Passage sorgt bei „Nothings Scared“ für eine zusätzliche Varianz im Sound. „Streets Of Aberdeen“ läutet mit kräftigem Rhythmus und vollen Gitarren dann das ruhigere Ende des Longlayers ein, der mit „Trucker Speed“, einschließlich eines längeren Geigensolos, seinen harmonischen Abschluss findet. Mit acht Tracks ist das Werk zwar nicht besonders umfangreich, dafür finden sich aber auch keine überflüssigen Füller auf ihm.

The Lowdown Drifters sind seit zehn Jahren aktiv. Neben John Cannon und Raina Wallace gehören Dylan Welsh, Josh Willaert und Drew Harakal zum Quintett. In den letzten Jahren tourten die Band, beflügelt durch den Erfolg von „Fire In Her Eyes“, das sich auf der CD „Last Call For Dreamers“ (2019) findet, unermüdlich durch die USA. Kürzlich teilten sich The Lowdown Drifters mit Casey Donahew die Bühne und pünktlich mit der Veröffentlichung der neuen Scheibe treten sie zusammen mit Shane Smith & The Saints sowie Red Shahan im Ryman Auditorium, Nashville, auf.

The Lowdown Drifters sind keine Newcomer, aber die Neuentdeckung des Jahres für mich. „In Time“ fügt zeitgemäße Country-Stücke, deren Pegel mal in Richtung Rock und mal in Richtung Americana ausschlägt, gekonnt zusammen. Mit seinen Tempovariationen hält der Longplayer den Spannungsbogen aufrecht. „In Time“ hat alles, was man sich von einem Album wünscht: tolle, abwechslungsreiche und optimal zusammengestellte Songs.

Gold Towne Music (2024)
Stil: Country and more

Tracks:
01. In Time
02. Ghost
03. Awful Truth
04. Burn
05. Fatherless
06. Nothings Sacred
07. Streets Of Aberdeen
08. Trucker Speed

The Lowdown Drifters
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Gold Towne Music

Hamburg Blues Band – 05.10.2024 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Zu den Klängen von Hans Albers Reeperbahn-Song betritt die Hamburg Blues Band die Bühne mit dem Ton eines Nebelhorns eines Schiffs. Die Band nimmt von da an die Fans auf eine rasante Fahrt mit knackigen Rock- und Blues- Songs. Gert Langes prägnante Stimme bringt den Blues in die Stücke und im zweiten Teil des Konzerts stößt der mittlerweile 84-jährige Chris Farlowe dazu und zeigt, dass er stimmlich noch voll auf der Höhe und dazu noch ein humorvoller Entertainer ist.

Krissy Matthews fegt zuweilen wie ein Irrwisch über die Saiten und setzt mit seinen gold-glitzernden Schuhen für einen schmunzelnden Seitenhieb von Farlowe. Reggie Worthey am Bass und Eddie Filip an den Drums sorgen wie gewohnt für eine fette Rhythmusarbeit. Nach etwa 100 Minuten beendet das Nebelhorn die zuweilen emotionale musikalische Reise der Hamburg Blues Band an diesem Abend.

Neben den eigenen Songs wie „Stony Times“ oder „Try Me Again“ kann Matthews mit „Hairdrying Drummer Man“ einen eigenen Track beisteuern und auch Farlowe bringt mit „I´ll Sing The Blues For You“ und „Shaky Grounds“ eigene Stücke. Stark ist auch, wie die Band, neben einigen eingestreuten Coversongs, den Small Faces-Hit „All Or Nothing“ gewissermaßen wiederbelebt.

Die Fans, die an dem Abend im Piano waren, werden ihr Kommen nicht bereut haben, wer weiß, wie oft man Chris Farlowe noch als Gastmusiker begrüßen darf.

Line-up:
Gert Lange (lead vocals, electric guitar)
Krissey Matthews (lead guitar, vocals)
Reggie Worthey (bass, vocals)
Eddie Filip (drums)
Special guest: Chris Farlowe (lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Hamburg Blues Band
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Musiktheater Piano

Elles Bailey – 17.10.2024, Luxor Live, Arnheim – Konzertbericht

Kommt Elles nicht zu uns, müssen wir halt zu Elles. Das war so ein wenig das Motto, als wir uns entschlossen, den Gig von Elles Bailey im niederländischen Arnheim zu besuchen. Nicht zuletzt auch wegen der schönen Location, aus der wir ja bereits diverse Male über andere Interpreten wie u. a. Sass Jordan oder KIng King schon berichtet haben.

Unser Weg führte uns aus organisatorischen Gründen durch Nijmegen und besagtes Arnheim  und ich muss schon angesichts der Infrastruktur einen gewissen Neid attestieren. Unsere Nachbarn machen sehr vieles richtig, hier sitzen augenscheinlich Menschen mit Visionen in den entsprechenden Gremien.

Tempolimit auf Autobahnen, was ein entspanntes Fahren ermöglicht, futuristische Brücken, die man ohne mulmiges Gefühl unter- beziehungsweise überquert, gleiches gilt für die zentral gelegenen, elektrifizierten Bus-/Bahnhöfe und Parkhäuser, Fahrradwege mit breiten Abständen zum Autoverkehr, keine Schlaglöcher u den Straßen weit und breit, alte Häuser mit neuer Bausubstanz stilvoll vermischt. Eine Freude sich dort zu bewegen, währenddessen man in unseren Gefilden den Eindruck hat, dass in hiesiger Politik und den involvierten Amtsstuben, das einzig visionäre ist, wie man mit geringstem Aufwand und möglichst früh an die üppigen Pensionszahlungen gelangt.

In unserem Lande erreichte die hochtalentierte Protagonistin trotz aller Bemühungen (auch unsererseits) bis dato ein eher überschaubares Publikum, nach unserer Ankunft am Luxor Live mussten wir erkennen, dass für sie momentan auch im bluesbegeisterten Holland noch nicht die Bäume in den Himmel wachsen.

Ich hatte insgeheim auf einen ordentlich besuchten Hauptsaal gehofft, die Realität reichte aber nur für die kleine, aber feine Alternativ-Location, der sogenannte Bovenzaal, den wir zumindest jetzt auch mal kennengelernt haben, und der mit ca. 100 Besuchern, dann auch räumlich optimal, aber angenehm befüllt war.

Der flotte Opener „Enjoy The Ride“ vom aktuellen Album „Beneath The Neon Glow“ kam dann einer Ansage gleich, den Ritt durch ihr Programm samt gut ausgewählter  Stücke ihrer bis dato erschienen Studio-Alben, voll zu genießen. Flockig ging es weiter mit „Leave The Light On“ und „Ballad Of A Broken Dream“ (Elles neben ihrem Keyboarder James Graham am Piano). Bei Tracks wie dem Retro-umwehten „1972“ oder dem ersten ruhigeren Track, „Silhouette In A Sunset“, hatte sie sich warm gesungen und legte im weiteren Verlauf eine grandiose Vokal-Performance hin.

Klasse dabei auch die immer wieder die akzentuierte Unterstützung durch die junge Demi Marriner in den Harmoniegesängen. Diese untermalte desweiteren  die routinierte Rhythmusgebung des eingespielten Duos mit Matthew Jones an den Drums und Matthew Waer am Bass mit ihrem feinen Akustikgitarrenspiel. Letztgenannter wusste mit seiner Achtziger Kräusel-Haarpracht, Tom Selleck-Gedächtnis-Schnäuzer und rosa lackierten Fingernägeln auch optische Eindrücke zu hinterlassen.

Joe Wilkins, Baileys kongenialer Partner im musikalischen Bereich, brillierte natürlich wieder mit starkem E-Gitarrenspiel, wüste Slideeinlagen (u. a. bei „Hell And High Water“ und „Medicine Man“) und qiurlige Soli inbegriffen. Einfach nur famos die Gesangsvorstellung von Elles beim verzweifelt klingenden „What’s The Matter With You“, in der ihre ganze stimmliche Vehemenz bestens zum Vorschein kam.

Eines meiner Lieblingsstücke des Abends war das flockige „Truth Ain’t Gonna Save Us“, das man damals auch locker auf Fleetwoods Macs Megaseller „Rumors“ hätte packen können. Emotional wurde es bei „Let It Burn“, launig wieder bei „The Game“ und dem Ironischen „If This Is Love“ (mit klasse HT-Piano von Graham), entsprechend ihrer Erklärung, dass dieser Wellenverlauf bei ihren Konzerten ein typisches Merkmal sei.

Und kaum hatte man sich versehen, war mit dem starken „Riding Out The Storm“ samt furiosem Instrumentalausklang schon das Ende des Hauptteils erreicht. Klar, dass die begeisterte Audienz das Sextett nicht ohne Zugaben in den Feierabend schicken wollte.

Der Wunsch einer Zuschauerin den CCR-Klassiker „Long As I Can See The Light“ zu performen, scheiterte am Veto von Elles und ihrem Keyboarder, dafür wurde dann nach dem Gänsehaut erzeugenden atmosphärischen „Turn Off The News“ noch „Perfect Strom“ vom „Wildflower“-Album in einer bärenstarken Version als zusätzlicher Song zwischen den eigentlich nur zwei geplanten Zugaben aus dem Hut gezaubert.

Den herrlichen Rausschmeißer (inklusiv wildem E-Solo von Wilkins) bildete dann „Sunshine City“, wo die Fronterin  wie es ja auch schon auf ihrem tollen Live-Album „Live At the Fire Station“ zu hören war, ihrer bis dato starken Mitsängerin Demi Marriner ein kurzes Leadgesangssolo-Intermezzo gewährte.

Aus meiner Sicht ein fulminanter Auftritt von Elles Bailey und ihrer hervorragenden Begleitband. Man kann nur hoffen, dass, auch wenn für sie wohl in unseren Breitengraden trotz überragender Leistungen erstmal weiter musikalisches ‚Klinken putzen‘ angesagt ist, bei diesem Gesangs und Songwriting-Talent der Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit ist. Wir denken positiv und prognostizieren, dass beim nächsten Mal in Arnheim, der große Saal zum Zuge kommt.

Insgesamt wieder eine Reise in unser Nachbarland, die sich gelohnt hat, auch wenn wir auf der Rückfahrt kurz nach der Grenze noch das Vergnügen einer nächtlichen Polizeikontrolle über uns ergehen lassen mussten. Passend zu Ihrem aktuellen Bekanntheitsstatus war dann folgender Dialog: Polizist: „Wo kommen Sie her? Wir: „Von einem Elles Bailey-Konzert aus Arnheim. Polizist: „Kenn ich nicht.“

Line-up:
Elles Bailey – lead vocals, piano, percussion
Joe Wilkins – electric guitar, slide guitar, vocals
Matthew Waer – bass, vocals
Matthew Jones- drums
James Graham – keys
Demi Marriner – vocals, acoustic guitar, percussion

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Elles Bailey
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Luxor Live, Arnheim

Midland – Barely Blue – Deluxe Version – CD-Review

Seit Midland, alias Sänger und Gitarrist Mark Wystrach, Bassist und Sänger Cameron Duddy sowie Leadgitarrist und Sänger Jess Carson mit ihrem Superhit „Drinkin‘ Problem“ (wie heißt es so schön im Volksmund: „Ich habe kein Problem mit Alkohol, sondern ohne Alkohol…!“) im Jahr 2017 durch die Decke gegangen sind, ist das Trio aus den höheren Gefilden des Country-/New Country in Nashville nicht mehr wegzudenken.

Die drei Musiker, die sich eher zufällig auf der Hochzeit eines gemeinsamen Freundes kennengelernt hatten, sind seither mit jeder neuen Veröffentlichung immer mehr gereift und bieten so gut wie immer Qualitätsware an.  Für ihr neues Werk „Barely Blue“ (hier mit zwei zusätzlichen Songs in der Deluxe-Version), das thematisch eine Reise durch die Einsamkeit, der Männlichkeit und die Kraft der Widerstandsfähigkeit in Zeiten von Herzschmerz behandelt, konnten sie zum ersten Mal Dave Cobb als Produzenten gewinnen.

„Dave Cobb war ein Produzent, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten wollten, seit wir Metamodern Sounds in Country Music von Sturgill Simpson gehört hatten“, merkt Mark Wystrach an. „Daves vielseitiger musikalischer Hintergrund und seine Herangehensweise, das Aufnehmen als Erlebnis zu betrachten, machten ihn zur perfekten Wahl für uns. Bei „Barely Blue“ haben wir wirklich das Gefühl, dass Dave uns geholfen hat, genau den Sound zu finden, den wir schon lange gesucht hatten.“

Cobb stellte bei vielen  Stücken immer einzelne Instrumente ein wenig in den Vordergrund, beim Opener „Lucky Sometimes“ zum Beispiel ist es eine nölende Harp, beim Titelstück tritt eine fiepende E-Gitarre mit Steelergänzungen in den Vordergrund, „Better Than A Memory“ wird von einer knisternden Akustikgitarre mit Flamenco-Touch geführt,  „Old Fashioned Feeling “ und „Halfway To Heaven“ enthalten ein wenig Duane Allman-Gedächtnis-Slide.

Eine CD, auf der sich nur zehn Stücke befinden, wovon dann auch noch zwei („Vegas“ und „Lone Star State Of Mind“) in verschiedenen Versionen als die beiden Bonustracks serviert werden, als Deluxe-Ausgabe zu benennen, halte ich, gelinde gesagt, für recht kühn, aber an Selbstbewusstsein hat es den Burschen ja noch nie gemangelt. 

„Lone Star State Of Mind“, das für mich stärkste Stock des Werkes, erhält in der Bonusversion durch die hölzernen kauzigen Zusatzvocals von Paul Cauthen tatsächlich nochmal eine besondere Note.

So bekommt man auf „Barely Blue“ quasi acht neue melodische, Melancholie-umwobene Ohrenschmeichler, die aus meiner Sicht genau das Midland-Flair ausstrahlen, wofür sie ihre Fans lieben. Die große bahnbrechende Veränderung sehe ich hier trotz Dave Cobb eigentlich nicht.

Big Machine Records (2024)
Stil: Country

Tracks:
01. Lucky Sometimes
02. Barely Blue
03. Better Than A Memory
04. Old Fashioned Feeling
05. Vegas
06. Baby It’s You
07. Halfway To Heaven
08. Lone Star State Of Mind
09. Vegas (feat. Kaitlin Butts)
10. Lone Star State Of Mind (feat. Paul Cauthen)

Midland
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Lime Tree Music

Absolva – 04.10.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Absolva sorgen wieder einmal für eine sehr gut gefüllte Kulturrampe in Krefeld. Erfreulich ist, dass sich im Publikum auch viele jüngere Fans finden, was zeigt, dass handgemachte Rock Musik nicht nur für ein älteres Publikum interessant ist.

Schnell gelingt es der Band bei einem sehr gut abgemischten Sound und einer schönen Beleuchtung der Bühne für beste Stimmung zu sorgen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Appleton Brüder, die abwechseln den Part der Sologitarre übernehmen und bei einigen Songs und in den Heavymetal und Hard Rock Sound auch das Stilelement der Twin Guitars einfließen lassen. Diese Passagen erinnern zuweilen sogar durch keltische Soundelemente an Wishbone Ash, nur eine Spur härter. Die Leadvocals übernimmt zum Großteil Chris Appleton, der nicht mit zum Teil weit aufgerissenen Augen fast diabolische Züge einfließen lässt. Aber auch sein Bruder Luke zeigt bei einigen Songs seine gesanglichen Fähigkeiten.

Karl Schramm am Bass, der oft headbangend zeigt, wie belastbar die Halswirbelsäule sein kann und Martin Mcne, der an den Drums zeigt, dass er auch gefühlvoll spielen kann, bilden eine starke Rhythmusgrundlage für die beiden Fronter.
Neben altbekannten Songs wird mit „The Thrill Of The Case“ ein Stück eingestreut, was für das im nächsten Jahr zu erscheinende Album vorgesehen ist. Den Worten Chris Appletons nach planen Absolva auch nächstes Jahr in der Kulturrampe wieder einkehren zu wollen, da kann man gespannt sein, was es an neuen Songs geben wird.

Es kann resümiert werden, dass es ein Abend war, an dem sowohl die Fans, wie auch die Band ihren Spaß hatten, da die Stimmung unter den Fans auch ihre Wirkung auf die Band hatte und so eine besondere live Atmosphäre entstanden ist, die sich nach dem Konzert auch im Kneipenbereich fortsetzte, wo die Band noch lange mit den Fans verweilte, was auch oft das Besondere an den „intimen“ Clubkonzerten ist.

Line-up:
Christopher Appleton – vocals, guitar
Luke Appleton – guitars, backing vocals
Karl Schramm – bass, backing vocals
Martin Mcnee – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Absolva
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Kulturrampe

Various Artists – Petty Country – A Country Music Celebration Of Tom Petty – CD-Review

Review: Michael Segets

Der vor sieben Jahren plötzlich verstorbene Tom Petty hinterließ tiefe Spuren in der Geschichte des Rock. Sein Werk dient vielen Musikern als Inspirationsquelle und dementsprechend oft werden seine Songs gecovert oder als Referenzpunkte herangezogen. Für „Petty Country – A Country Music Celebration Of Tom Petty“ fanden sich namhafte Vertreter der Country-Szene zusammen, um ihn und seine Musik zu feiern. Drei Viertel der Interpreten sind alte Bekannte bei Sounds-Of-South. Wie nicht anders zu erwarten, finden sich viele Hits von Petty unter den Titeln. Angesichts seines umfangreichen Outputs, verwundert es nicht, dass ebenso viele Stücke fehlen, die eine Aufnahme auf das Tribute-Album verdient hätten. Das hinterlassene Songmaterial hätte sicherlich ein Doppelalbum gerechtfertigt.

Sich an ein Cover von Tom Petty heranzuwagen, ist ja nicht ohne. Petty hatte seinen eigenen Stil, gesanglich ist er unverwechselbar und der Sound – auch wenn er ihn in seiner Laufbahn durchaus variierte – weist einen hohen Wiedererkennungswert auf. Ein bloßes Nachspielen funktioniert nicht. Die Herausforderung besteht darin, den Songs eine individuelle Note mitzugeben. Dies gelingt den Musikern auf dem Sampler durchgängig. Sie transformieren die jeweiligen Stücke meist behutsam, sodass sie direkt zu identifizieren bleiben. Die vorliegenden Versionen klingen insgesamt erdig, wie man es von Vertretern der Country Music erwartet. Wie Pettys Originale bleiben aber auch die entsprechenden Interpretationen oft dem Rock verhaftet, sodass das Album stellenweise durchaus in Richtung Roots oder Country Rock geht.

Die ausgewählten Titel decken die Jahrzehnte von Pettys Karriere ab. Der Bogen spannt sich von den frühen Klassikern aus den siebziger Jahren über seine großen Hits in den Achtzigern und Neunzigern bis zu seinem letzten Album mit der von ihm wiederbelebten Band Mudcrutch aus dem Jahr 2016. So dürfen natürlich „American Girl“ (Dierks Bentley) und „Breakdown“ (Ryan Hurd) von Pettys erstem Longplayer mit den Heartbreakern nicht fehlen. Wynonna liefert eine wunderbare Version von „Refugee“ und damit zugleich ein Highlight der CD ab.

Die achtziger Jahre vertreten Titel von den Alben „Southern Accents“ (1985) und „Full Moon Fever“ (1989). Ebenfalls dieser Dekade zuzuordnen ist „Stop Draggin‘ My Heart Around“. Lady A covert das ursprünglich von Stevie Nicks und Tom Petty gesungene Duett. Die starken Werke „Hard Promises“ (1981), „Long After Dark“ (1982) und „Let Me Up (I’ve Had Enough)“ (1987) sind zu meiner Überraschung nicht berücksichtigt. Von den Sessions zum letztgenannten Werk stammt allerdings „Ways To Be Wicked“, dem sich Margo Price annimmt. Bei der Konzeption des Tribute lag der Fokus nicht auf einer repräsentativen Werkschau, sondern auf den persönlichen Verbindungen der Interpreten zu den einzelnen Songs.

Dolly Parton gibt sich bei „Southern Accents“ die Ehre. Rhiannon Giddens macht aus dem ursprünglich aufgekratzten „Don’t Come Around Here No More“ eine langsame, soulige Nummer. Der Track verändert das Original erheblich, aber sehr gelungen. Mit „Runnin‘ Down A Dream“ (Luke Combs), „I Won’t Back Down” (Brothers Osborne), „Yer So Bad” (Steve Earle) und „Free Fallin’” (The Cadillac Three) sind gleich vier Songs des erfolgreichen „Full Moon Fever” auf dem Tribute zu finden.

Songs aus den Neunzigern suchten sich die Eli Young Band („Learning To Fly“), Midland („Mary Jane’s Last Dance“) und Thomas Rhett („Wildflowers“) aus. „You Wreck Me“ (Georg Strait) fällt etwas aus dem Rahmen, da es der einzige Live-Mitschnitt auf der CD ist. Altmeister Willie Nelson greift sich „Angel Dream (No. 2)“ heraus.

Nach „Wildflowers“ (1994) schuf Petty nach meiner Einschätzung keine durchweg überzeugenden Alben mehr. Von seiner Spätphase geht wahrscheinlich auch kein so prägender Einfluss auf andere Musiker aus. Auf der Zusammenstellung ist sie vielleicht aus diesem Grund unterrepräsentiert. Dass Petty aber auch im neuen Jahrtausend gute Songs produzierte, zeigt Chris Stapleton. Dieser macht aus „I Should Have Know It“ einen hervorragenden Roots Rocker, der zu meinen Favoriten auf der Compilation zählt. Schließlich spielt Jamey Johnson „Forgive It All“, sodass zumindest Pettys letzte Scheibe noch gewürdigt wird.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Hervorragendes Songmaterial von renommierten Musikern aus der Country-Ecke performt. Was kann da schief gehen? Nichts! Die Country-Gilde sitzt fest im Sattel und zieht die Hüte vor Tom Petty. „Petty Country“ ist eine posthume Verbeugung vor einem der ganz Großen der Rockgeschichte, die zeigt, dass Genregrenzen fließend sind.

Ein paar unveröffentlichte, von Tom Petty selbst eingespielte Stücke hält die am 18. Oktober erscheinende Deluxe-Version von „Long After Dark“ bereit.

Universal (2024)
Stil: Country, Country Rock

Tracks:
01 I Should Have Known It – Chris Stapleton
02 Wildflowers – Thomas Rhett
03 Runnin’ Down A Dream – Luke Combs
04 Southern Accents – Dolly Parton
05 Here Comes My Girl – Justin Moore
06 American Girl – Dierks Bentley
07 Stop Draggin’ My Heart Around – Lady A
08 Forgive It All – Jamey Johnson
09 I Won’t Back Down – Brothers Osborne
10 Refugee – Wynonna
11 Angel Dream (No. 2) – Willie Nelson
12 Learning To Fly – Eli Young Band
13 Breakdown – Ryan Hurd
14 Yer So Bad – Steve Earle
15 Ways To Be Wicked – Margo Price
16 Mary Jane’s Last Dance – Midland
17 Free Fallin’ – The Cadillac Three
18 I Need To Know – Marty Stuart And His Fabulous Superlatives
19 Don’t Come Around Here No More – Rhiannon Giddens
20 You Wreck Me (live) – George Strait

Tom Petty

Harlem Lake – The Mirrored Mask – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Die Motivation der niederländischen Band Harlem Lake, mutig über die Grenzen musikalischer Genres hinauszugehen und eine couragierte Verschmelzung verschiedenster Stilrichtungen konsequent zu verfolgen, hat ihr in kurzer Zeit zum Durchbruch verholfen.

Bodenständig und – wie sie es selbst beschreiben – mit beiden Beinen in den “muddy lowlands” ihrer Heimat verwurzelt, stehen Harlem Lake zu ihren blues-geprägten Ursprüngen, die sie sehr einfallsreich mit Americana, Rock und auch Pop verbinden. Southern-rockige Töne tun manchmal ein Übriges, um die kraftvollen und leidenschaftlichen Kompositionen souverän in eigenständige Soundcollagen zu tragen. Obwohl erst 2021 gegründet, gelang es der Band aus der Großstadt-Gemeinde Harlemmermeer bereits 2022, den prestigeträchtigen Preis der European Blues Challenge abzuräumen.

Wesentlich hierfür waren der Erfolg ihres Debutalbums “A Fool’s Paradise” (2021) sowie u. a. mitreißenden Tour-Auftritte wie im Schwarzen Adler, Rheinberg. Mit der selbst produzierten Scheibe “Volition Live” (2023) – inkl. Horn-Section und Background-Vocals wurden 13 begeisternde Titel mitgeschnitten. Das nun vorliegende 2. Album “The Mirrored Mask” festigt die Blues-basierte, dynamische Spielweise von Harlem Lake und präsentiert eine abwechslungsreiche Songlist. Produzent Guido Aalbers (z. B. Coldplay, Muse, No Doubt) balancierte die Tracks zwischen modernen und klassischen Arrangements.

Höhepunkte, u. a. die drei Vorabsingles (“Fooled Again”, “Carry On” und “The Thoughts Of You”), die vom rasanten Rhythmus-Groove à la Dire Straits, über Little Feat-betonte Guitar-/Horn-Sounds bis zum gefühlvollen Americana-Epos, sind reichlich vertreten. Immer vorne dabei die mitreißende und emotional wandlungsfähige Stimme von Janne Timmer, die auch als Frontfrau die starke Präsenz der Band mit verkörpert.

Ein mächtiger Bläser-Hintergrund fordert im Titelsong die Leidenschaft der Leadgitarre und der Vocals offen heraus und animieret nahezu unausweichlich zum Abschluss bei den schnellen Partyrockern “Temptation” und “Jack In The Box” (mit sich austobenden Gitarren und Keyboards) zum Tanzen!

Mit ihrem Follow-up “The Mirrored Mask” haben Harlem Lake erneut eine Blues-rockende Scheibe vorgelegt, die ihre vielen musikalischen Farben talentiert und liebevoll mit Americana und Soul anreichert und standesgemäß die Rock’n’Roll-Tradition als Herausforderung versteht. Ab dem 11.10. tourt die Band quer durch die Niederlande und Deutschland, und ein Konzertbesuch bietet die passende Gelegenheit, das Album in physischer Form (CD oder LP) gleich mit nach Hause zu nehmen.

Jazzhaus Records (2024)
Stil: Blues Rock, Americana

Tracks:
01. Carry On
02. Fooled Again
03. To Tell You I’m Sorry
04. Beggars Can’t Choose
05. The Thought Of You
06. Crying IN The Desert
07. The Desert
08. Prelude
09. The Mirrored Mask
10. Temptation
11. Jack Is In The Box

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Jade MacRae – In My Veins – Digital-CD-Review

Wer als Backgroundsängerin in Joe Bonamassas Band über Jahre hinweg erfolgreich partizipiert, ist, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, für deutlich mehr prädestiniert, als nur ein paar schöne laszive Aahs, Oohs oder Uuhs. Jade MacRae, die wir jetzt auch schon sehr oft live erlebt haben, zeigt als Fronterin auf ihrem neuen, nur digital veröffentlichen Studio-Album „In My Veins“, dass sie Gesangsblut in ihren Adern mitgegeben bekommen hat.

Nebenbei sei bemerkt, dass die Protagonistin übrigens auch einen Universitätsabschluss als Pianistin und Violinistin vom Sydney Conservatorium Of Music hat.

Die 10 Tracks hatten ihren Ursprung während der Pandemie-Zeit, wo sich jede Menge  innerlicher Frust angestaut hatte und wurden später mit Leuten wie Kirk Fletcher (Gitarre, u. a. Ex-Fabulous Thunderbirds, Eros Ramazotti) , Lachy Doley (Voc, Hammond u. a. Jimmy Barnes, Glenn Hughes), Mahalia Barnes (Voc, u. a. Joe Bonamassa Band, Tochter von Aussie-Rocklegende Jimmy Barnes), Karen Lee Andrews (australische Sängerin(Ms Murphy)) und Jades Eltern, der renommierten Jazz-Sängerin Joy Yates und Fusion/Modern Jazz-Pianist Dave MacRae,und auch von Joe Bonamassa weiterentwickelt.

Der Gitarrenmeister himself liefert dabei auf dem sicherlich stärksten Stück des Werkes, dem slow-bluesigen „Early In The Morning“ eine packendes E-Solo, dass der ohnehin schon fesselnden Atmosphäre im Verlauf noch weitere dramatische Tiefe vermittelt.

Weitere Anspieltipps meinerseits sind der lässig groovende Opener „Out Of Sight“, das heftig und aggressiv  dahingeschossene Soulfeuer in „Shots Fired“, aber natürlich auch die ruhigeren Sachen wie „Reckoning“, das anprangernde „How Can We Live“, in denen Jade ihre ganze emotionale Verzweiflung der Pandemiezeit stimmlich in ihre Songs einbringt sowie auch das finale famose „Better This Time“ mit dem fast improvisiert wirkenden Instrumentalteil im Endbereich des Tracks.

Joe Bonamassa beschreibt sie als eine der talentiertesten Musikerinnen, die er je getroffen habe und in dieser Kombination von Seelenfülle und technischer Gewandtheit nur sehr selten vorkommt. Jade MacRaes neues Album „In My Veins“ untermauert dieses Statement mit tollen, spannenden und abwechslungsreichen Songs, handelnd von von Selbstliebe, positivem Denken in einer Zeit generationen-übergreifender Panik, Optimismus und dem Triumph über das Grauen. Und das mit einer Stimme, die im Blues-Soul-Bereich ihresgleichen sucht.

Eigenproduktion (2024)
Stil: Blues, Soul & More

01. Out Of Sight
02. Rose Coloured Glasses
03.  Little Joy
04. Early In The Morning
05. Eyes To The Sky
06. Shots Fired
07. Reckoning
08. How  Can We Live
09. In My Veins
10. Better This Time

Jade MacRae
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Blackberry Smoke – Support: Bones Owens – 29.09.2024, E-Werk, Köln – Konzertbericht

Wieder mal ein toller Abend im Kölner E-Werk mit dem unbestrittenen aktuellen Branchenführer des Southern Rocks, Blackberry Smoke. Da im nebenan gelegenen Palladium ebenfalls ein ausverkauftes Konzert stattzufinden schien (bei einem Singer/Songwriter namens Faber – unsere Generation  verbindet mit dem Begriff wohl eher den Lotto-Service…), gab es im Umfeld der beiden Locations zunächst erst einmal das völlige Parkchaos.

Die Straße dazwischen bildete ganz offensichtlich auch eine imaginäre Alterstrennlinie. Auf der einen Seite fast nur junges Gemüse, auf der anderen die überwiegend immer betagter werdende (Southern) Rockmusik-Klientel, uns natürlich eingeschlossen. Wir entschieden uns nach drei Ehrenrunden dann auf unserem gewohnten Parkplatz, am etwas weiter weg gelegenen Carlswerk Victoria, zu residieren, wo die Truppe aus Georgia ja letztes Jahr schon brillieren konnte.

Nicht ganz soviel Freude wie die Tattoostudios in Nashville an Bones Owens‘ reichhaltig verziertem Körper hatte ich, ehrlich gesagt, an seiner im Trio präsentierten musikalischen Vorstellung. Er gab in einer Dreiviertelstunde natürlich u. a. diverse Stücke aus dem auch bei uns besprochenen aktuellen Werk „Love Out Of Lemons“ wie „Get It On“ oder „Goin‘ Back Where I Came From“ zum Besten. 

Das hatte alles allerdings viel den brachialen, und wenig feinfühligen Charakter einer Garagen Rock Band, mir persönlich ein viel zu schrammeliges Gestampfe und Gepolter, relativ unmelodisch und zu monoton, kein Song mit einigermaßen spürbarem Widererkennungswert. Feinfühlig, mehr höflich, wurde er vom Kölner Publikum mit Applaus bedacht, allerdings hatte man auch den Eindruck, dass die meisten Anwesenden ebenfalls nicht besonders glücklich mit der Wahl des Support-Acts waren.

Line-up:
Bones Owens (lead vocals, electric guitar)
Julian Dorio (drums)
Paul Moak (bass, programming)

Gegen 21:10 Uhr war es dann nach der Umbaupause relativ schnell soweit. Blackberry Smoke betraten hochmotiviert das ehemalige Elektrizitätswerk. Das Ensemble um Charlie Starr hatte in der Zwischenzeit ja den tragischen Tod ihres Drummers Brit Turner zu verkraften. Dieser wurde aber  vom neuen Mitglied Kent Aberle ohne Eingewöhnungsschwierigkeiten adäquat ersetzt.

Wie schon in ganz vielen unserer Konzertberichte über die Band geschildert, steht die Domstadt ja so was wie für das Synonym der Weiterentwicklung des aktuellen Sextetts. Und das nicht nur was die Quantität der Besucher betrifft, sondern auch für das musikalische Qualität. Während der stoische Bassist Richard Turner, der solide Keyboarder Brandon Still und der mit E-Gitarren-Rhythmusspiel und Harmoniegesängen, immer sehr zufrieden wirkende Paul Jackson, die langjährigen Konstanten und das Grundgerüst um den unbestrittenen Kreativ-Leader bilden, ist Charlie Starr mit dem Saitenvirtuosen Benji Shanks ein echter Glücksgriff gelungen.

Man hat nicht nur den Eindruck, dass dieser der Band mehr Tiefe und spielerische Klasse vermittelt, sondern auch Starr selbst in seinem Gitarrenspiel zu ständigen Verbesserungen animiert. Ein ganz tolles Zusammenwirken der beiden, und auch, wenn sich Paul Jackson mal sporadisch zu Twineinlagen dazugesellte.

Und so gab es mal wieder einen sich stimmungstechnisch ganz hervorragend aufbauenden Mix aus launigen Rockern („Good One Comin‘ On“, „Hammer And The Nail“, „Waiting For The Thunder“, „Little Bit Crazy“) , vielen Ohrwürmern („Pretty Little Lie“, “ Ain’t The Same“, „Run Away From It All“, „One Horse Town“), ein paar Country-/Honkytonk-Sachen („Hey Delilah“, „Ain’t Got The Blues“) und technisch anspruchsvollen Stücken mit progressivem Touch (u. a. „Medicate My Mind“,  „Watcha Know Good“, „The Wjppoorwill“). Grandios gespiueltdas akustisch gehaltene „Azelea“ aus dem aktuellen Album „Be Right Here„, mit herrlicher Mandolinenbegleitung von Shanks. 

Ganz hervorragend war auch die Textsicherheit der Kölner Audienz, die Charlie augenscheinlich bei Tracks wie u. a. „Waiting For The Thunder“ oder „One Horse Town“ großen Spaß bereitete und die zum Teil Gänsehaut erzeugte. Nach dem Ende des  Hautteils  mit dem verrückten „Little Bit Crazy“ ließen sich Blackberry Smoke nicht lange bitten und Starr (jetzt mit Cowboyhut) & Co. servierten mit dem Song-Trio „Don’t Mind If I Do“, dem Little Feat-Cover „Willin‘ und
„Ain’t Much Left of Me“ der begeisterten Menge im randvollen E-Werk eine ganz starke Zugabenrunde.

Und damit wären wir am Ende dann wieder bei den noch potentiellen Steigerungsmöglichkeiten der Truppe in der Domstadt. Konsequenter Weise müsste dann eigentlich 2025 das zu anfangs erwähnte gegenüberliegende Palladium an der Reihe sein.  Aber egal wo auch immer, Blackberry Smoke sind in der derzeitigen Verfassung immer einen Besuch wert.  Sie bilden ganz klar die Speerspitze des heutigen modernen Southern Rocks!

 

Line-up:
Charlie Starr (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)
Paul Jackson (acoustic guitar, electric guitar, vocals)
Benji Shanks (electric guitar, acoustic guitars, mandolin)
Brandon Still (keys)
Kent Aberle (drums)
Richard Turner (bass, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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