Henrik Freischlader – 07.11.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Dass Henrik Freischlader zu den angesagtesten Blues-Musikern Deutschlands gehört, zeigt sich auch dadurch, dass der Schwarze Adler schon einige Wochen vor dem Konzert ausverkauft war.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Freischlader mit seinem Bassisten Rene Pütz und Drummer Leon Mucke die Bühne und begrüßt sichtlich gut gelaunt die Fans, die ihn mit Applaus aufnehmen. Passend beginnt er das über zweistündige Konzert mit zwei Sets, indem er mit dem Titelsong „The Blues“ von seinem ersten Album quasi die Überschrift des Abends setzt, um mit „Free“ direkt den Bogen zum letzten Studiowerk zu spannen. Die Songauswahl ist so geschickt gewählt, dass sich die gesamte Energie des Powertrios entladen kann.

Freischlader setzt mit zahlreichen oft minutenlangen Soli Akzente und heimst dafür mehrfach verdienten Szenenapplaus ein. Aber auch seine beiden Bandmitglieder zeigen neben der Rhythmusarbeit in kurzen Soloeinlagen und zum Ende des Konzertes mit einem mehrminütigen Bass- und Drumsolo, wo Freischlader ihnen die Bühne überlässt, das sie ihre Instrumente perfekt einzusetzen wissen.

In einem Konzert ohne Längen, wenn man von den langen aber abwechslungsreichen Gitarrensoli einmal absieht, begeistert die Band mit Tracks wie „Disappointed Woman“, „The Bridge“ oder „The Sky Is Crying“, um mit einer entfesselten Version von „Foxy Lady“ als Zugabe einen hochklassigen Bluesabend unter dem tosendem Applaus der Anwesenden im Schwarzen Adler zu beenden.

Line-up:
Henrik Freischlader – vocals, guitar
Rene Pütz – bass
Leon Mucke – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Joe Flip – Old Soul: Live – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Joe Flip, ein mir bis dato mir völlig unbekannter amerikanischer Bluesrocker, dessen Markenzeichen es ist, auf handgefertigten Gitarren aus Ölkanistern zu spielen, stellte Ende September sein drittes Album vor. „Old Soul: Live“ heißt das Werk, auf dem er sich an Blues- und Blues Rock-Klassikern der letzten Jahrzehnte von Stevie Ray Vaughan („Pride and Joy“), Jimi Hendrix („Little Wing“, „Voodoo Child“), Ray Charles („Mess Around“), ZZ Zop („Tube Snake Boogie“, „Tush“, Just Got Paid“, „La Grange“), Freddy King („I‘m Tore Down“), Robert Nighthawk („Anna Lee“), Johnny Otis („Willie and the Hand Jive“) und Elmore James („The Sky Is Crying“) in teils elegischer Breite abarbeitet, alle in einem Club live gespielt und aufgenommen.

Die meisten der Songs kommen schweißtreibend und mit einer ungestümen Spielfreude daher und verleiten unwillkürlich zum Mitzappeln, wobei sie ihre Nähe zum den Originalen nicht verleugnen, aber dennoch Joe Flips Handschrift tragen. Einzig „Anna Lee“, in der Urfassung ein traditioneller Slowblues von Robert Nighthawk aus dem Jahr 1949, verwandelt sich unter den Fingern von Joe Flip in ein wildes und furioses, kaum wieder erkennbares Instrumentalstück. Das absolute Gegenstück dazu ist Elmore James‘ ruhige Komposition „The Sky Is Crying“ von 1960, die Joe Flip in ein modernes Gewand im Stil des Chicagoblues packt.

Die übrigen Tracks sind wie gesagt bekannte Knaller, in den denen der amerikanische Bluesrocker eindrucksvoll beweist, dass er nicht nur auf hohem Niveau Gitarre spielen kann, sondern auch stimmlich überzeugt. Insgesamt ein feines Album für flippige Blues Rock-Aficionados.

Tracks:
01. Pride And Joy
02. Little Wing
03. Mess Around
04. Just Friends
05. Tube Snake Boogie
06. I‘m Tore Down
07. Anna Lee
08. Willie And The Hand Jive
09. The Sky Is Crying
10. Tush
11. Just Got Paid
12. La Grange
13. Voodoo Child (Slight Return)

Joe Flip
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Patricia Vonne – 27.10.2024 – to hoop, Rheinberg, Konzertnachlese

Patricia Vonne bringt bei ihrem ersten Besuch im Rheinberg-Alpsrayer to hoop den Flair der mexikanisch-spanisch beeinflussten Südstaaten mit auf die Bühne. Ihre familiäre Herkunft unterstreicht sie deutlich, in dem sie zwischen englischen und spanischen Texten, wo das mexikanische Temperament ein belebendes Element ist, switcht.

Nicht nur durch ihre Gesangsqualitäten und das Gitarrenspiel auf der akustischen Gibson (einmal wechselt sie auf die Rickenbacker von Robert LaRoche und übernimmt die Leadguitar) begeistert Vonne die Musikfans, sie ist auch eine ausgezeichnete Entertainerin mit Schauspielfähigkeiten. Mal gibt sie Kastagnetten einsetzend eine Flamenco-Tänzerin, um kurze Zeit später wie ein Matador ihre Musiker zu lenken. Auch das Publikum, mit dem sie in ständiger Interaktion ist, wird mehrfach Teil der Show, sowie eine langjährige Freundin, die sie für einen Track gesanglich unterstützt.

Dabei kann sie sich voll auf ihre Band verlassen. Robert La Roche bringt mit seiner Rickenbacker eine gewisse Härte in die Songs und sorgt für einige fetzige Soli. Bernhard Weichinger an den Drums und Bassist Harmen de Bresser zeigen während des gesamten Konzertes, dass sie Meister ihres Fachs sind und auf den Punkt den Rhythmus, mit einer spielerischen Leichtigkeit vorgeben.

Das Konzert, aus dessen starker und abwechslungsreicher Setlist „Que Maravilla“, „Top Of The Mountain“ und das rockige „Rebel Bride“ herausragen, hätte mit Sicherheit mehr als die anwesenden Fans, die voll auf ihre Kosten gekommen sind, verdient gehabt. Ein Blick auf die Veranstaltungen im to hoop lohnt sich auf jedem Fall, Sami Durak, hat neben Konzerten und anderen Events in diesem Jahr auch fürs nächste Jahr einige Überraschungen in der Planung.

Line-up:
Patricia Vonne (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, drums, percussion)
Robert LaRoche (electric guitar, acoustic guitar, vocals)
Harmen de Bresser (bass, vocals)
Bernhard Weichinger (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Patricia Vonne
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To Hoop

Samantha Fish – 20.10.2024 – Kantine, Köln – Konzertnachlese

Im letzten Jahr brachte Samantha Fish mit Jesse Dayton den „Death Wish Blues“ auf die hiesigen Bühnen. Jetzt geht sie wieder solo auf Tour und macht den Schritt von Clubs auch in größere Locations wie die Kantine in Köln. Kurz nach 20 Uhr betritt Fish mit ihrer Band bei gedämpftem blauen Licht und wabberndem Nebel die Bühne in der Kantine.

Direkt geht das Frontlicht auf Samantha Fish, die mit enger schwarzer Lederhose und Lederweste die Fans charmant begrüßt. Wer sie allerdings auf ihr Outfit reduziert, wird der Musikerin aus Kansas nicht gerecht. Mit einer weißen Gibson SG, die im Kontrast zur schwarzen Kleidung zu glänzen scheint, sorgt mit dem rockigen „Kick Out The Jams“ direkt für beste Stimmung. Der gut abgemischte Sound lässt auch ihre Stimme zur Geltung kommen.

Bassist Ron Johnson und Jamie Douglass an den Drums sorgen für eine fette transparente Rhythmusgrundlage, auf der sich Fish mit diversen staken Soli austoben kann. Mickey Finn an den Keyboards unterlegt die Songs mit einigen Klangteppichen, kann aber auch mit Solopassagen glänzen, wo er sich zuweilen mit Fish die Noten hin und her schmeißt.

Ein Highlight ist „Bulletproof“, wo sie slidend über ihre Zigarrenbox-Gitarre fegt. Einen Kontrast zu den meist härter gespielten Stücken bildet „Need You More“, wo sie zur Akustikgitarre greift und für einen Moment etwas Tempo aus der Show nimmt.

In einer über 10-minütigen Version von „Black Wind Howlin´“, haben alle Musiker in jammenden Phasen die Möglichkeit sich zu ‚zeigen‘ und individuelle ihre Spielstärke in den Vordergrund zu stellen. Fish fegt auch hier zeitweise slidend über die Saiten ihrer Supro Belmont Red. So beendet Samantha Fish mit ihrer Band unter frenetischem Applaus zunächst den Gig. Lautstarke Zugabeforderungen sorgen dann dafür, dass die Band schnell wieder auf die Bühne kommt.

Mit dem rockigen „Goin´Down South“ beendet Fish das Konzert, wie sie es begonnen hat, mit der weißen Gibson SG. Der angedeutete Blitz auf dem schwarzen Gitarrengurt kann symbolisch dafür gesehen werden, dass sie mit ihrer Band wie ein Gewitter über die Kölner Kantine gezogen ist und so in der Domstadt Werbung in eigener Sache gemacht hat, sodass sich beim nächsten Mal aus einer ansehnlich gefüllten Kantine eine proppevolle Kantine entwickeln wird. Dieser engagierte Auftritt hätte das auch schon verdient gehabt.

Line-up:
Samantha Fish – guitars, vocals
Ron Johnson – bass
Jamie Douglass – drums
Mickey Finn – keyboards

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Samantha Fish
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3Dog Entertainment
Kantine Köln

Steve Leon & The Accusations – Borrowed Time Bonanza – CD-Review

Review: Michael Segets

Kurz nach ihrer Debüt-EP „Louche” bringen Steve Leon & The Accusations nun ihr erstes Album heraus. „Borrowed Time Bonanza“ knüpft an ihre erste Veröffentlichung an und bewegt sich weiterhin im Indie-Folk. Die Band zeigt sich jedoch gereift, wobei die Instrumentalisierung etwas voller erscheint und nun deutlicher in Richtung Alternative Country geht. Die zehn von Steve Leon geschriebenen Stücke wurden analog aufgenommen und in unveränderter Bandbesetzung wie die EP eingespielt. The Accusations sind weiterhin Mila Francis, Yannick Hermans, Bouke Cools, Kristof Van de Vliet und Tim Martens.

Das Sextett aus Belgien setzt auf Songs, die eine spezielle Mischung aus Indie und Country bieten. Das Songwriting wandelt eher auf Independent-Pfaden, die instrumentale Begleitung mit Pedal Steel und Dobro, für die Bouke Cools zuständig zeichnet, sowie Geige und Mandoline – jeweils von Mila Francis gespielt – ist eher für den Country charakteristisch. Der Opener „You Blind Me“ verweist mit seinem Rhythmus und Twang am deutlichsten auf den Country und auch die Single „Bound To Break“ kann dort noch verortet werden. Die anderen Stücke bleiben von ihrer Grundanlage eher im Independent-Bereich. Sie bewegen sich im unteren bis mittleren Tempobereich. Die Vorgeschichte der Bandmitglieder in diversen Punk-Bands scheint dabei nicht durch.

Die Songs bieten einige klangliche Einfälle und sind durchaus unterschiedlich aufgebaut. Die meisten Beiträge brennen sich aber nicht so ein, man sie lange im Ohr behält. Auffällig ist jedoch „Say It Out Loud“, das beinahe nach The Cure in einer countryfizierten Version klingt. Schöne Details finden sich in mehreren Stücken. Yannick Hermans hat bei „Clowns“ und dem getragenen „No Mirror“ gelungene Parts mit seiner Gitarre. Auch Mila Francis wertet die Songs auf, wenn sie ihren Ehemann Steve Leon am Mikro begleitet. Beispielsweise bei meinen beiden Favoriten auf dem Album der Ballade „Live Every Day“ und dem luftigen „Colours“ ergänzen sich die beiden prima.

So wie auf dem Cover Spielzeugcowboys neben Dinosauriern drapiert sind, treffen bei „Borrowed Time Bonanza“ mit Country und Independent-Music zwei Welten aufeinander, die sonst wenig Berührungspunkte haben. In sich ist das Werk stimmig, wenn man sich damit anfreunden kann, dass solche Stile gemixt werden. Die Songs von Steve Leon sind mit wenigen Ausnahmen im Indie-Folk verwurzelt und werden von ihm und The Accusations mit country-typischen Instrumenten und Arrangements versehen. Bei einer Einordnung der Musik als Alternative Country liegt die Betonung daher auf dem ersten Wort.

Off Label Records (2024)
Stil: Alternative Country

Tracks:
01. You Blind Me
02. Say It Out Loud
03. Bound To Break
04. Clowns
05. Live Every Day
06. Free
07. No Mirror
08. Until We Fall
09. Colours
10. Fiction

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Off Label Records
JohThema Promotions

Julian Sas – 19.10.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertnachlese

Julian Sas sorgt im Schwarzen Adler in Rheinberg für ein ausverkauftes Haus. Der Opener „Home Feelin´“ ist gut gewählt und vom ersten Moment ist zu sehen, dass die Bühne für Julian quasi das Wohnzimmer ist, in dem er alles tut, seine Gästen etwas zu bieten. Dabei ist der Schwarze Adler für ihn etwas wie ein Heimspiel. Mit seiner Band kehrt er zu seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum musikalisch wieder zu seinen Wurzeln als Powertrio zurück.

Mit Edwin van Huik am Bass und Lars-Erik van Elzakker an den Drums hat er kongeniale Mitmusiker, die auf der Bühne zu einer Einheit verschmelzen und bei vielen jammenden Phasen auf den Punkt wieder in den eigentlichen Song zurückfinden. Die Energie auf der Bühne springt sofort auf das begeistert mitgehende Publikum über, was die Niederländer scheinbar nochmals anzustacheln scheint.

Die rasante Fahrt wird nur einmal kurz vom melancholischen „Fallin´From The Edge“ unterbrochen, was seinem ehemaligen Bassisten gewidmet ist. Selbst dieser auf dem letzten Album leicht balladeske, noch mit Keyboards eingespielte Song, bekommt in der neuen Besetzung der Band einen raueren Charakter.

In einem abwechslungsreichen Konzert in zwei Sets mit über zwei Stunden Dauer, kommt durch die Variabilität der Songs keine Langeweile auf. Es geht vom Blues über Boogie zu Hard Rock und selbst Southern-stylische Soli entlockt er seinen Gitarren. Mit einer Extended-Version von „Hey Joe“, den hard rockigen „The Devil Got My Number“ und dem legendären „Bullfrog Blues“ beendet er mit einem finale furioso einen starken, schweißtreibenden Blues Rock-Abend im Schwarzen Adler.

Sas kündigte während des Konzerts schon an, dass man sich nächstes Jahr wiedersehen werde. Dann wird er ein neues Album, das erste, das er in der aktuellen Besetzung eingespielt hat, dabei haben. Wie gewohnt ließen es sich Julian und seine Band nicht nehmen, ausgiebig für die Fans nach dem Konzert für Smalltalk und Fotos bereit zu stehen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric guitar)
Edwin Van Huik (bass)
Lars Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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On Stage Group
Schwarzer Adler, Vierbaum

The Sheepdogs – Hell Together – EP-Review

Den Luxus, darüber zu nachzudenken, was besser ist – ein komplettes Album oder alternativ zweimal im Jahr eine EP zu veröffentlichen – kann man sich in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, vermutlich nur leisten, wenn man Herr seines eigenen Labels ist.

Die Sheepdogs haben aus diesem Grunde die Pfade der Majors verlassen und sind seit geraumer Zeit auf dem selbst gegründeten Right On Records-Label unterwegs. „Wir wollen einfach die Häufigkeit, Musik zu veröffentlichen, erhöhen und Dinge anders zu machen, als wir es in der Vergangenheit getan haben“, so Bassist und Bandmanager Ryan Gullen.

Damit kann die finale Entscheidung vorweggenommen werden, nachdem sie bereits zu Begin des Jahres die tolle EP „Paradise Alone“ vorweg geschickt hatten. Ich meine auch, dass man mit mehreren detaillierten Akzenten deutlich nachhaltiger in hier Erinnerung bleibt, zumal man mit „Hell Together“ ein weiteres Klasseteil hinterher schiebt und in wenigen Wochen auch noch mit Live-Präsenz aufwartet.

Auf „Hell Together“ (der Titel ist ein Wortspiel mit einem Augenzwinkern an den Vorgänger anknüpfend und die Idee, dass selbst wenn man etwas sehr Schwieriges durchmacht, und mit seinen Leuten zusammen ist, es diese Stärke des Gemeinsamen gibt, dass man sich Allem stellen kann), haben die Kanadier diesmal einen Track mehr drauf gepackt.

Der Einstieg mit den sehr 70er-umgarnten „Now Or Never“ (mit sehr beatlesken Harmoniegesängen, aber schönem E-Solo) und „Handle My Biz“ mit einer ständig präsenten Leierkasten Key-Synthie-Hook, ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig.

Hatte ich mich noch beim vorherigen Review zu Warren Haynes grandioser Scheibe „Million Voices Whisper“ über die Erhaltung des Allman Brothers-Spirits ausgelassen, so zählen zu den Wahrern dieser Musik sicherlich  auch die Protagonisten dieses Werkes, wie man unzweifelhaft an Stücken wie „My Home Is Burning“ und dem fantastischen Titelstück am Ende unzweifelhaft erkennen kann.

Erstgenanntes mit so einem esotherischen Zustz-Flair, das man u. a. auf „Brothers & Sisters“ vorfand, „Hell Together kommt wie ein modernes „Midight Rider“, Highlight sind die klimpernden Chuck Leavell-Piano-Gedächtnis-Einlagen, die Slide- und E-Gitarre fulminant vor sich her treiben. Ein 6 1/2-minütiger Song mit Southern-Klassiker-Ambitionen!

Das fluffige und melodische „The Working Man“ ist von den starken Vokalgruppen der 70er wie u. a. den Eagles, der Nitty Gritty Dirt Band, Crosby Stills & Nash oder America geprägt, hat aber eine klare Southern-Note. Neben dem Titeltrack mein persönlicher Favorit des Kurzwerks.

„Es hat etwas mit dem Aufwachsen in der Mittelschicht zu tun“, sinniert Fronter Ewan Currie, „wir müssen einfach weitermachen. Und so arbeiten wir immer noch sehr hart, wir konzentrieren uns, und ich habe das Gefühl, dass wir eine Menge wirklich guter Musik zu machen haben. Ich bin also sehr optimistisch und aufgeregt, weil ich das Gefühl habe, dass wir noch eine Menge kreativer Dinge zu sagen haben. It feels really good.“

Die Live-Wirkung der Songs von „Paradise Alone“ und „Hell Together“ kann man in Kürze antesten.

Auf Tour geht es diesen Monat in folgende Locations (alle Shows mit Support The Commoners)
13.11. München, Strom
14.11. Dresden, Beatpol
15.11. Berlin, Frannz
17.11. Hamburg, Bahnhof Pauli
26.11. Köln, Luxor

Right On Records (2024)
Stil Southern Rock & More

Tracklist:
01. Now Or Never
02. Handle My Biz
03. My Home Is Burning
04. The Working Man
05. Jeroboam
06. Hell Together

The Sheepdogs
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Oktober Promotion

Steve Earle – Alone Again … Live – CD-Review

Review: Michael Segets

Im Rahmen seiner „Townes”-Tour konnte ich Steve Earle nur mit Gitarre und Mundharmonika live erleben. Das ist nun auch schon fünfzehn Jahre her, aber seine Präsenz auf der Bühne und die Anekdoten, die sich damals hauptsächlich um seine Erlebnisse mit Townes Van Zandt drehten, sind mir noch gut in Erinnerung. Es liegen schon ein paar Konzerte und Aufnahmen von Earle vor, die er solo bestreitet. Diese ergänzt er mit „Alone Again … Live“. Das Album wurde bereits im Juli digital veröffentlicht, nun steht hierzulande die CD zum Verkauf und Vinyl folgt demnächst.

Einige seiner frühen Klassiker finden sich vor allem am Anfang der CD. „The Devil’s Right Hand“, „My Old Friend The Blues“, „Someday“, „Guitar Town“ und „I’Ain’t Ever Satisfied” werden zügig hintereinander weg gespielt. Zum Abschluss des Albums folgt mit „Copperhead Road” noch ein Titel aus den 1980ern, der im letzten Jahr zu einem offiziellen Song des Staates Tennessee erhoben wurde. Was immer das bedeuten mag.

Steve Earle wählt drei Tracks von „I Feel Alright“ (1996) („Now She’s Gone”, „South Nashville Blues” und „CCKMP”) und zwei von „Transcendental Blues”. Neben dem Titelstück seines Albums aus dem Jahr 2000 spielt er „The Galway Girl“, das nicht mit dem Lied von Ed Sheeran zu verwechseln ist. Earles Song ist älter und besser. Die Setlist überrascht dahingehend, dass Earle von seinen jüngeren Veröffentlichungen lediglich „It’s About Blood“ herausgepickt. Der Text dreht sich um ein Minenunglück in West Virginia und Earle nutzt die Gelegenheit, zu einem sozialkritischen Kommentar über Profiteure und Leidtragende des Systems.

Neben den relativ langen Ausführungen zu dem Stück, das von dem Album „Ghost Of West Virginia“ (2020) stammt, gibt Earle als Storyteller ein paar kürzere Anmerkungen und Anekdoten zum Besten. Sie sind persönlicher gehalten und mit einem Augenzwinkern versehen wie vor „Goodbye“ oder „Sparkle And Shine“. Ich finde, dass solche Zwischenbemerkungen zu Konzerten gehören, da sie zu deren speziellen Atmosphäre beitragen. Wenn man die Aufnahmen aber mehrmals gehört hat oder sich nur die Musik anhören möchte, ist ein Splitting von Vorteil, was sich bei der vorliegenden Scheibe zumindest bei „It’s About Blood“ angeboten hätte.

Steve Earle braucht nicht viel, um sein Publikum zu fesseln, wie „Alone Again … Live“ erneut beweist. Er vertraut auf die Kraft seiner Klassiker. Seine langjährigen Fans hätten sich eventuell eher Versionen seiner neueren Songs gewünscht, was nichts an der überzeugenden Vorstellung ändert, die der Mann aus Virginia gibt.

Missing Piece Records – Membran (2024)
Stil: Singer/Songwriter

Tracks:
01. The Devil’s Right Hand
02. My Old Friend The Blues
03. Someday
04. Guitar Town
05. I’Ain’t Ever Satisfied
06. Now She’s Gone
07. Goodbye
08. Sparkle And Shine
09. South Nashville Blues
10. CCKMP
11. Transcendental Blues
12. It’s About Blood
13. Dominick St.
14. The Galway Girl
15. Copperhead Road

Steve Earle
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Missing Piece Records

Warren Haynes – Million Voices Whisper – CD-Review

Die Geschichte der Allman Brothers  dürfte sich aller spätestes mit dem Ableben der beiden wichtigsten und prominentesten Akteure Gregg Allman und Dickey Betts wohl endgültig erledigt haben. Dennoch braucht man sich über die Erhaltung des Spirits dieser Musik auch in kreativer Hinsicht wohl keine Sorgen zu machen.

Immerhin gibt es ja noch viele Sprösslinge der beiden Protagonisten, die ebenfalls auf musikalischem Parkett unterwegs sind und eben auch Warren Haynes, der seit seinem Einstieg, ich meine es wäre bei „Seven Turns“ gewesen, ein überaus langjähriges Mitglied war und die DNA der Band dementsprechend verinnerlicht hat.

Haynes, ein ‚Hans Dampf in allen Gassen‘ (u. a. solo, Gov’t Mule, The Dead) ist jetzt mal wieder mit einer Solo-Platte unterwegs und hat sich mit Derek Trucks einen weiteren ehemaligen ABB-Kumpanen für sein neues Werk „Million Voices Whisper“ für drei Songs mit ins Boot geholt. Reichhaltige Slide-Garantie somit inbegriffen.

Beim verspielten Opener „These Changes“ lassen die beiden im hinteren Bereich direkt eine „Blue Sky“-Gedächtnis-Solo-Passage vom Stapel, dass einem sofort das Herz aufgeht. Trucks ist dann noch an der herrlichen Southern Soul-Ballade „Real, Real Love“, ursprünglich gemeinsam mit Gregg Allman geschrieben und gleichzeitig mein Lieblingsstück des Longplayers, sowie beim abschließenden 9 1/2-minütigen „Hall Of Future Saints“, wo Haynes seine persönlichen Blues-Legenden in einem typischen ABB-Jam seiner Handschrift huldigt.

Weitere namhafte Akteure finden sich mit Lukas Nelson and Jamey Johnson beim starken „Day Of Reckoning“ und Saundra Williams mit zum Teil herrlichen Backing Vocals in gesangstechnischer Hinsicht ein, John Medeski an den Keyboards, der langjährige Schlagzeuger Terence Higgins (von der Dirty Dozen Brass Band) und Gov’t Mule-Bassist Kevin Scott (schön trocken und knöchern), sowie  Greg Osby am Saxophon setzen instrumentell die Akzente im Hintergrund.

„Go Down Swinging“ offeriert den Swing de Südens, „You Ain’t Above Me“ hätte auch auf Warrens damalige Debütscheibe „Tales Of Ordinary Madness“ gepasst. Erste Single ist „This Life As We Know It„, ein Track über die universelle Botschaft für die Umarmung der positiven Veränderungen und den Blick nach vorne durch eine neue Linse – eine, die im Inneren beginnt, von der der GRAMMY Award ausgezeichnete Haynes ergänzt „Das Lied hat eine sehr aufbauende Botschaft und auch musikalisch ist es einfach ein sehr positiver Song. Ein Stück, mit dem wir uns alle identifizieren können. Es geht darum, sich vorwärts zu bewegen und viele Dinge zu überwinden, aber auch darum, sich im Leben und mit sich selbst wohl zu fühlen.“

„From Here On Out“ und „Till The Sun Comes Shining Through“ stehen für seine Songwriting-Kunst, Melodisches und Emotionalität stilvoll zu kombinieren, das freakige „Lies, Lies, Lies > Monkey Dance > Lies, Lies, Lies“ (8 1/2 Minuten) und das treibend-stampfend groovende „Terrified“ (knapp 7 Minuten) werden erneut die Glückshormone der Jam-Fans in den ABB- und Gov’t Mule-Gemeinden zu Haufe freisetzen.

„Million Voices Whisper“ beinhaltet eine Reihe von kraftvollen, gefühlvollen Tracks, die die eloquente Musikalität eines dreifach talentierten Blues Rockers mit dem glühenden Geist eines vitalen, kreativen Künstlers auf dem Höhepunkt seiner Kräfte verbinden, heißt es im Begleittext dieses wirklichen Highlights. Dem bleibt aus meiner Sicht nichts hinzufügen. Warren Haynes in Weltklasse-Form!

Fantasy Records/Concord/Universal Music (2024)
Stil: Southern (Jam) Rock

Tracks:
01. These Changes (feat. Derek Trucks)
02. Go Down Swinging
03. You Ain’t Above Me
04. This Life As We Know It
05. Day Of Reckoning (feat. Lukas Nelson and Jamey Johnson)
06. Real, Real Love (feat. Derek Trucks)
07. Lies, Lies, Lies > Monkey Dance > Lies, Lies, Lies
08. From Here On Out
09. Till The Sun Comes Shining Through
10. Terrified
11. Hall Of Future Saints (feat. Derek Trucks)

Warren Haynes
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Oktober Promotion

Texas Hippie Coalition – Gunsmoke – Album-Review

Review: Michael Segets

Das mit Computertechnik erstellte Cover von „Gunsmoke“ erinnert von der Ästhetik an „Red Dead Redemption“. Die auf den Betrachter zufliegenden Kugeln sind ein originelles Detail. Der aufblitzende Sheriff- oder Marshal-Stern an einer Figur mag etwas irritieren, da die Männer eher wie Bad Guys wirken. Wie dem auch sei, der erste Blick legt die Vermutung nahe, dass die Musik einer härteren Gangart folgt. Texas Hippie Coalition – abgekürzt THC – bezeichnen ihren Stil als Red Dirt Metal.

Der als Single herausgegebene Titeltrack spezifiziert dann auch was man sich aus der Verbindung von Red Dirt und Metal vorzustellen hat. Der mit akustischer Gitarre einsteigende Track wuchtet, wenn nach einer Minute die elektrische aufdreht, aus den Boxen. Das Stück spielt im Folgenden mit zurückgenommenen und vorwärtsgehenden Passagen, was mir gut gefällt. „Gunsmoke“ motivierte auf alle Fälle, sich das gesamte Album vorzunehmen.

Der Beiträge des Longplayers bewegen sich überwiegend zwischen Hardrock und Metal. Der Sound ist nie breiig und die Songstrukturen bleiben erhalten, wobei den Refrains durchaus ein Wiedererkennungswert zugeschrieben werden kann. „Dead Man“, „Test Positive“ und „Bones Jones“ gehen ohne Kompromisse oder große Schnörkel zur Sache. „Million Man Army“ reiht sich dort ebenfalls ein, wobei sich die Nummer durch den Background im Chorus und Cord Pools auffälligem Gitarrensolo von den anderen abhebt. Wenn man sich die Gehörgänge durchpusten lassen möchte, sind die Songs keine schlechte Wahl.

Den Rhythmus treiben Rado Romo (bass) und Joey Mandigo (drums) voran. Die beiden Gitarristen Cord Pool (lead guitar) und Nevada Romo (rhythm guitar) liefern das, was von ihnen genreentsprechend erwartet wird. Sänger Big Dad Ritch singt oder schreit, was das Zeug hält. Mit seiner imposante Erscheinung macht der Frontmann seinem Namen alle Ehre. Er ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Band, die seit ihrer ersten Veröffentlichung (2008) zahlreiche Umbesetzungen durchlief. In der Mitte der 2010er Jahre verzeichnete die Texas Hippie Coalition einige Platzierungen in diversen US-Charts. Ich wage keine Prognose, ob es ihr nunmehr achtes Album in die einschlägigen Hitlisten schafft.

Für die SoS-Leserschaft sind wahrscheinlich die Tracks interessant, auf denen zumindest Einflüsse des Southern Rock durchscheinen. Auf „Baptized In The Mud“ sowie „Droppin Bombs“ hört man diese heraus. Als Vergleichspunkt zu Texas Hippie Coalition wird gelegentlich Molly Hatchet herangezogen. Beim starken „Eat Crow“ kommt eher Hogjaw in den Sinn. Mit „She’s Like A Song To Me“ und „I’m Gettin High“ bringt die Band schließlich zwei langsame, melodiöse Songs zu Gehör, die durchaus in der Southern- oder Red-Dirt-Ecke zu verorten sind. Während THC beim erstgenannten Titel auf einen voluminösen Sound setzt, ergänzt durch ein paar filigranere Einsprengsel von Cord Pool an den Saiten, kommt „I‘m Gettin High“ zum Abschluss überraschend reduziert daher. Der öfter in den Texten aufgegriffene Faible von Big Dad Ritch für Rauch aller Art findet hier nochmal seinen Ausdruck.

Wer sich nichts unter Red Dirt Metal vorstellen kann, sollte sich die Texas Hippie Coalition anhören. Die Hälfte der Tracks auf „Gunsmoke“ fällt in den Geltungsbereich von SoS. Die andere Hälfte des Albums bleibt dem Hardrock oder hörbarem Metal verpflichtet.

MNRK Heavy (2024)
Stil: Red Dirt Metal

Tracks:
01. Dead Man
02. Baptized In The Mud
03. Bones Jones
04. She’s Like A Song To Me
05. Droppin Bombs
06. Gunsmoke
07. Eat Crow
08. Million Man Army
09. Test Positive
10. I’m Gettin High

Texas Hippie Coalition
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MNRK Heavy
Oktober Promotion