Josh Thompson – Change – The Lost Record – CD-Review (digital)

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Josh Thompson zählt zu meinen Geheim-Lieblingsinterpreten in Nashville. Einer dieser talentierten Burschen, die ein wenig in der zweiten Reihe hinter den ganz Großen der Zunft stehen, dessen Songs aber von jenen auch immer mal gerne verwendet werden, wie seine Credits es für Leute wie u. a. Jason Aldean, Tim McGraw, Brad Paisley oder Darius Rucker beweisen.

Seine beiden bisherigen ‚richtigen‘, auch physikalisch erschienenen Alben „Way Out Here“ und „Turn It Up„, sind bei uns besprochen, jetzt lohnt es sich, die Gelegenheit zu nutzen, „Change – The Lost Record“, das es nur als digitale Variante gibt, zu beleuchten, da nun eine Vollversion mit zwölf Stücken erhältlich ist (vorher gab es das Teil als EP mit nur sechs Songs).

Was soll man sagen, ein tolles, kurzweiliges abwechslungsreiches Werk, das von vorne bis hinten Laune macht, sofern man auf New Country mit ganz dezentem Southern Rock-Touch steht (Tracks wie z. B. „Daddy Had A Beer“, „Comin‘ Around“  und „I Like To Believe In That“ wären z. B. Van Zant auf den Leib geschnitten).

Gearbeitet wird viel mit variabel gespielten Bariton-E-Gitarren, Steel und gezielten Orgel-Einsätzen. Der selbstironische Opener „Same Ol‘ Plain Ol‘ Me“ (mit herrlicher E-Gitarren-/Steel-Doppel-Solo-Kombination) und das finale „Something’s Gonna Get Us All“ (mit schön gurgelnder Orgel), zwei mega-coole Stampfer, rahmen das Werk ein. Ich liebe solche Lieder!

Mit „We Don’t Have To Work (In The Morning)“, einem Feier- und Mitgrölsong für die die gestresste Arbeiterschaft, womit er mir als  4:30 Uhr-Aufsteher natürlich aus der Seele spricht (dazu gibt es alkohol-geschwängerte Crowd-Gesänge am Ende), dem Titelstück „Change“ und dem grandios besungenen „Gotta Go To Heaven“ (tolle weibliche Harmoniegesänge), zwei herrlichen Balladen, dem Bakersfiled-umwobenen „Rust“ (flotter Country-Schunkler) und dem starken lässigen Duett mit Justin Moore bei „Livin‘ Like Hank“ (schönes ZZ Top-Intro) wären die markantesten Stücke umschrieben.

Der Rest sind fein getextete und schön, wie oben beschrieben, mit viel Bariton-E-Gitarren (zum Teil tolle filigrane Soli) instrumentierte, zu Thompsons Stimme, perfekt passende, melodische Tracks, denen man einfach gerne zuhört. Insofern wäre es überaus schade gewesen, wenn die Stücke von „Change – The Lost Record“ von Josh Thompson nicht veröffentlicht worden wären und im weiten Universum des New Country verloren gegangen wären. Tipp – einfach mal antesten!

Ole Digital (2017)
Stil: New Country

01. Same Ol‘ Plain Ol‘ Me
02. We Don’t Have To Work
03. Over Me
04. Change
05. Gotta Go To Heaven
06. Livin‘ Like Hank (feat. Justin Moore)
07. Daddy Had A Beer
08. Comin‘ Around
09. Rust
10. I Love Me Some You
11. I Like To Believe In That
12. Something’s Gonna Get Us All

Josh Thompson
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Shaman’s Harvest – Red Hands Black Deeds – CD-Review

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Das neue, bereits 6. Album „Red Hands Black Deeds“ der  seit 1996 bestehenden, aus Missouri stammenden, mir bis dato unbekannten Band Shaman’s Harvest, habe ich rein verdachtsmäßig angefordert. Das Video zur ihrer aktuellen, sehr dynamisch polternden Single „The Come Up“ war auf meiner Facebook-Seite gelandet und hatte mein Interesse geweckt, zumal ich auch ein ganz dezentes unterschwelliges Southern-Flair entdeckt zu haben glaubte.

Das Quintett um Fronter Nathan Hunt legt laut eigener Aussage, ein Werk vor, das dunkler und vielschichtiger ist als bisherige Sachen der Formation. Auch textlich wagen sich Shaman’s Harvest in neue Gefilde vor und beziehen zu den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen der USA, gerade im Hinblick der neuen Situation dank Donald Trump, auch aktuell Stellung. „Das Album ist voller Kontraste, ein Nebeneinander von Gut und Böse oder Richtig und Falsch. Es endete in einem Konzept, obwohl das gar nicht unsere Intention war“, so Hunt weiter.

Der Titelsong kommt als eine Art Prelude, bevor das kräftige, treibende „Broken Ones“ und die besagte Single zunächst mächtig Dampf machen. Bei mir werden zum Teil Assoziationen zu Acts wie Nickelback, Hinder & Co. geweckt.  Gleiches gilt für Stücke wie „So Long“ und das episch anmutende „The Devil In Our Wake“.

Der Bezug zu unserem Magazin wird durch Tracks wie „Off The Tracks“ (schön knarzig, Tempowechsel, Powerrefrain), das bluesige und sehr atmosphärische „Long Way Home“, „Blood Throphies“ (Southern Rock-E-Gitarren-Solo), das wunderbare, leicht folkige „Tusk And Bone“ (tolles Slide-Solo gegen Ende) oder dem an „Scavengers“ angeschlossenen countryesken Hidden Track „Hookers And Blow“ hergestellt.

Produziert hat Keith Armstrong und dabei auf digitale Effekte ausnahmslos verzichtet, wodurch sich ein gewisses Vintage-Flair wie ein roter Faden ausbreitet. Insgesamt ist „Red Hands Black Deeds“ von Shaman’s Harvest ein, in jeder Hinsicht, sehr anspruchsvoll gestalteter bzw. eingespielter Longplayer. Wer es gerne rockig (manchmal mit einem Hauch von Southern), durchaus sehr melodisch, aber mit einem gewissen Grummeln im Magen präferiert, wird sich dieses Teil, wie die geifernde Hyäne (Titel) und der hungrige Geier (Back) auf dem Cover, zu seiner Beute machen!

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Rock

01. Red Hands Black Deeds
02. Broken Ones
03. The Come Up
04. A Longer View
05. Soul Crusher
06. Off The Tracks
07. Long Way Home
08. The Devil In Our Wake
09. Blood Trophies
10. So Long
11. Tusk And Bone
12. Scavengers
13. Hookers And Blow (Hidden track)

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Chris Robinson Brotherhood – Barefoot In The Head – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Chris Robinson Brotherhood legen mit „Barefoot In The Heat“ einen starken Nachfolger zum letzten Album „Anyway You Love, We Know How You Feel“ nach. Stilistisch ist es gelungen, sich von den Fesseln der Black Crowes zu lösen, ohne dabei typische Southernrockelemente aus den Augen zu verlieren. Durch kreative Einflüsse aus Folk, Americana und Country kommt die Scheibe weitaus abwechselungsreicher her als alte Crows Platten.

Mit dem Einsteiger „Behold The Seer“ samt funkig gespielter Gitarre und zeitweiligem Bigband Sound, zieht die Band mit Neil Casal (Gitarre), Tony Leone (Drums), Adam MacDougall (Keyboards), Jeff Hill und ‚last but not least‘ Chris Robinson (Gitarre und durchgehend starke, abwechselungsreiche Lead Vocals) den Zuhörer direkt in ihren Bann. Der Song ist geprägt von einer Spielfreudigkeit, in der alle Musiker ihre Stärken präsentieren können, und die sich durch das ganze Album zieht.

Es folgt eine bunte Mischung aus folkigem, Country-geprägten Songs, die insbesondere durch die Keyboarduntermalung zeitweilig psychedelische Züge annehmen. Ein Überraschungsmoment hat „Hark, the Herald Hermit Speaks“ wo Robinsons Gesang Dylansche Züge annimmt, dabei aber klar und transparent bleibt. Mit „High Is Not The Top“ legen CRB ein absolutes Gute-Laune-Stück im Countrykostüm hin, was zum verträumten Tanzen einlädt oder die Zeit auf endlosen Highways verkürzt.

Das eher melancholisch daherkommende „If You Had A Heart To Break“ ist eine starke Ballade mit wunderschöner Keyboarduntermalung, die stilistisch in die starke Eagles-Ära in der Zeit von „Desperado“ gepasst hätte. Den psychedelischen Höhepunkt bildet „Glow“ mit verschiedensten Stilelementen, in dem der Sarod- Spieler Alam Khan (sein Vater Ali Akbar Khan spielte auf dem legendären „Concert for Bangladesh“ mit) den Zuhörer gedanklich in indische/fernöstliche Regionen entführt. Für mich das absolute Highlight der Platte, wobei es schwerfällt ein Stück hervorzuheben.
Fazit: „Good To Know“, mit Anfangs fast reggaeartigem Gesang, könnte auch sinnbildlich genommen werden. Gut zu wissen, dass Robinson sich mit seiner Band aus den scheinbaren Fesseln der Black Crows gelöst hat und mit diesem Werk seine stilistische Vielfalt auch im Songwriting beweist.

Noch schöner wäre es zu erfahren, ob und wann Robinson uns das Material, am besten mit dem Gastmusiker Alam Khan, live in Deutschland präsentiert. Material, welches auch live viele Improvisationsmöglichkeiten bietet, sind auf dem starken Album „Barefod In The Head“ auf jedem Fall vorhanden. Bis dahin muss man sich mit diesem durchgehend gelungenen Longplayer begügen, der aufgrund des stilistischen Mixes nie langweilig wird (absolute Kaufempfehlung).

Megaforce Records (2017)
Stil: Rock

01. Behold The Seer
02. She Shares My Blanket
03. Hark, The Herald Hermit Speaks
04. Blonde Light Of Morning
05. Dog Eat Sun
06. Blue Star Woman
07. High Is Not The Top
08. If You Had A Heart To Break
09. Glow
10. Good To Know

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Layla Zoe – Songs From The Road – CD-/DVD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bereits 2013 hatte ich das Vergnügen die als kanadische Janis Joplin bezeichnete Layla Zoe das erste Mal im Schwarzen Adler in Rheinberg live zu sehen. Was für ein Erlebnis, diesem Energiebündel auf der Bühne beizuwohnen! Danach hatte ich mir unbedingt vorgenommen, auch die nächsten Konzerte nicht zu verpassen. Aber, wie das Leben so spielt, immer kamen irgendwelche anderen Dinge dazwischen. Um so mehr hab dich mich deshalb gefreut, als Daniel mich fragte, ob ich nicht eine Rezension zu ihrem neuen Album „Songs From The Road“ schreiben wolle.

Natürlich hab ich sofort zugesagt, nicht zuletzt auch, weil das Werk im Doppelpack daher kommt. Neben der Live-CD mit einer 10 Stücke umfassenden 2017’er Aufnahme aus dem Hirsch Club in Nürnberg gehört nämlich eine entsprechende DVD mit dazu, der erste offizielle Live-Mitschnitt überhaupt.

Das Konzert bietet eine bunte Folge von Songs aus ihren letzten Veröffentlichungen. Opener ist das rockige und etwas basslastige „Backstage Queen“ gefolgt von „Run Away“, und dem wehmütigen „A Good Man“, einem im Gegensatz zu den ersten beiden Stücken eher getrageneren Blues-Song. Das sich anschließende „Sweet Angel“ ist eine schöne, melodiöse, aber auch nachdenkliche Ballade an Laylas 2010 verstorbene beste Freundin Marsha. Alle vier Titel stammen von ihrer 2016’er CD „Breaking Free“.

Mit „Pull Yourself Together“ vom 2011’er Album „Sleep Little Girl“ geht’s dann wieder richtig rockig mit furiosen Gittarreneinlagen von Jan Laacks weiter. „Work Horse“ (nur auf der DVD) wiederum ist ein grooviges und souliges 10-Minuten-Stück mit feinen und beeindruckenden, aneinander gereihten Soli aller Bandmitglieder. Auf beiden Silberlingen gibt es dann wieder eine Adaption der gefühlvollen Jimi Hendrix Ballade „Why Do We Hurt The Ones We Love“ zu hören bzw. zu sehen.

Aber der mit Abstand beste Track des Konzertes ist nach Ansicht des Rezensenten sicherlich das kraftvolle 13-minütige R & B-Stück „Never Met A Man Like You“ von „The Lily“, bei dem Jan Laacks wieder einmal seine Klasse als Gitarrist mit einem überwiegend langsamen, aber grandiosen Solo unter Beweis stellt, umgarnt von einer gefühlvoll singenden und das Publikum mit einbeziehenden Layla Zoe. Großartig!

Mit dem Slowblues „Highway Of Tears“ gibt die Protagonistin dann noch ein gesellschaftskritisches Statement ab. Nach eigener Aussage ist es ein Lied über die Verbrechen ihres Landes an den getöteten und verschleppten kanadischen Ureinwohnerinnen, worüber zu sprechen ihr allerdings schwer fällt. Den Abschluss der CD bildet dann das bekannte Jimi Hendrix-Stück „The Wind Cries Mary“, während die DVD mit dem Janis Joplin-Klassiker „Me And Bobby McGee“ endet, diesmal allerdings von Layla Zoe mit ihrer grandiosen Stimme A capella vorgetragen, das ist Gänsehaut-Feeling pur!

„Songs From The Road“ ist insgesamt eine überzeugende Live-Schau. Da sind zum Einen Layla Zoes eindringliche, teils Whisky-geschwängerte, raue, aber gefühlvolle Alt-Stimme und ihre ungeheure Bühnenpräsenz, die sich zwar auf der CD schon erahnen läßt, so richtig aber erst auf der DVD greifbar wird. Und zum Anderen ist da natürlich auch ihre musikalisch hervorragende Band, allen voran der brillante Gitarrist Jan Laacks, der zusammen mit Layla Zoe ein wunderbar eingespieltes Team bildet.

Line-up:
Layla Zoe (lead vocals)
Jan Laacks (electric guitar, vocals)
Christoph Hübner (bass, vocals)
Claus Schulte (drums)

Ruf Records (2017)
Stil: Blues Rock

DVD:
01. Backstage Queen
02. Run Away
03. A Good Man
04. Sweet Angel
05. Pull Yourself Together
06. Work Horse
07. Why Do We Hurt The Ones We Love
08. Why You So Afraid
09. Never Met A Man Like You
10. Highway Of Tears
11. Me And Bobby McGee

CD:
01. Backstage Queen
02. Run Away
03. A Good Man
04. Sweet Angel
05. Pull Yourself Together
06. Why Do We Hurt The Ones We Love
07. Why You So Afraid
08. Never Met A Man Like You
09. Highway Of Tears
10. The Wind Cries Mary

Layla Zoe
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Ruf Records

Kenny Wayne Shepherd Band – Lay It On Down – CD-Review

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Review: Michael Segets

Kenny Wayne Shepherd kündigte im Vorfeld der Veröffentlichung seines achten Studioalbums an, neue Wege beschreiten zu wollen. Der mehrfach ausgezeichnete Blues Rock-Gitarrist widmet sich daher weniger dem Blues, sondern mehr dem Rock. Die ersten Gitarrenriffs von „Baby Got Gone“ lösen dieses Versprechen bereits ein. Der Opener erinnert in einigen Momenten an die Eagles und das Gitarrenspiel von Joe Walsh.

„Diamonds & Gold“ und „Nothing But The Night“ sind zwei eingängige Midtempo-Nummern mit unaufgeregten Gitarrensoli. In beiden fügen sich mehrstimmige Gesangparts gelungen in die Kompositionen ein.

Mit „Lay It On Down“ präsentiert Kenny Wayne Shepherd eine gefühlvolle Ballade, die in einer akustischen Version den Abschluss der Scheibe bildet, wobei die im Wesentlichen um das Schlagzeug reduzierte Interpretation für mich noch etwas die Nase vorn hat. Das countryfizierte „Hard Lesson Learned“ ist ein weiteres langsames Stück. Die wimmernde Gitarre unterstützt die getragene Atmosphäre ohne allzu sehr in den Schmalz abzugleiten. „Louisiana Rain“ hält diese Grenze nicht so eindeutig.

Auf der Scheibe finden sich noch vier rockige Titel. „She´s $$$“ zeigt, dass Kenny Wayne Shepherd seine Wurzeln im Blues Rock hat. „Down For Love“ stellt neben dem Anfangs- und dem Titelstück ein Highlight des Albums dar. Hier weist der Sound Ecken und Kanten auf und wirkt nicht ganz so geschliffen wie bei den meisten anderen Songs. Mit diesem und dem „How Low Can You Go“ verdeutlicht die Band, dass sie auch Southern Rock im Repertoire hat. „Ride Of Your Life“ setzt erneut einen kraftvollen Akzent, bei dem Kenny Wayne Shepherd ein weiteres Mal beweist, dass er sein Instrument beherrscht.

Die virtuosen Gitarrensoli von Kenny Wayne Shepherd sind insgesamt zwar ausgedehnt, aber nicht ausufernd. Die Songlänge bewegt sich daher in der Regel zwischen drei und fünf Minuten. Unterstützt wird Shepherd auf seiner CD von seinem langjährigen Leadsänger Noah Hunt, Keyboarder Jim McGorman, Bassist Kevin McCormick und Drummer Chris Layton, der seine Sporen bereits bei Stevie Ray Vaughn & Double Trouble verdiente. Produziert hat Marshal Altman (u. a. Amy Grant, Marc Broussard, Frankie Ballard).

In der Gesamtschau legt die Band ein durchgängig gut hörbares Album mit rockigem Grundton vor. Obwohl die einzelnen Songs durchaus gelungen und gekonnt gespielt sind, fehlt ihnen im Moment teilweise noch so etwas wie ein spezifischer Charakter. Vielleicht gewinnt das Album aber noch bei weiteren Durchläufen. Die Chance hat es verdient, da bei einzelnen Stücken durchaus ein Funke überspringt.

Provogue (Mascot Label Group) (2017)
Stil: Blues Rock

01. Baby Got Gone
02. Diamonds & Gold
03. Nothing But The Night
04. Lay It On Down
05. She’s $$$
06. Hard Lesson Learned
07. Down For Love
08. How Low Can You Go
09. Louisiana Rain
10. Ride Of Your Life
11. Lay It On Down (acoustic)

Kenny Wayne Shepherd
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Nick Moss Band – 13.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

Moss-Haupt

Mit Nick Moss hatte sich ein echtes Schwergewicht der heute noch praktizierenden Vertreter des Chicago Blues in der Krefelder Kulturrampe angesagt.

Rampen-Chef Pille Peerlings sinnierte bei der Einleitung, bzw. Ansage, wie man wohl das Durchschnittsalter des Blues-Publikums in Zukunft senken könnte, und bot vermutlich den meist akademisch behafteten Anhängern und Philosophen des Genres, abendfüllenden Diskussionsstoff bezüglich dieser schier unlösbar erscheinenden Fragestellung. Denn in der Tat dominierte wieder mal die Ü-50 Generation im Saale. Schöner  Spruch eines Zuschauers daraufhin übrigens: „Pille du bist hier der Jüngste im Raum!“

Dem im wahrsten Sinne des Wortes mit wuchtigen Körpermaßen ausgestatteten Protagonisten, diesmal komplett auf einer Telecaster agierend, und seinen Mitstreitern Dennis Gruenling, Taylor Streiff, Nick Fane und Patrick Seals (Moss betitelte den backenbärtigen Drummer bei der Vorstellung der Band als Baby-Duane Allman) wohnten um die 100 Besucher an diesem Donnerstag Abend bei (also fast voll) und boten diesem äußerst stimmungsvollen Gig einen würdigen Rahmen.

Ja, ich muss tatsächlich schon überlegen, wann ich überhaupt mal, solch eine rasende Meute in der kleinen Kult-Location erlebt habe (auch wieder dabei, eine schon früher bei diversen Gigs zur Kenntnis genommene, ekstatisch vor der Bühne tanzende blonde Dame, die erneut voll in der Mossschen Musik aufging).

Das Instrumental zu Konzertbeginn um 20:45 Uhr diente zunächst mal der Abmischung des richtigen Sounds. Moss war mit der Einstellung seiner Gitarrentöne überhaupt nicht zufrieden und gestikulierte in Richtung Mischpult. Nach kurzen Instruktionen nach Ende des Openers war dann alles takko und die Band spielte sich mit „Someday“ quasi in den Gig ‚hinein‘.

Der Song hatte eigentlich auch schon wegweisende Wirkung auf die folgenden Tracks, meist durch Ricks Gesang, klimpernde Piano-, Harp- und quirlige intensive E-Gitarrensoli auf einem retrobehafteten swingendem Blues-Rhythmus-Teppich, in Szene gesetzt.

Vieles erinnerte mich, was meinen kleinen Horizont dieser recht Harp-lastigen Musikspielart angeht (ich hoffe, die Experten verzeihen mir hier ggfs. eine eventuelle zu einfache oder gar falsche Analyse), an Acts wie Muddy Waters, Paul Butterfield, Nick Gravenites oder ganz dezent auch an die J. Geils Band.

Mit dem herrlich schrill aussehenden Dennis Gruenling (Sonnenbrille, Schlangenleder-Sakko, schwarz lackierte Fingernägel, samt einer Unzahl von Ringen an den Greifern) wurde dieses Instrument natürlich per se dann zum echten Gesamtfarbtupfer. Der durfte dann auch bei zwei Stücken mal seine Gesangskünste als Fronter zum Besten geben.

Songs wie „Get Your Hand Out Of My Pockets“, das leicht Bakersfield-umwehte „Rockin‘ The Blues“, der überragende Schwofer „Woman You Must Be Crazy“ (mit ein wenig „Statesboro Blues“-Flair) und „Pretty Girls Everywhere“ (erste Zugabe) blieben bei mir im Gehör hängen. Zum krönenden Abschluss erzeugten dann Nick (am Schlagzeug sitzend, seichten Beckenrhythmus mit dem Fuß vorgebend, singend und E-Gitarre spielend) und Dennis an der Harp, im Duo bei der  zweiten (vehement) eingeforderten Zugabe, noch ein wenig Delta-Blues-Atmosphäre.

Somit lautet das knappe Fazit des launigen und umjubelten Abends in Abwandlung eines bekannten Sprichworts: Mit Nick Moss echt was los in der Krefelder Kulturrampe! Wer übrigens das Quintett in unseren Sphären nochmal sehen möchte, sollte dazu am morgigen Samstag (15.07.) die Gelegenheit im Kölner Yard Club nutzen.

Line-up:
Nick Moss (lead vocals, electric guitar)
Dennis Gruenling (harp, lead vocals)
Taylor Streiff (keys)
Nick Fane (bass)
Patrick Seals (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Nick Moss Band
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Kulturrampe Krefeld

The Magpie Salute – Same – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Nomen est Omen – der Name der Band lässt in zweierlei Hinsicht erahnen, was den Zuhörer auf der Platte erwartet. Die Elster lässt grüßen, was bedeutet, dass die Krähe in diesem Revier nicht mehr auftaucht.

Wer auf eine Reunion der Black Crowes wartet, kann vermutlich noch lange warten, denn mit den Magpie Salute hat sich 2016 eine Band gefunden, in welcher sich mit Rich Robinson, Marc Ford an der Gitarre und Sven Pipien am Bass, Eddie Harsch an den Keyboards, vier ehemalige Crowes Mitglieder zusammengetan haben, um mit Joe Magistro an den Drums, Nico Bereciartua als drittem Gitarristen, John Hogg mit starken Lead Vocals und Matt Slocum an den Keyboards, das Gerüst einer neuen Supergruppe zu bilden.

Der Begriff einer Supergruppe kann deswegen durchaus gewählt werden, da es den Protagonisten gelingt, mit einer großen musikalischen Bandbreite, Coversongs (die Elster klaut nun mal gerne) hinzulegen, die alle einen eigenen Charakter haben, sodass so niemals der Vergleich zu einer der zahlreichen Coverbands aufkommt.

In einigen Stücken wird der eingefleischte Black Crowes-Fan eben diese wiedererkennen. Andere Tracks wiederum lassen das Flair von The Band oder von Crosby, Stills, Nash and Young in einer erfrischenden Form wieder aufleben. Ein insgesamt starkes Album ohne einen Ausreißer nach unten, bei dem es schwerfällt, Songs besonders hervorzuheben.

„Fearless“ von Pink Floyd in ein Kleid mit Southern Rock-Einflüssen zu packen, ist mutig, aber letztendlich vollkommen gelungen und es wird der Bogen der psychedelischen Floyd zum Southern Rock der Crowes gespannt – Kompliment! „Time Will Tell“, ursprünglich vom viel zu früh verstorbenen Bob Marley, zeigt, das Southern Rock und Reggae durchaus miteinander kompatibel sein können.

In diesem live im Studio aufgenommenen Album ist die Dynamik, die Spielfreude, aber auch die Fähigkeit der Improvisation zu erkennen, wobei einige Songs den Charakter einer Jamsession haben, in der jeder der Musiker die Gelegenheit bekommt, seine spielerische Qualität zu zeigen, ohne zu ausufernd zu werden.

Nach dieser Platte darf man gespannt sein, was als nächstes geboten wird. Live mit den Magpie Salute wird mit Sicherheit ein Erlebnis für Freunde gepflegter Southern Rock-Musik der Richtung Black Crowes, aber auch für Freunde vom Stoff der großen Acts der 70er Jahre. Leider wird Eddie Harsch, einer der Keyboarder, nicht mehr dabei sein, da er kurz nach den Aufnahmen im Alter von nur 59 Jahren im November 2016 verstorben ist.

Eagle Records (2016)
Stil: Jam Rock

01. Omission
02. Comin‘ Home
03. What Is Home
04. Wiser Time
05. Goin‘ Down South
06. War Drums
07. Ain’t No More Cane
08. Fearless
09. Glad And Sorry
10. Time Will Tell

The Magpie Salute
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Chris Weaver Band – Live in Brazil – CD-Review (digital)

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Einer meiner New Country-Lieblingssänger mit einem Live-Werk in Südamerika. Auch wenn Chris ganz sicher das Potential hat, ein ganz Großer in Nashville zu werden, hat es mich doch ein wenig überrascht, dass er, gleich zu Beginn seiner Karriere, mit so einem aufwendigen Live-Projekt bedacht wurde und das dazu noch im fernen Brasilien (was ich natürlich klasse finde).

Ich bespreche hier nur die, bis jetzt bei uns zu erwerbende mp-3-Download-Version. Das Event wurde jedoch mit einer aufwendigen Licht- und Video-Installation, visuell abgedreht und soll wohl auch demnächst als DVD erhältlich sein. Chris hat mir dazu schon ein paar sehr sehenswerte Ausschnitte vorab gemailt, zu mehr Infos ist es aber bisher nicht gekommen, er wollte mir das Teil postalisch zukommen lassen, da doch viele Fragen meinerseits dazu entstanden.

Ich habe in Brasilien zu meinen früheren Sturm- und Drangzeiten bereits dreimal Urlaub gemacht und kann mir die Atmosphäre, die beim Konzert geherrscht haben muss, sehr gut vorstellen und auch den Spaß, den die Akteure in den Tagen rund um das Konzert gehabt haben werden.

Der ‚Joe Cocker‘ von Nashville, wie ich Chris aufgrund seiner markanten Reibeisenstimme mal nennen möchte, hat sich für den Gig vorwiegend ruhige Sachen, u. a.  aus seinen bisherigen Alben „Standing In Line“ und „American Dreamer“ ausgesucht. Um der südamerikanischen Atmosphäre gerecht zu werden (es geht also verständlicher Weise nicht so Southern Country rockig zur Sache), sind in diverse Tracks immer wieder Mariachi-artige Bläser-Parts eingebunden.

Da es in Brasilien ähnlich patriotisch bei solchen Gigs zur Sache geht, wie in seiner Heimat, wurden für die drei letzten Stücke am Ende noch mit Fernando Zor (bei „Madrid„, „California High“ und „Sunday Morning“), Sorocaba (bei „California High„) und Marcos & Belutti (bei „Sunday Morning„), Künstler aus der Region mit involviert und die Songs auf z. T. portugiesisch angepasst. Das verleiht der ganzen Sache, wie man den YouTube-Clips entnehmen kann, natürlich ein unglaubliches Maß an Emotionalität, die aber auch in der mp-3-Version transparent wird.

Sollte die DVD irgendwann eintreffen und der Bezug des Teils geklärt sein, werde ich den Review dann nochmal updaten. In dieser mp3-Form ist Chris Weavers „Live In Brazil“ zunächst mal ein überwiegend musikalisch ansprechender, ruhiger und sympathischer Live-Genuss, wo die Stimme und die völkerverbinde Atmosphäre die Stars sind, und bei der man sich schön entspannen kann.

FS Music (2017)
Stil: New Country

01. Circus
02. California High
03. Tear It Up
04. Madrid
05. Desert
06. World Ain’t Big Enough
07. Want It
08. So Damn Beautiful
09. Mexico
10. This Love/Sunday Morning
11. Without Chains
12. Garuantee To You
13. Sunday Morning feat. Fernando Zor, Marcos & Belutti
14. California High feat. Fernando & Sorocaba
15. Madrid feat. Fernando Zor

Chris Weaver Band
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MonkeyJunk – Time To Roll – CD-Review

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Dass es aus Kanada jede Meng gute Musik gibt, ist ja seit längerem bekannt, gerade auch, was den hier gerne besprochenen New Country-Sektor betrifft. Aber kanadischer Blues Rock? Außer Jeff Healey, aktuell hier natürlich Layla Zoe, eventuell noch die weniger bekannten Colin James und Sue Foley, war es das aber dann auch schon, zumindest aus meiner Sicht im Genre.

In Sachen MonkeyJunk spielte bei mir ‚Kommissar Zufall‘ die große Rolle, auf Umwegen bin ich irgendwie im Netz auf das Trio aus Ottawa gestoßen, hab dann mal in ein paar YouTube-Videos geklickt und freudig entdeckt, dass die Band ein relativ aktuelles Album, ihr bereits fünftes, „Time To Roll“ aufweist, was dazu noch Anfang des Jahres im Portfolio von der H’ART Musik-Vertrieb GmbH betreut wurde, mit der wir ja ein tolles Arbeitsverhältnis pflegen.

Und weil ‚H’ARTnäckigkeit‘ sich ja auch oft auszahlt, erhielt ich das Werk nach Anforderung dann doch noch zum Besprechen. Um es vorwegzunehmen, ein wirklich tolles Album.

Das seit 2008 agierende Trio, in Kanada seitdem mit vielen Awards dekoriert, bestehend aus Steve Marriner (lead and backing vocals, acoustic, baritone and electric guitar, bass, harmonica, Hammond organ), Tony D. (= Tony Diteodoro – rhythym, acoustic and lead guitar) und Matt Sobb (drums, percussion and backing vocals), interpretiert den Blues Rock auf „Time To Roll“ recht weitläufig, sodass man eine gewisse Vielseitigkeit attestieren kann. Als Swamp Blues, R&B Soul Boogie with Bedroom Funk weist der Dreier seine Musik aus.

Laut Recherche wurde auf diesem Silberling erstmals ein elektrischer Bass in den Sound eingebunden, live wird auf dieses Instrument in der Regel verzichtet. Produziert hat ein gewisser Ken Friesen, der auch Harmonie-Gesänge beim rhythmischen Titelstück (erinnert mich dezent an „Can I Get A Witness“) beisteuerte. Weibliche Gesangsunterstützung gab es dazu noch von Kelly Prescott, die hier ebenfalls und bei meinem Lieblingstrack der Scheibe , dem fluffigen, fast Otis Redding-mäßigem Ohrwurm „Can’t Call You Baby“ aushilft.

Der Opener „Best Kept Secret“, ein schöner Stampfer,  steht quasi als Synonym für den vermutlichen Bekanntheitsgrad in unseren Sphären. Hier kommt auch ein Trademark der Band zu Tage, eine oft quäkende Harp, mit der ich irgendwo die J. Geils Band assoziere. Toll übrigens auch die Stimme von Steve Marriner, die wie eine Mischung aus Paul Rodgers und Malford Miligan klingt.

„See The Sign“ groovt und rockt im Stile der Nimmo Brothers, während „Blue Lights Go Down“ die Freunde des atmosphärischen Slow Blues bedient. Das herrliche Stück hat in der der E-Gitarren-Solo-Phase Peter Green-Flair. Die orientalisch, psychedelische Note von Bad Company kommt bei „Pray For Rain“ zum Ausdruck.

„The Hunter“ ist der einzige Coversong, der früher mal von Albert King bedient wurde. Der „Undertaker Blues“ bewegt sich schön schroff  im Delta-Blues-Areal während „Gone“ eine launige Mischung aus Country- und Southern Rock offeriert (klasse hier das HT-Piano-Geklimper). Als Finale hat das Trio mit „Fuzzy Poodle“ ein Instrumental bestimmt. Hier zeigen Marriner & Co. wie man einen Jam kompakt in cool groovende drei Minuten mit starker E-Gitarre, gurgelnder Hammond, pumpendem Bass und polternden Drums verpacken kann. Ein starker Abschluss eines jederzeit prickelnden Silberlings.

Über das Coverbild zu „Time To Roll“ kann ich nur mutmaßen. Sieht aus wie ein Uralt-Foto des kleinen Marriners als beleidigt bockendes Kind auf einem Bobby Car-Motorrad. Der Bandname resultiert wohl übrigens aus einem Interview, als dieser mal gefragt wurde, woher bei ihm die Passion für seine Musik kommt. Seine Antwort :“I’m talkin‘ ‚bout the blues. . . I ain’t talkin‘ ‚bout monkey junk“.

Stoney Plain Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. Best Kept Secret
02. Time To Roll
03. See The Sign
04. Blue Lights Go Down
05. Pray For Rain
06. The Hunter
07. Can’t Call You Baby
08. Undertaker Blues
09. Gone
10. Fuzzy Poodle

MonkeyJunk
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Stoney Plain Records

Dead Bronco – 04.07.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Dadurch bedingt, dass ich erst am 02.07.2017 aus Zeeland zurückgekehrt war, befand ich mich eigentlich noch so ein wenig im Urlaubsmodus, zumal ich mich erst nächsten Montag wieder meiner ‚lebenserhaltenden‘ Arbeit zuwenden muss.

Kollege Gernot schickte eine spontane Mail, ob wir nicht kurzfristig zu Dead Bronco in unsere geliebte knuddelige Rampe fahren sollen. Na ja, warum nicht, dachte ich, und so zogen wir am Dienstag Abend für die uns beiden völlig unbekannte amerikanisch-spanische Formation, Richtung Krefeld los.

Kopf des seit 2012 bestehenden Quintetts ist der aus Florida stammende, nach Spanien übergesiedelte Matt Horan, der mit Dani Merino,  Manu Heredia,  Oscar Calleja und Danel Marín mittlerweile drei Alben und eine EP vorweisen kann. Kleine weitere interessante Randnotizen zur Band : Horan hat eine Schauspiel-Neben-Rolle im 2016er Horrorfilm „The Night Watchmen“ ergattern können und die Band ist Labelinhaber einer Biersorte ‚La Bronca‘.

Bei unserer Ankunft erlebten wir zunächst wie Rampen-Kultfigur und Tattoo-Studio-Besitzer Mario Scholten, aufgrund eines personellen Engpasses, Dienst an der Kasse schieben musste. Er hatte sicher seine helle Freude, als der im Unterhemd bekleidete und reichhaltig am Körper verzierte Bandleader mit seinen Jungs um 20:45 Uhr die Bühne betrat.

In der kleinen Krefelder Location scheint sich in Sachen Country peu à peu eine Countryfangemeinde zu bilden und so konnte Rampen-Chef Pille Peerlings zur Ansage knapp 60 Zuschauer für einen Dienstag in der Woche begrüßen. Recht ordentlich, wie ich meine.

Horan und Co. arbeiteten dann in einem 27 Stücke umfassenden, schweißtreibendem Programm sämtliche Facetten des traditionell gespielten Country ab, wobei der Fokus auf ziemlich abgehenden, oftmals punkig angehauchten Stoff dieser Art gelegt wurde. Der hohe Anteil an Uptemponummern trug natürlich erheblich dazu bei, dass viele der Anwesenden, vor allem einige Frauen, richtig in Tanzwallung gerieten.

Die Stimmung war somit prächtig, weshalb letztendlich auch noch satte vier Zugaben (u. a. das starke, an die Skynyrdsche Version von „T For Texas“ erinnernde „Working Man Blues“ und das launige „Hillbilly Joker“) aus der Band herausgeholt wurden.

Lobenswert finde ich, dass die fünf Burschen ihr neues Album „Bedridden And Hellbound“, laut meinen Notizen, so gut wie komplett vorstellten und bei den Covernummern auf unbekanntere, bzw. eigenwillige Tracks wie z. B. „False Hearted Lover’s Blues“ von Hank Williams sr., Merle Haggards „Mama Tried“ (mit klasse Bariton-E-Solo) oder Glenn Danzigs „I’m The One“ zurückgriffen.

Als weitere Earcatcher habe ich Stücke wie den in Bakersfield-Manier gebrachten Heuler „My True Love“ (hier geht es um Bier, nicht um eine Frau…), den dezent ZZ Top-angelehnten „Make My Eyes Bleed Boogie“, das nach sich selbst benannte, ein wenig mit „Ghost Riders In The Sky“-Flair bedachte „Dead Bronco“, das polternde „Mudd The Demon“ (schönes bluesiges Bridge plus quirligem E-Solo) und das sich am Ende des Hauptteils fast selbst überschlagene punkige „Penitent Man“ (Horan schreit, tanzt und headbangt) vermerkt.

Insgesamt auch eine sehr geschlossene Bandleistung. Horan gab sich als Führungspersönlichkeit sehr kommunikativ und erzählte oft kleine Anekdoten zu den Songs. Die Rhytmusfraktion mit dem solide polternden Danel Marín wurde natürlich durch den Upright Bass von Oscar Calleja auch visuell bereichert, für das Solieren waren der quirlig, auf einer markanten Gretsch-Gitarre spielende Manu Heredia und sein kongenialer, recht introvertiert wirkende Partner an der Lap Steel, Dani Merino, verantwortlich, die auch beide vereinzelt Harmonie-Gesänge beisteuerten.

Wer auf launigen, recht ruppig und größtenteils fett abgehend gespielten Country der traditionelleren Sorte steht, hat in den nächsten Tage nur noch zweimal die Gelegenheit,  Dead Bronco in unserem Lande beizuwohnen. Für Gernot und mich war es eine unterhaltsame Abwechslung zu Beginn der Woche, deren Besuch sich durchaus gelohnt hatte. Ein quicklebendiger Gig von Dead Bronco!

Line-up:
Matt Horan (lead vocals, acoustic guitar)
Dani Merino (lap steel, vocals)
Manu Heredia (electric guitar, vocals)
Oscar Calleja (upright bass)
Danel Marín (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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