Kirk Fletcher – My Blues Pathway – CD-Review

Flet_300

Review: Jörg Schneider

Der 41-jährige, aus Kalifornien stammende und jetzt in der Schweiz lebende, Afroamerikaner Kirk Fletcher gilt als einer der besten Blues-Gitarristen weltweit. Als Sohn eines Baptistenpfarrers lernte er bereits in seiner Kindheit die Gospel- und Bluesmusik kennen und schätzen. So geprägt, ist es nicht verwunderlich, dass seine musikalische Ausrichtung tief im Rhythm & Blues und in der Soulmusik verankert ist.

Sein neuestes Album „My Blues Pathway“, welches jetzt Ende September in den Handel kommt, lebt daher auch von all diesen Einflüssen, insbesondere aber dem Soul, gepaart mit funkigen Elementen. Alle zehn Songs des Albums sind modern arrangiert, mit viel, aber nie störenden Bläsern im Hintergrund. Als i-Tüpfelchen kommt dann noch Fletchers warme und gefühlvolle Stimme hinzu.

Eingespielt im Hertz Workz Studio (Los Angeles) mit namhafter Unterstützung von Charlie Musselwhite an der Harmonika, Josh Smith an der Resonator-Gitarre und Robert Crays langjährigem Bassgitarristen Richard Cousins, der auch an zwei Titeln („No Place To Go“ und „Love Is More Than A Word“) mitgearbeitet hat, ist ein absolut hörenswertes Album entstanden.

Bereits der Midtempo-Opener des Albums „Ain’t No Cure For The Downhearted“ besticht durch Fletchers funkiges Gitarrenspiel und legt den Grundstein für die weitere musikalische Ausrichtung der folgenden Tracks. Der Song selbst handelt im wesentlichen von der Suche nach dem Glück, welches man nur in sich selbst finden kann.

No Place To Go“ wurde bereits im Juli diesen Jahres als Single veröffentlicht (siehe das verlinkte Video), welches sehr schön die gesamte Stimmung des Albums wiedergibt.

Auch mit „Love Is More Than A Word“, einem Song über verlorene Liebe, und dem mit autobiografischen Inhalten versehenen „Struggle For Grace“, geht es ruhig und entspannt weiter.

„I’d Rather Fight Than Switch“ ist eine beschwingt dargebrachte Coverversion, die der Sänger und Saxophonist A. C. Reed bereits im Jahre 1965 veröffentlicht hat. Aber natürlich beherrscht Kirk Fletcher auch den klassischen Slow-Blues, hier zu hören in „Heart So Heavy“, wenngleich wieder leicht funkig angehaucht.

Auch „Fattening Frogs For Snakes“, ursprünglich aus der Feder von Sonny Boy Williamson stammend, ist eine tolle Bluesnummer. Gut tanzbar ist das flottere Instrumentalstück „D Is For Denny“, eine Eigenkomposition zu Ehren von Denny Freeman, der in den 90’ern einen großen musikalischen Einfluss auf Fletcher ausübte.

Der letzte Song des Albums „Life Gave Me A Dirty Deal“, ist ein ruhiger Deltablues mit Charlie Musselwhite an der Bluesharp und Josh Smith an der Resonator-Gitarre und bietet einen perfekten Abschluss für diese insgesamt sehr gut gemachte Scheibe.

Auch wenn fast alle Songs des Albums in Stil und Tempo recht ähnlich sind, wird es nie langweilig zu zuhören. Die Musik ist so etwas von relaxed, dass man sie am liebsten träumend bei einem Sundowner im Sonnenuntergang genießen möchte.

Fletchers eigenen Worten zufolge, ist es ihm wichtig eine eigene Stimme als Musiker zu finden und Musik zu machen, die aus seinem Herzen entspringt. Mit dem vorliegenden Werk ist ihm das absolut gelungen.

Im Übrigen bleibt noch zu sagen, dass Fletchers diesjährige Deutschland-Tour Corona-bedingt abgesagt werden musste, aber im Frühjahr des kommenden Jahres nachgeholt werden soll. Wir dürfen gespannt sein.

Label: Cleopatra Records
Stil: Blues

Tracks:
01. Ain’t No Cure For The Downhearted
02. No Place To Go
03. Love Is More Than A Word
04. Struggle For Grace
05. Sweet Soul Music
06. I’d Rather Fight Than Switch
07. Heart So Heavy
08. Fattening Frogs For Snakes
09. D Is For Denny
10. Life Gave Me A Dirty Deal

Kirk Fletcher
Kirk Fletcher bei Facebook
Another Dimension

The Outlaws – Live At Rockpalast 1981 – CD+DVD-Review

Outl_300

Review: Stephan Skolarski

Vor fast 40 Jahren hatte die Rockpalast-Redaktion die schöne Idee, ihre beliebte Konzert-Reihe auch auf einer Freilichtbühne zu veranstalten. Für diesen Zweck schien das Amphitheater auf der Loreley besonders geeignet. Zum Open-Air im August 1981 waren neben Nine Below Zero, 38 Special und Headliner Thin Lizzy ebenfalls die US-Rocker The Outlaws aus Tampa, Florida, am Start. Die 1972 gegründete Formation befeuerte zu Beginn der 70er Jahre bereits den aufkommenden Südstaaten-Rock und hatte 1974 ihren viel beschriebenen Durchbruch als Vorband von Lynyrd Skynyrd. Seitdem gelten die Outlaws bis heute als Vertreter der ursprünglichen Southern-Rock-Community.

Die damalige Besetzung hatte mit Freddie Salem (guit./voc.), Hughie Thomasson (guit./voc.), Billy Jones (guit./voc.), David Dix (drums) und Rick Cua (bass) einen Abstecher von der US-Tour nach St. Goarshausen unternommen, um den deutschen Fans „southern boogie and rock ’n‘ roll“ nicht nur als kurze Zwischenansage aufzutischen.

Mit „Devil’s Road“, einem stürmischen Opener begann die laut Moderator Alan Bangs „first ever appearance in Germany“ als fulminante Gitarren-Inszenierung, von Anfang an, ein Power-Rock-Erlebnis. Das schwungvolle „Hurry Sundown“ folgt ebenso getrieben wie publikumswirksam, ein Einheizer der konsequenten Art.

Hörbar ist die verbesserte Soundqualität beim anschließenden „Holiday“ – ein rechtzeitiger Einstellungs-Check am Mischpult zugunsten der gesamten weiteren Konzertaufnahme? Jedenfalls geht der Auftritt wie unter Zeitdruck mit dem schnellen Boogie „Long Gone“ rasant weiter, um die drei Gitarren bis zum plötzlichen Schlussakkord ausgiebig zu strapazieren.

Vom legendären „Ghost Riders“-Album bringt die Band danach den eindringlichen Rock-Song „Angels Hide“, eine ebenso gewaltige und teils bluesige Nummer in einer ordentlichen 6-Minuten Fassung und damit eine weitere Eigenkomposition im klassischen Southern-Sound.

Das schnelle Instrumental „Waterhole“, Country-Rock und Guitar-Jam zugleich, kommt als nächster Track zwischendurch zum Warmlaufen der Gitarren viel zu kurz rüber und verbindet sich – ohne den verdienten Applaus abzuwarten – mit dem zeitlosen und temporeichen „There Goes Another Love Song“, einer der ersten großen Erfolge der Band.

Der wilde Gitarren-Marathon, der auch als „Florida Guitar Army“ treffend bezeichneten Outlaws, kommt nach dieser Einspielphase jedoch erst richtig auf Touren. Bei „Green Grass And High Tides“ zeigt die Band in der gut 18-minütigen Version nochmals die von ihr ausgehende Spielfreude: ein optimales Spektakel ein dreifacher Gitarrenangriff, ein Southern-Spirit-Pflichtsong für eine mehr als aufgedrehte Fan-Gemeinde.

Anhaltender Applaus der ausverkauften „Arena“ wird jedoch durch die Zugabe schon bald abgelöst. Als Last-Track wird dann „Ghost Riders In The Sky“, ein Cover des legendären Western-Songs und die erfolgreichste Single der Outlaws über die Bühne gejagt.

Die unbändige Darbietung der leidenschaftlich und energiegeladen aufspielenden Band führt bei vielen Southern-Rock-Fans zu ausgelassenen Reaktionen, sehr schade, dass der Gig – wahrscheinlich wegen des Folgeprogramms – nur eine Stunde durchgezogen wurde. Eine Live-Sendung gab es damals nicht.

Die im Doppelpack als DVD und CD (identischer Inhalt) veröffentlichte Aufnahme von „The Outlaws, Live At Rockpalast 1981“, gehört unweigerlich zu den Höhepunkten der WDR-Archivreihe. Ein Meilenstein aus der Klassikzeit des Southern-Rock und eine infernale Gitarrenshow ‚at its best‘. Für Freunde des amerikanischen Südstaaten-Rocks und der Country-Musik ein ultimativer Video- und Audio Genuss!

Mig/Indigo (2020)
Stil: Southern-Rock

Tracklist:
01. Devil’s Road
02. Hurry Sundown
03. Holiday
04. Long Gone
05. Angels Hide
06. Waterhole
07. There Goes Another Love Song
08. Green Grass And High Tides
09. Ghost Riders In The Sky

Outlaws
Outlaws bei Facebook

Fred Chapellier – 25 Years On The Road – The Best Of Fred Chapellier – CD-Review

Chap_300

Review: Jörg Schneider

Der vom Rock, Blues und Soul beeinflusste Franzose Chapellier ist seit 1990 professionell als Musiker tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche Alben veröffentlicht, zuletzt sein 2018 auch hier in Sounds Of South durchaus positiv besprochenes „Set Me Free“ mit Dale Blade.

Bereits die Vorgänger (Blues Devil, 2005 und „L‘Oeil Du Blues“, 2007), bevor Fred Chapellier zum Label „Dixie Frog“ wechselte, heimsten höchstes Kritikerlob ein. Danach lieferte er weitere acht beachtenswerte Scheiben ab, teils Eigenprojekte und teils in Zusammenarbeit mit Billy Price oder dem bereits erwähnten Dale Blade, sowie anderen hochkarätigen Bluesmusikern inklusive zweier Live-Werke.

Mit dem vorliegenden Doppelalbum blickt Fred Chapellier nun auf seine 25-jährige Musikerkarriere als Songwriter, Blueser und Soulsänger zurück. Insgesamt spiegeln die 34 Songs seine ungeheure musikalische Bandbreite wider, entweder als Studioaufnahme (CD 1) oder Live-Mitschnitt (CD2). Jeden einzelnen Track zu besprechen, würde sicherlich das Review sprengen. Daher sei nur auf einige der allesamt gut gemachten Stücke hingewiesen.

Im Studioteil findet sich eine breite Mischung verschiedener Spielarten des Blues. Viele Stücke weisen Anleihen aus dem Chicago Blues auf („Never Comes Easy“, das instrumentale „The Gents“ mit einer die Ohren verwöhnenden schönen Hookline oder das klare, einprägsame „Something About You“).

Andere Tracks wiederum bedienen eine eher rockige Geschmacksrichtung („Saint On The Highway“ oder das etwas düstere „Marie Laveau“ mit einer kräftigen Basslinie, während Chapelier‘s Stimme im rhythmischen „Set Me Free“ gesanglich an Stevie Winwood erinnert).

Soulig und funky hingegen kommen „Ain‘t No Love In The Heart Of The City“ und das Instrumentalstück „Funk It“ sowie „Yield Not To Temptation“ daher. Zum Relaxen gibt’s dann immer wieder zwischendurch tolle Slowblues Nummern. Herausragend hier „Crying With The Blues“, ein Stück mit klarer, prägnanter Gitarre, das Kim Simmonds von den legendären Savoy Brown nicht besser hätte spielen können. Und dann sind da noch so musikalische Perlen wie das poppig-fröhliche „Sweet Soul Music“ oder das neu eingespielte, sehr schöne, leicht sphärisch angehauchte „Beyond The Moon Part II“ im Songwriter-Stil.

Das zweite Set, sprich CD 2, besteht wie gesagt aus sechzehn Live-Mitschnitten seiner musikalischen Karriere, die den Studioaufnahmen in nichts nachstehen. Es gibt auch hier deftigen Bluesrock („Rodney‘s Song“, „I‘m A Ram“) und klassischen Chicago Blues (z. B. das ruhigere „He‘s Walking“ oder das sehr schöne „Like It This Way“ mit tollen, sich durch den ganzen Song ziehenden Frage-und-Antwort-Gitarrenriffs, herrlich).

Die besten Tracks sind allerdings die beiden ca. acht minütigen Slow-Blues Nummern: Zum Einen das harmonische Instrumentalstück „Blues For Roy“ und zum Anderen das schwermütig traurige „Love That Burns“. In beiden Songs glänzt Chepallier einmal mehr mit seinem prägnanten und klaren Gitarrenspiel.

Ganz anders das soulig-funkige „Good Time Charlie“, das mit einem Bläserintro im Big Band Sound startet und sofort in die Beine geht. Zum Schluss gibt‘s dann noch einen kraftvollen, rauen Blues auf französisch gesungen und mit dem passenden Namen „Le Blues“. Ein starker Song, der beweist, dass Blues nicht nur auf englisch vorgetragen, authentisch klingen kann.

Insgesamt ist der Rückblick auf Fred Chapelliers musikalische Karriere ein durchaus gelungenes Album und besticht, zusätzlich zu seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten als Blueser, durch eine hervorragende Abmischung und Tontechnik.

Lediglich im Live-Teil wäre es schön gewesen, die Publikumsreaktionen zum Ende der Stücke nicht ganz so schnell auszublenden, um so das Live-Feeling noch etwas mehr zu verstärken. Die Scheibe sollte auf keinen Fall in einer ordentlichen Blues-Sammlung fehlen.

Label: Gulf Coast Records
Stil: Blues

Tracks CD 1:
01. Ain‘t No Love In The Heart Of The City
02. Never Comes Easy
03. Saint On The Highway
04. The Gents
05. Sweet Soul Music
06. A Silent Room
07. Crying With The Blues
08. Set Me Free
09. Something About You
10. 3.45 AM
11. Under The Influence
12. Marie Laveau
13. Beyond The Moon Part II
14. Yield Not To Temptation
15. After Hours
16. I Have To Go
17. Funk It
18. Thank You Lord

Tracks CD 2:
01. Rodney‘s Song
02. Cold As Ice
03. He‘s Walking
04. Merry Go Round
05. Blues For Roy
06. Good Time Charlie
07. Last Two Dollars
08. Like It This Way
09. Love That Burns
10. I‘m A Ram
11. Gary‘s Gone
12. If You Be My Baby
13. Smart Money
14. Living In A Dream
15. B Shuffle
16. Le Blues

Fred Chapellier
Fred Chapellier bei Facebook

Andreas Diehlmann Band – Mercy On Me – CD-Review

Diehl_300

Wer uns zwecks Rezension seine Musik schickt und dabei irgendwelchen Mumpitz veröffentlicht, kann anschließend keine Gnade erwarten und muss dann auch mit dementsprechender Kritik leben können.

Bei einem versierten und studierten Musiker wie Andreas Diehlmann ist die Wahrscheinlichkeit,  diesbezüglich enttäuscht zu werden, allerdings ungefähr so hoch wie ein Deutscher Meistertitel von Bayer Leverkusen im Fußball.

Diehlmann bleibt auf seinem neusten Studio-Werk „Mercy On Me“ der von Anfang an eingeschlagenen 9-Stücke-Linie treu. Die Band ist auf der Tieftöner-Position verändert, für Volker Zeller zupft jetzt Jörg Sebald songdienlich den Bass, Tom Bonn bearbeitete wie gewohnt das Schlagzeug.

Nach einem düster gehaltenen, leicht Western-eingefärbten E-Bariton-Gitarrenintro, steigt das Trio mit „Price To Pay“ mit knackigem Southern Rock samt zweier integrierter E-Gitarren-Soli (zunächst Slide, am Ende konventionell, aber von herrlich fulminanter Natur) ins Geschehen ein.

Wie schon bei seinem Konzert im Duisburger Cafe Steinbruch, treten im weiteren Verlauf wieder deutlich spürbar seine zwei Herzen für ZZ Top und Jimi Hendrix (diesmal aber eher untergeordnet) ans Licht. Mit dem von ‚Ahahah‘-Gesängen-umwobenen Texas Blues „Evil Ways“ würde Andreas wohl jeden Billy-Gibbons-Stimm-Imitatoren-Wettbewerb locker gewinnen. Auch das folgende „Leave Me Alone“ mit starken „Just Got Paid“-Reminiszenzen, lässt kein Zweifel an Diehlmans Faible für die Langbarträger aus Houston, Texas.

Das E-Gitarren-Outro geht fließend ins Intro zum Hendrix-umwehten Psychedelic Blues Rocker „Black Moon“ über. Auch hier wieder zwei typische Soli im Stile des einstigen Gitarrenhelden, besonders das zweite hätte mit seiner Schärfe und Wucht eine ordentliche Schneise in den Mariuanha-Nebel der typischen Kommunenparties der siebziger Jahre geschlagen.

„Come On Over“ entpuppt sich dagegen wieder als schöner ‚dreckiger‘ rhythmischer Southern Rocker mit eindeutig definierter Absichtserklärung („I know what I want and what I want is you, babe“). Erinnert an Bands wie Rebel Pride, Preacher Stone & Co. und ist mein persönlicher Favorit der CD.

Das markanteste Stück ist allerdings wohl das 7 Minuten und 44 Sekunden lange „Shadows Of Memories“. Die von Andreas gespielte Orgel lässt in diesem atmosphärischen slowbluesigen Track unweigerlich unterschwellige „With A Little Help From My Friends“-Erinnerungen aufkommen. Im End-E-Gitarrensolo offeriert der Protagonist eindrucksvoll, dass er auch Allman Brothers ‚kann‘.

Die restliche drei Sachen mit „Got To Get Over It“, „You Got No Clue“ und dem starken Titelstück-Stomper „Mercy On My“ bewegen sich dann erneut wieder auf klarer Texas Blues Rock-Welle Marke ZZ Top.

Andreas Diehlmann, der alle Tracks geschrieben hat,  liefert mit „Mercy On Me“ das wohl beste Album seiner bisherigen Karriere ab. Er entwickelt sich von seiner spielerischen Klasse her, immer mehr hin zu einer Art deutschem Joe Bonamassa. Sein Flehen um Milde ist von daher völlig unbegründet. Eine gnadenlos gute Scheibe!

Eigenproduktion (2020)
Stil: (Texas) Blues Rock

Tracklist:
01. Price To Pay
02. Evil Ways
03. Leave Me Alone
04. Black Moon
05. Come On Over
06. Got To Get Over It
07. You Got No Clue
08. Shadows Of Memories
09. Mercy On Me

Andreas Diehlmann Band
Andreas Diehlmann Band bei Facebook

Joan Osborne – Trouble And Strife – CD-Review

Joan_300

Review: Stephan Skolarski

25 Jahre nach ihrem bis heute populären Erfolgstitel „One Of Us“ – der übrigens aus der Feder von Eric Bazilian (The Hooters) stammt – hat Joan Osborne mit „Trouble And Strife“ einen selbstbewussten Longplayer eingespielt: 10 Eigenkompositionen von erstaunlicher Comeback-Qualität.

Schon der erste und kraftvolle Titel „Take It Any Way I Can’t Get It“, ein souliger, energiegeladener Aufruf, das Leben zu genießen, signalisiert, 6 Jahre nach den letzten „Originals“ ist Osborne zurück. Ein bunter Katalog aus Rock-, Pop-, Blues-, Roots-, Soul-Funk und Western-Elementen beschreibt überzeugend ihre ungezwungene Lebhaftigkeit. Sich nicht auf eine musikalische Stilrichtung festlegen zu wollen, bestimmt offenbar das Songwriting. Osborne balanciert thematisch in ihren sozialkritischen Texten, die nach ihren Worten noch nie derartig politisch intensiv agierten, wie bei einer Gratwanderung zwischen Trost und Optimismus. Auch der zweite Titel „What’s That You Say“ geht in diese Richtung: eine ansprechende Funk-Soul-Nummer schildert ausdrucksstark die dramatischen Kindheitserlebnisse einer mexikanischen Migrantin auf den Weg in die USA.

Der von Joan Osborne in ihrem Studio in Brooklyn selbst produzierte Longplayer wird stets von einer großartigen Begleitband getragen und durch Wilco-Gitarrist Nels Cline als Gast verstärkt. Joans Songwriter-Qualitäten als engagierte Liedermacherin und anerkannte Stimme ihrer Generation zeigen sich vor allem in den energischen Statements ihrer Texte verbunden mit glaubwürdiger Überzeugungskraft. Sehr ambitionierte Stücke, wie der bluesige Stomp „Hands Off“ – gegen die Ausbeutung von Menschen und des Planeten – und die rhythmische Rock-Pop Interpretation von „That Was A Lie“ – die sich in ihren zornigen Lyrics gegen die Verbreitung von Falschinformationen wendet, wirken mutig und bestimmt.

Mit ihrem 10. Album verarbeitet Osborne gleichzeitig weitreichende persönliche Inspirationen aus ihrer Tournee mit Dylan-Songs und offenbart deren Einfluss im Titel-Track „Trouble And Strife“, einer meisterlichen Western-Style-Ballade, mit sarkastischem Text, aber eigener Sound-Dynamik. Bei den sehr unterschiedlichen Stücken der neuen Scheibe darf ebenso wenig ein groovender Boogie fehlen – hier „Meat & Potatoes“ – der an Osbornes Zeiten als Mitbegründerin der Blues-Rock-Band Trigger Hippy erinnert.

Dass die mitreißende Kreativität Osbornes auch immer wieder ehrgeizige Ideen hervorbringt, zeigt die erste Single „Boy Dontcha Know“, ein schöner Retro-Song über feministische Herausforderungen. Für das warmherzige Klangvergnügen des Wurlitzer-Sounds ist „Never Get Tired (Of Loving You)“ dabei ebenso treffend geschaffen, wie die herrlich swingende Ballade „Whole Wide World“, die eine beinahe magisch-hoffnungsvolle Zuversicht spielerisch verkörpert.

Einschließlich des surrealistisch-collagenartigen Plattencovers mit einer schmunzelnden Joan Osborne als „Pilotin“ am Mikrofon, ist „Trouble And Strife“ ein Album, das ein dickes Ausrufezeichen verdient. Respekt vor dieser musikalischen Botschafterin, die eine exzellente Mischung ihrer Allround-Fähigkeiten nicht nur unterhaltsam aufbereitet, sondern als Songschreiberin in unstabilen Zeiten Zivilcourage selbstsicher demonstriert.

Womanly Hips Records (2020)
Stil: Rock, Country, Folk

Tracklist:
01. Take It Any Way I Can Get It
02. What’s That You Say
03. Hands Off
04. Never Get Tired (Of Loving You)
05. Trouble And Strife
06. Whole Wide World
07. Meat & Potatoes
08. Boy Dontcha Know
09. That Was A Lie
10. Panama

Joan Osborne
Joan Osborne bei Facebook
Oktober Promotion

A Band Called Sam – Legacy – CD-Review

Sam_300

A Band Called Sam ist die Weiterführung eines Projekts vom 2009 verstorbenen Bluesmusiker Samuel Willis Taylor, seiner Zeit als ‚Bluzman‘ wie ein bunter Hund im Blues-, Soul- und Funk-Genre unterwegs. Der Sohn des Jazz- und Blues-Saxophonisten Sam ‚The Man‘ Taylor ist Kennern der Szene besonders für sein Songwriting und seine Zusammenarbeit mit vielen namhaften Interpreten wie B.T. Express, Freddie King, Jackie Wilson, Jimmy Witherspoon, Esther Phillips, Brook Benton, Joe Tex, The Beach Boys, Big Joe Turner, The Isley Brothers, Tracy Nelson, The Drifters oder The Rascals, ein Begriff. Er hat in dieser Zeit hunderte von Songs geschrieben.

Taylor ist auch verantwortlich für diesen schönen Satz über den Blues: “People think ‘cause you play the blues, the music is going to be something that makes you feel bad. Nah. The blues takes your blues away; it lets you know there is someone out there going through the same things you are. It’s a music of feeling. It can’t cure your ills, but you’ll leave feeling better. I promise you that.”

Mittlerweile verwalten Tochter Sandra (lead and backing vocals) und Enkel Lawrence ‚Law‘ Worrell (lead, rhythm guitar, lead and backing vocals) sein Erbe und haben jetzt eine CD mit neun Songs der Blues-Legende neu eingespielt. Mit dabei sind Musiker wie Gary Sellers (rhythm guitar), Danny Kean (keyboards), Richie Cannata (tenor sax), Gary Grob (bass), Mario Staiano (drums) und Angela Canini (lead and backing vocals).

Beide Sängerinnen und auch Lawrence Worrell verfügen über sehr ausdrucksstarke Blues-Stimmen, letztgenannter ist zudem dank seines quirligen E-Gitarrenspiels (besonders klasse beim Allman Brothers-angehauchten „Devil In Your Eyes“) für mich der Star des Werkes.

Auch Dean Kean setzt mit seinem variablen Tastenspiel viele versierte Akzente. Das einzige was mir nicht so gefällt, ist das einige Male, auch von ihm am Synthesizer erzeugte, im Big Band-Stil eingeflochtene, swingend-orchestral anmutende Bläserspiel, das manchem Lied ein gewisses, heute sagt man ‚Vintage‘-Flair, verpasst. Ich nenne es eher etwas ‚altbacken‘, aber vielleicht wollte man auch den Charakter der früheren Stücke, die ich im Original nicht kenne, möglichst beibehalten.

Die neun Songs wurden allerdings mit sehr viel Hingabe gestaltet (bluesig, soulig, funkig, groovig, oft im Wechsel oder kombiniert, verschiedene Tempi) und aneinandergereiht (klasse hier „Next In Line„), sodass man nicht nur von der Songanzahl von einer gewissen Kurzweiligkeit sprechen kann. Besonders gefallen mir die beiden Schwofer „Mother Blues (Papa Blues)“ und „Funny“ (mit schönen Saxofon-Einlagen, ursprünglich für die Soul-Sängerin Maxine Browne geschrieben), ein echter Klammerblues der guten alten Schule.

Aus meiner Sicht ist die Scheibe „Legacy“ von A Band Called Sam am ehesten für Leute geeignet, die gerne dem etwas retro-behafteten, bläserumwobenen Blues frönen oder bereits vorher schon eine gewisse Beziehung zum Liedgut Sam Taylors hatten. Sicherlich nichts, trotz vieler E-Gitarren-Einlagen, für die es eher modern-rockig präferierende Klientel. ‚A man called Dan‘ empfiehlt daher die Scheibe vor dem Erwerb auf den heute üblichen Kanälen zunächst mal anzutesten.

Highlander Records (2020)
Stil: Blues & More

Tracklist:
01. Voice Of The Blues
02. Next In Line
03. Good To Ya
04. Mother Blues (Papa Blues)
05. Hole In Your Soul
06. Devil In Your Eyes
07. Nothng In The Streets
08. Funny
09. Stinger

Highlander Records
A Band Called Sam bei Facebook

Branford Hwy – Same – EP-Review

Bran_300

Review: Michael Segets

In letzter Zeit drehten sich für SoS meist Silberlinge in meinem CD-Player, die einem ruhigeren Gesamtkonzept folgten. Obwohl einige sehr gute Alben darunter waren, wurde es Zeit für etwas Abwechslung. Nun tönt mit der Debüt-EP von Brandford Hwy mal wieder Rock aus meinen Lautsprechern. Das Trio gibt auf den sechs Tracks Gas, was zu der Abkürzung Hwy, die wahrscheinlich für Highway steht, durchaus passt.

Die Schulfreunde Dewayne Hart (Lead Vocals, Guitar) und James Menezez (Bass) stammen aus Branford, Florida. Beide begeistern sich für den Rock der 70er beziehungsweise 80er Jahre und das hört man der EP auch an. Hart und Menezez hatten sich seit ihrer Jugend nie aus den Augen verloren, verfolgten aber unterschiedliche Bandprojekte, die hierzulande weitgehend unbekannt sind.

Allerdings waren sie auch mit Größen wie Godsmack, Dokken, L.A. Guns und Molly Hatchet unterwegs. Nun fanden sich die beiden Musiker zusammen, um die lang geplante gemeinsame Band Branford Hwy zu verwirklichen. Als Schlagzeuger komplettiert der Kalifornier Marc Myers die Truppe.

Branford Hwy haben eine Affinität zum Hard Rock, was „Hometown USA“ sowie manche Gitarrensoli zeigen. Diese halten sich jedoch im Rahmen und die Songs bleiben durchweg melodiös. Die Songstrukturen sind nicht übermäßig komplex, aber die braucht es auch nicht, um Spaß zu machen.

Das Erstlingswerk steigt stark ein. „Boots On The Ground” rockt aggressiv los und besticht durch einen eingängigen Refrain. „While The World Spins Around” kombiniert Southern-Flair mit Hard Rock-Elementen, was ziemlich gut funktioniert.

Mit dem folgenden „Fade Away“ gelingt Branford Hwy ebenfalls eine runde Rocknummer. In der zweiten Hälfte der EP fällt „Just In Time“ im Vergleich zu den anderen Stücken etwas ab. Das hymnenhafte „Legends“ lässt zum Abschluss der Scheibe den Classic Rock der 80er Jahre in seiner Reinform aufleben. Der Titel wird Nostalgiker besonders ansprechen.

Branford Hwy gibt einen Vorgeschmack auf den für Mitte des kommenden Jahres angekündigten Longplayer. Die selbstbetitelte EP bietet schmissigen Rock, der sich bei unterschiedlichen Stilrichtungen bedient. Da sich derzeit wenige Bands der Mischung aus Hard Rock und Southern Rock widmen, darf man gespannt sein, wie das Trio diese Lücke zukünftig ausfüllt.

Sandhill Studio Productions LLC (2020)
Stil: Rock

Tracks:
01. Boots On The Ground
02. While The World Spins Around
03. Fade Away
04. Hometown USA
05. Just In Time
06. Legends

Branford Hwy bei Facebook
Two Side Moon Promotion

12-4-2 – 10.09.2020, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

12_haupt

Endlich wieder mal ein Gig für mich im Schwarzen Adler nach dem Lockdown! Ernst Barten und sein Team hatten alles Erdenkliche und Vorgeschriebene bewältigt, um die Kultlocation in Rheinberg-Vierbaum in der Corona-Zeit auch rockmusikalisch wieder in Gang zu bringen.

Mit dem Projekt 12-4-2 (12 Guitar Strings – 4 Bass Strings – 2 Drum Sticks), alias Ben Granfelt (Lenningrad Cowboys, Wishbone Ash, Guitar Slingers), Stratocaster-Ass Thomas Blug, Martin Engelien (Klaus Lage Band, Go Music) und Berni Bovens hatte er auf hochkarätige Musiker gesetzt.

Angesichts der tollen Besetzung war es nicht zu verstehen, dass sich gerade mal zwischen 30-40 Zuschauer an dem für 90 Leute ausgelegten Abend eingefunden hatten. Dementsprechend frustriert zeigte sich Ernst Barten vor Beginn des Gigs. Viele der üblichen Stammgäste waren vermutlich immer noch wegen des vermeintlichen Ansteckungsrisikos und einer gewissen Verunsicherung auf der heimischen Couch verharrt.

Die anwesenden Leute sollten ihr Kommen allerdings nicht bereuen. Profis wie Granfelt, Blug, Engelien und Bovens zeigten sich von der spärlichen Kulisse unbeeindruckt und performten, als wenn sie vor ausverkaufter Hütte spielen würden.

Während sich Blug und Bovens ganz auf ihr exzellentes spielerisches Können konzentrierten, führten die beiden charismatischen Persönlichkeiten Granfelt und Engelien mit Ansagen durch den Abend, wobei Engelien sich einige Male zur schwierigen kulturellen Situation ausließ, sich für das Vertrauen der Betreiber und Besucher bedankte, aber auch seine Freude zum Ausdruck brachte, dass endlich wieder erste Schritte gemacht werden, um die Szene langsam wieder in Gang zu bringen. Er appellierte angesichts der bevorstehenden kühleren Zeiten, Vertrauen in die Behörden und Clubs zu leisten, die alles dafür tun, um ein Ansteckungsrisiko nahezu gen Null zu minimieren.

Das Quartett begab sich dann samt diverser Instrumentalnummern (u. a. „One Earth“ aus Engeliens Corona-Hilfe-Album), einiger Cover-Stücke („Baker Street“, Breathe“) und Liedern aus Granfelts („My Soul To You“, „Melodic Relief“, „Faith, Hope & Love“, Wayward Child“, „Almighty Blues“, „Going Home“) und Blugs („My House Is Green“, „I Won’t Forget“, „The Witching Hour“) Solo-Fundi auf einen Streifzug durch die Rockmusik und umriss dabei fast alle Facetten von Blues-, klassischen, Prog-, Southern- bis hin zu Melodic Rock-Anleihen.

Hier standen natürlich die filigranen E-Gitarren-Künste der beiden Hexer Granfelt (Les Paul und Stratocaster) und Blug (Stratocaster) im Vordergrund, die unzählige quirlige Soli abließen, sich duellierten, aber sich dann auch durchgehend in der hohen Kunst des sich ‚blind‘ verstehenden Twinspiels zusammenfanden.

Engelien beweis mit seinem energiegeladenen, treibenden und anpassungsfähigen Pumpspiel und diverser Solo-Grooves, dass er noch lange nicht zum alten Eisen der Tieftöner-Szene zählt, und gab phasenweise auch den gut gelaunten Moderator zwischen Granfelt und Blug. Den Schmunzler des Abends hatte jedoch Drummer Berni Bovens auf seiner Seite, als er ein eher bedächtig-langsames, im Jazz verankertes Drum-Solo servierte und dann gegen Ende auf die Uhr schaute, nach dem Motto „ich bin jetzt fertig, wann steigt ihr endlich wieder ein, Jungs?“.

Mit dem schon vom Titel her prädestinierten Granfelt-Rausschmeißer „Going Home“ als Zugabe beendete der Vierer unter tosendem Applaus des Publikums zwei fulminante Stunden, bei denen absolute Spielfreude und filigranes Können im Vordergrund des Geschehens standen.

Trotz aller verständlicher Enttäuschung war Ernst Barten angesichts der tollen Vorstellung zum Schluss aber doch sichtlich erleichtert, endlich wieder echtes ‚Rockmusikleben‘ in den Adler gebracht zu haben. Man kann nur wünschen, dass er zum anstehenden Ana Popovic-Gig am 15. und 16. Oktober – Corona hin oder her – wieder mit der verdienten Resonanz belohnt wird.

Line-up:
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Thomas Blug (electric guitar)
Martin Engelien (bass, bgv)
Berni Bovens (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Granfelt
Ben Granfelt Band bei Facebook
Thomas Blug
Thomas Blug bei Facebook
Martin Engelien
Martin Engelien bei Facebook
Schwarzer Adler, Rheinberg

Elizabeth Cook – Aftermath – CD-Review

Cook_300

Review: Stephan Skolarski

Dass amerikanische Country-Musik hierzulande manchmal auf wenige Superstars und eine Stilrichtung reduziert wird, hat für interessierte Fans dieses Genres mitunter den Nachteil einer erheblich eingeschränkten Berichterstattung. Sounds Of South hat es sich daher auch zur Aufgabe gemacht, einem hier kaum bekannten, aber gleichwohl (in den Staaten) arrivierten Kreis von Künstlern eine ‚Bühne‘ zu bieten.

Zu diesen in Deutschland leider bisher weitgehend unbeachtet gebliebenen ‚Country Women‘ gehört zweifellos Elizabeth Cook, die vor gut 20 Jahren in Nashville debütierte und mit ihren über 400 Auftritten in der Grand Old Opry eine Bestmarke hält. Cook, die aus Florida stammt und 2014 den AM-Award in der Kategorie „Outlaw Female“ gewann, moderiert seit Jahren zudem ihre eigene Radio Show „Apron Strings“ bei Sirius XM Radio. Ihre vier Auftritte in der Late Night Show von David Lettermann sind durchweg sehenswert und gekrönt von einem Duett mit Jason Isbell und dem Townes Van Zandt-Cover „Pancho And Lefty“.

Nach einer Zeit schmerzlicher, familiärer Einschnitte und Erfahrungen legt Elizabeth Cook nun mit „Aftermath“ ein autobiographisches Album vor und verarbeitet ihre Erinnerungen in 12 Eigenkompositionen. Zusammen mit Produzent Butch Walker (Weezer, Green Day, Taylor Swift) hat Cook eine Palette aus Americana, Folk und Country-Songs arrangiert, die ihre Reflektionen gefühlvoll, wie beim Opener „Bones“, im rhythmischen Psych-Rock oder bei „Bad Decisions“ als Alternativ-Track bodenständig wiedergeben. Diese Nachwirkungen ihrer persönlichen Rückschläge werden als ‚zweite Ernte‘, wie es Cook beschreibt (ein Synonym für „Aftermath“), ausgebreitet und auch akustisch-experimentell, z.B. in „When She Comes“ oder der ansprechenden Country-Ballade „These Days“, geradezu hautnah und verwundbar beschrieben.

Eindrucksvolle Story-Telling-Songs („Stanly By God Terry“ oder „Half Hanged Mary“) verbreiten ihre vertraulichen Lyrics im passenden Sound-Gewand, das etwas an Stevie Nicks erinnert. Old-School Country-Stücke werden bei „Thick Georgia Woman“, einer Ode über Südstaaten-Frauen und „Two Chords And A Lie“ wirkungsvoll aufgeboten, um das Spektrum des Albums in seiner Vielfalt des Great American Country zu unterstreichen. Hervorzuhebende Höhepunkte bilden gleichzeitig die intensive Ballade „Daddy, I Got Love For You“, sowie der an den John Prine-Klassiker angelehnte Song „Mary, The Submissing Years“ (im Original „Jesus, The Missing Years“), ein typischer Country Talking Blues, der zum Abschluss den Longplayer vollendet.

Elizabeth Cook, die von National Public Radio (einer gemeinnützigen US-Medienorganisation) als „Treasure Of The Americana Singer/Songwriter Scene“ bezeichnet wurde, hat mit ihrem 7. Album „Aftermath“ ein erfrischend authentisches Werk eingespielt, das ihre persönliche Unabhängigkeit und musikalische Resilienz nach schwierigen Zeiten bemerkenswert offen und ehrlich thematisiert – eine charismatische, Stimme aus Nashville, die ihr wirkungsvolles Songwriting erneut unter Beweis stellt.

Agent Love (2020)
Stil: Country

Tracklist:
01. Bones
02. Perfect Girls Of Pop
03. Bad Decisions
04. Daddy, I Got Love For You
05. Bayonette
06. These Days
07. Stanley By God Terry
08. Half Hanged Mary
09. When She Comes
10. Thick Georgia Woman
11. Two Chords And A Lie
12. Mary, The Submissing Years

Elizabeth Cook
Elizabeth Cook bei Facebook
Oktober Promotion

Grant-Lee Phillips – Lightning, Show Us Your Stuff – CD-Review

Grant_300

Review: Michael Segets

Auf dem vor zwei Jahren erschienen „Widdershins“ schlug Grant-Lee Phillips noch rockige Töne an. Mit „Lightning, Show Us Your Stuff” wendet er sich ausschließlich dem Americana zu, wie er es bereits auf „The Narrows“ getan hatte. Im Unterschied zu dem 2016er-Album klingt das neue Werk etwas weniger erdig und insgesamt zahmer.

Phillips verzichtet diesmal weitgehend auf die gewollten Brüche mit den Hörgewohnheiten und Überraschungen in seinen Kompositionen. Gleich geblieben ist sein markanter Gesang. Der Rolling Stone kürte Phillips 1995 – als er noch mit Grant Lee Buffalo unterwegs war – zum besten männlichen Sänger.

Besonders intensiv ist sein Gesang auf „Leave a Light On“. Der Song gehört zu meinen Favoriten auf der CD, nicht zuletzt aufgrund der dezenten Einsätze von Danny T. Levin, der auch sonst mit unterschiedlichen Blasinstrumenten (Euphonium, Trombonium, Coronet) den Sound einiger Stücke aufwertet.

Als weitere Musiker verpflichtete Philips Bassistin Jennifer Condos (Stevie Nicks, Bruce Springsteen) und Schlagzeuger Jay Bellerose (Willie Nelson, Alison Krauss, Robert Plant). Die Rhythmusgruppe leistet hervorragende Arbeit und gibt den Titeln, wie „Ain’t Done Yet“, nochmal einen besonderen Drive. Schließlich ist Gitarrist Eric Heywood (Son Volt, The Jayhawks) mit von der Partie. Heywood steuert auch die Pedal Steel bei, die vor allem „Lowest Low“ prägt.

Über den kreativen Prozess des Songschreibens reflektiert Phillips auf „Drawing The Head”. Bei „Walking In My Sleep“ orientierte er sich nach eigener Aussage am Folk der 1930er Jahren. Manche Songs trug Phillips schon längere Zeit mit sich herum, bis er sie nun fertig stellte. Die beiden Balladen „Mourning Dove“ und „Coming To“ fanden ihre Anfänge um 2013, also in der Phase seines Umzugs von Los Angeles nach Tennessee.

Der scheppernde Blues-Stampfer „Gather Up“ erinnert noch an den früheren Wohnort, an dem er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Bei ihm kommt nämlich die Band Los Lobos in den Sinn, die aus LA stammt. Der Song hebt sich durch seinem rauen Sound von den anderen Beiträgen ab und ist für mich das Highlight der Scheibe.

Phillips legt ein Album vor, auf dem die Songs mit der eben erwähnten Ausnahme eher ein ruhiges Tempo anschlagen. Manchmal versetzt er sich in seinen Texten in andere Personen und spiegelt so indirekt seine eigenen Empfindungen („Straight To The Ground“), manchmal verarbeitet er unmittelbar persönliche Erfahrungen („Sometimes You Wake Up In Charleston”). Insgesamt sind die Inhalte weniger politisch als auf seinem vorherigen Werk, aber Phillips zeigt sich als sensibler Beobachter, der seine Eindrücke in poetische Zeilen kleidet, sodass das genaue Zuhören oder Mitlesen der Texte durchaus lohnt.

Auf „Lightning, Show Us Your Stuff” finden sich weniger schrägere Töne, die viele frühere Alben von Grant-Lee Phillips prägen. Mit seinem ausdrucksstarken Gesang sowie den gehaltvollen Texten bleibt er sich aber treu. Seine Fans werden daher nicht enttäuscht und möglicherweise gewinnt er mit seinen eingängigeren Balladen neue hinzu.

Die Reihenfolge der Tracks auf dem Besprechungsexemplar weicht von der ab, die bei manchen Anbietern im Internet aufgeführt wird.

Yep Roc Records, Redeye/Bertus (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. Ain’t Done Yet
02. Drawing The Head
03. Lowest Low
04. Leave A Light On
05. Mourining Dove
06. Sometimes You Wake Up In Charleston
07. Gather Up
08. Straight To The Ground
09. Coming To
10. Walking In My Sleep

Grant-Lee Phillips
Grant-Lee Phillips bei Facebook
Yep Roc Records
Redeye Worldwide
Bertus