SOUND OF NASHVILLE feat. The Red Clay Strays – Support: Tim Hicks, Tyler Sjöström Tebey and Brent Cobb – 25.08.2024, Die Kantine, Freideck, Köln – Konzertbericht

Die Fans der SOUND OF NASHVILLE-Reihe durften sich am letzten Wochenende gleich zweimal freuen. Sowohl Freitag (mit Kyle Daniel, Britney Spencer, Meg McCree und Randall King) als auch Sonntag mit Tim Hicks, Tebey, Brent Cobb und den angesagten The Red Clay Strays aus Alabama wurden zwei tolle Programme auf die Beine gestellt. Wir hatten uns zwecks Berichterstattung für die sonntägliche Variante entschieden.

Der eröffnende Kanadier Tim Hicks legte die Messlatte schon zu Beginn ziemlich hoch. Der Singer-Songwriter konnte (samt seines hervorragend spielenden Mietmusikerensembles, das auch den folgenden Tebey maßgeblich begleitete) mit seiner sympathischen und kommunikativen Art, aber auch mit einem starken musikalischen Programm, sofort das sich stetig füllende Areal (am Ende waren es dann um die 700 Besucher) auf seine Seite ziehen.

Songs wie u. a. „Get By“, „Dodge Out Of Hell, das von Blue Rodeo-inspirierte, herrliche „Horses And Hearts“, „Got  A Feeling“, „Stronger Beer“ und das Heartland-trächtige „What  Song Should Do“ überraschten durch viel Southern-Flair. Leute, die Künstler wie Justin Moore, Eric Church oder Brantley Gilbert mögen, bekamen direkt den richtigen Einstieg in das Festival. Eine starke Leistung von Tim Hicks!

Überhaupt gefiel auch das ganze Drumherum. Da gab es Stände, wo man sich Merchandising-Sachen der involvierten Künstler, aber auch Country-typische Accessoires,  erwerben konnte, seine Talente beim Lassowerfen beweisen konnte, als auch weitere Wurfspiele und natürlich auch noch den aus den Blue Ridge Mountains kommenden Tyler Sjöström, der solo zwischen den drei Umbaupausen mit seiner grandiosen Stimme (erinnerte mich an den britischen Bluesbarden Sean Webster),  Songs aus seinem eigenen Fundus u. a. „Holding On“, Call Me Sweet, „Red River“) präsentieren konnte.

Den ebenfalls aus Kanada stammenden  kanadischen Multigenre-Songwriter Tebey hatten wir uns bereits in einem früheren Gig der Reihe (damals zusammen mit Scotty McCreery) zu Gemüte führen dürfen. Er stand mit seinen Kompostionen für luftigen, zum schönen Wetter passenden Countrypop, die erahnen ließen, warum viele prominente Künstler (Justin Moore, Eric Church)gerne auf seine Dienste zurückgriffen.

Auch wenn er mit Banjospieler Ben Rothwell zwar durchaus auch echt country-affines zu bieten hatte, wirkte er jedoch mit seiner überwiegend im Mainstream verwurzelten Musik ein wenig im eher Country- bis Southern rockig ausgelegten Stil der anderen Interpreten etwas deplatziert. Trotzdem sicherlich ein gelungener Auftritt,, zumindest aus Abwechslungsaspekten.

Mit Brent Cobb folgte der in unserem Magazin am meisten besprochene Akteur. Wir hatten vor Jahren mal die Gelegenheit, ihn vor nur knapp 30 Zuschauern im damaligen Club 672 (heute Club Jaki) in sehr intimer Atmosphäre zu sehen, da lieferte er bereits einen tollen Gig ab. Diesmal beendete er mit seinen 3 Bandkollegen die Europa-Tournee mit diesem Konzert in der Domstadt, nachdem sie  ‚tired as hell‘ zuvor gerade noch pünktlich aus Dänemark angereist waren.

Mit am Start hatte er natürlich sein aktuelles Album „Southern Star“, aus dem er das Titelstück und „Livin‘ The Dream“ präsentierte. Brent agierte überwiegend mit der Akustikgitarre und überließ weitestgehend seinem Co-Gitarristen Matt McDaniel die Solopassagen. Erst als er selbst mit zur Telecaster griff, läutete er eine furiose southern-rockige Schlussphase ein, die im Southern-Kracher „Bar, Guitar And A Honky Tonk Crowd“ ihren Höhepunkt fand. Am Ende eine richtig starke Leistung vom ihm und seinen Mitstreitern!

Mit „Come Home Soon“ gab er nach den anstrengenden Tagen am Ende, ganz alleine auf der Bühne, die Vorfreude auf die baldige Rückkehr in die heimatlichen Staaten preis.

Den Abschluss bildeten die angesagten Jungs Red Clay Strays aus Mobile, Alabama mit ihrem angesagten Stil den Southern Rock auf eine neue sehr atmosphärische Art unters Volk zu bringen. Sie treffen auch aufgrund ihrer Social Media-Präsenz den Geschmack bei Jung und Alt und werden als einer der ‚Rising Acts‘ dieser Zeit gehandelt.

Sie stellten Songs aus ihren beiden bisherigen Alben „Moment Of Truth“ und „Made By These Moments“ in den Fokus. Überragend ihr charismatischer Fronter Brandon Coleman (mit Rockabilly-mäßiger Gelfrisur), der sich mit seiner voluminösen Stimme, seinem Gitarrenspiel und auch sporadischer Piano-Präsenz, den Mittelpunkt des Geschehens bildete. Seine beiden Lead-Gitarristen Drew Nix und  Zach Rishel bewiesen mit vielen Soli, dass sie das große Southern Rock Einmaleins der Saitenkunst (Slide/Twins) perfekt beherrschen.

Mit vielen Ohrwürmern (u. a. „Forgive“, „Do Me Wrong“, „I’m Still Fine“), einigen Uptempo-Sachen (u. a. Ramblin‘“), sorgten sie für viel Begeisterung im Publikum und beendeten aufgrund der Nachtruhevorschriften der Stadt Köln unter viel Applaus mit einem weiteren atmosphärischen Schwofer „Don’t Care“ pünktlich um 22:00 Uhr das Festival.

Die erste Freiluftausgabe von SOUND OF NASHVILLE am Freideck der Kölner Kantine kann somit als großer Erfolg gewertet werden. Das Wetter passte, ein angenehmes empathisches Publikum, tolle Interpreten, dazu Musik, die eigentlich alle Facetten aus Country- und Southern Rock anspruchsvoll bediente. Aus unserer Sicht und sogar der Kollege Mangold stimmte da zu, mit dem Line-up Tim Hicks, Tyler Sjöström,, Tebey, Brent Cobb und den umjubelten The Red Clay Strays das bisher mit Abstand beste Format der Reihe! Fortsetzung gerne erwünscht!

Line-up Tim Hicks:
Tim Hicks (lead vocals, acoustic guitar, harp)
Geoff Thorn (electric guitar, backing vocals)
Jamie Sefton (bass)
Joe Harris (drums)

Line-up Tyler Sjöström:
Tyler Sjöström (lead vocals, acoustic guitar)

Line-up Tebey:
Tebey (lead vocals, acoustic guitar)
Ben Rothwell (electric guitar, banjo)
Geoff Thorn (electric guitar, backing vocals)
Jamie Sefton (bass)
Joe Harris (drums)

Line-up Brent Cobb:
Brent Cobb (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Matt McDaniel (electric guitar, slide guitar, vocals)
Josh Williams (bass, vocals)
Len Clark (drums)

Line-up The Red Clay Strays:
Brandon Coleman (lead vocals, electric and acoustic guitar, keys)
Andrew Bishop (bass)
Drew Nix (electric guitar, backing vocals)
John Hall (drums)
Zach Rishel (electric guitar, backing vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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The Red Clay Strays
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Semmel Concerts Entertainment
Die Kantine, Köln

The Sheepdogs – Paradise Alone – EP-Review

Die Sheepdogs haben vor kurzem ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert und können auf eine bewegte Zeit zurückblicken. Sie zierten als erster Independant-Act das Cover des Rolling Stone, es folgten diverse Major-Alben. Mittlerweile haben sie sich ihre Unabhängigkeit zurück erworben und betreiben nunmehr ihre Musik wieder in Eigenregie. Dazu haben sie ihr eigenes Label Right On Records gegründet, auf dem jetzt die erste EP „Paradise Alone“ erscheint (VÖ: 22.08.2024 – digital / 13.09.2024 – CD/LP).

Die aus Saskatoon in Kanada stammende Band, bestehend aus Ewan Currie (guitars and lead vocals), Ryan Gullen (bass and backing vocals), Sam Corbett (drums and backing vocals), Shamus Currie (keys and backing vocals) sowie dem noch recht frischen Ricky Paquette (guitars and backing vocals – ersetzte Jimmy Bowskill), präsentieren sich dabei in beeindruckend guter Form.

Dabei resultieren die fünf Songs aus einer kleinen Lebenskrise, die ihren Ursprung in den Florida Keys fand, als Fronter Ewan Currie nach Stress im Privatleben allein und ziemlich in sich gekehrt dort verweilte, während um ihn das blühende Leben pulsierte. Er hörte dort viel Country der 80er und 90er Jahre (u. a. von Alan Jackson und der Nitty Gritty Dirt Band) und diese Musik ließ ihn auch nach seiner Rückkehr nach Toronto nicht mehr los.

„Es war mir nicht entgangen, dass ich das Potenzial für eine Midlife-Crisis vor mir hatte. Aber ich beschloss, mich nicht voll darauf einzulassen. Ich hatte einfach eine schlechte Zeit, und dann dachte ich: ‚Na gut, ich schreibe ein paar Songs‘. Das ist es, was mein Leben ausmacht. Ich bin Musiker, das ist es, was ich tue. Ich bin so verdammt glücklich, dass ich mit diesem Job meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.“

Die entstandenen neuen Tracks sind von ihm, mit Unterstützung von Matt Ross-Spang (Rival Sons, Jason Isbell, Margo Price) als Engineer produziert und wurden aufgenommen bei Southern Grooves in Memphis, Tennessee, Auch die in den dortigen Bars aufgesogenen Einflüsse sowie ihr eigener freier Rockspirit kamen noch im Studio mit dazu und ergaben letztendlich das Resultat, bestehend aus zwei frisch groovenden Honkytonk-Uptempo-Nummern mit typischem Piano und klasse Retro-E-Gitarren („Take Me For A Ride“, „Let Me In“) sowie fluffigen New Country-Sachen („Darling Baby“, „Darling Baby“ und „POS“ – stehend für „Piece Of Shit“), auf Pfaden der Eagles oder neuzeitlich von Midland schwelgend.

Der Southern-Fraktion werden vor allem die integrierten Twins gefallen, wobei der Spirit von Acts wie der Marshall Tucker Band, Grinderswitch und auch den Allman Brothers unverkennbar ist. Natürlich wird hier auch verstärkt mit Harmoniegesängen (an die guten Crosby, Stills & Nash erinnernd) operiert.

Für den Herbst ist schon das nächste Album geplant, da wünscht man Mastermind Ewan Currie vorab doch glatt weg gleich die nächste Lebenskrise, wenn dabei solch tolle Lieder wie auf „Paradise Alone“ entspringen. Ihr Gig am 26. November im Kölner Luxor ist damit in Sachen Berichterstattung bei uns fest eingeplant!

Right On Records (2024)
Stil Southern Rock & More

Tracklist:
01. Take Me For A Ride
02. Darling Baby
03. My Baby
04. Let Me In
05. POS

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Oktober Promotion

Rett Smith – A Weighted Remorse – Album-Review

Review: Michael Segets

Bevor sich Rett Smith der Musik zuwendete, machte er im Skisport Karriere. Nach dem verletzungsbedingten Ende seiner leistungssportlichen Ambitionen veröffentlichte er ein paar EPs, bevor er 2020 seinen ersten Longplayer „Giving Up On Quitting“ herausbrachte. Er sieht seine musikalischen Wurzeln im klassischen Country. In der Presse wurde seine Musik als Kombination von Nick Cave und texanischen Songwritern beschrieben.

Die Mischung erscheint interessant und ich dachte, dass sein Stil in Richtung Gunner & Smith geht. Lose Verbindungen sind da vielleicht auszumachen, aber wie das mit Erwartungen so ist, werden sie oft nicht erfüllt. Die angeführten Bezüge zum Country oder den schwerpunktmäßig auf SoS vertreten Stilen scheinen auf „A Weighted Remorse“ jedenfalls nicht durch. Nach dem ersten Reinhören wanderte das Album also erst einmal nach unten auf der To-Do-Liste, um ihm mit etwas Abstand eine zweite Chance zu geben.

Wenn man sich auf die Spielart des Alternative Rock, wo ich „A Weighted Remorse“ einordnen würde, einlässt, kann man dem Longplayer eine durchgängige Atmosphäre nicht absprechen. Diese ist düster bis tiefschwarz. Dunkle Gitarrenriffs prägen den Sound. Vor allem bei dem Opener „7 Trains“ zeigt Smith, dass er das Instrument beherrscht. Die folgenden Tracks „Sunsets“ und „Pay The Piper“ sind ähnlich angelegt, bieten aber weniger Facetten in der Ausgestaltung.

Smiths Stimme wird durch Hall und leichte technische Verzerrungen modifiziert. Dies ist mal interessant, aber in der Häufung wirkt es eher monoton und führt dazu, dass die Tracks kaum zu unterscheiden sind. Erst durch das Duett mit Jessica Lea Mayfield auf „Cabin Song“ folgt eine willkommene Unterbrechung.

Danach geht es wie am Anfang des Albums weiter. „Beachwood“, „Blue Skies Ahead“, „4AM Go-Round“ sowie „Stop Signs” sind durch einen wuchtigen, mit Gitarren erzeugten Klangteppich und den tendenziell im Hintergrund stehenden Gesang geprägt. Die einzelnen Tracks. die jeweils unter drei Minuten bleiben, sind im Nachhinein schwer zu auseinander zu halten. Melodien, die sich einprägen, findet man dort kaum. Etwas differenzierter erscheint das abschließende „East Broadway Dash“, das bereits ausgekoppelt wurde.

Rett Smith legt mit „A Weighted Remorse” ein schweres, nicht leicht zugängliches Werk vor. Als Album wirkt es eher gleichförmig und anstrengend. Mir genügt es, einzelne Songs herauszupicken. Das wären neben dem Auftakt „7 Trains“ und dem Abschluss „East Broadway Dash“ das Duett „Cabin Song“ mit Jessica Lea Mayfield.

Im Oktober startet Rett Smith seine erste Europa-Tour, bei der auch einige Konzerte in Deutschland vorgesehen sind.

Imperial/Republic Records (2024)
Stil: Alternative Rock

Tracks:
01. 7 Trains
02. Sunsets
03. Pay The Piper
04. Cabin Song
05. Beachwood
06. Blue Skies Ahead
07. 4AM Go-Round
08. Stop Signs
09. East Broadway Dash

Rett Smith
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Imperial Records
Rola Music

The Georgia Thunderbolts – Rise Above It All – CD-Review

Die Georgia Thunderbolts zählen zweifellos zu den großen Nachwuchshoffnungen des Southern Rocks. Das hatten nicht nur wir schon ganz frühzeitig erkannt, als die Band noch eher ein Insidertipp gewesen ist, sondern dann irgendwann auch die namhafte Mascot Label Group.

Nach dem Debütalbum „Can We Get A Witness“ unter ihrer Fahne aus dem Jahr 2021 liefert der Georgia-Fünfer, bestehend aus TJ Lyle (Gesang, Mundharmonika), Zach Everett (Bass, klassische Gitarre, Harmoniegesang), Bristol Perry (Schlagzeug), Logan Tolbert (Gitarre) und Riley Couzzourt (Gitarre) mit „Rise Above It All“ nun den heiß ersehnten Nachfolger, der satte elf neue Tracks enthält sowie mit „Ain’t Got No Money“ eine klasse Bob Seger-Adaption und eine Neueinspielung von „It Ain’t Easy“.

Mit ihrem Fronter TJ Lyle, mit dem wir 2022 im Vorfeld ihres Gigs im Kölner E-Werk als Support von Black Stone Cherry 2022 ein Interview führen konnten, haben die talentierten Burschen, ein echt stimmliches Schwergewicht in ihren Reihen. Damals brachte er mit seinem T-Shirt und auch während des Gesprächs seine große Bewunderung für eines seiner großen Vorbilder, Paul Rodgers, zum Ausdruck.

Und die schlägt sich auch stärker denn je in dem neuen Silberling wieder, eine ganze Reihe der Songs wie u. a. „Rock And Roll Record“ oder „Moonlight Play“ tragen nicht nur einen klar erkennbaren, stimmlichen Bezug zur britischen Gesangsikone sondern auch zum Musizierstil von Bad Company.

„Wir haben eine Menge von unseren Helden gelernt. Das Spielen mit diesen Bands hat uns zu besseren Musikern gemacht“, sagt TJ. „Außerdem eröffnet es dir als Songwriter eine neue Perspektive, wenn du die Welt siehst – du triffst Menschen aus allen Schichten des Lebens“, so der TGT-Fronter.

Auch Bristol Perry dürfte sich auf der Support-Tour das Eine oder andere von Black Stone Cherry-Drummer John Fred Young mitgenommen haben, sein typisch kraftvolles Poltern verleiht vielen Nummern eine ordentliche Härte und Dynamik.

Aber auch Anhänger des klassischen psychedelischen Rocks der Marke Led Zeppelin, werden In Liedern wie dem Titelstück „Rise Above It All“, „She’s Gonna Get It“ oder „Stand Up“ ihre Deja Vus erleben.

Molly Hatchet lassen bei den abschließenden „Whiskey Talkin'“ und „Pricetag“ grüßen. Als der einzig so richtig Southern Rock-kompatible Track entpuppt sich der herrliche Opener „Gonna Shine“ sowie die hier etwas ruhigeren Sachen wie „Wait“ (mit schöner Akustikgitarre) und „Crawling My Way Back To You“.

Mit „“Rise Above It All“ untermauern The Georgia Thunderbolts ihren Anspruch als einer der ‚Rising Acts‘ der Szene. Zur Veröffentlichung des Werkes sind sie hier die Tage in Europa präsent, leider nicht im Westen, was ich als sehr schade empfinde, da sich besonders die Präsenz im Kölner Raum (siehe Blackberry Smoke) als äußerst wichtig für die Verbesserung des Bekanntheitsgrades in unserem Land erwiesen hat.

Nichtsdestotrotz bemühen wir uns gerade, den Gig im niederländischen Ede realisieren zu können. Das Album ist natürlich ein klares ‚Must Have‘!

Mascot Label Group (2024)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Gonna Shine
02. Rock And Roll Record
03. Rise Above It All
04. Moonlight Play
05. Ain’t Got No Money
06. Wait
07. Crawling My Way Back To You
08. She’s Gonna Get It
09. Little Jim
10. It Ain’t Easy
11. Stand Up
12. Whiskey Talkin‘
13. Pricetag

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Mascot Label Group
Netinfect Promotion

Memphis Royal Brothers – Same – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Die Memphis Royal Brothers sind ein Zusammenschluss der talentiertesten Musiker aus Memphis, einige von ihnen sind Grammy-Gewinner und Grammy-Nominierte. Und sogar ein Oscar-Preisträger gehört der illustren Gesellschaft an. Die Truppe besteht nicht nur aus Gitarristen, Keyboarden, einem Drummer und Sängerinnen und Sängern, sondern wird auch durch eine Vielzahl von Bläsern (Saxophon, Trompete, Posaune), Stringsplayern (Geige, Cello und Bratsche) verstärkt. Ende Juli haben sie nun ihr erstes, selbstbetiteltes Album veröffentlicht.

Der Gitarrist Gary Bolen und sein Bruder Richard Bolen, der an dem Werk als Co-Produzent beteiligt ist, ließen sich zu diesem Longplayer durch den 2014’er Dokumentarfilm „Take Me To The River“ von Martin Shore inspirieren. Ein Film über amerikanische Soulmusik und das legendäre Label „Stax Records“. Und so ist es nicht erstaunlich, dass die Songs der „Memphis Royal Brothers“ stark vom Memphis-Soul, Blues und Americana beeinflusst sind und natürlich in den historischen Royal Studios in Memphis eingespielt wurden. Alle Stücke auf der CD sind Neukompositionen, an denen der Gitarrist Gary Bolan vielfach beteiligt war.

Herausragend ist für mich „Goin‘ South“. Hier glänzt Charlie Musslewhite an der Bluesharp und mit total relaxtem Gesang; ein Track, der die schwüle Hitze des Südens zu vermitteln vermag. Und dann sind da noch die Tracks mit Wendy Moten als Sängerin bzw. auch Solistin. In „Brand New Heart“, einem Song mit Country- / Americana Einschlag, liefert sie zusammen mit Jim Lauderdale die gesangliche Grundlage und in dem Slowblues „Ready To Use“ brilliert sie als einfühlsame Solistin.

Aber auch die übrigen Songs machen einfach nur Spaß. Die Bläsersektion spielt mit ihrem Groove kraftvoll und auf den Punkt genau, während sie u. a. von den Stax-Legenden Steve Potts am Schlagzeug, Michael Toles (Rhythmusgitarre), Charles Hodges und Lester Snell (Keyboards) unterstützt wird. Allen voran ist hier der flotte Schwofer „Good God I Got The Blues“ zu nennen. Darüber hinaus enthält „Gimmie Back The Keys To My Cadillac“ eine nette musikalische Überraschung in Form eines Zwiegespräches zwischen Sänger und Sängerin. Schließlich endet die Scheibe mit dem Slowblues „I Fall To Pieces“, eingeleitet von einem zarten Pianointro.

Die Memphis Royal Brothers haben mit ihrem Album dem Grunde nach ein musikalisch traditionelles Werk abgeliefert, das aber die Atmosphäre des Memphis-Souls verfeinert mit Blues- und Americana-Klängen auf melodische Art und Weise in die Gegenwart zu transportieren weiß. Für jeden der acht Tracks gibt‘s aus meiner Sicht klare 5 Sterne!

Royal Records / Mother West (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. Good God I Got The Blues
02. Goin‘ South
03. Brand New Heart
04. Ready To Rise
05. Gimmie Back The Keys To My Cadillac
06. Hot Night In June
07. What Mothers Do
08. I Fall To Pieces

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The Cult – 04.08.2024 – Carlswerk Victoria, Köln – Konzertnachlese

Die junge Spanierin Lys Morke eröffnet als Support den Abend mit psychedelischer elektronischer Musik. Untermalt wird ihre zuweilen sphärische Musik mit einer dramaturgischen Beleuchtung, die sie zumeist nur im Schattenriss erkennen lässt.

Gegen 21:15 Uhr erklingt als Intro der „Ritt der Walküre“ aus „Apocalypse Now“ bei spärlich beleuchteter Bühne, und die Musiker von The Cult betreten kaum erkennbar die Bühne und es folgen etwa 80 Minuten mit Songs von allen Alben der mittlerweile 40-jährigen Bandgeschichte.

Fast über die gesamte Spieldauer steht die Band stark von hinten beleuchtet auf der nebelumwaberten Bühne, dass durch das spärliche Frontallicht die Gesichter nur selten erkennbar sind, Aber nicht nur das Licht fliegt den Fans ins Gesicht, auch die Musik fliegt ihnen um die Ohren. So entsteht von Beginn eine euphorische Stimmung im ausverkauften Carlswerk.

The Cult zeigen sich dabei energiegeladen, Billy Duffy mit starken Gitarren-Soli und Ian Astbury hat von seinem Charisma über die Jahre nichts eingebüßt und zeigt sich auch stimmlich von seiner besten Seite. Der heiße Ritt wird nur einmal von „Edie (Chiao Baby)“, das Astbury und Duffy akustisch vortragen, unterbrochen, ansonsten geht es rockend und schweißtreibend mit leichten heavy gothic-Einschlag weiter. Den Fans bleibt bei den, nur durch kurze Ansagen unterbrochenen Songs kaum Luft zum durchatmen.

„Sweet Soul Sister“, „Lucifer“ und „Fire Woman“ bilden dabei den Auftakt zu einem finale furioso, wo man den Eindruck hat, dass die Band die Stimmung regelrecht aufsaugt und mit „Rain“, „Spiritwalker“ und dem krachenden „Love Removal Machine“ das Set ausklingen lässt, um mit „Brother Wolf, Sister Moon“ und „She Sells Sanctuary“ zwei gefeierte Zugaben nachzulegen. Bejubelt wird auch, als Astbury ankündigt, dass für the Cult eine neue Epoche beginnt und die Band nächstes Jahr wiederkommen will.

Normalerweise ist der Ort im Bereich der Lichtmischer zum Fotografieren, insbesondere bei starken Gegenlicht nicht unbedingt optimal, aber so kann die gesamte Beleuchtung der Bühne besser widergegeben werden, die im Einklang mit der Musik ist, die Musiker meist aber nur als Silhouetten erkennen lässt.

Was aber aus der Position auffällt, ich habe mich bewusst dagegen entschieden von möglichen erhöhten Standorten zu fotografieren, was den Fans hinter mir aber die Sicht auf die Bühne genommen hätte. Viele Leute dagegen filmten allerdings über weite Strecken des Konzerts mit weit über dem Kopf gehaltenen Handy mit und nahme allen dahinter die Sicht.

Leider eine Unsitte, die bei vielen Konzerten zu beobachten und insbesondere bei Stehplätzen auch kaum zu unterbinden ist. Ich habe mir in dem Moment gedacht, genießt doch einfach mit allen anderen die Musik, statt Filmchen aufzunehmen, die meist nie wieder angeschaut werden und niemals die Stimmung wiedergeben, die man erlebt hat.

Ein Dank auch an Sparkassenpark Mönchengladbach für die Akkreditierung und die freundliche Begleitung während des Konzerts.

Line-up:
Ian Astbury – vocals
Billy Duffy – guitar
John Tempesta – drums
Charlie Jones – bass

Setlist The Cult:
Apocalypse Now Soundtrack Ritt der Walküre (Intro)
In the Clouds
Rise
Wild Flower
Star
Mirror
The Witch
The Phoenix
Resurrection Joe
Edie (Ciao Baby)
Sweet Soul Sister
Lucifer
Fire Woman
Rain
Spiritwalker
Love Removal Machine
Encore:
Brother Wolf, Sister Moon
She Sells Sanctuary

Text & Bilder: Gernot Mangold

The Cult
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Carlswerk Victoria
Sparkassenpark Mönchengladbach

Elles Bailey – Beneath The Neon Glow – CD-Review

Ihre britische Kollegin Adele tritt dieser Tage zehn Mal in einem für 80.000 Zuschauer ausgelegten, eigens konstruierten Stadion in München auf, vermutlich alle samt ausverkauft. Was für einen Wahnsinn lässt sich die Menschheit zur Bespaßung der Leute eigentlich noch alles einfallen? Aber so funktioniert unser System nun mal, wo eine Nachfrage existiert, wird diese auch in der Regel gewinnbringend bedient.

In Falle unserer Protagonistin Elles Bailey frage ich mich allerdings schon seit geraumer Zeit, was besagte Adele in Wirklichkeit dieser eigentlich so viel voraus hat, außer dass sie schon ein paar Jährchen länger im Geschäft ist und scheinbar bessere Verbindungen besitzt. 

Womit wir dann beim neuen Werk „Beneath The Neon Glow“ wären, ihr nunmehr viertes Studioalbum, in dem sie sich mit den Tiefen des Herzschmerzes, der Widerstandsfähigkeit der Freundschaft und der anhaltenden Kraft der Liebe, die ein ganzes Leben währt, thematisch auseinandersetzt.

Musikalisch umspannt die Engländerin mit ihrer variablen rauchigen Stimme im Stile einer Bonnie Raitt den Bogen wieder von Rock, Pop, Soul, Country bis hin zu Southern Rock-Elementen.  Schon beim flotten,  souligen Countryrocker als Opener „Enjoy The Ride“ gibt sie die Marschrichtung vor.

Mit den beiden folgenden Ohrwürmern „Ballad Of A Broken Dream“ und „Leave The Light On“ offeriert sie ihr fantastisches Songwriting-Potential, Das southern-trächtige E-Gitarren-Solo von Joe Wilkins bei letztgenanntem Track, ist das krönende Tüpfelchen meines persönlichen Favoriten dieses Longplayers.

Besonders gut gelungen ist diesmal auch der schöne Wechsel zwischen  flockigen Nummern wie das herrlich groovende „1972“, das treibende „Truth Ain’t Gonna Save Us“, „If This Is Love“ (da kommt auch ihr britischer Humor bestens durch: „If This Is Love, I don’t wanna love anymore!“) oder das von coolen E-Piano-Klängen, Akustik-Gitarren und gospeligen Background Vocals getragene, soulig groovende „Love Yourself“ und dem gegenüberstehend die sehr atmosphärisch, zum Teil Gänsehaut erzeugenden Lieder wie „Silhouette In A Sunset“ (ganz großartig!), „Let It Burn“ sowie das abschließende, mit molligen Piano-Tönen untermalte, dezent düstere „Turn Off The News“ als beeindruckender Abschluss des von Dan Weller (Enter Shikari) produzierten Silberlings.

„Ich mag für einige Leute neu sein, aber ich bin schon eine ganze Weile dabei. Ich bin nicht hier, um ein kurzes Strohfeuer zu entfachen. Ich will eine langfristige Karriere in der Musik. Ich liebe, was ich tue. Ich liebe es, dass ich es in die ganze Welt tragen kann. Wenn ich also damit weitermachen kann und einfach vor einem größeren Publikum spielen und weiter wachsen kann, dann ist es genau das, was ich tun werde“, so die sympathische Britin über sich selbst.“

Auch wenn es sicher nicht zu den anfangs erwähnten Dimensionen für Elles Bailey reichen wird, mit dem bis dato stärksten Album ihrer Karriere „Beneath The Neon Glow“ hat sie wieder mal unseren Geschmack eindrucksvoll getroffen und sich die nächste Lobeshymne in unserem Magazin gesichert. Und in diesem wichtigen Punkt ist sie Adele dann auf jeden Fall um Längen voraus…

Cooking Vinyl Records (2024)
Stil: Rock/Country/Roots/Southern (Pop)

01. Enjoy The Ride
02. Ballad Of A Broken Dream
03. Leave The Light On
04. 1972
05. Silhouette In A Sunset
06. Truth Ain’t Gonna Save Us
07. If This Is Love
08. Let It Burn
09. Love Yourself
10. Turn Off The News

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Oktober Promotion

Johnny Ray Jones – Mystic Chiefs – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Die Mystic Chiefs, das sind die Musiker von Johnny Ray Jones‘ Allstar Band und gleichzeitig auch die Namensgeber für das erste Studioalbum dieser Truppe. Und die Liste der Bandmitglieder liest sich wie ein „Who is Who“ der Blues- und Rootsmusiker: der Gitarrist Junior Watson (u. a. Canned Heat und William Clarke), der Harpspieler Tex Nakamura (War) und der Perkussionist Stephen Hodges (Tom Waits), um nur drei herauszugreifen.

Auf „Mystic Chiefs“, welches auch das dritte Album des südkalifornischen Bluesers J. R. Jones ist, präsentiert er elf mitreißende Blues- und Rootsongs, Einige davon sind gekonnte Neuinterpretationen von Klassikern der Blueslegenden Sonny Boy Williamson („Trying To Get Back On My Feet“, „My Younger Days“), Willie Dixon („Don‘t Go No Further“, hier wunderbar relaxed und layed back dargeboten sowie „I‘m Ready“), James Moore („Shake Your Hips“) und anderen. Weitere Songs stammen aus dem Repertoire der L. A. Blueser The Red Devils, die Jones zeitweilig begleitete (u. a. „Automatic“, „Devil Woman“, „No Fighting“).

Das Album führt vom traditionellen Chicago Blues der 60’er Jahre à la Paul Butterfield, Mike Bloomfield oder Charlie Musselwhite hin zum L.A. Roots Rock der 80‘er und 90‘er Jahre, wie ihn z. B. die „Blasters“ und „The Red Devils“ gespielt haben. Alle Songs klingen sehr authentisch, nicht zuletzt auch wegen Jones‘ Stimme, die immer ganz leicht aus dem Off zu kommen scheint und irgendwie ein Analogfeeling hervor zu zaubern vermag. Die Scheibe dürfte also bei den Älteren unter unserer Leserschaft unweigerlich Erinnerungen an die “gute, alte Zeit“ aufkommen lassen. Und „I Wish You Would“ ist sogar von „Break On Through“ der Doors durchdrungen.

Carl Sonny Leyland liefert am Piano einen unglaublich guten Job ab, sei es bei „Automatic“ einem flotten Boogie-Woogie oder bei „Shake Your Hips“, einem Boogie im Stile von Canned Heat, aber auch dem Slowblues „My Younger Days“ weiß er Leben einzuhauchen. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Tex Nakamura‘s Leistungen mit der Mundharmonika, viele der Songs werden maßgeblich von seiner mitreißenden Spielkunst getragen.

Mit „Mystic Chiefs“ liefert Jones, der u. a. schon mit John Mayall, Walter Trout und Big Joe Turner auf der Bühne gestanden hat, ein straightes und zündendes Bluesalbum mit Clubfeeling ab. Der Umstand, dass es keine Liveaufnahmen sind,, schmälert dieses Gefühl absolut nicht. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass diese 5-Sterne-Scheibe schon jetzt zu meinen All-Time-Favorites gehören wird.

Moondogg Records (2024)
Stil: Blues

Tracks:
01. Automatic
02. Trying To Get Back On My Feet
03. Devil Woman
04. Don‘t Go No Farther
05. Shake Your Hips
06. I Wish You Would
07. I‘m Ready
08. No Fightin‘
09. Sugar Sweet
10. My Younger Days
11. I‘ll Be Around

Johnny Ray Jones
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Bospop 2024 – 12.–14.07.2024 – Weert, Niederlande – Festivalnachlese

Das Bospop wartete auch 2024 wieder mit einem abwechslungsreichen Programm auf, bei dem es jeden Tag mehrere absolute Highlights gab. Auf dem Konzertgelände befanden sich nicht nur die Main Stage und zwei Zeltbühnen, es gab auch genügend Foodtrucks und Bierbuden, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgten, als auch verschiedene Merchandising-Stände.

Tag 1:

Der Auftakt befand sich zunächst im Zeichen der Wetterlage. Nachdem am Donnerstag bei besten Wetter die letzten Vorbereitungen getroffen worden waren, ergossen sich am Freitag-Morgen sintflutartige Regengüsse über Weert und verwandelten das Gelände in eine Schlammlandschaft, in die man teilweise mehr als knöcheltief einsank.

Zudem waren viele Parkflächen nicht nutzbar, sodass sich die Anfahrt insbesondere für die Besucher verzögerte, die nicht schon weit vor Einlass anreisen konnten. Deshalb beginnt der Bericht erst mit dem Auftritt von Patti Smith, allerdings ohne Bildmaterial, da die obligatorische Fotografierzeit bei Erledigung der Formalitäten schon beendet war.

Patti Smith gelang es mit ihrer charismatischen Art und einer enormen Vitalität schnell, dass der Funke auf die Fans übersprang und das widrige Wetter schnell vergessen war. Sie war weit mehr als ein Lückenbüßer für Heart, die ihren Auftritt schon vor einigen Wochen absagen mussten.

Patti Smith hatte gerade den letzten Song auf der Mainstage beendet, da wird auf der rappelvollen Zeltbühne schon die kalifornische Southern Rock-Band Robert Jon & The Wreck angekündigt. Den 60-minütigen furiosen Auftritt nutzt die Band eindrucksvoll, um ihr brandaktuelles Album „Red Moon Rising“ zu präsentieren.

Es bleibt kaum Zeit zum Luft holen. Die Mainstage ist durch einen schwarzen Vorhang verhängt und zwei diabolisch anmutende Wesen gehen Glocken-läutend über die Bühne. Zu den ersten Klängen der Musik fällt der Vorhang und die Szenerie gleicht einem Gebäude, das für mystische Szenarien prädestiniert ist.

Nach einem Kurzen Intro betritt Alice Cooper dann die Bühne und es folgt ein regelrechtes Schauspiel, in dem er je nach Song in verschiedene Rollen schlüpft. Ein Kracher jagt den nächsten. Alice Cooper ließ in grandioser Weise das Visuelle als auch das Auditive miteinander verschmelzen und setzte so ein absoluten Ausrufezeichen.

In der Zeltbühne ging es dann wieder ohne Pause weiter mit Lotti Goes Metal. Der belgische Popsänger, der in den letzten Jahrzehnten verschiedene Genre von Klassik bis zu Weltmusik für sich entdeckte, ging auf Reise in die Geschichte des Hard und Heavy Metal Rock.

Danach konnte John Fogerty zum Abschluss des Abends noch die Fans mit seinen Solostücken und CCR-Klassikern beglücken. Er zeigte sich dabei agil und spielfreudig. Schön wäre nur gewesen, wenn das Management nicht nur vier der vom Veranstalter zum Festival akkreditierten Fotografen die Erlaubnis gegeben hätte, Aufnahmen zu machen…

Auf dem Weg zum Parkplatz zeigte sich dann noch einmal die ganze Weitsicht des Veranstalters, der wirklich alles dafür tat, der widrigen Wetterumstände zu trotzen. Scheinbar wurden alle Landwirte aus der Region kontaktiert, sodass eine Armada von Traktoren bereit stand, um Autos, die sich im Schlamm festgefahren hatten, aus dem Sumpf zu befreien.

Tag 2:

Nachdem die Festivalbesucher am ersten Tag sprichwörtlich im Schlamm versunken waren, nutzte der Veranstalter die Nacht, um tonnenweise grob geraspeltes Holz über das Gelände zu verteilen, was sich als effektives Mittel gegen die Schlammlöcher erwies.

Am frühen Nachmittag sorgte das holländische Trio Mell VF mit eingängigen souligen Rhythm’n’Blues auf der Main Stage schon für gute Stimmung. Danach bildete ein Totempfahl in der Zeltbühne die Kulisse für Nevenproject, die erdigen bluesigen Rock von ihrem aktuellen Album „Totempoal“ vor einer großen Kulisse präsentierten.

Gogol Bordello aus New York brachten dann mit einem explosiven punkigen Auftritt richtig Stimmung in die Menge, sodass nicht nur auf der Bühne der Schweiß floss. Mit ihrem Bühnenbild zeigen sie auch ihre Unterstützung für die Ukraine. Die in den Niederlanden populäre Band Metejoor holte mit ihren eingängigen, eher poppigen Songs wieder etwas runter.

James Blunt offerierte, dass er nicht nur ein hervorragender Musiker, sondern auch ein guter Entertainer auf der Bühne ist. Er und seine Begleitband legten mit all seinen Hits die Latte für dir restlichen Bands sehr hoch. Geschickt war es vom Veranstalter mit The Legend Of Springsteen, Racoon und Lex Uiting drei holländische Bands danach auftreten zu lassen, die mit der Welle des Heimvorteils im Rücken, die Stimmung aufrecht halten konnten.

Gegen 23:30 ist es dann soweit und der italienische Bluesbarde Zucchero beschließt den zweiten Festival-Tag, während hinter der Bühne malerisch der Vollmond zu sehen ist.

Atemberaubend ist schon wie die Background-Sängerin Oma Jali fast mystisch „Oh De Jesus“ als Opener des Konzertes vortrug, in das Zuchhero fast nahtlos mit „Spirito Nel Buio“ einsteigt und direkt zeigte, dass er von seiner Stimmgewalt nichts eingebüßt hat. „Soul Mama“, „La Canzone Che Se Ne Va“, das balladeske „Facile“ und natürlich auch „Senza Una Donna“ durften nicht auf der Speisekarte des Italieners fehlen.

Mit dem rockigen „Diavolo In Me“ schickte Zucchero die Fans dann auf den Heimweg oder zu den direkt am Gelände liegenden Campingmöglichkeiten, um mit mediterranen Gefühlen einen abwechslungsreichen Konzerttag ausklingen zu lassen. Nass geworden war an diesem Tag im Vergleich zum Freitag niemand, es sei denn, man zählt das eine oder andere melancholische Tränchen, das durch die zuckersüße Musik des Italieners versprüht wurde.

Tag 3:

Auf der Zeltstage stand am dritten Tag der Blues Rock im Vordergrund. The Damn Truth sorgten schon um 12 Uhr Mittags mit einer Mischung aus Garage- und Blues Rock für prächtige Stimmung im nach allen Seiten offenen riesigen Zelt. Mit energiegeladenen Powerrock brachten The Scratch das Zelt regelrecht zum Beben. Die Iren vermischten dabei Elemente aus Folk, Metal und progressiven Rock bei ihren schweißtreibenden Auftritt.

Die Schotten King King waren wie erwartet ein Brett und füllen die Bandbreite vom Blues- bis zum Southern Rock. Dabei zeigte es sich wieder einmal, dass es eine gute Idee von Alan Nimmo gewesen ist, seinen Bruder Stevie als zweiten Gitarristen, aber auch für Harmoniegesänge mit in die Band zu holen.

The Rival Sons nahmen die Stimmung, die King King ins Zelt gebracht haben, mit und bewiesen, dass sie nicht umsonst als Headliner auch schon größere Hallen füllten. Dabei standen natürlich die beiden Fronter, der charismatische Sänger Jay Buchanan und Gitarrist Scott Holiday, im Mittelpunkt.

Die Holländer von DeWolff treten mittlerweile nicht mehr als Trio auf, sondern haben einen Bassisten und zwei Background Sängerinnen in die Band geholt. Das Trio um Fronter Luka van Poel mit starken Gitarrensoli, dessen Bruder Pablo an den Drums und Orgelspieler und Keyboarder Robin Piso blieben aber eindeutig im Zentrum der Show, wobei die zusätzlichen Musiker für einen noch fetteren Sound sorgten.

Den Abschluss im Zelt machte dann der gerade 25 jährige Christone ´Kingfish´ Ingram. Er erhielt nicht umsonst 2020 fünf Blues Music Awards. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme und filigranem Gitarrenspiel, unterstützt von einer klasse Band, sorgte er für viele verzückte Gesichter.

Auf der Mainstage sind The Waterboys und Toto die beiden Topacts. Dazu gesellen sich die Leif de Leeuw Band, die  ihrer, den Allman Brothers nahestehenden Musik und Southside Johnny & The Asbury Jukes,, die auch im weitesten Sinne dem Classic Rock zuzuordnen waren. Beide letztgenannten Acts sorgten schon am frühen Nachmittag für gute Stimmung auf dem sich füllenden Festivalgelände.

Die beiden holländischen Bands Son Mieux und Di-Rect flankieren The Waterboys mit rockiger Musik mit leicht poppigen Einflüssen.

Am frühen Abend betreten dann die Mannen um Mike Scott die Bühne, hinter der ein Baumwesen auf einem Transparent das Treiben zu beobachten scheint. The Waterboys zeigten sich dabei von ihrer besten Seite und überzeugten mit ihren Hits wie „A Girl Called Johnny“, The Whole Of The Moon“ und dem umjubelten „Fisherman´s Blues“ als Zugabe.

Der Abschluss des Festivals bleibt der amerikanischen Top-Band Toto vorbehalten. Über 75 Minuten ziehen sie die Besucher in ihren Bann und kaum jemand verlässt vor dem Ende weit nach Mitternacht das Gelände. Schon mit dem zweiten Stück, „Hold The Line“ entsteht eine tolle Stimmung, die nicht mehr abreißen soll. Mit „Little Wing“ von Jimi Hendrix und „With A Little Help From My Friends“ von den Beatles bauen sie auch zwei hammerstarke Coverversionen in ihre eigenen Hits ein.

Mit den beiden kommerziell erfolgreichsten Tracks „Rosanna“ und „Africa“ werden die Fans dann nach drei langen Festivaltagen regelrecht beseelt auf den Heimweg geschickt.

Fazit:

Wer weiß, vielleicht sind manche Besucher gedanklich schon im nächsten Jahr, wenn es heißt Bospop 2025 (11.07. – 13.07.2025). Ein Festival, das zum Glück nicht so überdimensioniert daher kommt, wie mach anderes, wo die Bühne für viele nur am Horizont erkennbar ist.

Ein besonderer Dank geht an das Team vom Bospop, das trotz der insbesondere am ersten Tag herausfordernden Wetterverhältnisse, alles getan hat, einen tollen Rahmen zu geben. Namentlich sei Jos Routheut für die netten Mails zur problemlosen Akkreditierung und den netten Austausch während der Tage, genannt. Tot Ziens, hoffentlich bis zum nächsten Jahr.

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Dallas Moore – Gems & Jams – CD-Review

Der vielfach Award-dekorierte Musiker und Songwriter Dallas Moore genießt weit über die Outlaw Country-Szene hinaus – bei uns hier ist eher für seine Nähe zum Southern Rock bekannt – einen exzellenten Ruf.

Sein umtriebiges Auftreten mit bis zu 300 Gigs im Jahr, (er teilte schon die Bühne mit unzähligen Größen wie u. a. Willie Nelson, The Allman Brothers Band, Waylon Jennings, Merle Haggard, George Jones, David Allan Coe, Lynyrd Skynyrd, Billy Joe Shaver, Ray Wylie Hubbard, Marshall Tucker Band, Charlie Daniels, Moe Bandy, Kinky Friedman oder Dale Watson) seine tolle, Whiskey-getränkte Stimme, seinen fingerfertiges Gitarrenspiel und seine scharfzüngigen, oft auch von feinsinnigem Humor gekennzeichneten  Texte, zählen zu den Skills, die man seinem Lebenslauf unzweifelhaft attestieren kann. Und das seit gut 25 Jahren.

Mit „Gems & Jams“ stellt er nun sein 18. Werk Werk vor. Diesmal gibt es Dallas Moore pur. Nur sein kratziges Vokalorgan begleitet von seinem filigranen und teils quirligen Akustikgitarrenspiel. 15 Tracks, einige neu kreiert, dazu diverse aus seinem langen Katalog im Veranda- oder Wohnzimmerstil, das darf sich jeder aussuchen, wie er will. Storytelling der Marke Cash, Jennings, Haggard & Co. in authentischer und lebensnaher Manier.

Jeder Song, einzeln für sich genommen, hat sicherlich das gewohnte Potential und seinen Reiz, ich persönlich bin allerdings kein Freund von dieser Art Musik über eine gewisse Länge hinaus., Denn spätestens nach einer Viertelstunde stellt sich, zumindest bei mir, eine gewisse Monotonie ein, die dann, je länger die Scheibe dauert, in Anstrengung ausartet, da es auch nur selten  Tempovariationen zu verzeichnen gibt. Man möge mich als oberflächlichen, ungeduldigen  Kunstbanausen betiteln, es ist aber so.

Somit kann ich trotz großer Sympathie, die ich für den Protagonisten hege, nur bedingt eine Kaufempfehlung für „Gems & Jams“ aussprechen. Ich würde Dallas Moore lieber wieder in vollformatigen Gewand (mit Rhytmussektion, E-Gitarren und Piano, etc.) auf seinen Tonträgern hören, wie er es z. B. so glänzend 2019 auf „Tryin’g To Be A Blessing“ demonstriert hatte. Aber bitte urteilt gerne selbst!

Sol Records (2024)
Stil: Country Rock

Tracks:
01. Shade Tree
02. Sing My Song
03. Last Night
04. On And On Again
05. Best Thing I Ever Did Was You
06. Lyin Next To You
07. Condemned Behind The Wall
08. Blame It On The Weed
09. Reelin Em In
10. Out The Door
11. Glad To See Me Gone
12. Tequila Song
13. Wastin Good Whiskey
14 Bottle And  Bible
15. Up On That Mountain

Dallas Moore
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