Die Allen-Forrester Band, die zur Zeit noch im Süden und einem Gig in Berlin unterwegs ist, mit einem kleinen Zwischen-Intermezzo,, einer nur digital veröffentlichten Live-EP mit vier Stücken. Alle Kennt man von ihrer tollen Debüt-CD, als auch, wer sie wie wir,, schon des Öfteren auf der Bühne gesehen hat, von ihren engagierten Auftritten.
Auch hier bekommt man den typischen an Lynyrd Skynyrd-ausgerichteten Sound der Anfangsphase des klassischen 70er-Southern Rock, ohne Schnörkel,, ehrlich gearbeitet,, man hört und sieht den imaginären Schweiß der Burschen beim Spielen förmlich aus den heimischen Boxen tropfen.
Was sind die Kaufargumente? Bei „Good Situation Gone Bad“ bekommt man gegen Ende ein dynamisches Drum-Solo von Matze Böhm, das finale „Running For Your Life“ wird mit einem groovigen Bass-Intro von dem ansonsten auch wieder klasse zupfenden Hendrik Herder eingeleitet.
Josh Allen geht mit seinem kämpferischen Frontgesang voran, Ben Forrester setzt die gewohnten Highlights im Leadgitarrenspiel. Insgesamt eine schöne Sache, sich das Live-Können des Quartetts auch für zuhause zu sichern und vor allem eine ideale Gelegenheit, solche lebensnahe Bands auf ihrem weiteren Weg ein wenig zu unterstützen und ehrliche Live-Musik am Leben zu erhalten.
Die beiden aus dem Osten der USA stämmigen Musiker samt ihrer Rhythmusfraktion beweisen mit „Eastbound“ erneut, dass sie den Sound des Südens perfekt beherrschen.
EBF Music / Timezone Records (2024) Stil: Southern Rock
Tracks: 01. Stand Up 02. Burning Daylight 03. Good Situation Gone Bad 04. Running For Your Life
Willie Nile rockt mit der Energie eines Jungspunds, obwohl er Mitte der Siebzig ist. 2022 arbeitete er eine temporeiche Setlist im New Yorker Daryl’s House Club ab, die einen Querschnitt durch seine Karriere widerspiegelt. Seit ich ihn vor einer Dekade live erleben durfte, scheint er nichts an Elan verloren zu haben. Seine letzten Konzert-Aufnahmen, die auf CD gepresst wurden, stammen aus dem Jahr 2011. Danach veröffentlichte Nile sieben Studio-Werke, sodass ein aktuelles Live-Album längst überfällig wurde.
Einen leichten Schwerpunkt bei der Liedauswahl legt Nile auf „New York At Night“ (2020). Von dem Longplayer sind neben dem Titeltrack zwei weitere vertreten („Lost And Lonely World“, „Run Free“). Ansonsten präsentiert er fast von jedem seiner Alben einen Song. Vom Anfang seiner Karriere wählt er „Shoulders“. Das einzige langsame Stück auf der CD leitet Nile mit einem Klavier ein. Hier gibt er Jimi Bones für ein längeres Gitarrensolo Raum. Der Break zwischen den straight forward gespielten Rockern, bei denen Jon Weber am Schlagzeug und Johnny Pisano am Bass für den richtigen Druck sorgen, liegt genau in der Mitte des Albums und ist so geschickt platziert, um ein kurzes Durchatmen zu gestatten.
Die musikalische Karriere von Nile wurde von Rechtsstreitigkeiten behindert und verlief daher nicht ohne längere Unterbrechungen. Aus den 1990ern finden sich „Places I Have Never Been“ und „Black Magic And White Lies”. Richtig in Schwung gekommen ist Nile dann in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Mit „House Of A Thousand Guitars“ (2009), „The Innocent Ones“ (2010) und das auf Blue Rose Records veröffentlichte „American Ride“ (2013) legte der in Buffalo, New York, gebürtige Songwriter drei stake Longplayer in Folge vor. „House Of A Thousand Guitars“, „One Guitar“ und „ This Is Our Time“ stammen von diesen Werken.
Die CD „World War Willie“ (2016) ist mit „Trouble Down In Diamond Town“ vertreten, während die Balladen von „If I Was A River“ (2014) nicht berücksichtigt werden. Die Titelauswahl ist gelungen, auch wenn einige meiner Favoriten nicht auftauchen. Der charismatische Songwriter hätte also genug Material in der Hinterhand für weitere Live-Mitschnitte.
Neben Stücken, die einfach Spaß machen, schlägt Nile auch sozialkritische Töne an, die vor allem seine letzen Veröffentlichungen prägen. „Earth Blues“ und „The Day The Earth Stood Still“ sind hier beispielsweise zu nennen. In diese Kategorie fällt auch „Wake Up America“. Der bislang auf keinem Studio-Album vertretene Track wurde im Original 2022 als Duett mit Steve Earle veröffentlicht.
Die Setlist des Konzerts im Daryl’s House Club gibt einen Überblick über Willie Niles mehr als vierzigjährige Karriere. Nile wählt aus seinem Katalog an Eigenkompositionen fast ausschließlich rockige Nummern, die er mit unbändiger Dynamik performt. Wer authentischen Gitarrenrock mag, kommt auch heute noch an Willie Nile nicht vorbei.
River House Records (2024)
Stil: Rock
Tracks:
01. Places I Have Never Been
02. This Is Our Time
03. Black Magic And White Lies
04. Earth Blues
05. Lost And Lonely World
06. The Day The Earth Stood Still
07. Shoulders
08. New York At Night
09. Trouble Down In Diamond Town
10. Wake Up America
11. House Of A Thousand Guitars
12. Run Free
13. One Guitar
Sehr, sehr lange hat Tab Benoit nichts mehr von sich hören lassen. Endlich nun ist sein neuestes Werk erschienen. „I Hear Thunder“ ist sein erstes Studioalbum seit sage und schreibe 13 Jahren!
Im Laufe der Jahre hat sich Tab Benoit anscheinend zu härteren Bluesriffs hin entwickelt. Auf seinem neuen 10-piece-Album ist der Blueser aus Baton Rouge, Louisiana dem Swamp Blues bzw. Lousiana Blues zwar im Wesentlichen treu geblieben, aber es dominiert eine etwas härtere Gangart, die sich auch in dem Opener „I Hear Thunder“ offenbart. Der Song wartet, einem Donnerhall gleich, mit heftigen Gitarrenriffs auf.
In manch anderen Stücken sind dann wieder auch durchaus funkige und Chicago-Style-artige Elemente zu hören. „The Ghost Of Gatemouth Brown“ ist ein Paradebeispiel dafür. In den Bereich Countryblues hingegen passen Songs wie „Still Gray“, „Overdue“ oder „Watching The Gators Roll In“, erstere sind ruhige Slowbluestitel und letzterer ist ein melodischer, sanft dahin fließender Bayoublues.
Die übrigen Tracks „Inner Child“, „Why, Why“, „Little Queenie“, „I’m A Write That Down“ und „Bayou Man“ pflügen, sägen und stampfen mit viel Energie durch das Album, dass es eine ware Freunde ist und passend dazu ergänzt Benoits erdiger Gesang alle Songs.
Großen Anteil am gelungenen Sound der Scheibe hat sicherlich auch die Gitarrenlegende Anders Osborne. Benoit und Osborne präsentieren sich auf dem Album als kongeniale Gitarristen, aber auch George Porter, Bassist der Meters, überzeugt mit seinem Groove. Als Gast bespielt er seinen Bass z. B. in den Stücken „Little Queenie“ und „I‘m A Write That Down“. Außerdem begleitet er Tab Benoit auch auf seiner aktuellen Tour zusammen mit den beiden Tourmates Terence Higgins (Schlagzeug) und Corey Duplechin (Bass).
„I Hear Thunder“ ist bereits am 30. August bei Whiskey Bayou Records erschienen. Insgesamt ein starkes Album mit zehn knackigen Tracks, aufgenommen, gemischt und gemastert vom Meister Tab Benoit himself.
Label: Whiskey Bayou Records (2024) Stil: Blues
Tracks: 01. I Hear Thunder 02. The Ghost Of Gatemouth Brown 03. Still Gray 04. Inner Child 05. Watching The Gators Roll In 06. Overdue 07. Why, Why 08. Little Queenie 09. I‘m A Write That Down 10. Bayou Man
Mit 100 Sitzplätzen ist The Fallout Shelter, Norwood bei Boston, MA., eine bemerkenswerte Venue. Zugleich Broadcast und Recording Studio mit High-End-Audio und Videoproduktion, sowie Live Streams auf Youtube, wird die legendäre Institution getragen von der gemeinnützigen Grassroots Cultural Organisation. Neben vielen anderen haben z. B. auch Larkin Poe vor fast 10 Jahren die “Extended Play Sessions” im Fallout Shelter als Promotion-Chance genutzt.
Und so haben wohl die Erlebnisse seiner Studienzeit am Berkeley College of Music und seine dortige Professur (1995 – 2010) eine Rolle gespielt und den genialen Piano, Organ-Keyboarder (und Bassisten) Bruce Katz nun wieder in seine ehemalige Heimatstadt gezogen, um die neue Scheibe “Back In Bosten Live” im Fallout Shelter einzuspielen. Die mit neun Eigenkompositionen und zwei Cover-Stücken vollgepackte Konzertaufnahme lässt an der Live-Power der exzellenten Band von Beginn an nicht den geringsten Zweifel, wobei es sich überwiegend um Instrumentals handelt, die in ihrer Intensität den Gesang leicht entbehren können.
Ein Highlight des Longplayers ist die fast 10-minütige Version des Allman Brothers/Dickie Betts Titels “In Memory of Elizabeth Reed”, inklusive eines outstanding Drum-Solo-Parts und Keyboard/Guitar Variationen. Zwei 9-Minuten-Tracks (“Get Your Groove” und “Gray’s Jam”) gehören zu den weiteren Konzerthöhepunkten. Die nicht nur vom Titel her groovenden und jammenden Rhythmen treibt Bruce Katz zusammen mit Gitarrist Aaron Lieberman, Gastmusiker Jesse Williams (u. a. North Mississippi Allstars) am Bass, und Schlagzeuger Livio Pop, durch grandiose Solo-Einlagen furios in ausgiebig breite Klangsphären.
Die pure Begeisterung beim Publikum steigert den Eindruck der kraftvollen Live-Performance. Aaron Lieberman, der auch die Gesangsparts übernimmt, hat mit dem 1934er Leroy Carr-Klassiker “Blues Before Sunrise” seine absolut herausragende Vocal-Nummer, deren krönende Piano-Passagen des mittlerweile 72-jährigen Bandleaders den seinerzeit sehr populären Blues-Interpreten Carr auszeichnen.
Auch der Boogie-Woogie und Rock’n’Roll “Don’t Feel So Good Today” (Jerry Lee Lewis hätte seine pure Freude!) rückt den Oldie-Charakter in den Vordergrund der Aufnahme. Chuck Leavell selbst Pianist und Keyboarder (in den 70ern u.a. Allman Brothers und inzwischen Musical Director der Rolling Stones) bringt es treffend auf den Punkt: “Bruce Katz …has fingers full of fire…whether on piano or hammond…”.
Die phänomenale Klangwelt aus Blues, Jazz, Soul und Jam-Band-Rock von Bruce Katz und seiner Band ist auf “Back In Boston Live” jederzeit präsent und steigert sich zu einer mehr als elektrisierenden Performance. Der Stellenwert dieser hochgradig gelungenen Produktion einer weitverzweigten American Roots Music Experience ist jedoch ebenso geprägt durch die unmittelbar hautnahe Atmosphäre im Fallout Shelter. Natürlich findet die CD-Release-Party dort am 13.09.2024 ebenfalls statt.
Dancing Rooster Records (2024) Stil: Blues, Jazz, Soul
Tracks: 01. The Czar 02. Blues Before Sunrise 03. In Memory Of Elizabeth Reed 04. Don’t Feel So Good Today 05. Get Your Groove 06. Gary’s Jam 07. Dreams Of Yesterday 08. Take The Green Line 09. BK’s Broiler 10. Just An Expression 11. For Brother Ray
Caitlin Krisko und ihre Begleitband The Broadcast haben sich in den letzten Jahren in unserem Lande rar gemacht, genauer gesagt, ist es 2018 gewesen, als sie das letzte Mal in der Krefelder Kulturrampe gespielt hatten.
Das war noch zu Vor-Corona-Zeiten, als die Konzertszene noch in voller Blüte boomte. Jetzt gute sechs Jahre später nun die Rückkehr des zum Quartett geschrumpften Ensembles aus North Carolina (ein Keyboarder fehlte, vermutlich aus logistischen Gründen, ansonsten waren wieder Gitarrist Aaron Austin, Drummer Michael W. Davis und Bassist William Seymour, diesmal mit Vollbart, mit dabei) in den beliebten Krefelder Szeneclub.
Ob dies letztendlich auch der Grund war, dass nur knapp 50 Besucher erschienen waren, sei dahin gestellt, das überaus warme Wetter, das parallel stattgefundene Match der Frankfurter Mafia, mögen vielleicht auch mit dazu beigetragen haben. Leistungstechnisch wäre man jedenfalls kein Risiko eingegangen, das hatte die charismatische Dame mit ihren Mitmusikern damals schon nachhaltig bewiesen.
Krisko ließ sich von der überschaubare Kulisse nicht beeindrucken und gab sofort zum Ausdruck, dass die Kulturrampe im Rahmen der Tour gesetzt gewesen ist. Um 21:10 Uhr begann der Vierer überaus rockig mit dem Opener „Blue Horon“ gefolgt von „Half Asleep“
Die mittlerweile dunkelhaarige Fronterin begeisterte von der erste Minute an mit ihrer kräftigen ausdrucksstarken Stimme, mich immer irgendwie an Nashville-Wuchtbrumme Wynonna erinnernd. Auch Aaron Austin zeigte seine punktgenaue Fingerfertigkeit bei vielen seiner Soli auf der güldenen Gibson Les Paul. Eine ganz starke Vorstellung von ihm (besonders beim Bind Faith-Klassiker „Can’t Find My Way Home“).
Mit zunehmender Dauer kam dann die neue EP „Blueprints“ mit ins Spiel, aus der dann auch bis auf einen Song alle Tracks gebracht wurden. In Set 1 gefiel mir noch besonders ein an Fleetwood Macs „The Chain“ erinnerndes, lässig groovendes Stück. das dann vom melodischen „Haunted By You“ zum Ende abgelöst wurde.
Nach dem erneut rockigen Einstieg mit „Peace Of Me“ in die zweite Hälfte, gab es mit dem shuffligen „Operator“, dem balladesken „Hard To Say Goodbye“, einem intensiven Jam-Stück, dem stonesken „Steamroller“, den beiden gelungenen Covernummern „Today I Sing The Blues“ (Aretha Franklin) und „Rock And Roll“ (Led Zeppelin) und ihrem Paaradestück „Battle Cry“ als Finale einen schönen abwechslungsreichen Mix.
Die Rampenbesucher waren aus dem Häuschen und machten fast soviel Lärm, als wenn die Hütte voll gewesen wäre. Krisko & Co. nahmen dies wohlwollend zur Kenntnis und legten mit dem krawalligen „Waste It“ noch die fällige Zugabe nach. Insgesamt eine überzeugende Leistung von Caitlin Krisko & The Broadcast, die, so denke ich, beim nächsten Auftritt in der Rampe, wieder deutlich mehr Resonanz finden wird.
Line-up: Caitlin Krisko (lead vocals, percussion) Aaron Austin (electric guitar, vocals) William Seymour (bass, vocals) Michael W. Davis (drums)
Das goldene Zeitalter des Heartland Rock ist längst vergangen. Sofern die damaligen Protagonisten noch leben, haben sie die Siebzig längst überschritten. Bruce Springsteen zelebriert ihn zumindest live noch, von Bob Seger hört man seit längerer Zeit nichts, John Mellencamp wendet sich mittlerweile musikalisch ruhigeren Gefilden zu. Der zur gleichen Generation gehörende Joe Grushecky stand eher in der zweiten Reihe und verbuchte nie vergleichbare Erfolge wie die genannten Musiker. Dennoch ist der in Pittsburgh, Pennsylvania, geborene Grushecky dem Heartland Rock treu geblieben und legt mit „Can’t Outride A Memory“ ein Album vor, wie man es heute kaum noch hört.
Die CD beziehungsweise Doppel-LP umfasst siebzehn Stücke, wobei vier Songs in zwei Versionen vertreten sind. So gibt es von der Single „Here In ‘68“ sowie von dem dunkleren „Living In Coal Country“ jeweils eine akustische Alternative. Auch der molodiöse Titeltrack wird einmal mit vollem Schlagzeug und einmal reduzierter dargeboten, wobei er ganz unterschiedlich wirkt. Das mit einem bluesrockigen E-Gitarren-Intro und fulminant krachendem Ende versehene „Sleeping Dog“ bekommt in der Horn-Variante nochmal eine Portion mehr Power verpasst. Neben den alternativen Interpretationen wird „Leave Well Enough Alone“ als Bonus-Track ausgewiesen. Mit seinem leichten Funk-Einschlag weicht der Titel behutsam von den übrigen ab, was vielleicht dazu geführt hat, ihn als Outtake abzusondern.
Das Album bietet eine ausgewogene Mischung aus straight forward gespielten Rockern und langsameren Songs. Stampfendes Schlagzeug und Heartland-typische Gitarrenriffs prägen „This Is Who We Are“. Das hymnische „We Gotta Get Out Of This Place“ wird ebenfalls von einen treibenden Rhythmus angetrieben. Ein weiterer Pluspunkt ist dort der Refrain, auch wenn er textlich nicht ganz neu ist. Der Chorus bei „Until I See You Again“ geht ebenfalls ins Ohr. Die etwas entspanntere Nummer gehört derzeit zu meinen Favoriten auf dem Longplayer.
Neben dem guitar driven Rock finden sich ein paar langsamere Beiträge („Just Drive“, „Rocked My Soul“). Sehr gelungen ist der Einstieg zu „Let’s Cross The Bridge“, bei dem die Orgel an Springsteens E Street Band erinnert. Auch sonst sticht der Song unter den balladesken hervor. Bei „Who’s Fooling Who“ wird die Stimme von Grushecky technisch verzerrt. Ansonsten klingt das Album so handgemacht, wie man es im Heartland erwartet.
Grushecky veröffentlichte 1979 mit den Iron City Houserockers sein erstes Album. 1989 machte er als Joe Grushecky And The Houserockers weiter. Die Houserockers sind derzeit Danny Gochnour (Gitarre), Jeff Garrison (Bass), Joffo Simmons (Schlagzeug, Percussion) und Youngster Johnny Grushecky (Gitarre, Schlagzeug, Percussion).
Joe Grushecky And The Houserockers hat sich dem Heartland Rock seit 45 Jahren verschrieben. Mit „Can’t Outrun A Memory“ ruft Grushecky die Erinnerung an dessen glorreichen Zeiten wach und liefert zugleich eines seiner besten Alben ab.
Omnivore Recordings (2024) Stil: Heartland Rock
Tracks: 01. This Is Who We Are 02. Here In ‘68 03. Can’t Outrun A Memory 04. Just Drive 05. Sleeping Dog 06. Until I See You Again 07. If These Hills Could Talk 08. We Gotta Get Out Of This Place 09. Living In A Coal Country 10. Who’s Fooling Who 11. Rocked My Soul 12. Let’s Cross The Bridge 13. Can’t Outrun A Memory (Coda) 14. Leave Well Enough Alone (Outtake) 15. Sleeping Dog (Horn Version) 16. Living In A Coal Country (Acoustic Version) 17. Here In ’68 (Acoustic Version)
Die aufstrebende Band The Cold Stares, seit 2022 mit dem Bassisten Bryce Klueh zum Trio herangewachsen, besinnt sich auf ihre südstaatlichen Wurzeln und bringt nun mit „The Southern“ das insgesamt siebte Album heraus, das dritte unter der Fahne des prominenten Mascot Group-Label.
Vor wenigen Tagen präsentierten sie bereits bei ihrem Konzert im Dortmunder Musiktheater Piano einen ersten Vorgeschmack für das anwesende Publikum. Das neue Werk überrascht mit einer recht unbekümmerten Interpretation unserer geliebten Musik, da es auch viele Elemente des klassischen Rocks der Siebziger Jahre (a là Bad Company, Whitesnake, Ted Nugent, Cream, Led Zeppelin & Co.) und dazu etwas Blues der Marke Robert Johnson mit einfließen lässt.
Diversität hat dabei oberste Priorität. Fronter David Trapp, mit seiner zum Teil an Chris Thompson oder David Coverdale erinnernden Stimme, variiert die Tempi der Songs, manchmal auch innerhalb dieser, spielt mit den erzeugten Stimmungen, bietet viele Schmankerl für Gitarrenfans und auch seine hinterfragenden Texte im mitgelieferten Booklet lohnen sich zu lesen.
Seine beiden Mitstreiter Brian Mullins am Schlagzeug und der bereits erwähnte Bryce Klueh am Tieftöner bereiten ihrem Mastermind (dieser auch noch mit sporadischen Orgelhallzutaten) eine dynamische Basis.
Auch wenn die CD direkt mit dem für mich vermeintlichen Highlight, dem atmosphärichen „Horse To Water“ beginnt, schaffte s da Trio bis zum Ende den Spannungsbogen hoch zu halten. Das mit einer bluesig-swampig untermalten Dobro servierte „Coming Home“ dürfte sowohl Southern- als auch Blues-Fans begeistern.
Anhänger des psychedelischen und auch des jammigen Rockstils der Marke Hendrix, Nugent oder Led Zeppelin dürften bei Tracks wie „Confession“ oder „Level Floor Blues“ in Erinnerungen schwelgen, während ich persönlich bei eingängigeren Songs wie „Blow Wind Blow“ (eine Art rockigeres „Here I Go Again“) oder „Woman“ meine Aha-Erlebnisse habe.
Tracks wie „Seven Ways To Sundown“ und „No Love In the City Anymore“ erinnern von der Machart her an Sachen von den, auf dem gleichen Label beheimateten The Georgia Thunderbolts.
Und wenn Trapp den Hörer noch mal im schroffen blechernen Southern-Gewand mit seiner eigenen Sterblichkeit im „Mortality Blues“ konfrontiert, hat er in jedem Fall, und das soll Musik ja auch bewirken, bleibenden Eindruck hinterlassen.
„Bei einigen Songs auf diesem Album hatte ich Robert Johnson im Kopf“, erzählt Tapp. „Ich hatte ein paar Biographien gelesen, die kürzlich erschienen sind, und es schien immer so, als ob Robert sein Bestes tat, um in einer Zeit am Leben zu bleiben, in der das nicht unbedingt einfach war. Der Song ist meine zeitgenössische Version meiner Delta-Blues-Einflüsse und handelt davon, dass man sich umschaut und sieht, wie andere das Risiko der Sterblichkeit eingehen, während man selbst sein Bestes tut, um am Leben zu bleiben.“
The Cold Stares bieten mit „The Southern“ einen höchst abwechslungsreichen Longplayer, der die gute alte Zeit der Rockmusik mit dem Geist der heutigen Zeit, frisch vereint, wieder aufleben lässt. Nicht nur aus Sicht der Band auch eine schöne Hommage an ihren Heimatstaat Kentucky. Vermutlich eines der Überraschungsalben dieses Jahres. Sehr empfehlenswert!
Mascot Label Group (2024) Stil: Blues Rock, Southern Rock
Tracks: 01. Horse To Water 02. Coming Home 03. Looking for a Fight 04. Blow Wind Blow 05. Confession 06. Level Floor Blues 07. Seven Ways to Sundown 08. No Love in the City Anymore 09. Giving It Up 10. Woman 11. Mortality Blues
Andreas Diehlmann und seine Band überraschen uns seit 2017 regelmäßig und in schneller Folge mit neuen, starken Blues-Alben aus deutschen Landen. Nach dem Longplayer „Long Way To Go“ aus dem letzten Jahr kommt nun also ihr neuestes Opus „That Old Blues Again“ in die Läden. Und wieder ist dem Trio ein richtig, richtig guter Wurf gelungen, mit neun feinen Eigenkompositionen und einem Coversong von B. B. Arnold („I Wish You Would“). Allerdings ist dieser Song, warum auch immer, leider nur auf der CD-Version, sozusagen als Bonustrack, enthalten.
Das Album startet mit dem gut einminütigen Intro „Whiskey“, das den Hörer sofort in seinen Bann zieht und ihn förmlich die Gluthitze auf einem Kleinstadtbahnhof in den Südstaaten körperlich spüren lässt und anschließend in den hart rockenden und stampfenden Sound von „Whiskey And Women“ mit vielen Slideklängen überleitet.
Sehr fein! Und auch in dem folgenden, leicht funkigen, aber trotzdem vor Schweiß strotzendem „Gypsy Woman“ überzeugt Andreas Diehlmann, wie in den übrigen Tracks auch, mit seiner rauchigen Reibeisenstimme, die ja inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden ist. Richtig schön bluesig wird es mit dem sechsminütigem und Titel stiftenden Song „That Old Blues Again“, ein herrlicher Oldschool-Blues mit jaulenden Gitarrenlicks à la Gary Moore im Mittelteil.
Zur Halbzeit ist dann wieder heftig groovender Southern Rock angesagt. „Make Up Your Way“ kommt mit leichten ZZ Top-Anleihen daher und geht direkt in die Beine, was sich in der noch besser tanzbaren und vorwärts treibenden „Rock‘n‘Roll All Night“-Nummer fortsetzt und seinen vorläufigen Höhepunkt in der Coverversion von „I Wish You Would“ findet.
Eine wohlverdiente Pause können sich die Raver dann bei dem Slowblues „Pictures Of You“ gönnen, bevor Diehlmann und seine Jungens mit dem Southern Rocker „Come Undone“ das Tempo wieder merklich erhöhen. Und auch der letzte Song des Werks geht noch einmal so richtig in die Vollen. Der „Shotgun Wedding Blues“ bietet einen kräftigen und für das Album würdigen Abschluss.
Mit „That Old Blues Again“ beweisen Andreas Diehlmann, Tom Bonn (Drums) und Jörg Sebald (Bass) einmal mehr, dass sie zur Creme de la Creme der deutschen Bluesszene gehören. Die Scheibe hat alle Zutaten, die ein gelungenes Bluesalbum benötigt: authentischen geerdeten Gesang, stampfende Southern-Rhythmen, jaulende Gitarren und mitunter auch Slideklänge.
Dem musikalischen Workaholic Andreas Diehlmann scheinen die Ideen nicht auszugehen, um den Blues am Leben zu halten. Für eine Bluesband aus Deutschland ist das schon mehr als sehr beachtlich. Momentan tourt das Trio in unserer Republik, also stürmt die Venues und kauft Euch die CD. Sie ist es wert! Die Tourdaten stehen natürlich auf der Homepage der Band.
Mountain Meadow Studio (2024) Stil: Blues Rock
Tracks: 01. Whiskey (Intro) 02. Whiskey And Women 03. Gypsy Woman 04. That Old Blues Again 05. Make Up Your Way 06. Rock‘n‘Roll All Night 07. I Wish You Would 08. Pictures Of You 09. Come Undone 10. Shotgun Wedding Blues
Luke Winslow-King hatte 2018 mit seinem Konzert in der Kulturrampe einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Perfekt abgestimmt mit dem Gitarristen Roberto Luti promotete er sein damals aktuelles Album „Blue Mesa“. Seitdem sind ein paar Jahre ins Land gegangen. Er veröffentlichte „If These Walls Could Talk“ (2022) über Ghost River Records und kehrt nun mit seinem aktuellen Longplayer „Flash-A-Magic“ zu Bloodshoot Records zurück.
Die Musik des ausgebildeten Jazz-Gitarristen bewegt sich hauptsächlich zwischen Blues, Rock und Americana. Auf „Flash-A-Magic“ schmuggelt sich aber mit „Black Eyed Gypsy“ eine Art Calypso dazwischen. Dem Titelsong selbst gibt Winslow-King eine Soul-Note mit. Das Hauptaugenmerk der legt er aber auf dem Blues Rock, wie das vorab ausgekoppelte „If I Where You“ bereits andeutet – ein Song über besserwisserische Ratschläge, auf die man gerne verzichtet.
Mit „Everywhere You Go There You Are“ steigt der Longplayer ein. Die swampige Bluesrock-Nummer wird auf Konzerten sicher das Publikum mitnehmen. In eine ähnliche Kerbe schlägt „Ave (Steel Rail Angel)“. Hier greift Winslow-King, der seine Wahlheimat in New Orleans gefunden hat, auf die Begleitung durch ein Klavier zurück. Ansonsten dominieren die Gitarren, die beispielsweise kurz – aber stimmungsvoll – „Best Be Leavin‘“ eröffnen. Auch beim treibenden „Peaches“ überzeugt die Gitarrenarbeit.
Winslow-King legt die Songs unterschiedlich an und gestaltet sie dann an einigen Stellen mit feinen Ideen aus, ohne dass sie ihre Struktur verlieren. So integriert er ein Slide-Solo in die Americana-Ballade „How Could I Forget“. Der Song hätte sich auch auf „Blue Mesa” nahtlos eingefügt. Der reduzierteste Track ist „Good Morning“ – ein ruhiger und sanfter Abschluss eines eher rockig gehaltenen Longplayers.
Luke Winslow-King legt bei „Flash-A-Magic“ einen Schwerpunkt auf den Blues Rock, der durch ein paar Balladen angereichert wird. In seinem melodiösen Songmaterial variiert er den Sound und flechtet kurze, abwechslungsreiche Instrumentalpassagen ein, sodass das Album an keiner Stelle langweilig wird.
Bloodshot Records (2024) Stil: Blues Rock and more
Tracks: 01. Everywhere You Go There You Are 02. Flash-A-Magic 03. If I Where You 04. Black Eyed Gypsy 05. Peaches 06. Ave (Steel Rail Angel) 07. How Could I Forget 08. Best Be Leavin’ 09. Good Morning
Im zumindest ansehnlich gefüllten Musiktheater Piano eröffnen The Cold Stares die Spätsommer- und Herbstkonzerte in Lütgendortmund. Im Vergleich zum letzten Auftritt wird damit die Besucherzahl mehr als verdoppelt und auch die Band hat sich verändert. Aus dem Powerduo ist jetzt ein Powertrio geworden, was den Songs noch einmal ein größeres Volumen verleiht.
Im Gepäck haben die Amerikaner das in wenigen Tagen herauskommende tolle Album „The Southern“ (Review folgt zeitnah), das sie mit vier Songs auf der Setlist auch promoteten und den Fans vorab schon einmal auf der Tour anbieten können. Was die Drei dann zeigen, ist beachtlich. Im Vordergrund steht Chris Tapp mit seiner markanten und ausdrucksstarken Stimme, der durch den Bassisten noch mehr Möglichkeiten im Gitarrenspiel hinzugewonnen hat.
Dabei spielt er seine Soli auf den Punkt, von knallhart bis hin zu gefühlvoll, wobei die ruhigen Passagen an dem Abend eher die Ausnahme bildeten. Getrieben von der Rhythmussektion Bryce Klueh am Bass und Brian Mullins an den Drums fegt die Band eher mit knallharten Rock mit einigen Blues- und Southern-Einflüssen durchs Piano und sorgt für beste Stimmung im Laden.
Da ist es klar, dass es sich die drei Musiker nicht nehmen lassen sich, schon wenige Minuten nach der Show, am Merchandising-Stand einzufinden, um von den Fans gekaufte Alben mit ihrer Unterschrift zu veredeln und für Smalltalk und Erinnerungsfotos zur Verfügung zu stehen.
So endet ein toller Konzertabend, an dem The Cold Stares Werbung in eigener Sache gemacht haben und bei der Stimmung unter den Fans mit Sicherheit gerne wieder ins Piano zurückkehren.
Line-up: Chris Tapp – vocals, guitar Brian Mullins – drums Bryce Klueh – bass, keyboards