Gregg Allman – Southern Blood (Deluxe Edition) – CD-Review

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Ich muss ja schon sagen, dass es mich unheimlich gefuchst hat, dass wir Gregg Allmans letztes Werk „Southern Blood“ nicht zum Besprechen erhalten haben. Gerne hätte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch ein paar würdigende Worte über ihn verfasst, zumal sich vorher in unserem, noch jungen Online-Medium keine Gelegenheit ergab, mal eine Rezension über ihn zu verfassen. Und was ist schon ein echtes Southern Rock-Magazin ohne ein solch musikalisches Schwergewicht im Künstlerindex?

Nun gut, wenn auch etwas verspätet, ist sein finales Album „Southern Blood“ doch auf Umwegen in meinem CD-Player gelandet. Aber von vorne. Gregg Allman ist natürlich ein Musiker und charismatischer Frontmann, der meinen musikalischen Weg seit frühster Jugend, mehr als nachhaltig begleitet hat. So war beispielsweise die Allman Brothers-LP „Brothers & Sisters“ mein allererster, mit eigenem Geld gekaufter Tonträger. Viele weitere im Dunstkreis der Allmans folgten im Verlaufe der Zeit.

Amüsant war damals seine Kurzehe mit Cher, ich meine mich an ein Zitat von ihr zu erinnern: „Für Gregg Allman sind Frauen nur für zwei Dinge gut: Die Betten zu machen, um sich anschließend wieder reinzulegen…“. Toll fand ich damals ihren gemeinsamen Song „Can You Fool“.

Live habe ich seine charismatische Ausstrahlung zweimal im Rahmen der Allman Brothers Band bewundern können. Einmal in der damals 1980 ausverkauften Kölner Sporthalle und später 1991 noch mal im E-Werk, ebenfalls in der Domstadt.

Aus seinen Solophasen befinden sich auch diverse Tonträger in meinem Besitz. Seine letzte in den Fame Studios in Muscle Shoals aufgenommene Veröffentlichung nun, mit dem plakativen Titel „Southern Blood“, wenn auch überwiegend mit Covernummern bestückt, bildet trotzdem einen würdigen und runden Abschluss seines beachtlichen Lebenswerkes.

Vermutlich war es für alle Involvierten keine einfache Sache, diese Songs im Angesicht des Todes und der damit verbundenen körperlichen Konstitution dieses Ausnahmemusikers, überhaupt zustande zu bringen. Ich gehe von einer unheimlich psychischen Belastung aus, zumal die Lieder teilweise auch textlich zur bedrückenden Situation passen.

Gar nicht wissen möchte man, wie es Gregg persönlich innerlich dabei ging, es heißt, dass er oft nur wenige Stunden im Studio präsent sein konnte und teilweise immer wieder unterbrochen werden musste. Alles in Allem hat Produzent Don Was am Ende ein einfühlsames Ganzes hinbekommen, das in Deluxe-Version noch um zwei Live-Tracks erweitert ist.

Im Großen und Ganzen wurden hier Greggs musikalische Vorlieben in seiner Karriere weitestgehend umrissen. Die bis auf ganz wenige Ausnahmen meist balladesk gehaltenen Songs beinhalten, naturgemäß bluesige Southern Rock- und Country-Einflüsse. Was vielleicht neu anmutet, ist die hier relativ omnipräsente Einbindung einer Bläserfraktion in jedes Stück, als auch die gospeligen Harmoniegesänge (verkörpert durch die McCrary Sisters) und somit ein verstärktes souliges Flair. Auch die Percussion-Unterstützung und viele Steel-Gitarren-Einlagen verbindet man jetzt nicht unbedingt mit seinem Namen.

Gänsehaut bekommt man sofort beim Opener „My Only True Friend“, eine der beiden neuen Kompositionen auf dieser Scheibe, die Gregg mit seinem Gitarristen und musikalischen Direktor Scott Sharrad kreiert hat. Sharrad hat im Text quasi den schon lange verstorbenen Bruder Duane zu Gregg sprechen lassen. Toller Einstieg in das Album!

Ein weiterer bewegender Moment ist für mich ist „I Love The Life I Live“, weil er das southern bluesige Terrain beschreitet, auf dem sich Gregg am pudelwohlsten fühlte und wohl auch sein Lebensmotto wiederspiegelt. Beim Hören spürt man, wie sich der Protagonist hier mit letzten Kräften, nochmals vokal so richtig reinhängt. Am Ende beim von Jackson Browne geschriebenen und unterstützten  „Song For Adam“ (mit (Harmoniegesängen), merkt und fühlt man ebenfalls förmlich am eigenen Leibe, dass hier der Kampf eines großen Künstlers zu Ende ging.

Mit Gregg Allman verliert die Southern Rock-Gemeinde eine weitere und mit eine ihrer letzten wahren Ikonen. Auch wenn er zeitlebens kein Engel war („I’m No Angel“) verabschiedet er sich mit „Southern Blood“ würdevoll in den Southern Rock And Roll Heaven und befindet sich jetzt hoffentlich wieder im illustren Kreise von Duane und seiner Brüder im Geiste wie Butch Trucks, Ronnie Van Zant, Toy Caldwell, Hughie Thomasson und Co. Mach et jut, Midnight Rider!

Concord Records (2017)
Stil: Southern Blues Rock

01. My Only True Friend
02. Once I Was
03. Going Going Gone
04. Black Muddy River
05. Love The Life I Live
06. Willin‘
07. Blind Bats And Swamp Rats
08. Out Of Left Field
09. Love Like Kerosene
10. Song For Adam (feat. Jackson Browne)
11. Love The Life I Live (Live)
12. Love Like Kerosene (Live)

Gregg Allman
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Beth Hart & Joe Bonamassa – Black Coffee – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Schwarzer Kaffee ist sicherlich nicht das typische Getränk, das man mit Rockmusik in Verbindung bringt. Vom Geschmack her sehr kraftvoll, kann schwarzer Kaffee gleichzeitig mit seinem unverfälschten Aroma überzeugen. Nein, das hier soll kein Bericht über eine Kaffeeverköstigung werden, aber das neue Album von Beth Hart und Joe Bonamassa, „Black Coffee“, wird mit diesen Attributen vortrefflich beschrieben: kraftvoll und unverfälscht.

Wenn der Scheinwerfer auf Joe Bonamassa gerichtet wird, sind Superlativen unvermeidbar. Das Wort „Gitarrenikone“ fällt in diesem Zusammenhang und seine Konzerte werden als „Guitar Event of the Year“ angekündigt. Seit den letzten Jahren hat er den Status als unangefochtene Zugspitze des jungen, modernen Bluesrock inne. Von daher ist eine Albumveröffentlichung des US-Amerikaners ein künstlerisches Großereignis.

Aber es steht halt nicht nur Joe Bonamassa auf dem Cover, sondern auch wieder Beth Hart. Die schrille und extravagante Bluesrockerin singt bereits zum dritten Mal an seiner Seite. Zwei Studioalben „Seesaw“ (2013) und „Don’t Explain“ (2011) und ein furioses Livealbum aus Amsterdam (2014) haben beide bereits zusammen aufgenommen. Auf „Black Coffee“ setzen sie Bewährtes gut fort. Zum einen wieder mit Kevin Shirley (u.a. Led Zeppelin, Iron Maiden, Aerosmith, Black Crowes) als Produzenten, der sich im Hard- und Bluesrock-Genre wohl fühlt. Zum anderen mit alten und neuen musikalischen Schätzen, die sie sich unnachgiebig und explosiv einverleiben.

Der kraftvolle Hard Rock Opener „Give It Everything You Got“ besticht mit voluminösem Sound, Joes ausgiebigem Solo und schönen Bläsersätzen. Auf „Damn Your Eyes“ glänzt Reese Wynans mit feiner Keyboarduntermalung. Den Titelsong „Black Coffee“, ein Ike und Tina Turner Cover, begleitet ein charismatischer Background Gesang in Motown Soul-Manier. Das langsame soul-jazzige „Lullaby Of Leaves“ beginnt sehr eintönig, rettet sich dann aber doch noch furios, mit einem 2-minütigen Gitarrensolo.

Eher swing-jazzige Töne gibt es auf Joe McCoys „Why Don’t You Do It Right“ von 1941 zu hören. Die 45-järige Beth Hart singt darauf rotzig und frech, erinnert dabei ein wenig an Amy Winehouse und man sieht sie schon förmlich vor sich mit dem Zeigefinger mahnend „„Why Don’t You Do It Right“, so intensiv kommt ihre Stimme rüber. „Saved“ ist eine schmissige Rhythm & Blues Nummer: mitreißend und tanzbar! „Sitting On Top Of The World“, ein typischer Blues-Rocker mit erneuter Bläseruntermalung, wurde bereits von Blues Größen wie Howlin‘ Wolf, B.B. King, Cream und Grateful Dead eingespielt. Dennoch schaffen es Beth und Joe dem Track, durch diese Big Band-Version wieder ihren unnachahmlichen Stil zu geben.

Das Album lebt von der guten und abwechslungsreichen Auswahl wunderschöner Songwriting-Perlen. Hart und Bonamassa verpassen den Songs dabei einen markanten und unverwechselbaren Sound. Die Arrangements überzeugen auf ganzer Linie und die fantastischen Gitarrenpassagen kommen anziehend intensiv zur Geltung. Kevin Shirley hat aus den gerade mal 5-Tage-Aufnahmesessions eine perfekt ausbalancierte Produktion abgeliefert. Da alle Songs mehr oder weniger live im Studio eingespielt wurden, kommt die Unverfälschtheit und nahbare Spontanität sehr gut zum Ausdruck.

„Joy, joy, joy“ ruft Beth Hart auf dem nächsten Track, der mit seinem unwiderstehlich stampfenden Rhythmus fesselt. Freude kommt bei diesem Album definitiv auf! Das abschließende „Addicted“ passt auf den ersten Blick nicht so recht auf die Liste zwischen 40-60er Jahre Blues, Soul und Jazz Nummern. Dem im Original Trip Hop Lied des österreichischen Elektrotrios Waldeck von 2007, drücken Joe und Beth aber ihren ganz eigenen hippen, musikalischen Stempel auf. „Addicted“ als abschließender Song, passt sehr gut, denn am Ende dieses Albums ist man wortwörtlich tatsächlich „Addicted“. Bitte zurücklehnen, unbedingt laut aufdrehen und genießen, gerne auch bei einem „Black Coffee“.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

01. Give It Everything You Got
02. Damn Your Eyes
03. Black Coffee
04. Lullaby Of The Leaves
05. Why Don’t You Do Right
06. Saved
07. Sitting On Top Of The World
08. Joy
09. Soul On Fire
10. Addicted

Beth Hart & Joe Bonamassa
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Joe Bonamassa
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Mary Gauthier – Rifles & Rosary Beads – CD-Review

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Puh, schwermütiger Stoff. Die hoch angesehene Singer/Songwriterin Mary Gauthier (von der Los Angeles Times mittlerweile auf eine Stufe mit Musikern wie Kris Kristofferson, John Prine und Bob Dylan gehievt) hat sich mit auserwählten Kriegsveteranen zusammengefunden und sie, zwecks Aufbereitung ihrer Traumata, an den Liedern ihres neuen Werkes „Rifles & Rosary Beads“ mitarbeiten lassen, um quasi ihren Schicksalen und Erlebnissen eine Stimme zu verleihen. In der Intention zunächst mal sehr ehrenrührig und sicherlich wichtig.  Irgendwo hält sich, ehrlich gesagt, mein Mitleid für Berufssoldaten allerdings auch in Grenzen.

Gut, ich, der Dank seiner Aufnahme in die Sportkompanie, damals wie heute, unser Land eher mit dem Tischtennis-Schläger hätte verteidigen können (ich musste aber halt auch in den drei Monaten Grundausbildung mit Pistole, G3 und Panzerfaust hantieren und als Kanonier on top mit Flugabwehrraketen schießen – allerdings mit äußerstem Unbehagen), kann leicht reden. Trotzdem war dank dieser Erfahrungen recht schnell klar, dass sich meine nachfolgenden Kampfeinsätze, höchstens noch auf ungeliebte Insekten in den eigenen heimischen vier Wänden beschränken würden. Immerhin war es aus der Retrospektive irgendwo eine heilsame, als auch abhärtende Erfahrung.

Aber Menschen, die das Soldatentum zu ihrer Berufspassion machen und dann noch aus einem Land kommen, das sich als der Welt größter Kriegstreiber und Destabilisator gibt, brauchen sich dann im Prinzip nicht zu wundern, wenn es nicht bei Orientierungsmärschen in den Rocky Mountains bleibt, sondern zwecks monitärer und geopolitischer Interessenvertretung ihrer sogenannten Eliten, an den Hindukusch, in den Irak, nach Mali oder sonstige unkalkulierbare Krisengebiete geht, um den Kopf, mit all den potentiellen schlimmen Folgen (hier in den Songs schwerpunktmäßig thematisiert), hin zu halten. Ok, am Ende ist man immer schlauer.

Das elf Stücke umfassende Werk ist ein relativ schwermütiges Konglomerat aus allerdings sehr einfühlsam und fein instrumentierten (E-, Akustikgitarren, Fiddle, Cello, Harp, Piano, Akkordeon, Mandoline) sowie emotional besungenen Stücken geworden, die sich zwischen Singer/Songwriter-, Country- und Folk-Stoff, meist in bedrückender Form, gekonnt ihren Weg bahnen.

Wahrlich kein Stoff, der aufmuntert. Mehr was für innerlich stabile oder rein musikalisch interessierte Leute. Depressiv veranlagte Menschen, sollten, zumindest meiner Ansicht nach, gerade in diesen düsteren und ungemütlichen Tagen, wohl besser eine andere Musik wählen.

Eigentlich hat das Werk aus meiner Sicht eher präventiven, anklagenden Charakter und dient mehr als Wasser auf die Mühlen von intellektuellen Mahnern, Pazifisten, Friedensaktivisten & Co., die dem globalen Treiben ihres Landes (zurecht) kritisch gegenüberstehen.

So bleibt Mary Gauthiers „Rifles & Rosary Beads“ (produziert von Singer/Songwriter-Kollege Neilson Hubbard) ein gut gemeinter und auch durchaus richtiger Fingerzeig an Leute, die mit dem Gedanken spielen, aus verklärtem Patriotismus, sich in entsprechende Gefilde zu begeben, sowie als etwas Seelenmassage für die hier Involvierten, samt der unzähligen sonstigen betroffenen Leidensgenossen. Ändern muss sich allerdings in erster Linie vor allem die Politik und Selbsteinschätzung ihres Landes. In diesem Sinne – make music and love, not war!

Thirty Tigers (2018)
Stil: Singer/Songwriter

01. Soldering One
02. Got Your Six
03. The War After The war
04. Still On The Ride
05. Bullet Holes In The Sky
06. Brothers
07. Rifles And Rosary Beads
08. Morphine 1-2
09. It’s Her Love
10. Iraq
11. Stronger Together

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Oktober Promotion

Sweet Bourbon – Night Turned Into Day – CD-Review

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Die Niederländer sind ja für ihre Passion in Sachen Blues/Blues Rock hinlänglich bekannt. Jetzt hat mich der Gitarrist der im Raume Nijmegen angesiedelten Band Sweet Bourbon, Chris Janssen, via Facebook kontaktiert und gebeten, eine Expertise bezüglich ihres Zweitwerks „Night Turned Into Day“ abzugeben.

Wenige Tage später lag das vom Coverartwork her professionell und optisch ansprechend gestaltete Teil (Digipack mit Steckbooklet samt aller Texte, Bilder und Infos) plus einem Logo-verziertem Aufkleber und Bierdeckel im Briefkasten.

Was mir direkt gefiel ist, dass das Quintett, bestehend aus  Roeland van Laer (bass), René van Onna (lead vocals, acoustic guitar), Chris Janssen (guitars), Willem Van der Schoff (keys) und Martijn Cuypers (drums), den Fokus auf ergänzende weibliche Background vocals legt und die Damen Sonja Wolters, Suzan Wattimena und Laura Van der Vange, geführt unter dem Namen Bourbonettes, quasi bei allen Stücken fest mit eingebunden hat.

Dank einer gewissen Affinität auch zum Southern Rock bezeichnet die Band selbst ihren Stil als ‚a new Blues sound‘. Und in der Tat lassen sich vor allem aufgrund des teils allmanesken Orgelspiels des hier insgesamt überragend agierenden Allround-Keyboarders (Organ, piano, e-piano) Willem Van der Schoff (u. a. „2nd Wallstreet“, „Texas Woman“, „Blinded“), mancher E-Gitarreneinlagen von Janssen (Slide bei „I Don’t Care“) und vieler typischer Backings der Bourbonettes, Bezüge zu der von uns bevorzugten Musikthematik herstellen.

Als meine Favoriten kristallisierten sich das eingängig groovende „Cool Down“ (richtiger Weise auch als erste Single ausgekoppelt), die atmosphärischen „Blue Wonder“ und „Got To Say Goodbye“ (slow bluesig, aber auch im 70er Rock verankert) sowie das kurze, aber trotzdem jammige Instrumental „Enfants Terrible“ heraus, bei der das Ensemble zum Abschluss nochmal einen knackigen Groove entfacht.

Insgesamt ist „Night Turned Into Day“ von Sweet Bourbon eine mit viel Herzblut und klarer Intention versehene CD geworden, die sehr viel Licht und nur wenig Dunkelheit offenbart. Meine Wenigkeit als Nashville-erprobter Hörer hätte vielleicht noch die Einbindung eines richtig guten Produzenten, der vermutlich klangtechnisch noch marginale Verbesserungen erzielt und aus René van Onnas Gesang etwas mehr Emotionalität herausgekitzelt hätte, zur Diskussion gestellt. Ansonsten reift hier aber ein richtig gutes musikalisches Destillat heran.

Bourbon Records (2017)
Stil: Blues Rock

01. 2nd Wallstreet
02. Texas Woman
03. Cool Down
04. Blue Wonder
05. Kicked Me Out
06. I Don’t Care
07. This Year’s Destination
08. Got To Say Goodbye
09. Blinded
10. Swan
11. Enfants Terrible

Sweet Bourbon
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Rhino Bucket, 05.01.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Kaum sind die ersten Tage von 2018 ins Land gezogen, startet auch die Konzertsaison am ersten Wochenende des Jahres direkt mit einem Paukenschlag. Die sich mittlerweile unter der Teenage Head Music-Familie befindlichen kalifornischen Kult Hard Rocker Rhino Bucket, bestritten den Deutschland-Auftakt ihrer Europa-Tournee, in Krefelds Konzert-Puppenstübchen, der Kulturrampe.

Klar, dass auch wir uns das Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Gastgeber Markus ‚Pille‘ Peerlings und sein Team hatten angesichts des Ansturms auf die Karten, die Fläche von sämtlichem sonstigen Mobilar (Stehtische) freigeräumt, die Rampe war picke-packe voll. Neu waren zwei aufgehangene Bildschirme, sodass man sowohl in den hinteren Rängen, als auch vorne im Foyer, jeder Zeit ein Blick auf das Geschehen der Bühne werfen konnte.

Das Quartett um die beiden Gründungsmitglieder Georg Dolivo und Reeve Downes, sowie den später, aber auch schon vor längerer Zeit, dazu gestoßenen Brian ‚Damage‘ Forsythe (Kix) und Dave DuCey (Warrior) stiegen pünktlich um 21:00 Uhr mit dem standesgemäßen Opener „One Night Stand“ in den Gig ein.

In den nächsten gut 90 Minuten war dann kompromisslos Vollgas der klassischen Hard Rock-Schule angesagt. Allein schon der Bon Scott-ähnlichen Stimmlage des Fronters Georg Dolivo wegen und dem rhythmisch-riffigen E-Gitarrensound fast aller Tracks, war die Nähe zum australischen Aushängeschild der Sparte natürlich unverkennbar.

Rhino Bucket repräsentierte die amerikanische Variante vor allem durch das E-Gitarrenspiel von Brian Forsythe, der mit einer doch eher im Country Rock verwurzelten Fender Telecaster, sein quirliges Spiel mit vielen integrierten filigranen Soli, zum Besten gab. Dieser war zudem noch mit einem Sweatshirt der berühmten Fame-Studios in Muscle Shoals, Alabama, bekleidet, eine der Wiegen, des von uns normaler Weise bevorzugten Southern Rocks.

Der Vierer spielte im Großen und Ganzen das gleiche Programm wie Abends zuvor im belgischen Verviers mit Stücken wie dem dezent ZZ Top-umwehten „Beat To Death Like a Dog“, „Who’s Got Mine“, „She Rides“, „She’s A Screamer“ bis zum launigen Schlussspurt mit u. a.  „I Was Told“.

Im Prinzip ein schöner Querschnitt durch ihre sieben bisherigen Studio-Alben. Eine dezente Tempo-/Lautstärken-Drosselung gab es – wenn überhaupt –  nur bei „Word“. Dolivo scherzte bei der Ansage, dass es jetzt vielleicht ‚die‘ Gelegenheit wäre, ein wichtiges Telefongespräch zu führen. Das aktuelle Album „The Last Real Rock N’Roll“ wurde durch Songs wie „Hello Citizens“, „Forgivness“ und „So Long“ gestreift.

Nach dem Gig gab es noch das mittlerweile obligatorische Bild der Band mit unserem Logo in den Katakomben der Rampe für unsere VIP-Galerie und das übliche Treiben am dicht belagerten Merchandise-Stand, an dem die vier Kultrocker gut gelaunt und lebensnah für Small-Talk, Unterschriften und Bilder, ihren Fans zur Verfügung standen.

Insgesamt ein toller, stimmungsvoller Konzertauftakt des Jahres 2018 mit Rhino Bucket in Krefelds kultiger proppevoller Kulturrampe. Direkt die richtige Band, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort – das müsste doch ein wahrlich gutes Omen für die laufende Saison sein!

Line-up:
Georg Dolivo (lead vocals, electric guitar)
Brian Forsythe (electric guitar, vocals)
Reeve Downes (bass, vocals)
Dave DuCey (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Rhino Bucket
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Radney Foster – For You To See The Stars – CD-Review

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Abschließen möchte ich das Jahr mit einem der ganz großen Singer/Songwriter unseres Metiers, unserer Zeit, mit Radney Foster. Hier schon einige Male besprochen, hat der Anwaltssohn, geboren 1959 in Del Rio, Texas, im September mit „For You To See The Stars“ ein weiteres, unaufdringliches Meisterwerk geschaffen.

Bekannt wurde Radney zunächst Mitte der Achtziger Jahre mit seinem Partner Bill Lloyd als Duo Foster & Lloyd (übrigens 2011 auch mit einem durchaus passablen Comeback-Album „It’s Already Tomorrow“ kurzzeitig wieder präsent), bevor er sich 1992 auf eigene Pfade begab.

Seine Songs wurden durch viele Künstler wie u. a. Keith Urban, Sara Evans, Dixie Chicks oder Hootie & The Blowfish gecovert, nicht zu vergessen auch seine Tätigkeiten als Produzent zweier Alben für die Randy Rogers Band.

Mit dem Brille-tragenden Foster (einer der wenigen in der Branche), verbindet man schon von seinem rein äußerlichen Erscheinungsbild, einen gewissen Intellekt, der sich im Rahmen seiner Texte, in Kombination mit seinem immer etwas steif wirkenden Gesang (aber mit einer ungemeinen Markanz)  und der dezent introvertiert klingenden Musik bestätigt.

„For You To See The Stars“ (übrigens parallel von Radney auch als Buch mit zehn Kurzgeschichten aufgelegt), beginnt sofort mit dem Titelstück, einer Ode an das ‚Prinzip Hoffnung‘, das sich thematisch auch durch dieses Werk fortführt. Frei nach dem Motto, egal was auch passiert, es gibt irgendwo immer Licht am Ende des Tunnels.

Das grassige, familiäre „Greatest Show On Earth“ (wunderbar mit den typischen Instrumenten wie u. a. Akustikgitarre, Fiddle und Mandoline in Szene gesetzt) bildet mit seiner Spielfreude und dem fröhlichem Unterton, einen Ausgleich zum etwas schwermütigen  Vorsong.

„It Ain’t Done With Me“ erinnert sofort an countryrockige Sachen von Pat Green oder Jack Ingram. Die Skynyrd-umwehten Gitarren-Soli werden auch Southern Rock-Freaks begeistern. Das eher durch Keith Urban zu Bekanntheitsgraden gelangte „Raining On Sunday“ (hier jetzt als Neuauflage der Altversion Fosters von 1999 nochmals modifiziert) ist so ein Track, bei dem man sofort ein gewisses Etwas spürt und der auf dem Fuße (für immer) hängen bleibt. Zweifellos ein ganz großer Moment in Radneys kreativem Schaffensspektrum.

Mit dem der Veteranen-Thematik zugewendeten „Belmont And 6th“, dem Filmmusik-tauglichen „Rock And Roll Slow Dance“, der Ballade „While You Were Making Time“ (wäre ein Cover-Kandidat für Joe Cocker gewesen, wenn er noch leben würde), dem politischen Country-Storyteller „All That I Require“ und dem swampigen „Howlin‘ (Richtung CCR/Tony Joe White) bekommt man die geballte Ladung Fosterscher Musik-Divergenz, immer unter der Prämisse eines hohen Anspruchs, geboten.

Das melancholische „Sycamore Creek“ (plus instrumentelle Reprise im Anschluss) mit herrlichen weiblichen Harmoniegesängen, wunderbaren Piano- und Steelfills) interpretiere ich mal frei als Danksagung des dreifachen Familienvaters an die Toleranz und Ausdauer seiner Frau, seinem (genialen) musikalischen Treiben, über die Jahre hinweg, den nötigem Freiraum einzuräumen.

Fazit: Mit „For You To See The Stars“ untermauert Radney Foster erneut seinen Status als einer der ganz großen intellektuellen Musikpoeten des Country/Roots/Red Dirt-Genres und darüber hinaus. Am Ende dieses, in jeder Hinsicht packenden und faszinierenden Werkes, sind ‚goosebumbs on your skin‘ eine unweigerliche Begleiterscheinung!

Devil’s River Records (2017)
Stil: Country (Rock) / Singer/Songwriter

01. For You To See The Stars
02. Greatest Show On Earth
03. It Ain’t Done With Me
04. Raining On Sunday
05. Belmont And 6th
06. Rock And Roll Slow Dance
07. While You Were Making Time
08. All That I Require
09. Howlin‘
10. Sycamore Creek
11. Sycamore Creek (Instrumental Reprise)

Radney Foster
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Kody West – Green – CD-Review

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Da in den nächsten Tagen und vermutlich auch zu Beginn von 2018 erstmal nichts großartig Neues in Sachen CD-Veröffentlichungen anstehen wird, habe ich mal die Gelegenheit genutzt, mir mal ein paar Scheiben aus dem eigenen Fundus zu Gemüte zu führen, um vielleicht noch den einen oder anderen Geheim-Tipp für unsere Leserschaft zu generieren.

Gestoßen bin ich dabei auf den aus dem Raum Dallas/Fort Worth stammenden Texaner Kody West, der nach einer ersten EP („Higher Ground“), jetzt mit seinem Debütalbum „Green“ aufwartet. Wie nicht  anders zu erwarten, bekommen wir es hier mit lupenreinem Red Dirt zu  tun, allein schon die Stimme des Protagonisten weißt eine frappierende Ähnlichkeit mit der von Randy Rogers auf.

In einem sehr schön warmen klaren Sound  haben dieses zehn Stücke umfassende Werk die früheren Mitglieder der Band Six Market Blvd., Ben Hussey and Josh Serrato, produziert. Sämtliche Tracks bewegen sich im melodischen Midtempobereich und überzeugen neben der starken Vokalleistung des Protagonisten vor allem in der feinen Instrumentierung.

Es wird  eigentlich so alles an Instrumenten aufgeboten, die ich gerne höre. Flockige Akustikgitarren und E-Gitarren (mit einigen schönen Hooks und Soli wie beim starken Titelstück, hallende Orgel und in den etwas countrylastigeren Songs wie „In The Morning“, „The Player“, dem Western-trächtigen „Ogygia“ weint mal die Steelgitarre, zirpt eine Mandoline, raunzt eine Dobro oder grummelt eine Bariton-Gitarre. Herrlich auch das melancholische „Loves Me Too“, mit diesen Texas-typischen, weiblichen Harmoniegesängen.

Freunde des melodiebetonten Red Dirts von Acts wie Sam Riggs, Randy Rogers, Wade Bowen, Eli Young Band, Willie Stradlin, Bart Crow & Co. werden  sofort  erkennen, dass man es bei Kody Wests (gerade erstmal 21 Jahre alt!) erstaunlich reifem Debütalbum „Green“ beileibe nicht mit musikalischen Grünschnäbeln zu tun hat.

Eigenproduktion (2017)
Stil: Red Dirt Rock

01. Shine Out
02. For The Last Time
03. In The Morning
04. Green
05. Ledges
06. The Player
07. Love Me Too
08. Ogygia
09. Million Miles
10. Melody

Kody West
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Der Sounds Of South-Rückblick 2017

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Wie nicht anders zu erwarten, hat das Magazin in seinem 2. Jahr, erheblich an Fahrt aufgenommen. Dabei überwogen die erfreulichen Ereignisse (viele tolle CDs, Gigs, neue Bekanntschaften, Kontakte) die nicht so erbaulichen Dinge, doch in ganz erheblichem Maße, sodass wir insgesamt eine sehr positive Bilanz ziehen können. Kurz zu den weniger schönen Gegebenheiten: Direkt zu Anfang des Jahres bin ich von der Plattenfirma der Outlaws gebeten worden, deren Leader Henry Paul, ein paar Fragen im Rahmen eines Interviews per E-Mail zu stellen. Der hatte, aus welchen Gründen auch immer, allerdings nur wenig, bis gar keine Lust, diese zu beantworten. Aufgrund dieser mangelnden Professionalität gebührt Herrn Paul auch der Titel ‚Enttäuschung des Jahres‘ (siehe weiter unten). Mit Dave Hlubek und Gregg Allman sind leider erneut zwei weitere Ikonen der Southern Rock-Szene verstorben, langsam bleiben nicht mehr viele übrig. Apropos Gregg Allman. Den hätten wir gerne noch mit einem Review zu seinem Abschiedswerk „Southern Blood“ gewürdigt. Leider wurde uns von der betreuenden Dame  seines Labels (aus dem Jazz-Ressort!), das Rezensionsexemplar verweigert. Hier sind wir dann leider mal Opfer von Arroganz und  Inkompetenz geworden. Zur Ehrenrettung dieses Labels muss allerdings angemerkt werden, dass wir ansonsten seit Beginn, mit deren anderen, allesamt netten und hilfsbereiten Kontaktpersonen der anderen Sparten, eine tolle Kooperation pflegen. So nun aber zu den positiven Sachen. Gefreut hat mich besonders, dass wir, neben den etablierten Knipsern Gernot Mangold (wieder mit einem – für einen Pädagogen –  unglaublichen Arbeitspensum…!), Jörg Schneider und Peter Schepers,  mit Peter ‚Beppo‘ Szymanski und Albrecht Schmidt zwei weitere starke Fotografen dazugewonnen haben, die bei Bedarf, schon mal gerne einspringen. Mit Michael Segets und Stephan Skolarski sind zwei engagierte Reviewer neu dabei, die für Entlastung und auch Kapazitäten gesorgt haben. Danke an alle nochmal explizit für die Unterstützung. Neben den ganzen Reviews, standen natürlich wieder die vielen Konzertberichte im Fokus, die zu 95% am nächsten Tag, reich bebildert, schon online waren. Hier kann uns kaum ein anderes Magazin, ob Online oder Print – behaupte ich ohne Überheblichkeit einfach mal –  annähernd das Wasser reichen. Klasse, dass wir als Lohn, peu à peu nun auch für ‚größere‘ Acts, wie z. B. der Tedeschi Trucks Band, akkreditiert werden. Toll war auch die Geste der legendären Hard Rocker UFO, unseren Bericht samt Übersetzung und unserem Logo, auf Ihre Homepage zu stellen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich auf Facebook unser Review zu Walter Trouts Gig in Bochum. Eine Auswahl und meine Highlight-Bilder der Fotografen (auch hier gilt mein Dank nochmals für ihre unzähligen tollen Impressionen) siehe weiter unten. Ansonsten waren die vielen positiven Feedbacks, schriftlich wie auch vor Ort bei den Gigs, Balsam für unsere Berichterstatter-Seelen und Motivation genug, um auch 2018 wieder Gas zu geben.

Hier nochmal eine kleine Auswahl meiner persönlichen Highlights des Jahres 2017:

CD des Jahres:

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The Trongone Band – Keys To The House

DVD des Jahres:

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Joe Bonamassa – Live At Carnegie Hall – An Acoustic Evening

Überraschungs-CD des Jahres:

Voltage – Around The Bend

Newcomer-CD des Jahres:

Six Sanchez – ‚Til The Last One’s Gone

Interpret des Jahres:

Robert Jon & The Wreck

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Überzeugten mit gleich zwei starken CDs in einem Jahr und einer erneut ganz stark gespielten Tour

Song des Jahres:

A Little Bit Of Rust – Will Hoge feat. Shery Crow

Diese Songs machten beim Reviewen ebenfalls Spaß:

Moving On – Kirk Baxley
Good Times – Voltage
Chain Breaker – Zach Williams
Dirty South – Lucas Hoge
Waiting On You – Lindsay Ell
Southern Gothic – Tyminski
Drinkin‘ Problem – Midland
Bet On A Backroad – Evan Michaels
Something’s Going On – Trace Adkins
Broken Halos – Chris Stapleton

April-Scherz:

Led Zeppelin

Enttäuschung des Jahres:

Henry Paul, Outlaws – Interview

Konzerte:

Konzert des Jahres:

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Sass Jordan – 15.09.2017, Luxor Live, Arnheim

Tedeschi Trucks Band – 22.03.2017, E-Werk, Köln

UFO, 07.09.2017, Musiktheater Piano, Dortmund

Josh Smith – 25.11.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg

Robert Jon & The Wreck, 24.08.2017, Kulturrampe, Krefeld

Skinny Molly – 07.10.2017, Musiktheater Piano, Dortmund

The Band Of Heathens, 21.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund

Konzertbilder:

Bilder Gernot Mangold:

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Bilder Jörg Schneider:

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Bilder Peter Schepers:

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Bilder Peter ‚Beppo‘ Szymanski:

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Bilder Albrecht Schmidt:

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Irgendwann im Verlaufe des Jahres kam mir die Idee, unser Logo mal als Schild herstellen zu lassen und eine Galerie von Künstlern/Leuten ins Leben zu rufen, die von unserer Arbeit angetan sind und sich, im Sinne einer Identifikation mit unserem Magazin, ablichten ließen. Hier ein kleiner Auszug –  die ganze Galerie findet man unter diesem Link.

Bilder Sounds Of South VIP-Galerie:

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To be continued…

Wir wünschen unseren Lesern und allen Musikfreunden ein besinnliches Weihnachtsfest sowie ein gesundes und (Southern) rockiges neues Jahr!

Sounds Of South is gonna do it again!

Euer

Daniel Daus

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – Flowers Under The Bridge – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Eine texanische Sängerin und eine niederländische Band nehmen zusammen ein Album auf!? Was zunächst vielleicht nach einer gewagten und ausgefallenen Kombination klingen mag, gelingt musikalisch ausgesprochen gut. Dede Priest bewegt sich in unterschiedlichen Genres. Sie fühlt sich im Bluesrock, Country, Soul und Folk zu Hause und konnte bereits Erfolge in den US- und UK-I-Tunes-Charts (Tangled Eye: „Jesus, I’m Calling You“) feiern. Johnny Clark & The Outlaws vereinen Elemente aus Rock, Blues und Country und bilden das passende Gegenstück zu Priests phänomenaler Stimme.

Auf dem rockigen Opener „You Are Love“ bewegt man sich zwischen Bluesrock und Soul, wobei sich Dedes kraftvoller Gesang und die schrille E-Gitarre ein „Duell“ liefern und den Song wild vorantreiben. „Willie Mae“ überzeugt als erstklassiges Tribute an die US-amerikanische Bluessängerin Big Mama Thornton („They call her Big Mama Thornton“), mit Wah-Wah-Effekt und Geige, die dem Lied einen schönen Country-Roots „Anstrich“ verleiht. Das bluesige „What It Is Ain’t What It Ain’t“ beginnt mit einem intensiven Gitarrenintro und verfällt dann in einen eintönigen, langsamen Rhythmus, der leider 7-Minuten anhält; etwas weniger hätte ausgereicht.

Mit „Strawberry Party“ folgt ein wohltuender Country-Folk Song mit der durchklingenden Geige von Dede Priest, die im Song ein texanisches „Saloon-Feeling“ aufkommen lässt. „Snowy Mountain“ würde sich auch als besinnlicher Song auf jeder Winter Playlist zurecht wiederfinden und kommt als minimalistische Folk-Nummer mit dem Schwerpunkt auf Dede Priests hervorragender Stimme und E-Gitarren Begleitung daher. Die rockigeren Nummern „Won’t Last Long“, „Wanda“ und das einprägsame „Lynched At The Crossroad“, mit typischen Bluesversen, wecken Erinnerungen an den Songwriting-Stil des US-amerikanischen Country-Folk-Rock Musikers James McMurtry.

Dede Priests Stimme, die immer wieder mit Big Mama Thornton, Etta James und Sister Rosetta Tharpe verglichen wird, gibt den Songs einen powervollen Sound, von „Strawberry Party“ im Stile von Dolly Parton bis hin zu „Lynched At The Crossroad“, das vom Gesang eher an Janis Joplin erinnert. Auf der Storyteller Ballade „Alaska“ singt diesmal Bandleader Johnny Clark („Oh Alaska wide open space“), und Dede Priest untermalt den Track mit ihrem beherzten Geigenspiel. Danach folgt der Titelsong des Albums „Flowers Under The Bridge“, der das gesamte Spektrum der Band treffend abbildet. Auf „Helen’s Backyard“ gleitet die texanisch-niederländische Combo in einen groovigen Boogie und abschließend kommt mit „Mister Don’t Lie“, ein schön arrangiertes Cover des Chicagoer Bluesgitarristen Luther „Snake Boy“ Johnson.

Das Album wurde in Utrecht/Niederlanden produziert. Hervorzuheben ist, dass fast alle Songs gemeinsam komponiert, die Texte jedoch alle, bis auf „Alaska“ (Johnny Clark), von Dede Priest geschrieben wurden.

Dede Priest und Johnny Clark & The Outlaws erinnern in ihrer musikalischen Bandbreite an Steve Earle & The Dukes. Sie vermischen Blues, Country, Folk und Soul zu einem außergewöhnlich-interessanten Sound. Dieser selbstbezeichnete „Cross-Over“ Stil überzeugt phasenweise mit harten Gitarrenriffs und Dede Priests eindrucksvollen Geigenpassagen, die vielen Songs einen authentischen, folkigen Touch verleihen. Diese erfolgversprechende texanisch-niederländische Zusammenarbeit hat ein bemerkenswertes Album hervorgebracht, das Genre übergreifend mehr Anerkennung verdient.

The Band:
Dede Priest: Vocals, Guitar, Violin
Johnny Clark: Vocals, Guitar
Ray Oostenrijk: Bass
Leon Toonen: Drums

Eigenproduktion (2017)
Stil: Rhythm & Blues, Country, Soul

01. You Are Love
02. Willie Mae
03. What It Is Ain’t What It Ain’t
04. Strawberry Party
05. Snowy Mountain
06. Won’t Last Long
07. Wanda
08. Lynched At The Crossroad
09. Alaska
10. Flowers Under The Bridge
11. Helen’s Backyard
12. Mister Don’t Lie

Dede Priest
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Voltage – Around The Bend – CD-Review

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Dass ich einen Faible für unsere niederländischen Nachbarn besitze, habe ich ja hier schon öfter deklariert. Seit unser Labi Django vor knapp 14 Jahren das Licht der Welt erblickt hat, machen wir im Süden des Landes regelmäßig Urlaub, genießen die herrliche Luft, das Meer, die gepflegte Infrastruktur und verbringen quasi wirklich relaxte, erholsame, ‚proletenfreie‘ Tage (gut, es war immer außerhalb der Ferienzeit…).

Dazu besaßen sie mit Willi Lippens (Rot-Weiss Essen) den wohl besten Fußballer aller Zeiten auf diesem Planeten, aber auch in Sachen Musik, bzw. Konzertkultur liegen sie mittlerweile ganz gut im Rennen. Die Passion der Holländer für  Blues/ Blues Rock ist mittlerweile fast so genau so bekannt, wie ihr Enthusiasmus für Wohnwagen und die Farbe Orange. Aber Southern Rock von dort???

Selbst ein gestandener Experte in diesem Genre wie meine Wenigkeit, war echt von den Socken, als ich das Zweitwerk „Around The Bend“ der Band Voltage, aus Brabant stammend, in den Player legte. Aufgrund des Namens hatte ich irgendetwas Hard Rock-mäßiges in Richtung AC/DC erwartet (kleine Reminiszenzen tauchen auch sporadisch in den E-Gitarren-Hooks auf), musste mich aber spätestens mit dem Molly Hatchet-trächtigen Opener „Pistol Pete“ eines Besseren belehren lassen, zumal die verblüffende Ähnlichkeit von Bandleader Dave Vermeulen mit der Stimme  von Charlie Starr, unweigerlich starke Bezüge zu Blackberry Smoke suggeriert.

Im weiteren Verlauf präsentieren die Herren Vermeulen, Gijs Heijnen, Bob Donkers und Bart Candel ein unterhaltsames, schroffes Southern Rock-Konglomerat, mit allen bewährten instrumentellen Zutaten der  Sparte, die man von Acts wie Skynyrd, Blackfoot, ZZ Top, Allman Brothers, Rambler und den beiden bereits genannten Molly Hatchet und Blackberry Smoke gewohnt ist. Die Stones, AC/DC oder Status Quo werden ab und zu auch einbezogen.

Allesamt Eigenkreationen, die sich natürlich zum Teil an Songs dieser Bands orientieren (z. B. „Up The Road“ an „Midnight Rider“ oder „Good Times“ an „Good One Coming On“). Sehr schön knackig anzuhören, da man auch die raue, aber recht klare Produktion als gelungen bezeichnen kann. Die Zusammenstellung der Songs ist dank wechselnder Tempi und vieler atmosphärischer Schwenker ebenfalls als kurzweilig zu belobigen.

Clever: Mit „Dirty Harry’s Juke Joint“ ist dazu ein klassischer Blues Rocker (mit Harp-Einlagen) präsent, um evtl. auch einen Großteil der einheimischen Hörer mitzunehmen. Und am Ende gibt es mit „Joelle“ noch einen melodischen Track (im Erzählstil von Vermeulen gesungen), samt Southern-typischen Instrumental-Finale, mit Hymnencharakter als Highight. Somit alles richtig gemacht!

„Around The Bend“ von Voltage ist absolut kein musikalischer Käse, sondern kann, im Gegenteil, unbedenklich jedem Southern Rock-Liebhaber ans Herz gelegt werden. Auch wenn diese Eigenproduktion bereits im September herausgekommen ist, war sie für mich persönlich zum Ende des Jahres noch mal eine faustdicke Überraschung. Godverdomme, echt klasse diese Südstaaten-Holländer!

Eigenproduktion (2017)
Stil: Southern Rock

01. Pistol Pete
02. Heart Of Stone
03. Up The Road
04. Good Times
05. Up from the Downside
06. For Better Ways
07. Bye Bye Baby
08. Dirty Harry’s Juke Joint
09. Blue Highway
10. Matchbox
11. Joelle

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