Ben Rogers – The Bloodred Yonder – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das dritte Album von Ben Rogers steht in den Startlöchern. Vor dessen Veröffentlichung geht der Kanadier aber mit seinem Album „The Bloodred Yonder“ auf Tour. Im April und Juni gibt er fast zwanzig Konzerte in Deutschland. Das ist ein guter Grund, sein noch aktuelles Album aus dem Jahr 2015 zu würdigen.

Das Debüt „Lost Stories: Volume I“ (2013) fand begeisterte Aufnahme bei den Kritikern und der Nachfolger „The Bloodred Yonder“ wurde für den Juno Award, ein kanadischer Musikpreis, nominiert. Produziert hat das Album Bens älterer Bruder Matthew Rogers, mit dessen Band The Harpoonist & The Axe Murderer Ben schon einige Male zusammen gearbeitet hat.

Ben Rogers hat sich live schon einige Sporen verdient, so spielte er beispielsweise vor Dwight Yoakam oder Dustin Bentall. „The Bloodred Yonder“ eignet sich nicht nur zur Einstimmung auf die bevorstehende Tour, sondern ist ein hörenswertes Country-Album. Die klasse Stimme sowie das Songwriting von Roberts, der sich an traditionellen Elementen orientiert und diese in eigener Weise verarbeitet, zeichnen es aus.

Der Country-Song „Wild Roses“ entwickelt im oberen Midtempo einen dezenten Twang, der genau das richtige Maß trifft. Rogers tiefe Stimme ist angenehm weich und wird mit der Pedal-Steel von Matt Kelly untermalt. Das anschließende „Wanted“ weckt vom Titel und vom Aufbau des Textes Assoziationen an den Klassiker „Wanted Man“. Eine Bar-Piano-Einlage, ein E-Gitarren-Solo und gelegentliche Kicks in der Stimme bringen Abwechslung in den Track. Beide Stücke erfinden den Country nicht neu, stellen aber sehr gelungene Genrebeiträge dar, die durchaus frisch wirken. Gleiches gilt für „Panhandler“, dem schnellsten Stück auf dem Longplayer.

Danach nimmt Rogers das Tempo mit „Goodbye Rosalie“ und „Sinners“ heraus. Viel Slide erzeugt eine sentimentale Stimmung. Die Balladen werden von Ben Rogers Stimme, die mal samtig, mal rau klingt, vor dem Abgleiten in den Kitsch bewahrt. Nach einem Orgelintro setzt das Schlagzeug ein, das dem Track „River“ deutlich mehr Schwung gibt, als ihn die beiden vorangegangenen Stücke aufweisen. Ein schepperndes Gitarrensolo bildet den krönenden Abschluss des Songs.

Gute Laune versprüht „Don’t Buy Me Roses“, mit dem die CD wieder Tempo aufnimmt. Die Orgel quietscht wie auf einer Kirmes und der Refrain geht direkt ins Ohr. Auf Konzerten lädt die Nummer sicher zum Tanzen ein. Zum Schunkeln und Mitsingen eignet sich das einprägsame „The More I Learn“, bei dem Rogers locker über die üblichen Country-Pfaden rollt. Obwohl die Melodie harmlos und gefällig daherkommt, weist der Text eine gehörige Prise bissigen Humors auf.

Eingängig ist auch „Living Without You“. Eine dunkle Gitarre prägt das Stück, das unaufgeregt ein mittleres Tempo beibehält. In kurzen Passagen ähnelt Rogers´ Intonation der von Bob Dylan, wenn dieser in eine tiefere Stimmlage geht.

Zum Abschluss des Werks setzt Ben Rogers nochmal auf eine Ballade. Anfänglich sehr reduziert begleitet, singt Rogers besonders tief und beinahe sanft. Gegen Ende steigert sich die Instrumentalisierung von „Darling Please“. Insgesamt hätte auf diesem und einigen anderen Titeln die Dominanz der Pedal-Steel- und Slide-Effekte etwas verringert werden können.

Rogers sollte auf seine Stimme vertrauen, die viel Atmosphäre transportiert, und könnte daher zurückhaltender mit dem Wimmern der Instrumente umgehen. Dass dies funktioniert, verdeutlicht die neueste Single „The Highway Of Tears“, die sich vermutlich auf dem kommenden Longplayer finden wird.

Canada FACTOR/Greywood Records (2015)
Stil: Country

01. Wild Roses
02. Wanted
03. Panhandler
04. Goodbye Rosa Lee
05. Sinners
06. River
07. Don’t Buy Me Roses
08. More Than I Learn
09. Living Without You
10. Darling Please

Ben Rogers
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