The Quireboys – White Trash Blues – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

The Quireboys spielen Blues? Ihre größten Erfolge hatten die Quireboys in den frühen 90er Jahren, wo inbesondere das Debutalbum „A Bit Of What You Fancy“ hervorzuheben ist, das in den UK-Album-Charts bis auf Platz 2 gelang. Springen die Quireboys nun auch auf den Zug auf, den zur jetzigen Zeit viele Musiker vollziehen, die oft auch zum Karriereende noch einmal einen kommerziellen Erfolg oder aus Spaß einen Cover-Blues Sampler herausbringen?

Zunächst war ich sehr skeptisch, wenn man die Ursprünge der Quireboys sieht, die eher in Richtung Glam- oder Hardrock einzustufen sind. Schon beim ersten Titel „Cross Eyed Cat“, einem Muddy Waters-Klassiker zum Einstieg, werden die Bedenken schon beiseite geschoben. Die Quireboys geben dem Song ein neues Gewand und verbinden damit ihren eigenen rockigen Stil mit dem Blues, wo Spikes Gesang wie die Faust aufs Auge passt und Keith Weir mit Keyboardeinlagen glänzen kann.

Auch bei den weiteren Stücken wie „Boom Boom“ von John Lee Hooker zeigen die Quireboys, dass sie den Blues können. Insgesamt sind die Songs etwas härter gespielt als die Originale, was aber schon in der Natur der Band liegt und ihnen ein eigenes Flair verleiht. Wer will schon alte Bluesklassiker Ton in Ton von anderen Musikern hören? Weder der Bluesfan und die alteingesessenen Quireboys-Fans mit Sicherheit auch nicht.

So gelingt eine Symbiose, die sowohl eher den Hardrock zugewandten Fans, wie auch den Blues-Liebhabern gerecht wird. Besonders hervorzuheben sind „Going Down“ von Freddie King, eine Mischung aus Hard- und Bluesrock, wo Spike vom Gesang schon fast dem Stile eines Dan McCafferty von Nazareth nahekommt und durch das treibende Gitarrenspiel der zwei Gitarristen Guy Griffin und Paul Guerin Fahrt aufgenommen wird. „Leaving Trunk“ von Johnny Jenkins und „Little Queemie“ von Chuck Berry, kommen dem bekannten Sound der Quireboys am nächsten.

Fazit: ein starkes Album, in dem die Quireboys beweisen, dass sie auch den Blues in verschiedenen Stilen können, ohne ihre eigentlichen Wurzeln zu verlieren, wobei dieser ja eh als Wurzel fast aller Rockstile gesehen werden kann. Auch die anfangs genannte Skepsis, dass es sich um einen Versuch im Rahmen der Aufmerksamkeitsgewinnung handeln könnte, ist zu verneinen. Die sechs Musiker haben, zumindest im Studio noch die Dynamik und Spielfreude, welche sie schon vor knapp 30 Jahren auch live auszeichnete.

Positiv hervorzuheben ist, dass nicht versucht wurde, einen Abklatsch alter Bluesklassiker abzuliefern, sondern dass allen Songs ein charmanter Quireboys-typischer Touch gegeben wurde. Von daher Kaufempfehlung und Augen auf, wann die Quireboys das nächste Mal live in der Nähe auftreten. Es könnte interessant sein, dabei zu sein, wie es der Band gelingt die Bluesklassiker und eigene Songs einem Publikum zu präsentieren, in dem sowohl (Hard-) Rock wie auch Bluesrockfans auf ihre Kosten kommen könnten.

Line-up:
Spike (vocals)
Guy Griffin (guitar)
Paul Guerin (guitar)
Keith Weir (keyboards)
Nick Mailing (bass)
Dave McCluskey (drums)

Off Yer Rocka Recordings (2017)
Stil: Blues Rock

01. Cross Eyed Cat
02. Boom Boom
03. I Wish You Would
04. Take Out Some Insurance
05. Going Down
06. Help Me
07. Shame Shame Shame
08. Im Your Hoochie Coochie Man
09. Leaving Trunk
10. I’m A King Bee
11. Walking The Dog

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T.G. Copperfield – The Worried Man – CD-Review

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Ein Musiker, für den der Begriff ‚Entschleunigung‘ im Wortschatz nicht vorhanden zu sein scheint – gut, diese Gattung von Menschen pflegt eine solche Tätigkeit ja in der Regel zwischen 4:00 Uhr morgens und 18:00 Uhr am späten Nachmittag… – ist unser lieb gewonnener Tilo George Copperfield.

Der fleißige Regensburger, zunächst eher durch seine Mitgliedschaft in Bands wie Hoaß und 3 Dayz Whiskey einem relativen Insider-Kreis bekannt, hat sich seit Beginn des Jahres ’selbstständig‘ gemacht und unter dem Namen „T.G. Copperfield“ sein erstes Solo-Album herausgebracht. Seitdem zieht er umtriebig unter eigener Firmierung in Sachen Auftritte durch die Lande.

Dem aber wohl nicht genug. Keine 11 Monate schickt der bajuwarische Bruce Springsteen i. Gr. (an den erinnert er mich rein äußerlich so ein wenig) nun bereits den Nachfolger „The Worried Man“ ins Rennen.

Im Prinzip führt der aus 12 Stücken (inklusive des kurzen Depeche Mode-Hidden Tracks „Enjoy The Silence“ bestehende Longplayer, den eingeschlagenen Weg des Erstlings konsequent fort. Ein buntes Konglomerat aus Reminiszenzen an die gute alte Rockmusik (u. a. CCR – das bluesige „Down In The Mud“, Motörhead – „Go To Hell“, Doors – „Worn Out Shoes“, Marillion – „Who Will Stop The Rain“, Pink Floyd – „The Wooried Man“) mit all ihren verschiedenen Facetten, gefasst in, von Tilo eigens kreierte Kompositionen.

Markant wieder seine gute variable Saitenarbeit. Geändert hat sich das ihn umgebende Team. Diesmal hat sich Tilo schwerpunktmäßig auf seine Live-Begleiter Michael Hoffmann und Michael Karl verlassen, Co-produzierend und auch musikalisch (keys, bgv) involviert war Robert ‚Hubi‘ Hoffmann.

Als Farbtupfer erweisen sich die Einbindung einer Bläser-Section bei „Black Cat Voodoo Spell“, das Ennio Morricone-umwobene Country-Instrumental „Black Horse“, sowie die vokale Assistenz der uns ebenfalls bestens bekannten Amerikanerin Monique Staffile (alias HER), die „Shame Shame Shame“ ihren rotzigen Gesangsstempel aufdrückt.

Apropos Gesang: Eigentlich mein einziger subjektiver Kritikpunkt (gilt auch für das Erstwerk, don’t worry Tilo): TGs Gesang ist mir persönlich insgesamt etwas zu brav, zu ‚deutsch‘ klingend, stimmlich nicht impulsiv genug. Daran müsste, wie auch immer, meiner Ansicht nach, vielleicht in Zukunft noch etwas gefeilt werden.

Das Coverartwork mit eingelegtem Textbooklet ist gewohnt professionell und ansehnlich gelungen, ansonsten alles im grünen Bereich. Weiterhin viel Erfolg für deinen Traum, Tilo!

Timezone Records (2017)
Stil: Rock & More

01. Evil Eye
02. Something Wrong
03. Down In The Mud
04. Love Somebody
05. Who Will Stop The Rain
06. Black Cat Voodoo Spell
07. Go To Hell
08. Shame Shame Shame
09. Who’s That
10. Worn Out Shoes
11. Black Horse
12. The Worried Man

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Timezone Records

The Electric Alley, 08.12.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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The Electric Alley bildeten gestern Abend für Gernot und mich, den Abschluss (sofern wir uns nicht noch für irgendetwas Ungeplantes spontan entscheiden sollten) eines intensiven Konzertjahres 2017, in dem wir alleine aus unserer lieb gewonnenen Kulturrampe satte 19 mal berichtet haben.

Nachdem ich am Montag bei Chantel McGregor aufgrund der ungeheuren Fülle an Aufgaben und dementsprechenden Belastungen in meinem richtigen Job, mal gepasst hatte, war die Präsenz beim Deutschland-Debüt, des sich im Portfolio von Teenage Head Music befindlichen Quartetts aus dem spanischen Cadiz, natürlich Pflicht, zumal es noch mal die Gelegenheit gab, sich von den vielen bekannten, ebenso Musikverrückten wie u. a. Manny Montana samt Ehefrau, KR-Ikone Mario Scholten (hatte angesichts des herrlichen Wetters großzügig den Vorzug im gemütlichen Outdoor-Bereich an der Kasse bekommen), Techniker Malte, SoS-Mitarbeiter Michael Segets und natürlich ‚Mr. Kulturrampe‘ Pille aus dem alten, noch bestehenden Jahr zu verabschieden (und bereits die ersten Pläne für 2018 zu schmieden).

Um die 60 Zuschauer sorgten für einen Erstaufritt der jetzt gerade nicht mega-mäßig bekannten Iberer für einen ordentlichen Rahmen, die auch für mich Neuland waren, da Gernot den Review zu ihrem immer noch aktuellen Album „Get Electrified!“ von 2015  geschrieben hatte.

Der unterhaltsame engagierte Gig, der sich stilistisch überwiegend im Bereich des melodischen Hard Rocks einordnen lässt, untermauerte im Prinzip Gernots verfasste Thesen, die Band samt ihres eigenständig kreierten Materials, in die Nähe der bekannten Interpreten des Genres wie Alice Cooper, Aerosmith, Bon Jovi oder Guns’n Roses zu rücken. Aus meiner Sicht könnte man durchaus auch noch Acts wie AC/DC, Black Crowes, House Of Lords, Little Caesar, etc. in den erweiterten Dunstkreis aufnehmen.

Und so spielten sich die vier Musiker, angeführt von Sänger und Gitarrist Jaime Moreno (dessen in Düsseldorf lebende Schwester zum Gig angereist war) mit viel Dampf (eröffnet wurde mit dem fetzigen „Up In Flames“) durch ausgewählte Tracks ihrer beiden Alben „Backward States Of Society“ und „Get Electrified!“. Lead Gitarrist Nando Perfumo glänzte mit vielen quirligen Soli auf seiner schwarzen Les Paul, der athletische Sergio Reyes Gamaza am Bass (einmal mit toller Gesangskurzeinlage) und Drummer Rafa Gonzales bildeten eine überaus kraftvolle Rhythmusfraktion.

Der Bezug zu unserem Magazin wurde durch das, mit einem integrierten „Can’t You See“-Intermezzo verzierte, southern rockige „Live While You’re Alive“ gewahrt, das aus meiner Sicht neben Stücken wie „Go Go Go“ (vielleicht der Song mit dem höchsten Wiedererkennugswert), den atmosphärischen Midtempotracks „Free My Soul“ (sehr emotional gesungen) und „Eagles Fly Solo“ (teils soulig, teils hymnisch), auch zu den Highlights des Hauptteils zählte.

Die stürmischen „Alley, Alley“-Rufe der begeisterten anwesenden Rampen-Besucher wurden mit zwei Zugaben, u. a. mit dem Titelstück des 2015er-Werkes „Get Electrified!“ angemessen zufriedengestellt. Insgesamt ein knackiger Abend mit The Electric Alley, der zum vorgezogenen Wochenausklang mal so richtig die Ohren durchgepustet hat.

Unser Dank nochmals an alle Beteiligten, die dazu beigetragen haben, dass in solchen, mit viel Herzblut bedachten Locations wie der Kulturrampe, noch unzählige weitere niveauvolle musikalische Auflagen dieser Art folgen mögen. Man sieht sich im neuen Jahr bei Rhino Bucket!

Line Up:
Nando Perfumo – Lead Guitar, Background Vocals
Jaime Moreno – Lead Vocals, Electric Guitar
Sergio Reyes Gamaza – Bass, Background Vocals
Rafa Gonzales – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

The Electric Alley
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Zuma Birds – Contact Light – CD-Review

Libreto CD Jewel Box

Review: Stephan Skolarski

Das Albumcover von „Contact Light“, dem Debut des spanischen Rock-Trios Zuma Birds, gibt bereits einen kleinen Hinweis, in welche Richtung die „Reise“ musikalisch geht. Abgebildet ist eine hügelige, weitläufige, auf den Horizont fixierte Landschaft, die trotz einiger Bäume eher ausgetrocknet wirkt. Diese Landschaft kann mit wenig Phantasie durchaus den Südstaaten der USA zugeordnet werden. Die musikalischen Assoziationen reichen in diesem Zusammenhang von Southern, über Desert, bis hin zu Stoner Rock und die Erwartungen, die sich aus dieser unwillkürlichen, gedanklichen Verknüpfung ergeben, werden, um das schon einmal vorweg zu nehmen, vollends erfüllt.

Die jungen Madrilenen sind ein klassisches Rock-Trio, bestehend aus dem Gitarristen Shakin‘ David, Toti Garcia am Bass und dem Schlagzeuger Rui Barbosa und beschreiben ihren Musikstil selbst als „Cosmic American Music“. Das erste was einem beim Blick auf die Tracklist auffällt, sind die ungewöhnlich langen Songs. Ob sie sich dabei an ihren Vorbildern Neil Young & Crazy Horse orientiert haben, für die zweistellige Minutenwerte keine Grenze darstellen? Instrumentell lassen sie sich auf jeden Fall vom kanadischen Songwriter und bekennenden „Experimentalisten“ leiten!

„Easy Rider“, das erste Stück des Longplayers, erinnert natürlich sofort an den gleichnamigen Kultfilm mit Steppenwolfs Evergreen „Born To Be Wild“. Endlose, staubige Highways zeichnen sich dabei vor dem inneren Auge ab. Und genau diese Vorstellungen untermalt der Opener in schöner Desert Rock Manier, mit typischen Tempowechsel und Boogie Outro. Auf dem Country-Folk-Rock angehauchten „Deadhead Suzie“ hört man sofort die Byrds heraus, mit ausgefallenem Slide-Gitarrensolo. Als musikalische „Lehrmeister“ erwähnen Zuma Birds neben der Southern Rock-Ikone The Allman Brothers Band auch die Jam Band Greatful Dead, denen auf „Deadhead Suzie“ lyrisch gehuldigt wird: „You dreamt of incense smell, flowers in your hair and dancing barefoot to The Grateful Dead.“

Der sehr einfallsreich gestaltete Grower „A Town With No Name“ schaukelt sich über die 8-Minuten Marke und fesselt mit dem überragenden Gitarrenspiel von Leadsänger Shakin‘ Davids. „Let Me Follow You Down“ überzeugt als eingängiger Roadtrip Song, mit dem Anbagger-Refrain: „Hey, let me follow you down/You’re the cutest chick I’ve seen around“. Der Song „King Of The Mountain“ weist ein tolles Klangspektrum auf, erst folkig und psychedelisch und geht dann im Schlussteil in schnelle Psychedelic-Rock Elemente über. Das sechste Stück „Drifter“ beeindruckt mit dem schwer arbeitenden Drummer Rui Barbosa, voluminösen Sound, und lässt ein gewisses Space-Rock Feeling aufkommen.

Auf dem straighten Rocker „The Midnight Train“, der radiotauglichste Song des Albums, lässt man sich im Mittelteil kurz vom Heartland Rock Hit „Rebels“ von Tom Petty & the Heartbreakers inspirieren; die LP von Petty heißt übrigens „Southern Accents“! Das letzte Lied „She’s Got Stars In Her Eyes“ knackt sogar fast die 12-Minuten Marke und bildet einen grandiosen Abschluss. Die instrumentellen Parts sind erneut psychedelisch geprägt, mit einem langen Gitarrensolo, das an David Gilmours Gitarrenkünste erinnert.

Textlich findet sich immer wieder ein Bezug auf ihren geographisch-musikalischen Einfluss, wie z.B. bei „Deadhead Suzie“: „But every night in bed you’d hear Jerry [Garcia] sing and fantasize about a better place“ oder „The Midnight Train“: „Movin’ through mountains, rivers and valleys, a cosmic tapestry at the touch of a hand“.

Zuma Birds präsentieren sich auf ihrem Debutalbum „Contact Light“ erfrischend experimentierfreudig und überzeugen mit langen, sehr schön ausgefüllten Instrumentalpassagen. Sie greifen dabei Altes und teilweise Bekanntes auf, übertragen es gekonnt mit eigenen kreativen Akzenten in moderne, originäre Sounds mit Wiedererkennungswert. Zuma Birds sind DIE große Southern/Stoner//Psychedelic Rock-Entdeckung 2017. Man darf mit großer Zuversicht ihre weitere Entwicklung abwarten.

Delia Records/Nooirax Productions (2017)
Stil: Cosmic American Music

01. Easy Rider
02. Deadhead Suzie 03. A Town With No Name
04. Let Me Follow You Down
05. King Of The Mountain
06. Drifter
07. The Midnight Train
08. She’s Got Stars In Her Eyes

Zuma Birds
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Chantel McGregor, 04.12.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Montags in der Kulturrampe lagen bisher die Prioritäten auf Blues Rock. Pünktlich um 20:30 Uhr betrat Chantel McGregor die Bühne in der mit etwa 80 Besuchern für einen Montag gut besuchten Kulturrampe. Da die 31jährige Britin, mehrfach von den British Blues Awards als beste Jungmusikerin, beste weibliche Stimme und Gitarrist des Jahres, preisgekrönt wurde, war ein eher blueslastiger Abend zu erwarten. Die ersten beiden Songs, „Not Here With Me“ und „Anaesthetise“ spielte sie alleine auf einer akustischen Gitarre eher in einem folkigen Stil, zum Teil einer Heather Nova auch stimmlich ähnelnd.

Zu „Inconsolable“ gesellten sich dann die beiden Mitstreiter Adam Speare am Bass und Ollie Goss an den Drums zu ihr, hielten sich aber zunächst sehr im Hintergrund. Die Zuschauer stellten sich auf einen eher ruhigen Abend ein und hörten entspannt den Protagonisten zu. Diese Ruhe wurde aber jäh unterbrochen, als Chantel während des Songs die akustische Gitarre gegen ihre elektrische Musicman tauschte und diesen mit einem ersten sehr melodischen Solo beendete.

Von nun an wurde es rockig und McGregor zeigte ihren Wandel hin zum Hardrock, der auch das aktuelle Album „Loose Control“ in weiten Teilen prägt. Mit „Southern Belle“ setzte sie einige Southern Rock-Akzente und nahm das Publikum, auch durch ihre sympathische, manchmal schelmische Bühnenpräsenz mit auf eine progressive hardrockende Reise. Es folgten noch „Like No Other“, „Caught Out“ und „Your Fever“ und knapp 50 Minuten vergingen wie im Flug, als der erste Set endete.

Nach einer etwa 20-minütigen Pause, in der sich die zum Teil mittanzenden Zuschauern mit Erfrischungsgetränken stärken konnten, ging es weiter. Die Pause tat auch McGregor gut, die, von meisten Zuschauer nicht bemerkt, mit einer Erkältung zu kämpfen hatte. Bei dem mit Vollgas gespielten „Burn Your Anger“ war eine stilistische  Nähe zu einer rockigen Melissa Etheridgezu erkennen. Mit „I’m Not Good For You“ wurde erstmals das Montagsmotto ‚Blues‘ aufgenommen und die Band legte einen schönen Song dieser Sorte hin, um mit „Fabulous“ wieder rockiger Klänge einzuschlagen.

Mit dem bisher unveröffentlichten „April“, einem Instrmental, folgte einer der Höhepunkte das Abends. Psychedelisch, inklusiv eines fast durchgehenden Solos in verschiedenen Geschwindigkeiten, wurden manche Zuhörer sichtbar in einen ekstatischen Zustand versetzt. Die folgenden „Killing Time“ und „Walk On Land“ kamen wieder sehr rockig rüber und wurden,wie jeder Song, mit Humor angekündigt, wo Chantel auch über sich selbst lachen konnte. So versprach sie, falls genügend Zugaben gefordert würden, sie diesen auch nachkommen würde.

Die erste dieser Sorte, „Take The Power“, zeigte, dem Titel gemäß, welche Power in der jungen McGregor steckt und nach etwa gespielten 90 Minuten, verließ die Band die Bühne unter dem tosenden Applaus, der noch Minuten anhielt. Eine sichtlich gerührte McGregor spielte als Rausschmeißer mit „Avin A Giraffe“ eine mitreißende Bluesnummer und ließ nun endgültig sichtlich zufriedene Besucher zurück, um wenige Minuten später am Merchandise-Stand, gut gelaunt wieder präsent zu sein.
Fazit: McGregor nutzte den letzten Auftritt der Tournee, um ihren neuen Longplayer „Loose Control“ in Krefeld vorzustellen, wobei die meisten Songs sich in den zwei Sets wiederfanden und noch rockiger und rauher daherkamen, als auf der Platte.

Sie zeigte ihre vielfältigen spielerischen Fähigkeiten und setzte mit gezielten Gitarrensolis immer wieder Akzente. Bemerkenswert war auch der Beginn des Konzertes, mit zweieinhalb ruhigen folkigen Nummern einzusteigen und dann gemäß des Albumtitels die „Kontrolle“ in zum Teil psychedelischen Sequenzen zu verlieren. Das Konzert hat auch schon Vorfreude, für das, fürs nächste Jahr angekündigte neue Album ausgelöst.

Die Besucher dieses Gigs werden mit Sicherheit beim nächsten Mal auch wieder dabei sein. Positiv anzumerken ist, dass die Rampe trotz Wochenbeginns gut gefüllt war, was wieder einmal ein Zeichen dafür war, dass gute Livemusik immer sein Publikum findet. Gefreut hat es mich auch für Pille und sein Team, dass das Risiko der Montagsreihe, sich langsam auszuzahlen scheint und von den Rockfans aus Krefeld und Umgebung angenommen wird.

Line-up:
Chantel McGregor (lead vocals, electric guitar)
Adam Speare (bass)
Ollie Goss (drums)

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Chantel McGregor
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Kulturrampe Krefeld

Chris Stapleton – From A Room Volume 2 – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Vollbärtiger Mann mit Westernhut und Gitarre? Bei dieser Beschreibung wird vielen Musikfans in den USA zurzeit sicherlich als erstes Chris Stapleton in den Sinn kommen. Mit seinem mehrfach ausgezeichneten Debütalbum „Traveller“ (u. a. Album of the Year) hat er sich vor zwei Jahren direkt in der Spitze der Stars der Country-Szene festgesetzt. Seiner Produktivität hat der schlagartige Erfolg offensichtlich nicht geschadet. Seinem erst im Mai erschienen Album „From A Room: Volume 1“ lässt er nun bereits das Nächste folgen.

Auch für sein drittes Album, das leider nur neun Titel umfasst, hat sich Stapleton wieder den Produzenten Dave Cobb (u.a. Jason Isbell and The 400 Unit: The Nashville Sound) an die Seite geholt und verzichtet damit weitgehend auf musikalische Experimente.

Der gelungene Opener „Millionaire“ ist ein gefühlvolles Heartland Rock-Duett mit Ehefrau Morgane. Darauf folgt das wild drauflos stampfende „Hard Livin‘“ mit einer repetitiv dumpf-verzerrten Gitarre. Auf der schönen Midtempo-Ballade „Scarecrow In The Garden“, bereits als Vorabsingle veröffentlicht, sinniert Stapleton über das beschwerliche Farmerleben nordirischer Immigranten. Ein toller Übergang folgt mit „Nobody’s Lonely Tonight“, ein ruhiges, von dunkler Stimmung beherrschtes und von seiner starken, souligen Stimme getragenes Klagelied.

Das eher durchschnittliche „Tryin‘ To Untangle My Mind“ weckt Erinnerungen an seinen Hit „Tennessee Whiskey“. Die spärliche, minimal besetzte, Country-Folk Ballade „Simple Song“ offenbart erfreuliche narrative Ansätze. „Midnight Train To Memphis“, ein kraftvoller Hard Rock Song in Manier der „Black Keys“, mit eingängigem Gitarrenriff, ein eher untypischer Song, beweist aber, dass er nicht nur ruhige Töne kann, sondern auch harte, temporeiche Sounds.

„Drunkard’s Prayer“, ein langsamer, vor sich hin dümpelnder, traditioneller Country-Song, ist das schwächste Stück des Albums. Das abschließende hymnenartige „Friendship“, bereits in einer souligen R&B Version von Pops Staples aufgenommen, erfreut den Hörer in der Country-Roots-Fassung, als Lobgesang auf die Freundschaft.

Chris Stapleton bleibt sich treu, glänzt auf dieser Platte aber mit erfreulichen Storytelling-Qualitäten („Scarecrow In The Garden“, „A Simple Song“, „Friendship“) und macht in dieser Hinsicht einen Schritt nach vorne. Das neue Album des begnadeten Singer-Songwriters hat wieder einige Songs mit Ohrwurmcharakter zu bieten. Hoffentlich überrascht uns der 39-jährige noch vor dem Jahreswechsel, nach den neuen Aufnahmen, wieder mit Tour-Terminen in Deutschland.

Mercury Records (2017)
Stil: New Country

01. Millionaire
02. Hard Livin‘
03. Scarecrow In The Garden
04. Nobody’s Lonely Tonight
05. Tryin‘ To Untangle My Mind
06. A Simple Song
07. Midnight Train To Memphis
08. Drunkard’s Prayer
09. Friendship

Chris Stapleton
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Universal Music International

Luke Bryan – What Makes You Country – CD-Review

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Luke Bryan krempelt gerne die Ärmel hoch, wie man es auch unschwer auf dem Titelbild vor großartigem Seepanorama und dem gesamten Coverartwork seiner neuen CD „What Makes You Country“ begutachten kann.

In kleinen Schritten und mit kontinuierlich guten Veröffentlichungen hat er sich peu à peu in die Gilde der ganz großen Superstars in Nashville emporgearbeitet. Und wer kann sich schon besser an der Erklärung versuchen, was ‚Country‘ bedeutet, als jemand, der in einem elterlichen Farmbetrieb groß geworden ist, bevor er über Studium und erste musikalische Nebenjobs, in dieser musikalischen Sparte, für Furore zu sorgen begann.

Das neue Werk ist nun mehr sein 6. Album und ist, inklusiv von 15 Stücken, wieder reichhaltig mit neuem Stoff ausgestattet. Es startet direkt mit dem Titelstück „What Makes You Country„, das somit quasi den Center-Song darstellt, da er auch aus meiner Sicht, das Highlight abgibt, obwohl der Rest sich natürlich auch sehen, bzw. hören lassen kann. Knackiger Southern Country Rock, aus der Feder der Hit-Songwriter Dallas Davidson und Ashley Gorley (in Assistenz von Luke) untermalt mit Banjo, geführt von einer markanten E-Gitarren-Hook, durchzogen mit satten Soli der starken Gitarristen Kenny Greenberg und JT Corenflos. Klasse!

Der Rest der durchweg sehr eingängigen Lieder unter der Produktionsregie von Jody und Jeff Stevens bewegt sich bis auf den feucht-fröhlichen Trink- und Mitgrölsong „Drinking Again“ (aus der Schmiede von David Lee Murphy und den Warren Brothers – wird sicherlich ein neues Stimmungshighlight auf seinen Konzerten) in deutlich poppigeren Gefilden, wahrt aber dank des Fingerspitzengefühls des weiteren kleinen Kreises an Spitzenmusikern wie Jimmy Lee Sloas, Greg Morrow (warum muss man sich eigentlich, angesichts eines so tollen Drummers, immer dieser unsäglichen Loops bedienen?), vom Tastenvirtuosen Mike Rojas und besonders Danny Raders filigraner Banjo-, Mandolinen-, Bouzouki- und Akustikgitarren-Einlagen, das Minimum an nötiger Countrydosis, um Anhänger des Genres nicht zu verprellen.

Erwähnenswert vielleicht noch, dass Luke es sich nicht, wie viele Interpreten aus seinem Umkreis, leicht gemacht hat, und sich die entsprechenden Hitanwärter nur eingekauft hat, sondern bei gut der Hälfte der Tracks kompositorisch beteiligt war. Insgesamt wird „What Makes You Country“ somit wieder, sowohl im Album-, als auch Single-Charts-Bereich, seine überaus erfolgreichen Momente haben, die Bryans Status Quo als Nashville-Superstar weiter festigen werden.

Capitol Records/ Universal Music (2017)
Stil: New Country

01. What Makes You Country
02. Out Of Nowhere
03. Light It Up
04. Most People Are Good
05. Sunrise, Sunburn, Sunset
06. Bad Lovers
07. Drinking Again
08. Land Of A Million Songs
09. Like You Say You Do
10. Hooked On It
11. She’s A Hot One
12. Hungover In A Hotel Room
13. Pick It Up
14. Driving This Thing
15. Win Life

Luke Bryan
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Universal Music

Scooter Brown Band – American Son – CD-Review

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Review: Michael Segets

Beim Durchstöbern der Bärchen-Records-Homepage bin ich auf die kürzlich erschienene CD „American Son” der Scooter Brown Band gestoßen. Die mir bis dato unbekannte Truppe bietet genau das, was sich auch SoS auf die Fahne geschrieben hat: ehrlichen, handgemachten Southern Rock. Dreizehn hochklassige Songs, bei denen jeder für sich die Zutaten dieser Musikrichtung gekonnt kombiniert, schaffen zusammen einen Longplayer, der zu den bemerkenswertesten des Jahres gehört. Da ist von einem guten Sänger, über energiegeladene Gitarren, klimpernde Tastenmelodien und wuchtige Rhythmen bis hin zum mehrstimmigen weiblichen Backgroundgesang alles dabei, was das für den Süden schlagende Herz zum Pumpen bringt.

Bandleader, Sänger und Gitarrist Scott Brown hat, neben Steven Southerland am Bass und Matt Bledsoe am Schlagzeug, mit Nathan Lockhart einen exzellenten zweiten Gitarristen an seiner Seite. Das Quartett wird durch einige Gastmusiker unterstützt, so durch Casey Woods für ein ergänzendes Schlagzeug und Percussion sowie Carrigan Shields für Orgel und Piano. Produzent Casey Wood fängt den satten und kraftvollen Sound der Musiker sauber ein.

Das Titelstück bildet den rockigen Auftakt mit einer gehörigen Prise Red Dirt. Veredelt wird „American Son“ zusätzlich durch Charlie Daniels‚ kurzen Gesangspart, dessen tiefer Sprechgesang einen gelungen Kontrast zur angenehmen Stimme von Scott Brown bildet. Auf das stampfende „This Time“ mit schönen Gitarrenläufen und einem tollen Slide-Solo folgt das ebenso mitreisende „Won’t Back Down“, bei dem Carrigan Shields am Klavier glänzt.

Das sehr melodische „Never Met A Heart I Wouldn’t Break“ hat nicht nur durch seinen harmonischen Refrain Hitqualitäten. Brown gibt seiner Stimme hier eine besonders warme Färbung. Akzentuierte Klavieruntermalung und feine Gitarrenläufe in Kombination mit dezenten Tempowechseln sorgen dafür, dass der Song direkt ins Ohr geht und in Erinnerung bleibt. Auch „Pistols And Pearls“ besticht durch einen eingängigen Refrain. Die Rootsrock-Nummer beweist, dass bei ausgefeiltem Songwriting auf klangtechnische Spielereien gut verzichtet werden kann.

Bei „Broken Arrow“ treten die vier Background-Sängerinnen besonders in Aktion. Herausragend ist das Duell von Gitarre und Klavier am Ende des Midtempo-Stücks. „Georgia” markiert die Mitte des Albums. Die sieben Minuten Ballade gibt der Band mehr Zeit für ausgedehntere Soli. Diese passen sich harmonisch in den Song ein, ohne aufgesetzt zu wirken. Brown und Lockhart beherrschen ihre Instrumente, was sie auch bei den Soli in den anderen Stücken beweisen. Dabei stellen sie ihre Fertigkeiten immer in den Dienst des jeweiligen Songs und verzichten auf exzessive Selbstdarstellung. Zudem lässt das Twin-Gitarrenspiel der beiden vermuten, dass sie perfekt eingespielt sind und als Einheit funktionieren.

Mit akustischer Gitarre und verzerrter Stimme startet Brown in das druckvolle „Story Of My Life“. Das einsetzende Schlagzeug, die starken Gitarrenriffs und der ausgeprägte Background-Gesang machen die Nummer zu einem weiteren Kracher, der es versteht, Energie und Gefühl zu vereinigen. Dass die Scooter Brown Band weiß, worauf es beim Southern Rock ankommt, zeigt der Titel „Guitars, Guns And Wiskey“, den sie dann auch treffend mit klarem Klavier und etwas Slide musikalisch umsetzen.

Die Band beherrscht ebenfalls die leiseren Töne, was sie auf der gefühlvollen Ballade „Time Is Money“ zum Ausdruck bringt. Auch hier kommt die Slide-Gitarre erneut zum Einsatz. Scott Brown schiebt mit seinen Mitstreitern das locker und straight gespielte „Rise Up“ nach, das die rockige Grundanlage der CD wieder aufnimmt.

Mit „New York City King Size Rosewood Bed“ covert die Scooter Brown Band einen Song ihres Gastsängers Charlie Daniels. Alle anderen Songs hat Scott Brown (mit-)geschrieben. So auch das abschließende „Huntsville“, bei dem er seine Stärke als Sänger nochmal ausspielt. Das Stück beginnt reduziert mit Gesang und Klavier, um dann mit einem fulminanten Gitarrensolo durchzustarten und so einen würdigen Schlusspunkt unter diesen großartigen Longplayer zu setzen.

(Cowboy-)Hut ab vor dem Werk! „American Son“ ist ein Album, mit dem sich die Scooter Brown Band als Southern-Größe definiert, die man zukünftig im Auge behalten sollte. Bärchen Records freut sich auf die Bestellung.

Red River Entertainment/BFD Distribution (2017)
Stil: Southern Rock/Red Dirt Rock

01. American Son
02. This Town
03. Won’t Back Down
04. Never Met A Heart I Wouldn’t Break
05. Pistols And Pearls
06. Broken Arrow
07. Georgia
08. Story Of My Life
09. Guitars, Guns And Wiskey
10. Time Is Money
11. Rise Up
12. New York City King Size Rosewood Bed
13. Huntsville

Scooter Brown Band
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Bärchen Records

Kid Rock – CD-Gewinnspiel

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Das Gewinnspiel ist beendet.

Die richtige Antwort hieß natürlich ‚Robert James Ritchie‘!

Über die brandaktuelle Kid Rock-CD „Sweet Southern Sugar“ darf sich

Detlef Kiefer aus Lauterbach,

freuen, dem der Gewinn in den nächsten Tagen zugeht!

Sounds Of South wünscht viel Spaß damit!

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In Zusammenarbeit mit CMM Promotion verlosen wir ein Exemplar der neuen CD „Sweet Southern Sugar“ von Kid Rock. Tolles Teil, mitmachen lohnt sich.

Folgende kindische Frage muss dazu richtig beantwortet werden:

Wie lautet der bürgerliche Name von Kid Rock?

a) James Lionel Richie
b) Ritchie James Dio
c) Robert James Ritchie

Bitte sende eine E-Mail mit der richtigen Lösung bis zum 04.12.2017 an dan@sounds-of-south.de.

Wir losen unter allen richtigen Einsendern eine/n Gewinner/in aus, der/die dann umgehend benachrichtigt und mit der CD beliefert wird.

Kid Rock
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cmm – consulting for music and media

Tasha Taylor – 28.11.2017, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Wunderbarer, souliger Blues-Abend mit Tasha Taylor! Trotz vieler Locations, die Gernot und ich in der vergangenen SoS-Zeit (und auch schon zuvor) besucht haben, galt es an diesem Dienstag, beim geschätzten Pädagogen noch eine Bildungslücke zu schließen.

Die aus Dallas, Texas, stammende, mittlerweile in Los Angeles lebende Tasha Taylor, feierte in der urigen Leverkusener Kultkneipe topos ihr Auftrittsdebüt. Auch Gernot hatte diese liebevoll gestaltete, eigenwillige Altbau-Lokalität mit Wohnzimmercharakter, bisher noch nie kennengelernt und kam nach dem Betreten derselben aus dem Staunen erstmal nicht raus, was vermutlich bisher wohl jedem so ergangen ist.

Als die Band zunächst alleine die enge Bühne betrat, um sich mit einem Instrumental kurz warm zu spielen, hatten sich letztendlich um die fünfzig Leute (was mengenmäßig für das kleine topos an so einem Wochentag schon ganz ordentlich ist) eingefunden.

Die hübsche Protagonistin mit den fein geflochtenen langen Haaren, stieß nach Abschluss des Stückes dazu und brachte den Gig des amerikanisch/karibisch/skandinavisch zusammengestellten Kollektivs mit dem souligen Schwofer „I Got Love“ langsam ins Rollen.

Die Tochter des berühmten Stax Records-Künstlers Johnnie Taylor moderierte dann ganz charmant durch den Verlauf des Konzertes, in dem sie fast zu jedem Song eine kleine Anekdote (meist aus ihrem Leben) parat hatte, in denen natürlich auch der Vater seinen Platz hatte und samt seiner Songkreationen wie „Lost Two Dollars“ und dem schön ’shaky‘ vorgetragenen „Who’s Making Love“, das zum Ende in einer wahren Gospel-Orgie endete, gewürdigt wurde.

Tasha und ihr routiniert und perfekt begleitendes Quartett, bestehend aus dem unaufgeregt spielenden und solierenden E-Gitarristen Davide Floreno (auch mit ein paar Harmoniegesängen), der berühmten Bassisten-Koryphäe Roger Inniss (Climax Blues Band, Mick Taylor, Snowy White, Kid Creole, etc. – mit sechsaitigem Tieftöner) sowie Schlagzeuger Oli Ontronen und dem herrlich klimpernden Pianisten Samuli Rautiainen (hatte neulich ja schon Ina Forsman begleitet), boten den Anwesenden einen schönen Reigen aus Soul-, Blues-, Rhythm & Blues und Rock-Ingredienzien, wobei ihre markant kräftige Stimme natürlich im Mittelpunkt stand.

Zwischenzeitlich griff sie bei eigenen Tracks aus ihrem aktuellen Werk „Honey For The Biscuit“ wie „What Difference Does It Make“, „Wedding Bells“ oder „Leave That Dog Alone“ auch mal zur Telecaster oder assistierte ihren Leuten mit dem Tambourine (u. a. bei „Weatherman“).

Amy Winehouse („Valerie“), Otis Redding („Thes Arms Of Mine“), Eddie Floyd („Knock On Wood“), Etta James (I Just Wanna Make Love To You“) und Aretha Franklin („Natural Woman“) wurden als persönliche Vorbilder Tashas mit Coverversionen musikalisch zitiert, mein Highlight des Abends war der Gänsehaut erzeugende melancholische Ohrwurm „There’s A Way“ samt ihrer emotionalen Vokal-Performance. Klasse!

Nachdem Tasha das Publikum bereits beim, den Hauptpart abschließenden Daddy-Track „Who’s Making Love“, in Mitsing-Ekstase versetzt hatte, animierte sie ebenfalls bei der furios abgehenden Etta James-Zugabe „Tell Mama“ (auch durch Janis Joplin bekannt geworden) im Stile einer Hohepriesterin, zum, mit vielen ‚Yeah‘-Rufen gespickten Gospel-Showdown, bei dem das topos fast einer Kirche in Memphis glich.

Nach Ende des wunderbaren Konzertes stand sie in Sachen Merchandising natürlich allen Anwesenden zur Verfügung und erwies sich auch hier als äußerst sympatisches und unkompliziertes ‚Southern Girl‘, das unserer Bitte nach dem obligatorischen Bild für die VIP-Galerie (Gleiches gilt für Roger Inniss) anstandslos nachkam. Solche Dienstage darf es gerne öfter geben. Ein toller Abend mit Tasha Taylor & Co.!

Line-up:
Tasha Taylor (lead vocals, electric guitar, percussion)
Davide Floreno (electric guitar, vocals)
Samuli Rautiainen (keys)
Roger Inniss (bass)
Oli Ontronen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tasha Taylor
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