FM – Atomic Generation – CD-Review

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Ich muss ja unumwunden zugeben, dass ich auch so etwas wie ein ‚Warmduscher-Gen‘ in mir trage. Nicht nur der Tatsache wegen, dass ich jeden Morgen vor dem Weg zur Arbeit warm dusche, sondern, dass ich, was das Thema Musik betrifft, auch immer ein gewisses Faible für Sachen aus dem Melodic Rock-Bereich habe, der vielen Hörern oft zu seicht daher kommt.

In den Magazinen, die ich vor Sounds Of South mitgegründet und -gestaltet habe, gab es immer sehr viele schöne Scheiben aus dem Hause Frontiers Records, die ich leidenschaftlich gerne besprochen hatte und heute überwiegend, aufgrund der anderen Gegebenheiten dieser Seite, leider aufgegeben habe.

Aber in gewissen Fällen, machen wir hier ja auch mal Ausnahmen, und da FM schon immer eine meiner großen Favoriten-Bands des Genres war und jetzt mit einem brandneuen Album „Atomic Generation“, ihrem bereits elften Longplayer, am Start ist, möchte ich nun einfach ein paar Zeilen loswerden.

Filigran spielen und wunderbar ins Ohr gehende Melodien und Songs kreieren, können die Interpreten der Sparte ja wie Sand am Meer, bei FM fällt die Sache aber natürlich mit ihrem umtriebigen Fronter Steve Overland, der für mich einen der herausragenden Sänger der zeitgenössischen Rockmusik abgibt.

Das schöne an diesem Mann ist, dass seine Gesangskünste, zum Polarisieren geradezu einladen. Man mag ihn oder eben nicht, dazwischen geht so gut wie gar nix. Kein anderer Fronter kann meiner Ansicht nach, mit seiner einerseits weinerlichen Stimme, so gut ‚weich spülen‘, um dann aber im anderen Moment wieder auf eine Rockröhre vom Niveau eines Paul Rodgers umzuschwenken.

FM (ansonsten noch dabei standesgemäß Pete Jupp, Merv Goldsworthy, Jem Davis und Jim Kirkpatrick) werden 2018 wieder fleißig auf Festivals unterwegs sein, wie unter anderem dem MelodicRock Fest 5 in Chicago, IL (ihr USA-Debüt),  dem diesen verwandten MelodicRock Fest Scandinavia und natürlich auf dem Frontiers Rock Festival im April. Mir würde es allerdings noch besser gefallen, wenn sie ihr neues Album „Atomic Generation“, auch mal hier in unseren einschlägigen Locations, in eigener Sache, live vorstellen würden.

Vom rockigen, mit pathetischen ‚Ohohoh‘-Gesängen angetriebenen Opener „Black Magic“ bis zum finalen, eher ruhig und melancholisch gehaltenen „Love Is The Law“ (mit Steel- und Dobro-ähnlichen Slidetönen), beinhaltet das Werk eigentlich die gesamte Klaviatur an Stilen, die man im Genre vornehmlich kombinieren kann, wobei auf dieser CD Overlands Stimme, Hamoniegesänge, wohl-dosierte Keys und die typischen quirligen E-Gitarren-Soli von Jim Kirkpatrick meist im Vordergrund stehen.

Anspieltipps sind in einem durchgehend tollen Werk (sofern man Melodic Rock-affin ist), das nahezu hitverdächtige, Mike & The Mechanics-umwehte „Too Much Of A Good Thing“, das schön in Bad Co.-Tradition gebrachte, dreckig rockende „In It For The Money“ oder  das fast schon in Earth Wind & Fire-Sphären soulende „Playing Tricks On Me“.

Hinzukommen noch das an 38 Special, zu Max Carl-Zeiten erinnernde, dezent southern-rockige „Make The Best Of What You Got“,  das treibende „Follow Your Heart“ (tolle Synthie-/E-Solo-Kombi gegen Ende), sowie das an Robert Hart  bei Bad Company reminiszierende „Do You Love Me Enough“ oder der Orgel-/Synthie-durchzogene Stampfer „Stronger“ (starker emotionaler Gesang von Steve).

Somit ist das FM-Review zu „Atomic Generation“ beendet. Jetzt erst mal als Ausgleich zur Sitzerei und Tipperei ’nen Stündchen Joggen gehen und danach ’ne schöne Dusche! Warm natürlich…

Frontiers Records (2018)
Stil: Melodic Rock

01. Black Magic
02. Too Much Of A Good Thing
03. Killed By Love
04. In It For The Money
05. Golden Days
06. Playing Tricks On Me
07. Make The Best Of What You Got
08. Follow Your Heart
09. Do You Love Me Enough
10. Stronger
11. Love Is The Law

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Red Shahan – Culberson County – CD-Review

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Review: Michael Segets

Dem fast schon euphorisch gelobten Debüt „Men & Coyotes“ (2015) lässt Red Shahan mit „Culberson County“ ein weiteres Werk folgen, bei dem er dem Texas Country/Red Dirt treu bleibt. Shahan setzt auf Bewährtes. So holt er mit Elijah Ford, den Mit-Produzenten seines ersten Albums wieder ins Boot und wie bei dem Vorgänger bewegt sich die überwiegende Anzahl der Titel im unteren Tempobereich. Auch wenn nicht alle Tracks zu Begeisterungsstürmen hinreißen, liefert Shahan einige hervorragende Nummern, sodass der Longplayer nicht nur durchgängig gut hörbar, sondern durchaus lohnenswert ist.

Auf dem Titelsong „Culberson County“ konzentriert sich Shahan auf seine Stimme und die Qualität seines Songwritings. Dies kann er auch bei „How They Lie“, das durch das trocken stampfende Schlagzeug von Matthew Smith, der schon Ryan Bingham begleitete, noch mehr Intensität erhält. Auf beiden Stücken wird der leidende Grundton mit der Slide-Guitar unterstützt. Der Slide-Einsatz ist mir bei „Roses“ hingegen etwas zu aufdringlich. Der eintönige Song ist der schwächste auf der Scheibe. Ebenfalls gleichförmig sind die beiden Balladen „Idle Hand“ und „Hurricane“ gehalten, bei denen Shahan selbstkritisch über das Leben als Musiker singt. Allerdings entwickeln sie einen gewissen Reiz, wenn man in einer wehmütigen Stimmung ist.

Bemerkenswert bei „Memphis“ ist, dass Shahans Mutter Kim Smith den Harmonie-Gesang beisteuert. Ihr Sohn bringt damit seine Dankbarkeit zum Ausdruck, dass sie ihn in seinen musikalischen Ambitionen immer unterstütze. Neben dem schon erwähnten „How They Lie“ gehört „Try“ zu den herausstechenden Balladen auf dem Album. Daniel Sproul, der für die elektrischen Gitarren zuständig ist, setzt hier, wie bei den meisten anderen Stücken, sehr schöne Akzente.

Auf „Waterbill“ klingt Spouls Gitarre beinahe wie die John Fogertys. Gesanglich unterstützt wird Shahan bei dem lockeren Rocker von Bonnie Bishop im Background. Charlie Shafter ist im Hintergrund des eingängigen „Someone Someday“ zu hören. Die entspannte Einladung zum Tagträumen wurde als erste Single veröffentlicht. Während Red Shahan sonst alle Stücke allein geschrieben hat, arbeitete er hier mit Brent Cobb und Aaron Raitiere zusammen.

Etwas mehr Tempo nimmt „Enemy“ auf. Eine dunkle Atmosphäre wird durch die Bassläufe von Parker Morrow und die tiefe Gitarre geschaffen, die Shahan gerne bei seinen Songs einsetzt. Ebenfalls schön erdig ist „6 Feet“, das sich um das Schicksal eines Drogendealers dreht.

In seinen Texten beleuchtet Shahan die Schattenseiten in seinem Heimatstaat Texas. Seine Geschichten erzählen von gescheiterten Existenzen oder den Konflikten mit Großunternehmen, für die Menschen und Natur nebensächlich sind. Ein deutliches politisches Statement gibt Shahan auf „Revolution“ ab und verpackt es ein einen Rocksong mit härteren Gitarrenriffs.

Bei Red Shahan lohnt das Zuhören und das fällt bei den gefälligen Kompositionen nicht schwer. Dass das Konkurrenzmagazin Rolling Stone ihn in die aktuelle Liste der zehn neuen Country-Acts aufgenommen hat, die man kennen sollte, ist nicht unbegründet.

7013 Records/Thirty Tigers (2018)
Stil: Texas Country/Red Dirt

01. Waterbill
02. Enemy
03. 6 Feet
04. Culberson County
05. How They Lie
06. Roses
07. Someone Someday
08. Revolution
09. Idle Hands
10. Memphis
11. Hurricane
12. Try

Red Shahan
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Laura Cox Band – 23.03.2018, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Riesen-Zuschauerschlange vor dem Kulturbetrieb-Areal an der Neusser Landstraße! An diesem Abend gab es mit der Pop Rockband X Ambassadors und der Laura Cox Cox Band gleich zwei parallel angesetzte Veranstaltungen, in der, sowohl die ‚Die Kantine‘ und als auch den ‚Yard Club‘ beherbergenden Location.

Während der überwiegende Teil, einhergehend mit viel jungem ‚Gemüse‘, für die WDR 2-kompatible Combo aus New York angereist war, hatten sich für die, durch ihre Youtbe-Videos im Internet bekannt gewordene Französin und ihre Band, knappe 100 Leute, meist in unserer Altersklasse, im schnuckeligen Yard Club eingefunden.

Als die hübsche Fronterin (angenehmer Weise mal untättowiert, lediglich mit rotem Lippenstift als Kontrast zu ihrem hellen Hautteint, stilvolle äußerliche Akzente setzend) nach kurzem Instrumentalintro ihrer Mitstreiter, in schlichtem Jeans-Outfit die Bühne betrat, wurden mit dem fulminanten Opener „Hard Shot Blues“ direkt die Weichen für einen zünftig und hart abrockenden Abend gestellt.

Der Slogan auf dem Bühnen-Banner hinterm Schlagzeug unter ihrem Logo, ‚Southern Hard Blues‘, wurde in den folgenden gut 90 Minuten konsequent in die Tat umgesetzt.

Dabei setzten Laura und ihre Begleiter Mathieu Albiac, Antonin Guérin und der, für einige Gigs, Francois C. Delacoudre ersetzende Maxime Vaugon, auf einen gut gewählten Mix aus Tracks von ihrem aktuellen Debütwerk, bekannten Coverstücken wie „Foxy Lady“ von Hendrix und „Jumping Jack Flash“ von den Stones“ in einer 4.0-Version, sowie einigen brandneuen Sachen wie „Another Game“ (Laura mit Dobro), „River“ oder „Bad Luck Blues“, die auf dem, für Frühjahr 2019, geplanten neuen Album, platziert werden sollen.

Aus meiner Sicht stellten die Stücke, „Barefoot In The Countryside“, auf dem die Protagonistin, neben ihren vielen quirligen E-Gitarren-Soli, auch ihr variables Können auf dem Banjo bewies, das Southern-rockige „Good Old Days“ ( mit kleinem „Free Bird“-Gitarren-Intermezzo) als auch der launige Rausschmeißer „If You Wanna Get Loud (Come To The Show)“ mit integriertem „Whole Lotta Rosie“ als zweite Zugabe, die Höhepunkte in einer, von ungemeiner Spielfreude aller Beteiligten gezeichneten Vorstellung.

Fazit: Ein unterhaltsamer, richtig fett rockender Abend mit einer spürbar noch hungrigen jungen und mit viel Talent gesegneten zierlichen Künstlerin (übrigens auch sehr sympathisch, wie sich am Merchandising-Stand herausstellte) samt ihrer Band, der eine rosige Zukunft bevor stehen könnte. Und so haben Gernot und ich eigentlich auch nur zufriedene Gesichter den Yard Club verlassen sehen, die Ihr Kommen nicht bereut hatten und sicherlich auch beim nächsten Mal wieder dabei sein werden. In diesem Sinne – À bientôt, Laura!

Vielen dank an Yard Club-Chef Marcus Neu für die gewohnt unkomplizierte und nette Aufnahme.

Line-up:
Laura Cox (lead vocals, guitars)
Mathieu Albiac (electric guitar, vocals)
Maxime Vaugon (bass, vocals)
Antonin Guérin (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Laura Cox Band
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Yard Club Köln

Ben Rogers – The Bloodred Yonder – CD-Review

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Review: Michael Segets

Das dritte Album von Ben Rogers steht in den Startlöchern. Vor dessen Veröffentlichung geht der Kanadier aber mit seinem Album „The Bloodred Yonder“ auf Tour. Im April und Juni gibt er fast zwanzig Konzerte in Deutschland. Das ist ein guter Grund, sein noch aktuelles Album aus dem Jahr 2015 zu würdigen.

Das Debüt „Lost Stories: Volume I“ (2013) fand begeisterte Aufnahme bei den Kritikern und der Nachfolger „The Bloodred Yonder“ wurde für den Juno Award, ein kanadischer Musikpreis, nominiert. Produziert hat das Album Bens älterer Bruder Matthew Rogers, mit dessen Band The Harpoonist & The Axe Murderer Ben schon einige Male zusammen gearbeitet hat.

Ben Rogers hat sich live schon einige Sporen verdient, so spielte er beispielsweise vor Dwight Yoakam oder Dustin Bentall. „The Bloodred Yonder“ eignet sich nicht nur zur Einstimmung auf die bevorstehende Tour, sondern ist ein hörenswertes Country-Album. Die klasse Stimme sowie das Songwriting von Roberts, der sich an traditionellen Elementen orientiert und diese in eigener Weise verarbeitet, zeichnen es aus.

Der Country-Song „Wild Roses“ entwickelt im oberen Midtempo einen dezenten Twang, der genau das richtige Maß trifft. Rogers tiefe Stimme ist angenehm weich und wird mit der Pedal-Steel von Matt Kelly untermalt. Das anschließende „Wanted“ weckt vom Titel und vom Aufbau des Textes Assoziationen an den Klassiker „Wanted Man“. Eine Bar-Piano-Einlage, ein E-Gitarren-Solo und gelegentliche Kicks in der Stimme bringen Abwechslung in den Track. Beide Stücke erfinden den Country nicht neu, stellen aber sehr gelungene Genrebeiträge dar, die durchaus frisch wirken. Gleiches gilt für „Panhandler“, dem schnellsten Stück auf dem Longplayer.

Danach nimmt Rogers das Tempo mit „Goodbye Rosalie“ und „Sinners“ heraus. Viel Slide erzeugt eine sentimentale Stimmung. Die Balladen werden von Ben Rogers Stimme, die mal samtig, mal rau klingt, vor dem Abgleiten in den Kitsch bewahrt. Nach einem Orgelintro setzt das Schlagzeug ein, das dem Track „River“ deutlich mehr Schwung gibt, als ihn die beiden vorangegangenen Stücke aufweisen. Ein schepperndes Gitarrensolo bildet den krönenden Abschluss des Songs.

Gute Laune versprüht „Don’t Buy Me Roses“, mit dem die CD wieder Tempo aufnimmt. Die Orgel quietscht wie auf einer Kirmes und der Refrain geht direkt ins Ohr. Auf Konzerten lädt die Nummer sicher zum Tanzen ein. Zum Schunkeln und Mitsingen eignet sich das einprägsame „The More I Learn“, bei dem Rogers locker über die üblichen Country-Pfaden rollt. Obwohl die Melodie harmlos und gefällig daherkommt, weist der Text eine gehörige Prise bissigen Humors auf.

Eingängig ist auch „Living Without You“. Eine dunkle Gitarre prägt das Stück, das unaufgeregt ein mittleres Tempo beibehält. In kurzen Passagen ähnelt Rogers´ Intonation der von Bob Dylan, wenn dieser in eine tiefere Stimmlage geht.

Zum Abschluss des Werks setzt Ben Rogers nochmal auf eine Ballade. Anfänglich sehr reduziert begleitet, singt Rogers besonders tief und beinahe sanft. Gegen Ende steigert sich die Instrumentalisierung von „Darling Please“. Insgesamt hätte auf diesem und einigen anderen Titeln die Dominanz der Pedal-Steel- und Slide-Effekte etwas verringert werden können.

Rogers sollte auf seine Stimme vertrauen, die viel Atmosphäre transportiert, und könnte daher zurückhaltender mit dem Wimmern der Instrumente umgehen. Dass dies funktioniert, verdeutlicht die neueste Single „The Highway Of Tears“, die sich vermutlich auf dem kommenden Longplayer finden wird.

Canada FACTOR/Greywood Records (2015)
Stil: Country

01. Wild Roses
02. Wanted
03. Panhandler
04. Goodbye Rosa Lee
05. Sinners
06. River
07. Don’t Buy Me Roses
08. More Than I Learn
09. Living Without You
10. Darling Please

Ben Rogers
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Greywood Records Promotion

Soul Return – Same – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Soul Return“ ist das erste Album der gleichnamigen kalifornischen Band, bestehend aus der Sängerin und Mundharmonikaspielerin Kellie Rucker, dem Slide-Gitarristen JJ Holiday und dem Drummer Michael Barsimanto. Alle drei haben in der Vergangenheit, jeder für sich, bereits mit zahlreichen Größen aus dem Musikbusiness, wie zum Beispiel Bruce Springsteen, Bob Dylan, Keith Richards oder Andy Taylor zusammengearbeitet. Ergänzt werden die drei auf der CD durch den Bassisten Keith Karman.

Herausgekommen ist ein Album ganz in der musikalischen Tradition von Grateful Dead, Janis Joplin und Curtis Mayfield oder Howlin’ Wolf. Es ist die Rückkehr des California Soul, funky, groovy und teilweise auch ein wenig psychedelisch. Beherrscht wird das Werk von Kellie Ruckers prägnanter, rauer Stimme, die irgendwie an die Sangeskünste von Janis Joplin, mit Einflüssen von Macy Gray, erinnert, sowie dem einzigartigen rhythmischen Gitarrenspiel von JJ Holiday.

Gleich zu Beginn groovt es kraftvoll und mächtig mit „You’re Leavin‘ Me“. der Opener besticht direkt durch einen satten Bass, gepaart mit einem flotten Funk-Rhythmus und einem eingängigen Gitarrenriff im Refrain. Treibend geht es auch dann beim tranceartigen, zum Tanzen einladenden, „In The Meantime“ weiter. Der nächste Song „Life Of Crime“ ist ein fröhliches, eingängiges Soulstück mit schönen Einlagen von JJ Holiday an der Slidegitarre und Kellie Rucker an der Mundharmonika, die auch in „FYL“ einmal mehr ihre Qualitäten als Shouterin unter Beweis stellt.

Ihre an Janis Joplin erinnernde Stimme beherrscht ebenfalls das nachfolgende Stück „Only Love Can Save Us Now‘, ein schöner Country-angehauchter Blues, bei dem JJ Holiday erneut zeigt, was er an der Slidegitarre drauf hat. „Va Va Voom“ wiederum rockt so richtig, auch hier legt sich Kellie Rucker stimmlich wieder mächtig ins Zeug und lässt zwischendurch immer wieder Ihre Harp aufblitzen. Das fröhlich swingende „In America“ erinnert stilistisch stark an Songs von Lou Reed.

Die erste Verschnaufpause gibt es dann mit „Kiss Me“, ein Leidenschaft versprühendes, sinnliches Stück mit psychedelischem Mittelteil, in dem Kellies Stimme so verführerisch wie sonst nirgends auf der CD klingt. Das folgende „Throwin‘ And Fumblin’“ ist eine gelungene Interpretation des ähnlich lautenden Traditional „Rollin‘ And Tumblin’“ von Hambone Willie Newbern. In ruhigere Gewässer steuert die CD dann mit dem bluesig-melodiösen Stück „Had We Not“, das mit seinen Southern-Anleihen zum Träumen und Relaxen einlädt.

Auf das rhythmisch funkige „Talk To Me“ folgt dann als Abschluss der CD die einfühlsame Bluesballade „If These Walls Could Talk“, die Janis Joplin nicht besser hätte intonieren können und ihren Abschluss in einem vor Verzweifelung schreienden Gitarrenjam findet.

Insgesamt ist das Debüt von Soul Return eine wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen herausragende Scheibe, die von Anfang bis Ende einfach nur Spaß macht und die auch nach dem x-ten mal Hören nicht langweilig wird. Also, eine absolute Kaufempfehlung mit 5 Sternen.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. You’re Leavin‘ Me
02. In The Meantime
03. Life Of Crime
04. FYI
05. Only Love Can Save Us Now
06. Va Va Voom
07. In America
08. Kiss Me
09. Throwin‘ And Fumblin‘
10. Had We Not
11. Talk To Me
12. If These Walls Could Talk

Soul Return
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

The Kris Barras Band – The Divine and Dirty – CD-Review

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Mit Kris Barras vereint mich eine ähnliche Vita. Wir beide haben lange Zeit auf relativ hohem Niveau Sport getrieben, bis wir für uns die Musik als tiefergründigere Beschäftigung entdeckten.

Während meine Wenigkeit fast 30 Jahre einen kleinen weißen Zellouloidball, oftmals gegen die Größen der europäischen und asiatischen Spitzenklasse, über die Platte jagte und sich danach der inhaltlichen und schriftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Rock-Musik widmete, verdiente Kris zunächst seine Brötchen auf eher schmerzhafte Weise als Mixed-Material-Arts-Profi (da traktieren sich, zur Freude einer gaffenden Meute, Leute im Ring, mit Schlägen und Tritten, bis zum Teil der Arzt kommt…), bevor er sich ab 2014 schwerpunktmäßig seinen weiteren Passionen, dem Gitarre spielen, Singen und Komponieren zuwendete.

Nach zunächst einer EP und CD in Eigenregie hat Kris jetzt für sein Album „The Devine And Dirty“ mit der Mascot Label Group einen potenten Partner gefunden und befindet sich jetzt plötzlich in bester Gesellschaft mit Größen wie Walter Trout, Joe Bonamassa, Kenny Wayne Sheperd & Co.

Der mit heroischen ‚Ohohoh‘-Gesängen durchzogene straight rockende Opener „Kick Me Down“ würde perfekt zum Einmarsch in den Kampf-Ring passen, wie man es von größeren medialen Events, wie z. B. beim Boxen, her kennt. Beim, mit Acapella-artigen Gesängen bestückten „Hail Mary„, wie auch u. a.  bei „Lovers Or Losers“ („Dead Or Alive“-Flair“) sowie „Hold On For Tomorrow“, kommen, aufgrund ähnlicher Stimmlage, Assoziationen zu Bon Jovi in den Sinn (allerdings zu deren richtig guten Zeiten).

Freude bereitet immer wieder Kris‘ Hang zu Southern Rock-artigen E-Gitarren-Hooks,-Riffs und -Soli (der Bursche kann wirklich toll in die Saiten greifen), unterstützt von Josiah J. Manning mit seinem überragenden Piano- und Orgelspiel (viel herrliches Geklimper und Gegurgel), in dessen Studio in Plymouth, die Platte auch aufgenommen wurde.  Elliott Blackler (bass) und Will Beavis (drums) als Rhythmusfraktion vervollständigen das agile Quartett. Auch Freunde von weiblichen Backgroundgesängen (wie ich)  kommen auf diesem Werk bei so manchen Tracks voll auf ihre Kosten.

Beste Beispiele sind hier das knarzig mit Slide stampfende „I Don’t Owe Nobody Nothing“ als auch die Black Crowes-umwehten „She’s More Than Enough“ und „Stitch Me Up“ (klasse HT-Piano von Manning). Eines meiner absoluten Lieblingsstücke ist das cool und doch recht explosiv groovende „Propane“ (inkl. schönem E-Gitarren-Solo), das in Richtung britischer Blues Rock-Kollegen wie Ben Poole oder King King eingestuft werden kann.

Das Melodic Rock-artige, im Survivor-/Toto-Gewand stampfende „Blood On Your Hands“ passt erneut gut zu Barras‘ martialischem Kämpfernaturell, gefolgt vom grandiosen, in progressiver Pink Floyd-Manier gebrachten, grandiosen „Watching Over Me“ (hier ziehen alle Beteiligten nochmal sämtliche Register), bilden den Abschluss eines durchgehend kurzweiligen und abwechslungsreichen starken Longplayers.

Klasse finde ich auch das Coverfoto, wo der rauschebärtige Protagonist zur einen Hälfte skelettiert und zur anderen in seinem drahtig tätowierten realen Erscheinungsbild abgelichtet ist.

In Anbetracht dieses tollen Albums „The Divine and Dirty“ der Kris Barras Band, das sicherlich am Ende mit zu den absoluten Highlights des Jahres zählen wird, kann man den Protagonisten nur zu seinem Entschluss beglückwünschen, den musikalischen Weg eingeschlagen zu haben.

Hier ist viel kreatives und starkes spielerisches Potential vorhanden, das nach intensiver Fortführung nahezu schreit. Und irgendwo sind auf Dauer ein paar verhornte Fingerkuppen und strapazierte Stimmbänder doch sicherlich etwas angenehmer als sich ständig ’ne blutende Nase abzuholen, oder? Ok Kris, der Schlauberger der schreibenden Zunft hält jetzt besser seine Klappe. Ich weiß, noch so’n Spruch – Kieferbruch…!

Mascot Label Group/Provogue (2018)
Stil: (Southern) Rock

01. Kick Me Down
02. Hail Mary
03. I Don’t Owe Nobody Nothing
04. Propane
05. Wrong Place, Wrong Time
06. Lovers Or Losers
07. She’s More Than Enough
08. Stitch Me Up
09. Hold On For Tomorrow
10. Blood On Your Hands
11. Watching Over Me

The Kris Barras Band
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Jordan Davis – Home State – CD-Review

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Rein optisch hätte ich bei Jordan Davis mit seinem opulenten Rauschebart auf eine Mucke fernab jeden Mainstreams getippt. Die meisten Typen mit ähnlichem Erscheinungsbild, die ich in letzter Zeit, musikalisch unter die Lupe genommen habe, bewegten sich meist in irgendwelchen Insider-Sphären zwischen zünftigen Honkytonk Country-, Roots- und Southern Rock.

Gut, wir haben es hier mit einem Debüt auf einem Major-Label tun, wo eigentlich immer ein größeres Publikum als Adressat im Fokus steht. Vielleicht geht es daher ja eventuell in Richtung Chris Stapleton, war der zweite Gedanke, aber die Parfüm-Fotografie-ähnliche Aufmachung des Coverbildes hegte die ersten Zweifel. Und in der Tat, mit Jordan Davis haben wir es mit einem Neuling zu tun, der sich dem massenkompatiblen Country Pop verschrieben hat, wobei das ‚Country‘ eher marginalen Charakter aufweist (etwas Mandoline, Banjo, aber kaum wahrnehmbar).

Der aus einer, wie so oft, musikbegeisterten Familie (sein Onkel hat Songs für keinen geringeren als Tracy Lawrence geschrieben) stammende Künstler aus Louisiana, hat nun mal einfach eine, eher dem Pop und R&B zuträgliche Stimme. Warum sollte man solche Fakten dann einfach ignorieren? Trotzdem ist „Home State“ ein tolles Album geworden!

Ich mag es  eigentlich immer, wenn die Protagonisten auch kompositorisch stark involviert sind, was hier der Fall ist. Davis hat alle Tracks mitgeschrieben zum Teil mit Leuten, die man nicht so oft in den Credits findet (u. a. Ben Daniel, Pawel Dovgalyuk, Steven Dale Jones, Justin Ebach, Jamie Paulin), aber auch mit arrivierten Songwritern wie Blair Daly, Jeff Middleton, Scooter Carouso oder Jonathan Singleton, die einem alle Nase lang bei Nashville-Veröffentlichungen über den Weg laufen.

Schon mit dem Opener „Take It From Me“ lässt sich Davis‘ Händchen für feine Hooks, Melodien und eingängige Refrains ausmachen. Bestes Beispiel ist „Singles You Up„, ein Song, dem man sofort anmerkt, dass er Hitcharakter in sich trägt und auch prompt unter den ersten 15 der Billboard-Charts landete. Weitere Kandidaten sind vielleicht Stücke wie „Selfish“, „So I Do“ oder das, wie für Tim McGraw geschaffene „Dreamed You Did“. Im Prinzip haben die Entscheidungsträger hier durchgehend die Qual der Wahl .

Produziert hat Paul di Giovanni, Gitarrist von Boys Like Girls, der in Nashville als Schreiber von Dan+Shays  No.1-Hit „How Not To“ bisher von sich Reden machte. Den Löwenanteil am Gelingen des Werkes aber haben die involvierten Nashville Star-Musiker wie Ilya Toshinsky, Tony Lucido, Bryan Sutton, Nir Z & Co., aber auch di Giovanni und Derek Wells sorgen mit ihren auf den Punkt gebrachten, filigranen E-Gitarren-Soli (in fast allen Liedern) für das Salz in der Suppe.

Deshalb ist „Home State“ eine flockige, launige Scheibe geworden, die ideal für die kommenden wärmeren Tage geeignet ist. Im Prinzip zwar mehr auf die weibliche Klientel zugeschnitten oder für Leute aus unserer Kundschaft, die ab und zu mal zwischendurch für unkomplizierte, aber gut gemachte Musik offen sind (wie gesagt, in fast jedem Stück ist ein E-Gitarren-Solo präsent). Wer mit Interpreten wie David Nail, Brett Young, Canaan Smith, Sam Hunt oder besagten Dan+Shay etwas anfangen kann, wird ganz sicher auch bei Jordan Davis seine Freude haben. Der Rolling Stone deklarierte ihn übrigens als ‚Artist You Need To Know‘.

MCA Nashville (2018)
Stil: New Country Pop

01. Take It From Me
02. Goin‘ Round
03. More Than I Know
04. Slow Dance In A Parking Lot
05. Singles You Up
06. Sundowners
07. Tough To Tie Down
08. Selfish
09. Made That Way
10. So I Do
11. Dreamed You Did
12. Leaving New Orleans

Jordan Davis
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Universal Music

Band Of Friends – 17.03.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Wenn sich die Band Of Friends im Schwarzen Adler zu Vierbaum angesagt hat, ist für sämtliche Beteiligte eigentlich schon vorab klar, dass ein schweißtreibender Abend garantiert ist. Und dass Schwitzen gesund ist und bei den fast meisten Dingen auch Spaß macht, ist ja allseits bekannt, die Musik um das Energiebündel Gerry McAvoy, der nimmer müde zu sein scheint, dass Erbe seines verstorbenen Kumpels Rory Gallagher aufrecht zu erhalten, gehört zweifelsfrei dazu.

Im Vergleich zum Konzert an gleicher Stelle vor gut zehn Monaten ersetzte diesmal Brendan O’Neill, den sich zur Zeit mit Michael Schenker auf seiner USA-Tournee befindlichen Ted McKenna. Dem aus Belfast stammenden Nordiren, der ja ebenfalls lange bei Gallagher getrommelt hat und auch für seine Mitwirkung bei namhaften Interpreten wie Nine Below Zero, Alvin Lee, Allanah Myles, Sting, ZZ Top oder Joe Cocker bekannt ist, fiel die Integration demnach nicht schwer. Er erledigte seinen Job naturgemäß wie aus einem Guss.

Der wieder aus zwei Sets bestehende Gig brachte gegenüber 2017 wenig neues, hier gilt es vornehmlich den Moment zu leben und zu genießen. „The Man I Am“, „The Last Of The Independance“, „Shin Kicker“ (Marcel mit kurz angedeuteter Chuck Berry-Einlage), „Follow Me“ (dezente ABB-Note in Scherpezeels Solo), das erneut sensationell gespielte „Do You Read Me“ wieder mit ‚Leisespiel‘-Bridge (diesmal mit kleinen Scharmützeln zwischen beiden Frontern), das straight rockende „Moonchild‘, „Key Train“ (laut Gerry erst zum 3. Mal live performt) und das melodische „Homeland“ (McAvoy diesmal am Frontmikro, Marcel mit starken Harmoniegesängen) sorgten schon für einen kurzweiligen und gewohnt temperamentvollen Part 1.

Nach gut zwanzig-minütiger Pause ging es mit „Double Vision“ in der ‚Best Of Rory Gallagher‘-Show weiter. „Bought And Sold“, das von Gerry den weiteren verstorbenen Blues Rock-Größen wie Gary Moore, Alvin Lee & Co. gewidmete „A Million Miles Away“, „Philby“ (mit den begleiteten obligatorischen ‚Yeah, Yeah, Yeah‘- Gesängen), das feurige „Tattoo’d Lady“, „Bad Penny“ (mit Tanzeinlage samt Dame aus dem Publikum) und das famose „Shadow Play“ komplettierten die mittlerweile ins Kochen geratene, stimmungsvolle Band Of Friends-Party (natürlich von McAvoy wieder bis zum Anschlag gepusht).

Mit den, von der Audienz weitergeführten ‚Oohohoh‘-Gesängen vom „Shadow Play“-Ende, wurden die Akteure für zwei Slide-trächtige Zugaben (Scherpenzeel spielte jetzt eine Telecaster) aus den Katakomben des Adlers wieder hervorgelockt, wobei der wie immer zelebrierte „Bullfrog Blues“ den krönenden Abschluss bildete. Nicht nur Marcels und Gerrys Hemden (selbst nach Wechsel in der Pause) waren zu diesem Zeitpunkt klatsch nass gepowert.

Wie schon anfangs erwähnt, es ist halt so ’ne schweißtreibende Angelegenheit,  mit dieser Band Of Friends…

Line-up:
Marcel Scherpenzeel (lead vocals, electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Brendan O’Neill (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Band Of Friends
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Schwarzer Adler

Patricia Vonne – Top Of The Mountain – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die multikulturellen Wurzeln Patricia Vonnes spiegeln sich abermals auf „Top Of The Mountain”, ihrem achten Album seit 2003, wider. Aufgewachsen in San Antonio und mittlerweile in Austin lebend integriert Vonne ein breites Spektrum an Musikstilen, die in der Grenzregion der Vereinigten Staaten und Mexikos lebendig sind.

Der Longplayer ist dementsprechend abwechslungsreich. Neben den unterschiedlichen Musikrichtungen tragen eine variable Instrumentalisierung und die Unterstützung – vor allem beim Songwriting – von prominenten Musikern zu einem kurzweiligen Ausflug nach Texas bei. Die überwiegende Anzahl der Titel ist dabei im Roots Rock zu verorten.

Patrica Vonne ist ihr bislang reifstes Album gelungen. Einen großen Anteil daran hat Rick Del Castillo, der mit zwei Ausnahmen alle Songs produzierte und Vonne dazu bewegte, in einer tieferen Stimmlage zu singen. Dies vermeidet den schrillen Cowgirl-Pop-Eindruck, der einigen Titeln ihrer bisherigen Veröffentlichungen anhaftete. In den drei spanischen Liedern zeigt Vonne ihre Verbundenheit mit dem lateinamerikanischen Erbe ihrer musikalischen Sozialisation.

Der Walzer „Cancion De La Boda” – mit Akkordeon und Geige begleitet sowie anfangs mit dem Knistern einer alten Schallplatte unterlegt – erweckt den Anschein, als stamme er aus einer früheren Zeit. „Madre De Perla” widmet Vonne ihrer Mutter. Passend zu dem Flamenco-Feeling klappert Vonne mit den Kastagnetten. Ihre bevorzugten Instrumente setzt sie auch auf „Illuminaria“ ein.

Michael Ramos produzierte das Tejano-Stück mit der Folge, dass Vonnes Gesang höher als auf den anderen Titeln ausfällt. Wenn man wenig mit den deutlichen mexikanisch-spanischen Stileinflüssen anfangen kann, bleiben immer noch zehn hörenswerte Tracks.

Allen voran steht das Duett mit Joe King Carrasco „Lil´ Lobo“. Vonne und ihr Partner heulen sich unterstützt von krachenden Gitarren die Seele aus dem Leib. Der Vergleich mit den anderen Wölfen von Los Lobos drängt sich bei dem Tex-Mex „Graceland Trip“ auf. Hier zeigt Vonne, dass sie auch ohne fremde Unterstützung treibende Rocksongs schreiben kann. Dennoch zahlt sich bei „City Is Alive“ die Zusammenarbeit mit der New Yorker Rockgröße Willie Nile aus. Neben der Nummer mit härteren Gitarren-Riffs findet sich mit „Lekker Ding“ ein lockerer Old-School-Rock-n-Roll auf der Scheibe.

Von den schnelleren Stücken fällt einzig der Opener „Citatel“ durch die Dramatik im Gesang etwas ab. Bei dem von Alejandro Escovedo mitgeschriebenen „Tidal Wave“ passt das Pathos hingegen besser.

Mit akustischen Gitarren und Geige widmet sich Vonne auf dem titelgebenden „Top Of The Mountain“ dem Country. Die windumwehte und staubige Landschaft eines Westernfilms kommt bei „Western Blood“ unwillkürlich in den Sinn. Patricia Vonne lässt ihre E-Gitarre auf dem mit Steven Medina Hufsteter von den Cruzados komponierten Instrumentalstück melodiös klirren.

Den regulären Abschluss des Albums bildet die kraft- und gefühlvolle Ballade „God´s Hand“. Vonnes Stimme wird hier nur von einem Klavier begleitet. Als Bonustrack gibt es noch die weitere Ballade „Stop The Madness“, die für eine texanische Organisation gegen häusliche Gewalt verfasst ist. Ihr soziales Engagement und ihr Einsatz für Frauenrechte brachte Vonne schon bei den früheren Titeln „Missing Women“ beziehungsweise „Mujeres Desaparecidas“ zum Ausdruck.

Auf ihrer neuen CD „Top Of The Mountain“ hat Patricia Vonne Pop-Elemente zugunsten eines erdigeren Sounds aufgegeben, was den Freunden von Sounds Of South gefallen wird. Vonne tourt in den nächsten Monaten ausgiebig durch Deutschland und präsentiert ihr neues Werk live. Da man den Berichten von Daniel Glauben schenken kann, lohnt ein Konzertbesuch auf alle Fälle.

MIG (2018)
Stil: Rock / Americana

01. Citadel
02. City Is Alive
03. Illuminaria
04. Top Of The Mountain
05. Lil‘ Lobo
06. Madre De Perla
07. Tidal Wave
08. Graceland Trip
09. Western Blood
10. Cancion De La Boda
11. Lekker Ding
12. God’s Hands
13. Stop The Madness

Patricia Vonne
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M. i. G.-Music
Indigo Musikproduktion + Vertrieb

John Illsley – 15.03.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Das war doch mal eine dicke Überraschung! Als Gernot und ich uns, aus rein nostalgischen Gründen, auf den Weg ins schmucke Musiktheater Piano in Dortmund gemacht hatten, war die Erwartungshaltung bezüglich des anstehenden John Illsley-Konzerts, relativ entspannt, was da wohl auf uns zukommen würde.

Dire Straits, bei denen John ja mit die treibende Kraft neben Mark Knopfler war, haben uns natürlich seit frühster Jugend auf unserem musikalischen Weg begleitet (ihr Debüt kam damals bei meinen LP-Käufen so ziemlich direkt nach der ‚Grundausstattung‘ mit Lynyrd Skynyrd– und Allman Brothers-Scheiben). Wir beide hatten die Briten allerdings nie live erlebt und freuten uns einfach mal, die Songs auf der Bühne leibhaftig präsentiert zu bekommen.

Da Illsley natürlich mit Leuten wie Robbie McIntosh (die McCartneys, Norah Jones, John Mayer), Paul Stacey (Oasis, The Black Crowes), Steve Smith (Robert Plant, Pete Townshend) und Stuart Ross (Mark Owen/Take That, Nik Kershaw), ein Line-up der Extraklasse um sich versammelt hat, war ein schöner Abend auf entsprechend hohem Niveau eigentlich vorprogrammiert.

Pünktlich um kurz nach 20:00 Uhr trat der Protagonist mit seiner charismatisch-sympathischen Erscheinung samt Begleitschaft vor ein dicht gefülltes Auditorium. Von Beginn an, als Steve Smith direkt die Kirmesorgel-Hook zum Opener „Walk Of Life“ ertönen ließ und die Band den Song in ein unterschwellig  countryesk rockendes Gewand geschmückt hatte, war eine angenehm  fröhliche und herzliche, ja, regelrecht begeisterte Stimmung im Saale präsent, die den, in zwei Sets gesplitteten Auftritt, bis zur letzten Zugabe umwehen sollte.

Illsley verstand es blendend, einen unterhaltsamen Mix aus Klassikern (u. a. „Private Investigations“, Romeo And Juliet“, „Sultans Of Swing“, „Calling Elvis“, „Tunnel Of Love“) und  ausnahmslos starken Kreationen aus dem eigenen Fundus (das slide-trächtige „Run For Cover“, „Testing The Water“ mit „Great Gig In The Sky-mäßiger Gesangseinlage von Hannah Robinson, das stoneske „Long Shadow“) in Szene zu setzen, was dem Gig, nicht nur der Unvorhersehbarkeit wegen, spürbar gut tat.

Der Hammer war natürlich besonders das Wirken der beiden Lead-Gitarristen McIntosh und Stacey, sei es individuell, als auch im Zusammenspiel. Ein Gedicht, wie sie die typischen Stratocaster-Klänge produzierten, aber auch immer wieder mit anderen Gitarren Akzente setzten (Robbie zum Beispiel mit Slide auf einer Resonator-Gitarre. Stacey ließ es vor allem in der ‚Gibson Les Paul-Phase‘ („Long Shadow“, „Money For Nothing“ mit den berühmten Kanon-Gesängen gegen Ende) in Set 2 mörderisch raunzen und knarzen.

Auch die vielseitige Gastsängerin Hannah Robinson war nicht nur ein optischer Blickfang, sondern brachte mit ihren weiblichen Harmoniegesängen eine differnzierte Note in die Stücke, besonders was die altbekannten Straits-Sachen anbelangte. Leader John Illsley führte ohne den auf sich selbst fokussierten Leader zu geben, sang vielleicht nicht ganz mit der Markanz in der Stimme eines Mark Knopflers, aber sehr solide, und beackerte seinen Bass noch nach guter alter Zupfart.

Im Zugabenteil gab es mit „Brothers In Arms“, „The Bug“ („Lay Down Sally-Flair“-Flair) und dem überragenden „Where Do You Think You’re Going“ (was für ein grandioses E-Gitarrenfinish von Mc Intosh und Stacey – ich musste mir fast Tränen der Begeisterung wegdrücken) nochmals das volle Dire Straits-Brett.

Nach der Show erfüllte John, in britischer Gentleman-Manier, stoisch sämtliche Autogrammwünsche, bis der letzte Besucher zufrieden gestellt war, durfte sich über viele Tonträger-Käufe freuen und nahm sich auch noch Zeit für ein Bild mit unserem Logo.

Fazit: Ein herrlicher Abend mit John Illsley und Band, der bereits jetzt auf meinem Notizzettel als großes Highlight des Jahres notiert ist. Wer  noch mit dem Gedanken spielt, eines der verbleibenden Konzerte bei uns zu besuchen, sollte nicht zögern, die Hufe zu schwingen. Famose musikalische Unterhaltung ist garantiert. Danke an Jenny Dore  für die, wie immer, freundliche Aufnahme im Piano.

Line-up:
John Illsley (lead vocals, bass)
Robbie McIntosh (electric guitars, vocals)
Paul Stacey (electric guitars)
Steve Smith (keys, vocals)
Stuart Ross (drums)
Hannah Robinson (vocals, acoustic guitar, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

John Illsley
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