Marc Broussard – Support: Batomae – 12.10.2018, Pitcher, Düsseldorf – Konzertbericht

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Es war unser aller erster Besuch im Pitcher in Düsseldorf, daraus resultierend ergab sich in dem dicht besiedelten Stadtteil Oberbilk für uns eine recht schwierige Parkplatzsuche, die wir dann aber mit etwas Glück noch in einigermaßen erträglicher Distanz zum Ort des Geschehens lösen konnten.

Dadurch bedingt verpassten wir allerdings die Anfangsminuten des Voracts Batomae, an diesem Abend mit David Müller (ehemaliger Luxuslärm-Bassist) und seinem Bruder Florian im Duo agierend. Die (Indie-) Deutsch-Pop-Szene der Marke Clueso, Benzko, Annen May Kantereit & Co. erfreut sich ja gerade bei jungen Leuten immer größer werdender Beliebtheit und vermutlich auch das Hinterlassen der Visitenkarte von Marc Broussard an gleicher Stelle vor drei Jahren, werden dazu beigetragen haben, dass diese ungewöhnliche Mischung, mit nahezu 150 Leuten, für ein ausverkauftes Haus sorgte.

Die beiden Müllers boten dann auch den Stoff, den ich so aus der Szene vom Radio her kenne, falls ich mal meinen USB-Stick vergessen habe. Melodische Lieder, mit teilweise hintergründigen Texten und Botschaften, wobei in diesem Fall bei „Schweigen Ändert Nichts“ und „Unvergleichlich“, die Beziehung des Protagonisten David zu seiner Managerin Jana Crämer, die an einer Essstörung namens Binge Eating leidet, eines der Songthemen darstellte.

In einer kurzweiligen knappen Dreiviertelstunde boten die beiden noch weitere Stücke wie u. a. „Kein Wort“, „In Gedanken“ oder „Urlaub“ und wurden mit viel Applaus verabschiedet.

Während der recht zügigen Umbaupause hatten wir uns in dem langen ‚Schlauch‘ nach vorne durchkämpfen können, um dem Hauptanliegen unseres Besuchs, Marc Broussard, dann quasi ‚Auge in Auge‘ gegenüberzustehen. Der hatte ja vor kurzem wieder eine schöne, natürlich auch von uns beleuchtete CD namens „Easy To Love“ mit dabei, aus der der melancholische Opener „Leave The Light On“ auch hier zur Einstimmung genutzt wurde.

Nach dem ebenfalls noch recht ruhigen „Wounded Hearts“, offerierte der Louisiana-Musiker, erstmals standesgemäß seine Soul- und Groove-Qualitäten in Verbindung mit seiner grandiosen Stimme, mit den drei in einander überlaufenden Tracks „Try Me“, „Fire In The Bayou“ und „Love And Happiness“, wobei Joe Stark, seinem Nachnamen mit tollen E-Gitarrensoli, alle Ehre erwies.

Schon früh zeigten sich auch die Qualitäten aller beteiligten Musiker in den perfekt sitzenden Harmoniegesängen (auch beim folgenden „Memory Of You“), die sich wie ein roter Faden durch das (zur großen Fotografenfreude von SoS-Kollege Gernot…) fast durchgehend in rote Scheinwerferlichter gehüllte Pitcher zogen.

Bärenstark war dann auch das tolle Titelstück des neuen Longplayers „Easy To Love“ und mein absoluter Favorit des Silberlings als auch des Abends, das wunderbare Frankie Miller-Cover „Baton Rouge“, auf das ich mich besonders gefreut hatte.

Nach einem Medley mit der Einbindung von Klassikern wie u. a. „Sex Machine“, ging es mit dem fett gerockten „Dyin‘ Man“ (zwei klasse Soli von Joe Stark) schon in die Schlussphase, die nach, wie schon zuvor, vier gereichten ‚Jack Daniels Shots‘, mit dem abwechslungsreichen „Home“ und dem Solomon Burke-Cover „Cry To Me“, großen Anklang im Publikum fand.

Ohne Zugabe wollte Marc dann doch nicht von der Bühne weichen und schloss mit einer Solovorstellung von „Send Me A Sign“ den Kreis der Präsentation seiner neuen Scheibe. Ich persönlich hätte zwar gerne auch noch Stücke wie „Lonely Night In Georgia“ oder das countrylastige „When It’s Good“ mal gehört, aber man ja nicht alles haben.

Nach dem Gig waren dann alle Musiker draußen vor der Kneipe für die obligatorischen Smalltalks, Autogramme und Bilder zur Stelle, wobei Marc und ’seine‘ Mitstreiter, als auch David Müller, sich als sehr sympathische Personen entpuppten. Klar war somit, dass dann alle noch für unser Foto für die VIP-Galerie posierten.

Eine absolut gelungene Vorstellung. Trotz viel toller Musik, so gut wie keine Längen, hat richtig Spaß gemacht. Danke an das Pitcher-Team und Maren Kumpe von Musik Matters für den perfekt organisierten Abend.

Line-up Batomae:
David Müller (lead vocals, acoustic guitar)
Florian Müller (electric guitar, vocals)

Line-up Marc Broussard:
Marc Broussard (lead vocals, electric guitar)
Chad Gilmore (drums, vocals)
David Raymond jr. (bass, vocals)
Joe Stark (electric lead guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Marc Broussard
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Pitcher Düsseldorf
Music Matters

Rachel Wise – Southern Life – CD-Review

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Ich muss in der Tat doch ein wenig überlegen, welche Southern Rock-Acts durch weibliche Personen dominiert werden. Spontan fallen mir da eigentlich nur Damen wie natürlich Dale Krantz-Rossington (Rossington Collins Band, Rossington), Carol Chase (solo) oder Susan Marshall (vor vielen Jahren bei The Motherstation) ein, alles Backgroundsängerinnen aus dem Lynyrd Skynyrd-Dunstkreis, die dann auch mal in eigener Sache etwas Werbung betreiben konnten.

Die meisten wie u. a. Gretchen Wilson, Stacie Collins & Co., die man im weitesten Sinne vielleicht dem Genre noch wage zuordnen kann, haben aber eher dann doch den Blick schwerpunktmäßig in Richtung Nashville gerichtet. Viele talentierte Damen suchen ihr Glück meist auch in der zeitgenössischen Blues Rock-Sparte.

Zu eine der wenigen Ausnahmen, die ihren Fokus tatsächlich auf unsere beliebte Gattung gelegt hat, zählt Rachel Wise, aus Mississippi stammend, deren Debüt (schon 2015 erstmalig veröffentlicht) zwecks Besprechung jetzt vor kurzem zu mir gelangt ist.

Wie so oft ist auch diese junge Interpretin von frühster Kindheit an, im familiären Kreis und Umfeld musikalisch groß gezogen worden. Dynamik kam jedoch erst in Leben, als sie sich der Szene in Memphis zuwendete und mit Steve Corbett und Bernard De Seck als Songwriting-Team begann, zusammen zu arbeiten.

Für ihr Debüt konnten sie schließlich noch den bekannten Producer Jim Gaines (Santana, Journey, Devon Allman, George Thorogood, u.v.m.) gewinnen. Oben angeführte Susan Marshall partipiziert übrigens auf diesem Werk als Backgroundsängerin.

Der autobiografische Opener und Titelstück zugleich, „Southern Life“ gibt dann mit zünftigem Southern Rock und typischen E-Gitarren (tolle Arbeit von Steve Corbett auch insgesamt) die Marschroute des Albums vor. Natürlich erhält auch eine gewisse Countrynote Einzug in den weiteren Verlauf, der in erster Linie durch eine sägende Fiddle von Tommy Burroughs (auch an der Mandoline – klasse bei „Shoulda Known Better“) und jammernde Steel-Einlagen von Richard Ford (dazu auch Banjo) zum Ausdruck kommt. Alles aber sehr rootsig und natürlich eingeflochten.

Klasse ist es immer, wenn bei Stücken wie „American Dream“, „Come On Home“, „Dreams“ oder „Washed“ das südstaatliche Rockflair deutlich Überhand gewinnt, nicht zuletzt, weil Steve Corbett seine E-Gitarre in typischer Manier jaulen lässt und auch Adam Heart Memphis seine B3 Orgel sehr variabel ins Spiel bringt.

Dass Rachel es auch gefühlvoll kann, legt sie überzeugend beim Countryschwofer „Bye Bye Bye“ in Manier der großen Szene-Diven dar und auch beim kammermusikartig gebrachten, Gänsehaut erzeugenden „Unknown Stranger“. Das gospelige Schlusstück „Above The Clouds“ mit choralen gospeligen Gesängen zollt dann noch ihrem dortig typischen, fest verankerten Glauben an den lieben Gott Tribut.

Ob die Entscheidung von Rachel Wise, sich zunächst dem Southern Rock zu widmen, von Weisheit geprägt war, wird sich noch zeigen. Eine mutige ist es in jedem Fall und drauf hat sie es. Eine unbekümmerte, frische Bereicherung für’s Genre, ohne jeden Zweifel! Da diese Scheibe ja aus 2015 stammt, könnte eigentlich jetzt bald mal die Zeit für neuen Stoff gekommen sein. Wir sind jedenfalls ziemlich gespannt, wie und ob das musikalische ‚Southern Life‘ von Rachel Wise weitergeht.

Eigenproduktion (2015)
Stil: Southern Rock / Country

01. Southern Life
02. Shoulda Known Better
03. American Dream
04. Come On Home
05. Crazy Over Him
06. Dreams
07. Baby Bye Bye
08. Unknown Stranger
09. Washed
10. Above The Clouds

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Glass Onyon PR

J.P. Harris – Sometimes Dogs Bark At Nothing – CD-Review

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Review. Michael Segets

J.P. Harris sagte einmal, er mache Countrymusik – nicht mehr und nicht weniger. Mit diesem Statement grenzt sich Harris gegen diejenigen ab, die im Country mehr sehen wollen als Musik. Selbstbewusst wendet er sich aber auch gegen diejenigen, die versuchen, dem Country – da er unter dem Generalverdacht steht, wenig originell zu sein – eine besondere künstlerische Note zu geben.

Festzuhalten bleibt: Per se ist Country weder moralisch noch musikalisch minderwertig. J.P. Harris spielt Country und das macht er auf „Sometimes Dogs Bark At Nothing“ wieder konsequent und gut.

Mit dem Titelstück zelebriert J.P. Harris – der hier streckenweise eine gehörige Portion Vibration in seine Stimme legt – eine akustische Country-Ballade, die im wesentlichen vom Slide einer Pedal-Steel getragen wird. Auf „Miss Jeanne-Marie“ geben kräftige Klavier-Akkorde den Rhythmus vor. Der Track ist ziemlich stark, aber das akzentuierte Schlagzeug, die kurzen Gitarrenpassagen und die harmonische weibliche Begleitstimme machen das rootsige „Runaway“ zu meinem Favoriten unter den langsameren Songs.

Hier lässt Harris, der als Jugendlicher von zuhause fortgelaufen ist, autobiographische Erfahrungen einfließen. Diese scheinen auch bei „When I Quit Drinking” und „I Only Drink Alone” durch. Der zweitgenannte Titel versetzt atmosphärisch ebenso wie „Long Ways Back“ in einen Nachtclub, in dem die letzten Gäste in den frühen Morgenstunden über den Lauf der Dinge sinnieren.

Westcoast-Feeling versprüht „Lady In The Spotlight“. Dabei rechnet Harris im Text mit den Teilen der Musikindustrie ab, die vor allem bei Frauen mehr Wert auf Äußerlichkeiten legen als auf musikalisches Talent.

Harris_VIPNeben den unterschiedlich angelegten Balladen finden sich drei Country Rock-Songs auf dem Longplayer, die zusätzlich für Abwechslung sorgen. So startet das Album mit „JP’s Florida Blues #1“. Das Video zeigt, dass eine gute Idee und kein großer Aufwand oder High-Tech benötigt wird, damit es unterhaltsam ist. In der Mitte der CD nimmt „Hard Road“ Fahrt auf. Den Schlusspunkt des Werks setzt das rumpelnde „Jimmy’s Dead And Gone“. Alle drei Stücke stellen sehr gelungene Genrebeiträge dar.

Musikalisch bleibt sich J.P. Harris treu. Allerdings ging er bei der Produktion von „Sometimes Dogs Bark At Nothing“ neue Wege. Er spielte das Album nicht mit seiner Begleitband The Tough Choices ein, sondern schickte ausgewählten Musikern Demo-Tapes mit der Bitte, ihre Ideen bis zum Studiobesuch für sich zu behalten.

Erst im Studio trafen die Musiker aufeinander und dort entstanden dann die vorliegenden Versionen ohne große Probenzeit. Obwohl manche Songs schon etwas älter sind – der letzte Longplayer von J.P. Harris wurde vor vier Jahre veröffentlicht – entwickelten sie sich bei der Aufnahme spontan.

J.P. Harris steht in der Tradition des Country und sein aktueller Tonträger beweist, dass es lohnt, diese fortzuführen. Nicht auf Hochglanz poliert, sondern ehrlich und ungeschliffen wirkt auch sein Auftreten.

Er geht mit „Sometimes Dogs Bark At Nothing” auf Tour und kommt für drei Konzerte nach Deutschland. Nach den umjubelten Auftritten in der Kulturrampe in den beiden vergangenen Jahren besucht Harris die Krefelder Kultstätte erneut am 05.11. In Hamburg und Altlandsberg steht er am 23. und 24. November auf der Bühne.

Free Dirt Records/Galileo Music (2018)
Stil: Country

Tracks:
01. JP’s Florida Blues #1
02. Lady in the Spotlight
03. When I Quit Drinking
04. Long Ways Back
05. Sometimes Dogs Bark at Nothing
06. Hard Road
07. I Only Drink Alone
08. Runaway
09. Miss Jeanne-Marie
10. Jimmy’s Dead and Gone

J. P. Harris
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Free Dirt Records

Dirt River Radio – 21.09.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Die australische Band Dirt River Radio spielte nach ihrem furiosen 2016er-Auftritt in diesem Jahr wieder in der sehr gut gefüllten Kulturrampe. Im Gepäck hatten sie den gerade erschienen Longplayer „Just For Kicks“. Nicht dabei allerdings Sänger und Gitarrist Danger Alexander und Sängerin Sarah Fagan, was im Vorfeld aber schon bekannt war.

Es kann vorab aber schon gesagt werden, dass der Rest der Band das Fehlen der beiden Protagonisten sehr gut kompensierte. Da die Gesangsparts auf alle Vier verteilt wurden, gab es  in dieser Hinsicht sehr viel Abwechslungsreichtum zu vermelden. Die zweite Gitarre wurde natürlich etwas vermisst und hätte den Sound etwas komplexer machen können.

Mit der akademischen Viertelstunde Verspätung stellte Pille Peerlings die Band kurz vor und um 21.15 begann der erste Set mit „Chase The Sun“ vom 2010er Werk „Beer Bottle Poetry“, das zusammen mit den aktuellen Album „Just For Kicks“ die meisten Songs stellte. Das Quartett nahm mit dieser rasanten Country-Rock’n’Roll-Nummer direkt das Publikum mit.

Heath Brady moderierte nun fast jeden Song mit einer kleinen Anekdote an, wobei sich aber auch die anderen Bandmitglieder immer wieder humorvoll einbrachten. Zur Belustigung des Publikums machte Sarah Fagan öfters mal mit einem Augenblinzeln eine Bemerkung in seine Richtung, dass er nur Geschichten erzählt.

Mit „Kill Everyone In The Room“ folgte dann direkt der Opener des aktuellen Albums, wobei der Titel auch als Metapher für das Konzert gesehen werden konnte, zumindest, wenn was die Dynamik der Songs angeht.

Im folgenden reichten sich Country-umwehte Midtempotracks wie „Broken English Girs“ oder „Blackhearted“ mit southernlastigen Songs wie „Devil On The Road“ und Stücken wie „I’ll Be The One“, bei dem durchaus zu erkennen war, dass CCR zu den Bands gehört, welche die Musik von Dirt River Radio beeinflussen, die Klinke in die Hand. Mit dem rockenden „Dangerous“, auch vom neuen Silberling, wurde dann der erste knapp 50 minütige Set unter dem Applaus der Anwesenden beendet.

Nach etwa 20 Minuten Pause begann dann das zweite Set mit dem ruhigen country-southern-mäßigen „Black Eyed Mondays“ vom 17er-Album „Sun City White“. Brady trug nun seine Mähne für ein paar Songs offen und hätte so auch in die Hippie-Woodstock-Ära gepasst. Mit „Kiss Of The Year“ gab es eine brandneue Nummer.

Nachdem Brady sich über die fragwürdige Qualität amerikanischen Biers ausgelassen hatte, folgte selbstredend die  Ballade „American Beer“, einer der stärksten Songs des Konzertes, wobei es schwer fällt, einen explizit hervorzuheben, da es keinen, nennen wir es einmal so, unnötigen Lückenfüller gab.

Nach „The River“ erzählte Brady von einem Erlebnis im Himalaya und Freundschaften, die auch zu Ende gehen können, um dies in der Countryballade „All My Friends“ dann entsprechend charismatisch zu vertonen. Nachdem er im Anschluss seine Neutralität in Sachen Fußball zur Sprache gebracht hatte, präsentierten die Vier das starke „Public Bar“.

Kurz danach kam dann bei einer zunächst sehr slow beginnenden Version von „Proud Mary“ der große Auftritt von Kellie Fernando, die stimmgewaltig das dann immer rasanter werdende Stück intonierte.

Mit „Coooksucking Blues“, einem Hard Rock-Song, in dem Elemente von AC/DC und Led Zeppelin zu erkennen waren, beendeten Dirt River Radio in furioser Manier das Konzert, um nach kurzer Zeit für zwei Zugaben die Bühne wieder zu betreten (welche sie aber eigentlich gar nicht richtig verlassen hatten).

Eine dieser war das schmalzige, mit viel Humor gebotenen Cover „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers. Nach knapp zwei Stunden war dann der Gig, aber nicht der Arbeitstag der Band endgültig vorbei, denn die vier Australier nahmen sich noch ausgiebig Zeit,  mit den Fans in der Kneipe der Kulturrampe Smalltalk zu halten.

Ein Dank geht wie immer an das freundliche Team der Rampe, aber auch an Manny Montana von Teenage Head Music, der diese Band wieder nach Krefeld gebracht hat und es sich nicht nehmen ließ einer seiner Lieblingslocations einen Besuch abzustatten.

Wer eine authentische Band mit Rock-, Country- und Southern-Einflüssen erleben will, wird bei einem Dirt River Radio-Konzert mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

Line-up:
Heath Brady – Vocals, Guitar
Matt Bray – Drums, Vocals
Anthony Casey – Bass, Vocals
Kellie Fernando – Vocals, Percussion

Text und Bilder: Gernot Mangold

Dirt River Radio
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Louderdales – En El Valle De Los Perdidos – CD-Review

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Review: Michael Segets

Kaum aus dem Spanien-Urlaub zurück flattert die neue CD der Louderdales „En El Valle De Los Perdidos“ ins Haus, die auf dem spanischen Label Sleazy Records erschienen ist. Bei ihren Touren durch Europa knüpfte die Aachener Band anscheinend Kontakte zu den Iberern. Aufgenommen wurde das Album allerdings in den Fantasy Island Studios ihrer Heimatstadt.

Das Quintett verschreibt sich konsequent dem bereits auf „Songs Of No Return“ (2015) eingeschlagenen Country-Pfad, wobei die rockigen Anteile gegenüber ihrem Debüt etwas in den Hintergrund treten.

Einen durchweg gelungenen Einstieg bildet „A Bad One“. Joe Da Hoe hat für den staubtrockenen Country-Song die passende Stimme und Tommy Greed lässt diesen mit stimmungsvoller Percussion ausklingen.

Mit „Hard Times“ und „Glory Days“, bei dem Gitarrist Thomas Slowborn die Lead Vocals übernimmt, finden sich schnellere Nummern ebenso auf der Scheibe wie lockere Midtempo-Stücke. Zu diesen zählen „No Need To Complain“ und „Bad News From Home“.

Der genretypische Rhythmus wird von Doc Nic am Upright Bass und Tommy Greed am Schlagzeug beigesteuert. Die Gitarre von Oeli Cave könnte vom Sound auf „Going Home” auch Johnny Cash begleiten. Mit „Gotta Go“ weichen die Louderdales von den klassischen Country-Klängen ab und geben dem Track einen leichten Punk-Anstrich.

Auch die Songs, die sehr gut in das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet passen, sorgen für Abwechslung auf dem kurzweiligen Album. Hier ist vor allem „Slow Jack Greedo“ hervorzuheben, das mit galoppierendem Rhythmus, klirrender Gitarre und Backgroundgesang den Soundtrack zu einem Italo-Western liefern könnte.

Gleiches gilt für das kurze und knackige Instrumentalstück „Saludos De La Cueva Moca“. Oeli Caves Gitarrenintro leitet das von ihm komponierte Duett „When I Fall Asleep“ ein. Die helle Stimme von Jenny Don’t (Jenny Connors) steht dabei in einem interessanten Kontrast zu der von Joe Da Hoe.

Die überwiegende Zahl der Titel wurde von den Bandmitgliedern verfasst, wobei Thomas Slowborn die meisten Stücke beisteuerte. Die Louderdales covern „Just Like California“ von Old 97’s und Steve Earles „Outlaw’s Honeymoon”. Beim letztgenannten Song packt Joe Da Hoe ebenso wie bei fetzigen „Truckstop Butterfly” seine Mundharmonika aus, was nochmal besondere Akzente setzt.

Country aus deutschen Landen hat ja mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Die Begeisterung der Louderdales für diese Musikrichtung schwappt beim Hören des Longplayers über. Besonders dort, wo die Band Facetten jenseits der gängigen Trucker-Rhythmen zeigt, überzeugt sie. Die Texte drehen sich oft um Outlaws und dem Leben fern von zuhause und greifen damit genretypische Themen auf. Dabei stehen sie den Beiträgen aus dem Heimatland des Country in nichts nach.

Sleazy Records (2018)
Stil: Country

01. A Bad One
02. Hard Times
03. Just Like California
04. Going Home
05. Gotta Go
06. Glory Days
07. Outlaws Honeymoon
08. Slow Jack Greedo
09. When I Fall Asleep
10. No Need To Complain
11. Saludos De La Cueva Moca
12. Bad News From Home
13. Truckstop Butterfly

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Shooter Jennings – Shooter – CD-Review

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Review: Michael Segets

Nach seinen experimentellen Ausflügen in die Kombination des Country mit Synthesizer-Klängen auf seinem Tribut-Album „Countach“ für Giorgio Moroder wollte Shooter Jennings ein reines Country-Album ohne musikalische Spielereien machen. Dieses Vorhaben löst er nun mit „Shooter“ auf seine eigene Weise ein.

Shooter Jennings verzichtet auf die deutlichen Grenzgänge, die er in früheren Veröffentlichungen immer wieder unternahm. Obwohl er gerade da, wo er seine Flügel in Richtung Rock ausgestreckte, einige tolle Songs geschrieben hat, deren Attitüde mich stellenweise an Kid Rock erinnert. Nun konzentriert er sich auf seine Wurzeln, die nun mal – vielleicht auch erblich bedingt – im Country liegen.

Auf dem Song „Do You Love Texas?“ antwortet ein Chor, für den der Sohn von Waylon Jennings mit Kris Kristofferson ein Country-Urgestein rekrutieren konnte, auf die Frage mit: „Hell yeah!” Fällt die Antwort auf die Frage „Do you love Country?“ genauso aus, dann liegt man bei der Scheibe genau richtig.

Ich bin meist kein Fan von Country-Songs der klassischen Machart. Sie sind mir oft zu monoton und schmalzig. Dies vermeidet Shooter auf seiner aktuellen Scheibe allerdings. Ihm gelingt das Kunststück, traditionellen Country interessant zu verpacken. Einzig „Rhinestone Eyes” steht zeitweise in der Gefahr, in den Kitsch abzugleiten, aber Shooter Jennings rettet den Titel durch seine starke Gesangsleistung.

„Shades & Hues“ ist so ein Stück, das bei mehrmaligen Hören immer nochmal eine neue Facetten enthüllt. Da schleichen sich Blues-Elemente hinein und im Background passiert überraschend viel. Ähnliches gilt für „I’m Wild & My Woman Is Crazy” . Der Song kommt bereits flott mit einigem Twang daher, dann geben die einsetzenden Bläser dem Stück noch zusätzlichen Drive und etwas Soul mit.

Dadurch, dass Jennings unterschiedliche Spielarten des Country verarbeitet, gewinnt die CD ebenfalls an Abwechslung. So folgt auf die mit ausgiebiger Steel Guitar-Begleitung von Fred Nevell versehene Ballade „Living In A Minor Key” „D.R.U.N.K.“ im Trucker-Rhythmus.

Mit schönen instrumentalen Passagen glänzt „Fast Horses & Good Hideouts“, das Jennings zusammen mit dem Schauspieler Randy Quaid und Dave Cobb geschrieben hat. Nach dem Tod von Jon Hensley, dem das Album gewidmet ist, holte Jennigs Dave Cobb (Chris Stapleton, Jason Isbell) als Produzenten wieder ins Boot.

Ganz auf den Rock verzichtet Shooter Jennings allerdings doch nicht. Beim Opener „Bound Ta Git Down” liefert er einen Rock ’n Roll ganz im Stil der guten alten Zeit von Chuck Berry, Jerry Lee Lewis oder Elvis Presley. Auch das abschließende „Denim & Diamonds” ist mehr Rock- als Country-Ballade, passt sich aber nahtlos in das Album ein.

Das Werk macht einen konzeptionell geschlossenen Eindruck mit klarer Linie. Die Songs scheinen schnörkellos, aber so einfach wie sie zunächst wirken, sind sie meist nicht. Jennings baut subtiler als in seiner vorherigen Veröffentlichungen musikalische Elemente ein, die nicht genuin aus dem Country stammen. Shooter Jennings modifiziert und modernisiert den traditionellen Country geschickt, ohne dass man es direkt merkt. Für mich ist „Shooter“ daher ein heißer Anwärter auf das Country-Album des Jahres.

Low Country Sound-Elektra Records/Warner Music (2018)
Stil: Country

01. Bound Ta Git Down
02. Do You Love Texas?
03. Living In A Minor Key
04. D.R.U.N.K.
05. Shades & Hues
06. I’m Wild & My Woman Is Crazy
07. Fast Horses & Good Hideouts
08. Rhinestone Eyes
09. Denim & Diamonds

Shooter Jennings
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Jim Lauderdale – Time Flies – CD-Review

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Review: Michael Segets

Yep Roc Records/H’Art bringt zeitgleich das 30. und 31. Album von Jim Lauderdale heraus. Neben einer frühen Aufnahme aus dem Jahr 1979, die zusammen mit Roland White entstand, steht das aktuelle Werk „Time Flies“ nun in den CD-Regalen.

Das erste Mal bin ich auf Jim Lauderdale aufmerksam geworden, als er gemeinsam mit Buddy Miller (Steve Earle) das Album „Buddy und Jim“ veröffentlichte. Dabei kann Lauderdale auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, die durch Bluegrass, Country und Americana geprägt ist.

Der zweifache Grammy-Gewinner ist besonders als Songschreiber für andere Musiker erfolgreich. Unter anderem hat er für Georg Strait, Mark Chesnutt, Elvis Costello, Patty Loveless und The Dixie Chicks Material geliefert. Er arbeitete zudem mit den North Mississippi Allstars und Robert Hunter (Greatful Dead) zusammen.

Produziert wurde das aktuelle Album dann auch stilecht in Nashville, wobei sich Lauderdale, Jay Weaver als Unterstützung in das Blackbird Studio beziehungsweise das House of Blues Studio holte. Der starke Titeltrack „Time Flies“ reiht sich als moderner Americana-Song nahtlos in Lauderdales bisheriges Schaffen ein. Auch das folgende „The Road Is A River“ weiß durch einen eingängigen Refrain mit schönen Harmoniegesängen und einem kurzen Gitarrensolo zu überzeugen.

Mein Favorit der Scheibe ist aber die dunkle Ballade „When I Held The Cards”. Schellen und Schlagzeug-Besen erzeugen mit der tiefen Gitarre eine schön staubige Atmosphäre. Das süßliche „Violet“ und das getragene „If The World’s Still Here Tomorrow” fallen im direkten Vergleich etwas ab.

Mit „It Blows My Mind” und „Where The Cars Go By Fast” greift Lauderdale in die Country-Schublade. Vor allem der letztgenannte Song nimmt mit Bar-Piano, tollen Harmonien, Geige und etwas Slide ordentlich Fahrt auf.

Wie schon auf dem Album „London Southern” aus dem vergangenen Jahr mischen sich auch Soul- und Swing-Elemente in die Kompositionen von Lauderdale. Auf „Time Flies“ gibt Lauderdale dem Swing nun noch mehr Raum. So lässt Frank Sinatra bei den flotten „Wild On Me Fast“ und „While You’re Hoping“ grüßen. Auch „Slow As Molasses“ versetzt nach Los Angeles in eine gepflegte Bar der fünfziger Jahre. Bei einem Longdrink kann der Song durchaus genossen werden, obwohl der Musikstil fernab von dem liegt, was ich sonst so höre.

Fast schon in Richtung Jazz geht „Wearing Out Your Cool” vor allem durch den Einsatz der Bläser. Obwohl die Klangfarbe Lauderdales Stimme nicht mit der von Chris Rea vergleichbar ist, weckt das Stück hinsichtlich des Songwritings doch Assoziationen zu dem Briten.

„Time Flies“ erfüllt nicht ganz die Erwartungen, die ich mit dem Album verbunden habe. Country und Americana überwiegen zwar stilistisch und einige Songs liegen deutlich über der Qualität vieler anderer Genrebeiträge. Durch die wiederholten Ausflüge in den Swing erscheint der Longplayer im Gesamteindruck aber konzeptionell nicht so stringent wie andere Werke Lauderdales.

Das heißt in einer positiven Wendung allerdings, dass Jim Lauderdale trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen immer noch für Überraschungen gut ist. Er erweitert seine Kompositionen durch neue Elemente und beweist damit, dass er seine musikalische Flexibilität erhalten hat. „Time Flies“ ist ein Album, das ich wohl selten durchgängig hören werde, bei dem es sich aber lohnt, die Highlights herauszupicken.

Yep Roc Records/H´Art (2018)
Stil: Americana, Country and more

01. Time Flies
02. The Road Is A River
03. Violet
04. Slow As Molasses
05. Where The Cars Go By Fast
06. When I Held The Cards
07. Wearing Out Your Cool
08. Wild On Me Fast
09. While You’re Hoping
10. It Blows My Mind
11. If The World’s Still Here Tomorrow

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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Ben Glover – Shorebound – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Der in Glenarm, Nordirland geborene, aber fast seit Beginn seiner musikalischen Karriere in Nashville, TN, lebende Ben Glover hat mit „Shorebound“ sein mittlerweile 8. Soloalbum herausgebracht.

Der Singer/Songwriter, der nun eine CD im besten Americana-Stil hinlegt, hat aber auch schon für andere Künstler des Genres Songs geschrieben oder bei ihnen mitgewirkt. Zu nennen sei die Zusammenarbeit mit Gretchen Peters beim Titeltrack des 2015er Albums „Blackbird“, der auch für die Americana Awards nominiert war.

Nun aber zum aktuellen Werk Glovers. Eine durchweg schöne Scheibe, die ohne Unterbrechung angehört werden kann. Im Vordergrund steht die angenehm klare Stimme Glovers, wobei er sich zu einigen Songs prominente Verstärkung geholt hat, was sich in feinen Duetts widerspiegelt.

Schon der erste Song “What You Love Will Break Your Heart“, stilistisch in bester Tom Petty-Manier, im Midtempobereich präsentiert, klasse arrangiert mit einsetzender, fast singend wirkender Slideguitar und zweiter Stimme von Amy Speace, setzt einen hohen Erwartungshorizont für den Rest des Longplayers.

Das folgende „A Wound That Seeks The Arrow“, im Duett mit der aus Nashville stammenden Sängerin Angel Snow performt, wirkt fast ein wenig träumerisch und countryesk. Neben Glovers wunderbarem transparenten Gesang, wird wieder mit dezent gespielten Instrumenten, diesmal neben Slide- und Akkustikgitarre, auch mit Violin Cello und Glockenspiel operiert . Ein toll produzierter Song, auch für ruhige Stunden.

Das folkige „Northern Star“, mit Unterstützung der Sänger Malojian and Matt McGinn (wieder in Richtung der ruhigerer Petty-Songs einzuordnen), überrascht in der zweiten Hälfte mit einer Passage, die an Lieder der frühen Neil Young-Phase erinnert. Für mich, als absolutem Fan des Kanadiers, natürlich eines der Highlights des Albums.
„Catbird Seat“ mit Mary Gauthier (deren „Rifles & Rosary Beads“ gilt als ein Kandidat für das beste Americana-Album 2018), begleitet im Vordergrund mit akustischer Gitarre, zuerst untermalt mit slidender Gitarre, ist ein Stück in bester Songwriter-Manier, wobei Gauthiers Stimme meist eher unterstützend den zweiten Gesang darstellt. Ein einfaches schönes Lied.

Bei „Dancing With The Beast“ ist o. a. Gretchen Peters am Start. In diesem Song sind beide Vokalisten gleichberechtigt und agieren fast durchweg zweistimmig, nicht wie bei den meisten Duetts, wo sich die Partner abwechseln. Das Lied wirkt von der Stimmung her auch eher etwas düsterer als die meisten anderen Stücke des Albums.  Hier dominiert das Piano in weiten Strecken. Der stimmungsvolle, im mittleren Tempo arrangierte Song, ist trotz seiner Traurigkeit, welche über ihm mitschwingt, einer der Highlights.

Das ruhige „Kindmess“, eines der von Glover allein besungenen Tracks,  ist ein solider American-folkiger Song. Mit dem folgenden „Ride The River“ mit Kim Richery wird wieder etwas Fahrt aufgenommen und es gibt erneut einige Parallelen zur Petty-Ära, als Jeff Lynne mitproduzierte. Ein ganz starkes gefühlvolles Lied. In eine ähnliche Kerbe schlägt  „Song For The Fighting“ mit Neilson Hubbard . Besonders schön in dieser Ballade ist hier die prägnante Violine.

Der Titelsong „Shorebound“, folkig mit Countrytupfern und einem claptonesken E-Gitarren-Intro, kommt eher langsam und ruhig und, wie die meisten Sachen, sehr gefühlvoll.

Das etwas lebhaftere „Wildfire“ unter Assistenz von Ricky Ross, liegt irgendwo zwischen Tom Petty, George Harrison und den Traveling Willburys. Ein Stück mit einer absoluten Fülle, Tempowechseln, ohne chaotisch zu wirken und leicht orchestralen Anklängen.

„My Shipwrecked Friends“ (mit Anthony Timer), wieder mit einer Country-Folk-Note, dazu passender Slide-Gitarre, neben der immer wieder eingesetzten akustischen Gitarre, und das abschließende „Keeper Of My Heart“ (feat. Robert Vincent), bilden einen ruhigen Ausklang.

Fazit: „Shorebound“ kann als durchweg gelungenes Album für Freunde aus dem Metier Folk und Americana gesehen werden. Trotz der durchweg eher im mittleren oder langsamen Tempo gespielten Songs auf diesem, durchweg hörenswerten Werk, gibt es keine unerwünschten Längen.

Die Gastinterpreten mit ihren unterschiedlichen Stimmen sorgen hier für die entsprechende Abwechslung. Interessant wird es sein, wie Glover diese Songs auf der Bühne präsentiert. Er sollte sich zumindest eine Mitsängerin parat halten, da sonst viele Stärken des Albums live verloren gehen könnten.

Proper Records (2018)
Stil: Roots/Singer/Songwriter

01. What You Love Will Break Your Heart
02. A Wound That Seeks the Arrow
03. Northern Stars
04. Catbird Seat
05. Dancing With The Beast
06. Kindness
07. Ride The River
08. Song for the Fighting
09. Shorebound
10. Wildfire
11. My Shipwrecked Friend
12. Keeper Of My Heart

Ben Glover
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Hackensaw Boys – Support: Susto – 09.07.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

HSB_haupt

Pünktlich um 20:30 betrat Susto (Justin Osborne), Leader der gleichnamigen Band die Bühne der leider nur knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe. Das, was Susto in dem knapp 40-minütigen Soloauftritt bot, war alles, nur nicht angsteinflößend, so wie es der Name Susto im medizinischen Sinne als ‚kulturgebundene Angststörung‘ suggeriert.

Im Gegenteil, Susto verbreitete mit seinen launigen Songs, auf denen er sich nur mit der akustischen Gitarre begleitete, eher Frohsinn im Publikum. Die in bester Singer/Songwriter-Manier gespielten Songs, eine Auswahl aus seinen zwei bisher erschienenen Alben, führten die Zuhörer eher vom Alltagsstress in eine ausgeglichene und relaxte Stimmung.

Einige Songs erinnerten im Gitarrenspiel an Neil Young in seiner folkigen Frühphase. Mit geschlossenen Augen zugehört, hätte jederzeit auch die prägnante Mundharmonika einsetzen können. Das Publikum zollte ihm zwischen den Songs den verdienten Applaus, wobei sich Susto mehrfach gerührt bei der Audienz bedankte.

Der Funke war schnell in beide Richtungen übergesprungen, was meist das schöne an den kleinen Clubkonzerten ist, sodass der Opening Act als gelungener Einstieg in den Abend gesehen werden kann.

Nach dem Konzert beschrieb Osborne noch einmal seine positiven Eindrücke vom Abend und besprach mit Pille Peerlings, dass ein Auftritt mit kompletter Band erstrebenswert wäre. Reizvoll wäre hier, dass der sympathische Künstler, aus der ganze Bandbreite seiner Songs schöpfen könnte und sich nicht nur auf den Teil beschränken muss, der solokompatibel und eher ruhig ist.

Nach einer kurzen Umbaupause legten dann die fünf Mannen von den Hackensaw Boys, wie schon von Susto vor dem letzten Stück angekündigt, direkt energiegeladen und schwungvoll los. Die aus Charlottesville, Virginia, stammende Band um David Sickman spielte eine Mischung aus Folk, Country, American Roots, mit einem gehörigen Einschlag vom Punk der legendären The Clash.

Bestens gelaunt, brachten das Quintett innerhalb kürzester Zeit, die Rampe zum Kochen. Mit Fiddle, Banjo, Kontrabass, Gitarre und einem, zu großen Teilen aus verschiedensten Dosen hergestellten Schlagzeug, welche der Drummer sich umgeschnallt hatte (er absolvierte das ganze Konzert im Stehen), wurde schnell für eine brodelnde Stimmung gesorgt.

Bei der Bandvorstellung wies Sickman darauf hin, dass sein Drummer gestern Geburtstag gehabt habe und dass dies beim Basser heute der Fall wäre, was im späteren Verlauf das Publikum dazu animierte, ein stimmgewaltiges Ständchen hinzulegen. Dieser zückte sofort sein Handy, um diesen emotionalen Moment festzuhalten.

Die Vocals steuerte bei den meisten Songs Sickman mit seiner leicht kratzigen, aber sehr angenehmen Whiskystimme bei. Dabei moderierte er humorvoll mit viel Selbstironie durch die Show. Auch eine gerissene Seite im Verlauf des Konzertes brachte ihn nicht aus der Ruhe, sondern er nutzte das Aufziehen fast schon als Showelement.

Bei mehreren Tracks konnte auch sein Fiddlespieler beweisen, dass er gesangstechnisch überzeugen kann, wobei er fast die ganze Zeit leicht tänzelnd sein Instrument bearbeitete. Auch der Akteur am Banjo durfte einen tragenden Gesangspart übernehmen. Mit einem Wolfsjaulen bei – nomen est omen – „Wolfs Howling“, leitete er seinen Part ein. Die Rhythmussektion samt Bass und dem Schlagzeuger, wenn man dem selbstgebauten umgehängten Instrument damit gerecht wird, sorgten für die nötige Fülle der Songs.

Nach etwa 90 rasanten Minuten wurde das letzte Lied angekündigt. Dabei verließen die Jungs die Rampe und boten an diesem lauen Sommerabend vor der Location inmitten der Besucher noch zwei Open Air-Songs dar.

Mit dabei, wie schon bei den letzten Stücken, auch wieder Susto. In bester Stimmung verabschiedeten sich dann die Musiker nach etwa 100 Minuten Gute-Laune-Musik zum Teil mit Handschlag von den Fans, um noch bis weit nach Mitternacht in der Kneipe der Rampe den Besuchern für den einen oder anderen Smalltalk zur Verfügung zu stehen.

Ein absolut gelungener Abend zu Beginn der Woche, der auch eine volle Rampe verdient gehabt hätte. Wer Spaß an handgemachter American Roots-Musik mit einer Prise Punk hat, dem sei ein Besuch der Hackensaw Boys zu empfehlen.

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Soul Return – 22.06.2018, Musiekcentrum De Bosuil, Weert – Konzertbericht

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Arbeitsteilung in Sounds Of South. Während Gernot Mangold den Gig von Captain Ivory in der Krefelder Kulturrampe alleine ’schulterte‘, besuchten  Jörg Schneider (nach gerade fertiggestelltem, neuen Domizil, wieder richtig heiß auf Livemusik) und ich, die noch recht frisch formierte Band Soul Return im niederländischen Musiekzentrum De Bosuil in Weert.

Für mich war es nach dem VoltageAuftritt, der zweite Besuch, für Jörg, der das CD-Debüt des Quartetts vor geraumer Zeit begeistert reviewt hatte, die Premiere. Die Holländer sind in Sachen Livemusik ein Phänomen. Freier Eintritt an einem Freitag Abend (!), die Location, die, wie wir schon damals  sehen konnten, wird variabel den Begebenheiten angepasst.

Diesmal war der hintere Bereich zu einer Art kleinen Kneipe mit Bühne umgestaltet, von den perfekten Lichtverhältnissen samt stetig varierender Bühnenbeleuchtung und dem brillanten Sound ganz zu schweigen. Dazu noch die perfekt funktionierenden Bewirtungsstrukturen mit einem freundlichen Personal, das wirklich ‚auf Zack‘ ist.

Nur die Publikumspräsenz spielte leider nicht mit. Knapp etwas über 30 Zuschauer fanden sich zum Europa-Debüt der Kalifornier ein. Diese wurden aber mit einer grandiosen Show für ihr Kommen belohnt. Kellie Rucker, ihr kongenialer Partner JJ Holiday (bekannt auch durch die Imperial Crowns) und die songdienliche Rhythmusfraktion, bestehend aus Michael Barsimanto und Dal Martino (auch Mitglied der deutschen Band Nighthawks), spielten so furios, als wenn das ganze Musiekcentrum aus allen Nähten geplatzt wäre. Tolle Einstellung!

Kein Soul, wie es der Name vielleicht suggeriert, sondern herrlich knarziger Blues Rock mit viel Seele und Southern-Esprit war angesagt. Im Fokus stand natürlich das komplett durchgespielte, neue Werk. Die kleine zierliche Kellie Rucker erwies sich als umso größere schwergewichtigere Shouterin mit grandiosem Gesang, ähnlich veranlagten Interpretinnen wie Sass Jordan, Eve Selis oder Kim Carnes in Nichts nachstehend, dazu mit toller Harp-Performance (sie hatte ein Riesenarsenal an Plustergeräten in einem Klappkoffer vor sich liegen), die – zumindest mir geht es bei diesem Instrument so – auch trotz ständigen Einsatzes, nie zu nerven begann.

Dazu kam ihre kommunikative, mitnehmende Art, die in eine unterhaltsame Tanzperformance im Publikum, zu der sie sich einen der anwesenden Männer geschnappt hatte, beim launigen „Talk To Me“ mündete. Begeisternd auch die Gitarrenkünste von JJ Holiday, der mit allen Techniken vertraut ist und hier, besonders im Slide-Bereich, Maßstäbe setzte. Einfach klasse!

So vergingen die beiden Sets mit Highlight-Stücken wie dem balladesken „Life Of Crime“, den deltabluesigen „FYI/Walking Blues“ und „Throwin‘ And Fumblin'“, dem Las Vegas-gewidmeten Song „Va Va Voom“ (herrlich fetter Sound am Ende), den atmosphärischen „Kiss Me“ und „Had We Not“, dem unterhaltsamen, bereits erwähnten Talk To Me“ und dem live, als finaler Track, noch besser zur Geltung kommenden „If Walls Could Talk“, wie im Zeitraffer.

Bei der fälligen Zugabe, dem Elmore James-Klassiker „Shake Your Moneymaker“, hatten sich dann die anwesenden Zuschauer komplett vor der Bühne versammelt und rockten zusammen mit den Soul Return-Musikern den Gig stimmungsvoll zu Ende.

Ein – von der Besucherresonanz abgesehen – sehr gelungener Auftakt des spielfreudigen Quartetts, dass leider nicht bei uns, sondern nur in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Luxemburg zu sehen sein wird. Die äußerst sympathischen Kellie und JJ stellten aber eine Visite im nächsten Jahr in Aussicht. Jörg und ich traten schwer beeindruckt und froh über den guten ‚Riecher‘ die Rückreise in die heimischen Gefilde an. Bestnote für Soul Return!

Line-up:
Kellie Rucker (lead vocals, harp, percussion)
JJ Holiday (electric guitar, vocals)
Dal Martino (bass)
Michael Barsimanto (drums, vocals)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Soul Return
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