Robert Jon & The Wreck – 13.11.2024 – Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertnachlese

Ein Jahr ist es her, dass die Southern Rock Band Robert Jon & The Wreck zum ersten Mal Gast im Zentrum Altenberg in Oberhausen waren. Durch den damaligen starken Auftritt und die steigende Beliebtheit der Band, füllen an diesem Abend nochmals mehr Fans die Halle, was bei Wolfgang Stolt, dem Macher von Impuls Promotion für gute Laune sorgte, insbesondere, weil ein Donnerstag-Abend nicht unbedingt der günstigste Termin ist.

Die Setlist umfasst neben live bekannten Songs auch einiges vom aktuellen Album „Red Moon Rising“, das zu Beginn des Jahres erschienen ist. Der psychedelisch angehauchte Titelsong, passend illuminiert mit rötlichen Licht, zeigt das die Band sich stilistisch weiter öffnet, ohne dabei die Wurzeln des Southern Rock zu verlassen.

Von Beginn an hat die Band, der die Spielfreude jederzeit anzumerken ist, die Location im Griff; der Funke ist mit der ersten gespielten Note übergesprungen. Dabei kann sich die Band auf ältere Songs verlassen, die sofort Stimmung in die Bude bringen. Robert Jon hat jederzeit auch die Fans im Blick, nimmt gewissermaßen Signale auf und kann so spontan Einfluss nehmen.

Auch wenn er der Fronter der Band ist und mit seiner markanten Stimme überzeugen kann, überlässt er den anderen aus der Band mehrfach, entweder spielerisch oder auch visuell, die Frontline. Irgendwann stellt er sogar Henry James als den besten Gitarristen der Band vor, was eindrucksvoll zeigt, dass er ein Leader der Band ohne Allüren ist. Das ist vielleicht die große Stärke von Robert Jon & The Wreck, dass sie sich auf der Bühne als Einheit präsentiert.

In einem Set ohne Schwächen wird bei den letzten Songs der Spannungsbogen noch einmal erhöht. “Do You Remember“, ich erinnere mich als Robert John & The Wreck vor etwa 50 Zuschauern vor etwa acht Jahren das erste Mal in Krefeld auftraten und sehe wohin der Weg bis jetzt gegangen ist. Die beiden Energiebündel, Sunnyboy Warren Murrel am Bass und Andrew Espantman an den Drums, sorgen bei den meist rockigen Stücken für den nötigen rhythmischen Druck und haben fast durchgehend ein Lächeln im Gesicht, was sehr charmant ankommt.

Bei „Oh Miss Carolina“ zeigt sich das Oberhausener Publikum gesangsfreudig und unterstützt beim Refrain. Unter tosendem Applaus beenden die Kaliforniern das Konzert, um nach lautstarken Zugabe-Forderungen schnell wieder die Bühne zu betreten und eine krachende etwa 15-minütige Version von „Cold Night“ nachzulegen. Wie gewohnt haben der Wirbelwind Henry James Schnekluth an der Gitarre und Jake Abernathie an den Keyboards hier ihren großen Auftritt.

Zum Ende des Songs spielen sie sich mit abwechselnden Soli in einen Rausch und die Stimmung erreicht den Siedepunkt. War im letzten Jahr noch von einem Geheimtipp die Rede, dürfte der Status in der Southern-Szene der Vergangenheit angehören und es wäre nicht verwunderlich, wenn auf der nächsten Tour größere Locations gebucht werden.

Line-up:
Robert Jon Burrison – lead vocals, guitar
Hanry James Schneekluth– guitar, vocals
Warren Murrel – bass
Andrew Espantman – drums, vocals
Jake Abernathie – keyboards

Text & Bilder Gernot Mangold

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Impuls Promotion
Zentrum Altenberg

Stone Senate – 08.11.2024 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertnachlese

Die aus Nashville kommenden Southern Rocker von Stone Senate sorgen für eine gute Stimmung in der Krefelder Kulturrampe. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der hünenhafte Sänger und Gitarrist Clint Woolsey, der die Bandkollegen um ein bis zwei Köpfe überragt.

Der Motörhead-Aufkleber auf seiner Gitarre passt dabei zum eher harten Southern Rock, den das Quintett zeigt. Mit drei Gitarristen, wobei James Beau Edwards und Ted Hennington, die die Bühne flankieren, wechselweise die Soloarbeit übernehmen, präsentieren sie gewissermaßen eine Guitar Army, die knapp 90 Minuten durch die Kulturrampe jagt.

Die Setlist setzt sich aus allen bisherigen Alben zusammen und die Band spart nicht mit Songs aus dem in diesem Jahr erschienenen Album „Licky Buzz“. Neben den starken eigenen Stücken, ist das im Southern Stil interpretierte „The Night They Drove Old Dixie Down“ ein absolutes Highlight.

Es ist erstaunlich, mit welcher Spielfreude Stone Senate in Krefeld auftreten, wenn man bedenkt, dass die Tour drei Tage später vorzeitig beendet wird, weil ein Familienangehöriger eines Bandmitglieds schwer erkrankt war.

Die Stimmung in der Rampe machte es der Band mit Sicherheit leichter, unter den Umständen ein energiegeladenes Konzert abzuliefern und die leider zu wenigen Musikfans an diesem Abend zu begeistern. Nach dem Konzert ließ es sich die Band nicht nehmen, noch länger im Kneipenbereich der Rampe zu verweilen und sich unter die Fans zu mischen, wo sie sich als sehr sympathische Gesprächspartner zeigten.

Line-up:
Clint Woolsey (lead vocals, electric guitar)
James Beau Edwards (electric guitar)
Ted Hennington (electric guitar, bgv)
Tommy Michael (bass)
David “DZ” Zettler (drums, bgv, lead vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Kulturrampe
Teenage Head Music

Van Zant – Always Look Up – CD-Review

Über das Van Zant-Comeback habe ich mich zunächst einmal gefreut. Die beiden Brüder hatten sich zuletzt (und das ist ja schon sehr lange her) auch im New Country-Bereich erfolgreich einen Namen gemacht. Aufgrund der stimmlichen Probleme von Donnie schien es, als hätte man dieses Duo-Kapitel dann eigentlich endgültig ad acta gelegt.

Jetzt tauchen Van Zant plötzlich wie die Phönix aus der Asche wieder auf und zwar beim in Melodic Rock-Kreisen bekannten italienischen Frontiers-Label, was auf eine wieder andere Musikrichtung schließen lässt, zumal es Johnny in den 80er Jahren unter dem Namen auch schonmal in recht ähnlichen Sphären versucht hatte.

Der auf „Always Look Up“ verwendete Musikstil ist durchaus Frontiers-kompatibel. Aufgrund der Texte und des biblisch anmutenden Covers, der vorab gesendeten Single „Jesus Christ“ (und auch den restlichen Stücken), ist das Ganze jedoch letztendlich durch und durch im Christian Rock zu verorten. Ich persönlich habe es zwar nicht so mit dem lieben Gott, aber es aber es gibt in diesem Bereich durchaus auch hörenswerte Musik, Third Day oder Zach Williams, Leader von Zach Williams & The Reformation als positive Beispiele mal angeführt.

Apropos ‚Lieber Gott‘, ich verstehe bis heute nicht, wie man sich im 21. Jahrhundert als aufgeklärter und gebildeter Mensch von Glauben und Religion beeinflussen, beziehungsweise vor den Karren spannen und manipulieren lassen kann. Hier wird letztendlich erfolgreich seit Jahrhunderten von gewissen Kreisen versucht, mit der Angst der Menschen vor Einsamkeit und dem Tod, sich seine meist auf zweifelhaften Wegen ergatterten Errungenschaften wie Macht, Reichtum und Privilegien zu sichern. Am Ende regiert auch hier, wenn man ehrlich wäre, wie überall, der schnöde Mamon, zuletzt zerfällt man trostlos wie die von der Amsel verspeiste Fliege in seine Moleküle und das war es dann.

Auch an den Moslem ist mein gut gemeinter Rat, sich bei Bedarf den 100 Jungfrauen zu Lebzeiten und im besten Mannesalter zu widmen, jedenfalls lange bevor das meist traurige und schmerzhafte Ende naht.

Die Amis haben Donald Trump ein zweites Mal mit überwiegender Mehrheit demokratisch gewählt, viele davon höchst gläubig. Die spinnen, die Amis, um es mal nach einem berühmten Comic abzuwandeln. Vermutlich zählen auch Johnny und Donnie Van Zant zu seinen Folllowern…

Trotzdem sollte man deswegen ihre musikalischen Leistungen der Vergangenheit nicht verdammen, da haben sie ohne Zweifel gerade uns Southern Rock-Fans mit vorzüglichen Kreationen über viele Jahrzehnte hinweg beglückt. Und somit gilt es für mich hier auch zunächst, den musikalischen Gesamteindruck zu bemessen.

Mit Musikern wie u. a. Mark Matejka (Lead Guitar, Rhythm, Slide), Carl Lindquist (Lead Guitar, Rhythm, Slide), Jimmy Carter  (Bass Guitar), Shawn Fichter (Drums & Percussion), Jeffrey Roach, Chris Hurst und  Dennis Wage (alle keyboards), ist ein solides instrumentelles Fundament gelegt. Johnny singt wie eh und je, bei Donnie merkt man allerdings schon die gesundheitlichen Einschränkungen, sein Leadvocal-Anteil ist hier eher dosiert eingesetzt, manchmal sogar etwas befremdlich wirkend.

Die elf Songs sollen und das ist bei dieser Thematik natürlich klar, instrumentell leicht bekömmlich sein und gut im Ohr hängen bleiben, was auch unzweifelhaft gelingt. Musikalisch gibt es deshalb nur wenig zu meckern, da ist, wenn man auf stilvoll gespielte melodische Kost steht, alles im grünen Bereich.  Dem vermeintlichen Frontiers-Anforderungsprofil, eingängiger Melodic Rock gepaart mit christlichen Texten und anpreisendem Gesang, wird vollends Genüge geleistet.

Bester Track mit Abstand ist das finale „Jesus Christ„, ein episch anmutender Rocker a la Whitesnake mit Skynyrd-Southern-Touch. Annehmbar sind auch das atmosphärisch stampfende „Warrior“ (Powerrefrain, starke E-Gitarren, weibliche Harmonies) und das dezent allmanesk angehauchte „Holy Moment“.

Man kann angesichts der textlich Ergüsse seiner Brüder auf „Always Look Up“ allerdings nur hoffen, dass Ronnie Van Zant nicht nach oben schauen, beziehungsweise noch hören kann, denn der würde sich dann vermutlich in Dauerrotation vor Grauen im Grab umdrehen…

In der Gesamtschau der musikalischen Leistungen aller drei Van Zant-Brüder, von Anfang an bis heute, ist „Always Look Up“ sicherlich der absolute Tiefpunkt. Amen!

Frontiers Records (2024)
Stil: Christian Rock

01. Awesome God
02. Stand Up
03. Warrior
04. There You Are
05. Speak His Name
06. Why God Brought Me Here
07. Praying
08. It’s Up to You
09. Holy Moment
10. Leaning on the Cross
11. Jesus Christ

Van Zant
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Frontiers Records

Epitaph – 09.11.2024 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertnachlese

Seit 1970 gibt es die Band Epitaph mit einigen Unterbrechungen und Umbesetzungen. 54 Jahre später sind von der Urbesetzung noch Cliff Jackson und Bernd Kolbe dabei und Bernd Glass stieg auch schon 1977 bei Epitaph ein, sodass man von einer der ältesten deutschen Rockbands sprechen kann.

Die Setlist zieht die Spanne aus der ersten Phase der Band bis in die Gegenwart und Bernd Kolbe sowie Cliff Jackson haben die eine oder andere Anekdote zur Entstehung der Songs und der Bandgeschichte parat, die mit viel Humor preisgegeben werden, was schnell eine gute Chemie zwischen Band und den Fans fördert.

In knapp 120 Minuten zeigen Epitaph, dass sie eine Live-Band der Extraklasse sind. Harte Riffs wechseln mit gefühlvollen Gitarrenpassagen und oft wird das Stilmittel der so genannten Twin Guitars gezeigt, dass eine Nähe zu Wishbone Ash erkennbar ist. Stark sind auch die Harmoniegesänge von Jackson und Kolbe, die dem sehr abwechslungsreichen Sound eine besondere Note geben.

Interessant ist, dass es gewissermaßen drei Fronter gibt. Bassist Bernd Kolbe ist meist für den Lead-Gesang zuständig und so im Mittelpunkt des Geschehens, aber auch Cliff Jackson und Heinz Glass treten oft an den vorderen Rand der Bühne, um zum Teil rasante Gitarren-Soli zu spielen, für die sie mehrfach Szenenapplaus vom begeistert mitgehenden Publikum erhalten. Bei manchen Songs verschmelzen die drei fast, indem sie im Halbkreis direkt nebeneinander stehen. Es erinnert mich an den Phasen, als Neil Young mit den Gitarristen von Crazy Horse sich zu einem Kreis zusammenfinden und in ihrer Musik zu entschwinden scheinen.

Einen großen Anteil an einem starken Auftritt hat auch das jüngste Bandmitglied, Carsten Steinkämper an den Drums, der je nach Bedarf den stampfenden Rhythmus einer Dampflokomotive vorgibt oder sich in ruhigeren Stücken auch angenehm zurückhält.

Mit den beiden Tracks „Lost In America“ und „Windy City“ erinnert die Band an die Phase, als sie in Amerika lebte und den 2016 geschriebenen Song „Nightmare“ widmeten sie passend dem neu gewählten US Präsidenten. Ein Highlight eines durchweg starken Auftritts ist das Hendrix-Cover „Villanove Junction“, das Heinz Glass mit einem minutenlangen Solo regelrecht zelebriert. Mit „Don´t Let The Grey Hair Fool You“ drückt die Band gewissermaßen aus, dass sie trotz der grauen Haare weitermachen, was sich auch durch das neue Songmaterial widerspiegelt, in dem Epitaph den klassischen härteren Rock weiterlebt.

Line-up:
Cliff Jackson – guitar, vocals
Bernd Kolbe – bass, vocals
Heinz Glass – guitar
Carsten Steinkämper – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Epitaph
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Musiktheater Piano
3dog-Entertainment

Ryan Bingham And The Texas Gentleman – Live At Red Rocks – Digital-Album-Review

Review: Michael Segets

2024 sind einige bemerkenswerte Live-Alben erschienen. Willie Nile, Jason Isbell und Steve Earle legten vor und nun reiht sich Ryan Bingham mit „Live At Red Rocks“ in die Liste ein. Digital ist das Konzert vom 25. Juni dieses Jahres bereits seit letzter Woche verfügbar. Vinyl und Silberlinge sind für den 22. November angekündigt. Dass das Publikum im restlos ausverkauften Red Rocks Amphitheatre leidenschaftlich mitging, lässt die Aufnahme erahnen. Jedenfalls fängt sie den frenetischen Jubel und die textsichere Begleitung – durchgängig bei „Nobody Knows My Trouble“ – des Hauptakteurs ein, der sich in sehr guter Form präsentiert.

Mit den beiden rockigen Stücken „Nothin Holds Me Down“ und „Jingle And Go“ von seinem letzten Longplayer „American Love Song“ (2019) nimmt Bingham das Auditorium vom Start an mit. Sehr stark ist das folgende „Top Shelf Drug”, das für mich neben „Hallelujah“ – eine Eigenkomposition von Bingham und kein Cover von Leonard Cohen – zu den Höhepunkten des durchweg überzeugenden Auftritts gehört. Neun Songs von seinem Debüt „Mescalito“ (2007) stehen auf der Setlist, wobei meine Favoriten „The Other Side“ und „Hard Times“ vertreten sind.

Natürlich darf auch sein mehrfach prämierter Hit „The Weary Kind“, der als Soundtrack zu „Crazy Heart“ bekannt wurde, nicht fehlen. Im Mittelteil des Konzerts setzt Bingham auf seine sanfteren, eher ein gemäßigtes Tempo anschlagenden Stücke. Hervorzuheben ist hier das Intro zu „Southside Of Heaven”, das er mit einer Mundharmonika bestreitet. Seine Spanisch-Kenntnisse lässt der in New Mexico geborene Songwriter bei „Boracho Station“ aufblitzen. Expressiver geht es zwischendurch bei dem zehnminütigen „Bluebird“ zu, bei dem einer gitarrendominierten Instrumentalpassage viel Raum gegeben wird. Zum Abschluss schlägt Bingham nochmal einen Bogen zurück zum rockigen Einstieg („Sunshine“, Bread & Water“).

Bingham legt bei seinen Studioveröffentlichungen keine besonders hohe Schlagzahl vor. Zurzeit ist er auf Konzerttour mit einem Tribute für The Last Walz von The Band und Robbie Robertson unterwegs. Mit von der Partie ist unter anderem Lukas Nelson. Bingham hat neben der Musik aber auch genug andere Betätigungsfelder für sich entdeckt. So besteht ein Dauerengagement bei der Fernsehserie „Yellowstone“, deren zweiter Teil der fünften Staffel gerade in Amerika anläuft. Darüber hinaus wirft er seine eigene Whiskey-Marke auf den Markt. Der Bourbon wird in Texas mit regionalen Zutaten produziert, ist dennoch in Zeiten des Online-Handles quasi weltweit zu erhalten. Aber auch ohne den edlen Tropfen lässt sich „Live At Red Rocks“ genießen.

Die Dopplung einiger Titel, die bereits auf seinem offiziellen Live-Album aus dem Jahr 2016 vertreten sind, mindert nicht die Qualität des aktuellen Auftritts von Ryan Bingham im Red Rocks Amphitheatre. Vielleicht hätte er seine neueren Stücke stärker berücksichtigen können, wie „What Would I’ve Become“ von seinem letzten Longplayer. Aber auch so bekommt man von einem souverän aufspielenden Songwriter eine Aufnahme, die die Konzertatmosphäre ohne Abstriche einfängt.

The Bingham Recording Company – Thirty Tigers/Membran (2024)
Stil: Americana, Roots Rock

Tracks:
01. Nothin Holds Me Down
02. Jingle And Go
03. Top Shelf Drug
04. The Other Side
05. Long Way From Georgia
06. Ghost Of Travelin’ Jones
07. Bluebird
08. Sunrise
09. Hard Times
10. Hallelujah
11. The Weary Kind
12. Southside Of Heaven
13. Boracho Station
14. Nobody Knows My Trouble
15. Sunshine
16. Bread & Water

Ryan Bingham
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Ted Russel Kamp – 12.11.2024, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Viel Arbeit und etliche unglückliche Terminüberschneidungen führten dazu, dass erst jetzt der erste Konzertbericht dieses Jahres aus meiner Feder fließt – zugleich mein erster Bericht aus der Kulturrampe seit Maurice Kamp dort das Ruder übernommen hat. Vorweg sei ihm ein herzlicher Dank ausgesprochen, dass er handgemachter Musik in Krefeld weiterhin eine schräge Bühne bietet. Auf dieser fand sich am Dienstagabend Ted Russel Kamp ein.

Der gebürtige New Yorker lebt und arbeitet bereits über zwanzig Jahren in Los Angeles und ist fast ebenso lange Bassist bei Shooter Jennings. Mit diesem besuchte er das erste Mal Europa und kehrt seitdem regelmäßig auf den alten Kontinent zurück. Wie man im Laufe des Abends erfuhr, hat Kamp väterlicherseits deutsche Wurzeln. Eine besondere Verbindung besteht allerdings zur Musikszene in Schweden, was auch erklärt, warum Kamps Band drei Skandinavier umfasst. Neben Martin Salomonssen am Schlagzeug und Erik Ivarsson an der Gitarre war ein zweiter Gitarrist mit von der Partie. Angekündigt war Thomas Pontén, ich meine aber, dass Kamp einen anderen Namen genannt hat. Auf jeden Fall zeigte Kamp eine sichere Hand bei der Wahl seiner Begleitung. Salomonssen bearbeitete die Felle bis eines riss. Die beiden Gitarristen unterstützten den Protagonisten souverän und meisterten auch filigranere Soli ohne Abstriche. Besondere Akzente setzte Ivarsson, als er sich an der Lap Steel betätigte (u. a. „Waste A Little Time With Me“). Sein Kollege glänzte an der Rickenbacker 12-String bei „California Wildflower“.

Hauptakteur blieb aber Kamp, der als Storyteller Qualitäten bewies. Die meisten Songs leitete er kurz mit biographischen Anekdoten oder Bemerkungen über die wechselnden Inspirationsquellen seiner Musik ein. Gram Parsons, The Band, Merle Haggard oder auch Nick Drake gab er als Referenzpunkte an, mit denen er sich in unterschiedlichen Schaffensphasen auseinandersetzte. So entführte Kamp das Publikum über zwei einstündige Sets auf eine Zeitreise seiner Karriere, die von unterschiedlichen stilistischen Einflüssen geprägt ist.

Aufgrund der Konzeption des Konzerts stand Kamps aktuelles Werk „California Son“ nicht deutlich im Mittelpunkt. „Shine On“ und „The Upside To The Downslide“ waren jedoch zwei Titel seines vierzehnten Albums, die die Zuhörer direkt einfingen. Das Publikum ging bereits vom Opener „Paid By The Mile“ an mit, wurde während des Auftritts aber immer enthusiastischer.

Im ersten Set verströmten „Hobo Nickel“, „Path Of The Least Resistance“ und „Right Down To The Wire“ jeweils ihren eigenen Flair. In den zweiten Teil stieg Kamp solo, nur mit seinem Bass bewaffnet, ein. Ich kann mich nicht erinnern, die Kombination von Gesang und Bassbegleitung so schon mal gehört zu haben. Kamp zeigte, dass das funktioniert. Den Kontrapunkt zu dem Intermezzo setzte dann das straight rockende „Tail Light Shine“, nachdem die Band wieder vollzählig auf der Bühne versammelt war.

Die Stimmung beim zweiten Set u. a. mit „This Old Guitar“, „Daughter Of Temptation“, “If I Had A Dollar“ und „Steady At The Wheel“ wurde immer ausgelassener. Kamps Interaktion mit dem Publikum nahm noch zu, so griff er Zwischenrufe auf und spielte Bälle zurück. Bei „The Last Drop“ sangen dann quasi alle Anwesenden mit. Ruhiger wurde es zum Abschluss. Die erste Zugabe „Help Me Make It Through The Night“ spielte die Band in Gedenken an den kürzlich verstorbenen Kris Kristofferson. Mit „Every Little Thing“ von der neuen CD, das Kamp nochmal solo performte, ging dann ein rundum gelungener Konzertabend zu Ende.

Der sympathische und kommunikative Wahl-Kalifornier hinterließ auf und neben der Bühne einen bleibenden Eindruck. Es wurde spürbar, dass Ted Russell Kamp Musik liebt. Er verarbeitet verschiedene Einflüsse der Roots Music und entsprechend vielfältig war die Darbietung. Die Begeisterung für das, was er tut, schwappte auf das Publikum über und ich vermute mal, dass Kamp ebenfalls die Krefelder sowie die Kulturrampe in guter Erinnerung behält, auch wenn die Besucherzahl noch Luft nach oben geboten hätte.

Line-up:
Ted Russell Kamp (lead vocals, bass)
Erik Ivarsson (guitars)
Thomas Pontén (?) (guitars)
Martin Salomonssen (drums, bgv)

Bericht und Bilder: Michael Segets

Ted Russell Kamp
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Kulturrampe

Sister Hazel – Sand, Sea & Crash Debris – CD-Review

 

Die Band Sister Hazel wurde 1993 von Andrew Copeland und Ken Block in Gainesville, Florida, gegründet und liefert seit ihrem gleichnamigen Debütalbum im Jahr 1994 stetig niveauvolle und gute Musik zwischen Pop, Rock sowie Country- und Southern Rock ab.

Das Quintett steht für Attribute wie Konstanz, Verlässlichkeit, Bodenständigkeit, immer in Verbindung mit einem gewissen Leistungsanspruch – Dinge, die auch in meinem eigenen Leben durchgehend eine Rolle bis zum heutigen Tage spielen – was die Truppe, ohne sie persönlich zu kennen und da verlasse ich mich einfach auf meine Menschenkenntnis, äußerst sympathisch wirken lässt.

Trotz dieser langen Zeit und vielen tollen Veröffentlichungen laufen sie bei uns in Deutschland  überwiegend unter ferner liefen und sind eher Insidern bekannt, lediglich ihr Song „All For You“ schaffte es 1997 auch in unsere Radiostationen und verhalf ihnen hier zumindest zum Status eines One-Hit-Wonders.

Seit Beginn performt und kreiert man in unveränderter Besetzung mit den beiden o. a. Personen Andrew Copeland und Ken Block sowie Ryan Newell (guitars), Jett Beres (bass, vocals) und Mark Trojanowski (drums). „Sand, Sea & Crash Debris“ ist, wenn man die Zusammenfassung ihrer vier, auch hier größtenteils besprochenen EPs als Doppel-CD „Elements“  berechtigter Weise hinzuzählt, ihr elftes Studioalbum.

Sämtliche zehn Tracks wurden wieder von den Bandmitgliedern in verschiedensten Konstellationen unter Zuhilfenahme einiger Co-Writer, darunter bekannte Leute wie Kyle Jacobs und Billy Montana, komponiert. Die CD beginnt für Sister Hazel-Verhältnisse mit dem krawallig dahinpolternden „Complicated You“ ungemein rockig, Gitarrist Ryan Newell, der ja viele Vorbilder wie Jimi Hendrix oder Eric Clapton aus den Siebzigern sein Eigen nennt, lässt sogar ein paar Thin Lizzy-Reminiszenzen aufblitzen.

Mit „All Goes By So Fast“ (mit fiependen 90er-Synthies), dem E-Gitarren-shuffligen und tanzbaren Gute-Laune-Ohrwurm „Love You More“ sowie dem nach Karibik-Flair lechzenden „Coconut Trees“ (mit Ukulele und Xylophon-artigen Synthies) identifiziere ich die drei potentiellen Single-Kandidaten.

Ganz stark auch das leicht psychedelisch-angehauchte Powerstück „Hole In Your Life„, das in U2-/John Farnham-Heartland-Manier euphorisierende „Live Again„,  als auch das emotional gesungene, wunderschöne „Beautiful Rain“

Am Ende geht es mit den von Jett Beres kreierten und geführten „When Love Takes Hold“ und „Lay Your Worry Down“ sogar noch progressiv southern-rockig zu, Newell offeriert bei letztgenanntem Song auch noch mal seine E-Gitarrenkünste der Marke Outlaws (furioses Solo am Ende). Beim Outro des Liedes darf man sich dann sogar noch über einen kurzen Jon Lord-mäßigen Orgel-Hall freuen.

Fazit: Mit dem von Ben Jackson und Sister Hazel produzierten elften Album „„Sand, Sea & Crash Debris“ ersticken die Protagonisten jeden Anflug von vermeintlichen Abnutzungserscheinungen schon im Keime. Ganz im Gegenteil – das Quintett ist intern breiter aufgestellt denn je und die Kreativität scheint ungebrochen. Somit erhält man erneut bewährte Sister Hazel-Ware, mit der es sich, wie immer, zu beschäftigen lohnt. Tolle Musik!

Croakin‘ Poet Records (2024)
Stil: Southern (Rock) Pop

01. Complicated You
02. All Goes By So Fast
03. Hole In Your Life
04. Love You More
05. Live Again
06. Making It Up
07. Beautiful Rain
08. Coconut Trees
09. When Love Takes Hold
10. Lay Your Worry Down

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Kaylor Girl Promotion

Dwight Yoakam – Brighter Days – CD-Review

Review: Michael Segets

Der Country-Star Dwight Yoakam muss hier wohl nicht eigens vorgestellt werden. Zuletzt fiel er mir als Schauspieler in „Cry Macho“ von Clint Eastwood auf. Mit rund vierzig Auftritten in Film- und Fernsehproduktionen fährt Yoakam also auf zwei künstlerischen Schienen. Seine größten musikalischen Erfolge feierte er in den 1980ern und 1990ern. 2022 war er mit Lucinda Williams und Steve Earle auf Tour, ansonsten ist es in den letzten Jahren deutlich stiller um ihn geworden. Sein vorangegangenes Studioalbum liegt nun schon acht Jahre zurück. An den Songs für „Brighter Days“ mit zwölf Originalbeiträgen und zwei Covern arbeitete er drei Jahre.

Yoakam muss nichts mehr beweisen und macht das, wofür er steht: New Traditional Country. Am Anfang seiner Karriere fasste er in Nashville nicht Fuß, da er sich mit den Pop-Einflüsse, die in der dortigen Country-Szene Einzug hielten, nicht anfreunden konnte. Der in Kentucky geborene Yoakam zog daher nach Los Angeles weiter. In seiner neuen Heimat perfektionierte er seinen eigenen Stil, der sich an den Bakersfield-Sound anlehnt. „California Sky“ atmet dann auch den Hauch der Westküste. „A Dream That Never Ends“ passt zu einem Sonnenuntergang über dem Pazifik. Der Song erinnert an The Traveling Wilburys, auch wenn der Harmoniegesang nicht so dominant ist wie bei der Supergroup.

Die meisten Beiträge auf „Brighter Days“ schwofen im Midtempo. Sie sind eingängig und radiotauglich, wirken aber rückwärtsgewandt. Überraschungen bleiben aus und auch wenn Yoakam sich bei „I Don’t Know How To Say Goodbye (Bang Bang Boom Boom)“ Post Malone ins Studio holt, kann kaum von einer Verjüngungskur gesprochen werden. Das Stück bleibt eine traditionsverbundene Nummer und passt sich so in das Album ein, das wenig Höhen und Tiefen kennt. Gelegentlich schlägt Yoakam gemäßigt rockende Töne an („If Only“), mal lässt er es ruhiger angehen („Hand Me Down Heart“). Unaufgeregt folgt Yoakam bekannten Pfaden.

Abwechslung bringt Yoakam auf die Scheibe, wenn er sich dem Rock ‘n Roll zuwendet. Dies tut er bei „Every Night“ und „Can’t Be Wrong“. Letztgenannter Track zählt neben dem Opener „Wide Open Heart“ zu den Songs, die mich am meisten mitnehmen. Gelungen ist auch die Country-Rock-Version von „Keep On The Sunny Side“ der Carter Family. Demgegenüber fällt das Cover „Bound Away“ im Vergleich mit dem Original von Cake ziemlich glatt aus.

Dwight Yoakam meldet sich mit „Brighter Days“ zurück. Professionell produziert, wie man es von ihm kennt, reiht sich das Album in die Liste seiner Veröffentlichungen ein. Yoakam bleibt seinem Stil treu und so werden die neuen Songs bei den Traditionalisten unter den Country-Fans und seinen 1.3 Millionen Facebook-Followern sicherlich positive Resonanz erzeugen. Im November promotet Yoakam sein Werk mit Konzerten in Florida und Texas, bei denen er mit The Mavericks, Gary Allen und Joshua Ray Walker unterwegs ist.

Via Records – Thirty Tigers (2024)
Stil: Country

Tracks:

01. Wide Open Heart
02. I’ll Pay The Price
03. Bound Away
04. California Sky
05. Can’t Be Wrong
06. I Spell Love
07. A Dream That Never Ends
08. Brighter Days
09. I Don’t Know How To Say Goodbye (Bang Bang Boom Boom) (feat. Post Malone)
10. If Only
11. Hand Me Down Heart
12. Time Between
13. Keep On The Sunny Side
14. Every Night

Dwight Yoakam
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Henrik Freischlader – 07.11.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Dass Henrik Freischlader zu den angesagtesten Blues-Musikern Deutschlands gehört, zeigt sich auch dadurch, dass der Schwarze Adler schon einige Wochen vor dem Konzert ausverkauft war.

Pünktlich um 20 Uhr betritt Freischlader mit seinem Bassisten Rene Pütz und Drummer Leon Mucke die Bühne und begrüßt sichtlich gut gelaunt die Fans, die ihn mit Applaus aufnehmen. Passend beginnt er das über zweistündige Konzert mit zwei Sets, indem er mit dem Titelsong „The Blues“ von seinem ersten Album quasi die Überschrift des Abends setzt, um mit „Free“ direkt den Bogen zum letzten Studiowerk zu spannen. Die Songauswahl ist so geschickt gewählt, dass sich die gesamte Energie des Powertrios entladen kann.

Freischlader setzt mit zahlreichen oft minutenlangen Soli Akzente und heimst dafür mehrfach verdienten Szenenapplaus ein. Aber auch seine beiden Bandmitglieder zeigen neben der Rhythmusarbeit in kurzen Soloeinlagen und zum Ende des Konzertes mit einem mehrminütigen Bass- und Drumsolo, wo Freischlader ihnen die Bühne überlässt, das sie ihre Instrumente perfekt einzusetzen wissen.

In einem Konzert ohne Längen, wenn man von den langen aber abwechslungsreichen Gitarrensoli einmal absieht, begeistert die Band mit Tracks wie „Disappointed Woman“, „The Bridge“ oder „The Sky Is Crying“, um mit einer entfesselten Version von „Foxy Lady“ als Zugabe einen hochklassigen Bluesabend unter dem tosendem Applaus der Anwesenden im Schwarzen Adler zu beenden.

Line-up:
Henrik Freischlader – vocals, guitar
Rene Pütz – bass
Leon Mucke – drums

Text & Bilder: Gernot Mangold

Henrik Freischlader
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Schwarzer Adler, Rheinberg

Joe Flip – Old Soul: Live – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Joe Flip, ein mir bis dato mir völlig unbekannter amerikanischer Bluesrocker, dessen Markenzeichen es ist, auf handgefertigten Gitarren aus Ölkanistern zu spielen, stellte Ende September sein drittes Album vor. „Old Soul: Live“ heißt das Werk, auf dem er sich an Blues- und Blues Rock-Klassikern der letzten Jahrzehnte von Stevie Ray Vaughan („Pride and Joy“), Jimi Hendrix („Little Wing“, „Voodoo Child“), Ray Charles („Mess Around“), ZZ Zop („Tube Snake Boogie“, „Tush“, Just Got Paid“, „La Grange“), Freddy King („I‘m Tore Down“), Robert Nighthawk („Anna Lee“), Johnny Otis („Willie and the Hand Jive“) und Elmore James („The Sky Is Crying“) in teils elegischer Breite abarbeitet, alle in einem Club live gespielt und aufgenommen.

Die meisten der Songs kommen schweißtreibend und mit einer ungestümen Spielfreude daher und verleiten unwillkürlich zum Mitzappeln, wobei sie ihre Nähe zum den Originalen nicht verleugnen, aber dennoch Joe Flips Handschrift tragen. Einzig „Anna Lee“, in der Urfassung ein traditioneller Slowblues von Robert Nighthawk aus dem Jahr 1949, verwandelt sich unter den Fingern von Joe Flip in ein wildes und furioses, kaum wieder erkennbares Instrumentalstück. Das absolute Gegenstück dazu ist Elmore James‘ ruhige Komposition „The Sky Is Crying“ von 1960, die Joe Flip in ein modernes Gewand im Stil des Chicagoblues packt.

Die übrigen Tracks sind wie gesagt bekannte Knaller, in den denen der amerikanische Bluesrocker eindrucksvoll beweist, dass er nicht nur auf hohem Niveau Gitarre spielen kann, sondern auch stimmlich überzeugt. Insgesamt ein feines Album für flippige Blues Rock-Aficionados.

Tracks:
01. Pride And Joy
02. Little Wing
03. Mess Around
04. Just Friends
05. Tube Snake Boogie
06. I‘m Tore Down
07. Anna Lee
08. Willie And The Hand Jive
09. The Sky Is Crying
10. Tush
11. Just Got Paid
12. La Grange
13. Voodoo Child (Slight Return)

Joe Flip
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