Harlem Lake – 04.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am zweiten Advent traten Harlem Lake erstmals in Köln im Yard Club auf. Die aus Harlem bei Amsterdam stammende Band konnte im Sommer bei einigen Festivals begeistern und gewann den European Blues Award. Umso trauriger war es, dass nur etwa 30–40 Musikfans den Weg in den Yard  Club gefunden hatten. Den wenigen Fans, die an diesem Sonntagabend anwesend waren, boten die jungen Niederländer einen Abend, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Von Beginn an zeigte sich, welch exzellente Musiker in der Band sind. Als erstes sei dabei Dave Warmerdam genannt, der für das Songwriting verantwortlich ist und trotz seines jungen Alters ein feines Händchen beweist, Elemente aus Blues, Americana und Southern Rock verschmelzen zu lassen. Seine Partnerin, nicht nur auf der Bühne, Jane Timmer übernimmt dabei den Part, die Texte zu schreiben.

Musikalisch gibt es dabei einige Paralellen zu einer amerikanischen Band in der auch Partner eine prägende Rolle spielen. So gab es unter den Besuchern so einige, die Vergleiche mit der Tedeschi Trucks Band machten. Was auf jedem Fall gesagt werden kann, ist, dass Harlem Lake sich nicht hinter prominenten Acts aus dem Genre zu verstecken brauchen.

Die junge Sängerin Jane Timmer begeisterte mit einer klaren Stimme und einem großen Stimmvolumen, was von zarten fast zerbrechlichen Gesang bis hin zur Bluesröhre ging, Zudem ging von ihr eine sehr positive Bühnenpräsenz aus und es gelang ihr schon mit der Ansage in einer Mischung aus Deutsch und Englisch die Besucher direkt einzufangen, dass sich über die gesamte Dauer des Konzertes eine tolle Stimmung mit einigen Anlässen für Szenenapplaus ergab.

Dave Warmerdam hielt sich optisch, meist Piano und Hammond Orgel spielend, zurück, offerierte dabei aber sein Können auch in einigen starken Soli. In den Vordergrund trat er bei den Tracks, wenn er sich die Gitarre schnappte und sich neben der Rhythmusunterstützung einige Gitarrenduelle mit Sonny Ray van den Berg lieferte. Herausragend war dabei der jammende Part in „I Won´t Complain“, mit Soli feinster Southern Rock-Manier, und auch der sonst eher im Hintergrund agierende Bassist Kjelt Ostendorf ein feines Basssolo hinlegte.

Sonny Ray, auch vom äußeren Erscheinungsbild, genau wie Dave in jede Southern Rock-Combo passend, gelang es viele Soloparts so auf den Punkt zu spielen, dass die Songstruktur nicht zerstört wurde. 

Visuell im Hintergrund standen Drummer Benjamin Torbijn und Bassist Kjelt Ostendorf. Dabei zeigten die beiden jungen Musiker schon eine große Souveränität ganz ohne große Effekthascherei. Beide hatten auch ein Feeling dafür, wann man sich etwas zurückhalten muss, um insbesondere bei den ruhigeren Stücken nicht die eher träumerische Stimmung zu zerstören.

Neben dem fast kompletten aktuellen Album spielte die Band als Zugabe mit „Mean Man“ noch ein Lied der Dave Warmerdam Band, aus der letztlich Harlem Lake entstanden ist und mit „Carry On“, dem begeisternden „Crying In The Desert“, „Temptation“, „Beggars Can`t Choose“ und „The Sight Of You“ fünf Songs, die erst auf dem neuen Album im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Nach dem, wie die Stücke in Köln präsentiert worden sind, kann ich schon jetzt eine Kaufempfehlung aussprechen!

Zudem coverten Sie mit „Beware“ (von Barrelhouse), „That`s How Strong My Love Is“ (von Little Milton), „Whiskey Drinkin` Woman“ (von Lou Donalson) und „Don’t Change Horses“ (von Tower Of Power) gekonnt einige Stücke von musikalischen Vorbildern und präsentierten so den Anwesenden ein abwechslungsreiches Programm mit einigen Überraschungen durch die noch nicht veröffentlichten Songs, die von den Fans begeistert angenommen wurden.
Nach dem Konzert begaben sich die Musiker sofort zu den wartenden Fans am Merchendise-Stand, um Fanartikel zu signieren, Erinnerungsfotos zu machen und um sich über den Abend zu unterhalten.

Neben den Musikern hatte ich noch ein nettes Gespräch mit dem Vater von Dave Warmerdam, der die junge Band unterstützt, über die Band und deren Pläne. Plan oder Traum wäre es nebenan in der Kantine, in die wir während des Gesprächs schauen konnten, zu spielen. Wenn man den Abend im Yard Club, mit der beeindruckenden Bühnenpräsenz der Band gesehen hat, kann aus diesem Traum ganz schnell Wirklichkeit werden. In der Form ist Harlem Lake auf dem Weg, eine der europäischen Topacts in deren Genre zu werden und sie bewiesen, dass sie nicht zu Unrecht den European Blues Award dieses Jahr gewonnen haben.

Harlem Lake werden voraussichtlich im nächsten Sommer auf dem Freideck der Kantine spielen, ein Termin, den man sich mit knallrot im Kalender markieren sollte. Ein besonderer Dank geht auch noch einmal an die Kantine/Yard Club insbesondere an Markus, der hoffentlich bald wieder vor Ort ist, die es immer wieder schaffen so großartige Künstler in den Kölner Norden zu holen.

Line-up:
Janne Timmer – lead vocals
Dave Warmerdam – organ, keyboards, guitar, bgv
Sonny Ray van den Berg – guitars, bgv
Kjelt Ostendorf – bass, bgv
Benjamin Torbijn – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Harlem Lake
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Yard Club Köln

Henrik Freischlader – Recorded by Martin Meinschäfer II – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Dreizehn Jahre nach seinem ersten Solo-Projekt hat Blues Rock-Gitarrist und -Sänger Henrik Freischlader nun die Fortsetzung vorgelegt. Hinter dem etwas gewöhnungsbedürftigen Titel “Recorded by Martin Meinschäfer II” verbirgt sich die besondere Wertschätzung für die Zusammenarbeit mit Toningenieur und Musiker Martin Meinschäfer.

Die 12 Eigenkompositionen des Multi-Instrumentalisten, der u. a. auch Bass und Drums beherrscht, verbinden ihre vielseitige Blues-Rock-Mentalität spielerisch mit der weit zurückliegenden Produktion des damals 27-jährigen Freischlader. Nur begleitet von Moritz “Mr. Mo” Fuhrhop an der Hammond Organ und den Keys, ist der neue Longplayer fast eine vollständige Eigenproduktion geworden, aber eben in maßgeblicher Kooperation mit dem Recording Mastermind an den Reglern. Diese langjährige Teamarbeit bildet den Grundstock einer Erfolgsgeschichte, die musikalische und technische Feinarbeit als kreatives Produktergebnis gegen große Konkurrenz stets neu harmonisch entwickelt.

Die neue Scheibe bietet von Beginn an exzellente Kompositionen, die von groovend-funky (“Free”) über relaxed-soulig (“Lost Souls”) bis rockig-melodisch (“Aware Of Things”) ihren ganz eigenen Charme verbreiten. Immer wieder gleiten kongeniale Solo-Parts finessenreich durch die Songs, starke Balladen-Highlights, wie “The Question” oder “I Wanna Go” bereiten dabei herrliche Freiräume, die Freischlader ausgiebig nutzt. In beinahe privat-persönlichen Texten beschreibt er hierzu seine Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Zuständen und Zwängen.

Seine individuellen Sichtweisen entfalten dabei in ihrer mutigen Offenheit durchaus zuversichtlich-standhafte Perspektiven oder Auswege und werden im letzten Stück “Hands Of Jesus” nochmals symbolisiert. In dem mit Texten und Fotos beispielhaft schön ausgestatteten CD-Booklet finden sich viele danksagende Widmungen, u. a. auch an Gary Moore, B.B. King, Peter Green und Joe Bonamassa, die als einflussreiche Vorbilder oder Bühnenpartner, insbesondere auch Freischladers Solo-Wege primär mitgestaltet haben.

Blues-Rock made in Germany auf internationalem Niveau: Unter anspruchsvollen Kriterien spiegelt das neue Solo-Studio-Werk von Henrik Freischlader eindrucksvoll den Handmade-Charakter der Aufnahmen von “Recorded By Martin Meinschäfer II”. Emotional vielschichtige Lyrics und das retrospektiv ausgerichtete Soundspektrum der Songs überzeugen in ihrer gelungenen Kontinuität. Seine musikalisch authentische Handschrift reflektiert ohne Zweifel die leidenschaftlichen Solo-Aktivitäten eines der besten Blues Rock-Individualisten Europas.

Cable Car Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Free
02. Aware Of Things
03. Turn Back The Clock
04. Rule The World
05. I Wanna Go
06. Lost Souls
07. Hall Of Shame
08. Old Life Back
09. Wasting Our Time
10. The Question
11. The Given Groove
12. Hands Of Jesus

Henrik Freischlader
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Cable Car Records

Andreas Diehlmann Band – Best Of 2017-2021 – LP-Review

Review: Jörg Schneider

Der deutsche Blueser Andreas Diehlmann hat sich im Laufe der Zeit zu einem Stammgast bei uns entwickelt, über den wir seit seinen Anfängen immer wieder gern berichten („Your Blues Ain‘t Mine“, „Your Blues Ain‘t Mine – Tour live“, „Point Of No Return“, Konzertbericht Cafe Steinbruch, „Mercy On Me“ und „Them Chains“). Die „Andreas Diehlmann Band“ besteht nunmehr seit 2017 als Trio mit Tom Bonn an den Drums und wechselweise Jörg Sebald bzw. Volker Zeller am Bass. Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens bringen die Jungs nun ein „Best Of“ Album mit 15 Songs der letzten Jahre heraus.

„Oh Well“, „Head Down Low“, „Your Blues Ain‘t Mine“, „Rita“, „Soulshine“, „Little Wing“ und „Gone“ hatte das Trio bereits auf den beiden „Your Blues Ain‘t Mine“- Alben aus 2018 und 2019 eingespielt. „Nothing But The Blues“, „Point Of No Return“, „Don‘t Go“ und Way Down South“ stammen von den 2019‘er Scheiben „Ponit Of No Return“ und „ADB“. Und vom 2020‘er Album „Mercy On Me“ haben es „Price To Pay“ und „Shadows Of Memories“ geschafft zu den Best-Of zu gehören. „Lola Sweet Rock ‚n‘ Rola“ und „Riding In The Dark“ sind schließlich von der letztjährigen Veröffentlichung „Them Chains“.

Bei Best-Of-Scheiben ist es wohl generell so, dass sie keine neuen Interpretationen bestehender Songs erwarten lassen. Da ist es auch keine Überraschung, dass Andreas Diehlmann seine Songs offenbar nicht neu abgemischt, sondern unverändert übernommen hat. Was aber nicht wirklich schlecht ist, da die Tracks auch so schon echte Blues- und Bluesrockkracher sind, die mächtig Stimmung machen. Weiteres dazu in den eingangs genannten Reviews.

Interessant ist das Album sicherlich für Leute, die sich gern einen Überblick über das bisherige – und beachtenswerte – Schaffen der Andreas Diehlmann Band verschaffen oder einem ihrer Bluesbuddies ein schönes Weihnachtsgeschenk machen möchten. Die „Best Of 2017-2021“-Scheibe kommt daher jetzt auch Anfang Dezember rechtzeitig zu Weihnachten als Doppel LP Gatefold Cover incl. Audio CD in die Läden. Für Liebhaber und den erwähnten Personenkreis ist sie eine absolut lohnenswerte Investition.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Oh Well
02. Head Down Low
03. Lola Sweet Rock ‚n‘ Rola
04. Your Blues Ain‘t Mine
05. Nothing But The Blues
06. Price To Pay
07. Point Of No Return
08. Riding In The Dark
09. Rita
10. Way Down South
11. Soulshine
12. Shadows Of Memories
13. Don‘t Go
14. Little Wing
15. Gone

Andreas Diehlmann
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Kai Strauss And The Electric Blues All-Stars – 02.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Leider fanden, wie in den letzten Monaten schon bald üblich,  weit weniger Zuschauer den Weg zu einem Konzert, wenn man die Besuchszahlen vor Corona zum Vergleich heranzieht. Die etwa 40 Bluesrock-Fans haben ihr Kommen aber nicht bereut. Ein gut aufgelegter Kai Strauss präsentierte in zwei Sets über knapp zwei Stunden eine Mischung von alten Songs sowie einigen des aktuellen Albums. Zudem spickte er seine eigenen Stücke mit einigen Covernummern, mit denen er die ‚alten‘ Vorbilder nicht in Vergessenheit geraten lassen will.

Unterstützt wurde er dabei von seinen Electric Blues All-Stars, mit denen er seit mittlerweile acht Jahren zusammenarbeitet. Besonders hob er seine Rhythmussektion mit Drummer Alex Lex und Bassisten Kevin DuVernay hervor, die die Grundlage für den Sound bereiten und er dann eigentlich nur noch ein bisschen Gitarre spielen muss. Ein bisschen Gitarre ist dabei allerdings weit untertrieben.

Knackige Soli begeisterten die Anwesenden und auch stimmlich zeigte sich Strauss in Bestform. Untermalt wurden die Songs durch die Saxophonist Thomas Herrmann und das Keyboard des Engländers Paul Jobson, die beide auch feine Soli einstreuten. Zudem konnte Jobson bei einem Stück auch seine stimmlichen Qualitäten einbringen.

So vergingen zwei Stunden Bluesmusik wie im Fluge und hinterließen als einzigen Wermutstropfen die zu geringe Zuschauerzahl im Yard Club, der lichttechnisch als auch vom Sound her aufgerüstet hat und dafür auch von Strauss mehrfach gelobt wurde, was es für eine Freude macht, unter solchen Rahmenbedingungen aufzutreten.

Line-up:
Kai Strauss – vocals, guitar
Alex Lex – Drums
Kevin DuVernay – Bass
Thomas Herrmann – Saxophone, Harmonica
Paul Jobson – Keyboard, Vocals

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

Kai Strauss
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Yard Club Köln

Patricia Vonne – My Favorite Holiday! – CD-Review

Jedes Jahr nehme ich mir vor, die Weihnachtsgeschenke frühzeitig zu besorgen. Jedes Jahr fehlen mir die meisten aber noch zwei Tage vor Heiligabend. Für diejenigen, denen es ähnlich geht, habe ich den Tipp, sich Patricia Vonnes „My Favorite Holiday!“ frühzeitig zuzulegen – am besten ein paar Mal, denn CDs halten sich zur Not auch bis zum übernächsten Fest. Das Album stammt sowieso schon aus 2021, aber da hatte ich es noch nicht entdeckt. Ich bin erst durch das letzte Konzert von Vonne in der Kulturrampe auf es aufmerksam geworden.

Weihnachtsalben haben zwar kein Verfallsdatum, sind in der Regel jedoch saisonal begrenzt. Oftmals reproduzieren sie die bekannten Klassiker und sind daher meist musikalisch weniger interessant. Anders verhält es sich mit „My Favorite Holiday!“, auf dem Vonne selbst (mit-)komponierte Songs vorstellt. Einzige Ausnahme ist das Traditional „Carol Of The Bells“, das sie a cappella mit ihrer Familie singt.

Für die Eigenkompositionen verdient die CD schon mal den ersten Stern, einen weiteren für die völlig erfüllte Grundanforderung, dass ein solches Konzeptalbum überwiegend Weihnachtsstimmung transportiert. Das beschwingte „Santa’s On His Way“ könnte ebenso wie das langsamere „Christmas Without You“, bei dem Stephen Ferrone (Tom Petty) am Schlagzeug sitzt, als Soundtrack eines entsprechenden Hollywood-Schinkens dienen. Wie diese Tracks ist auch „Christ Child“ orchestral unterlegt, wofür Scott Plunkett (Don Henley, Chris Isaak) verantwortlich zeichnet. Das flotte Titelstück mit Schellen und Schuhu-Background gehört ebenfalls in die Kategorie der eindeutigen Weihnachtslieder. Es punktet besonders durch das Saxophon von Johnny Reno.

Einen dritten Stern gibt es dafür, dass sich der Longplayer nicht in süßlicher Sentimentalität verliert. Bei dem staubigen, in die texanisch-mexikanische Grenzregion versetzenden Midtempo-Song „Alone On Christmas Day“ glänzt David Grissom (John Mellencamp, James McMurtry, Joe Ely) an den Gitarren. „Old Man Santa“, von Vonne, Rick Del Castillo und Alex Ruiz gemeinsam geschrieben und von Vonne und Ruiz als Duett performt, ist ein kräftiger Rocksong, der vielleicht thematisch, aber nicht musikalisch auf einem Weihnachtsalbum zu erwarten ist. Einen eigenen Stern erhält „Santa’s On A Rampage“, der nach Little Steven’s Underground Garage zu den Coolest Songs In The World gehört. Vonne und Rosie Flores gelingt hier ein ausgelassener Geniestreich, der Spaß macht und gute Laune versprüht.

Schließlich vergebe ich einen Stern für die Soundvielfalt, die durch die in spanischer Sprache gesungenen Songs nochmals erhöht wird. Bei diesen lässt Vonne ihre Kastagnetten klicken und klackern. Weitere Akzente setzen die Congas, Bongos in Kombination mit einer Geige bei „Cumbia Navidad“. Für „Nochebuena“ holt Vonne erneut Alex Ruiz mit ans Mikro, für „Las Posadas“ Ruben Blades.

In der Rubrik Weihnachtsalben erreicht „My Favorite Holiday!“ fünf von fünf Sternen. Ich könnte noch weitere vergeben, aber dann verzähle ich mich wieder. So ist dieser Longplayer nämlich der achte von Vonne und nicht „Top Of The Mountain“ (2018), wie ich seinerzeit behauptete. Produziert wurde er von Rick Del Castillo.

Patricia Vonne legt mit „My Favorite Holiday!“ ein originelles Werk vor, das thematisch um Weihnachten kreist, musikalisch aber eine bunte Mischung bietet, die sich aus ihren unterschiedlichen musikalischen Wurzeln speist. Diese liegen vor allem im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet. Neben den wohlklingenden Titeln, die sich in die Tradition moderner Weihnachtslieder nahtlos einreihen, finden sich daher auch aufgekratzte Rocksongs und spanische Stücke auf dem Album, die nicht nur zu den Festtagen gehört werden können.

Bandolera Records (2021)
Stil: Tejano/Weihnachtslieder

Tracks:
01. Santa’s On His Way
02. Nochebuena
03. Alone On Christmas Day
04. Las Posadas
05. Christmas Without You
06. My Favorite Holiday
07. Cumbia Navidad
08. Santa’s On A Rampage
09. Christ Child
10. Carol Of The Bells
11. Old Man Santa

Patricia Vonne
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Neil Young & Crazy Horse – World Record – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Ruhig, fast swingend beginnt das neue Album „World Record“ mit „Love Earth“, wo Neil Young sich musikalisch dem Thema, die Erde zu erhalten, widmet. Da besingt er sehr harmonisch in „Overhead“ den schönen blauen Himmel, um dann bei „I Walk With You“ mit getragenen eher melancholischen Melodien erstmals das typische Crazy Horse-Feeling aufleben zu lassen.

Fast verträumt, sich mit dem Piano begleitend, geht er auf die Veränderungen der Erde ein, rückblickend auf seine Kindheit in „The Old Planet“. Besondere Akzente setzt dabei auch noch Nils Lofgren, der mit dem Akkordeon einen gewisses Countryflair in den Song bringt. Roh, mit fast anklagenden Gesang weist Young in „The World (Is In Trouble Now)“ auf die Veränderungen hin. Neil spielt hier die Orgel, während Nils Lofgren die Gitarrenparts übernimmt.

Rohe verzerrte Gitarren leiten „Break The Chain“ ein und es entwickelt sich ein typischer Neil Young & Crazy Horse- Track im Midtempo. Ralph Molina an den Drums und Billy Talbot am Bass zeigen dabei, dass sie auch nach Jahrzehnten eine solide Rhythmusbasis für Youngs Gitarrenspiel legen. Ein belebendes Element ist auch Nils Lofgren, der slidend ein schönes Gegengewicht zum eher düsteren Gitarrenspiel Youngs bildet.

Im melancholisch getragenen „The Long Day Before“ offeriert Young wieder seine musikalisch ruhige Seite mit harmonischer Orgelbegleitung und seinem typischen Mundharmonika-Spiel. Passend dazu setzt Lofgren Nuancen mit der Pedal Steel Guitar. Stilistisch ähnlich prangert er in „Walkin`On The Road (To The Future)“ an, dass Alles, was man in der Vergangenheit getan hat, in der Zukunft seinen Preis haben wird und weist auch auf die kriegerischen Entwicklungen auf der Erde hin, was im pragmatischen Refrain „No More War Only Love“ zusammengefasst wird. Im folgenden „The Wonder Won`t Wait“ heißt das Paradigma anfangen zu Leben, bevor man stirbt.

Im für mich besten Lied des Albums widmet sich Young seiner automobilen Liebe, dem „Chevrolet“. Schöne Rhythmen und verzerrte Gitarren verschmelzen regelrecht miteinander und belegen eindeutig, was die Zusammenarbeit von Neil Young mit seiner Band Crazy Horse ausmacht.

Neil Young ist mit „World Record“ wieder ein starkes emotionales Album gelungen, das insbesondere durch seine Atmosphäre beeindruckt, die der mittlerweile bald 77-jährige Young immer noch erzeugen kann. Emotional verstärkt er den Weg der Band durch die angegebenen Geburtsdaten der Beteiligten, eventuell auch als Hinweis, dass der lange Weg bald beendet sein könnte.

Mit dem Album hat Young nun musikalisch das Kapitel geschrieben, das er vor einigen Jahren auf T-Shirts als Beilage zum Konzertbesuch am Eingang verteilen ließ , wo die männlichen Besucher eines mit dem Aufdruck ‚Earth‘ und die weiblichen eines mit dem Aufdruck ‚protect‘ erhielten.

Gerne erinnere ich mich daran, wie mir der nette Mitarbeiter am Merchandising-Stand auf meine Frage, ob ich für meine beiden damals kleinen Kinder eines kaufen könne, in die Augen schaute, und sagte, dass die Shirts nicht zum Verkauf gedacht sind, um mich dann zu fragen, wie groß die Mädels sind, und mir mit einem Lächeln zwei Shirts zu schenken. Er hatte damals im gewissen Sinne die prägende Zeile aus „Walkin`On The Road“ „No More War Only Love“ umgesetzt.

Band:
Neil Young: guitar, piano, organ, harmonica, vocals.
Billy Talbot: bass, vocals.
Ralph Molina: drums, vocals.
Nils Lofgren: guitar, piano, accordion, steel guitar, vocals

Reprise Records/Warner Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. Love Earth
02. Overhead
03. I Walk With You (Earth Ringtone)
04. The Old Planet (Changing Days)
05. The World /Is In Trouble Now)
06. Break The Chain
07. The Long Day Before
08. Walkin`On The Road (To The Future)
09. The Wonder Won`t Wait
10. Chevrolet
11. This Old Planet

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Oktober Promotion

Lainey Wilson – Bell Bottom Country – CD-Review

Allein schon für das hippieeske und doch so stylisch sowie wunderbar farblich abgestimmte Outfit hätte die aus Baskin, Louisiana stammende Lainy Wilson (mittlerweile natürlich in Nashville ansässig) auf dem Cover ihres neusten Albums „Bell Bottom Country“ in Sachen Haute Couture eine absolute Bestnote verdient. Aber auch musikalisch steht das vierzehn Stücke umfassende (13 davon von Lainey mitgeschrieben), von James Joyce in herrlichem Sound produzierte Gesamtwerk in Nichts nach.

Die mittlerweile 30-jährige Singer-Songwriterin, die Dolly Parton und Lee Ann Womack als ihre großen Vorbilder benennt, und 2020 mit der Single „Things A Man Oughta Know“ ihren Durchbruch schaffte, legt jetzt ihre zweite Scheibe auf einem Major-Label nach und befindet sich in kreativer Höchstform. Ich habe selten eine CD einer weiblichen Künstlerin im Player liegen gehabt, die mich sofort komplett mitgenommen und begeistert hat.

Zum einen gefällt mir ihre freche, mit einem Southern-Akzent versehene Stimme, die ich irgendwo zwischen Miranda Lambert, Stevie Nicks und Susannah Hoffs einordnen würde, und natürlich das in allen Belangen von wunderbarer Diversität geprägte Songmaterial, das am Ende einen exzellenten Balance-Act zwischen verhaltem modernen und traditionellen Countryelementen meistert.

Die beiden Opener „Hillbilly Hippie“ (CCR meets The Bangles) und das mit treibendem Refrain bestückte „Road Runner“ versetzten sofort in beste euphorisierende Laune, bevor man dann mit der grandios performten, melancholischen Ballade „Watermelon Moonshine“ wieder runtergekühlt wird. Das auf dem Fuße folgende funk-counryrockige coole „Grease“ flutscht dann mit enormer Power wieder wie Öl aus den Boxen.

Und so wird man im weiteren Verlauf mit angenehmen und bewegenden Midtempornummern (zum Teil mit balladeskem Einschlag) wie „Week-End“, „Me, You, And Jesus“, „Heart Like A Truck“ (nicht nur des pathetischen Titels wegen für mich eine potentielle Nr.1-Single) „Atta Girl“ und „Live Off“ (starker emotionaler Gesang der Protagonistin) sowie launigen Tracks der Marke „Hold My Halo“, „This One’s Gonna Cost Me“ (Led Zep-Flair), dem „Ghost Riders“-umwehten „Wildflowers And Wild Horses“ und dem countryesk verpackten 4 Non Blondes-Hit „What’s Up (What’s Going On)“ als Rausschmeißer durch ein stimmiges Wechselbad der Höremotionen geleitet. Irgendwo dazwischen, nicht zu vergessen, der herrliche Countryschunkler „Those Boots (Deddy’s Song)“ mit grandioser Akustik- und E-Gitarrenuntermalung.

Am Ende bin ich heilfroh, dass ich diese Scheibe, die schon im Oktober erschienen ist und mir fast durchgerutscht wäre, doch noch zum Reviewen erhalten habe. Diesen authentischen, instrumentell hervorragend eingespielten ‚Schlaghosen-Country‘ von Lainey Wilson hört man einfach gerne. Man merkt auf diesem bis in die Haarspitzen unter dem Hut motivierten Werk zu jeder Zeit, dass die junge Dame hoch hinaus will! Hats off, Lainey!

Broken Bow Records (2022)
Stil: New Country

Tracks:
01. Hillbilly Hippie
02. Road Runner
03. Watermelon Moonshine
04. Grease
05. Week-End
06. Me, You, And Jesus
07. Hold My Halo
08. Heart Like A Truck
09. Atta Girl
10. This One’s Gonna Cost Me
11. Those Boots (Deddy’s Song)
12. Live Off
13. Wildflowers And Wild Horses
14. What’s Up (What’s Going On)

Lainey Wilson
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Kenny Wayne Shepherd – Trouble Is… 25 – CD-Review

Zum 25-jährigen Jubiläum seines genialen Albums “Trouble Is” hat Kenny Wayne Shepherd (KWS) eine komplette Neuaufnahme des Meisterwerks aus dem Jahre 1997 aufgelegt. Die nochmalige Einspielung der Songs fand live im Studio mit der damaligen Crew statt (nur Bassist Tommy Shannon musste leider ersetzt werden). Auch wieder mit dabei ist Jerry Harrison (ehemals Modern Lovers bzw. Talking Heads-Mitglied) – diesmal als Co-Produzent.

Entsprechend der ursprünglichen Songlist beginnt “Trouble Is…25” ebenfalls mit “Slow Ride”, einer Jimi Hendrix- soundigen Hit-Single des Albums, die ihren schon damals absolut überragenden, jungen Solo-Gitarristen in gekonnt experimenteller Spielweise brillieren lässt. Mit “True Lies” folgt ein großartiger Übergang zum Southern-Texas Format eines Stevie Ray Vaughan, das straight-rockmäßig die Fingerfertigkeit von Shepherd strapaziert.

Das inzwischen als Mainstream-Rock-Klassiker geltende dritte Stück “Blue On Black” zelebriert unverändert die eindrucksvolle Saiten-Technik, wurde aber erst im April 1998 ausgekoppelt. Der anhaltende Erfolg des Original-Longplayers erforderte im Dezember 1998 weiterhin eine vierte Single: Bob Dylans schneller Rocksong “Everything Is Broken” wird als Southern-Cover gebührend präsentiert und verschafft dem bereits sehr erfolgreichen Album ein Jahr nach dem Release nochmals weiteren Respekt, obwohl es schon durch die Super-Top-Version von Jimi Hendrix’ “I Don’t Live Today” mehr als begeistern konnte.

Unverändert spielte KWS in der 25-er Session ausdrücklich auf dem alten Equipment und seiner 61er Fender Stratocaster und überließ die Vocals wieder Noah Hunt, der insbesondere auf dem grandiosen Blues-Harp Titel (Original Harp-Solo von James Cotton) und der zusätzlichen Hit-Single „Somehow, Somewhere, Someway”, wie auf dem gesamten Longplayer, seine tiefen Spuren hinterlässt. Auch die Mid-Tempo Ballade “I Found Love (When I Found You)” und die wuchtig, rockende Blues-Nummer “King’s Highway” firmieren unter Klassiker-Status eines junggebliebenen Longplayers, der mit “Nothing To Do With Love” außerdem ein Bonnie Tyler-Cover vertragen kann – Foot-Stomping mitreißend serviert.

Dem legendären Stevie Ray Vaughan könnten die beiden letzten Stücke “Chase The Rainbow” und der Titel-Instrumental-Track “Trouble Is” gewidmet sein – jeder für sich eine einzigartige Reminiszenz. Irgendwie verloren gegangen scheint demgegenüber leider der 1997er Bonus.Track “Voodoo Child”, eine leidenschaftliche 10 Minuten Version der Jimi Hendrix-Nummer, die nur auf der ersten Japan-Ausgabe erschienen ist. Dafür hat die Neuauflage eine andere Zugabe zu bieten: mit “Ballad Of A Thin Man” von Bob Dylans “Highway 61 Revisited” – LP wurde ein Top-Blues Cover Bonus zusätzlich eingespielt.

“Die neue Aufnahme war für mich eine echte Reise in die Vergangenheit”, so Kenny Wayne Shepherd über die Studio-Zeit für “Trouble Is…25”. Angesichts der außergewöhnlichen künstlerischen Klasse des inzwischen berufserfahrenen Gitarren-Virtuosen wird seine Jubiläums-Tour 2023 mit dem Nr. 1 Blues-Album auch für die Fans in Deutschland ein besonderer Leckerbissen werden.

Provogue Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Slow Ride
02. True Lies
03. Blue On Black
04. Everything Is Broken
05. I Don’t Live Today
06. (Long) Gone
07. Somehow, Somewhere, Someway
08. I Found Love (When I Found You)
09. King’s Highway
10. Nothing To Do With Love
11. Chase The Rainbow
12. Trouble Is
13. Ballad Of A Thin Man

Kenny Wayne Shepherd
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Mascot Label Group

Tom Petty And The Heartbreakers – Live At The Fillmore 1997 – CD-Review

Review: Michael Segets

Die Familie Petty und Mike Campbell (The Dirty Knobs), der langjährige Weggefährte von Tom Petty, halten die Erinnerung an den Ausnahmemusiker wach. „Wildflowers & All The Rest“ war bereits ein Mammutprojekt, das von ihnen gestemmt wurde. „Live At The Fillmore 1997“ erscheint nun ebenfalls als umfangreiche Zusammenstellung, bei der zudem Ryan Ulyate und Heartbreaker Benmont Tench an der Produktion – an der sich soundtechnisch nichts auszusetzen lässt – beteiligt waren.

Wie bei dem zuvor genannten Projekt liegen unterschiedliche Veröffentlichungsversionen vor. Das kürzere Paket umfasst drei LPs beziehungsweise zwei CDs, das längere jeweils doppelt so viele Tonträger. Die Deluxe-Ausgaben bieten neben der zusätzlichen Musik ein umfangreiches Booklet und ein paar Gimmicks. Die auf Vollständigkeit der Sammlung bedachten Fans, müssen also etwas tiefer in die Tasche greifen oder auf das Wohlwollen des Weihnachtsmanns hoffen.

Tom Petty And The Heartbreakers hatten Anfang 1997 zwanzig Auftritte innerhalb eines Monats im Fillmore, San Francisco. Dabei variierte die Band die Setlist jeden Abend und einige Auftritte wurden durch Gastmusiker wie Roger McGuinn (The Byrds) und John Lee Hooker veredelt. Auf „Live At The Fillmore 1997“ sind Mitschnitte von mehreren dieser Abende vertreten, wobei der Gesamtaufbau an dem eines Konzerts orientiert ist, beginnend mit der Begrüßung und endend mit der Verabschiedung. Dazwischen sind einige, erfreulicherweise von den Musiktracks gesplittete Zwischenbemerkungen eingestreut.

Die Deluxe-Ausgaben bietet 58 Songs, unter denen 35 Cover zu finden sind. Wer „The Live Anthology“ (2009) besitzt, kennt bereits fünf Versionen. „Green Onions“ auf der Anthologie wurde ebenfalls im Fillmore aufgenommen, aber an einem anderen Tag als die aktuell veröffentlichte Variante. Insgesamt sind wenige von Tom Pettys eigenen Klassikern vertreten, was insofern Sinn macht, dass sich „Live At The Fillmore 1997“ in erster Linie an Fans richtet, die diese sowieso schon in ihrem Bestand haben.

Dennoch verzichtet die Zusammenstellung nicht auf seine bekannten Titel, die teilweise in deutlich veränderten Interpretationen gespielt werden. So sind beispielsweise Pettys frühe Hits „American Girl“ und „Even The Loosers“ akustisch gehalten. „I Won’t Back Down“, langsam und mit viel Gefühl performt, begeistert dabei ebenso wie das über zehnminütige „Mary Jane‘s Last Dance”, bei dem die Heartbreakers ihrer Spielfreude freien Lauf lassen. Darüber hinaus sind Pettys Erfolgsnummern „Runnin‘ Down A Dream“, „Free Fallin‘“ oder „You Don’t Know How It Feels” vertreten.

Als besonders interessant stellen sich die Cover dar. Das Programm umfasst Stücke von The Kinks, The Byrds oder The Rolling Stones neben frühen Titeln des Rock ’n Roll (u. a. „Bye Bye Johnny“). Positive Überraschungen stellen „You Are My Sunshine“ und „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers dar. Vor allem aus heutiger Perspektive ist Bob Dylans „Knockin‘ On Heavens Door“ bewegend, das Petty in seiner einzigartigen Art singt.

Petty war ein hervorragender Songwriter und Interpret, was „Live At The Fillmore 1997“ eindrucksvoll belegt. Zu der musikalischen Qualität von Tom Petty And The Heartbreakers und ihrer Liveperformanz muss an dieser Stelle wohl weiter nichts gesagt werden. Der Leader und die Band sind perfekt aufeinander abgestimmt und präsentieren sich in Topform.

Bislang unveröffentlichte Cover sowie zum Teil deutlich veränderte Versionen eigener Stücke machen „Live At The Fillmore 1997“ zu einer sinnvollen Ergänzung jeder Musiksammlung. Die Zusammenstellung aus mehreren Konzertabenden beweist, warum Tom Petty And The Heartbreakers zu einer der besten Formationen der Rockgeschichte zählen.

Warner Records/Warner Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
CD 1
01. Pre-show (spoken interlude)
02. Around And Around
03. Jammin’ Me
04. Runnin’ Down A Dream
05. Good Evening (spoken interlude)
06. Lucille
07. Call Me The Breeze
08. Cabin Down Below
09. The Internet, Whatever That Is (spoken interlude)
10. Time Is On My Side
11. Listen To Her Heart
12. Waitin’ In School
13. Let’s Hear It For Mike (spoken interlude)
14. Slaughter On Tenth Avenue
15. Homecoming Queen Intro (spoken interlude)
16. The Date I Had With That Ugly Old Homecoming Queen
17. I Won’t Back Down
18. You Are My Sunshine
19. Ain’t No Sunshine
20. It’s Good To Be King

CD 2
01. Rip It Up
02. You Don’t Know How It Feels
03. I’d Like To Love You Baby
04. Diddy Wah Diddy
05. We Got A Long Way To Go (spoken interlude)
06. Guitar Boogie Shuffle
07. I Want You Back Again
08. On The Street Intro (spoken interlude)
09. On The Street
10. California
11. Let’s Hear It For Scott And Howie (spoken interlude)
12. Little Maggie
13. Walls
14. Hip Hugger
15. Friend Of The Devil
16. Did Someone Say Heartbreakers Beach Party? (spoken interlude)
17. Heartbreakers Beach Party
18. Angel Dream
19. The Wild One, Forever
20. Even The Losers
21. American Girl
22. You Really Got Me
23. Goldfinger

CD 3
01. Mr. Roger McGuinn (spoken interlude)
02. It Won’t Be Wrong
03. You Ain’t Going Nowhere
04. Drug Store Truck Drivin’ Man
05. Eight Miles High
06. Crazy Mama
07. Everyone Loves Benmont (spoken interlude)
08. Green Onions
09. High Heel Sneakers
10. John Lee Hooker, Ladies And Gentlemen (spoken interlude)
11. Find My Baby (Locked Up In Love Again)
12. Serves You Right To Suffer
13. Boogie Chillen
14. I Got A Woman

CD 4
01. Sorry, I’ve Just Broken My Amplifier (spoken interlude)
02. Knockin’ On Heaven’s Door
03. Honey Bee
04. County Farm
05. You Wreck Me
06. Shakin’ All Over
07. Free Fallin’
08. Mary Jane’s Last Dance
09. Bye Bye Johnny
10. (I Can’t Get No) Satisfaction
11. It’s All Over Now
12. Louie Louie
13. Gloria
14. Alright For Now
15. Goodnight (spoken interlude)

Tom Petty
Warner Records
Oktober Promotion

Copperhead County – Homebound – CD-Review

Langsam werden mir die Holländer unheimlich. Mit Copperhead County landet nach Voltage und Black Bottle Riot in unserem Magazin bereits die dritte Band, die sich ganz und gar dem Southern Rock bekennt und ebenfalls, für europäische Verhältnisse, mit ihrem zweiten Album „Homebound“ eine Bestleistung hinlegt, die sich hinter amerikanischen Vorbildern nicht zu verstecken braucht.

Wenn man relativ dicht am Meer beheimatet ist (das Sextett stammt aus dem in der Nähe von niederländischen Nordseeküstenort Zandvoort gelegenen Hoofdoorp) muss man ein sonniges Gemüt besitzen, was die Einrahmung des zehn Tracks umfassenden Werkes mit Songs wie dem Opener „Sunny“ und dem Abschluss mit „Sound Of Summer“ zu untermauern scheint.

Ein großer Vorteil der Band ist, dass sie mit Corvin Keurhorst einen Sänger ihr Eigen nennen können, der tatsächlich amerikanisch klingt und irgendwo zwischen Will Hoge und Charlie Starr (Blackberry Smoke) verortet werden kann und mit Leadgitarrist Robert van Voorden jemanden haben, der das große Einmaleins des Southern Rock-E-Gitarrenspiels perfekt beherrscht und ein Faible für den Stil von Hughie Thomasson zu besitzen scheint.

Marja Boender liefert die für das Genre typischen weiblichen Backgroundvocals, Keyboarder  Jordy Duitscher fühlt sich am Organ am wohlsten, und Bassist Johan van Dijk und Alex Stolwijk geben den Rhythmus vor.

Die zehn Eigenkompositionen wurden von Matt Wallace, der für seine Zusammenarbeit mit Acts wie u. a. Faith No More, R.E.M., Maroon 5 oder Blackberry Smoke bekannt ist, ins rechte soundtechnische Licht gesetzt. Man bewegt sich überwiegend im Rahmen der guten alten Southern Rock-Zeit mit Bands der ersten und zweiten Generation wie den Outlaws, Lynyrd Skynyrd, Doc Holliday oder Molly Hatchet und lenkt diese Einflüsse mit eigenen Ideen in eine Richtung, die heute von einer Band wie Blackberry Smoke weitergeführt wird.

Der Auftakt mit „Sunny“  und „Dreams Of The South“ (mit ein wenig „Holliday“-Billy Jones-Flair) gehört den Outlaws, das knackige „Quickjaw“ mit den „The Journey“- und „Green Grass And High Tides“-Reminiszenzen im tollen Gitarrenfinish hätte ich am Ende platziert.

Das pulsierende „Enjoy The Ride“ und das starke „Tonight We Ride“ (erinnert ein wenig an „Lonesome Guitar“) hätten auf jedem Doc Holliday-Album ihre Berechtigung gehabt, beim „JamMan“ hört man im Refrain die Black Crowes, während bei „Highroller-Queen Of Vegas“ und „Alphahretta Rain“ (mit „Swamp Music“-Rhythmus) dann auch noch Lynyrd Skynyrd mit ins Spiel genommen werden.

Copperhead County’s „Homebound“ ist Wasser auf die Mühlen der klassischen Southern Rock-Fraktion, die es gerne im ursprünglichen Format der Siebziger Jahre angehen lässt. Die Burschen wissen, was sie tun und stehen mit ihrem Werk ganz weit oben in der Neuerscheinungsliste des Genres. Eine typische Formation, die man gerne hier in unserer geliebten Kulturrampe mal sehen würde und die sicherlich begeistert aufgenommen würde. Kein Zweifel, die Holländer können Southern Rock!

Label: CRS (2022)
Stil: Southern Rock

Tracks:
01. Sunny
02. Dreams Of The South
03. Quickjaw
04. Solid Ground
05. Enjoy The Ride
06. Highroller-Queen Of Vegas
07. Tonight We Ride
08. JamMan
09. Alphahretta Rain
10. Sound Of Summer

Copperhead County
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