Rhino Bucket, 06.01.2023, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Mit einem Jahr Verzögerung machte die kalifornische Hard Rock-Band Rhino Bucket den Konzertauftakt in der Krefelder Kulturrampe. Schon einige Tage zuvor meldete die Kulturrampe ein ausverkauftes Haus, und so hatte das Quartett Mühe, sich den Weg durch den proppevollen Zuschauerbereich auf die Bühne zu bahnen.

Danach folgte ein 90-minütiger Trip mit klassischen Hard Rock, der einen an die frühen Jahre von AC/DC erinnerte. Dies lag nicht nur an der Stimme Georg Dolivios, die eine große Ähnlichkeit zu Bon Scott hat (da hätten die Australier vor ein paar Jahren einen besseren Ersatz für den erkrankten Brian Johnson finden können als Axl Rose), sondern auch an den Rhythmusstrukturen der Songs, die Brian Forsythe mit einigen kernigen Gitarrensoli würzte.

Dave DuCey an den Drums und Reeve Downes am Bass sorgten für eine druckvolle aber bestens ausgesteuerte Soundgrundlage, die schnell dafür sorgte, dass sich eine tolle Stimmung in der Rampe entwickelte, von der sich die Band anstecken ließ. So war während der gesamten Dauer gehörig Druck auf dem Kessel.

Neben altbekannten Songs wie „Hey There“, „Welcome To Hell“, dem groovigen „Bar Time“, den Zugaben „Hammer & Nail“, „Ride The Rhino“ und dem Rausschmeißer „Smile“ gab es mit „Raise Your Glass“ auch ein neues, bisher nicht veröffentlichtes Stück, das auf die kommende Platte kommen soll.

Die wird dann bestimmt auf der nächsten Tour vorgestellt werden, weil Dolivio schon ankündigte, dass man sich nächstes Jahr wiedersehen werde. Abgerundet wurde der Jahresauftakt in der Kulturrampe dadurch, dass sich nach dem Konzert die gesamte Band unter die Fans in den Kneipenbereich begab und einiges an Foto- und Autogrammwünschen erfüllte.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Jahresauftakt auch eine Wende bezüglich der Besucherzahlen eingeläutet hat und die Clubs nun öfters wieder ein volles Haus vermelden können.

Line-up:
Georg Dolivo (lead vocals, electric guitar)
Brian Forsythe (electric guitar, vocals)
Reeve Downes (bass, vocals)
Dave DuCey (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Rhino Bucket
Rhino Bucket bei Facebook
Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Margo Price – Strays – CD-Review

Review: Michael Segets

Margo Price war bislang vor allem in der Country-Sparte erfolgreich. Hohe Plazierungen in den entsprechenden amerikanischen und englischen Charts sprechen für sich. Darüber hinaus blickt sie auf mehrere Auszeichnungen sowie eine Grammy-Nominierung zurück. Auf ihrem vierten Studioalbum „Strays“ erweitert Price ihre musikalische Bandbreite. Mit ihrem countrytypischen Sopran konnte sie stimmlich oftmals in die Nähe der kürzlich verstorbenen Loretta Lynn gerückt werden. Nun zeigt Price auch gesanglich neue Facetten im Bereich des Rock, Pop und Americana.

In der ersten Hälfte von „Strays“ schlägt Price rockige Töne an. Der Opener und zugleich die erste Single „Been To The Mountain“ mit seinen leicht psychodelisch angehauchten Gesangseinsprengseln gibt dabei bereits die Richtung vor, die „Light Me Up“ fortführt. Dieses Highlight der CD beginnt sanft, nimmt dann Fahrt auf, um anschließend wieder das Tempo rauszunehmen. Price spielt hier raffiniert mit den Spannungskurven. Das I-Tüpfelchen setzt Mike Campbell (Tom Petty, The Dirty Knobs) an der E-Gitarre. Ebenfalls sehr gelungen ist die zweite Single „Change Of Heart“, das harmonisch rockt, ohne dabei glatt zu wirken.

Die Stücke auf dem Album sind durchgängig mit großer Bandbesetzung arrangiert. Eine Ausnahme bildet „Lydia“. Die akustische Gitarre von Price wird dort lediglich von Cello und Geigen begleitet. Als eher ungewöhnlich stellt sich der Einsatz von Synthesizern dar, auf den Price mehrmals zurückgreift. Nicht zuletzt deshalb erhalten einige Songs einen poppigen Touch. Am deutlichsten wird dieser bei „Radio“, das Price zusammen mit Sharon Van Etten singt. Besonders der beinahe schon als Teeny-Pop zu bezeichnende Track „Time Machine“ sticht heraus. Trotz dieser Kategorisierung hat der Song etwas und – so ungern ich das zugebe – er gefällt mir. Bei ihm war Price nicht am Songwriting beteiligt. Die anderen Titel verfasste sie meist in Kollaboration mit ihrem Mann Jeremy Ivey, von dem auch „Anytime You Call“ stammt. Bei dem unterstützen Jess Wolfe und Holly Laessig von Lucius Price am Mikro.

Entstanden sind die Songs überwiegend im Sommer 2021. Thematisch können die Texte als Rückblick auf verschiedene Krisen verstanden werden, die Price im Laufe ihres Lebens durchstehen musste. Ihre Biographie „Maybe We’ll Make It“ erschien im Oktober, sodass die Entstehung des Albums insgesamt in eine retroperspektive Phase von Price fällt. Musikalisch geht Price jedoch einen experimentelleren Weg und richtet damit den Blick nach vorn, um weitere Möglichkeiten der Selbstinterpretation auszuloten. Dass die Wahl der ersten Auskopplungen auf rockige Titel fiel, macht neugierig auf den zukünftigen Weg, den Price einschlägt.

Vor allem im hinteren Teil des Albums nimmt Price das Tempo allerdings zurück. Rudimentär sind noch einzelne Country-Einflüsse auszumachen („County Road“), aber insgesamt sind die Titel im Americana-Bereich zu verorten. Als Favorit unter diesen Stücken kristallisiert sich das atmosphärisch dunkle „Hell In The Heartland“ heraus.

Gemäß dem Albumtitel „Strays“ streunt Margo Price durch Gefilde des Rocks, Pops und Americana. Die Orientierung verliert sie bei dieser Unternehmung jenseits ihres Country-Reviers nicht. Gekonnt changieren die Songs zwischen den unterschiedlichen Stilrichtungen. Price experimentiert dabei mit vielfältigen Ausdrucksformen ohne den Boden zu verlieren. Man begleitet Price gerne bei ihrer Suche und es bleibt abzuwarten, wohin sie diese zukünftig führt: zurück zum Country oder auf zu neuen Ufern.

Loma Vista-Concord – Universal Music (2023)
Stil: Rock/Pop/Americana

Tracks:
01. Been To The Mountain
02. Light Me Up (feat. Mike Campbell)
03. Radio (feat. Sharon Van Etten)
04. Change Of Heart
05. County Road
06. Time Machine
07. Hell In The Heartland
08. Anytime You Call (feat. Lucius)
09. Lydia
10. Landfill

Margo Price
Margo Price bei Facebook
Oktober Promotion

Der Sounds Of South-Rückblick 2022

Sounds Of South hat das siebte Jahr hinter sich. Das ‚verflixte siebte Jahr‘ heißt es ja im allgemeinen Sprachgebrauch so oft. Im Endergebnis ist es allerdings erstaunlich gut verlaufen, wir waren wie gewohnt  zuverlässig und schnell am musikalischen Puls der Zeit, in Sachen Konzertakkreditierungen, auch bei größeren Namen, macht sich unsere gute und zeitnahe Berichterstattung immer mehr bezahlt. 

Ich muss jedoch auch konstatieren, dass sich mit meiner neuen Stelle und einer damit verbundenen, extrem hohen Belastung, als auch das stramme Zugehen auf die Sechzig, erste Abnutzungs- und Ermüdungserscheinungen offenbaren. So ein Magazin auf diesem Niveau und dem ganzen ‚Drum und Dran‘ mal ebenso nebenbei nach der Arbeit (und den anderen Dingen, die auch noch so im Leben anstehen) zu schultern, fällt halt nicht mehr so leicht wie früher. 

Einen solchen Alben-Meilenstein, wie ihn Morgan Wallen anfangs des Jahres 2021 abgeliefert hatte (selbst zum jetzigen Zeitpunkt bricht das Werk nach wie vor alle Rekorde), wo man sofort wusste, dass da nichts heranreichen würde, gab es dieses Jahr nicht. Dennoch kam wieder viel gute Musik heraus, in Sachen Southern Rock-Alben überragten die Whiskey Myers, ein Highlight war, dem sympathischen Sänger TJ Lyle der aufstrebenden Georgia Thunderbolts, von denen sicherlich noch einiges Gutes zu erwarten sein wird, in einem Interview gegenüber zu sitzen.

Was Konzerte betrifft, gab es viele interessante Termine, wie u. a. zum Beispiel Whitesnake, die Reunion der Black Crowes oder die Melodic Rock-Kultband FM (da habe ich mich besonders gefreut, Steve Overland, einen meiner absoluten Lieblingssänger, mal kennengelernt zu haben), aber absolut unter die Haut ging der aus gesundheitlichen Gründen wohl letzte große Auftritt hier in NRW von Peter Frampton. Was für ein grandioser Gig in allen Belangen  des angeschlagenen Künstlers samt seiner begeisternden Band. Momente, die man wohl nie vergessen wird.

Mit Besorgnis muss auch weiterhin zur Kenntnis genommen werden, dass es besonders für die kleinen und mittleren Clubs, trotz aller Bemühungen, nach wie vor schwierig ist, auf einer finanziell gesunden Basis zu wirtschaften. Das Besucherniveau zu Vor-Pandemie-Zeiten ist nach wie vor längst nicht mehr zu realisieren, von daher unser eindringlicher Appell, weiterhin da möglichst alles zu besuchen, was geht.  Jeder, der die tolle Atmosphäre dort mal hautnah erlebt hat, weiß, dass dies mit den großen unpersönlichen Gigs der heutigen Zeit unvergleichbar ist und einfach einen ganz anderen Mehrwert abwirft.

Bedanken möchte ich mich erneut bei unserem kleinen, aber feinen Team mit Gernot, Stephan, Jörg und Michael, das wie gewohnt, die anfallende Arbeit zuverlässig geschultert hat und unseren Lesern sicherlich zu dem einen oder anderen guten Musiktipp verholfen hat.

Hier aber nun, wie gewohnt, nochmal eine kleine Auswahl meiner ganz persönlichen Highlights des Jahres 2022:

CD des Jahres:

Whiskey Myers – Tornillo
Dana Fuchs – Borrowed Time
Wade Bowen – Somewhere Between The Secret And The Truth

Überraschungs-CD des Jahres:

Markey Blue Ric Latina Project – Jumpin‘ The Broom

Newcomer-CD des Jahres:

Bad Luck Friday – Same

DVD des Jahres:

Black Stone Cherry – Live From The Royal Albert Hall… Y’All

Interpret des Jahres:

Joe Bonamassa

Der in Blueskreisen kontrovers diskutierte Amerikaner hat sich den Titel dank seiner Verdienste als umtriebiger Songwriter, Sänger, Musiker, Performer und mittlerweile auch als Förderer neuer und auch etablierter Talente redlich in unserem Magazin hart erarbeitet.

Song des Jahres:

Angel On My Shoulder – The Richie Scholl Band

Diese Songs machten beim Reviewen ebenfalls Spaß:

Straight Outta Jacksonville – Sam Morrison Band
Never After – Richard Marx
Call My Name – Dana Fuchs
Everything Has Your Memory – Wade Bowen
Strange – Miranda Lambert
Where The Wild Roses Grow – BlackHawk
Since You Left – Josh Hyde
Easy As Hello – Sunny Sweeney
Dear Georgia – Kane Brown
Watermelon Moonshine – Lainey Wilson
Desperation – Johnny Sansone
Crying Out Loud – Markey Blue Ric Latina Project
Slow It Down – Jamestown Revival
Why Can’t I – Kimberly Kelly
’62 Chevy – Keb‘ Mo‘
Colours Start To Run – Elles Bailey

Interview:

TJ Lyle (The Georgia Thunderbolts)

April-Scherz:

The Noble Five – The Blue Bird Sessions

Enttäuschung des Jahres:

Brett Young – der Nashville-Star mit einem beliebig austauschbaren Pop-Konzert ohne jede Spur von Country

Konzerte:

Konzert des Jahres:

Peter Frampton – 16.11.2022, Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf

The Black Crowes – 08.10.2022, RuhrCongress, Bochum

FM – 10.05.2022, Resonanzwerk, Oberhausen

Bilder Gernot Mangold:


Bilder Michael Segets:

Bilder Klemens Kübber:

Irgendwann 2017 kam die Idee auf, unser Logo mal als Schild herstellen zu lassen und eine Galerie von Künstlern/Leuten ins Leben zu rufen, die von unserer Arbeit angetan sind und sich, im Sinne einer Identifikation mit unserem Magazin, ablichten ließen. Hier ein Auszug von 2022 –  die ganze Galerie findet man unter diesem Link.

Bilder Sounds Of South VIP-Galerie 2022:

To be continued…

Wir wünschen unseren Lesern, allen Musikfreunden, Künstlern und Mediapartnern ein gesundes und gutes neues Jahr 2023. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass gute kreative Musik auch weiterhin am Leben bleibt.

Sounds Of South is gonna do it again!

Euer

Daniel Daus

Richard Bargel – Dead Slow Stampede – CD-Review

Review: Michael Segets

Beim ersten Blick auf das Digi-Pack der CD von Richard Bargel gingen mir spontan zwei Dinge durch den Kopf. Bei dem einen Gedanken wundere ich mich über mich selbst, da ich ihn vor zwei Jahren noch nicht gehabt hätte: Auf dem Cover sieht man Bargel, einen älteren weißen Mann mit geflochtenen Zöpfen. Ist das eine Rasta-Frisur? Ist das politisch korrekt oder kulturelle Aneignung? Ich mische mich in die Diskussion nicht ein, sondern konzentriere mich auf die Musik, auf die es hier ja letztlich ankommt.

Bevor ich das tue, aber noch schnell zu meinem zweiten Gedanken: Toll, dass CDs mit einer solchen Ausstattung noch produziert werden! Die aufwendige Gestaltung des Digi-Packs ist sehr gelungen. Wie schon bei „Missing Pieces“ von Henrik Freischlader liegt für jeden Track ein doppelseitig bedrucktes Einzelblatt bei, auf dem sich die jeweiligen Texte finden. Ergänzt werden diese durch Fotos, Credits und Liner Notes.

Fabio Nettekoven verfasste die Liner Notes, in denen er auf seine langjährige Kollaboration mit Richard Bargel zurückblickt. Nettekoven komponierte zwei Stücke mit, arrangierte einige neu und produzierte den Longplayer, der auf seinem neu gegründeten Label Clementine Music erschien. Mit dem Album, das ebenfalls in zwei Vinyl-Versionen erhältlich ist, gelingt der jungen Firma ein formidabler Start.

Bargel, der sich auch als Schauspieler, als Literat und neuerdings als Fotograf betätigt, ist seit den 1970ern fester Bestandteil der deutschen Bluesszene. Seine Werke wurde mehrere Male im Rahmen der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet oder standen auf der Nominierungsliste. Bekanntheit erlangte er darüber hinaus durch die Moderation der Veranstaltungsreihe „Talking Blues“, lokalisiert in Bargels Wahlheimat Köln.

Während seiner Karriere arbeitete er mit diversen Musikern zusammen, so beispielsweise mit Little Willie Littlefield oder Klaus Heuser (BAP). Vor zehn Jahren gründete Bargel das Bandprojekt Dead Slow Stampede. Das nun vorliegende Album spielte er zusammen mit Nettekoven (Gitarre, Keys), Geert Roelofs (Schlagzeug) und Jo Didderen (Bass) ein. Neben dem Blues wendet sich das Quartett auch anderen Musikrichtungen zu. „One Way Ticket“ sowie „The Family“ sind eher im Americana zu verorten, „Risk And Chances“ im Roots Rock. Einen Ausflug in den Country unternehmen Bargel und seine Mitstreiter bei „I Go Blue”. Mit Wurlitzer und Pedal Steel wirkt auch „Heart Shine Girl“ countryfiziert. In Richtung Swing geht „I Will Die For You“.

Bargel und Dead Slow Stampede zeigen also eine große musikalische Bandbreite, bei denen das erdige Arrangement überzeugt. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Blues. Einzelne Tracks erinnern dabei an Gurf Morlix oder Tom Waits („Grizzly Bear“). Die Songs drehen sich um Liebesbeziehungen („What A Fool I Am“), die Pandemie („Break The Chain“) oder allgemein um das Leiden an der Welt („Time For Mr. Blues“). Standhaftigkeit und das Rückgrat, eigene Fehler einzugestehen, erweisen sich in den Texten als das adäquate Mittel, um den Widernissen des Lebens zu begegnen. Eigenverantwortung statt Fatalismus! So könnte die die Songs durchziehende Botschaft lauten.

Richard Bargel, ein Urgestein des Blues made in Germany, überschreitet mit „Dead Slow Stampede“ Genregrenzen. Dabei wird deutlich, dass Roots Music weniger eine Frage der Nationalität ist, sondern eher eine des Lebensgefühls. Inhaltlich authentisch und musikalisch auf den Punkt produziert lässt das aufwendig gestaltete Album kaum einen Wunsch offen.

Clementine Music – Timezone Records (2022)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. One Way Ticket
02. Risk And Chances
03. I Go Blue
04. Break The Chain
05. Heart Shine Girl
06. Grizzly Bear
07. I Will Die For You
08. What A Fool I Am
09. The Family
10. Time For Mr. Blues

Richard Bargel
Richard Bargel bei Facebook
Clementine Music

Vanessa Collier – Live At Power Station – CD-Review

Vanessa Collier ist sein Beginn unseres Magazins Dauergast und so ist es nicht verwunderlich, dass ihre neuste CD, wenn auch als Nachzügler, vor einigen Tagen noch zum Jahresende hin, in meinem Briefkasten gelandet ist. Diesmal ist es eine Art, um mal dem zeitgenössischen Sprachgebrauch Tribut zu zollen, ‚hybrider‘ Tonträger, der im berühmten New Yorker Power Station Studio unter Anwesenheit von Verwandten, Freunden und Interessierten live eingespielt eingespielt und gleichzeitig quasi unter Studiobedingungen aufgenommen wurde.

Es wurden dazu Gigs an zwei aufeinander folgen Tagen vollzogen, letztendlich entschied man sich zur Aufnahme und Veröffentlichung des Auftritts vom 22. April diesen Jahres.  Wenn ich in mich gehe, ist Vanessa wirklich die einzige weibliche Saxofonistin, die mir neben der Niederländerin Candy Dulfer (und selbst die ist mir auch nur aufgrund ihres medialen Bekanntheitsgrades präsent), bewusst überhaupt irgendetwas sagt.

Für die Umsetzung der sieben Eigenkompositionen aus ihren bisherigen Werken und drei Coverstücken, das durch Tina Turner 1984 zu neuer Popularität gelangte „I Can’t Stand The Rain“  (in einer furiosen 8 1/2 Minuten-Version), der oft adaptierte Chris Smither-Song „Love Me Like A Man“ (in einer nahezu episch-jammig anmutenden 14 Minuten-Variante) und den im Jahre 1988 durch B. B. King veredelten U2-Bluestrack „When Love Comes To Town“, hat sie sich eine grandios auf einander abgestimmte Band mit dem famos agierenden Rhythmusduo Byron Cage (drums, bgv) und Andrew Cane (bass) sowie dem überragenden Keyboarder William Gorman (keys, bgv) und der, ihrer wuchtigen Statur entsprechend, auch oft vehement agierende E-Gitarristen Laura Chavez, an die Seite geholt. 

Vanessa selbst brilliert mit einer klasse Lead-Stimme und ich möchte nicht wissen, wie anstrengend es ist, dazu solch viele energiegeladene Sax-Soli (auf Alt- und Bariton-Art) abzuplustern. Besonders gefallen mir die beiden Stücke „The Run Around“ und „When It Don’t Come Easy“ aufgrund ihres southern-rockigen Charakters, die hätten gut auch auf Scheiben der Rossington Collins Band gepasst. Ansonsten erhält man einen kurzweiligen Mix (auch wenn die Tracks alles andere als kurz performt werden) aus Blues-, Blues Rock-,  (Texas) Boogie-, Soul- und Funk-umwehten Sachen, bei denen das Wechseln zwischen Gesang, Saxofon, diversen Key-Varianten (u. a. Orgel, E- und HT-Piano) und  starken E-Gitarren (Fills, Soli) im Mittelpunkt steht.

Am Ende ergibt sich ein typischer Gig, bei dem man gerne mit live dabei gewesen wäre. Vanessa Collier, da bin ich mir sicher, wird, ob weiter in Eigenregie oder wie auch immer (ich finde, ein Joe Bonamassa könnte durchaus gerne mal ein Auge als Förderer auf sie werfen), ihren Weg machen. Sie hat eindeutig das Zeug zum Überflieger. Und in Anlehnung an ihr Talent und ihren Song „Icarus“ lautet deshalb auch mein Ratschlag: „Keep dreaming big, fly Vanessa fly!“ Die Absturzgefahr wäre in ihrem Fall sicherlich als äußerst gering einzuschätzen.

Phenix Fire Records/Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues (Rock) & More

Tracklist:
01. The Run Around
02. Whiskey And Women
03. I Can’t Stand The Rain
04. Sweatin‘ Like A Pig, Singin‘ Like An Angel
05. Love Me Like A Man
06. When It Don’t Come Easy
07. Icarus
08. When Love Comes To Town
09. Tongue Tied
10. Two Parts Sugar One Part Lime

Vanessa Collier
Vanessa Collier bei Facebook

Bad Temper Joe – Glitter And Blues – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Guten Blues gibt es also auch bei uns in deutschen Landen. Das beweist der Bielefelder Bad Temper Joe eindringlich mit seiner neuen Scheibe „Glitter And Blues“. Obwohl er bisher bereits mehrere Alben veröffentlichte, die German Blues Challenge gewonnen und 2020 als einziger europäischer Act im Finale der International Blues Challenge in Memphis gestanden hat, ist der Ostwestfale bislang leider nicht auf meinem Radar aufgetaucht. Daher herzlichen Dank an Timezone Records, die uns diese tolle Scheibe für ein Review zur Verfügung gestellt haben.

Stilistisch ist sie Mischung aus Delta Blues, Country, Folk und das ganze teils vermischt mit Americanaeinflüssen („Who Are You“). Manchmal nachdenklich, aber nie wirklich tieftraurig, dafür oftmals träumerisch (z. B. „Glitter And Blues“) oder beschwingt (der Boogie Woogie „Pink Panther“) und lebensfroh (z. B. das auf einer bekannten Melodie beruhende „She‘ Got A Hold On Me“).

Die Songs auf „Glitter And Blues“ graben sich tief in die Gehörgänge ein, insbesondere die lediglich auf BTJ‘s sonorem Gesang, Akkustik- und Resonatorgitarre sowie Kristin Sheys ergänzenden Vocals aufgebauten Songs (das glückselige „All Over Again“, das fröhliche „Travel Light“, das unbeschwert klingende „This Time Last Night“ oder das fröhliche „Two Trains“). Sehr schön ist ebenfalls das ruhige und sparsam arrangierte „If These Walls Could Talk“ (Resonator- und E-Gitarre, Keys und Gesang).

Nach dem Hören der Platte war ich zugegebener Maßen mehr als beeindruckt. Eine solch klasse Bluesscheibe hätte ich kaum von einem deutschen Künstler erwartet. Unter dem Strich ist „Glitter And Blues“ ein wahnsinnig tolles Album, ganz im Zeichen der alten Meister des Blues. Traditionell also, aber erfrischend neu interpretiert und mit gut verständlichen, klaren Songtexten unterlegt.

Und so beurteilte auch das britische „Blues Matters“ Magazin den Silberling mit den Worten: „It’s hard to believe that the sounds of the Mississippi-Delta have relocated to Germany, but they have.” Es ist also genau die richtige Scheibe um jetzt im Winter vor dem wärmenden Ofen zu sitzen und die ruhige, eingängige Musik zu genießen, am Besten in gemütlicher Zweisamkeit. Ach ja, das Wichtigste noch: Teil ist bereits seit dem 25.11. diesen Jahres im Handel!

Timezone Records (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Glitter And Blues
02. Cold Feet
03. Pink Panther
04. Long Gone Friend Blues
05. She‘s Got A Hold On Me
06. Travel Light
07. All Over Again
08. Fountain Of Weekness
09. Two Trains (Runnin‘ Different Ways)
10. If These Walls Could Talk
11. This Time Last Night
12. Who Are You

Bad Temper Joe
Bad Temper Joe bei Facebook
Timezone Records

Albie Donelly’s Big Thing – 09.12.2022 – to Hoop, Rheinberg – Konzertbericht

So langsam neigt sich das Konzertjahr 2022 auch im to Hoop dem Ende zu. Zum Abschluss einiger starker Blueskonzerte im Herbst besuchte der Brite Albie Donelly nicht mit Supercharge, sondern seinem Big Thing die im Rheinberger Ortsteil Alpsray gelegene Location.

Als die Band gegen 20:15 Uhr die Bühne betrat waren fast alle Sitzplätze belegt, dass im Vergleich zu den vorherigen Konzerten auch durch die Bestuhlung der Saal optisch halbwegs gefüllt war. Mit seiner Band legte er gleich los wie die Feuerwehr und lieferte zwei Sets von jeweils etwa 50 Minuten, die von den Besuchern regelrecht abgefeiert wurden.

Mit Wolfgang Diekmann am Bass und Uwe Petersen an den Drums bildeten zwei exzellente Musiker die Rhythmusfraktion und sorgten für einen besonderen Groove. Beide konnten auch in längeren Soli ihre Qualität unter Beweis stellen. Optisch im Mittelpunkt stand aber der immer noch sehr vitale Albie Donelly, dessen Stimme klar und ausdrucksstark wie vor Jahrzehnten ist und der mit seinen Saxonfoneinlagen den einen oder anderen Szenenapplaus einheimste.

Zudem zeigte er sich als starker Entertainer zwischen den Songs. So erzählte er, passend zum to Hoop mit seinen zahlreichen Whiskeysorten, von der Whiskey trinkenden Mama, die in alle möglichen Getränke Whiskey kippt; sogar in Whiskey, womit er für einige Lacher sorgte.

Neben Donelly sorgte auch Gitarrist André Tolba mit knackigen Soli für einige Highlights während des Konzertes und unterstützte Albie bei den meisten Songs mit starken Backgroundgesang und konnte in einem Song auch zeigen, dass er ein sehr guter Leadvokalist ist.

Nach dem Konzert gab Sami Durak einen kurzen Überblick zu den kommenden Konzerten, wobei Auftritte von Bernhard Allison und Aynsley Lister beispielsweise zu nennen sind, die 2023 stattfinden werden. Es lohnt sich mit Sicherheit öfters mal auf die Webseite des to Hoop zu schauen, wer demnächst auf der Bühne in Alpsray stehen wird.

Line-up:
Albie Donnelly – Alt & Tenor Saxofon / Gesang
André Tolba – Gitarre / Gesang
Wolfgang ‘BOLLE’ Diekmann – Bass
Uwe Petersen – Schlagzeug

Text und Bilder Gernot Mangold

Albie Donelly
Albie Donelly bei Facebook
to hoop Rheinberg-Alpsray

Aynsley Lister – Along For The Ride – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Aynsley Lister, sicherlich einer der begnadetsten britischen Blueser, hat sich zu seinem 46‘sten Geburtstag ein schönes Geschenk in Form eines neuen Albums gegönnt. „Along For The Ride“ ist am 11. November auf seinem familien-eigenen Label ‚Straight Talking Records‘ erschienen. Es ist sein neuntes Studioalbum und enthält 13 bärenstarke Songs, geprägt durch Einflüsse von u. a. Eric Clapton, Peter Green und Albert King.

„Along For The Ride“ ist zu einem sehr persönlichen Werk geraten. Die Songs reflektieren seine Lebenserfahrungen und erzählen – verpackt in straighte Rocktunes („Is This Happening Now“, „World Is Falling“), knackige chicagostyle Bluesnummern („Amazing“, „Made Up My Mind“, „Wait For Me“), empathische Slowblues-Stücke („Cast A Light“, „Eve, Part 1“, „Eve, Part 2“ und „No One Else But You“) und in balladeske Sachen wie „Bide My Time, „ Along For The Ride“ und „Masquerade“ von den Dingen, die uns alle im täglichen Leben beschäftigen (Liebe, Freundschaft, Pandemie, Social Media, Fake News), wobei einige der Tracks durchaus Ohrwurmqualitäten aufweisen.

Es ist schwer, aus den 13 Songs des Album ein oder zwei Highlights zu benennen. Wenn überhaupt, dann sind es „No One Else But You“, ein nostalgischer Slowblues zum Dahinschmelzen, in dem Listers musikalische Wurzeln zum Ausdruck kommen, der Opener „Amazing“, ein genussvoller Chicago-Midtempoblues mit kristallklarem Klang und das beschwingt balladeske „Bide My Time“, in dem es um vollgepackte Terminkalender und fehlende Zeit für Zweisamkeit geht. Zusätzlich wären dann da auch noch „… ach was sag ich …“ die Stücke sind einfach alle zu gut.

Der Brite beweist mit seinem neuen Album einmal mehr, dass er seinen Ruf als Weltklasse-Gitarrist zu Recht genießt. Nicht umsonst war er ja auch u. a. bereits mit John Mayall und Buddy Guy erfolgreich auf Tournee. Und für das britische ‚Classic Rock Magazin‘ zählt Lister sowieso zu den Top 10 der weltweit besten zeitgenössischen Bluesmusiker.

Sich „Along For The Ride“ (mit grafisch äußerst ansprechend gestaltetem Cover und sehr schön fotografiertem Booklet) in den Plattenschrank zu stellen, ist bestimmt kein rausgeschmissenes Geld, sondern vielmehr eine lohnende Investition in ein hervorragend arrangiertes Album mit einer musikalischen Bandbreite, die von kräftigen Blues und Rocktunes über gefühlvolle Chicagobluesnummern bis hin zu bittersüßen Slowbluesstücken reicht. Für Bluesfans also ein „Must Have“.

Straight Talkin‘ Records (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Amazing
02. Bide My Time
03. Wait For Me
04. Is This Really Happening Now
05. Eve Part I
06. Cast A Light
07. Along For The Ride
08. World Is Falling
09. Invincible
10. Made Up My Mind
11. Masquerade
12. No One Else But You
13. Eve Part II: Love You To Death

Aynsley Lister
Aynsley Lister bei Facebook
Brooke Lynn Promotion

DeWolff – Interview

Vor einigen Wochen hatten wir vor dem Black CrowesGig im RuhrCongress im nebenan liegenden Hotel die Gelegenheit, mit den drei sympathischen Jungs von DeWolff, die als Support-Act fungierten, u. a. über deren neues Album „Love, Death & In Between“, das am 03. Februar 2023 erscheinen wird, ein paar Worte zu wechseln.

Sounds Of South: Wie kam es zur Gründung und dem Bandnamen DeWolff?
DeWolff: (Luca) 2007 spielten wir, du weißt, wir sind Brüder, im Keller des Hauses unserer Eltern zusammen, es war eine Art Jam-Session. Kurze Zeit später kam der Name de Wolff zur Diskussion, inspiriert durch den Film „Pulp Fiction“. Daher stammt also der Name.

Sounds Of South: Wie erklärt ihr euch eure ungemein ansteigene Popularität in den letzten Jahren, obwohl ih ja nicht aus dem anglizistischen Sprachraum stammt (USA Großbritannien)?
DeWolff: (Luca) Ich weiß es nicht genau, aber ich denke, weil wir Musik von ganzem Herzen machen. Wir leiben es Musik zu machen, und das spüren die Leute, wenn sie uns Musik machen sehen. Wir sind eine gute Band! (Pablo) Haha, als individuelle Musiker sind wir richtig gut, aber wenn wir als band zusammen sind, passiert immer was ganz Spezielles. Wir sind jetzt über 20 Jahre zusammengewachsen und das passiert gewöhnlich nicht so oft. dass Bands dies über so einen langen Zeitraum tun, meistens kommen sie einfach so zusammen, Wir haben uns musikalisch kontinuierlich weiterentwickelt und das ist was, den Leuten gefällt, wenn sie uns treffen.

Sounds Of South: Ihr habt gesagt, dass mit dem Support von The Black Crowes ein persönlicher Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Wie beurteilt Ihr solche Comebacks, obwohl bei der Band ja eigentlich Jahrzehnte zuvor eher nur ‚böses Blut‘ geflossen ist?
DeWolff: (Luca) Ja, mit den Black Crowes zu spielen, hat sich ein Traum verwirklicht, weil wir die seit unserer Geburt immer wieder gehört haben. Auch unsere Eltern sind Black Crowes-Fans und haben ihre Musik zu Hause regelmäßig laufen lassen. Es heißt, dass Pablo während eines Black Crowes-Gigs gezeugt worden sei. (Pablo) Ja, meine Eltern waren 1990 auf dem Pink Pop-Festival, als die Black Crowes da spielten, neun Monate später wurde ich geboren. Als wir sie getroffen haben, habe ich nichts von Verstimmtheiten bemerkt. Sie machten einen wirklich netten Eindruck. Dass sie gute Musik machen, versteht sich von selbst.

Sounds Of South: Kommen wir zum neuen Album, das für den Februar 2023 geplant ist und in das wir schon voarb reinhören durften. Fahrt ihr oft in Nachtzügen? Geht es da ähnlich so turbulent ab wie in dem Song („Night Train“)? Übrigens fand ich die Idee mit dem James Brown-mäßigen Sprechintro und die kurzen Reminiszenzen an „Locomotive Breath“ sehr originell.
DeWolff: (Pablo) Oh, ich kenne diesen Song, wir haben ihn schon gespielt. Tatsächlich? Wir sind immer nur ein Produkt der Musik, die wir hören. Die Idee kam mit einem Gitarren-Riff, dass wir dann zusammen mit einer Double Bass Drum versuchten, was wir normaler Weise nie tun. Da entstand dann so eine Art ‚Rollender Zug‘-Sache. Als ich dann noch „Night Train“ sang realisierten wir, dass es auch einen James Brown-Song mit dem Titel gibt. Den haben wir dann gecheckt und bemerkt, dass er ganz anders ist.

Sounds Of South: Das zweite Stück „Heart Stopping Kinda Show“ hat für mich den größten Southern Rock-Bezug (und vielleicht „Jackie Go To Sleep“) und ist somit mein Lieblingsstück des Albums. Wie seht ihr das als Experten? Schließlich seid ihr ja von Musikgrößen wie Seasick Steve euch mit den Allman Brothers verglichen.
DeWolff: (Luca) Ja, Seasick Steve schlief bei einem Festival in seinem Tourbus und er träumte, dass er den Allman Brothers zuhörte, sie spielen sah oder so ähnlich. Als er aufwachte ging er nach draußen und hörte uns auf der Bühne spielen. Er stellte sich dann neben die Bühne und erzählte uns dann die Story. Das war schon ein verrückter Vergleich und ein großes Kompliment für uns. (Robin) Ja, „Jackie Go To Sleep“ ist eine Art von „In Memory Of Elisabeth Reed“ und nun, wo du es sagst, könnte „Heart Stopping Kinda Show“ auch ein Black Crowes- oder Leon Russell-Song sein.

Sounds Of South: Das Centerstück des Werkes mit kanpp 17 Minuten Spielzeit ist sicherlich der Song „Rosita“. Wer ist die Dame und wie hat sie es geschafft eure gesamte im Kervax Studio in der Bretaagne versammelte ‚Mannschaft‘ in eine derartige musikalische Euphorie zu versetzen?:-)
DeWolff: (Pablo) Rosita ist eine mystische Figur, sie ist eine Göttin. Das Kied startet wie eine High School- Love Story. Genau wie im Film „Rosita“ geht es verrückt und eigenartig weiter. Ich wollte einen Song schreiben, der die gleiche Komik und Zufälligkeit wie Filme auf den Punkt bringt. Dann geht er in verschiedene Richtungen, er spricht aus wie wir träumen und der Himmel sagt „Schlafe für immer“, weil letztendlich der Schlafende stirbt und wenn sie sich offenbahrt, ist sie die Göttin der Liebe und des Todes. Sie ist keine reale Person, aber wir alle treffen diese Rositas mal irgendwann in unserem Leben.

Sounds Of South: Ich persönlich höre sehr gerne Balladen. Ich habe vor kurzen Mal ein neues Album von Pop-Rock-Ikone Richard Marx reviewt. Da waren gleich fünf drauf. Seine Art der Balladen unterscheidet sich natürlich enorm von euren wie z. B. „Wil‘ O Whisp“, „Gilded (Ruin Of Love)“ oder „Pure Love“. Was macht für euch eine perfekte Ballade aus?
DeWolff: (Luca) Eine Ballade muss eine Seele haben, das ist für uns die Hauptstimulation, wenn sie keine Seele hat, dann ist es Quatsch. Also, wenn wir eine Ballade schreiben, dann versuchen wir die Seele von den alten Otis Redding-Zeiten einzubinden. Er war der Meister der Balladen, er ist unsere größte Inspiration in der Hinsicht.

Sounds Of South: Die neue Scheibe ist ja insgesamt sehr Soul-beeinflusst. War der Besuch von Al Greens Predigt tatsächlich der Anstoß? Oder hat sich das beim Songwriting so ergeben oder hattet ihr einfach Bock drauf?
DeWolff: (Luca) Ich meine der Soul-Einfluss war schon lange da. Vielleicht schon 8-10 Jahre. Wir haben diese art der Musik schon immer geliebt. Aber es hat eine gewisse Zeit gedauert, diesen Stil in den DeWolff-Sound einzubinden. Aber ganz sicher war es auch Pablos Besuch in Al Greens Kirche in Memphis und da war sicherlich dann auch irgendwo der Klick da. (Pablo) ja, da war dieser spezielle Moment. Als ich in der Kirche ankam (die meiste Zeit ist er nicht dort, was ich nicht wusste), da war er an diesem Sonntag anwesend. Bei meinem Eintreffen wackelte das Gebäude, und es fühlte sich an, als wäre ein Rockkonzert im Gange. Ich ging rein, da war ein Hammondspieler, zwei große Boxen übereinander, da war eine riesige Energie und sie spielten nicht einfach nur Lieder, sondern wie große Akkorde und alle jammten miteinander und er schrie durch sie hindurch. Das war so schön und hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf mich.

Sounds Of South: Wer hat das orientalisch aussehende Coverbild mit der mythisch anmutenden Dame gemalt und was ist die Message hinter dem Bild?
DeWolff: (Luca) Das Cover hat Rosa de Weert, eine niederländische Künstlerin aus Amsterdam gemalt. Wir bewundern ihre Malerei schon eine längere Zeit. Das Album-Cover ist handgemalt, daher ist es authentisch. (Robin) Da ist wirklich nichts Digitales drin, es ist wie unsere Musik, menschlich, daher wollten wir so eine Art Malerei.

Sounds Of South: Am Ende eine ganz verrückte Frage: Ihr seid ja für eure musikalische Flexibilität und Vielseitigkeit bekannt. Könntet ihr euch vorstellen, auch mal eine Country-Platte zu machen?
DeWolff: (Pablo) Ja, es gab mal eine Zeit, da hörten wir viel Country und Americana-Sachen. Und ich sagte yeah, eines Tages machen wir vielleicht mal ein Country-Album, aber jetzt ist das noch illusorisch. (Luca) Letztes Jahr haben wir eine Album zusammen mit Freunden von uns, The Domburgers, aufgenommen, ein Soul-Projekt, das von Sam Cook und Otis Redding, Aretha & Co. inspiriert ist, und es war am Ende ein werk mit 14 Tracks und vor einigen Monaten haben wir mit einem weiteren Freund von uns, Theo Lawrence, er ist ein französischer Country-Sänger, bekannt für einige fantastische Countrysongs, ebenfalls was aufgenommen. Vielleicht machen wir sowas mal eines Tages als ein Seitenprojet.

———————————————————————————–

Das Interview in Englisch:

Sounds Of South: How did the band and the name DeWolff come about?
DeWolff: (Luca) It was in 2007 when we came together for the first time to jam in the cellar in the house of our parents, you know we are brothers, yes our first gig was like a kind of jam-session. I think not longer after that we came up with the name DeWolff, it was inspired of Mr. De Wolff from „Pulp Fiction“, so that is where the name come from.

Sounds Of South: How do you explain your tremendous raising popularity in the last few years, although you are not coming from the anglicism states such like USA and Great Britain?
DeWolff: (Luca) I don’t know I think it is because we are making music from the heart. We enjoy making music, that is what people see when we play on stage. (Pablo) We are a good band! Haha, as individual musicians we are pretty good, but when we are as a band together very special happens. We grew up as a band longer than 20 years and that does not usually happen, that bands are aged, they just get together, we grew up musically together and that does something that people enjoy listening do our watching.

Sounds Of South: You stated that with the support of the Black Crowes a dream came true. (Therefore)How do you assess such a comeback, just in case if there might have been any bad blood among the bandmates over the last decades?
DeWolff: (Luca) Yes, playing with the Black Crowes a dream has came true, because we have always been listening to that band ever since we were born. Our parents are Black Crowes fans and they always played that music at home, the story is that you Pablo was made during a Black Crowes concert. (Pablo) Yes probably, haha. Yes my parents were at Pink Pop in 1990 when they play there, and I was born nine months later. I do not noticed that they had problems, when we see them they were really nice guys and they make great music together.

Sounds Of South: Let’s talk about the new album that has been planed for beginning of February 2023. which we were authorized to hear of before. Do you actually often use night trains? Is it just as turbent as in the son „Night Train“? By the way I like the James Brown-based intro to the track as well as the the short reminiscences to „Locomotive Breath“.

DeWolff: (Pablo) Oh, I know that song. I think we already have played it. Really? It could be! We only the product of the music we have been listening to. The idea came with the guitar riff and we plaeyd it together and we tried to use a double base drum which we never do normally and we did that and we had this kind of rolling train thing and then I sing „night train“ and then we realized that it is also a James Brown song. Then we checked the song and heard that it is very different.

Sounds Of South: In my opinion the second track „Heart Stopping Kinda Show“ has the most Southern Rock influence (and perhaps „Jackie Go To Sleep“) and so it is one of my favourites on the album. How do you see it as an expert ? In the end you just have had even been compared with the Allman Brothers from an expert like Seasick Steve.
DeWolff: (Luca) Yes, Seasick Steve was sleeping in his bus, and he was dreaming that he was listening to the Allman Brothers, or he was dreaming seeing them play or something like that and when he woke up he turned out that he was hearing our music from the stage on the festival. He came outside and walked beside the stage and told us this story. It was a kind of crazy comparrison and a big compliment for us. Yes, „Jackie Go To Sleep“ is a kind of „In Memory Of Elisabeth Reed“ (Robin) now that you say and „Heart Stopping Kinda Show“ could a kind of Black Crowes or a Leon Russell song.

Sounds Of South: The center track with about 17 minutes running time is defenitely „Rosita.“ Who is that girl who got your complete crew in the Kervax Studio in the Betragne in such a musical excitement?
DeWolff: (Pablo) She is a mythical figure, (Luca) she is a goddess. (Pablo) The song started like a high school love story. As well as the movie „Rosita“ and then it goes on crazy and weird. I wanted to make a song that encapsulates the same weirdness and randomness that movies have, then it goes on in a crazy direction like it turns out like how we dream and the sky wants to say sleep forever, because it is always the sleepy dies and when she turns out she is the goddess of love and death. She is not a real person, but we all met Rositas in our life.

Sounds Of South: I personally love ballads. A few days ago I reviewed the new album of pop icon Richard Marx. There were even five on it. His kind of ballads differ a lot from yours just like „Wil‘ O Whisp“, „Gilded (Ruin Of Love)“ or „Pure Love“. What actually makes a perfect ballad in your opinion?
DeWolff: (Luca) A ballad has to be soulful. that is the main stimulation, if it doesn’t have soul it is just smush. So if we try to write a ballad we try add this soul from the old days like from Otis Redding. He was the master of ballads. And that is the biggest inspiration for us.

Sounds Of South: The new (Track)/ album is defenitely very soul-influenced. was it because of Al Green’s visit ? Or did that happen when writing songs? Or did you just want to do that?
DeWolff: (Luca) I think the soul influence was there a long time ago. Maybe 8, 9 or 10 years ago. We already loved this kind of music. It took sometime to incorporate that in the DeWolff sound. But defenitely Pablo visited Al Green’s church in Memphis, and defenitely there was a click somewhere. (Pablo) Yes it was a special moment. It was like when I arrived at the church, most time he is not there, but this Sunday he was there, but I didn’t know, as I arrived the building was shaking, and it was as there was a loud rock concert was going on, I went inside, the hammond player, like two Leslies on top of each other, it was really high energy but they were not really playing songs, more like big chords and everybody was like jamming and he was shouting over them and it was so beautiful and that had a profound influence on me.

Sounds Of South: Who painted the oriental looking cover picture with the kind of mythical looking lady and what is the message behind it?
DeWolff: (Luca) It is Rosa de Weert, she is a Dutch artist from Amsterdam, for quiet some time we were admiring her paintings, and the albumcover is hand-painted, so it is really unbuged. (Robin) Real, there is no digital stuff involved, it is the same as the music, human, so we kinda wanted the painting.

Sounds Of South: I just got a final and crazy question at the end: You are known for your flexibility and your versatility. Could you just imagine to do a country album?
DeWolff: (Pablo) Yes there was a time we were listening to Country and Americana and I said o yeah one day we might do a country album, but right now it is not really. (Luca) Last year we recorded an album with fiends of ours The Domburgers, it is a soul project, inspired by Sam Cooke and Otis Redding, Aretha and all that kind of stuff, and we made an album with 14 soul songs, and a couple of month ago we recorded some country tunes with another friend of us Theo Lawrence, he is a French country singer, known for some fantastic country songs, maybe we are going to release that someday, but as a side-project.

Bilder: Gernot Mangold
Interview: Daniel Daus

DeWolff
DeWolff bei Facebook
Mascot Label Group
Netinfect Promotion
RuhrCongress Bochum

Southside Johnny And The Asbury Jukes – Live In Cleveland ‘77 – CD-Review

Review: Michael Segets

Zum ruhigeren Jahresende finde ich die Muße, nochmal auf 2022 zurückzublicken und auch Alben durchzuhören, die im Tagesgeschäft untergegangen sind. Seit einigen Monaten liegt das 77er Cleveland-Konzert von Southside Johnny And The Asbury Jukes bei mir neben dem Schreibtisch, ohne dass ich es bislang mit der angemessenen Hingabe wahrgenommen hätte. Aufmerksamkeit verdient die Scheibe zum einen natürlich durch die Musik, die mich in meine Jugendzeit versetzt, zum anderen bin ich durch sie darauf aufmerksam geworden, dass Cleveland International Records wieder aktiv ist.

Von Steve Popovich, Sr. gegründet veröffentlichte das Label u. a. Meat Loafs Kultalbum „Bat Out Of Hell“ (1977) und Longplayer von Ian Hunter oder Ronnie Spector. Sieben Jahre nach dem Tod seines Vaters startete Steve Popovich, Jr. 2018 einen neuen Anlauf zur Neubelebung der Firma. Wiederveröffentlichungen älterer Scheiben, so von Joe Grushecky And The Houserockers – vormals Iron City Houserockers –, und Liveaufnahmen, beispielsweise von den Georgia Satellites, lohnen einen Blick in den Katalog. In diesem findet man auch das Southside Johnny Konzert. An dessen Soundqualität ist, vor allem auch angesichts des Alters der Aufnahme, nichts auszusetzen.

Davon, dass Southside Johnny ein hervorragender Sänger und mitreißender Live-Performer ist, konnte ich mich seinerzeit vor Ort in Köln im Rahmen der Rockpalast-Reihe überzeugen. Als Songwriter ist er weniger aktiv und so ist er auf der Setlist auch lediglich bei „We’re Having A Party“ als Co-Autor neben Sam Cooke verzeichnet. Die Energie, die Southside Johnny auf der Bühne freisetzt, lässt sich auf der CD erahnen. Besonderen Drive erhalten die Songs durch die Miami Horns rund um Ed Marion, La Bamba und Stan Harrison.

Außergewöhnlich ist der Gastauftritt von Ronnie Spector mit dem Klassiker von Billy Joel „Say Goodbye To Hollywood“. Ansonsten sind auf dem Longplayer die für diese Phase von Southside Johnny typischen Stücke vertreten, die sich auch auf anderen Live-Alben auffinden lassen. Immer wieder gerne gehört werden „Got To Get You Off Of My Mind“, „The Fever“ oder „Broke Down Piece Of Man”. Natürlich dürfen auch die von Stevie van Zandt, alias Little Steven, verfassten Songs „This Time It’s For Real”, „She Got Me Where She Wants Me“ und „I Don’t Want To Go Home” aus dem Standardrepertoire der Jukes nicht fehlen.

Van Zandt stand an dem Abend als Gitarrist auf der Bühne und ist an einigen Stellen bei den Background Vocals sowie als Duett-Partner deutlich herauszuhören. Er schrieb auch die Liner Notes zu der vorliegenden Veröffentlichung, in denen er die Bedeutung von Steve Popovich, Sr. für die damalige Musikszene in New Jersey würdigt. Zu dieser gehörte auch Bruce Springsteen, von dem Southside Johnny „When You Dance“ spielt.

Der soulige, horn driven Rock von Southside Johnny And The Asbury Jukes funktioniert auch heute noch, obwohl er bereits 45 Jahre auf dem Buckel hat. „Live In Cleveland ‘77“ ist daher mehr als ein historisches Dokument einer spannenden Phase der New Jersey-Musikszene. Southside Johnny bringt die Energie von live gespieltem Rock durch die heimischen Lautsprecher, dabei lässt sich der Besuch von Konzerten natürlich nicht ersetzen.

Cleveland International Records (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. This Time Is For Real
02. Got To Get You Off Of My Mind
03. Without Love
04. She Got Me Where She Wants Me
05. Little By Little
06. It Ain’t The Meat, It’s The Motion
07. When You Dance
08. Say Goodbye To Hollywood (feat. Ronnie Spector)
09. The Fever
10. I Don’t Want To Go Home
11. Broke Down Piece Of Man
12. We’re Having A Party
13. You Don’t Know Like I Know

Southside Johnny
Southside Johnny bei Facebook
Cleveland International Records