Vanessa Collier – Live At Power Station – CD-Review

Vanessa Collier ist sein Beginn unseres Magazins Dauergast und so ist es nicht verwunderlich, dass ihre neuste CD, wenn auch als Nachzügler, vor einigen Tagen noch zum Jahresende hin, in meinem Briefkasten gelandet ist. Diesmal ist es eine Art, um mal dem zeitgenössischen Sprachgebrauch Tribut zu zollen, ‚hybrider‘ Tonträger, der im berühmten New Yorker Power Station Studio unter Anwesenheit von Verwandten, Freunden und Interessierten live eingespielt eingespielt und gleichzeitig quasi unter Studiobedingungen aufgenommen wurde.

Es wurden dazu Gigs an zwei aufeinander folgen Tagen vollzogen, letztendlich entschied man sich zur Aufnahme und Veröffentlichung des Auftritts vom 22. April diesen Jahres.  Wenn ich in mich gehe, ist Vanessa wirklich die einzige weibliche Saxofonistin, die mir neben der Niederländerin Candy Dulfer (und selbst die ist mir auch nur aufgrund ihres medialen Bekanntheitsgrades präsent), bewusst überhaupt irgendetwas sagt.

Für die Umsetzung der sieben Eigenkompositionen aus ihren bisherigen Werken und drei Coverstücken, das durch Tina Turner 1984 zu neuer Popularität gelangte „I Can’t Stand The Rain“  (in einer furiosen 8 1/2 Minuten-Version), der oft adaptierte Chris Smither-Song „Love Me Like A Man“ (in einer nahezu episch-jammig anmutenden 14 Minuten-Variante) und den im Jahre 1988 durch B. B. King veredelten U2-Bluestrack „When Love Comes To Town“, hat sie sich eine grandios auf einander abgestimmte Band mit dem famos agierenden Rhythmusduo Byron Cage (drums, bgv) und Andrew Cane (bass) sowie dem überragenden Keyboarder William Gorman (keys, bgv) und der, ihrer wuchtigen Statur entsprechend, auch oft vehement agierende E-Gitarristen Laura Chavez, an die Seite geholt. 

Vanessa selbst brilliert mit einer klasse Lead-Stimme und ich möchte nicht wissen, wie anstrengend es ist, dazu solch viele energiegeladene Sax-Soli (auf Alt- und Bariton-Art) abzuplustern. Besonders gefallen mir die beiden Stücke „The Run Around“ und „When It Don’t Come Easy“ aufgrund ihres southern-rockigen Charakters, die hätten gut auch auf Scheiben der Rossington Collins Band gepasst. Ansonsten erhält man einen kurzweiligen Mix (auch wenn die Tracks alles andere als kurz performt werden) aus Blues-, Blues Rock-,  (Texas) Boogie-, Soul- und Funk-umwehten Sachen, bei denen das Wechseln zwischen Gesang, Saxofon, diversen Key-Varianten (u. a. Orgel, E- und HT-Piano) und  starken E-Gitarren (Fills, Soli) im Mittelpunkt steht.

Am Ende ergibt sich ein typischer Gig, bei dem man gerne mit live dabei gewesen wäre. Vanessa Collier, da bin ich mir sicher, wird, ob weiter in Eigenregie oder wie auch immer (ich finde, ein Joe Bonamassa könnte durchaus gerne mal ein Auge als Förderer auf sie werfen), ihren Weg machen. Sie hat eindeutig das Zeug zum Überflieger. Und in Anlehnung an ihr Talent und ihren Song „Icarus“ lautet deshalb auch mein Ratschlag: „Keep dreaming big, fly Vanessa fly!“ Die Absturzgefahr wäre in ihrem Fall sicherlich als äußerst gering einzuschätzen.

Phenix Fire Records/Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues (Rock) & More

Tracklist:
01. The Run Around
02. Whiskey And Women
03. I Can’t Stand The Rain
04. Sweatin‘ Like A Pig, Singin‘ Like An Angel
05. Love Me Like A Man
06. When It Don’t Come Easy
07. Icarus
08. When Love Comes To Town
09. Tongue Tied
10. Two Parts Sugar One Part Lime

Vanessa Collier
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