Greasy Tree, 16.02.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Greasy-Haupt

Meine erste CD-Besprechung für Sounds Of South verfasste ich zu dem Debütalbum von Greasy Tree. Es ist daher Ehrensache auch von ihrem Konzert in meiner heimatlichen Lieblings-Location, der Krefelder Kulturrampe, zu berichten.

Das gut aufgelegte und perfekt eingespielte Trio aus Jonesboro, Arkansas, brachte mit ihrem Blues Rock die volle Rampe mühelos zum Kochen. Die Feierlaune des Publikums war am Freitag nach Karneval ungebrochen. Zudem hat sich Greasy Tree bereits eine treue Fanbasis erspielt. So haben einige auswärtige Besucher in Tour-T-Shirts den Weg zum kalten Niederrhein gefunden.

Mit dem fetzigen „She Wild“ von ihrer CD eröffnete die Band das Konzert. Mutig ist, dass danach direkt zwei unveröffentlichte Eigenkompositionen nachgeschoben wurden. Die beiden rockigen Stücke „Trouble With Trouble“ und das hervorragende „See The Light“ funktionierten aber sehr gut. Bassist Dustin „Red“ Dorton animierte zum Mitklatschen, sprang über die Bühne und ließ seine Mähne fliegen. Der Aktivposten riss das Publikum mit, das spätestens bei „Sweet Sugar“ in Bewegung geriet und das Tanzbein schwang.

Bei „Love That Lady“ übernahm Dorton die Lead Vocals, die ansonsten von Cameron Robert gesungen wurden. Der Song leitete zu einem eher Blues-orientierten Teil des Konzerts mit „Shame (Behind The Botle)“, „Goin‘  Home“ und „Time, Love And Space“ über. Roberts ausgedehnten Gitarrensoli wurden frenetisch von der Menge bejubelt. Die tolle Atmosphäre wurde zudem durch den Rauch auf der Bühne und die flackernde Lichtorgel unterstützt.

Eine besonders gelungene Version von „ Red House“, das von Jimi Hendrix stammt, war das erste Cover des Abends. Zum Abschluss des ersten Sets folgte „Whipping Post“ von den Allman Brothers.

Harte Gitarrenriffs beendeten die Pause. Band und Besucher rockten bei „Bright Lights“ und „Let Love Go“ drauflos, bis es beim Headbanging zum Led-Zeppelin-Medley kein Halten mehr gab. Robert stieg von der Bühne, um ein Bad in der Menge zu nehmen, die diese Aktion fast schon ekstatisch feierte. Die ausgelassene Stimmung hielt sich auch bei „Don’t Worry About Me“ und „Greasy“. Dorton teilte sich hier die Lead Vocals nochmal mit Robert.

Schlagzeuger Creed Slater steuerte harmonischen Background-Gesang zum rockigen „Gravy Train“ bei und sorgte während des gesamten Abends für den nötigen Druck der Songs. Mit „Whiskey“, dem letzten noch fehlenden Titel ihres Albums, endete das zweite Set.

Als Zugabe spielten die jungen Männer „I Put A Spell On You“ von Creedence Clearwater Revival und „Hard To Handle“ von The Black Crowes. Ich war mit der Auswahl und Performance der Cover sehr zufrieden, aber Gernot hätte sich als Pink Floyd-Fan noch „Have A Cigar” gewünscht, das Grasy Tree ebenfalls im Repertoire hat.

Die Eindrücke zu den Live-Qualitäten der Band, die Peter Schepers in Dortmund sammelte, bestätigen sich. Greasy Tree zündete auch in Krefeld ein Blues Rock-Feuerwerk. Die abwechslungsreiche Darbietung und das ausgelassene Publikum sorgten für einen durchweg gelungen Konzertabend.

Die sympathischen Musiker hätten vielleicht noch den ein oder anderen Kommentar zu den Songs einstreuen können, aber das haben die Anwesenden nicht wirklich vermisst. Verschwitzt und zufrieden konnten sie in die frostige Nacht und das bevorstehende Wochenende ziehen.

Line-up:
Cameron Roberts (guitar, vocals)
Dustin ‚Red‘ Dorton (bass, vocals)
Creed Slater (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Kulturrampe Krefeld

Dead Bronco – Driven By Frustration – CD-Review

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Review: Michael Segets

Dead Bronco sind unermüdlich. Letztes Jahr tourten sie mit ihrem Album „Bedridden & Hellbound“ durch Europa (machten dabei u. a. auch Halt in der Krefelder Kulturrampe), jetzt bringen sie neues Material heraus und gehen wieder auf Konzertreise. Die spanische Band um den Amerikaner Matt Horan bewegen sich zwischen Country, Punk und Rock. Während bei den vorherigen Veröffentlichungen die Country-Einflüsse im Vordergrund standen, geht „Driven By Frustration“ stärker in Richtung Punk.

Dead Bronco bezeichnen ihre Musik auf dem Album als Americana Sludge: Americana, weil sie Banjo, Mandoline und Upright Bass einsetzen, Sludge, weil sie mit Verzerrungen und anderen Effekten arbeiten. Auf manchen Stücken gelingt tatsächlich eine originelle Verbindung, auf anderen geht der Americana-Sound verloren.

Der deutlichste Einfluss des Americana findet sich bei „Lord Call Me Home“. Im gemäßigten Rhythmus bleibt der Song melodiös und Adan Gomez glänzt mit einer Mandolinen-Einlage. Matt Horan überzeugt hier gesanglich in einer tiefen Stimmlage. „Floating Down River“ beginnt mit einem traditionellen Country-Einschlag. Ein Bluegrass-Jodel-Anflug leitet einen Tempowechsel ein und das Stück erhält eine Punk-Attitüde.

Das Banjo von Jowy Bruña prägt diesen Song ebenso wie „Devil´s Road“ und „Miss Carriage“. Bei den beiden Uptempo-Nummern funktioniert der Country mit Punk-Einschlag hervorragend. Ebenfalls geglückt ist „Stuck In The Mud“, auf dem die Gitarre einen staubtrockenen Sound verströmt. Die Gitarren von Matt Horan und Adan Gomez stehen auch bei dem dynamischen Instrumentalstück „Death Of An Appalachian“ im Zentrum, das das Album eröffnet. Unterstützt werden sie von Guille Peña an den Drums und Adrian Kenny am Upright Bass.

„I Hate You“ erinnert partiell an das Debüt-Album „Call Of The Wild“ von Disneyland After Dark (D.A.D.), das immer noch eine Referenz in Sachen Cowpunk darstellt. Krachenden Punk liefert Dead Bronco bei „Scumbag“, „Life Of Leech“ und „No Name“ ab. Eher im Hard Rock zu verorten sind das Titelstück und „Funeral Inhibited“. Die Tendenz von Horan mehr zu schreien als zu singen, treibt er bei dem letztgenannten Stück auf die Spitze, bei dem er nur noch jault und brüllt.

Die Verquickung von Country, der mir in seiner traditionellen Form meist zu glatt erscheint, und dem brachialen Punk, der die Tendenz zum Krach hat, bietet spannende Möglichkeiten. Ich favorisiere Country mit Punk-Elementen und nicht umgekehrt. Dort, wo die Country-Melodien mit dem Drive des Punks fusionieren, können großartige Titel zustande kommen.

Auf diesem schmalen Grad halten sich Dead Bronco bei einigen Songs ihres aktuellen Werks. Manchmal rutschen sie zur Seite des Punks ab. Wer es wie ich lieber etwas Country-lastiger mag, sollte daher bei dem Back-Katalog der Band reinhören.

„Driven By Frustration” spricht sicher keine Feingeister an. Um sich in einer halben Stunde die Gehörgänge zum Frustabbau freidröhnen zu lassen, ist das Album aber genau richtig.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Cowpunk

01. Death Of An Appalachian
02. Scumbag
03. Devil´s Road
04. I Hate You
05. Miss Carriage
06. Driven By Frustration
07. Floating Down River
08. Life Of Leech
09. Lord Call Me Home
10. Stuck In The Mud
11. No Name
12. Funeral Inhibited

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Hardpan – Same – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

In seiner 2016 veröffentlichten Autobiographie „Born To Run“ schrieb die Heatland Rock Legende Bruce Springsteen: Demokratie in einer Band sei eine tickende Zeitbombe. Diese Prognose kann man für Hardpan nicht unbedingt aufstellen. Die vier begnadeten Singer/Songwriter aus den USA haben nach 16 Jahren ihr zweites Studioalbum aufgenommen und zeigen vor allem: Demokratie in einer Band funktioniert! 12 Songs sind auf dem Album zu finden, von jedem Bandmitglied wurden 3 Songs beigesteuert und von dieser Aufgabenteilung lebt das Album!

Beim ersten Listening entstehen sofort Erinnerungen an CSN&Y und der Vergleich mit der „Supergroup“ aus den 60er Jahren ist nicht zu weit hergeholt. Damals hießen die Protagonisten: David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young. Jetzt heißen sie: Todd Thibaud, Chris Burroughs, Terry Lee Hale und Joseph Parson. Alle sind auch als Solokünstler bereits seit mehreren Jahrzehnten aktiv und haben ihre Musikerfahrung erneut hervorragend vereinigt.

„Can’t Keep Up“, aus der Feder von Todd Thibaud, ist ein eher mittelmäßiger Opener, mit hervorstechender Akustik-Gitarre und regelmäßigen E-Gitarren Akzenten. Aber mit dem beschwingten zweiten Stück „The Hands That Hold The Reins“ nimmt das Album dann erstklassig an Fahrt auf. „Long Tomorrows“ ist ein starker Strukturbruch, vom Soft Rock geht es hier eher in die Richtung Hank Williams und Country Roots Traditional. Das langsame und von düsterer Stimmung getragene „Dust Bowl“ findet seine Stärke im metaphorischen Songwriting von Joseph Parsons: „We drunk enough to sink this boat, bring me more wine“. Im wunderschönen und erfrischenden „Best I Can“ bringt Thibaud die musikalischen Wurzeln mal kurz auf den Punkt: „Spent a little time in Reno, working the bars and casinos. They like to hear „Folsom Prison Blues“, „King Of The Road“, „Blue Suede Shoes“.

Die Lieder sind minimal instrumentalisiert, kommen ohne wuchtigen Drumbeat aus und zeichnen sich vor allem durch den mehrstimmigen Gesang aus. Das unbeschwerte, von Akustik-Gitarre dominierte „Lighthouse“, spielt in den Lyrics wieder mit wirkungsvollen Landschaftsbildern. Auf „Miracle Cure“ kommt eine vertraute „Heart Of Gold“ Mundharmonika zum Einsatz. Das sparsame aber stimmungsvoll effektive „This Place And Time“ geht über in das 7-Minuten Stück „Dangling“, das seine schönste Stelle hat, als eine kurze Mundharmonikauntermalung beginnt. Damit hätten in einigen anderen Songs auch noch gute Akzente gesetzt werden können. Diese kritische Anmerkung ändert letzten Endes aber nichts am tollen Gesamteindruck des Albums.

Was CSN&Y so einzigartig machte, war der Country-Folk-Rock Sound, begleitet vom begeisternden, mehrstimmigen Gesang, gepaart mit exzellentem Songwriting. Und genau das findet sich auch alles auf diesem Longplayer wieder. Eingängige Lieder und tiefsinnige, auf die Sprache fokussierte Tracks erschaffen hier ein musikalisch abwechslungsreiches und von hoher Qualität geprägtes Album. Wer CSN&Y gut findet, wird dieses Album lieben!

Blue Rose Records (2017)
Stil: Americana, Folk-Rock, Country-Rock

01. Can’t Keep Up
02. The Hand That Holds The Reins
03. Long Tomorrows
04. Dust Bowl
05. Best I Can
06. Lighthouse
07. Bombast
08. Miracle Cure
09. Can’t Have It All
10. One Clear Thought
11. This Place And Time
12. Dangling

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Blue Rose Records

Shred Kelly – Archipelago – CD-Review

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Die Kanadier sind, zumindest aus meiner Sicht, ein ganz sympathisches Völkchen. Trotz seiner Größe und geopolitscher Bedeutung, bewegt sich das Land ganz im Gegensatz zu seinem herrschwütigen Nachbarn, immer recht angenehm und unauffällig durch die Weltgeschichte.

Gleiches gilt im Prinzip auch für dessen Musikvertreter, mit denen ich in meiner langen Zeit als Rockmusik-Rezensent, in Berührung gekommen bin: Bryan Adams und Shania Twain auf Superstar-Ebene, Layla Zoe und Terri Clark als vielleicht bekanntere Interpreten, Doc Walker, Melanie Dekker, Dry County, Driveway oder Deric Ruttan als Acts mit Geheimtipp-Nimbus und jetzt eben auch Shred Kelly.

In ihrer Heimat ist das Quintett aus Fernie, BC, bestehend aus Tim Newton (lead and backing vocals, banjo, cello banjo, guitar, ukulele), Sage McBride (lead and backing vocals, keys), Ty West (guitars), Jordan Vlasschaert (bass, acoustic guitar, harmonica) und Eddie Annett (drums), bereits ein aufstrebender, preis-dekorierter und gefeierter Live-Act, der dort auch größerer Hallen füllt.

Wir stießen auf sie, als uns Marcus Neu, einer der Verantwortlichen der Kantine und des Yard Clubs in Köln, am Rande des Thunder-Gigs auf die Band ansprach, die am 14.04.2018 im kleineren Teil der beiden, in einem Gebäude vereinten Kölner Location, neben anderen Terminen, wieder ihre Visitenkarte abgeben wird. Zu einer gut gefüllten ‚Hütte‘ könnte diesmal beitragen, dass sie als Support der Deutschland-Tournee von The Dead South, bereits vor kurzem Gelegenheit hatten, in eigener Sache Werbung zu machen.

Am Start haben die fünf Musiker in jedem Fall auch ihr neues, elf Tracks umfassendes Album „Archipelago“, das wir dann gerne schon mal unter die Lupe nehmen.

Allein schon die ersten vier Stücke inklusiv des Openers und zugleich Titelstücks machen deutlich, warum Folk-Rockmusik-Liebhaber, sich Tickets sichern sollten. Eine ungemeine Spielfreude und mitnehmende positive Energie schlägt einem da dynamisch entgegen, die sich im abwechselnden Leadgesang der beiden Protagonisten Newton (dazu mit imposantem, omnipräsenten Banjo- und Ukulele-Spiel)  und McBride (zusammen auch viele Harmoniegsänge), einer treibenden, manchmal fast punkigen Rhythmus-Fraktion (knöchernder Bass, viel Fußtrommelarbeit) sowie einigen E-Gitarren-Hooks und Keyboard-/Orgel-Ergänzungen, modifizieren lässt.

Dass sie es allerdings auch atmosphärisch können, beweisen Stücke wie die starken „Way Down“ oder mein persönlicher Favorit „Wasting Time (mit toller Orgel-Arbeit, erinnert mich ein wenig an die einst erfolgreiche Formation Texas um Sharleen Spiteri).  Lediglich das finale, ein-minütige „Houseboat“ (wer kennt sich schon mit Hausbooten aus?), entpuppt sich als relativ überflüssige Spielerei.

Fazit: Insgesamt eine ansteckende Scheibe, auch für Leute wie mich, die auf dem Folk Rock-Parkett eigentlich nicht so zuhause sind. Aus meiner Sicht würde ich das Ganze in etwa als ‚U2 and The Hooters meet Lady Antebellum, Bering Strait and The Wilkinsons‘(auch übrigens Kanadier) großzügig kategorisieren. Macht Spaß! Dann sag ich einfach mal: „Bis Mitte April in der Domstadt, Shred Kelly“.

DevilDuck Records (2018)
Stil: Folk Rock

01. Archipelago
02. Don’t Ever Look Back
03. Jupiter (Any Other Way)
04. Stay Gold
05. Way Down
06. Die Trying
07. Didn’t Know
08. Weigthless
09. Nova
10. Wasting Time
11. Houseboat

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Starkult Promotion

I’m With Her – See You Around – CD-Review

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Hinter dem (schon recht merkwürdigen) Bandnamen I’m With Her verbirgt sich nichts anderes als drei Koryphäen der Bluegrass-Szene, nämlich Nickel Creek-Initiatorin Sara Watkins, die mehrfache Grammy-Gewinnerin Sarah Jarosz und die Musik-Cosmopolitin Aoife O’Donavan.

Klar, dass sich bei einem Zusammenschluss dreier solch illustrer Damen die intellektuelle Musikkritikerschaft gerne zu Superlativen hinreißen lässt, wie z.B. die der New York Times inform von Aussagen wie: „Wenn diese drei Frauen miteinander singen, werden ihre Stimmen zu einem einzigen Instrument. Sie teilen jeden einzigen Atemzug.“

Da die Klientel dieses Magazins wie auch meine, eher proletarisch gestrickte Natur, es wohl überwiegend etwas weniger feinfühlig mag, und vermutlich auch nicht so zum ‚Hineininterpretieren von Dingen‘ neigt, sondern das reine Hörergebnis ‚betrachtet‘, ist die erste Kollaboration „See You Around“ des besagten Trios, aus meiner Sicht, von Gleichgesinnten mit gesunder Vorsicht zu genießen. Also vorab bitte erst mal antesten.

Helle Gesänge, oft in Harmonien übergehend, Akustikgitarren, sägende Violine, dezente E-Gitarren und Mandolinen, vereinzelte Dobro- und Banjo-Klänge, aus Musikersicht vielleicht intelligent als auch filigran eingesungen (viele Satzgesänge), perfekt ineinander greifend gespielt und im Bluegrass, Country- und Siebziger-umwehten Folk zusammengeführt, können  auf jeden Fall  das Prädikat der  Nichtalltäglichkeit für sich  in Anspruch nehmen. Zumindest bei mir persönlich, wollen sie jedoch meist nicht zur Freisetzung von Dopaminen beitragen.

Mit viel Wohlwollen kann ich Tracks wie „Ain’t That Fine“, dem im weitesten Sinne Heart-angelehnten „I-89“, „Wild One“, dem unterschwellig bluesigen „Ryland (Under The Apple Tree)“, dem noch melodischsten „Overland“ (mein Favorit) und „Crescent City“, einen Hauch von Sympathie entgegen bringen, aber in solchen Gefilden sind mir letztendlich Interpreten wie z. B. Madison Violet aufgrund der höheren Eingängigkeit doch wesentlich lieber. Das ganze Wirken des Trios ist mir insgesamt auf die Dauer auch zu reduziert dargeboten.

Die Krönung in entgegen gesetzter Richtung sind Tracks wie „Game To Lose“ (die piepsigen Gesänge – uaah…), das regelrecht nervtötende, kammermusikartige Instrumental „Waitsfield“ oder auch das Gilliam Welch-Cover „Hundred Miles“ (vor allem die Introphase) am Ende der CD.

Mein persönliches Fazit daher zu I’m With Her’s „See You Around“: I’m not with them – eine überaus harte Probe für meine mentale Belastbarkeit. Wenn auch sicher musikalisch anspruchsvoll in Szene gesetzt, trotzdem nicht für meine Gehörgänge geschaffen. Aus meiner Sicht eher überwiegend ein großer musikalischer Katzenjammer.

Rounder Records/ Universal Music (2018)
Stil: Bluegrass/Folk

01. See You Around
02. Game To Lose
03. Ain’t That Fine
04. Pangaea
05. I-89
06. Wild One
07. Waitsfield
08. Ryland (Under The Apple Tree)
09. Overland
10. Crescent City
11. Close It Down
12. Hundred Miles

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Universal Music

Neil Merryweather & Janne Stark – Carved In Rock – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit Neil Merryweather und Janne Stark, haben sich zwei Musiker zusammen getan, die schon seit mehreren Jahrzehnten Mitglieder verschiedener, meist dem Hard und Heavy Rock zuzuordnener Bands waren.

Erste gemeinsame Kontakte wurden bei der Produktion des Mountain of Power-Albums „Volume Three“ geknüpft. Neil als Produzent und Gastmusiker und Janne als Sänger und Gitarrist der Band, die auch zwei alte Songs von Merryweather coverte.

Aus dieser Zusammenarbeit fruchtete die Idee, gemeinsam den Hardrock der 70er und 80er Jahre wieder aufleben zu lassen. Wenn man auf das Alter der Protagonisten schaut – das „Küken“ Janne Stark, 1963 geboren und Neil Meryweather, Jahrgang 1945 – kommt zunächst der Gedanke, ob alte Rockmusiker noch mal Retro-Musik machen wollen.

Doch schon bei den ersten Klängen wird der Zuhörer eines Besseren belehrt. Das Intro von „Irma La Douce“ zeigt direkt, dass gradliniger Hard-Rock auf einen zukommt. Beide stimmlich auf der Höhe, was nicht unbedingt von allen Rockmusikern, insbesondere derer im Alter Merryweathers zu sagen ist, legen mit einer Hardrocknummer los, welche entweder als frontales Element oder im Hintergrund, mehrere melodiöse Soli beinhaltet.

Der treibende Bass von Merryweather wird vom Rythmusmonster Peter „TrumPeter“ Svensson sicher unterstützt und bildet das Grundgerüst solider starker Genre-Kost. Belebend ist auch der Zwiegesang der beiden Hauptprotagonisten und stilistische Elemente aus anderen Musiksparten, welche in fast allen Songs zu finden sind. Erkläbar vielleicht durch Merryweathers Zusammenarbeit mit unterschiedlichen veranlagten Künstlern wie Steve Miller, Billy Joel, Randy California oder Lita Ford.

Mit „It Ain’t Pretty geht die Zeitreise in die Hardrockphase der 80er Jahre im Stile der Musik von Guns n‘ Roses, wobei ich persönlich die tieferen Stimmen von Merryweather und Stark als sehr angenehm zum Sound empfinde. Mit „We Got To Own This Thing“ geht es nahtlos weiter, um bei „Babylon Sin City“ zu landen.

In diesen Song sind Elemente vieler damaligen Hardrockgrößen zu finden. Bombastisch wie Kiss, Esprit alter Aerosmiths, Soloeinlagen Richtung Southern Rock und mit leicht funkigen Einlagen. Schön, wie es aber gelingt, nicht wie ein Abklatsch daherzukommen, sondern in einem eigenen Stil mündet, und Altbekanntes, in ein neues Gewand zu wickeln, um zu zeigen, dass es auch heute noch handgemachten Hardrock gibt!

„Give Èm Hell Boy“ könnte in mehreren Passagen auch auf einer der alten Nazareth-Scheiben in deren starker Hardrock-Ära wiederzufinden sein. Ohne viel Firlefanz, gradlinig, einfach rockend. Mit „Rockers Lament“ wird noch mehr aufs Gaspedal getreten. Es geht Richtung Judas Priest, mit leichtem Grundrhythmus von „Breaking the Law“.

“Lay Your Body Down“ beginnt etwas ruhiger, doch im Verlauf des Songs besinnt sich die Band darauf, mit einem klassischen Hardrock-Gitarrensolo, wieder Fahrt aufzunehmen.

„Love And War“, klassischer 80er Jahre Hardrock mit Highspeedsolo und schönem zweistimmigen Gesang, erinnert zum Teil an damalige Rockhymnen, ohne den damaligen oft schmalzigen Charakter zu entwickeln. Mit „Freedom Of Love“ geht es eher ‚getragenen‘ auf die Zielgerade. Die abwechslungsvollen Gesangspassagen, unterbrochen von stilistisch vielfältigen Gitarrensoli lassen Reminiszenzen zu Black Sabbaths Dio-Zeiten aufkommen. Ähnlich geht es mit „What’s It Gonna Be“ weiter.

Der letzte Titel, „I Believe“, kann im Prinzip das Fazit einleiten. Ich glaube, Merryweather und Stark ist zusammen mit Svensson ein ganz starkes Hard-Rock Album gelungen, das absolut erfrischend daherkommt und einfach Spaß beim Anhören bereitet. Angenehm zu wissen, dass es auch in der heutigen Zeit noch Bands gibt, die ohne die unsäglichen elektronisch erzeugten Rhythmuslinien auskommen.

Wie sagte der kanadische Landsmann von Merryweather, Neil Young in den 70er Jahren: „Hey Hey My My, Rock N‘ Roll will never die“. Hard Rock, wie gehört, scheinbar auch nicht! Aber wer weiß, ob es dieses Album gegeben hätte, wenn Merryweather das Angebot von Stills in den frühen 70er Jahren angenommen hätte, bei Crosby, Stills, Nash and Young, den Bass zu bearbeiten?

Absolute Kaufempfehlung für Freunde ursprünglicher Hardrockbands der 70er und 80er Jahre, sowie der Anfangszeit des Heavy Metal!  Live könnte die Fans ein Gewitter erwarten, wobei es fraglich ist, ob der mittlerweile fast Mittsiebziger Merryweather sich eine ausgedehnte Tour noch einmal antun würde.

Line-Up:
Neil Merryweather – Gesang, Bassläufe
Janne Stark – Gitarre, Bassläufe
Peter „Trumpeter“ Svensson – Drums

GMR Music Group (2018)
Stil: Heavy Rock

01. Irma La Douce
02. It Ain’t Pretty
03. We Got To Own This Thing
04. Babylon – Sin City
05. Give ‚Em Hell
06. Rockers Lament
07. Lay Your Body Down
08. Love And War
09. Freedom To Love
10. What’s It Gonna Be?
11. I Believe

GMR Music Group
Brooke Lynn Promotion

Charlie Parr – 06.02.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Parr-Haupt

‚Pille‘ Peerlings, der Chef der Krefelder Kulturrampe, hat 2018 die neue Konzertreihe „Caesar’s Pallets“ ins Leben gerufen. Im „Bluebird Cafe“ (BBC) werden dienstags akustisch gehaltene Liveauftritte präsentiert, bei denen vor allem Newcomern eine Bühne geboten wird. Nach dem Gastspiel des gut aufgelegten Dortmunders Edy Edwards lud das BBC zum ersten „Special“ mit dem alten Hasen Charlie Parr aus Minnesota ein.

Der im Qualitätsjahrgang 1967 geborene Singer/Songwriter hatte seine neue CD „Dog“ im Gepäck. Eine Auswahl der stärksten Stücke seines sechzehnten Album streute Parr in die beiden Sets des Abends ein. Neben dem eingängigen Titelsong „Dog“ durfte das grandiose „Hobo“ natürlich nicht fehlen. Ebenfalls begeistert vom Publikum aufgenommen wurden „I Ain’t Dead Yet“ und das swingende „Boiling Down Silas“. Den Geist New Orleans atmete die Liveversion von „LowDown“ – trotz der reduzierten Instrumentierung – ebenso deutlich wie auf dem Longplayer.

Parr beeindruckte mit den Klangvariationen, die er seiner akustischen 12-String-Guitar entlockte. Slide-Passagen, so bei „Remember Me If I Forget“, und feines Picking, wie bei „Last Day“ wechselten sich ab oder wurden bei „True Friends“ gekonnt kombiniert. Nicht nur hinsichtlich der Gitarrenarbeit zog Parr alle Register, auch mit den stilistischen Elementen zwischen Folk, Blues und Country zeigte er die Bandbreite seiner älteren Kompositionen.

Er spielte mit einem augenzwinkernden Kommentar zu Bob Dylan „Cheap Wine“, das Blues-getränkte „Too Much Liquor, Not Enough Gasoline“, seinen bislang größten Erfolg „1922 Blues“ und die stampfende Country-Nummer „Rocky Raccoon“. Seine besondere Vorliebe zu Hunden schien erneut bei „Old Dog Blue“ durch.

Neben den Eigenkompositionen unternahm Parr eine Zeitreise durch die Geschichte des Folks mit seinen unterschiedlichen Variationen. So spielte er „My Grandfathers Clock“ und „Ragged And Dirty“, das von William Brown stammt. Die Auswahl der Songs trifft Parr auf seinen Konzerten spontan. Er lässt sich von Stimmungen treiben oder wird getrieben. Wer kann das bei Künstlern schon sagen? Den krönenden Abschluss bildete eine A-Cappella-Zugabe von „Ain’t No Grave Gonna Hold My Body Down“. An Intensität übertraf Parr die bekannte Version von Johnny Cash bei weitem.

Das Publikum im vollen BBC verabschiedete Parr mit tosendem Applaus. Es erlebte einen introvertierten Musiker, dessen Humor in kurzen Anekdoten aufblitzte. In seinen Songs legt er hingegen seelische Abgründe offen. Manche sprachlichen Wendungen bleiben reduzierte Gedankensplitter, die zur Interpretation einladen. In bester Singer/Songwriter-Tradition erzählt Parr Geschichten, denen man gerne zuhört, da sie Situationen und Gefühle aufgreifen, die wohl jeder mal erlebt hat.

Vergänglichkeit und Tod, Freiheit und Einsamkeit sind in seinen Texten gegenwärtig. Aus seinen Lyrics spricht oftmals ein tiefes Mitgefühl für verlorene Seelen und eine rastlose, letztlich unvollendete, Sinnsuche. Charlie Parr stellt sich der Frage, welche Spuren man hinterlässt. Von dem Abend bleibt die Erinnerung an ein intimes Konzert und an die intensive Darbietung eines bescheiden auftretenden Menschen, der großartige Songs schreibt.

Das BBC ist eine tolle Idee und eine bessere Alternative zu einem Abend vor dem Fernseher, der schnell vergessen wird. Dass bei den Caesar’s-Pallets-Konzerten in der Regel auf einen festgesetzten Eintritt verzichtet wird und stattdessen ein Hut rumgeht, ist fair und lädt zu einem spontanen Besuch ein. Für den nächsten Termine im Februar sind das Duo Kassiopeia und Hello Luke angekündigt.

Line-Up:
Charlie Parr (vocals, guitar)

Bilder und Text: Michael Segets

Charlie Parr
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Kulturrampe Krefeld

Vanderlinde – Live Trails – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die seit Jahren vorbildliche Musikkultur in den Niederlanden lässt teilweise mit ein wenig Neid zu unserem „kleinen“ Nachbarn hinüberschauen. Nicht nur, dass fast jede internationale Band auf Tour immer einen Stop dort einlegt, auch die eigene Musikszene glänzt seit langem mit vielen unterschiedlichen Acts.

Vanderlinde, die sich nach ihrer treibenden Kraft, Bandleader Arjan van der Linde, benannt haben, bringen mit „Live Trails“ ihr erstes Live-Album heraus, das in Groningen aufgenommen wurde. Erwähnt werden muss die lobenswerte Idee der Band, die Einnahmen des Albums für wohltätige Zwecke zu Gunsten eines Waisenhauses in Ecuador zu spenden.

Der beschwingte Opener „The Difference“ bildet einen guten Auftakt für diese umfangreiche Live-Sammlung. „In One Day“ weist klare R.E.M.-Reminiszenzen auf, mit radiotauglichem Refrain, der sich schnell im Gehörgang festsetzt. Die schöne Akustik-Gitarren-Begleitung auf „Spending It All Jack“ lässt den Song sehr melodisch wirken und schließt mit einem fulminanten Gitarrensolo ab.

Hervorzuheben ist bereits jetzt Gitarrist Wietze Koning, der auf „When You Walk On By“ mit einem stimmigen und interessanten Solo begeistern kann. Das fünfte Stück „I’ll Weep Tonight“ ist ein langsames, harmonisches Duett und fügt sich mit der ausgefeilten Hookline gut in die Klangbilder ein. „Little Things“ ist wunderschön instrumentalisiert; Hauptaugenmerk sollte hier aber die Stimme van der Lindes sein, die sehr eingängig Erinnerungen an Michael Stipe aufkommen lässt. Mit „In Your World“ und „While The Devil Deals“ kommen zwei eher vom Country angehauchte Stücke, die dem Album einen kleinen Stilwechsel verpassen und ein wenig an eine Mischung aus den Eagles und Garth Brooks erinnern.

Das Gespür der Band für die richtige Stimmung findet sich auch auf den folgenden „Katie Lee“ und „Miss Molly“, die mit einem packenden Rhythmus aufwarten. Der letzte Song „She’s Rock’N’Roll“ wird von kräftigen Southern- und Blues Rock-Tönen getragen und bildet einen starken und powervollen Abschluss.

Leider kommt der Live-Sound in der Produktion nicht ausreichend zur Geltung. Das Potenzial für wuchtige und ausfüllende Stadionrock-Hymnen mit animierenden Mitsingrefrains a la R.E.M. oder U2 haben die Songs (noch) nicht. Vanderlinde stellen aber auf jeden Fall eine Bereicherung für die niederländische und europäische Musikszene dar und sind ein absoluter Geheimtipp für Liebhaber melodisch gut dosierter Rocksongs, die harmonisch eine schöne Soundlandschaft erschaffen.

Snakebite Records (2018)
Stil: Rock

01. The Differenece
02. In One Day
03. Spending It All Jack
04. When You Walk On By
05. I’ll Weep Tonight
06. Little Things
07. In Your World
08. While The Devil Deals
09. Katie Lee
10. Miss Molly
11. Across The Hall
12. She’s Rock’n’Roll

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Greasy Tree – 03.02.2018, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

Greasy_haupt

Greasy Tree am 3.2.2018 im blue notez club. Das Powertrio aus Arkansas unter der Fahne von Teenage Head Music gab am Samstag ein tolles Konzert im Dortmunder Bluesclub.

Cameron Roberts, Red Dorton und Creed Slater betraten pünktlich um 20:15 Uhr die Bühne und legten los. Neben Eigenkompositionen aus ihrem Album „Greasy Tree“ spielten sie auch Songs wie „Red House“ (Jimi Hendrix), „Whipping Post“ (Allman Brothers), ein Medley von Led Zeppelin-Songs und Titel von ZZ Top, die im Zugabenteil das Konzert beendeten.

Dem treuen Stammpublikum im Blue Notez Club gefiel diese Mischung. Ein Gast meinte: „Eine Gitarre ein Bass und ein Schlagzeug, das reicht für gute Mucke.“ Recht hatte er. Das hat Spaß gemacht!

Line-up:
Cameron Roberts (guitar, vocals)
Dustin ‚Red‘ Dorton (bass, vocals)
Creed Slater (drums, vocals)

Bilder und Eindrücke: Peter Schepers

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Blue Notez Dortmund

Wade Bowen – The Given – CD-Review

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Red Dirt Vorzeige-Countryrocker/Texas Country-Artist Wade Bowen ist mit seinem vierten Studioalbum “The Given” (nebst zweier Live-Werke) erneut ein Meisterwerk gelungen. Er ist ein Künstler, dem es seit Anbeginn seiner Karriere gelungen ist, stetig sein Leistungsvermögen in behutsamen Schritten zu verbessern. Somit zeigt seine Formkurve auch weiterhin nach oben. Wade hat für seine neue CD einen (Major-) Labelwechsel vollzogen (jetzt bei BNA/Sony) und auch mit Justin Niebank (Bon Jovi, Kenny Chesney, Lonestar, Blackberry Smoke) einen neuen Produzenten angeheuert.  Wade Bowen – The Given – CD-Review weiterlesen