I’m With Her – See You Around – CD-Review

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Hinter dem (schon recht merkwürdigen) Bandnamen I’m With Her verbirgt sich nichts anderes als drei Koryphäen der Bluegrass-Szene, nämlich Nickel Creek-Initiatorin Sara Watkins, die mehrfache Grammy-Gewinnerin Sarah Jarosz und die Musik-Cosmopolitin Aoife O’Donavan.

Klar, dass sich bei einem Zusammenschluss dreier solch illustrer Damen die intellektuelle Musikkritikerschaft gerne zu Superlativen hinreißen lässt, wie z.B. die der New York Times inform von Aussagen wie: „Wenn diese drei Frauen miteinander singen, werden ihre Stimmen zu einem einzigen Instrument. Sie teilen jeden einzigen Atemzug.“

Da die Klientel dieses Magazins wie auch meine, eher proletarisch gestrickte Natur, es wohl überwiegend etwas weniger feinfühlig mag, und vermutlich auch nicht so zum ‚Hineininterpretieren von Dingen‘ neigt, sondern das reine Hörergebnis ‚betrachtet‘, ist die erste Kollaboration „See You Around“ des besagten Trios, aus meiner Sicht, von Gleichgesinnten mit gesunder Vorsicht zu genießen. Also vorab bitte erst mal antesten.

Helle Gesänge, oft in Harmonien übergehend, Akustikgitarren, sägende Violine, dezente E-Gitarren und Mandolinen, vereinzelte Dobro- und Banjo-Klänge, aus Musikersicht vielleicht intelligent als auch filigran eingesungen (viele Satzgesänge), perfekt ineinander greifend gespielt und im Bluegrass, Country- und Siebziger-umwehten Folk zusammengeführt, können  auf jeden Fall  das Prädikat der  Nichtalltäglichkeit für sich  in Anspruch nehmen. Zumindest bei mir persönlich, wollen sie jedoch meist nicht zur Freisetzung von Dopaminen beitragen.

Mit viel Wohlwollen kann ich Tracks wie „Ain’t That Fine“, dem im weitesten Sinne Heart-angelehnten „I-89“, „Wild One“, dem unterschwellig bluesigen „Ryland (Under The Apple Tree)“, dem noch melodischsten „Overland“ (mein Favorit) und „Crescent City“, einen Hauch von Sympathie entgegen bringen, aber in solchen Gefilden sind mir letztendlich Interpreten wie z. B. Madison Violet aufgrund der höheren Eingängigkeit doch wesentlich lieber. Das ganze Wirken des Trios ist mir insgesamt auf die Dauer auch zu reduziert dargeboten.

Die Krönung in entgegen gesetzter Richtung sind Tracks wie „Game To Lose“ (die piepsigen Gesänge – uaah…), das regelrecht nervtötende, kammermusikartige Instrumental „Waitsfield“ oder auch das Gilliam Welch-Cover „Hundred Miles“ (vor allem die Introphase) am Ende der CD.

Mein persönliches Fazit daher zu I’m With Her’s „See You Around“: I’m not with them – eine überaus harte Probe für meine mentale Belastbarkeit. Wenn auch sicher musikalisch anspruchsvoll in Szene gesetzt, trotzdem nicht für meine Gehörgänge geschaffen. Aus meiner Sicht eher überwiegend ein großer musikalischer Katzenjammer.

Rounder Records/ Universal Music (2018)
Stil: Bluegrass/Folk

01. See You Around
02. Game To Lose
03. Ain’t That Fine
04. Pangaea
05. I-89
06. Wild One
07. Waitsfield
08. Ryland (Under The Apple Tree)
09. Overland
10. Crescent City
11. Close It Down
12. Hundred Miles

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