Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – 07.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Die texanisch-niederländische Gruppe um Dede Priest und die Band Johnny Clark & The Outlaws konnten bereits mit ihrem Debütalbum „Flowers Under The Bridge“ überzeugen. Dem frischen und interessanten Blues-Country-Soul-Sound der Platte stand an diesem Abend die spannend erwartete Live-Bewährung bevor.

Das erste Stück „Superlovely“ wurde noch allein durch Johnny Clark & The Outlaws vorgetragen, ab dem zweiten Song „Did You Plan To Leave Me Now“ war dann auch Dede Priest mit von der Partie und eroberte die gesamte Location sofort mit ihrer souligen Stimme. Auf „Wade In The Water“ tauschte sie ihre Violine gegen die E-Gitarre und glänzte beim folgenden „You Are Love“ mit einem fulminanten Solo. Der nächste Track „Willie Mae“ stammt vom aktuellen Studioalbum und ist ihrer Blues-Heldin Big Mama Thornton gewidmet. Dabei besticht der Song durch eine wohltuende Kombination aus Wah-Wah Gitarre und Fiddle-Begleitung.

Das einzig wirklich langsame Stück dieses Konzertes ist der Slowblues „What It Is, Ain’t What It Ain’t“, der sich auf gut sieben Minuten ausdehnte.
Das Swamp Rock-artige „Drinking Again“ im typischen CCR-Rhythmus und der zum Chicago Blues arrangierte Slim Harpo-Song „Tee Na Nee Na Nu“ zeigten nochmal das perfekte Zusammenspiel von Dede Priest und Johnny Clark & The Outlaws.

Erfreulich war die offenkundige Bereitschaft von Dede und Johnny, dem Publikum immer wieder Hintergründe und Entstehungsgeschichten und die Inspiration für ihre Songs zu erzählen. So auch nach einer kurzen Pause bei „Helen’s Backyard“, das Dede für ihre Großmutter performte. Der Song „Alaska“ ist aus der Feder von Bandleader Johnny Clark und begeisterte auch live, wie alle Songs vom neuen Album, in Country-bluesiger Steve Earle-Manier.

Für die noch folgenden Stücke griff Johnny Clark zur Slide Gitarre, wobei Dede sich einen unkonventionellen Megafon-Einsatz beim hard-rockigen „Lynched At The Crossroad“ erlaubte und auf dem Titelsong des aktuellen Albums „Flowers Under The Bridge“ auch ihre Hard Rock-kompatible Stimme erklingen ließ. Das Repertoire dieses Abends wurde danach mit dem Country Bluegrass-Track „Strawberry Party“ harmonisch erweitert.

Seine beachtlichen Fähigkeiten an der Gitarre konnte Johnny Clark während „Cotton Candy“ mit einem ausgiebigen Solo à la Peter Green unter Beweis stellen, bevor das space-rockige „Won’t Last Long“ und das funkige „Jive Man“ die Hauptsetlist exzellent abrundeten. Ein besonderes Highlight wurde das Jimi Hendrix-Cover „Hey Joe“, das durch die Fiddle-Akzente einen neuen, stilistischen Pep erhielt und die Zugabe eindrucksvoll krönte!

Dede Priest ist eine imposante Bühnenerscheinung und durch ihre wandlungsfähige Stimme und ihre Präsenz und Ausstrahlung erkämpft sie sich die verdiente Aufmerksamkeit im Rampenlicht. Mit den Outlaws hat sie nicht nur eine Begleitband, sondern auch eine individuelle Bereicherung gefunden. Die variablen Spielarten aus Blues, Country und Soul der texanisch-niederländischen Formation haben einen mitreißenden Konzertabend hinterlassen und die Band hat sich als Geheimtipp „Live On Stage“ empfohlen.

Line-up:
Dede Priest (lead vocals, electric guitar, fiddle)
Johnny Clark (electric guitar, vocals, lead vocals)
Ray Oostenrijk (bass)
Leon Toonen (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Stephan Skolarski

Dede Priest
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Kulturrampe Krefeld

Mike Zito – First Class Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Bluesmusiker in den Vereinigten Staaten sein Geld zu verdienen ist aufgrund der Vielzahl hervorragender Künstler nicht leicht. Doch Mike Zito hat es inzwischen geschafft und blickt zufrieden auf das Erreichte: „Ich habe eine wunderbare Familie, ich bin clean und kann von der Musik leben.“ Sein mittlerweile 14. Studioalbum „First Class Life“ spiegelt dabei viele Abschnitte seines künstlerischen Werdegangs wieder.

Wie er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dank der Musik seine Drogenabhängigkeit überwinden konnte, diese Erlebnisse verarbeitet er u.a. in dem aktuellen Longplayer. Der 47-jährige Texaner wollte eine „richtige Bluesplatte“ einspielen und dieses Vorhaben ist ihm eindrucksvoll gelungen. Das Album wurde in seinem Heimatstaat Texas in wenigen Tagen aufgenommen und beginnt mit einer shakigen und spritzigen Blues-Rock Nummer, die an traditionelle Blues-Wurzeln des Mississippi-Deltas anknüpft. Der  ausdrucksstarke Titelsong „First Class Life“, könnte autobiographischer nicht sein, so deutlich versinnbildlicht er Zitos Aufstieg aus St. Louis zu einem hoch geschätzten Bluesmusiker („I got a second chance and living a first class life“).

Seine Performance bei der Blues-Supergroup „Royal Southern Brotherhood“, deren Mitbegründer er neben Cyrill Neville und Devon Allman war, hat ihm auch über Genre Grenzen hinaus, Erfolg und Anerkennung gebracht. Der Working Class-Slowblues „The World We Live In“ vermittelt seine geradlinigen Singer/Songwriter-Qualitäten und geht über in das amüsante „Mama Don’t Like No Wah Wah“, als Anspielung auf eine Erzählung über die US-amerikanische Bluessängerin Koko Taylor. Eher düsteren Desert-Rock Sound und gleichzeitige Rassismuskritik gibt es mit dem Song „Old Black Graveyard“ auf die Ohren, gefolgt von dem groovigen Blues „Dying Day“.

Zito beschäftigt sich auf seinem Album mit aktuellen Lebenssituationen und transportiert einen sozialkritischen Arbeiterklassen-Ethos. Das gesellschaftsrelevante „The World We Live In“ in seiner Soft Blues-Rock-Melodie oder das Rock ’n‘ Roll-Blues Stück „Trying To Make A Living“ formen ein soziales Gespür für die alltäglichen, existentiellen Fragen und Gedanken der ‚einfachen‘ Bevölkerung. So ist das Album auch eine musikalische Verarbeitung von Mike Zitos Vergangenheit.

Einflüsse von Savoy Brown, den frühen Fleetwood Mac, Stevie Ray Vaughan und auch Joe Bonamassa verbindet Mike Zito mit seinem persönlichen, eleganten Blues-Stil und „jongliert“ gekonnt die unterschiedlichsten Richtungen vom Delta- über den Chicago- bis hin zum Memphis-Blues. Der einzige Wermutstropfen der bleibt, ist leider, dass Zito sein qualitativ hochwertiges Gitarrenspiel und Repertoire nicht vollends darbietet. Die obligatorischen Gitarren-Blues-Riffs sind ein wenig zu kurz und zeigen nicht sein Können, das er bereits auf vorherigen Studioalben oder bei Royal Southern Brotherhood abgerufen hat.

Auf „First Class Life“ fühlt man Zitos Blues-Spirit in beeindruckender Art und Weise. Der Langspieler bietet eine abwechslungsreiche Produktion, die unterschiedliche Blues-Stile gekonnt wiedergibt. Seine Vielseitigkeit und sein zielsicherer Spürsinn, Emotionen eines Bluessongs authentisch hervorzurufen, werden hier perfekt unter Beweis gestellt.

Ruf Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Mississippi Nights
02. Wasted Time
03. First Class Life
04. I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treat Me)
05. The Wolrd We Live In
06. Mama Don’t Like No Wah Wah
07. Old Black Graveyard
08. Dying Day
09. Back Problems
10. Time For A Change
11. Damn Shame
12. Trying To Make A Living

Mike Zito
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Ruf Records

The Band Of Heathens – Live Via Satellite – EP-Review

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Review: Michael Segets

The Band Of Heathens ist längst aus dem Status des Geheimtipps in Sachen Americana und Roots Rock herausgewachsen. Vor allem ihre unermüdlichen Touren durch Amerika und Europa haben ihr eine breite Fangemeinde beschert. Daniel zählte ihren Auftritt im Dortmunder Musiktheater Piano ebenfalls zu den Top-Konzerten des letzten Jahres.

Entsprechend der Qualität ihrer Auftritte waren die ersten beiden Veröffentlichungen der Band dann auch Live-Alben. Mittlerweile sind noch zwei weitere offizielle Konzert-Mitschnitte und sechs Studio-CDs dazugekommen. Eine Zwischenstellung nimmt die EP „Live Via Satellite“ ein, die im SiriusXM-Studio zur unmittelbaren Radioübertragung im Outlaw Country Channel eingespielt wurde.

Drei der fünf Tracks bieten neue Varianten von Titeln der aktuellen CD „Duende“. Den Anfang macht „Sugar Queen“. Locker groovend mit mehrstimmigen Background, schönem Einsatz des Keyboards und einem unaufdringlichen E-Gitarren-Solo nimmt der Song direkt den typischen Sound der Band auf. Im Vergleich zum Album erscheint der Gesang etwas heller. Beim folgenden „All I´m Asking“ wirken die Lead Vocals deutlich näher als auf der ursprünglichen Version. Das Stück zaubert sommerliche Westcoast-Gefühle mit seinen Doo Wop, die The Band Of Heathens wie kaum eine andere aktuelle Truppe beherrschen.

Beide Songs stammen aus der Feder von Ed Jurdi und Gordy Quist. Die verbliebenen Gründungsmitglieder zeichnen für die Lead Vocals und die Gitarren verantwortlich. Unterstützt werden sie von Trevor Nealon am Klavier beziehungsweise an den Keys, Scott Davis am Bass sowie Richard Millsap am Schlagzeug, die sich natürlich auch alle beim Harmonie- und Background-Gesang einbringen.

The Band Of Heathens wagt sich an den Klassiker „Alabama“. Das ist mutig, denn an Neil Young mit seiner markanten Stimme kommt so leicht keiner vorbei. Die Jungs machen die Sache aber ordentlich, indem oder obwohl sie sehr nah am Original bleiben. Die Fans von The Band Of Heathens sowie diejenigen, denen die Klangfarbe von Youngs Stimme nicht zusagt, werden ihre Freude an der neuen Interpretation haben.

Auf der Scheibe findet sich mit „Ruby“ ein weiteres Cover. Die ruhige Ballade punktet mit melodischen Gitarrenpassagen und wirkt meines Erachtens ausgewogener als die vormalige Aufnahme der Dave Rawlings Machine.

Zum Abschluss präsentiert The Band Of Heathens den Roots-Rocker „Trouble Came Early“ ihres 2017er Albums. Die fetzige Nummer mit hervorstechendem Honky-Tonk-Piano schrieb Gordy Quist zusammen mit Owen Temple. Sie wurde unlängst vom Rolling Stone unter den zehn besten Country- und Americana-Songs der Woche gelistet – meiner Meinung nach in der falschen Kategorie.

Jedenfalls macht The Band Of Heavens mit „Live Via Satellite“ Werbung für sich. Die EP ist mehr als ein Lückenfüller zwischen zwei Longplayern. Mit den Neueinspielung eigener Songs sowie den beiden Coverstücken stellt sie eine schöne Einstimmung auf hoffentlich kommende, sommerliche Abende dar – vielleicht sogar mit der Band, die zwischen Mai und Juli ausgiebig tourt und dabei auch einige Auftritte in Deutschland plant.

BOH Records (2018)
Stil: Americana/Roots Rock

01. Sugar Queen
02. All I’m Asking
03. Alabama
04. Ruby
05. Trouble Came Early

The Band Of Heathens
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Black Pike Favorites

Mason Lively – Stronger Ties – CD-Review

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Nach dem ersten Hören von Mason Livelys Debütalbum „Stronger Ties“, glaubt man, wenn das Teil zunächst völlig unvoreingenommen, ohne sich mit dem Background des Künstlers beschäftigt zu haben, gehört hat, dass man es mit einer gestandener Red Dirt-Größe à la Cody Canada, Randy RogersWade Bowen & Co. zu tun hat, nur vielleicht noch nicht so bekannt halt.

Wenn dann seine Biografie offeriert, dass der Bursche aus Inez, Texas, erst 20 Jahre alt ist und sämtliche Tracks selbst kreiert hat, wiegt das erstaunliche Ergebnis im Nachgang umso mehr.

Zumindest weiß man dann auch, warum sich illustre Musiker der Szene wie Lloyd Maines, Bukka Allen und Reckless Kellys Cody Braun, als Ergänzung zu seinen Mitspielern Carson Popp (lead guitar), Jack Barbee (bass) und Will Sepolio (drums), gerne mit eingebracht haben. Produziert hat dazu mit Pat Manske (u. a. Band Of Heathens, Brandon Rhyder, Joe Ely, Robert Earl Keen) eine weitere umtriebige Koryphäe aus diesem Dunstkreis.

Ja, die zehn Stücke beinhalten dann wirklich so alles, was das melodieverwöhnte Country Rock-/Red Dirt-Herz begehrt. Schon der swampig stampfende Opener „Heavy Toll“ dürfte auch in Southern Rock-Kreisen, erhebliche Sympathie-Punkte einfahren.

Das Fiddle- und Banjo-betonte, im Erzählstil gesungene „Early Grave“ mit seiner herrlichen E-Gitarren-/Fiddle-Solo-Kombination, bietet fröstelnden Country mit nahezu dramaturgischem Charakter. „Worry About Nothing“ (mit schön plusternder Neil Young-mäßiger Harp) weckt bei mir Assoziationen zu Chris Stapletons „Millionaire“.

Traumhaft das, mit wunderbaren weiblichen Harmoniegesängen bestückte „Hard To Let Go“, das, passend zur Thematik, mit weinender Maines-Steel-Gitarre melancholisch unterlegt wurde. Das bluesige „Roleplay“ (schönes Piano, hallende Orgel, quäkende Harp) erinnert an launige Sachen der Casey Donahew Band.

Während „Right Back To You“ (Fiddle-lastig, MTB-E-Gitarren-Solo) auch auf jede Reckless Kelly-Platte passen würde, entpuppt sich „Ballad Of The Broken Heart“ mit seinem unterschwelligem Rockabilly-Flair als weitere Note in Livelys breitem Kompositions-Spektrum. Der wunderbare Schunkler „Lonely Comes Back Around“ (Harp-Solo, tolle E-Hook) funkt erneut auf einer Wellenlänge mit den Bands der Braun-Brüder, klasse.

Auch wenn es mit den beiden Steel-lastigen „Worth The Fall“ und „Angel Wings“ zum Ende von „Stronger Ties“ etwas ruhiger zugeht, erweist sich Mason Livelys Red Dirt-umwehter Country Rock trotzdem als eine großartige Belebung für das Genre! Geheimtipp!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Country Rock / Red Dirt

01. Heavy Toll
02. Early Grave
03. Worry About Nothing
04. Hard To Let Go
05. Roleplay
06. Right Back To You
07. Ballad Of The Broken Heart
08. Lonely Comes Back Around
09. Worth The Fall
10. Angel Wings

Mason Lively
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RPR Media
Bärchen Records

Caleb Caudle – Crushed Coins – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Country-Singer-Songwriter hat Caleb Caudle bereits seit einigen Jahren die bekannten US-Festivals erfolgreich bespielt. Völlig zurecht wurde, der in Winston-Salem, North Carolina aufgewachsene Caudle, in der amerikanischen Country-Ausgabe der Rolling Stone als einer der „New Country Artists You Need To Know“ ausgezeichnet, und bestätigt mit seinem 5. Album „Crushed Coins“ diese Empfehlung.

Die Songs sind alle sehr harmonisch komponiert und werden stets durch Caudles angenehme Stimme getragen. Schon der akustisch einfühlsame Opener „Lost Without You“ weckt mit seiner leicht zarten Melodie und dem fast leisen Gesang die Neugier auf weitere Tracks. Diese wird sogleich belohnt mit „N.Y.C. In The Rain“, einem Midtempo-Country-Stück á la Garth Brooks, das unvermittelt bildhafte Eindrücke musikalisch hervorruft.

„Headlights“ erinnert unwillkürlich an den gefühlvollen Sound eines John Denver und „Empty Arms“ könnte mit seinem Ohrwurm-Refrain beinahe als Country-Pop-Song mit verzerrten Gitarreneinlagen spielerisch erfolgreich sein. Der eingängige Sound in „Love That’s Wild” mit Pedal-Steel-Solo im Don Williams-Stil offenbart die feinsinnige Leichtigkeit der Komposition, die im darauffolgenden Titelsong in ähnlich ausdrucksstarker Spielweise akustisch durch einen emotionalen Gesang überzeugt.

Es folgt mit „Stack Of Tomorrows“ ein weiterer Country-Rock-Höhepunkt, der kraftvoll die offensichtlichen Bandqualitäten glanzvoll abliefert und in schönster Weise auf Chris Stapleton verweist.

Die außergewöhnliche Klangpalette wird durch das herrlich anregende „Madelyn“ und die geradezu auffordernde Fiddle-Begleitung noch einmal wesentlich aufgefrischt und erweitert. Die liebevolle Intonierung von „Six Feet From The Flowers“ ist mit ihrer traurig-schönen Melodie und den intensiven Soloinstrumenten ebenfalls eine akustische Meisterleistung aller Beteiligten, die leider mit dem 11. Song („Until It‘s Over“) und rund 38 Minuten mit der Textzeile „We Are Not Afraid Any More“ nachhaltig wirkend zu Ende geht.

Caudles transportiert mit seinem erstklassigen Songwriting geschickt phantasievolle Bilder und Arrangements. In seinen Songs bringt er glaubwürdig persönliche Erfahrungen ein („I write about what I know, so my albums are a snapshot into a six month window of my life“) und rechtfertigt durch diese einfallsreiche und gelungene Produktion eine größtmögliche Aufmerksamkeit.

Der überwiegend elegante, durchgängig ruhigere Sound des Longplayers hinterlässt ein konzeptionelles Gesamtwerk, dass nicht nur eine abwechslungsreiche Ansammlung eigenständiger Songs darstellt, sondern Caleb Caudle gleichermaßen als eine würdige neue Stimme des Country hervorhebt.

Cornelius Chapel Records (2018)
Stil: Country

01. Lost Without You
02. N.Y.C. In The Rain
03. Headlights
04. Empty Arms
05. Love That’s Wild
06. Crushed Coins
07. Way You Oughta Be Seen
08. Stack of Tomorows
09. Madelyn
10. Six Feet from the Flowers
11. Until It’s Over

Caleb Caudle
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Dead Bronco – 02.05.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Matt Horan, dem Frontmann von Dead Bronco, scheint es in Krefeld zu gefallen. Gerade zehn Monate waren seit seinem ersten Gastspiel im Großmarkt verstrichen, da stand er erneut auf der Bühne der Kulturrampe, allerdings mit komplett ausgetauschter Band. Einen Tag nach dem Tanz in den Mai war das Publikum wieder in Feierlaune und in etwa so zahlreich wie beim vorjährigen Auftritt – für einen Mittwochabend also ein ordentlicher Zuspruch.

Viertel vor Neun legte die neu formierte Band nach einer kurzen Begrüßung durch „Pille“ Peerlings mit dem Instrumentalstück „Death Of An Appalachian“ los. Atmosphärische Klänge des Keyboards von Rita Sainz untermalten Joel Bruñas anfangs dominierende Banjo. Nach dem Intro gab „Scumbag“ die Marschrichtung für den Abend vor.

Diese ging in Richtung Punk und rief bei Gernot Erinnerungen an die Ramones wach. Die Country-Einflüsse, die bei dem vorangegangenen Konzert noch deutlich hörbar waren, schienen nur noch gelegentlich durch, beispielsweise bei dem Twang von „Devil’s Road“ oder bei „Stupid Man“ und „Dead Bronco“.

Als Liebeslied kündigte Matt Horan „I Hate You“ an, wobei er einräumte, das mit der Liebe nicht so richtig erklären zu können. Insgesamt zeigte sich der Bandleader wieder sehr kommunikativ und leitete mehrere Songs mit Anekdoten oder kurzen Erklärungen ein. So erzählte der 36jährige über seine eher unappetitlichen Essgewohnheiten in der Jugend, die ihn zu „Life Of Leech“ inspirierten oder die geographisch unglückliche Lage seines Hauses, die er bei „Stuck In The Mud“ verarbeitete.

Nicht ganz ernstgemeinte Zwiegespräche mit Joel Bruña und die schon fast absurden Informationen, so zum Beispiel über die in Belgien gekauften Socken des Gitarristen Adan Roiz, waren unterhaltsam und machten Spaß.

Auch sonst passierte auf der Bühne sehr viel. Horan schwang seine Hüften, sprang herum und versuchte sich an artistischen Einlagen. In Sachen Körperbeherrschung war allerdings Adrian Lopez unübertroffen. Zweimal stieg er auf seinen Upright-Bass und spielte ihn frei balancierend und quasi schwebend weiter. Das hatte ich bislang noch nicht gesehen. Vielleicht nicht ganz so beeindruckend, aber auf alle Fälle überraschend, war das Kommando „Sexy Time“, mit dem die Bandmitglieder zugleich ihren Oberkörper frei machten.

Da gab es einige Tätowierungen und Brustwarzen-Piercings zu bestaunen. Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Das Publikum feierte die Aktion aber auf alle Fälle. Rita Sainz, die die Band nur gelegentlich mit dem Keyboard unterstützte, war zu dem Zeitpunkt nicht auf der Bühne und wollte sich später auch nicht an dem Einfall beteiligen.

Vollen Körpereinsatz zeigte hingegen Guille Peña am Schlagzeug, der nicht nur bei „Floating Down River“ sein gesamtes Gewicht in die Bearbeitung der Felle legte und richtig wütete. Der volle Klang des Schlagzeugs sowie der sehr gut ausgesteuerte Sound war das Verdienst von Malte an den Reglern. Horan würdigte den Rampentechniker überschwänglich – einer der ernst gemeinten und angemessenen Beiträge des Sängers.

Musikalisch stand das neue Album „Driven By Frustration“ im Vordergrund. Dead Bronco spielte alle Titel der Scheibe. Die Highlights waren dabei für mich „Miss Carriage“ und „Lord Call Me Home“. Mit „Penitent Man“, „Freight Train“ und „Keg Stand“ wurden zudem rockige Stücke früherer Veröffentlichungen ausgewählt. Auch „Vampiria“ wurde kurz und knackig durchgezogen. Das Konzert hatte daher richtig Fahrt.

Für zartere Einlagen sorgte Adan Roiz, wenn er seine elektrische Gitarre gegen eine Mandoline austauschte und so etwa bei „Driven By Frustration“ einen Gegenpol zu dem exzessiven Banjo-Spiel von Joel Bruña bildete. Oftmals gelang es der Band, die brachialen Kraft des Punks zu transportieren, ohne die Melodien der Songs aus den Augen zu verlieren.

Den theatralischen Abschluss des Hauptsets bildete „Funeral Inhibited“. Dead Bronco zelebrierte eine symbolische Beerdigung bis alle Bandmitglieder auf der Bühne lagen oder von ihr verschwunden waren. Bei der Zugabe begeisterte das mir bis dato unbekannte „Lucifer’s The Light“ mit seinem Country-Einschlag. Schließlich präsentierte Dead Bronco mit „The Sheperd“ noch die Weltpremiere eines Songs für die Umweltorganisation Sea Shepherd, zu dem es jetzt einen brandaktuellen Videoclip gibt.

Dead Bronco haben es musikalisch und mit ihrer Bühnenshow krachen lassen. Der gut aufgelegte Matt Horan sorgte für einen kurzweiligen, mit Humor gewürzten Abend.

Line-up:
Matt Horan (lead vocals, acoustic guitar)
Joel Bruña (banjo, vocals)
Adan Roiz (electric guitar, mandolin, vocals)
Rita Sainz (keyboard)
Adrian Lopez (upright bass)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

Dead Bronco
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Kulturrampe Krefeld

Gwyn Ashton & The Born-Again Sinners – 28.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Der im Ruhrgebiet scheinbar eher unbekannte Gwyn Ashton machte im leider wenig besuchten Musiktheater Piano Halt, um sein aktuelles Album „Solo Electric“ vorzustellen. Dabei ist der in Wales geborene, schon in der Kindheit nach Australien ausgewanderte Ashton, kein Newcomer im Musikgeschäft. In den 80er Jahren spielte er im Vorprogramm von Rory Gallagher, dessen Wege er später auch immer wieder kreuzte. So spielte er 2001 in der Band of Friends zum Gedenken an den leider zu früh verstorbenen Iren.

Daraus entstand auch eine Zusammenarbeit auf Ashtons Longplayer „Fang it“, wo ihn Gary McAvoy am Bass und Brendan O’Neill an den Drums begleiteten beide uns bestens bekannt durch ihren Auftritt im Schwarzen Adler vor geraumer Zeit. Auf weiteren Platten spielten Musikgrößen wie Ted McKenna oder auch Don Airey als Studiomusiker mit, was auf die Qualität Ashtons schließen lässt.

Pünktlich um 20:30 betrat Ashton alleine die Bühne, um nur mit einer Bassdrum und verschiedensten Gitarren, Nomen est Omen, die aktuelle Platte „Solo Electric“ in einem etwa 45-minütigen Set vorzustellen. Sehr schnell sprang der Funke des gut gelaunten Ashton, der sich nicht von der geringen Resonanz beirren ließ, auf die Besucher über. Er zeigte seine spielerische Bandbreite mal slidend, mal bluesig oder rockend.

Mit einem Augenzwinkern sagte er, dass er gezwungen wäre, jede Gitarre zu benutzen, da diese sonst beleidigt wären. Dies wurde dann auch in die Tat umgesetzt. Somit zeigte er nicht nur, welche Gitarren er besitzt, sondern bewies auch, dass er jede einzelne bespielen kann. Das Reißen einer Seite (verbunden mit dem Einspannen einer neuen), nutzte er um die Zuschauer kurzweilig zu unterhalten.

Nach einer etwa 15-minütigen Pause betrat Ashton dann, begleitet von seiner Band Chris Sharley an den Drums und Peter ‚Boom Boom‘ Beulke am Bass, die den ersten Set aus dem Publikum betrachtet hatten, die Bühne, um für noch einmal knapp 75 Minuten, seinen Powerblues hinzulegen. Dabei gab er seinen beiden Mitstreitern, wie es bei den guten alten Rockbands Gang und Gebe ist, die Möglichkeit, ihre spielerische Klasse in längeren Soli zu beweisen.

Neben Eigenkompositionen der letzten Jahre streute er auch einige Coverstücke ein. Wie schon im Vorfeld beschrieben, war fast durchgehend der Bluesstil der Generation Gallagher zu spüren und die Stimmung im Publikum war bestens, da sie große Gitarrenkunst geboten bekamen. Der auf einem großen Bild neben der Bühne hängende Jimi Hendrix, hätte mit Sicherheit auch seine Freude an dem Treiben auf der Bühne gehabt.

Wer Spaß an bluesrockender Gitarrenspielkunst hat, dem sei der Besuch bei einem der Konzerte von Gwyn Ashton angeraten. Es bleibt zu hoffen, dass Ashton, wenn er noch einmal im Musiktheater Piano auftritt, von mehr Livemusikliebhabern empfangen wird. Er aber auch das Piano, das als Veranstalter wie immer ein guter Gastgeber war, hätten es mit Sicherheit verdient. Noch einmal herzlichen Dank an Jenny Dore für die Akkreditierung und an alle wie immer freundlichen Mitarbeiter.

Line-up:
Gwyn Ashton (lead vocals, electric guitar)
Peter ‚Boom Boom‘ Beulke (bass, vocals)
Chris Sharley (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gwyn Ashton
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Victoria Ginty – Unfinished Business – CD-Review

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Zunächst möchte ich mal meine Freude zuteil werden lassen, dass sich unsere engagierte Arbeit scheinbar auch in den Staaten rum zu sprechen scheint. Als aktuelles Beispiel möchte ich hier eine Dame namens Victoria Ginty aus Tampa Bay, Florida, anführen, deren Management mir jetzt ihren neuen Lonplayer „Unfinished Business“ ohne jeden vorherigen Kontakt zugeschickt hat.

Die mir bis dato völlig unbekannte Künstlerin ist seit 2015 im Sunshine-State musikalisch präsent und auch schon in Nashville unter Vertrag gewesen. Nach einer Live-Scheibe, gilt es vermutlich jetzt, den Karriereverlauf mit eigens kreiertem Material unter Studiobedingungen zu unterfüttern.

Die größtenteils von Victoria mit diversen Co-Writern (den Löwenanteil hat ein gewisser Mike Ivey beigetragen) unter den Umständen einer beendeten und neu gefundenen Liebesbeziehung komponierten Tracks, wurden mit ihrer, sie aktuell begleitenden Tourband namens Ladyhawke (J. Livington – bass; G. Lougen – guitar; R. English – piano; B. Decker – organ; J. English – drums; G. Castillo – Percussion; J. Diggs – bgv; E. Wozniak – sax; C. Weierich – trumpet; J. Cheslak – trombone) eingespielt.

Die allesamt recht swampig und soulig, instrumentell meist sehr schön ausgefeilten Blues-Tracks (da bleibt kaum ein Stück unter 4 Minuten), erinnern mich aufgrund der Bläser-Präsenz an den Sound, den man aus den Muscle Shoals-Umfeld oder zum Teil auch aus New Orleans kennt. Die Ginty hat eine energische, dazu gut passende Stimme, durchaus mit der Ausstrahlung einer ‚Grande Dame‘.

Als markanteste Songs würde ich das retro-bluesig swingende Titelstück „Unfinished Business“ (hier als Clip in einer Live-Version), die allmaneske Ballade „Hard To Move On“, der 81/2 Minuten währende Slow Blues „Every Night, Every Day“, der atmosphärische Schwofer „Water“ (mein Lieblingsstück des Werkes, tolle E-Gitarre, Harmonies, herrlich quäkende Bläser-/E-Gitarren-Solo-Kombination) und das gelungene Terence Trent D’Arby-Cover von „Sign Your Name“ (mit schönem Latin-Vibe) anführen.

Fazit: Victoria Ginty bietet mit ihrem Studio-Debüt „Unfinished Business“ einen musikalisch sehr reifen Einstieg in die Blues-Szene. Hier hat alles Hand und Fuß. Als Referenzgrößen würde ich Damen wie Bekka Bramlett, Dusty Springfield, Eve Selis, Big Mama & The Cool ungefähr benennen, vom Spielstil ihrer Begleiter her kommen mir Acts wie Delta Moon oder The Radiators spontan in den Sinn. Ihre Biografie, bzw. ihr Business wird unter diesen Voraussetzungen in Zukunft sicherlich weiter mit Leben gefüllt werden.

Blue Door Records (2018)
Stil: Blues, Soul, R&B

01. Unfinished Business
02. Take Me Down
03. Hard To Move On
04. You Don’t Love Me No More
05. Every Night, Every Day
06. Give It Up
07. Water
08. Sign Your Name
09. Lyin‘ (In Each Others Arms)
10. Do Me Right
11. The Blues Found Me

Victoria Ginty
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Voltage, 29.04.2018, De Bosuil, Weert – Konzertbericht

Voltage_Haupt

Auf keine Band war ich in diesem Jahr gespannter als die niederländischen Southern Rocker Voltage, die 2017 mit „Around The Bend“, für meinen Geschmack, eines der CD-Highlights herausgebracht hatten. Jetzt hatten Gernot und ich die Gelegenheit, das Quartett im für uns bis dato unbekannten De Bosuil in Weert zu begutachten.

Der uns weitestgehend über Landstraßen durch die niederrheinischen Wald- und Wiesen-Landschaften, bäuerlichen Gehöften und an holländischen Kanälen vorbeiführende Weg, brachte uns dann, dank einer kleinen Ehrenrunde, in eines dieser typischen mittelgroßen niederländischen Städte, samt gelungener Mischung aus alter Bausubstanz und modernen Neubauten, bis wir den, an einem großen Sportanlagen-Areal gelegenen Auftrittsort gefunden hatten.

Wie immer bei unseren Nachbarn, war alles bestens organisiert, freundliches und hilfsbereites Personal zugegen, sowie eine, mittels ein- und ausbaubarer Schiebewände, in der Größe variabel gestaltbare, im stylischen Fabrikhallen-Ambiente, gehaltene Konzert-Location. Auch der Beginn mit 16:00 Uhr nachmittags war arbeitnehmer-freundlich gewählt.

Als Vorband präsentierten die drei jungen Burschen David Henry (lead vocals, electric guitar), Dustin Boerrigter (drums) und Stijn Hazewinkel (bass, vocals), alias Grim Tim, einen ziemlich wüsten und laut gespielten Mix aus psychedelisch, fusion-, retro- und blues rock-lastigen Ingredienzien, mich zum Teil an Bands wie Led Zeppelin oder Iron Butterfly erinnernd.

Um 17:30 Uhr betraten dann zu einem „Midnight Rider“-Einspieler Bandleader Dave Vermeulen (mit markantem Hut und buschigem Bart), und seine ebenfalls Vollbart-tragenden Mitstreiter, Bart Candel (wen wundert’s bei dem Vornamen?), Gijs Heijnen und Kai Liebrand die, mit einem großen Banner ihres aktuellen CD-Front-Coverbildes „Around The Bend“ behangene Bühne und gaben mit den zünftigen „Heart Of Stone“ und „Up From The Downside“ von besagtem Tonträger, direkt ordentlich Gas.

Vermeulens Affinität zu den legendären Status Quo wurde mit der Eigenkreation „The Weather“ und später mit dem SQ-Klassiker „Roll Over Lay Down“ gehuldigt. Seine frappierende Stimm-Ähnlichkeit zu Charlie Starr von Blackberry Smoke und auch der Spielstil des Quartetts lässt natürlich unweigerlich Assoziationen zum sich mittlerweile im Southern Rock als Marktführer emporgearbeiteten Ensemble aus Atlanta, Georgia.

Bestes Beispiel das folgende Duo samt „Pistol Pete“ und dem BS-Cover „Six Ways To Sunday“ (von „The Wipphoorwill“). Überhaupt versteht es die Band prächtig, in altgedientes Southern Rock-Flair, neue Kreationen einfließen zu lassen. Bei „Up The Road“ (Dave mittlerweile mit einer Akustik-Gitarre) und dem atmosphärischen „Motherfucker Jones“ trat der Spirit der Allman Brothers und der Marshall Tucker Band unverkennbar zu Tage.

Der ebenfalls spielstarke Zweitgitarrist Gijs Heijnen beeindruckte auf „Good Times“ mit einem schönen Solo auf seiner Gibson Les Paul, als auch mit starkem Slide beim äußerst gelungenen Petty-Cover „Learning To Fly“. „Dirty Harry’s Juke Joint“ hatte durch Heijnens Spiel auf einer Koffer-/Schachtel-artig anmutenden, umfunktionierten E-Gitarre und einem Harp-Solo des vielseitigen Dave Vermeulen, ein Alleinstellungsmerkmal.

Nach Freddie Kings Blues-Stampfer „Going Down“, dem bereits erwähnten „Roll Over Lay Down“, wurde es mit „Blue Highway“ (Dave nochmals an der Akustikgitarre) und „For Better Ways“ nochmals atmosphärisch, um dann mit den fulminanten „Rooster“ (inkl. Vorstellung der Band, samt Soli der Beteiligten) und dem fetzigen „Matchbox“ den Hauptteil abzuschließen.

Der üppige Zugabenteil bestehend u. a. aus dem herrlichen „Joelle“ (inkl. toller Southern Rock-typischer Instrumental-Passage samt Twins), der Rock And Roll-Nummer „Bye Bye Baby“ und dem zwischen ZZ Top und Status Quo pendelnden Stampf-Rocker „Travelling Man“, dem Titelstück ihres Debüts, begeisterte die gut 120 anwesenden Zuschauer restlos.

Nach dem spannungsreichen Konzert gaben sich die Voltage-Jungs am Merchandising-Stand sympathisch, gesprächsfreudig und waren auch noch für das gewohnte Bild mit unserem Logo für die VIP-Galerie zu haben.

Nach dieser starken Leistung sprechen wir guten Gewissens eine eindringliche Empfehlung an unsere gängigen Clubbesitzer aus, die energiegeladene Band aus der Region Brabant, die sich wahrlich nicht hinter Acts wie Robert Jon & The Wreck, Hogjaw, The Vegabonds & Co. zu verstecken braucht, mit einer guten Werbung im Vorfeld, auch mal in hiesigen deutschen Gefilden anzutesten. Macht ihr ganz sicher nix verkehrt!

Von den Niederländern, da bin ich mir relativ sicher, wird in Zukunft noch einiges ein Kreativität zu erwarten sein. Solche erfrischenden Acts tun dem Genre richtig gut. Danke an das freundliche De Bosuil-Team und auch an Voltage-Managerin Linda Groenen für die perfekte Organisation bezüglich unserer Akkreditierung.

Line-up:
Dave Vermeulen (lead vocals, electric and acoustic guitar, percussion, harp)
Kai Liebrand (bass, vocals)
Bart Candel (drums)
Gijs Heijnen (electric guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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Kacey Musgraves – Golden Hour – CD-Review

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Aufbruch zu neuen Ufern bei Kacey Musgraves! Mit dem Labelwechsel zu MCA und dem Austausch des ihr assistierenden Produzententeams in persona der beiden Multiinstrumentalisten  Ian Fitchuk und Daniel Tashian, hat die texanische Grammy-Preisträgerin mit ihrem neuen Album „Golden Hour“ auch einen deutlich spürbaren Schwenk vom überwiegend Country-Traditionalistischem in etwas poppigere Gefilde vollzogen.

Dass es dabei im Lager der Puristen des Genres mal wieder entsetzte Aufschreie geben wird, ist damit eigentlich schon vorprogrammiert gewesen. Für mich  persönlich steht da eher eher die Art und Weise im Vordergund, wie man einen solchen Wandel einleitet.

Im Gegensatz zu einigen Kolleginnen und Kollegen, geschieht dies in Kaceys Fall, meiner Ansicht nach,  nicht in offensichtlich anbiedernder, monetär bestimmter Weise, sondern wird hier recht stilvoll, ‚leise‘ und unaufdringlich bewerkstelligt.

Fitchuk und Tashian ist es brillant gelungen, den ‚moderneren‘ Komponenten wie Loops, Vocoder, Synthies, mit prägnantem Banjo, Akustik-, E- und Steel-Gitarren (hier sind besonders die Könner wie Puss Pahl, Justin Schipper und Dan Dugmore zu erwähnen) ein schlagkräftiges Countrygewicht entgegenzubringen, sodass im Prinzip ein ‚Gesichtsverlust‘ in deutlicher Form vermieden wird.

Auf „Golden Hour“ haben wir es hier eher mit einer smoothen, als auch relaxten, teils voller Melancholie reflektierenden Laidback-Variante des Genres zu tun, die im En-Gros der Tracks wie u. a. dem herrlichen, schlafwandlerischen „Slow Burn“ (die Akustikgitarre erinnert dezent an Neil Youngs „Old Man“), „Lonely Weekend“, „Butterflies“, und „Space Cowboy“ (Eigenkomposition, nicht der der Steve Miller Band-Song) zum Ausdruck kommt.

Die eher poppigen Sachen wie „Oh, What A World“, „Happy & Sad“ oder das hitverdächtige „Velvet Elvis“ (fast ELO-verdächtiges Intro) bleiben aufgrund der tollen Instrumentierung und ihres überaus markanten Gesangs trotzdem im Toleranzbereich.

„Love Is A Wild Thing“ mit seinem Fleetwood Mac-Flair, das folkig, 70ies-umgarnte Titelstück „Golden Hour“ und die Piano-betonten Balladen „Mother“ (laut Credits in nur einer Viertelstunde geschrieben und komponiert, hier ganz im kreativen Gegensatz zu Akademikerkreisen, wo diese Zeitspanne ja vorwiegend als Entschuldigung für Verspätungen genutzt wird…) sowie „Rainbow“ als Abschluss des Werkes, bilden ein Brücke irgendwo dazwischen.

Fazit: Kacey Musgraves ist mit „Golden Hour“ ein klug eingefädelter und umgesetzter Spagat zwischen arriviertem Nashville-Stoff und stilvoller Popmusik gelungen, der eine deutlich erweiterte Klientel ansprechen wird. Geht für mich so in Richtung einer ‚Stevie Nicks des (New) Country‘.  Absolut gelungen!

MCA Records (2018)
Stil: New Country

01. Slow Burn
02. Lonely Weekend
03. Butterflies
04. Oh, What A World
05. Mother
06. Love Is A Wild Thing
07. Space Cowboy
08. Happy & Sad
09. Velvet Elvis
10. Wonder Woman
11. High Horse
12. Golden Hour
13. Rainbow

Kacey Musgraves
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