Henrik Freischlader / Mike Andersen – 08.11.2017, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Hochwertiger Doppelpack im Schwarzen Adler! Mit der deutschen Blues Rock-Hoffnung Henrik Freischlader und dem dänischen Blues & Soul-Musiker Mike Andersen hatten sich zwei, mit hohen Vorschusslorbeeren bedachte Acts in Rheinbergs Blues-Kultstätte angesagt und Adler-Chef Ernst Barten an einem Mittwoch in der Woche, ein volles Haus beschert.

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Nachdem Gernot mir in Sachen Henrik Freischlader seit Monaten ‚in den Ohren gelegen hatte‘, war es nun für mich an der Zeit, den in Wuppertal wieder ansässigen Gitarristen, auch erstmals live zu begutachten. Der umtriebige und geschäftstüchtige Musiker hat es ja Mike Andersen ermöglicht, seine neue Scheibe „Devil Is Back“ auf dem eigenem Label, Cable Car Records, zu veröffentlichen.

Da bot es sich für Henrik natürlich an, den hier noch (zu Unrecht) relativ unbekannten Skandinavier, übrigens ein Kerl wie ein Baum, samt Verkauf seiner CD, mit seiner hiesigen Popularität im Schlepptau, im Rahmen einer Doppelkonzertreihe zu puschen. Also gewisser Maßen eine typische ‚Win-Win-Situation‘!

Der bärtige Bursche mit der Schlägerkappe auf dem Schopfe, betrat mit seinen drei Kollegen, Marco Zügner (mit einigen schönen Sax-Soli), Armin Alic und Moritz Meinschäfer um 20:00 Uhr pünktlich die Bühne und witzelte nach längerer Abstinenz zunächst ein wenig mit den Adler-Zuschauern, um dann mit „What’s My Mother Fu@kin Name“ in den gut 90 Minuten währenden Gig zu starten (referierte, in humoresk bemühter Form, danach weiter über die Eigenarten von Hip Hoppern, Facebook und Trödelmärkten).

Mit den groovenden „I“ und dem shuffelnden „Longer Days“ wurden dann schwere, gitarrenlastige Rockgeschütze aufgefahren, bei dem der bergische Gitarrero seine bereits schwer malträtierte Stratocaster und ihre Saiten mit fingerfertigem Spiel, weiteren harten Belastungsproben aussetzte.

„Too Cool For Me“, das atmosphärische, ein wenig in progressiv Floydscher Manier gebrachte Psychedelic-Stück „The Bridge“ (zu Gernots Freude), der Fleetwood Mac-Uralt-Blues-Schinken „I Loved Another Woman“ (Henrik imitierte Peter Greens Gitarrenklang vorzüglich) und das Kravitz-mäßige „Take The Blame“ waren Wasser auf die Mühlen der ausgehungerten Freischlader-Fans.

„Lonely World“ von „The Blues“ (mit Mörder E-Solo-Passage, teilweise schön Bariton-verziert, mir aber teilweise am Ende etwas zu lang) beendete einen, natürlich maßgeblich auf den Protagonisten und seine Gitarrenkünste fixierten Auftritt, der ihm und seiner Band zurecht viel Applaus einbrachte.

Line-up Henrik Freischlader:
Henrik Freischlader (lead vocals, electric guitar)
Marco Zügner (saxophone)
Armin Alic (bass)
Moritz Meinschäfer (drums)

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Die eigentliche Überraschung des Abends war für den Melodie-verwöhnten Menschen wie mich aber, der mir bis dato völlig unbekannte Mike Andersen und sein, sich vorzüglich und sehr variabel präsentierendes Mitspieler-Quartett.

Der dänische Hüne (was für eine Bühnenpräsenz!), hatte wie eingangs erwähnt, seinen neuen Longplayer „Devil Is Back“ zur Vorstellung am Start. Er und seine Mannen bluesten, groovten und soulten sich durch ein sattes, 16 wunderbare Stücke im Hauptteil umfassendes Programm. Der Bandleader bestach durch seine exzellente Wohlfühl-Stimme (Chris Thompson, Jascha Richter von Michael Learns To Rock oder Dan Tyminski, fallen mir so als Vergleiche ein), aber auch diverse, gute Gitarren-Soli auf seiner Gibson ES 347.

Meine persönlichen Highlights unter vielen waren, das karibisch umwehte „Wake Up“,  das herrliche stoneske „Pretty Fool“ (vermutlich schon Grund genug, sich das neue Album zuzulegen), die quasi unplugged gebrachten, Akkordeon-unterlegten, mit Satz-Harmanoniegesängen verzierten „Boyhood Friends“ und „More Of  You“, sowie das cool groovende „Gonna Get Me A Dog“ und das launige „I Wanna Go“ als Finale des Hauptparts. Stark auch Andersens Keyboarder Kristian Fogh, der immer wieder mit klimpernden Piano- und gurgelnden Orgel-Einsätzen zu gefallen wusste.

Die lautstark geforderte Zugabe wurde zunächst mit dem Schwofer „Raindrops“, abgegolten, bevor dann Freischlader zunächst alleine (mit seiner roten Gibson ES) bei „Sweet Tooth“ und dann auch mit den anderen Kollegen bei „So Many Times“ die Bühne zusätzlich bevölkerte. Da wurde es in den E-Solo-Passagen sogar nochmal richtig Southern-rockig. Ein wirklich imposantes ‚Jam‘-Finale als Rausschmeißer.

Line-up Mike Anderson:
Mike Andersen (lead vocals, guitars)
Johannes Nørrelykke (guitars, vocals)
Kristian Fogh (keys, accordion, vocals)
Kristian Kold (bass, vocals)
Mads Andersen (drums)

Fazit: Ein gelungenes Doppel-Konzert mit Henrik Freischlader und Mike Andersen. Gute drei unterhaltsame Stunden auf höchstem musikalischen Niveau (Ende 23:20 Uhr), zwar etwas unfreundlich der arbeitenden Zunft (wie mir und Gernot) gegenüber (Mike betonte aber in einer Ansage gegen Ende, dass er, der am nächsten Morgen ausschlafen kann, ein gewisses Mitgefühl habe…), die den o. a. Zweck des Unterfangens bestens erfüllten und nur Gewinner zurückließen. Ein toller Abend!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Schwarzer Adler Rheinberg

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