Steve Young – A Little North Of Nowhere – CD-Review

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Um in einer Sache erfolgreich zu sein, gehören – man kennt es aus dem eigenen Beruf, bei mir z. B. auch aus meiner langjährigen Sportlerkarriere –  neben einer guten Idee und Gespür für die Zeit, sicherlich  auch Attribute wie u. a. Talent, Fleiß, Selbstbewusstsein als auch eine gewisse Hartnäckigkeit dazu.

In meinem Review zu Steve Youngs EP „The Great North Road“ konnten Leser meiner Ausführungen vermutlich herausinterpretieren, dass  ich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hingerissen war.  Ich bin halt kein Freund bardenhafter, folkiger, wenn auch, wie in diesem Fall durchaus countryfizierter Musik, die dann noch mit diesen typisch hellen Stimmen vorgetragen wird.

Jetzt lag erneut ein Werk des Künstlers, wieder im Rahmen einer Crowd Funding Kampagne entstanden, in meinem Briefkasten. Diesmal direkt eine Doppel-CD, die in Kombination mit ein paar neuen Stücken allerdings auch sämtliche Tracks der EP enthält. Dazu kommen auf der Bonus-CD ein gesprochenes Intro, zwei Remixe, drei Live-Stücke und am Ende ein paar Hintergrund-Kommentare des Protagonisten zu einzelnen Stücken (u. a. über seine Beziehung zu seinem Vater, thematisiert in „My Son“).

Die neuen Stücke führen den eingeschlagenen Weg von „The Great North Road“ in gleicher Weise fort. Bei den Live-Tracks werden seine guten Fertigkeiten im Akustikgitarrenspiel mit ein paar furiosen Passagen herausgestellt.

Die kammermusikartige Umsetzung eines solch epochalen Klassikers wie „Shine On You Crazy Diamound“ in einer Kurzversion im akustischen Gewand, halte ich für unglücklich. Diesen Song kann man nicht besser als Pink Floyd seiner Zeit performen, von daher sollte man es eigentlich gleich sein lassen.

Trotzdem – wer Spaß an absolut ehrlicher und authentischer Musik im beschrieben Segment (Richtung Simon Garfunkel, Donavan, America, David Crosby & Co.) hat, der darf dem von der Isle Of Wight stammenden Steve Young gerne mal eine Chance gewähren. Bei mir beißt er aber auf diese Art nach wie vor noch auf Granit.

Eigenproduktion (2018)
Stil: New Country

Disc 1:
01. A Fools Dream
02. Trembling Heart
03. It’s A Good Thing (Piccolo Solo)
04. Guilty By My Eyes
05. The Great North Road
06. Waiting For My Heart (The Catch Up With My Head)
07. Whiskey & Wine
08. Hard Times In A Beautiful Place
09. The Greatest Love Song (Of All Time)
10. Beautiful Tonight
11. My Son

Bonus Disc:
01. Introduction
02. Nature
03. Garden Of Love
04. Shine On You Crazy Diamond (live)
05. Back To Mine (live)
06. My Son (live)
07. Audio Commentary

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Andrea Bignasca – Murder – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Bislang war mir Andrea Bignasca aus der Schweiz kein Begriff und als mir Kollege Daniel Daus vor einigen Tagen Bignascas neue CD „Murder“ mit den Worten ‚.. die soll wohl auch ganz gut sein …“ überreichte, meinte er wohl die Scheibe während ich an eine Sängerin dachte, zumal die etwas verwischten schwarz-weißen Coverfotos nicht wirklich etwas erkennen ließen. Beim ersten Hören musste ich dann aber feststellen, dass Andrea bei den Eidgenossen wohl ein gebräuchlicher männlicher Vorname ist. Nun gut, man lernt halt nie aus.

Den Schweizern spricht man ja gemeinhin eine gewisse Eigenwilligkeit zu, was in diesem Fall aber auch auf deren Rockmucke zutrifft. Beworben wird „Murder“ damit, dass sich Bignasca mit warmer, charismatischer Stimme versiert zwischen Blues Rock, Singer/Songwriter und Southern Rock bewegt.

Dem Etikett Singer/Songwriter entsprechen am ehesten die etwas ruhigeren Stücke dieses Albums („Graced“, „Mine“ und der Titelsong „Murder“).
„Graced“ vermittelt dabei einen leicht spacigen, mysteriösen Eindruck, während „Murder“ ein sehr fragil vorgetragener Song ist.

Die übrigen Titel sind sehr von Bignascas dominantem Gitarrenspiel geprägt, wobei viele Stücke tolle Riffs und grazile Hooks bieten, die sich aber leider immer wieder zusammen mit seiner in Tenorbereiche abdriftenden Stimme, in einer Wand aus einem brutalen Gitarren-Klangteppich, so mächtig und hoch wie die chinesische Mauer, verlieren. Zudem präsentieren sich die Songs teilweise mit einem gefühlt leicht hohlen Klangbild, während die Stimme des Schweizers mitunter einen etwas verhallten Eindruck hinterlässt.

Einflüsse aus den Bereichen Blues Rock und Southern Rock blitzen auf der CD allenfalls nur sporadisch auf (am ehesten beim knackigen Opener „Mooshining“), Bignascas Stimme würde aus Sicht des Rezensenten auch gar nicht dazu passen.

Der Gesamteindruck ist, musikalisch gesehen, eher zwiespältig. Einerseits gibt es gitarrenmässig gute Ansätze, die Licks gehen aber wie gesagt, leider oftmals im bombastischen Soundteppich unter. Jedenfalls ist diese Art schweizer Rockmusik für meinen Geschmack recht gewöhnungsbedürftig.

Daher mein Rat an alle, die mit diesem Silberling liebäugeln: erst einmal googeln oder auf youtube suchen und dann schauen, ob die Mucke tatsächlich euren Musikgeschmack trifft.

Label: Radicalis GmbH
Vertrieb: The Orchard / Soulfood

Stil: Rock / Alternative Rock

Tracks:
01. Moonshining
02. Little Darling
03. Lyssa’s Lover
04. Monster
05. Graced
06. All Things Dirty
07. Little Faith
08. Mine
09. Messiah
10. Murder

Black Stone Cherry – Support: Monster Truck – 11.11.2018, E-Werk, Köln – Konzertbericht

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Ein eher schwieriger Abend für mich. Da ich im Gegensatz zum Kollegen Gernot, nicht unbedingt ein Fan von überwiegend, mit härterer Gangart angetriebener Musik bin, war ich zunächst mit gemischten Gefühlen die Reise ins Kölner E-Werk zum Gig der Southern Hard Rock Band Black Stone Cherry und ihrem kanadischen Support Monster Truck angereist.

Die Nordamerikaner um ihren sympatisch wirkenden Fronter John Harvey begannen pünktlich um 20.00 Uhr ihr zehn Stücke umfassendes und knapp 45 Minuten währendes Vorprogramm.

Dabei präsentierten sie zum einen ältere Stücke wie „Don’t Tell Me How To Live“, „She‘ A Witch“, „Sweet Mountain River“ oder „The Lion“ und natürlich überwiegend Sachen aus ihrem brandaktuellen Werk „True Rockers“ wie „True Rocker“, „Evolution“, „Thundertruck“, „Denim Danger“, „Undone“ oder „Devil Don’t Care“.

In einem hart rockenden, aber durchaus auf guten Melodien basierten Mix, in der Tradition klassischer Vorbilder der Marke Led Zeppelin, Iron Maiden, Deep Purple & Co., gefiel mir das dezent progressive und atmosphärische „Undone“ am besten. Insgesamt ein Voract der besseren Sorte mit zukünftigem Headliner-Potential in dieser Sparte.

Line-up Monster Truck:
John Harvey (lead vocals, bass)
Jeremy Widerman (electric guitar, vocals)
Brandon Bliss (keys, vocals)
Steve Kiely (drums, vocals)

Nachdem es zunächst nach einer Umbaupause in Rekordzeit aussah, zog sich der Beginn des Headliners Black Stone Cherry dann doch noch ein Weilchen hin. Da sie aber mit Songs aus dem schon lange nicht mehr gehörten Allman Brothers-Werk „Brothers And Sisters“ überbrückt wurde, fiel das Warten nur halb so schwer.

Der Einstieg mit dem Led Zeppelin-umwehten „Rain Wizard“ ließ an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. Das Quartett mit charismatischen Leader Chris Robertson und den sich ständig in Bewegung befindenden Ben Wells und John Lawhon (immer wieder ihre Postionen links und rechts der Bühne tauschend) sowie dem wie von einer Tarantel gestochenen, trommelnden, bzw. fast schon prügelnden Irrwisch John Fred Young machten sofort klar, dass ihr dezent southern-infizierter Hard Rock nichts für zarte Gemüter sein wird.

Als sehr positiv empfand ich zunächst den Querschnitt des Publikums, der von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen der jüngeren Sorte bis zu unserer Altersstufe reichte. Der Band scheint es somit zu gelingen, Generationen-übergreifend zu begeistern und somit auch dem uns geliebten Southern Rock ihre Dienste im Sinne des Genre-Fortbestandes zu erweisen.

„Burnin'“ läutete den Reigen der kommenden Stücke ihres starken Silberlings „Family Tree“ ein, dessen schönes Cover auch das Bühnenhintergrundbild zierte. Zwischendurch wurden immer mal ein paar Klassiker wie „Can’t You See“, „Fly Like An Eagle“ oder auch „Stir It Up“ intoniert, das als Vorbote zum stimmungsreichen „Me And Mary Jane“ als einem der ersten Höhepunkte, angespielt wurde.

Der sporadisch als Perkussionist eingesetzte Jeff „Bongo“ Boggs konnte einem ein wenig leid tun. Er hatte nämlich mehr mit der Instandsetzung von Youngs Schlagzeuganlage zu tun, die den Ansprüchen seines furiosen Wirkens offenkundig nicht gewachsen war. Er konnte dann wenigstens bei der Vorstellung der Band beim tollen „Cheaper To Drink Alone“, als alle Beteiligten ihre Solierparts inne hatten, seine rhythmischen Fertigkeiten präsentieren.

Zuvor hatten Stücke wie u. a. das ZZ Top-umwehte „New Kinda Feelin'“, „Let It Roll“, „My Last Breath“ (sehr melodisch – sogar ein wenig mit Sister Hazel-Flair), „Soulcreek“ oder die Uptempo-Nummer „Maybe Someday“ für eine angenehme, begeisterte und ausgelassene Atmosphäre gesorgt.

Die schlug allerdings – zumindest was mein Empfinden angeht – nach der schönen Ballade „My Father Said“ und dem starken, Slide-trächtigen Southern Rocker „Ain’t Nobody“ mit „Lonely Train“ ins Unangenehme um. Fronter Chris Robertson hatte darum gebeten, einen Kreis in der Mitte der Zuschauer ‚auszusparen‘ wobei ich vermutet hatte, dass er sich dort selbst für eine Solo-Einlage hinein begeben wolle. Er offerierte dann allerdings für zwei freiwillige Menschen die Option, den erschaffenen Raum für eine Tanzeinlage zu nutzen.

Im Zuge der Aggressivität des Liedes hatte sich das aber schnell erledigt und eine Meute junger, angetrunken erscheinender Personen, nutze die Fläche für wüstes Herumschubsen und Springen (auch unter dem Fachbegriff ‚Pogen‘ geläufig…). Ein junge, unbeteiligte Frau in meiner Nähe ging dabei zu Boden und konnte froh sein, dass es umherstehenden Leuten gelang, in erster Linie sie und ihre umher geflogene Brille vor weiterem Schaden zu bewahren. Angesichts der deutlich sichtbaren Kinder (zum Teil auf den Schultern) eine ziemlich fahrlässige Sache, die man tunlichst unterlassen sollte.

So wurde der Genuss von der fortan sich im Zentrum auslebenden Meute bei launigen Stücken wie „Blame It On The Boom Boom“, „White Trash Millionaire“ und dem finalen „Family Tree“ leider durch ein gewisses ‚Unbehagen‘ in Mitleidenschaft gezogen. Aber vielleicht bin ich ja einfach auch nur zu alt. Black Stone Cherry bedankten sich am Ende für den in Deutschland stetig wachsenden Zuspruch, besonders auch, was ihre Besucherzahlen angeht. Um die 1.200 Leute hatten an diesem Abend für eine – bis auf die nicht geöffneten Oberränge – gefüllte Location gesorgt.

Als schon keiner mehr mit Zugaben rechnete und einige das E-Werk verlassen hatten, kamen zunächst Ben Wells und Chris Robertson alleine für „Peace Is Free“ auf die Bühne, wobei Robertsons grandiose Stimme mal in voller Pracht zur Geltung kam, um den Schluss des Liedes wieder im Kollektiv zu beenden.

Insgesamt ein gelungener Abend mit den benannten Abstrichen (aus meiner Sicht), der vor allem seinen Reiz darin hatte, dass Southern Rock in Kombination mit moderneren Musikelementen durchaus eine weiterhin zukunftsträchtige Option abzugeben scheint. Von daher muss man dankbar sein, dass sich Bands wie Black Stone Cherry, Blackberry Smoke, Hogjaw, Robert John & The Wreck & Co. hier mit qualitativem Anspruch als weiterführende Erben dieses Genres in den Dienst der Sache stellen.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals, percussion)
John Lawhon (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Netinfect Promotion
E-Werk

Larkin Poe – Venom & Faith – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die beiden Schwestern Rebecca und Megan Lovell haben sich mit Larkin Poe nach ihrem Ur-Ur-Opa benannt. Dabei ist ihre Musik alles andere als rückwärtsgewandt. Sie kombinieren Roots-Musik mit verschiedenen Elementen anderer Musikstile wie dem Pop oder sogar dezentem Rap. Sie entziehen sich damit der einfachen Kategorisierung. Tendenziell überwiegt auf „Venom & Faith“ eine Art progressiver Blues. Mehrere Titel zeichnen sich durch akzentuierte Wiederholungen des Textes oder durch Breaks bei Rhythmus oder Melodien aus, die interessant sind und zum konzentrierten Zuhören anhalten.

Bereits als Teenager veröffentlichten Rebecca und Megan als Lovell Sisters – damals noch mit ihrer Schwester Jessica – zwei Bluegrass/Americana-Alben. Ab 2010 sind sie als Duo unter dem derzeitigen Bandnamen produktiv. Auf ihr Konto gehen fünf EPs und vier Longplayer. Sie arbeiteten bereits mit T Bone Burnett, Elvis Costello, Marcus Mumford (Mumford & Sons), Rhiannon Giddens, Kristian Bush (Sugarland) und Steven Tyler (Aerosmith) zusammen. Mit Jackson Browne und Don Henley (Eagles) standen sie anlässlich des Tom-Petty-Tributs in Los Angeles auf der Bühne.

Megan spielt Lap Steel, während Rebecca akustische und elektrische Gitarre, Banjo, Omnichord sowie die Percussion übernimmt. Beide singen und bedienen die Keyboards. Die Multiinstrumentalistinnen sind damit weitgehend autonom, zumal Drums und Rhythmus aus dem Computer stammen.

Ich habe lieber, wenn Schlagzeug und Bass von Menschen beigesteuert werden, weil ich meine, dass dadurch mehr Leben in die Songs kommt. Obwohl ich auf „Venom & Faith“ nur in einigen Momenten behaupte, dass ich heraushören könnte, dass eine Maschine die Rhythmusarbeit übernimmt – und das wahrscheinlich auch nur, weil ich es weiß.

Am ehesten hört man die Drum-Maschine bei „Honey Honey“ – aus einer der Textzeilen des Songs ist der Albumtitel entliehen – und bei „Fly Like An Eagle“. Durch die Beats erscheinen die Titel in einem poppigen Gewand, entwickeln aber durch sehr schöne Gesangspassagen ihren eigenen Reiz. Auch die eher gleichmäßigen Stücke „California King“ und „Ain’t Gonna Cry“ ziehen nach mehrmaligem Hören in ihren Bann.

Der Vergleich zu den Allman Brothers, als deren kleine Schwestern die Damen von Larkin Poe gelegentlich bezeichnet werden, drängt sich bei „Venom & Faith“ nicht unbedingt auf. Richtig ist aber, dass beispielsweise auf „Blue Ridge Mountain“ ein Southern-Hauch mitschwingt. Deutlich schlägt er bei „Mississippi“ durch, bei dem Tyler Bryant an der Resonator-Gitarre zu hören ist.

Mit Klatschen und Gesang nimmt „Sometimes“ einen dynamischen und Gospel-ähnlichen Einstieg. Nacheinander steigen dann Drumline und Horn Section ein, die dem von Bessie Jones und Alan Lomax geschriebenen Stück einen gehörige Drive geben. Auch „Bleach Blonde Bottle Blues“ ist treibend und nicht nur durch die „Kicks“ im Leadgesang durchaus spannend.

Dass sich Larkin Poe neben den modernisierten Spielarten auch auf den eher reduzierten Blues verstehen, zeigt das Duo mit „Good And Gone“. Zudem covern sie den eher traditionell angelegten Titel „Hard Time Killing Floor Blues” von Skip James. Die Songs des 1969 verstorbenen Bluesmusikers aus Bentonia, Mississippi, werden anscheinend von den jüngeren Künstlern gerade wiederentdeckt, denn Robert Connely Farr covert auf seinem gerade erschienenen „Dirty South Blues“ ebenfalls ein Stück von ihm.

Kaum eine Scheibe habe ich vor der Besprechung so oft gehört, wie „Venom & Faith“. Das Album eignet sich weniger zum Nebenherhören, sondern erfordert das Eintauchen in die Songstrukturen. Es belohnt dann aber mit abwechslungsreichen Klangvariationen und fesselnden Hörerlebnissen.

Ende November kommen die Schwestern für vier Konzerte nach Deutschland und Österreich, von denen bereits jetzt zwei Termine ausverkauft sind.

Tricki-Woo Records (2018)
Stil: Blues and more

Tracks:
01. Sometimes
02. Bleach Blonde Bottle Blues
03. Honey Honey
04. Mississippi
05. California King
06. Blue Ridge Mountains
07. Fly Like An Eagle
08. Ain’t Gonna Cry
09. Hard Time Killing Floor Blues
10. Good And Gone

Larkin Poe
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Rattay Music
H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Andreas Diehlmann Band – Your Blues Ain’t Mine – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der Kasseler Andreas Diehlmann macht seit seiner frühen Jugend Musik. Mit bereits elf Jahren spielte er Gitarre und studierte später die klassische Variante dieses Instruments an der dortigen Musikakademie. Seit 1993 arbeitet Diehlmann als freiberuflicher Livemusiker, Gitarrenlehrer, Komponist und tourte mehrere Jahre mit der amerikanischen Bluessängerin Sydney Ellis durch Europa.

2016 war der Startschuss für die Andreas Diehlmann Band, bestehend aus ihm (Gesang, Gitarre), Volker Zeller am Bass und Tom Bonn an den Drums. Folgerichtig erschien dann in 2017 das erste, vielbeachtete Album „ADB“ des Kasseler Powertrios.

Und nun das Nachfolgewerk „Your Blues Ain’t Mine“. Auch hier bietet Diehlmann einige Coverversionen klassischer Bluesnummern, aber auch spannende Eigenkompositionen.

Gleich mit dem Opener, dem Robert Johnson-Klassiker „Come On Into My Kitchen“, den u. a. auch schon die Allman Brothers und Eric Clapton auf ihrer Setliste hatten, bietet Diehlmann kraftvollen Deltablues der Extraklasse.

Die Coverversion von Hendrixs „Little Wing“ überrascht als pure Instrumentalversion, die sich im Intro und am Ende des Tracks am 1967’er Original orientiert, im Mittelteil aber viel Spielraum für Diehlmanns eigene Interpretationen lässt.

Auch  „Soulshine“, ursprünglich von dem langjährigen Gitarristen der Allman Brothers Band Warren Haynes komponiert und gesungen, verleiht der Kasseler Blueser in der vorliegenden Fassung seinen eigenen Charme. Wirklich hörenswert.

Die restlichen sechs Tracks des Albums sind kraftvolle Eigenkompositionen, die durch Diehlmanns außergewöhnliches Gitarrenspiel und seine markante, raue Stimme getragen werden.

Insgesamt liefern er und seine beiden Mitstreiter mit ihrem zweiten Silberling ein grandioses, Hendrix-, Freddie King- und ZZ Top-beeinflusstes Blues-Opus ab, wie ich es von einem deutschen Blues-Musiker an sich nicht erwartet hätte.

Schon jetzt spielen Diehlmann, Zeller und Bonn in der absoluten Blues-Elite-Liga. In Zukunft werden wir hoffentlich noch viel mehr von dieser Truppe zu hören bekommen. Für die Scheibe gibt es 5 Sterne und eine dicke Kaufempfehlung!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues

Tracks:
01. Come On Into My Kitchen
02. Your Blues Ain’t Mine
03. I Don’t Wonna Loose You
04. I Don’t Know
05. Head Down Low
06. Little Wing
07. Going Home
08. Soulshine
09. F#cking Happy Blues

Andreas Diehlmann Band
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The Bluesbones – 31.10.2018, Meisenfrei, Bremen – Konzertbericht

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Das Motto der belgischen Band „The Bluesbones“ leitet sich vom Namen ab „playing blues that gets into your bones“. Das klingt schon mal gut, aber kann Belgien für großartige Bluesmusik stehen?

Gegründet in 2011, haben die Bluesbones bereits drei Studio- und zwei Livealben veröffentlicht. Darunter ragt „Double Live“, ein mit 15 Songs und über 100 Minuten Spielzeit vollgepacktes Livedokument, heraus. Wer hier reinhört, ist sofort infiziert. Ähnlich überzeugend muss wohl auch ihr Auftritt beim „European Blues Challenge“ gewesen sein. Dort erreichten die Bluesbones 2017 den zweiten Platz. Auch namhafte europäische Festivals haben sie bereits gerockt: „Blues Peer“, Culemborg Blues“, „Swing Wespelaar“ oder „Moulin Blues“ seien hier exemplarisch genannt.

Am Halloweenabend im gemütlichen Bremer Bluesclub „Meisenfrei“ präsentiert das Quintett aus Belgien fast alle Songs ihres aktuellen Albums „Chasing Shadows“, das in den Top 40 Charts der Independent Blues Broadcasters‘ Association (IBBA) die Pole Position als „Most Played Album“ erreichte. Daraus stechen eine Reihe von Songs hervor, darunter das atmosphärisch dichte „Going down“. Der junge Seitenhexer Stef Paglia treibt den Song mit einem markanten Riff an, gleitet dabei gekonnt mit dem Bottleneck über die Gitarrenseiten und lässt sie beim Solo herrlich aufheulen.

Bassist Geert Boeckx legt mit einer butterweichen Bassline das Fundament der funkigen und tanzbaren Nummer „The End“. Den Midtempo-Song „Betrayal“ veredelt Edwin Risbourg mit einem klangvollen Hammond-Solo. Bluesballaden beherrscht das Quintett auch. „Sealed Souls“ ist ein Ohrenschmeichler erster Güte und verzückt das Publikum mit einem satten Refrain. Nicht nur hier entfaltet Sänger Nico de Cock sein kraftvolles Stimmvolumen und beeindruckt als charismatischer Shouter.

Von den übrigen Studioplatten „Saved by the blues“ und „Voodoo Guitar“ intoniert der belgische Fünfer ebenfalls begeisternde Songs. „I Try“ ist so ein Kracher. Dafür streift Stef Paglia einmal mehr die schneeweiße Fender Stratocaster über. Beim ausufernden Solo berührt er die Gitarrenseiten nur ganz leicht und lässt sie so immer leiser erklingen, steigert dann langsam die Lautstärke und löst die aufgebaute Spannung mit einem krachenden Finale. Einmal mehr applaudiert das begeisterte Bremer Publikum für diese glänzende Einzelleistung.

Mit dem treibenden „She’s got the devil in her“ präsentiert das Quintett eine der wenigen Coverversionen. Höhepunkt dieser äußerst gelungenen Darbietung ist das ausgedehnte Solo von Edwin Risbourg. Zum Finale drückt er so intensiv in die Tasten seiner braunen Hammond B 3, dass die Funken regelrecht zu sprühen scheinen.

Das hart rockende „Devil’s Bride“ bringt noch mal richtig Dampf auf den Kessel und beendet zunächst das erstklassige Konzert. Als stürmisch eingeforderte Zugabe folgt der Titeltrack des ersten Albums „Voodoo Guitar“. Im Solopart dieser herrlichen Ballade wechselt der junge Stef Paglia gekonnt zwischen druckvollen und gefühlvollen Passagen und belegt nochmals seine Klasse am Griffbrett. Folglich vergeht das reichlich mit Highlights gespickte zweistündige Konzert wie im Fluge.

Fazit: Obwohl jede Position in der Band mit hervorragenden Einzelkönnern bestückt ist, überzeugt gerade das Kollektiv auf der ganzen Linie. Nicht unerwähnt bleiben darf hier die hervorragend aufspielende Abteilung Rhythmus, bestehend aus Schlagzeuger Koen Mertens und Tieftöner Geert Boeckx.

Angesichts dieses großartigen Konzertes der Bluesbones, kann die eingangs gestellte Frage nur mit einem deutlichen „ja“ beantwortet werden. Zumindest alle anwesenden Musikfreunde dürften die Bluesbones in ihr Herz geschlossen und Belgien künftig auf die Blueslandkarte aufgenommen haben.

(Herzlichen Dank an Uli Witte für das zur Verfügung stellen seiner Fotos!)

Line Up:
Nico de Cock (lead vocals)
Geert Boeckx (bass)
Stef Paglia (electric guitar)
Edwin Risbourg (organ)
Koen Mertens (drums)

Text: Thomas Völge
Bilder: Ulrich Witte

The Bluesbones
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Meisenfrei Bremen
Kingbee Music

Eagles – Farewell 1 Tour Live From Melbourne – DVD-Review

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Gott sei Dank haben sich die Eagles durch die Zufügung einer Nummerierung bei ihrer ‚Abschiedstour‘ genügend Spielraum gelassen, uns weiter mit ihrer phantastischen Musik zu beglücken. Es ist zwar kaum denkbar, dass das Geleistete auf dieser seit kurzem käuflich zu erwerbenden DVD noch mal irgendwann zu toppen ist (wahrscheinlich nur noch mit einer völlig aus dem Rahmen fallenden Setlist), aber das hatte man nach „Hell Freezes Over“ wohl auch nicht für möglich gehalten.

Fakt ist, die Mannen um Don Henley und Glenn Frey präsentieren sich selbst im hohen Musikalter stärker denn je und scheinen immer noch voller Ehrgeiz zu stecken, wie auch das abschließende elf Minuten währende Interview (u. a. auch deutsche Untertitel) noch einmal unterstreicht. Ja, dieses an drei Tagen in Melbourne produzierte Dokument ist so mit das Beste, was bisher in meinem Player gelandet ist.

Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass man dieses Teil in den Musikunterricht (gibt es das Fach Musik eigentlich überhaupt noch?) der weiterführenden Schulen einbinden sollte, um so manch ehrgeizigem Jugendlichen in dieser Hinsicht den rechten Weg aufzuzeigen, und vor dem Gang in die sich immer breiter machende Schrägtönerie zu bewahren.

Wie dem auch sei, meine Wenigkeit ist froh, an diesem Event teilnehmen zu dürfen, wenn auch nur im Wohnzimmer. Bildqualität (16:9) – und Tonformat (DTS 5.1 Surround und L-PCM-Stereo) sind exzellent.

Kommen wir zum Inhalt: Nach ein paar Impressionen vor Konzertbeginn geht es dann im ausverkauftem Stadion mit „The Long Run“ (Don Vocals) in die Vollen. Zunächst auffällig, das ungewohnt elegante Auftreten der Herren. Alle in Anzügen, wobei Glenn Frey im pinkfarbenen Hemd unter grauem Zwirn modische Akzente zu setzen weiß. Nicht mehr im Line-Up dabei Gitarrist Don Felder, der allerdings durch den grandios aufspielenden Gastmusiker Steuart Smith mehr als nur ersetzt wurde, früher u. a. für Rodney Crowell tätig.

Die herrlich relaxte Ballade „New Kid In Town“ (Glenn Vocals) lässt dann auch direkt die Paradedisziplin der Adler zum Vorschein treten, die bis in kleinste Detail ausgefeilten Harmoniegesänge, deren Vollendung nur von ganz wenigen Bands annähernd erreicht wurde.

Im Interview wird auf diesen typischen Bestandteil ihrer Songs auch eingegangen. Im so getauften ‚Circle Of Fear‘ checken die vier Veteranen vor jedem Gig accapella-artig ihre Stimmbänder und lassen nicht locker, bis die richtige Balance gefunden wurde. Wenn man bei „Wasted Time“ Don Henley ganz in schwarz gekleidet nur von der Seite angestrahlt sieht, fühlt man sich auch von der Gestik her leicht an Joe Cocker erinnert.

„I Can’t Tell You Why“ gibt dann dem gewohnt zurückhaltenden Timothy B. Schmidt Gelegenheit, seine uns aus Poco-Zeiten bekannte dünne, feine Stimme zu präsentieren. Spaßvogel Joe Walsh steigt dann am Frontmikro mit „One Day At A Time“ ein. Überhaupt glänzt die Band oftmals bei den neuen oder nicht so bekannteren Stücken und beweist, dass auch jenseits der Fünfzig nebst Country und Westcoast noch richtig gerockt werden kann.

Walsh und Smith liefern sich klasse Duelle, spielen Twin-Leads und auch Glenn Frey an der Les Paul macht mächtig Rhythmus-Dampf. Die zwei starken Stücke „Walk Away“ (ein rhythmischer Rocker, tolles E-Solo Joe) und „Sunset Grill“ (moderner Song mit Synthies, Horn-Einlagen und Piano-Fills) beenden einen 19 Lieder umfassenden Set auf DVD 1, der mehr als beeindruckend ist.

Zum Abschluss würdigt dann Glenn Frey verdientermaßen die wirklich hervorragenden Begleitmusiker, wobei neben dem bereits erwähnten Steuart Smith auch noch Al Garth als Mitglied der Horn-Section und auch an der Violine zu glänzen weiß.

Ja, die sonnen-bebrillte Horn-Section (allein schon der Anblick ist herrlich) ist auch eine der positiven Überraschungen des Werkes. Immer bei den dazu passenden Nummern präsent, aber nie aufdringlich. Auch ein Beweis dafür , dass die Eagles immer wieder an neuen Arrangements ihrer Klassiker feilen. Man hat jedenfalls den Eindruck, dass die Truppe wesentlich stärker auftrumpft, als das noch in den Siebziger Jahren der Fall war.

Gerade Joe Walshs Gitarrenspiel scheint immer besser zu werden. Eine weitere Auffälligkeit, dass mittlerweile drei Generationen von Zuschauern an ihrem Repertoire Gefallen gefunden zu haben scheinen, wobei der Seh- und (Hör-)Spaß des männlichen Betrachters der DVD, durch die häufigen Einblendungen recht nett anzusehender Mädels in vorderster Reihe noch zusätzlich aufgepeppt wird.

Der zweite DVD-Set startet dann mit dem großen Auftritt des kauzigen Spaßvogels. Joe, mit einem mit einer Kamera bestücktem Sturzhelm auf dem Kopf, an der Front seine Späße treibend, dazu eine flatternde Stoffhose, die auf der Wühltheke eines jeden Billigmarktes Ihresgleichen suchen dürfte und Cowboystiefel. Ein Anblick zum Piepen. Übrigens hatten Henley und Frey im Verlauf des Konzerts dann doch wieder zu den obligatorischen Baumwollhemden zurückgefunden. Bis zur ersten Zugabe „Hotel California“ legt das Quartett wie bereits erwähnt einen recht rockigen Zwischenspurt ein.

Der wohl bekannteste Hit startet mit einem grandiosen Trompeten-Intro, bis die ersten gesungenen Zeilen Dons „On a dark desert highway…“ dann die Stimmung auf den Siedepunkt bringen. Fulminant die Vorstellung von Steuart Smith an der doppelhalsigen Gitarre und auch die Soli Walshs im Schluss-Instrumentalteil.

Frey hat dann mit „Take It Easy“ noch sein Steckenpferd auf Lager und Henley schließt mit „Desperado“ eine Show ab, die Maßstäbe setzen dürfte. Die Eagles tun es scheinbar gutem Wein nach, je älter desto besser. Man kann nur hoffen, dass die Farewell 2 Tour in einem etwas näher erreichbaren Umkreis stattfinden möge, aber andersherum lohnte es sich sicher auch, damit einen Urlaub zu verbinden.

Für mich persönlich ist diese DVD ein Highlight der Musikgeschichte. Absolut empfehlenswert auch für Nicht-Eagles-Kenner. Eigentlich ein Pflichtkauf für jeden Rockmusik-Fan.

Warner (2005)
Stil: Westcoast / Country Rock

DVD 1:
01. The Long Run
02. New Kid In Town
03. Wasted Time
04. Peaceful Easy Feeling
05. I Can’t Tell You Why
06. One Of These Nights
07. One Day At A Time
08. Lyin‘ Eyes
09. The Boys Of Summer
10. In The City
11. Already Gone
12. Tequila Sunrise
13. Love Will Keep Us Alive
14. No More Cloudy Days
15. Hole In The World
16. Take It To The Limit
17. You Belong To The City
18. Walk Away 19:Sunset Grill

DVD 2:
01. Life’s Been Good
02. Dirty Laundry
03. Funk #49
04. Heartache Tonight
05. Life In The Fast Lane
06. Hotel California
07. Rocky Mountain Way
08. All She Wants To Do Is Dance
09. Take It Easy
10. Desperado
11. Interview

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New Reveille – The Keep – CD Review

Review: Gernot Mangold

Der Bandnahme New Reveille, zu deutsch ‚Neue Offenbarung‘, setzt hohe Erwartungen in das Debütalbum des US-Quintetts. In klassischer Americana-Tradition wird auf irgendwelchen technischen Schickschnack im Studio verzichtet. Durch die Vielfalt der eingesetzten Instrumente und die Fähigkeiten der Musiker ist dies auch gar nicht notwendig.

Im Vordergrund der Songs steht der klare Gesang von Amy Kamm, welcher teilweise an Stevie Nicks erinnert. Die Texte wirken zuweilen dunkel und traurig, erscheinen aber wie persönliche Geschichten.

Der Opener „Hounds“, ein flotter folkiger Countrysong entspricht schon den Erwartungen, welche in die Platte gesetzt werden, wenn vom Rolling Stone New Reveille als eine der besten neuen Bands in Country-Genre gepriesen wird. Neben dem charismatischen Gesang der Fronterin überzeugt das ganze Arrangement mit mehreren Gitarren und Banjo, für welche Daniel Cook und George Hage verantwortlich sind, eine starke Rhythmussektion und die dezent eingesetzten Geigen von Autumn Brand.

Das folgende „The Keep“, stilistisch ähnlich, aber etwas ruhiger, leicht melancholisch daherkommend, lässt die alte Countrymusik mit irischen Folkelementen verschmelzen. Diesen Folkeinschlag, wie auch Delta Blues-Ingredienzien ist insbesondere dem Gitarrenspiel Hages zu verdanken.
Das balladeske „Miracle“ offeriert, wie gefühlvoll die Musiker ihre Instrumente einsetzten und wie virtuos der Gesang Amy Kamms ist.

„Heavy Hands“, mit einem schönen Banjopart beginnend, in den die Gitarre einsetzt, bevor Kamm diesmal eher rockig singend das Zepter übernimmt, lässt die Grenzen von Country, Southern und Rockmusik fließend verschwimmen, um im folgenden „Worn Sunglasses“ den Zuhörer mit slidender Gitarre wieder in die Einsamkeit der Prärie oder Berge North Caolinas zurückzuholen. Ein schöner gefühlvoller Countrysong.

„Babylon“ lässt hochschrecken, allerdings im positiven Sinne. Gitarrist Cook gibt als Vorbilder seiner Jugend Lynyrd Skynyrd, Led Zeppelin, Jimmy Hendrix und später Bob Dylan an. Das Songwriting und der Gesangstil erinnern aber stark an die Zeit Fleetwood Macs, als Lindsey Buckingham und Stevie Nicks der Band ihren Stempel aufdrückten. Dabei verlieren New Reveille aber nicht ihre eigene Note, da immer wieder gekonnt Akzente durch Banjo und Geige gesetzt werden.

Wie ein balladeskes Country-Liebeslied kommt anschließend „Way To You“ daher. Neben dem emotionalen Gesangparts überzeugen Geige, Gitarrre und Banjo, die den Song fast schon malerisch einkleiden. Auf Livekonzerten wären früher Feuerzeuge gezündet worden, ach nein, heute eher die Taschenlampenfunktion der Handys aktiviert…

Mit „Convay Shore“ wird es emotional traurig, das Stück handelt von einem todgeweihten Freund und die tieferen Töne stehen im Vordergrund. Wenn man die Augen schließt, kann man sich die Tränen beim Singen in Kamms Augen vorstellen.

„Truth in Life“ startet mit sehr dezent eingesetzten begleitenden Instrumenten. Im zweiten Teil wird durch lautere Instrumentierung Fahrt aufgenommen, um zum Schluss fast verträumt zu enden.

Während „Only Promised Land“ sich durch gut aufeinander abgestimmte Temowechsel auszeichnet, ist Something Worth Saving“ ein etwas rockigerer Track mit leichtem Countrytouch, den man sich als radiotauglich, beziehungsweise für eine breitere Masse vorstellen kann.

„Sandy Rowe“ beginnt mit einem schönen Banjo- und Geigenintro und entwickelt sich zu einem durchaus flotten und tanzbaren Countrysong.
Den Abschluss bildet der für mich stärkste Song in einem durchweg gelungenen Album. „Abide“ eine fast schon anklagende mystische Nummer mit harten Beats, einem indianisch anmutenden Gesang, sowie im Hintergrund treibender Fiddel und Banjo, die zum Teil wie abgehackt wirken.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass New Reveille mit ihrem Debutalbum ein starker Einstieg in die Country-/Folkszene gelungen ist, da es den Bandmitgliedern, auch durch ihre unterschiedliche musikalische Herkunft, gelungen ist, diverse Stile mit einfließen zu lassen und so ein abwechselungsreiches Werk auf hohem Niveau zu präsentieren.

Schön wäre es, wenn eine Agentur den Mut hätte, diese musikalisch auf hohen Niveau arbeitende Band in unsere Breiten zu holen, da ich mir vorstellen kann, dass sich die Emotionalität der Songs live noch viel besser entfaltet und mache instrumentale Soloparts, Raum für schöne Improvisationen lassen.

Line Up:
Amy Kamm – Lead Vocals
Daniel Cook – Banjo, Gitarre
Autumn Brand – Geige
Kaitlin Grady – Cello
George Hage – Gitarre

Loud & Proud Records (2018)
Stil: Country/Bluesgrass/Folk/Americana/Rock

Tracks:

01. Hounds
02. The Keep
03. Miracle
04. Heavy Hands
05. Worn Sunglasses
06. Babylon
07. Way To You
08. Convay Shore
09. Truth In Life
10. Only Promised Land
11. Something Worth Saving
12. Sandy Rowe
13. Abide

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J.P. Harris & The Tough Choices – Support: Miss Tess – 05.11.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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It’s Country-Time again! Zum dritten Mal stand J. P. Harris mit seinen Tough Choices auf der Bühne der Kulturrampe. Wie im Vorjahr brachte er Miss Tess als Support mit.

Das Miss Tess Duo, bestehend aus der Protagonistin und Thomas Bryan Eaton, eröffnete den Abend mit zwei Stücken des Albums „Sweet Talk“ (2014). Sowohl „If You Wanna Be My Man“ als auch „Everybody’s Darling“ kamen mit einer gehörigen Portion Swing daher. Das feine, beinah schon entspannte, E-Gitarrenspiel von Eaton ergänzte die klare Stimme von Miss Tess prima.

Danach folgten „Moonshiner“, eine stimmungsvolle, countryfizierte Ballade, sowie „Little Lola“ mit einem schönen Gitarrensolo von Eaton. Beide Titel stammen von Miss Tess‘ letzten Veröffentlichung „Baby, We All Know“ (2016). Auf ihr nächstes Album soll „The Moon Is An Ashtray“ kommen, das sich anschloss.

Eaton übernahm den Lead Gesang bei dem Stück „Days Will Come“ seiner CD „We All Want To Be Love“ (2014). Er animierte das Publikum zum Mitsingen und der Song lädt sowieso zum Schunkeln ein. Bei den Harmoniegesängen zeigten sich Miss Tess und Eaton durchweg perfekt aufeinander abgestimmt. Zum Abschluss des Sets drückte Miss Tess mit „Ride That Train“ auf die Tube. Ihr Gitarrensolo veredelte den Höhepunkt des Vorprogramms.

Miss Tess bedauerte, dass Sie den Sprung über den Atlantik noch nicht mit Band geschafft hat. Mit der gut halbstündigen Kostprobe ihres Programms hat sie aber auf alle Fälle Werbung für ihre CDs und für mögliche Konzerte in der Zukunft gemacht.

Line-Up:
Miss Tess (lead vocals, electric guitar, vocals)
Thomas Bryan Eaton (lead vocals, electric guitar, vocals)

Die circa fünfzig Gäste der Kulturrampe hielten während des Support-Acts einen deutlichen Abstand zur Bühne und auch als J. P. Harris mit seinen Tough Choises, zu denen Miss Tess und Eaton dazu stießen, die Bühne betrat, rückten sie nur etwas näher. Die Kulturrampe glich daher nicht dem Hexenkessel der „Southern“-Woche. Die Stimmung vor und auf der Bühne war aber dennoch gut. Harris zollte den Besuchern durchaus Respekt, da er selbst montags nie aus ginge. Allerdings sei er ja auch 7000 Meilen angereist …

Bereits zu Beginn zeigte J. P. seinen Sinn für Humor. Dem sympathischen Mann mit der beeindruckenden Gesichtsbehaarung sitzt der Schalk im Nacken. Während des Konzerts erzählte er einige Anekdoten aus seinem bewegten Leben und kommentierte viele Songs. Bei der ausführlichen Bandvorstellung vermischten sich wohl Wahrheit und Legende.

Die Setlist unterschied sich dadurch erheblich von denen der beiden vorangegangenen Konzerte in der Rampe, dass er mit „Sometimes Dogs Bark At Nothing“ ein brandaktuelles Album am Start hat. Die Titel des Albums, für das er sich vier Jahre Zeit ließ, machten mehr als die Hälfte des Konzerts aus.

J. P. Harris greift zudem gerne in die Schatzkiste seiner geliebten Country-Musik und streute daher einzelne Coverversionen, wie vom Vorreiter des Outlaw- oder Alternative-Genres Terry Allen, ein. Gerahmt wurde das Konzert von David Allan Coes „California Turnarounds“ und Mickey Newburys „Why You Been Gone So Long“, das Harris als Zugabe spielte.

Nach „Two For The Road“ und „South Oklahoma“ von seinen ersten beiden Alben, standen dann bis zum fulminanten Abschluss des Hauptsets durch „Gear Jammin‘ Daddy“ durchweg seine neuen Eigenkompositionen im Fokus.

Nach seinem autobiographisch beeinflussten „When I Quit Drinking“ setzte der wuchtige Einstieg und das kräftige Schlagzeug von Ryan Elwell bei „JP’s Florida Blues #1“ ein erstes Ausrufezeichen. Danach folgten einige ruhigere Stücke. Bei „Badly Bent“ harmonierte das Zusammenspiel von wimmernder Pedal Steel, die von Thomas Bryan Eaton gezupft wurde, und der viel Twang transportierenden E-Gitarre von Justin Mahoney. Beide sorgten während des Konzerts durchgängig für den richtigen Country-Flair.

Als Feminist entpuppte sich Harris mit „Lady In The Spotlight“. Miss Tess, die sonst als Bassistin agierte, griff hier zur akustischen Gitarre und Elwell unterlegte den Song zusätzlich mit stimmungsvoller Percussion. Für „I Only Drink Alone“ wechselte Eaton zu den Keys. Gänsehautfeeling erzeugte der harmonische Begleitgesang von Miss Tess bei „Runaway“.

Die Balladen unterschieden sich durch die abwechslungsreiche Instrumentalisierung deutlich voneinander, sodass Monotonie – wie sie dem Country gelegentlich angelastet wird – nicht aufkam.

Hervorragend performte Harris das Titelstück des neuen Albums „Sometimes Dogs Bark At Nothing“. Seine tiefe Stimme wurde zunächst nur von der klagenden Pedal Steel Eatons untermalt, später setzte Mahoney mit seiner E-Gitarre dezent ein. Die Rhythmusgruppe konnte dabei pausieren und Kraft für das temporeiche Finale schöpfen. „Hard Road“, „Jimmy’s Dead And Gone“ sowie das schon erwähnte „Gear Jammin‘ Daddy“ haben mein Country-Rock-Herz höher schlagen lassen.

Nach gut achtzig Minuten verließen J. P. Harris und seine Tough Choices das Podest und ließen den Abend gemütlich im Plausch mit den Gästen ausklingen, bevor es für die Truppe in Richtung Holland und England ging.

Line-up:
JP Harris (lead vocals, electric guitar)
Justin Mahoney (electric guitar, vocals)
Miss Tess (bass, acoustic guitar, vocals)
Ryan Elwell (drums, percussion)
Thomas Bryan Eaton (pedal steel, keys, vocals)

Text und Bilder: Michael Segets

J.P. Harris & The Tough Choices
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Miss Tess
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Kulturrampe Krefeld

Shea Abshier & The Nighthowlers – Potluck – CD-Review

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Mit Shea Abshier & The Nighthowlers befindet sich eine neue, erst im Frühling 2017 gegründete Band aus Stephensville, Texas, auf dem Red Dirt-Radar, die jetzt mit „Potluck“ ein überaus starkes Debüt hinlegt.

Der Titel des Albums, der quasi für ein Essen steht, bei dem jeder seine Speise mitbringt, kann auch ein wenig als Synonym für die Stilvielfalt (Americana, Roots, Rock, Southern Rock, Country Rock, Blues, Gospel, Reggae, Pop) auf diesem Werk gesehen werden, die das großartige Kollektiv, bestehend aus Leader Shea Abshier (lead vocals, rhythm guitar), Chase Chancellor (drums) und Monty Scrogrum (bass) sowie den Gastmusikern Josh Serrato (acoustic and electric guitar, keys), Cameron Speed (harmonica), Piper Jones und Tyler Moses (beide background vocals) geradezu perfekt und in vollendeter Harmonie verschmelzen lässt.

Herausragend und prägnant dabei ist die von einer gewissen Vulnerabilität gekennzeichnete Stimme des Fronters Shea Abshier, die eine Nähe zu der von Mike Eli suggeriert. Auch die ausnahmslos tollen Hooks und herrlichen Melodien, sowie der aus vielschichtigen, wunderbar transparent und saftig klingenden Gitarren bestimmte, erfrischende, dennoch natürlich rootsige, ursprüngliche und ehrlich klingende Sound lassen unweigerlich Assoziationen zur, allerdings frühen, noch nicht von Nashvilles Mainstream-Maschinerie beeinflussten Eli Young Band aufkommen, was natürlich als Riesen-Kompliment zu verstehen ist.

Den Auftakt bildet mit „Be Your Man“ ein dynamisch groovener Roots-/Blues-Rocker, der von der quäkenden Mundharmonika Cameron Speeds dominiert wird. Das folgende „Bring Me Back“ und das treibende „Get Me There“ leben sowohl von diesen typisch, im Red Dirt verankerten, melodischen Gitarrenhooks, Tempi- und Stimmungswechseln, als auch den eingängigen Refrains, wie sie die EYB weit über Texas hinaus getragen haben. Letztgenannter Track wird aufgrund Serratos bärenstarker E-Gitarre (tolles E-Solo, dazu mit klasse Orgeleinlagen) auch in Southern Rock-Kreisen bestens ankommen.

„My Oh My“ wirkt mit seinen Acapella-artigen Hamoniegesängen wie ein aus einer guten Laune heraus, spontan komponierter „Verandasong“, dessen Titelzeile samt positiver Energie, sich unweigerlich im Gedächtnis festsetzt. Das größte Hitpotenzial weist vermutlich der dezente, melancholische Ohrwurm „Washed Away“ auf. Grandioser Song!

Im zweiten Teil der CD fällt das schon vom Titel her eigenwillige „Kickapoo Redemption“ in seiner atmosphärischen Barroom-bluesigen (wieder mit quäkender Harp und fesselnder E-Gitarre), gospeligen Machart (ein wenig „Go Down Moses“-mäßig) und fast Reggae-typischem Bridge aus dem Rahmen. Was sich hier wie wild zusammen komponiert anhört, greift am Ende gekonnt ineinander und gilt als Beweis für die kompositorische Variabilität Abshiers.

Ansonsten wird mit flockigen Tracks wie „The Other Side“ (wie eine hinreißend schöne Mischung aus den frühen Eagles und Reckless Kelly), „Something Sacred“, „As You Weep“ und dem überragenden, mit surrender Slideguitar und dramatisch in Szene gesetzter Orgel dargebotenen „Bleeding Eyes“ (schön southern-rockig), die neben besagter Eli Young Band, nicht nur Anhängern von Acts wie u. a. No Justice, Micky and The Motorcars, Willie Stradlin, Rob Baird und auch im weitesten Sinne auch Sister Hazel und Will Hoge größte Freude bereiten werden, beste Akquise in Sachen potentiellem Popularitätszuwachs betrieben.

Das Album ist ein somit durchgehend herausragend starker, abwechslungsreicher und mitreißender Silberling. Mit „Potluck“ haben Shea Abshier & The Nighthowlers schon mit dem Debüt ein fantastisches 10-Gänge-Menü mit vielen kleinen musikalischen Delikatessen angerichtet, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Hier ist enorm viel Potential in Richtung großem Karrieresprung vorhanden! Allerfeinste, absolut schmackhafte Kost, nicht nur für Red Dirt-Gourmets.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Red Dirt

01. Be Your Man
02. Bring Me Back
03. My Oh My
04. Get Me There
05. Wash Away
06. The Other Side
07. Something Sacred
08. Kickapoo Redemption
09. As You Weep
10. Bleeding Eyes

Shea Abshier & The Nighthowlers
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Bärchen Records