Casey Donahew – All Night Party – CD-Review

Donahew_Party_300

6. Studioalbum von Casey Donahew, sein erstes Nashville-Rendevouz! Herrlich, wie diese Songs ins Ohr gehen und losrocken. Das ist satter, knackiger Countryrock ala Cross Canadian Ragweed, Reckless Kelly, Will Hoge oder der frühen Eli Young Band, offeriert dabei aber auch eine gewisse Nashville New Country(rock)-Kompatibilität, das an dieser Stelle als ausschließlich positiv verstanden werden soll, denn auf die momentan in Music City angesagten, hippen Mainstream-Spielereien, wird gänzlich verzichtet. Hier wird schnörkellos geradeaus und mit absolut traumhaft schönen Melodien ‚Country-gerockt‘ – und der unwiderstehliche, rootsige, staubige, texanische Red Dirt-Spirit ist dabei allgegenwertig. Die angesprochene Nashville-Kompatibilität ist eine logische Folge des Aufnahmeprozesses, denn „All Night Party“, eingespielt ohne Caseys übliche Casey Donahew Band, wurde in Nashville mit dortigen Genre-Größen aufgenommen.

Nachdem die beiden Vorgänger „Double-Wide Dream“ und „StandOff“ unter den Top-10 der Country Billboard Charts gelandet waren, geht der beliebte, aus der Nähe von Fort Worth stammende Künstler jetzt konsequenter Weise den Weg, den zuvor auch andere Interpreten wie Randy Rogers, Wade Bowen oder die Eli Young Band aus seinem Red Dirt-Zirkel beschritten haben. Er begab sich für die Aufnahme seines neuen Werkes „All Night Party“ direkt in die ‚Höhle des Löwen‘.

Im Gegensatz zu seinen o. a. Kollegen, hat er sich aber nicht von einem Major-Label vereinnahmen lassen, sondern mit dem solventen und großzügigen Thirty Tigers Vertriebslabel im Rücken, das Donahew schon lange begleitet, die Variante einer Eigenproduktion gewählt, um jederzeit die Oberhand über seine Musik zu behalten und seine kontinuierlich, in gesundem Maße, gewachsene, mittlerweile aber doch immense Fan-Basis (vor allem in Texas) nicht vor den Kopf zu stoßen.

Dieser Spagat, ist ihm, um es vorwegzunehmen, prächtig gelungen. Er hat mit Josh Leo einen exzellent zu ihm passenden Produzenten engagiert und mit der Creme de la Creme der Nashville-Studiomusiker (Nir Z, Steve Mackay, Tony Harrell, Bob Terry, Kenny Greenberg, Rob McNelley und Aubrey Haynie) ein Star-Ensemble gefunden, das sich wunderbar auf seine Art zu Musizieren einließ, gleichzeitig mit seinem ungemeinem handwerklichen Können, ganz neue Ebenen eröffnete. Leo und sein Team haben an Donahews Sound nur marginal und ganz unmerklich gefeilt und ihm einfach nur deutlich mehr Drive und Klasse beschert.

Der fluffige und eingängige Opener „Kiss Me“ stellt für Donahew, mit seiner ersten, national veröffentlichten Single, ebenfalls ein Novum dar. Ein sehr melodischer und von einer markanten Banjo-Linie untermalter Red Dirt-Song, der auch in den Radiostationen Nashvilles auf offene Ohren stoßen sollte (lustig: seine texanische Live-Begleitband musste sich, laut einem Interview, extra ein Banjo für diesen Song neu zulegen). Auch das vom Hitschreiber-Duo Jon Nichols und Craig Wiseman kreierte  sommerlich launige „That Go The Girl“ (grooviges  Piano und Orgel) dürfte große Chart-Ambitionen haben.

Ansonsten belässt es der Protagonist bei seinen Eigenkompostionen, in seiner traditionellen Art zu performen:  Mit „Cowboy Song“ und „What Cowboys Do“ zwei knackige Red Dirt-Tracks mit Western-Appeal, „Feels This Right“  und  die Fortsetzung seiner White Trash-Lieder, „White Trash Bay“, zwei Nummern, die auch ins Entertainment-Repertoire von Garth Brooks perfekt passen würden, mit „College Years“ eine euphorische Rückbesinnung an alte Zeiten und einem herrlichen, nach Strandbar, Corona, Tequila und dunkelhaarigen Schönheiten Sehnsüchte weckenden Tex-Mex-Schunkler „Josie Escalido“ (tolle Gestaltung mit Mariachi-Trompeten, Akkordeon, Mandoline, spanischer Akustikgitarre).

Den absoluten Kracher gibt es dann mit „Going Down Tonight“ als Rausschmeißer am Ende. Ein wüster, dreckiger und angriffslustiger Southern Rocker, bei dem der auch ansonsten alles überragende E-Gitarrist Kenny Greenberg (was für großartige und auf den Punkt gebrachte Einlagen und Soli) und seine Mitstreiter nochmal alles aus sich herausholen. Grandios hier auch die an Bekka Bramlett erinnernden sexy und frech gesungenen Uuh und Aah-Backs (die ausführende Dame ist in den Credits leider nicht genannt), was für eine Rakete. Donahews vielleicht bester Song seiner Karriere!

Casey Donahews Trip nach Nashville ist absolut gelungen. Mit „All Night Party“ könnte diesmal der ganz große nationale Wurf gelingen. Ein wunderbarer Kompromiss aus knackigem ehrlichen New Country und traditionellem Donahew-typischen Texas Red Dirt. Das sicherlich beste Album des Texaners bisher. Große und lange Donahew-Feier-Nächte dürften damit vorprogrammiert sein! So let’s party all night long (with Casey Donahew)!

Thirty Tigers (2016)
Stil: Red Dirt

01. Kiss Me
02. Country Song
03. College Years
04. What Cowboys Do
05. Feel This Right
06. That’s Why We Ride
07. That Got The Girl
08. Josie Escalido
09. White Trash Bay
10. Going Down Tonight

Casey Donahew
Casey Donahew bei Facebook
Bärchen Records

The Captain Legendary Band – Lifetime – CD-Review

CLB_300

So ist es manchmal. Gerade noch mit Jake OwensAmerican Love“ eine Scheibe reviewt, die zur Zeit ganz Amerika, Genre-übergreifend aufmischt, jetzt mit „Lifetime“ von der Captain Legendary Band, ein Werk zur Begutachtung, das mir zwar viel mehr Spaß bereitet, aber sicherlich sowohl in den Staaten, eher mehr regional, und besonders hierzulande, nur einem neugierigen Insider-Kreis vorbehalten sein wird. Aber das sind ja ganz genau die Interpreten, denen wir bei uns eine Plattform bieten wollen, damit sie, falls sie den Weg mal über den großen Teich schaffen sollten, auch eine gewisse Resonanz geboten bekommen.

Kapitän an Bord dieses vielversprechenden Quartetts aus Houston, Texas, ist der Multi-Instrumentalist und Hauptkomponist Charlie Hager (lead and background vocals, electric and acoustc guitars, banjo, mandocaster), der in Aaron Bancroft (electric and acoustic guitars, keys, lead („White Dog“) and background vocals) einen ebenso hochversierten und -talentierten Mitstreiter gefunden hat. Hervorragend ergänzt werden sie durch die Rhythmusfraktion, bestehend aus Jeff Hager (bass) und Matt ‚The Kid‘ Groll (drums, percussion).

Die Jungs sind längst keine musikalischen Nobodies mehr. Sie haben seit 2005 bereits Platten veröffentlicht, zuletzt ein von Kritikern mit Lob überschüttetes Doppel-Live-Album, das ihren Ruf und den Titel als ‚Live Band of the Year‘, den sie 2010 von der Texas Music Academy verliehen bekam, weiter nachhaltig untermauerte. 2014 sind sie bereits einmal durch Europa getourt und haben auch bei uns Stopps eingelegt.

Die neue CD „Lifetime“ ist ihr bereits viertes Studio-Album und stellt eindeutig den Zenit ihrer bisherigen Schaffensphase dar. Was für eine kongeniale Verschmelzung des besonders im Lonestar State so beliebten Red Dirts und dem herkömmlich bekannten Southern Rock einstiger Hochzeiten. Nach einem 20 sekündigen instrumentellen Rumgenudel („Noodle“) eröffnet der Lonestar-Vierer direkt mit dem Titelsong (schönes authentisches Video), ein starker Red Dirt-Rocker in der Tradition von Szene-Acts wie Texas RenegadeCody Gill Band, Willie Stradlin, Casey Donahew Band & Co., klasse! Das folgende „Honey“ lässt die Entertainer-Fähigkeiten ihres Fronters erahnen: Toller affektierter Gesang mit einem Hauch von Elvis-Attitüde in einem dezent psychedelisch angehauchten atmosphärischen Rocksong.

Das melodische, Steel-getränkte und demnach auch Country-lastige „Wishing Well“ erinnert unweigerlich an Sachen von Cooder Graw. Der launige Schunkler „Honey“ (klasse Dobro von Gastmusiker Billy Jo High) aktiviert sofort die Fußwippe, während das Bois D’Arcs-mäßige balladeske „Gypsy Eyes“ Freudentränen in die Augen des Rezensenten treibt. Nicht nur Fans von plusternden Harptönen (gespielt durch Mike Parker) werden am „Everyman’s Blues“ ihre Freude finden. „Porch Stompin'“ dient als Intro für einen der großen Kracher des Werkes, „Fire In The Valley“, einem Banjo- und Slide-durchzogen Swamper, mit dem der Schwenk zu deutlich Southern Rock-haltigerem Stoff sehr harmonisch vollzogen wird.

Das Tucker-mäßige, von grandioser Akustikgitarrenarbeit und weinender Steel durchzogene „Writing On The Wall“ erzeugt unweigerlich Gänsehaut, ebenso wie das wunderbare Solo auf der Holzklampfe (mal als Alternative zu den vielen starken E-Soli). Geht runter wie Öl, mein Lieblingssong! Der dreckige Rocker „Drowned In New Orleans“ und das, wie eine Countrymodifikation des Floydschen „Wish You Were Here“ schön melancholisch klingende „She Waits“ sind der Vorbote für den krönenden Abschluss des Silberlings: Das von Aaron Bancroft komponierte und besungene „White Dog“.

Ok – auch wenn hier viele Ingredienzen recht bekannt wirken – dieser Song geht als eine ehrwürdige Hommage an Hughie Thomasson durch, Bancroft lässt dessen typisches Stratocaster-Spiel wieder aufleben, und das furiose Instrumentalfinish verdeutlicht einem, was für ein sensationelles Stück das damalige „Green Grass And High Tides“, gerade im furiosen E-Gitarrenteil, abgab. Die CLB lässt diesen Spirit in knapp neun Minuten hier wieder aufleben. Nicht nur für Outlaws-Liebhaber ist dieser ‚weiße Hund‘ ein absolutes Leckerchen!

„Lifetime“ von der Captain Legendary Band ist ein hervorragend investiertes Stückchen musikalische Lebenszeit, das Leser unseres Magazins in jedem Fall begeistern wird. Ein weiteres tolles und zulegenswertes Album, in einem, für Southern Rock-Verhältnisse samt seiner verwobenen Genres, überaus starken Jahr. Dafür lege ich meine legendäre Tischtennis-Hand ins Feuer!

Eigenproduktion (2016)
Stil: Red Dirt / Southern Rock

01. Noodle
02. Lifetime
03. Honey
04. Wishing Well
05. Anymore
06. Gypsy Eyes
07. Every Man’s Blues
08. Porch Stompin‘
09. Fire In The Valley
10. Writing On The Wall
11. Drowned In New Orleans
12. She Waits
13. White Dog

Captain Legendary Band
Captain Legendary Band bei Facebook
Bärchen Records

Dirt River Radio – The Cocksucking Blues / Postcards From The Road – Song-Review

Die seit 2007 ihr musikalisches Unwesen treibende Aussie-Band, Dirt River Radio, schickt jetzt im Vorfeld ihres geplanten dritten Albums „Sun City White“, schon mal zwei Songs auf einer CD/EP als Appetizer ins Rennen.

Meine beiden früheren, geschätzten Kollegen Jochen v. Arnim und Steve Braun, hatten ihre Vorgängerwerke „Come Back Romance, All Is Forgiven“ und „Rock’n’Roll Is My Girlfriend“ an anderer Stelle ziemlich positiv begutachtet.

In der aktuellen Besetzung, bestehend aus Heath Brady, Danger Alexander, Ross Hetherington, Mark Down Prices, Sarah Fagan und Kellie Fernando-Bird, setzt die aus St. Kilda, Melbourne, stammende Formation, ihren beschrittenen musikalischen Weg, mittels launigem, Pub-tauglichen Countryrock, bedingungslos fort.

Produziert hat Richard Stolz, der für seine Arbeit mit recht ‚krawalligen‘ Acts aus gleicher Region wie After The Fall, Bodyjar und Behind Crimson Eys bekannt ist.

Der Opener „The Cocksucking Blues“ startet mit einem, fast zwei Minuten währenden, starken E-Gitarren-basierten Instrumental-Intro (dazu Becken-Drum-Rhythmus), bevor dann der Gesang einsetzt. Ein knarziger, recht heavy shuffelnder Rocker, der dazu noch im Mittelteil mit einer E-Gitarrenpassage als Vorbereitung fürs eigentliche Solo (inkl. kurzer Twin-Parts) glänzt. Ein toller Song, ein wenig an Sachen von Zak Daniels & The One-Eyed Snakes erinnernd. Klasse!

Der zweite Track „Postcards From The Road“ entpuppt sich als Kneipen-tauglicher und mitgrölbarer, von Akustikgitarre, Banjo und Bariton-E-Gitarre geführter, stampfender Countryrock, ergänzt durch weibliche Harmoniegesänge und ein quirliges Akustikgitarren-Solo.  Am Ende wird noch in ‚Cryin‘ in my beer‘-Tradition lauthals „I miss you, there’s nothing I can do“ intoniert. Ein Song, der vermutlich am besten seine Wirkung in biergeschwängerter Live-Atmosphäre entwickelt, was im kommenden August/September überprüft werden kann, wenn die Band unter Teenage Head Music-Regie in Europa touren soll.

Fazit: Als Appetizer zwar ganz schön, aber ein bisschen viel Aufwand für lediglich zwei Stücke, einer doch nicht gerade weltberühmten Band. Ein starker Song, der andere eher gut-gemeinte Durchschnittsware. Da fällt mir spontan ein Titel eines hiesigen Bochumer Barden ein: Was soll das?

Label bisher nicht bekannt (2016)
Stil: Pub Country Rock

01. The Cocksucking Blues
02. Postcards From The Road

Dirt River Radio bei Facebook
Teenage Head Music

The Infamous HER – Revolution – CD-Review

Her_ReV-300

Dritter Akt der Her-Triologie! Nach Konzert und Interview stand jetzt noch die Beurteilung ihrer neuen CD „Revolution“ an, die Monique Staffile mir nach Ende des Gesprächs zum Reviewen in die Hand gedrückt hatte. Für mich war die spannende Frage, ob es, im Vergleich zum Vorgänger „Gold„, der mir persönlich nicht ganz so zusagte, wieder mehr in Richtung ihres bisherigen Parade-Albums „Raise A Little Hell“ gehen würde.

Zunächst muss ich erstmal das gelungene Cover-Artwork loben. Das Titelbild der ‚frech gezöpften‘ Monique in Schwarz/Weiß, vermummt mit einem US-geflaggten Tuch (so hatten sie und ihre Band passender Weise ja auch in Köln die Bühne betreten), hat schon was! Toll auch ihre Fantasy-Animation als aufsteigender Schmetterling im Steck-Booklet und auf der Rückseite. Ein dickes Lob hier an die Macher!

Ihr neues Werk, produziert wieder von Caleb Sherman, startet dann direkt auch mit dem Titelsong „Revolution„, das von einem kühlen, blechernden Banjo eingeleitet, sowie im gesamten Verlauf auch untermalt wird, und zunehmend, in einen episch anmutenden Rocksong, samt starkem, gesellschaftspolitische Missstände, anprangernden Text, mündet. Klasse!

Apropos Revolution: Angesichts dessen, dass in unserer Gesellschaft mittlerweile 1% der gesamten deutschen Bevölkerung, 50% der Vermögenswerte besitzt (Tendenz steigend), fragt man sich, warum die breite Masse der Leistungsträger in diesem Land, die hier fortwährend, zu Gunsten dieser kleinen Gier-getriebenen elitären Clique, geschröpft und klein gehalten wird, weiterhin in Tatenlosigkeit zu verharren scheint…

Jetzt haben selbst der wohlgenährte Siggi und seine Pharisäer-Partei, die diese unfassbar eklatante Schieflage eingeleitet hatten und seit Jahren mittragen, dulden und fördern, angesichts ihrer Umfrage-Werte und des mutmaßlichen Falls in die politische Bedeutungslosigkeit, plötzlich ihr soziales Gewissen wiederentdeckt. Leider wirken solche Bemühungen vom Edel-Italiener aus, wenig authentisch, die Quittung wird (wünschenswerter Weise auch für Merkel & Co.) hoffentlich ’stante pede‘ bei der nächsten Bundestagswahl erfolgen…

Genug des persönlichen Meinungsexkurses, kommen wir wieder zum im Fokus stehenden Objekt des Geschehens. Mit der eigentlichen Relevanz dieses Werkes für unser Magazin, hat es sich mit dem zuvor erwähnten Banjo dann auch maßgeblich erledigt, was folgt, ist ein frech und aufmüpfig besungenes Konglomerat aus Pop-, Rock-, Hip Hop- (marginal) und Melodic Rock/Metal-Anleihen, das sich dann recht sympathisch in den Sphären des Rock-Universums, mit all seinen Referenzgrößen, verliert. Vieles erinnert an Dinge, die man vornehmlich schon gegen Ende der Achtziger und im Verlauf der Neunziger von Interpreten wie Heart, Kim Wilde, Kate Bush, Roxette, Blondie, Pretenders, Lita Ford, Robin Beck & Co. serviert bekommen hat.

Meine persönlichen Favoriten sind die abgedrehte Single „Crush“ (in Sachen ‚Clerus‘ sehr schön provozierend), das stadiontaugliche „Tonight“, die tolle atmosphärische Melodic Rock-Ballade „Damn“ (wäre als Bon Jovi-Song vermutlich sofort ein Nr. 1-Hit) und die starke Neuauflage der Powerballade „Heaven Crushes Down“ (tolles E-Solo, raunzende Orgel). Das erneut ziemlich rotzig und fast schon ein wenig punkig performte „Mean Man“ schließt den Kreis des Albums im Stile des Openers.

Fazit: „Revolution“ von Her ist ein recht gut gestaltetes Rock/Pop-Album in jeder Hinsicht. Eine deutliche Steigerung zu „Gold“, vor allem aufgrund einer besseren Struktur und des stärkeren Songmaterials. Im Hinblick auf unser Magazin bleibt ihr Southern-/ Country Rock-lastiger Longplayer „Raise A Little Hell“ aber trotzdem weiter das Maß aller Dinge!

India Records (2016)
Stil: Rock / Pop

01. Revolution
02. Crush
03. Give It To Me
04. You
05. Tonight
06. Damn
07. No Regrets
08. Act Like You Know
09. Only One
10. Heaven Crashes Down
11. Mean Man

Her
Her bei Facebook
India Media Group

Red Shahan – Men & Coyotes – CD-Review

Shana_Men_300

Alles fing mit einer Nachricht an, dass der bei uns auch reichhaltig besprochene und verehrte Red Dirt-Musiker Randy Rogers, zusammen mit seinem Partner Robin Schoepf, eine Künstler-Agentur namens Big Blind Management gegründet hat. Ihr erster Klient, den sie sich ‚gekrallt‘ haben, war ein gewisser Red Shahan.

Randy Rogers‘ überschwengliche Laudatio auf ihn “Red has a uniqueness in his approach to songwriting and performing that we feel will soon propel him into the spotlight he deserves, he’s one of the guys that will make great records for some time to come”, weckte natürlich sofort Begehrlichkeiten, zumal mein Faible für texanisch geprägte Country/Red Dirt-Musik, ja kein offenes Geheimnis mehr ist. So schrieb ich die beiden Herren an, bat um Zusendung des Debütwerkes des Protagonisten, und siehe da, einige Zeit später, lag das Teil im heimischen Briefkasten.

Red Shahan stammt aus dem, dem texanischen Fort Worth nahe gelegenen Bluff Dale, und hat unter der Firmierung Red & The Vityls zunächst in der Musiker-Szene um Lubbock herum, erste Ausrufezeichen gesetzt. Mittlerweile ist er nach Stephensville gezogen, unterstützt die Band Six Market Blvd. als Keyboarder, und hat Ende letzten Jahres mit „Men & Coyotes“ sein erstes Solo-Album eingespielt.

Allein schon der wunderbare Titelsong und Opener zugleich, so ein wenig zwischen Introvertiertheit und gedrückter Melancholie pendelnd, das geteilte Schicksal der Einsamkeit von Cowboys und Kojoten, abseits in der Wildnis, in dezentem Red Dirt-Ambiente reflektierend, erzeugt beim Autor Momente musikalischer Glückseligkeit. Klasse auch, wie Red hier in der Manier eines Kojoten ein paar ‚U-u-uhs‘ als Zwischengesänge rausheult.  Hammer!

Shahan und seine Mitmusiker Matthew Smith, Ryan Tharp, Elijah Ford, Ben Hussey, Brock Wallace, Jeff Dazey und Lemon Pepper (produziert haben in einem starken Sound Shahan, Smith, Tharp und Ford zusammen mit Grant Jackson) präsentieren im weiteren Verlauf eine stilistische Bandbreite zwischen Country/Southern Rock, Blues und Soul, immer mit einem dezent unterschwelligen Retro Flair. Shahans Texte über schwer schuftende Mütter, gebrochene Männer, Einsamkeit, schmerzende Liebe, etc. veranlassen zwar nicht gerade zur Verlockung, lassen den Zuhörer gefühlsmäßig, in ihrer gedrückten Art, aber recht authentisch, in die vorgegebenen Szenarien eintauchen.

Zum, meist von Bariton-E-Gitarren, hölzern pumpendem Bass und unaufdringlichen Drums geführten Grundgerüst der Stücke, gesellen sich je nach Art Cello und Violine („Boom Town“, das kammermusikartige „Long Way To Fall“), plusternde Bläser („White Knuckle Heart“, der Memphis-behaftete Blues-Schwofer „Move Over“), eine raunzende Dobro (bei „Long Way To Fall“) oder eine heulende Steel beim melancholischen „Drag You Down“.

Freunde des klassischen Slow Blues werden beim großartigen „Black & Blue regelrecht mitfiebern. Die Southern Rock-Klientel wird mit dem Stampfer „303“ (klasse Gesang von Shahan, gurgelnde Orgel, herrliches Slide-Solo), dem bedrohlichen wirkenden „Low Down Feeling“ (wieder messerscharfes Slide-Solo) und dem flockigen „Southern Man“ (klasse Hammond, typisches E-Gitarren-Solo) belohnt.

Und wenn Red beim knarzig gespielten „Black Veins Pt.1“ „Ain’t no medicine gonna help anymore“ schmerzhaft intoniert, kann eigentlich nur noch solch fantastische Mucke zur nachhaltigen Genesung beitragen. Red Shahans „Men & Coyotes“ muss man gehört haben. Es besteht regelrechte Suchtgefahr! Und auf das Urteil einer Koryphäe wie Randy Rogers und auch auf das meiner Person ist doch wohl Verlass, oder…?

Magnolia Records (2015)
Stil: Country Rock & More

01. Men & Coyotes
02. Boom Town
03. 303
04. White Knuckle Heart
05. Low Down Feeling
06. Black & Blue
07. Long Way To Fall
08. Never Turn Around
09. Southern Man
10. Black Veins Pt.1
11. Drag You Down
12. Move Over

Red Shahan
Red Shahan bei Facebook
Big Blind Management bei Facebook

Antigone Rising, 31.05.2016, Yard Club, Köln – Konzertbericht

SONY DSC

Was soll man sagen? Da kommt eine tolle Band aus den Staaten zu uns hierher und muss im schönen Kölner Yard Club vor 25 Zuschauern spielen. Ich, der es auch als Mission versteht, gute Nischenmusik mit meinen Berichten und Reviews zu bekannter zu machen, habe mich innerlich richtig geschämt. Der deutsche Michel und seine Michaela schauen sich lieber für viel Geld im anonymen Massengedränge ihre Udos und Herberts an oder speziell in Köln vermutlich die von diesem unsäglichen Radiosender (WDR 2) protegierten internationalen Großverdiener, Indie-Rumjanker und hiesigen Xavier-Naidoo-Verschnitte…

Ich muss allerdings zugeben, dass ich Antigone Rising auch überhaupt nicht mehr auf dem Schirm hatte. Vor ca. zehn Jahren hatte ich mal das tolle Live-Album „From The Ground Up“ reviewt, danach waren sie bis vor ein paar Wochen völlig unter meinem Radar verschwunden. Ich hätte nie vermutet, dass die mal hier auftreten würden. Beim Abklappern meiner bevorzugten Konzert-Locations im Netz, musste ich mir die Augen reiben und habe dann erst realisiert, dass es wirklich wahr geworden ist. Also auf in die Domstadt!

Es hat sich in dieser Zeit natürlich einiges geändert, auch bei Antigone Rising. Aus dem damaligen Quintett ist ein Quartett geworden. Die Henderson-Sisters (Kristen jetzt am Bass mit coolem Groove) und Drummerin Dena Tauriello sind noch dabei, die einstige Sängerin wurde durch die zierliche hübsche Nini Camps (erinnerte mich ein bisschen an Susanna Hoffs von den Bangles) ersetzt. Mit ihr hat die Band in der Zwischenzeit auch einen Longplayer „23 Red“ und zwei „Whiskey & Wine Vol. I+II“ eingespielt. Heimliche Chefin im Ring ist aber das Pfundsweib Cathy Henderson.

Das alte Werk wurde völlig außen vor gelassen, selbst ihr großer Hit „Don’t Look Back“ war nicht in der Setliste präsent. Klar, hätte ich gerne was von diesem Silberling gehört, aber insgesamt konnten auch die ‚neueren‘ Sachen überzeugen. Die Damenriege, die in den Staaten immerhin schon Bands wie u. a. die Allman Brothers oder auch Aerosmith supportet hat, spielt heute deutlich rockiger, teilweise bereiteten mir einige furiose Gitarrenpassagen, wie sie in unserem geliebten Southern Rock gang und gäbe sind, richtige Freude. Mrs. Henderson ließ dabei ganz ordentlich und quirlig, ihre Finger über die Saiten fliegen.

In den knapp 1 ½ Stunde (keine Zugabe) stellten die Mädels dann Stücke wie „Breaking Me“ (sehr rockig), „Get To You“, „One Foot In“ (großartige E-Solo-Passage mit eingebautem Twin-Spiel), „Everywhere Is Home“ (klasse hier die im weiteren Verlauf des Gigs auch immer wieder angewendeten Harmoniegesänge),  „Everything Changes“, „Weed & Wine“ vor. Ihr momentaner Hit, ein Countryrocker, der in den Staaten auch einiges an Radiopräsenz aufweisen kann, „That Was The Whiskey“ (entsprungen aus einer Geburtstagsparty für Nini Camps), kam natürlich auch noch zum Zuge. Toll gespielt wurden zwei Fleetwood Mac-Cover, zum einen „Tusk“ (integriert bei „Call Me Crazy“) und das klasse von Nini gesungene „Rhiannon“. Das starke „Borrowed Time“, wieder mit fettem Instrumentalabschluss, bildete nach gut 90 Minuten einen furiosen Abschluss.

Fazit: Antigone Rising bieten im Kölner Yard Club eine tolle rockige Performance mit dem einen oder anderen Country- und Southern Rock-Schmankerl. Mir und den wenigen Anwesenden hat diese Vorstellung großen Spaß bereitet. Klasse, dass die Nachkömmlinge des Ödipus sich vom geringen Zuspruch nicht frustrieren lassen haben und trotzdem professionell eine tolle Show durchgezogen haben. Für mich schon jetzt eine der großen positiven Überraschungen des Jahres. Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie bei den noch folgenden Gigs mehr Resonanz erfahren mögen! Liebe Leute, also bewegt euren Hintern!

Danke an Marcus für die, wie immer, reibungslose Akkreditierung in ’seinem‘ Club.

Antigone Rising
Antigone Rising bei Facebook
Yard Club Köln

Dolly Shine – Walkabout – CD-Review

Dolly Shine_Walk_300

Man kann schon in unseren Breitengraden richtig neidisch werden, wenn man sieht und hört, was im Bundesstaat Texas so alles an hochkreativer Musik fabriziert wird. Nächstes Beispiel ist die Band Dolly Shine, die jetzt mit „Walkabout“ nach dem Debüt „Room To Breathe“ und der EP „All In“ ihren dritten Tonträger veröffentlicht.

Benannt nach einer spanischen Redensart im tiefen Süden von Texas („Dale Shine“), die im übertragenen Sinne hier bei uns so etwas wie ‚Gib Gas‘ bedeutet, hat sich das Quintett aus Stephensville in diversen Besetzungen zu einem mittlerweile richtig heißen Red Dirt-Act entwickelt. Stücke wie „Spinning My Wheels“, „Should Have Known“, „Her Name Was Trouble“ oder „Dangerous Love“ hatten bereits die Texas Music Charts erobert.

Die beiden Gründungsmitglieder Zack McGinn (Lead vocals) und Wes Hall (Fiddle) haben sich mittlerweile den starken E-Gitarristen Jerrod Flusche gekrallt und mit Ben Hussey (Bass, vocals) sowie Johnny Goodson (Drums, percussion) die passende Rhythmus-Fraktion gefunden. Produziert haben Hussey und Josh Serrato (der sich hier auch  mit diversen Saiteninstrumenten und B3-Organ einbringt), besonders bekannt für ihre Mitwirkung als Musiker bei Six Market Blvd.

Schon der ruppig polternde Opener „Blackbird“ deutet an, wie diese Truppe die dortig einschlägigen Lokalitäten wie das Billy Bob’s Texas, Gruene Hall & Co. in Wallung zu verbringen mag. Schon hier offeriert sich ein Trademark der Band, das sich wie ein roter Faden durch alle Stücke zieht, und zwar das wüste Fiddlespiel von Wes Hall, der es immer wieder geschickt versteht, sein Teil in allen erdenklichen Variationen wie ‚Sägen‘, ‚Quietschen‘, ‚Surren‘, ‚Heulen‘ oder sonstwie in den Fokus zu rücken, allerdings in Flusche, mit seinen E-Gitarren-Attacken, einen kongenialen, ihm Paroli bietenden Mitspieler erwischt hat.

Das folgende flockige, an der Schnittstelle zwischen Reckless Kelly und Micky & Motorcars liegende „Come Out Swingin'“ besticht durch die hervorragende Harmonie zwischen Fronter Zack McGinn und der zauberhaft mitsingenden Rachel Loy, die u. a. auch beim grandiosen atmosphärischen Abschlussstück „Old Flame“ nochmals zum Einsatz kommt. Höre ich immer wieder gerne!

Die Jungs haben auch eine sporadisch düstere Note in ihren Tracks, was bei Liedern wie „Rattlesnake“ (kühle Fiddelei von Hall) oder dem schon fast bedrohlich wirkenden Southern-Stampfer „Hitchhikin‘ zum Ausdruck kommt. Auch der absolut überragende Song des Werkes „“Snakeskin Boots“, mit seinem bedrückenden Fiddle-/Banjo-Intro geht auch in diese Richtung. Ein hallendes und gurgelndes B3-Organ und Flusches starke E-Arbeit verleihen dem Stück eine leicht swampige Atmosphäre. Klasse auch das Bridge, in dem McGinns Stimme durch eine Voicebox modifiziert wurde. Grandiose Musik!

Für die Charts bleiben dann die eingängigen Sachen wie „Closing Time“ (mit schön klirrender Mandoline), „Twist The Knife“ (launiger Refrain, sirenenartige Fiddle, markante E-Gitarrenlinie) und das rockig-rhythmische und trotzdem sehr melodische „Anywhere Close To Find“ über.

Insgesamt entpuppt sich das neue Werk „Walkabout“ von Dolly Shine, wie der Titel es schon suggeriert, als runde Sache. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Jedes Stück eine Perle für sich. Wer auf recht Fiddle-dominierten Red Dirt Richtung Reckless Kelly, Casey Donahew Band, oder Micky & Motorcars steht (Texas Renegade– und Randy Rogers Band-Liebhaber dürfen auch mal ein Ohr riskieren) ist hier an der richtigen Adresse.

Die typisch geschmackvolle Cover-Art-Gestaltung der, bei uns auch schon oft erwähnten, Dodd-Sisters (Backstage Design Studio), kommt auch noch hinzu. Wir sind uns ganz sicher, dass Dolly Shine in der nächsten Zeit noch ordentlich Gas geben werden! Tolle Burschen!

Vision Entertainment (2016)
Stil: Red Dirt

01. Blackbird
02. Come Out Swingin‘
03. Closing Time
04. Rattlesnake
05. Twist The Knife
06. Anywhere Close To Fine
07. Snakeskin Boots
08. Hitchhikin‘
09. Old Flame

Dolly Shine
Dolly Shine bei Facebook
RPR Media
Veröffentlicht am Kategorien AllgemeinSchlagwörter , , , , , , Schreibe einen Kommentar zu Dolly Shine – Walkabout – CD-Review

Aaron Einhouse – It Ain’t Pretty – CD-Review

Einhouse_Pretty_300

Herrlicher, wunderbar rootsiger, zuweilen gar mit ein wenig Blues- und Southern Rock-Flair umwehter, prächtig in Szene gesetzter Americana, Americana-Rock und Country Rock aus Texas – natürlich mit dem unwiderstehlichen, erdigen den „Red Dirt-Staub“ am Stiefel klebend, wie man es eben nur im „Lone Star State“ erlebt. Großartig!

Der aus Austin stammende, bisher wohl nur Insidern bekannte Aaron Einhouse veröffentlicht mit „It Ain’t Pretty“ schon sein viertes Album und dürfte jetzt endgültig richtig durchstarten. Was für eine tolle Musik, was für eine grandiose Stimme! Stücke wie Townes Van Zandts „To Live Is To Fly“ und Jerry Jeff Walkers „Getting By“ bei der Beerdigung seines Onkels waren einst die Initialzündungen für Aaron, sich ebenfalls der Musik und dem Songschreiben zu widmen. Auch anderer Künstler aus diesem Dunstkreis, wie Guy Clark, Steve Earle, John Prine und Texas-Urgestein Walt Wilkins waren seine Inspiration. Heute ist die Musik und das Songwriting seine Mission.

Dem Ziel, eines Tages zu der ganz großen Zunft des Genres zu gehören und es seinen Helden gleich zu tun, ist er mit seinem neuen Werk, bei dem er sämtliche Tracks praktisch im Alleingang komponiert hat (nur bei zwei Stücken assistierten ihm Johnny Chops, der Bass-Spieler der Randy Rogers Band und Hal Ketchum), ein ganz großes Stück näher gekommen. Da gerät sein Mentor und Freund Walt Wilkins regelrecht ins Schwärmen: „Aaron is a true son of Texas, poetry, and the open road. He has an eye and a feeling for the human condition and his fellow man, and a stage presence that a bunch of us would trade for. There is a deep sensitivity in his songs, as well as humor and pathos. He’s as real as the places and folks he writes and sings about, and I’m looking forward to the next songs.”

Das von vorn bis hinten exzellente Songmaterial kommt in einem schön „saftigen“, zumeist mit tollen Gitarren in Szene gesetzten, erdigen, kraftstrotzenden, aber auch flüssigen und überaus melodischen Gewand. Da passt alles zusammen. Noch beeindruckender als Aarons starke kompositorischen Fähigkeiten ist zweifellos sein unglaublich charismatischer Gesang. Seine Stimme wirkt wie eine bestechende Symbiose aus Reckless Kellys Willy Braun, Robert Earl Keen und Jack Ingram. Schon nach den ersten Kostproben seines vokalen Könnens beim satten, brodelnden, Harp-getränkten, bluesigen, southern-swampigen Red Dirt-Rootsrocker „Dancin'“ zum Auftakt (tolle Slideguitar-Licks, gut nach vorn gehender Drive), weiß man, dass hier etwas ganz Besonderes auf einen zukommt. Der Song wurde übrigens zu Beginn und Ende von Soundschnipseln aus dem Film „Apocalypse Now“ eingerahmt.

Die Idee dazu hatte Erik Herbst (Eli Young Band, Kyle Bennett Band, Sam Riggs), der dieses tolle Werk auch in einem, herrlich zu Einhouses „Röhre“ passenden, sehr kraftvollen Sound produziert hat. Der Kontakt zwischen beiden war übrigens durch das Management von Sam Riggs zustande gekommen. Herbst sorgte in seinem „Panhandle House“-Studio dazu mit Leuten wie Tony Browne, Lucas Copeland, Jonathan Baulista, Tim Harris (klasse Harp-Performance), Bradley Knight, Bryan Brock, Milo Deering (mal wieder mit tollem Steel-Spiel) und Drew Womack (Harmony vocals) für ein exzellentes Musiker-Ensemble.

Stück Nr. 2, das saustarke „That’s What You Get“ stampft unvermindert „schroff“, in bester, kerniger Southern Rock-Manier (tolle E-Gitarren-Riffs, ein brennendes Solo, bluesige Harp-Fills) durch die texanische Peripherie, bevor mit dem Titelstück „It Ain’t Pretty“ erstmals ein wenig das Bremspedal betätigt wird. Eine wunderbare Ballade, bei dem Aarons Stimme natürlich besonders wirkt, dazu gibt es herrliche Electric Slide-Gitarren- und feine Orgel-Klänge. Auch das folgende, mega-lässige, retro-behaftete „Like Rock’N ‚Roll“ fährt titel-untypisch in eher ruhigeren Rootsrock-Gewässern. Erinnert stark an The Band. Klasse auch hier das prächtig passende Slide-Spiel mit schönem Solo.

Beim wunderbaren „My Susannah“ erneut großartige Slide-Linien, tolle Melodie) trauert Einhouse seiner nicht mehr nach Hause zurückkehrenden Verflossenen reumütig hinterher. Toller Red Dirt-/Rootsrock-/Countryrock-Stoff! Das flotte, flüssige, knackige, eingängige „The Richest Man“ bietet typisches Country-Storytelling. Klasse hier die E-Gittaren-Enlagen und Deerings heulende Steel. Mit „Thinking Of You“ folgt eine bluesig-soulige Southern-Ballade, Einhouses pathos-getränkter Gesang sorgt für Gänsehaut. Herrlich!

„On & On“ mit seinem markanten E-Slide-Führungsriff erinnert ein wenig an Red Dirt-Stoff mit Reckless Kelly-Note. Das furiose „The Fall Of Eli Wilde“ (wundebar knarzig gespielt und launig gesungen) wird so manche Honkytonk-Spelunke stimmungsmäßig zum Sieden bringen. Am Ende gibt es mit „I’m Done“ nochmal Country-trächtigen, balladesken Singer/Songwriter-Stoff. Einhouse legt sich noch mal richtig ins Zeug. Eine heulende Bariton-E-Gitarre, eine hallende Orgel und glänzende Harmoniegesänge vollenden diesen voller Inspiration performten, kraftvollen Song. Ein mitreißender, regelrecht packender Abschluss.

Aaron Einhouse legt mit „It Ain’t Pretty“ ein echtes „Pfund“ in die texanische Waagschale. Ein Album, das mehr als nachhaltige Wirkung hinterlässt. „Pretty damn Texas Roots-/Americana-/Country Rock at it’s very best“! Toller Typ, dieser Aaron Einhouse!

P.S.
Ich möchte diese weitere grandiose CD mal zum Anlass nehmen, um auf die tolle, unaufgeregte und zuverlässige Zusammenarbeit mit dem Mailorder Bärchen Records hinzuweisen, die jetzt schon fast 15 Jahre dauert, unglaublich viel Spaß bereitet und hoffentlich noch lange fortgeführt werden kann. Ohne Besitzer Jürgen Thomä, selbst ein brillanter Musikanalyst und Reviewer, wäre mein großer musikalischer Horizont sicher nicht das, was er heute ist. Dafür möchte ich mich auf diesem Wege mal herzlich bedanken. Feels Like Rock’N’Roll!

Vision Entertainment (2016)
Stil: Country Rock

01. Dancin
02. That’s What You Get
03. It Ain’t Pretty
04. Like Rock’N’Roll
05. My Susannah
06. The Richest Man
07. Thinking Of You
08. On & Onn
09. The Fall Of Eli Wilde
10. I’m Done

Aaron Einhouse
Aaron Einhouse bei Facebook
Bärchen Records

Ray Johnston Band – #GoesGoodWith – EP-Review

Ray Johnston_Goes_300

Herbst im Sounds Of South. Nein, damit meinen wir nicht, dass es, aufgrund des miesen Wetters in den vergangenen Tagen, an der Zeit ist, wieder mal Trübsal zu blasen, noch dass musikalische Tristesse hier eingekehrt wäre. Mit der Ray Johnston Band und dem neuen Album „#GoesGoodWith“ haben wir jetzt schon wieder ein herrliches Werk zum Besprechen, das von Kultproduzent Erik Herbst (Eli Young Band, Sam Riggs, The Eagles, Casey Donahew Band, etc.) unter seiner Regie, in seinem Panhandle House Studio, fabriziert wurde.

Was für ein herrliches Teil! Ray Johnston präsentiert auf seiner neuen EP sechs unglaublich starke, abwechslungsreiche, von ihm, mit diversen Co-Writern wie u. a. Paul Overstreet, Roger Creager und Luke Combs, kreierte (New) Country-Songs, die das Genre-Herz absolut höher schlagen lassen. Der einzige Wermutstropfen ist eigentlich, dass nicht, wie bei seinem ebenfalls tollen Vorgänger „No Bad Days“, als auch nur eine EP geplant war, hier auch ein komplettes Album herausgekommen ist. Man hätte gerne noch weitere Tracks auf diesem Niveau gehört.

Das überaus kurzweilige Kurzwerk beginnt mit dem launigen „Make Mine A Double“, einem satirisch, wie selbst-ironischen Seitenhieb auf die heutige Überfluss-Gesellschaft. Ray berichtet, dass seine Mutter ihn immer zur Maßhaltigkeit erzogen hat, ob sie damit allerdings gemeint hatte, gleich zwei Vögel, mit nur einem Schuss aus der Steinschleuder, zu killen, bleibt dahingestellt… Jedenfalls warnt der mittlerweile geläuterte Bursche in humorvoller Art, dass das Streben nach immer mehr Konsum und Spaß sein dickes am Ende findet, wenn sich dann der zurückschlagende Ärger in vielfachem Maße potenziert.

Das wunderschöne Liebeslied „Beautiful You“ (hallende Orgel, Mandolinengezirpe) hat einen leicht introvertierten Touch, wie man ihn auch von Eric Heatherly kennt. Der Linedance-taugliche Uptempo-Countryheuler „Horses And Hearts“ kommt als schönes Duett mit dem erst 17-jährigen Shooting Star Abbey Cone, die hier gesangs-technisch ihr riesiges Potential mit einbringt. Das Stück erinnert nicht nur aufgrund des flockigen E-Gitarren-Spiels von Will Wails an Sachen von Vince Gill. Mit geschrieben hat das Stück übrigens Kylie Rae Harris, eine ebenfalls in Texas viel gebuchte Sängerin, die hier bei fast allen Tracks ihre perfekten Harmoniegesänge beisteuert.

Der spaßige Tex-Mex-Schunkler „Little Lupe“ macht mit typischem Text-Vokabular sofort Lust auf Tapas-Bar, Tequila und langhaarige, feurige Señoritas. Das mit einer ordentlichen Brise Southern Flair rockende Countrystück „My Liver Don’t Live Here Anmore“ ruft Reminiszenzen an Interpreten wie Travis Tritt oder auch die Pirates Of The Mississippi hervor. Klasse hier die verzahnten E-Gitarren- und Steel-Variationen.

Am Ende gibt es dann mit dem grandiosen „Watching The Lord Turn On The Lights“ noch mal ganz großes Country-Kino, wobei es an der Zeit ist, die großartigen Musiker zu erwähnen, die diese Scheibe famos eingespielt haben. Zum einen lässt Randy Rogers Band-Fiddler Brady Black auf diesem grassigen, in Veranda-Manier performten Klasse-Stück, sein Parade-Instrument ‚heulen‘ und der hier insgesamt überragend in Sachen Pedal Steel agierende Multi-Instrumentalist Milo Deering, dank technischer Möglichkeiten, klirrende Mandolinenklänge und raunzende Dobro in den ausgiebigen Solo-Teilen einfließen. Hinzu kommen noch Rocky Grimbles vorzügliches, klares Akustikgitarrenspiel plus klackerndes Banjo sowie am Ende Bradley Knights leise durchgurgelnde Orgel. Zwischendurch, so meine ich, sind noch als Gag, ein paar kurze krächzende Vogelgeräusche (? – wie von Raben) eingeblendet. Zur finalen Klärung hatte ich bei diesem Review aber leider gerade keinen sachkundigen Ornithologen an meiner Seite.

Wie dem auch sei, ein fantastisches Ende. Die Ray Johnston Band präsentiert auf „#GoesGoodWith“ den (New) Country, der gerade in Nashville wieder viel stärker in den Fokus rücken sollte. Keine Effekthaschereien oder künstlich wirkende Pop-Anbiederungen, wie sie zur Zeit bei vielen Interpreten Usus sind, sondern einfach nur gut und ‚organisch‘ produziertes Handwerk in schönem Sound. Erik Herbst hat es hier nahezu schulmäßig vorgemacht.

Übrigens, sehr zu erwähnen ist auch noch Rays soziales Engagement. Er selbst, der in jungen Jahren mehrfach seine Leukämie-Erkrankung besiegt hatte, setzt sich jetzt auch für Luke’s FastBreaks ein, eine Plattform, gegründet von einem 9-jährigen Jungen, die krebskranken Kindern unter die Arme greift und im Kampf gegen ihr Leiden, Mut machen möchte. Eine tolle Geste, wie wir meinen!

Eigenproduktion (2016)
Stil: (New) Country

01. Make Mine A Double
02. Beautiful You
03. Horses And Hearts
04. Little Lupe
05. My Liver Don’t Live Here Anymore
06. Watching The Lord Turn On The Lights

Ray Johnston Band
Ray Johnston Band bei Facebook
RPR Media

Brandon Jenkins – Blue Bandana – CD-Review

Brandon Jenkins Cover

Brandon Jenkins hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Damit meine ich in erster Linie eigentlich nicht sein oberstes Körperteil (auch wenn dies mit Glatze und langem roten Rauschebart ebenfalls eine gewisse Extravaganz widerspiegelt, abgesehen von seinen reichhaltigen Tattoos, die ihn quasi zu einem wandelnden Kunstwerk gemacht haben). Nein ich rede von seinem Kopf, den er als Musiker und Mensch vornehmlich zum Nachdenken und Kreieren benutzt und mit diesem, im Gegensatz zu den meisten, oberflächlich strukturierten Amerikanern, Dinge differenziert und (selbst-) kritisch betrachtet und zu seiner Meinung sowie dem damit verbundenen Handeln im Wesentlichen auch steht.

So konfrontiert Brandon seine Anhängerschaft auf seinem 13. Album „Blue Bandana“ mit Material, das sich vom Rahmen seines bisherigen Schaffensspektrums doch ziemlich unterscheidet. Der aus Tulsa stammende, seit vielen Jahren in Austin, Texas, lebende Vollblutmusiker/Songwriter, hat dieses Werk, das nur digital produziert wurde, in gerade mal zwei Tagen mit Langzeitfreund Dave Percefull (zusätzlich an den Reglerknöpfen) in dessen Yellow Dog Studio in Wimberly eingespielt und verarbeitet.

Herausgekommen ist ein instrumentell sparsam arrangiertes Gebilde von zehn Stücken, bei denen vornehmlich Brandons Gesang, eine knarzige Akustikgitarre und eine, auf allen erdenklichen Arten surrende Fiddle, die Hauptrollen spielen. An Jenkins‘ Stimme haben sich in meinem Bekanntenkreis schon immer die Geister geschieden. Die meisten kommen mit seinem knochigen hölzernen Gesangsstil überhaupt nicht klar. Mir persönlich gefällt er aufgrund des hohen Grades an Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung. Sein vokales Organ kommt hier auf „Blue Bandana“ natürlich noch deutlicher zum Tragen.

Lediglich beim fröhlichsten Track (wenn man das hier überhaupt so bezeichnen darf) „High John The Conquerer“ und dem, von einem Southern Redneck-Flair umwehten Titelstück „Blue Bandana“ ist mal eine dezent hallende Orgel zu vernehmen, auch Drums und Percussion wurden sehr ‚zurückhaltend‘ eingesetzt. Stücke wie der Opener „Black Mood Ring“, der wie ein Grabesrede für eine gescheiterte Beziehung daherkommt, der leicht Gypsy-mäßige Coutrysong „She Likes To Ride“, das atmosphärische „The Path“ oder das, das trostlose Arbeiterleben in den Fabriken, melancholisch reflektierende „Under The Shadow Of The Refinery“ nehmen nach mehrmaligem Hören doch zunehmend gefangen.

„Burn“ versetzt sofort das Kopfkino in Gang und man sieht Brandon förmlich mit einer Akustikgitarre abends vor einer Brandstelle sitzend und über das Leid in der Welt sinnieren. In eine ähnliche Erzählgesangsrichtung gehen weitere Lieder wie „Don’t Hold On To The Past“ und das abschließende „Send Down An Angel“, wo es als Rhythmusunterstützung lediglich ein paar Claps von Brandon an den Korpus seiner Akustikklampfe zu vermelden gibt.

„Blue Bandana“ von Red Dirt-Legende Brandon Jenkins, ist, wie beschrieben, ein insgesamt sehr spezielles, aber überaus authentisches Werk geworden, für das man sich Zeit nehmen, sowie Ruhe lassen muss und mit dem man sich erst nach mehrmaligem Hören besser anfreundet. Ehrlich gesagt, fehlt mir doch ein wenig sein kratziges E-Gitarrenspiel (auf das gänzlich verzichtet wurde), das man, meiner Ansicht nach, durchaus an der einen oder anderen Stelle (als Fills oder Kurzsolo) hätte einfließen lassen können, ohne dem Werk seinen Charakter zu nehmen. Vielleicht wäre es ja eine interessante Option, dieses Album mal irgendwann als ‚Vollversion‘ umzusetzen.

Brandon Jenkins spielt übrigens mit dem Gedanken, demnächst nach Nashville zu ziehen. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss Music City und seine Songwriter-Szene auf diesen eigenwilligen Musiker haben wird, der immer für neue Wege und Inspirationen offen ist.

Red Dirt Legend Recordings (2016)
Stil: Red Dirt / Singer/Songwriter

01. Black Mood Ring
02. She Likes To Ride
03. The Path
04. Under The Shadow Of The Refinery
05. Burn
06. High John The Conquerer
07. Reeva
08. Blue Bandana
09. Don’t Hold On To The Past
10. Send Down An Angel

Brandon Jenkins
Brandon Jenkins bei Facebook