Ray Johnston Band – #GoesGoodWith – EP-Review

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Herbst im Sounds Of South. Nein, damit meinen wir nicht, dass es, aufgrund des miesen Wetters in den vergangenen Tagen, an der Zeit ist, wieder mal Trübsal zu blasen, noch dass musikalische Tristesse hier eingekehrt wäre. Mit der Ray Johnston Band und dem neuen Album „#GoesGoodWith“ haben wir jetzt schon wieder ein herrliches Werk zum Besprechen, das von Kultproduzent Erik Herbst (Eli Young Band, Sam Riggs, The Eagles, Casey Donahew Band, etc.) unter seiner Regie, in seinem Panhandle House Studio, fabriziert wurde.

Was für ein herrliches Teil! Ray Johnston präsentiert auf seiner neuen EP sechs unglaublich starke, abwechslungsreiche, von ihm, mit diversen Co-Writern wie u. a. Paul Overstreet, Roger Creager und Luke Combs, kreierte (New) Country-Songs, die das Genre-Herz absolut höher schlagen lassen. Der einzige Wermutstropfen ist eigentlich, dass nicht, wie bei seinem ebenfalls tollen Vorgänger „No Bad Days“, als auch nur eine EP geplant war, hier auch ein komplettes Album herausgekommen ist. Man hätte gerne noch weitere Tracks auf diesem Niveau gehört.

Das überaus kurzweilige Kurzwerk beginnt mit dem launigen „Make Mine A Double“, einem satirisch, wie selbst-ironischen Seitenhieb auf die heutige Überfluss-Gesellschaft. Ray berichtet, dass seine Mutter ihn immer zur Maßhaltigkeit erzogen hat, ob sie damit allerdings gemeint hatte, gleich zwei Vögel, mit nur einem Schuss aus der Steinschleuder, zu killen, bleibt dahingestellt… Jedenfalls warnt der mittlerweile geläuterte Bursche in humorvoller Art, dass das Streben nach immer mehr Konsum und Spaß sein dickes am Ende findet, wenn sich dann der zurückschlagende Ärger in vielfachem Maße potenziert.

Das wunderschöne Liebeslied „Beautiful You“ (hallende Orgel, Mandolinengezirpe) hat einen leicht introvertierten Touch, wie man ihn auch von Eric Heatherly kennt. Der Linedance-taugliche Uptempo-Countryheuler „Horses And Hearts“ kommt als schönes Duett mit dem erst 17-jährigen Shooting Star Abbey Cone, die hier gesangs-technisch ihr riesiges Potential mit einbringt. Das Stück erinnert nicht nur aufgrund des flockigen E-Gitarren-Spiels von Will Wails an Sachen von Vince Gill. Mit geschrieben hat das Stück übrigens Kylie Rae Harris, eine ebenfalls in Texas viel gebuchte Sängerin, die hier bei fast allen Tracks ihre perfekten Harmoniegesänge beisteuert.

Der spaßige Tex-Mex-Schunkler „Little Lupe“ macht mit typischem Text-Vokabular sofort Lust auf Tapas-Bar, Tequila und langhaarige, feurige Señoritas. Das mit einer ordentlichen Brise Southern Flair rockende Countrystück „My Liver Don’t Live Here Anmore“ ruft Reminiszenzen an Interpreten wie Travis Tritt oder auch die Pirates Of The Mississippi hervor. Klasse hier die verzahnten E-Gitarren- und Steel-Variationen.

Am Ende gibt es dann mit dem grandiosen „Watching The Lord Turn On The Lights“ noch mal ganz großes Country-Kino, wobei es an der Zeit ist, die großartigen Musiker zu erwähnen, die diese Scheibe famos eingespielt haben. Zum einen lässt Randy Rogers Band-Fiddler Brady Black auf diesem grassigen, in Veranda-Manier performten Klasse-Stück, sein Parade-Instrument ‚heulen‘ und der hier insgesamt überragend in Sachen Pedal Steel agierende Multi-Instrumentalist Milo Deering, dank technischer Möglichkeiten, klirrende Mandolinenklänge und raunzende Dobro in den ausgiebigen Solo-Teilen einfließen. Hinzu kommen noch Rocky Grimbles vorzügliches, klares Akustikgitarrenspiel plus klackerndes Banjo sowie am Ende Bradley Knights leise durchgurgelnde Orgel. Zwischendurch, so meine ich, sind noch als Gag, ein paar kurze krächzende Vogelgeräusche (? – wie von Raben) eingeblendet. Zur finalen Klärung hatte ich bei diesem Review aber leider gerade keinen sachkundigen Ornithologen an meiner Seite.

Wie dem auch sei, ein fantastisches Ende. Die Ray Johnston Band präsentiert auf „#GoesGoodWith“ den (New) Country, der gerade in Nashville wieder viel stärker in den Fokus rücken sollte. Keine Effekthaschereien oder künstlich wirkende Pop-Anbiederungen, wie sie zur Zeit bei vielen Interpreten Usus sind, sondern einfach nur gut und ‚organisch‘ produziertes Handwerk in schönem Sound. Erik Herbst hat es hier nahezu schulmäßig vorgemacht.

Übrigens, sehr zu erwähnen ist auch noch Rays soziales Engagement. Er selbst, der in jungen Jahren mehrfach seine Leukämie-Erkrankung besiegt hatte, setzt sich jetzt auch für Luke’s FastBreaks ein, eine Plattform, gegründet von einem 9-jährigen Jungen, die krebskranken Kindern unter die Arme greift und im Kampf gegen ihr Leiden, Mut machen möchte. Eine tolle Geste, wie wir meinen!

Eigenproduktion (2016)
Stil: (New) Country

01. Make Mine A Double
02. Beautiful You
03. Horses And Hearts
04. Little Lupe
05. My Liver Don’t Live Here Anymore
06. Watching The Lord Turn On The Lights

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