Rob Baird – Wrong Side Of The River – CD-Review

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Drittes, wundervolles, ja geradezu umwerfendes Album des aus Memphis stammenden, heute aber in Texas lebenden Rob Baird. Welch eine Wonne! Hinreißender, genauso prächtig groovender, wie traumhaft melodischer Red Dirt Roots-, Americana- und Countryrock, der zu dem besten gehört, was das Genre zu bieten hat. Die Songs sind fantastisch! Vier Jahre war Rob Baird in sich gekehrt, um sich in seiner typischen Art mit aktuellen Dingen des Lebens wie Trubel, Ausdauer, Einsamkeit, Zurückweisung oder Depression thematisch in seinen neuen Songs auseinander zu setzen und betrieb damit auch ein wenig Selbstfindung in eigener Sache.

„Wrong Side Of The River“ heißt seine neue Scheibe und führt den Weg seiner beiden schon extrem starken Vorgänger konsequent fort. Das Album ist erneut ein zehn Stücke umfassendes, kleines Meisterwerk geworden, das einen von vorne bis hinten mit seiner Magie gefangen hält. Baird hat die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Scott Davis beendet und in Brian Douglas Philipps, einen neuen Multi-Instrumentalisten (guitars, keys, pedal steel, harmony vocals) als kongenialen Partner an seiner Seite gewonnen, der als Mitspieler, Songwriter und Produzent einen erheblichen Beitrag zu dem herausragenden Gesamtergebnis geleistet hat.

Die Musikerriege wurde zu früher komplett ausgetauscht und bewegt sich diesmal mit Jacob Hilddebrand (guitars, banjo), Z Lynch (bass, harmony vocals), Fred Mandujano (drums, percussion) und Jamie Harris (harmony vocals) in einem recht überschaubaren, aber umso kompetenteren Rahmen. Beim Songwriting ist aus älteren Tagen nur Rick Brantley als Co-Writer bei einem bärenstarken „Oklahoma“ übrig geblieben (unglaublich melodischer, dennoch herrlich „gritty“ und mit einem von effektvollen Gitarren- und Keyboard-Klängen und einem tollen Drive nach vorn getriebener, flüssiger Red Dirt Country-/Americana-Rocker), ansonsten assistierten Douglas Philipps und Leute wie Ruston Kelly und Ben Danaher.

Am typischen Rob Baird-Stil, einer dezent melancholisch und introvertiert klingenden Melange aus Country, Red Dirt, Americana und Roots Rock, wurde aber so gut wie nichts verändert. Gut so! Schon das Auftaktstück „Ain’t Nobody Got A Hold On Me“ (unterkühlte Retro Bariton-E-Gitarre, tolles Solo, hallende Orgel-Untermalung) mit seinen atmosphärischen Stimmungs- und Tempowechseln (starker Powerrefrain) lassen einen tief in Bairds Seelenleben eintauchen. Hat irgendwie den Vibe eines jungen Rodney Crowell. Ganz toller Song! Danach „bettelt“ Rob (immer noch so ein bisschen wie ‚Schwiegermutters Liebling‘ aussehend) in der, mit wundervoller Steelguitar verzierten, flockig, flotten Countryrocknummer „Mercy Me“ hingebungsvoll um Verzeihung (tolles Steel-/Bariton-Gitarren-Zusammenspiel, traumhafte Melodie).

Einer der wichtigsten Co-Writer dieses Albums ist der texanische Songwriter Mando Saenz. Der liefert in seiner extravaganten, rootsigen Manier die Ideen und Texte sowohl für das brillante, dezent Rockabilly-umwehte „Pocket Change“ als auch für die edle, ruhige, staubige, dabei wunderschöne Americana-Ballade „Horses“ (tolle Akustikgitarre). Zwei absolute Highlights! Herrlich auch die wunderbare, reduzierte Ballade „Run Of Good Luck“, bei dem sich die Instrumente wie Piano, Steel und Akustikgitarre sehr erhaben miteinander verbinden. Großartig hier zudem der Baird assistierende, texanisch gefärbte Harmonie-Gesang von Jamie Harris.

Der Titeltrack „Wrong Side Of The River“ begeistert mit leicht psychedelischem Teint, in einem klasse, ein wenig an Jason Isbell erinnernden Rootsrock-Ambiente mit kernigen Gitarren und Robs exzellenter Gesangsleistung. Das eingängige, mit einem sehr melodischen Refrain ausgestattete „Mississippi Moon“ wäre wohl eine potentielle Cover-Option für die Eli Young Band. Am Ende sinniert Baird voller Melancholie in „When I Go“, was wohl passieren würde, wenn er fortgeht. Die dritte Fremdkomposition des Werkes „Cowboy Cliche“ (Orgel, E-Gitarren-Fills, dezente Bläser), von dem bei Carnival Music unter Vertrag stehenden Songwriter Peter Hultquist, räumt mit Cowboy-Klischees auf und beendet sehr atmosphärisch und ruhig ein weiteres hervorragendes Baird-Exemplar.

„Wrong Side Of The Rive“ ist eine erneute absolute Glanzleistung des Protagonisten. Möge Rob Baird sich vielleicht in seinem Gefühlsleben auf der ‚falschen Seite des Flusses‘ wähnen, so hat der Texas-Troubadour musikalisch längst den richtigen Weg eingeschlagen. Welch ein beeindruckendes Teil.

Hard Luck Recording Co. (2016)
Stil: Country / Roots Rock

01. Ain’t Nobody Got A Hold On Me
02. Mercy Me
03. Pocket Change
04. Run Of Good Luck
05. Wrong Side Of The River
06. Oklahoma
07. Horses
08. Mississippi Moon
09. When I Go
10. Cowboy Cliche

Rob Baird
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Bärchen Records

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