Charley Crockett – The Man From Waco – CD-Review

Review: Michael Segets

Seit 2015 bringt Charley Crockett quasi jährlich ein neues Album mit Eigenkompositionen heraus und findet daneben noch Zeit, unter seinem alter ego „Lil‘ G. L.“ Coverprojekte umzusetzen. Auf seinem nunmehr elften Longplayer „The Man From Waco“ gewinnt Crockett seinem Sound eine neue Dimension ab. Er revolutioniert zwar nicht seinen Stil, aber die Scheibe klingt deutlich erdiger als die vorherigen. Crockett fährt Twang und Honky Tonk zurück und auch Slide und Steel Pedal kommen merklich reduzierter zum Einsatz. Dennoch bleibt unverkennbar, auf wessen Konto „The Man From Waco“ geht, wofür Crocketts außergewöhnlicher Gesang Garant ist.

Crockett, der seine Musik als Gulf And Western bezeichnet, orientiert sich diesmal weniger am klassischen Country, auch wenn einzelne Stücke wie „Name On A Billboard” an diesen anknüpfen. Zwar schöpft Crockett gelegentlich aus den Vollen, was Twang und Slide betrifft („Just Like Honey”), doch die Country-Nummern „Cowboy Candy“, „All The Way From Atlanta“ und „July Jackson“ sind wesentlich geerdeter. Besonders gelungen ist „Black Sedan“, dem Crockett, begleitet von Klavier, Percussion und Gitarren unterschiedlicher Klangfarben, eine interessante Soundvariation abgewinnt.

Die Stücke bewegen sich wie sonst auch zumeist im unteren bis mittleren Tempobereich, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Das semi-akustisch gehaltene „Time Of The Cottonwood Trees” sowie das etwas voller begleitete „Odessa” sind zwei ruhige, jedoch starke Songs. Besonders atmosphärisch ist „Horse Thief Mesa” durch die Background-Vocals. Schön staubig wirkt der Titeltrack, der mit seinen Trompeten in das Grenzgebiet zu Mexiko versetzt, so wie auch die Landschaft auf dem Albumcover nahelegt. Musik und Story könnten einem Westernfilm entstammen. Auf der Neueinspielung von „Trinity River“, das bereits auf „Stolen Jewel“ (2015) zu finden ist, und der Single „I’m Just A Clown” unterstützen die Bläser den Soul, den Crockett in die beiden Stücke legt.

Die gesamte Band spielte die Tracks quasi live im Studio mit nur wenigen Overdubs ein. Crockett entschied sich dazu, sie nicht weiter zu mastern – im Rückblick ein weiser Entschluss, der auch von dem Produzenten Bruce Robison getragen wurde. Stellten sich bei der hohen Veröffentlichungsdichte und den doch häufig ähnlichen Arrangements in letzter Zeit leichte Ermüdungserscheinungen ein, entwickelt das neue Werk einen rauen Charme, der sich von den vorherigen abhebt. Die Songs wurden zum Teil von Crockett alleine geschrieben, zum Teil in Kollaboration mit anderen Musikern. Einzelne Einschübe bei „Tom Turkey” sind Bob Dylans „Billy 4” von dem Soundtrack „Pat Garrett & Billy The Kid” entnommen.

Charley Crockett präsentiert seine Eigenkompositionen in einem ungewohnt ungeschliffenen und erdigen Arrangement. Der modifizierte Sound bringt die Qualität der Songs unverstellt zur Geltung, sodass „The Man From Waco“ um Längen abwechslungsreicher erscheint als Crocketts letzte Longplayer. Das neue Album stellt eine Zäsur in seiner beachtlichen Veröffentlichungsliste dar, daher darf man auf das nächste Werk gespannt sein, das sicherlich nicht lange auf sich warten lässt. Vielleicht bietet sich vorher die Gelegenheit, Crockett live zu sehen. Bislang sind zwei Konzerte im November mit den Spielorten Köln und Berlin angekündigt.

Son Of Davy – Thirty Tigers (2022)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. The Man From Waco Theme
02. Cowboy Candy
03. Time Of The Cottonwood Trees
04. Just Like Honey
05. I’m Just A Clown
06. Black Sedan
07. The Man From Waco
08. Trinity River
09. Tom Turkey
10. Odessa
11. All The Way From Atlanta
12. Horse Thief Mesa
13. July Jackson
14. The Man From Waco Theme
15. Name On A Billboard

Charley Crockett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Jade MacRae & Mahalia Barnes – Support: Bywater Call – 26.08.2022 – Schlachtgarten Krefeld – Konzertbericht

Für das Konzert der beiden stimmgewaltigen Australierinnen Jade MacRae und Mahalia Barnes (Tochter von Jimmy Barnes) zeigte sich der Schlachtgarten in Krefeld von seiner besten Seite. Wo sich bei unserem letzten Besuch noch feinsteiniger Untergrund als Zuschauerfläche im Biergarten befand, war jetzt eine schöne Holzterrasse samt eines Gestells mit einer ausfahrbaren Dachkonstruktion darauf, sodass man für etwaige Regenfälle blitzschnell gewappnet ist.

Wir hatten die beiden Protagonistinnen zuvor bisher einige Male in Köln, bzw. in Düsseldorf ’nur‘ als Backgroundsängerinnen bei Joe Bonamassa erlebt (wo man ihr vokales Potential natürlich schon erkennen konnte), jetzt bot sich aber die Gelegenheit, sie auch mal hautnah an der Front begutachten zu können.

Ein großer Beweis der Hochachtung vor den Damen war, dass der Autor dieser Zeilen, einen der wichtigsten, an diesem Abend parallel stattfindenden, gesamtdeutschen Fußballklassiker zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC Erzgebirge Aue, dafür sausen ließ.

Als Opener traten aber zunächst Bywater Call auf, die schon vor wenigen Monaten mit einem Gig in der benachbarten Kulturrampe vorstellig gewesen waren und sich diesmal mit einer reduzierten Spielzeit von gut einer Stunde präsentieren konnten.

Diese erledigten sie mit Stücken wie u. a. „Bring it Back / Ties That Bind“, dem Stephen Stills-Cover „Love The One You’re With“, „Lover Down Slow“, „Forgiveness“ in bekannter Weise mit charismatischem Gesang ihrer Fronterin Meghan Parnell und diversen jammingen Passagen, die mit viel Slide von Gitarrist Dave Barnes und den beiden Bläsern Stephen Dyte und Julian Nalli in der Tradition von Acts wie der Tedeschi Trucks Band oder den Allman Brothers zum Besten gegeben wurden. Eine gelungene Einstimmung für den Auftritt der beiden Gesangsröhren MacRae und Barnes.

Recht geben muss ich Markus ‚Pille‘ Peerlings zu seinem Eingangsstatement bei der Ansage, dass eigentlich 500.000 Leute (statt tatsächlich um die 150) bei so einem Event teilhaben müssten und alle, die nicht aus wirklich vertretbaren Gründen anwesend wären, einfach nur doof sind. Ein paar der üblichen Quasselköppe waren natürlich auch wieder mal dabei, die solch eine tolle Performance in den ruhigen Momenten, leider nicht zu schätzen wussten.

Ansonsten passte aber alles. MacRae und Barnes samt ihrer starken Begleitband machten von der ersten Sekunde des Openers „Nobody But You“ an klar, dass es im folgenden Verlauf heiß zur Sache gehen würde. Beide teilten sich die Leadvocals im Groben und Ganzen recht schwesterlich, wobei Jade aufgrund ihrer etwas temperamentvolleren und emotionaleren Art, gefühlt etwas die Oberhand inne hatte.

Beide boten dann im weiteren Verlauf das ganz große Einmaleins der Gesangeskunst, sei es im Lead-, aber auch in den Harmoniegesängen. Da gibt es im Blues-, Soul- oder Funkbereich wohl kaum was Besseres am Mikro zu bieten. Die Hintergrundsektion mit Hamish Stuart und Mike Haselwood agierte routiniert, das andere Duo ‚Ben & Ben‘ alias Ben Rodgers an der Stratocaster und Ben Forrester an der Gibson ES, der uns auch vor geraumer Zeit mit der Allen- Forrester Band in der Rampe bereits sehr positiv aufgefallen ist, lieferte immer wieder punktuell filigrane E-Soli ab.

Schöne Akzente setzte auch Keyboarder Aron Ottignon, der sehr variabel agierte (E- und HT-Piano, Organ) und mit seinen Synthie-Einlagen im Stile von Steve Winwood, sporadisch die 80er Jahre dezent aufleben ließ.

Ausrufezeichen habe ich bei meinen Notizen an Songs wie „No Matter What I Do“, „How Can We Live“ oder dem Joe South-Evergreen „Games People Play“ gemacht, nett war die Geste, Bywater Call-Sängerin Meghan Parnell zum letzten Track des Hauptteils, dem gelungenen CCR-Cover „Proud Mary“, quasi als Junior-Partner, mit auf die Bühne zu holen.

Den Höhepunkt erreichte der Gig dann allerdings mit den beiden Zugaben der herrlichen Ballade „Handle With Care“ (gesungen von Jade) und dem E-Piano unterlegten Schunkler „Meltdown“ (im Parallel-Duett-Gesang beider), wo noch mal so richtig ’shaky‘ gegroovt wurde. Ein Hammerabschluss.

Unser Dank gilt Menschen wie Eva Forrester von EBF Music, Kolja Amend vom Schlachtgarten und Markus ‚Pille‘ Peerlings von der Kulturrampe, die mit ihrem unbändigen Einsatz und Optimismus es immer wieder schaffen, musikbegeisterten Leuten, diese wunderbaren Momente zu ermöglichen. 

Line-up Bywater Call:
Meghan Parnell (lead vocals, percussion)
Dave Barnes (guitar, bgv)
John Kervin (keys, percussion, bgv)
Mike Meusel (bass, bgv)
Bruce McCarthy (drums)
Stephen Dyte (trumpet, percussion, bgv)
Julian Nalli (saxophone, percussion)

Line-up Jade MacRae & Mahalia Barnes:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Mahalia Barnes (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Ben Rodgers (electric guitar, bgv)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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EBF Music
Teenage Head Music
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Kulturrampe Krefeld

Blaze Bayley & Absolva – 26.08.2022 – Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die beiden Heavy Metal-Acts Absolva und Blaze Bayley sorgten dafür, dass die Krefelder Kulturrampe schon einige Tage zuvor, endlich mal wieder eine volle Hütte vermelden konnte.

Den Auftakt machten Absolva, die, wie in der Rampe an einem Samstag üblich, pünktlich um 21:00 Uhr loslegten. Im Mittelpunkt des Auftritts stand, wie es sich eigentlich auch gehört, das aktuell neu erschienene Album „Fire In The Sky“, wobei der Titeltrack direkt das Konzert eröffnete. Mit „Burn Inside“, „Addiction“ und „What Gods Know?“ wurden direkt neue Songs nachgelegt, mit denen das Quartett die Rampe, regelrecht in einen Hexenkessel verwandelte.

Mit harten Riffs in klassischer britischer Heavy Metal-Manier zeigten die Appleton Brüder Luke und Christopher, was in der Band steckt, dabei wechselten sie sich mit Soli ab, die knallhart, auch filigran und  keltisch angehaucht eingebracht wurden. Aber auch die Rhythmussektion um Drummer Martin McKnee und den Bassisten Karl Schramm offenbarte ihre Qualität, was insbesondere daran zu erkennen war, dass sie sich in ruhigeren Passagen zurückhielten und ihre Instrumente mit dem entsprechenden Gefühl bearbeiteten.

Nach den neuen Songs griffen die Jungs ganz weit in die Anfänge der mittlerweile zehnjährige Bandgeschichte zurück und brachten krachend „Never A Good Time To Die“, den Titelsong des 2015er Albums. Mit „Legion“ von „Side By Side“ wurde sehr melodiös etwas das Tempo aus der Show genommen, um danach direkt wieder für den Rest des Konzertes das Gaspedal durchzudrücken. Im Vordergrund stand meist Christopher Appleton mit starken Gesangparts, die er zuweilen mit rollenden Augen visuell unterstützte.

Beendet wurde das etwa 60-minütige Set mit dem furiosen „From Beyond The Light“, wo insbesondere die Appleton Brüder bei einem Fullspeed-Solo, die Saiten abwechselnd von oben und unten greifend und nebeneinander stehend, für einen Eyecatcher sorgten. Mit lautstarken Applaus und weiteren Zugabeforderungen verließen Absolva dann die Bühne, die sie aber nach einer etwa 30 minütigen Pause als Begleitband von Blaze Bayley wieder betreten sollten.

Nachdem Absolva wieder parat stand, dauerte es nicht lange, bis Blaze Bayley unter lauten Applaus auf die Bretter der Rampe stieg und sich ob des Empfangs dankbar vor dem Publikum verneigte, um nach dem etwas älteren Song „10 Seconds“ das krachende „Kill & Destroy“ vom vorletzten Album „Tenth Dimension“ nachzulegen. Schon hier entwickelte sich eine geradezu frenetische Stimmung, die auch von der Band regelrecht aufgesogen wurde.

Im Mittelpunkt standen insbesondere in der ersten Hälfte des Konzertes dann Songs der beiden letzten Werke „Tenth Dimension“ und „War Within Me“. An den Ansagen, insbesondere zu den Songs wie „War Within Me“ oder „Pull Yourself Up“ wurde klar, dass er in diesem sehr persönlichen Alben, auch seine eigene Vergangenheit mit diversen Höhen und Tiefen verarbeitet hat. Er schilderte Zeiten, in denen er von anderen sehr schlecht gemacht wurde, was für ihn sehr belastend war. Dabei konstatierte er, was solche Momente wie heute für ihn bedeuten würden die späteren Erinnerungen daran, ihm helfen, mentale Tiefs zu überbrücken.

Bei „18 Flights“ gab er dann seinen Mitstreitern die Möglichkeit sich in den Vordergrund zu spielen. Überhaupt war zu sehen, dass Absolva mehr als eine normale Begleitband für Bayley ist. So zog sich Bayley öfters etwas zurück und überließ insbesondere den Appleton-Brüdern das Terrain für das eine oder andere Solo.

Nach einigen folgenden Stücken, wie „Silicon Messiah“ oder „The Man Who Would Not Die“ beendeten Bayley & Co. mit „Blood & Believe“ zunächst das Konzert und legten nach Zugabeforderungen das fast epische „A Thousand Years“ nach, das Blaze den Besuchern widmete. So fand ein denkwürdiger Abend in der Kulturrampe einen emotionalen Abschluss und nach dem Konzert mischte sich die Band und Bayley für Smalltalk unter die Fans, die noch lange in der Kneipe und im Biergarten der Rampe blieben.

Line-up:
Blaze Bayley – lead vocals
Absolva:
Christopher Appleton – lead vocals, guitar
Luke Appleton – backing vocals, guitar
Karl Schramm – bass, backing vocals
Martin McKnee – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

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Absolva
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Kulturrampe

Kris Kristofferson – Live At Gilley’s, Pasadena, TX, September 15, 1981 – CD-Review

Review: Michael Segets

Bevor Kris Kristofferson in meinen musikalischen Dunstkreis getreten ist, nahm ich ihn als Schauspieler wahr, vor allem in den Westernklassikern „Pat Garrett & Billy The Kid“ und „Heavens Gate“. Die erste von mir gekaufte Platte, auf der er mitwirkte, war „The Highwayman“ von The Highwaymen. Die Band setzte sich aus den namhaften Vertretern des Outlaw-Countrys Johnny Cash, Waylon Jennings, Willie Nelson und Kristofferson zusammen.

Beim Erscheinen des Albums 1985 schaute Kristofferson bereits auf eine fünfzehnjährige Karriere als Musiker zurück, wobei er in den 1970ern auf einer Erfolgswelle schwamm. „To The Bone“ (1981) stellte den letzten Solo-Longplayer dar, den Kristofferson vor seinem Engagement bei The Highwaymen veröffentlichte. Die dazugehörige, sich fast über ein halbes Jahr erstreckende Tour fand ihren Abschluss am 15. September 1981 im Gilley’s, einer renommierten Location in Pasadena, Texas. Der Auftritt wurde seinerzeit aufgenommen und findet jetzt das Licht der Öffentlichkeit.

Das einzige Stück auf der Setlist, das von dem damals aktuellen Album „To the Bone“ stammt, ist „Nobody Loves Anybody Anymore”. Den Song schrieb Kristofferson zusammen mit Billy Swan, der auch Mitglied der sechsköpfigen Begleitband war. In den Liner Notes erinnert sich Swan an den Abend. Ebenso sind Texte des kürzlich verstorbenen Mickey Gilley und von George Strait abgedruckt.

Von seinen frühen Hits, die teilweise von anderen Musikern erfolgreich interpretiert wurden, wie beispielsweise „Me And Bobby McGee“ von Janis Joplin, sind einige vertreten. „Loving Her Was Easier (Than Anything I’ll Ever Do Again)”, „Why Me”, „For The Good Times” oder das auch von Johnny Cash aufgenommene „Sunday Mornin’ Comin’ Down” zählen dazu. Auf seinen anderen Live-Alben ist lediglich „If It’s All The Same To You” nicht vertreten, wenn ich das richtig sehe. Aber die Fans von Kristofferson werden Spaß an dem Vergleich der nun vorliegenden Versionen mit den anderen haben, vor allem mit seinem Album in der Austin City Limits Serie „Live From Austin, TX“, dessen Aufnahme aus dem gleichen Jahr stammt und eine identische Bandbesetzung aufweist.

Bedenkt man das Alter der Aufnahme, ist der Sound ausgewogen, wobei Kristoffersons Stimme deutlich im Vordergrund steht. Er vermittelt unmittelbar die Liveatmosphäre und transportiert die Stimmung, die im Gilley‘s herrschte. Die Stücke werden gradlinig, manchmal auch ineinander übergehend gespielt und nur selten, wie vor „Casey’s Last Ride“, richtet Kristofferson Worte an das Publikum.

Kris Kristofferson präsentierte im Gilley’s eine Auswahl seiner Klassiker aus der ersten Hälfte der 1970er sowie einzelne Tracks aus der Zeit vor The Highwaymen und seiner politischen Phase. Der Mitschnitt fängt die begeisterte Stimmung des Publikums ein und dokumentiert eine Momentaufnahme in Kristoffersons Karriere. Doppelungen der Setlist mit anderen Live-Veröffentlichungen werden die Fans nicht stören. Ob nochmal neues Material des nunmehr 86jährigen Outlaws zu erwarten ist, steht in den Sternen, obwohl sich die Nachricht von seinem Tot im August glücklicherweise als geschmacklose Fälschung herausstellte.

New West Records (2022)
Stil: Outlaw Country

Tracks:
01. Me And Bobby McGee
02. Here Comes That Rainbow Again
03. Casey’s Last Ride
04. You Show Me Yours (And I’ll Show You Mine) / Stranger
05. Nobody Loves Anybody Anymore
06. Darby’s Castle
07. If It’s All The Same To You
08. The Pilgrim
09. For The Good Times
10. Sunday Mornin’ Comin’ Down
11. The Silver Tongued Devil And I
12. Smile At Me Again
13. Same Old Song
14. Loving Her Was Easier (Than Anything I’ll Ever Do Again)
15. Why Me

Kris Kristofferson
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New West Records
Oktober Promotion

Blug, Granfelt & Engelien – 18.08.2022, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Die Zusammenarbeit in Martin Engeliens GoMusic-Projekt mit Ben Granfelt und Thomas Blug, führte schon im letzten Jahr zu dem Entschluss, als  ‚Blug, Granfelt & Engelien‘ in Trioform ein eigenes Bandprojekt ins Leben zu rufen. Nun war es soweit, dass sich die Band in dieser Formation präsentierte. An den Drums wurden sie unterstützt von Tommy Fischer.

Im Konzert in Krefeld spielte die Band neben Stücken von Granfelt und Blug, auch einige Songs vom Album, das Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll. Dass diese Tracks diesmal noch instrumental vorgetragen wurden, tat der Stimmung im Publikum der knapp zur Hälfte gefüllten Kulturrampe keinen Abbruch und zeigte, dass sie gut angenommen wurden.

Stark war, wie Blug und Granfelt sich twinguitarmäßig in den Songs die Noten zuschmissen und Engelien und Fischer für den nötigen dynamischen Rhythmus sorgten und beide min einem längeren Solopart ihre Spielkunst unter Beweis stellen konnten.

Besondere Höhepunkte in einem kurzweiligen Konzert, das mit einigen gekonnten Coverstücken gewürzt wurde, waren „My House Is Green“ von Blug und „Hey Stranger“ (ich meine gehört zu haben, wie Granfelt ein paar Noten von „Miss You“ in den Song spielte) von Granfelts letztem Album sowie „Faith, Hope & Love“ und „Allmighty Blues“, die  Granfelt mal für Wishbone Ash geschrieben hatte.

Man darf gespannt sein, wie die Setlist beim nächsten Mal aussehen wird, wenn die Band das Album im Umlauf ist.

Line-up:
Thomas Blug (electric guitar)
Ben Granfelt (lead vocals, electric guitars)
Martin Engelien (bass)
Tommy Fischer (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Granfelt
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Thomas Blug
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Martin Engelien
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Kulturrampe, Krefeld

Orphan Jon And The Abandoned – Over The Pain – CD-Review

Hinter Orphan Jon And The Abandoned verbirgt sich eine Formation, bei der ihr Frontmann Jon English gute Musiker, im wechselnden Verbund, um sich versammelt. Wenn man auf das Cover der neuen Scheibe „Over The Pain“ und auf seine ganz in schwarz gekleidete Person (mit schwarzer Sonnenbrille und fettem Tattoo auf dem rechten Arm) blickt, ist man ohne Vorwissen zunächst geneigt zu meinen, dass es sich vielleicht um ein Heavy Metal-Werk handeln könnte.

Dem ist allerdings nicht so. Englisch stammt aus Bakersfield in Kalifornien (da wo auch der berühmte Sound herkommt, der die Countrymusik in Teilen mitgeprägt hat) und ist tief in der American Roots- und Blues-/Blues Rock-Musik verwurzelt. Seine Heimat schimmert aber in so manchen typisch rhythmisch groovenden Tracks wie u. a. dem Opener „Tight Dress“, „She“, „Broken Angel“ oder „Livin‘ My Life“ ganz dezent mit durch. Hier leisten Drummer Jason Blakely und Bassist Ray Sadolsky ganze Arbeit.

Englishs engagierter Gesang ist jetzt nicht der vor dem Herrn, macht ihn durch die Omnipräsenz und das überwiegende Songwriting von ihm, allerdings mit zur entscheidenden Persönlichkeit auf der Scheibe. Der heimliche Star ist jedoch der auch uns gut bekannte Musiker Alastair Greene, der hier ein regelrechtes (E-)Gitarrenfeuerwerk in allen Spielarten abliefert und ebenfalls am Songwriting stark beteiligt war.

Der gibt Stücken wie „Going Down To Mobile“ und „Redheaded Woman Blues“ ein tolles Deltablues-Flair und Sachen wie „Somewhere Salvation“, „Everyone Knows“ oder „Memories Of Me And You“ mit Slide- und konventionellen E-Gitarrenspiel, eine unverkennbare Southern Rock-Note. Die fulminanten Soli in allen drei Stücken werden Fans des Genres Tränen in die Augen treiben. Ganz großes Kino! Greene hat das Album auch produziert.

Markante Gastbeteiligungen gibt es noch von Rebecca Aguilar, die beim herrlichen Titelstück „Over The Pain“, einer wunderschöne Ballade, und dem gospelig swingenden Abschlusstrack „There’s No Need“ ihre Backgroundvocals beisteuert. Dazu kommen noch Walter Trout-Drummer Michael Leasure bei „Redheaded Woman Blues“ und Mike Malone (Ryan Bingham, Marc Ford) mit starken Keys (Tracks 3 und 12).

Fazit: Orphan Jon And The Abandoned legen mit „Over The Pain“ ein sehr kurzweiliges und abwechslungsreiches Werk vor, das sowohl in der Blues- als auch Southern Rock-Szene aus besagten Gründen ihre Anhängerschaft finden müsste. Der alles überragende Alastair Greene mit seinen famosen Gitarrenkünsten und der charismatische Fronter Jon English bilden dafür ein hervorragendes Grundgerüst.

Label: Vintage LaNell Records (2022)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Tight Dress
02. She
03. Over The Pain
04. Got No Name (For Amy Marie)
05. Broken Angel
06. Going Down To Mobile
07. Livin‘ My Life
08. Somewhere Salvation
09. Redheaded Woman Blues (Acoustic)
10. Everone Knows
11. Memories Of Me And You
12. There’s No Need

Orphan Jon And The Abandoned
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Tedeschi Trucks Band – I Am The Moon: IV. Farewell – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Seit Anfang Juni veröffentlicht die Tedeschi Trucks Band in regelmäßigen Abständen die einzelnen Episoden-Teile ihres Mammut-Projektes “I Am The Moon”. Mit dem letzten Chapter “Farewell” liegen das genreübergreifende Gesamtwerk und seine 24 Songs nun in voller Länge vor. Die Eigenproduktion, die in ihrer lyrischen Background-Handlung ein alt-persisches Liebes-Epos teilweise nachempfindet, vermittelt über die vier Alben eine außergewöhnliche Rock’n’Roll-Erfahrung.

Der unvergleichlich intensiv-warme und einfühlsame Sound setzt sich auch im “Farewell”-Opener “Last Night In The Train” beispiellos fort. Ein straight forward Song im souligen Outfit, der Susan Tedeschis starke Vocals mit unverkennbaren Arrangements der Beatles-Ära umgibt. Als Erinnerung an den verstorbenen, brillianten Keyboarder Kofi Burbridge (aus Derek Trucks Solo-Band) wird “Soul Sweet Song” zur Tribute-Hymne mit swingendem Gospel-Chorus, die auf einem Guitar-/Piano-Teppich entschwebt.

Auch der nachfolgende Track “D’Gary” ist in besonderer Weise eine Hommage an einen besonderen Musiker. Der aus Madagaskar stammende (überwiegend) Acoustic-Gitarrist D’Gary wird durch Susans klaren Gesangsstil und Dereks meisterliche Variation – versehen mit durchaus überraschend afrikanischen Einflüssen – verdientermaßen in den Fokus der Öffentlichkeit gehoben.

“Farewell” ist der kürzeste Teil (ca. 26 Minuten) der 4-fachen Werkschau und hat mit dem Mike Mattison-Song “Where Are My Friends” einen weiteren Top-Track zu bieten. Mattison, ein herausragender Sänger, Songwriter und Co-Autor, der in einer ganzen Reihe von Songs bei “I Am The Moon” mit ausdrucksvoller Blues-Stimme auftritt, gilt als Multiinstrumentalist; sein würdevoller Rückblick auf die Jahre mit der Allman Brothers Band hinterlässt in Trucks Solo-Einlagen die typischen Southern Rock Eindrücke und Sound-Spuren des unvergessenen Bandgründers Duane Allman.

Eine zärtlich-akustische “Auszeit” bringt das Duett “I Can Feel You Smiling”, das Susan und Derek gemeinsam interpretieren – eine liebevoll lyrisch-musikalische Songperle vom Feinsten! Das hoffnungsvolle “Farewell”-Abschiedslied “Another Day” kennzeichnet zum Schluß noch einmal das großartige Soundgefüge des gesamten Ensembles in einem beschwingten Lebewohl-Rhythmus, dessen übermächtige Anziehungskraft immer wieder verstärkt durch Trucks Solo-Spielweise ausgeübt wird.

Die Tedeschi Trucks Band hat mit “I Am The Moon” insgesamt eine grandiose Studioproduktion geschaffen, die ihre einmalige, musikalisch-multikulturelle Songfolge als eine epische Reise durch die Einflüsse einer alten Liebeserzählung und die Reflektion sehr unterschiedlicher Sound-Stilrichtungen versteht. Eine bandeigene Gabe hieraus Jam, Blues, Southern Soul, Gospel, Jazz und weitere Elemente zu kombinieren und eine musikalische Vision zu entwickeln, bildet die Basis des in diesem Umfang unvergleichbaren Songwritings- und Albumkonzeptes. Die Formation hat nochmal an Größe und Ausstrahlung zugelegt und gehört ohne Zweifel zu den powerful breathtaking US-Rock’n’Roll Big Bands.

Fantasy Records (2022)
Stil: Blues Rock, Southern Soul

Tracks:
01. Last Night In The Train
02. Soul Sweet Song
03. D’Gary
04. Where Are My Friends?
05. I Can Feel You Smiling
06. Another Day

Tedeschi Trucks Band
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Oktober Promotion

SOUND OF NASHVILLE feat. Lindsay Ell – Support: Kyle Daniel and Shy Carter – 23.08.2022, Helios37, Köln – Konzertbericht

Es ist tatsächlich schon wieder fast drei Jahre her, als wir das letzte Mal eine SOUND OF NASHVILLE-Veranstaltung im Helios37 in Köln besucht haben. Damals war unter dem Support von Tebey und Temecula Road, Scotty McCreery Hauptact gewesen. Es war noch Vor-Corona-Zeit, bei uns gab es einen richtigen New Country-Ruck im Lande und die Location war rappelvoll.

Die Pandemie brachte dann das noch zarte Pflänzchen wieder zum Erliegen. Gerade die mittleren und kleineren Clubs haben sich trotz der Aufhebung der Beschränkungen immer noch nicht erholt und sind weit weg von dem Zuschauer-Niveau von einst.

Das konnte man auch an diesem Abend spüren, an dem Lindsay Ell als Headliner, mit Kyle Daniel und Shy Carter im Schlepptau, Nashville-Feeling in die Domstadt zurückbringen sollte. Knapp 150 Zuschauer sorgten bei schweißtreibenden Temperaturen doch für einige Lücken im Saale.

Vor Konzertbeginn hatten wir dann das Vergnügen, im weitläufigen Backstagebereich, ein Interview mit der netten Kanadierin zu machen, das dann demnächst etwas später auch hier nachzulesen sein wird.

Den Auftakt bestritt dann der aus Kentucky stammende, mittlerweile in Nashville ansässige Kyle Daniel, den eingefleischte Southern Rock-Fans vielleicht noch als Lead Sänger der Band The Last Straw kennen werden. Den Anwesenden wird er anhand einiger getragener T-Shirts mit seinem Abbild aber vermutlich vom C2C-Festival 2020 geläufig gewesen sein.

Kyle spielte die Akustikgitarre und glänzte mit seinem vorzüglichen angerauten Gesang. Partner mit auf der Bühne war David Henriksson an der E-Gitarre, der mit seinen Slide-Künsten zu gefallen wusste.

Das Duo bot dann Songs wie u. a. „Soul On Fire“, Following The Rain“, „Everybody’s Talkin‘“ oder „Deep in The Woods“ (schön swampig) und präsentierte sich als der countryeskeste Act an diesem Abend. Eine starke Vorstellung der beiden, die nur noch von einer Rhythmussektion aus Bass und Schlagzeug mit im Hintergrund hätte getoppt werden können!

Um 20:45 Uhr betrat dann die eigentliche Überraschung des Abends zusammen mit dem Akustikgitarristen Adam Smith die Bühne. Als ich den bis dato für mich unbekannten, mit Basecap und dicker Goldkette geschmückten Shy Carter sah (dazu hatte er noch lässig ein Handtuch über der Schulter hängen), befürchtete ich zunächst nichts Gutes (irgend so etwas Hip Hop-mäßiges…), wurde aber schon nach wenigen Minuten eines Besseren belehrt.

Denn der zog mit seiner positiven Ausstrahlung und seinen melodischen Songs sofort das gesamte Publikum, das er auch immer wieder zum Singen animierte, mit in seinen Bann. Man merkte sofort, warum er oft als gern gesehener Songwriter für bekannte Interpreten wie u. a. Meghan Trainor, Jason Derulo, Charlie Puth, Faith Hill, Tim McGraw, Keith Urban, Kane Brown oder Billy Currington fungierte.

Das Publikum gab sich jedenfalls bei Tracks wie u. a. „Good Love“ (mit schönem Reggae-Touch), „Heaven“ (etatmäßig performed durch Kane Brown), „You Need To Know“, „Stuck Like Glue“, „God Whispered Your Name“ (Keith Urban) und dem stimmungsvollen „One Call Away“ (Charlie Puth) am Ende, sehr textsicher und nahm die Interaktions-Einladungen immer wieder gerne an.

Ein guter Typ, dieser Shy Carter!

Zu mittlerweile tropischen Temperaturen musste dann die sympathische Kanadierin Lindsay Ell als Alleinunterhalterin, die mittlerweile ziemlich schwitzenden und sich immer wieder Luft zu wedelnden Leute, bei Stimmung halten. Wir hatten sie ja schon zwei mal zuvor im kleineren Blue Shell begutachten können. Sie hatte wenigstens zwei Ventilatoren auf der Bühne und hielt diese dann auch zwischendurch ganz gentlelady-like mal in ihre Audienz.

Lindsay startete mit ihrer aktuellen Single „Right On Time“ in der Akustikvariante. Auch beim folgenden „Go To“ musste die Akustische für ihr filigranes Gitarrenspiel hinhalten. Für „Castle schulterte sie dann erstmalig die E-Gitarre. Vor ihrem Song „Consider This“ reflektierte sie noch mal kurz die Zeit, als sie von Randy Bachman von Bachman Turner Overdrive in Kanada entdeckt wurde.

Über u. a. „Good“, einen neuen Track („I Met You“?), „Gravity“, „The Other Side“, „Hits Me“, „Make You“ kam es bei bald schon kriminellen Luftfeuchtigkeitsverhältnissen im Helios mit „Criminal“ zum Abschluss, wobei Lindsay dann mit „I Don’t Love You“ von ihrem noch aktuellen Album „Heart Theory„, eine Zugabe auf der Akustikgitarre nachlegte. Eine gewohnt gute und engagierte Vorstellung von ihr, wobei ich mir insgeheim doch gewünscht habe, sie mal mit einer Band im Rücken zu erleben.

Trotzdem war es auf jeden Fall wieder schön, den ‚Sound of Nashville‘ nach so langer Pause hautnah miterlebt zu haben. Insgesamt ein kurzweiliger Event mit drei guten Künstlern!

Line-up Lindsay Ell:
Lindsay Ell (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)

Line-up Kyle Daniel:
Kyle Daniel (lead vocals, acoustic guitar)
David Henriksson (electric guitar, harmony vocals)

Line-up Shy Carter:
Shy Carter (lead vocals)
Adam Smith (acoustic guitar)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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SOUND OF NASHVILLE
Semmel Concerts Entertainment GmbH
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Helios37 Köln

German Kultrock Festival 2022 – 13.08.2022 – Balver Höhle – Festivalbericht

Nachdem das Festival Corona-bedingt zweimal verschoben werden musste, konnte es in diesem Jahr endlich starten und wenige Tage vor dem Tag der Veranstaltung war die letzte Karte verkauft worden. An einem heißen Augusttag versammelten sich etwa 1.500 Musikfans im beschaulichen Balve im Sauerland und schon ab der ersten Band war die Höhle, in der erträgliche Temperaturen herrschten, sehr gut gefüllt.

Pünktlich im Zeitplan betraten die Musiker von Bröselmaschine um Peter Bursch die Bühne und legten einen vom Publikum gut angenommenen Auftritt hin. In einer Mischung eigener Songs und stark interpretierten Coversongs sorgten Sie von Beginn an für eine entsprechende Stimmung. Teilweise psychedelisch angehauchte Songs mit orientalischen Einflüssen, auch durch die von Bursch eingesetzte Sitar, sorgten zuweilen für eine fast mystische Stimmung in der Höhle.

Stella Tonon stand mit ihrer ausdrucksstarken Stimme oft im Vordergrund, unter anderem beim Etta James-Klassiker „I’d Rather Go Blind“. Aber auch beim stark gespielten „Children Of The Revolution“ konnten insbesondere Gitarrist Dommers und Manni von Bohr beweisen, dass Bröselmaschine auch die härtere Gangart beherrscht. Tom Plötzer an den Keyboards untermalte die Songs mit zuweilen gewaltigen Klangteppichen und Detlef Wiederholt sorgte gekonnt für die tiefen Töne und gab mit Manni van Bohr den Rhythmus vor.

Line-up Bröselmaschine:
Peter Bursch – Gitarre, Sitar, Gesang
Michael Dommers – Gitarre
Tom Plötzer – Keyboards
Manni von Bohr – Schlagzeug
Detlef Wiederholt – Bass
Stella Tonon – Gesang

Nach einer kurzen Umbaupause, das Schlagzeug konnte stehen bleiben, da Manni von Bohr auch bei Birth Control mitspielte, machten die Musiker des deutschen Rockurgesteins weiter. In den etwa 60 zur Verfügung stehenden Minuten legten die Musiker ein krachendes, eher dem Hardrock zuzuordnenden Konzert hin.

Das Setup war dabei eine Mischung von Songs aus den 70er Jahren bis hin zum aktuellen Album, das erst vor wenigen Monaten veröffentlicht wurde. Neben von Bohr, der schon in einer Phase in den Achtziger Jahren die Drums bespielte, stand mit Sänger Peter Föller, der bei den meisten Songs auch Gitarre spielte, ein zweiter Musiker aus den Anfangsjahren der Band auf der Bühne, die in den Jahrzehnten ihres Bestehens einige Umbesetzungen erlebt hatte.

Neben Klassikern wie „The Work Is Done“ oder „Titanic“ ragte das neue „I Don’t Mind“ mit seinem groovigen Rhythmus heraus. Der Höhepunkt war dann allerdings „Gamma Ray“, in einer etwas kürzeren Version, das die Fans mit seinem Rhythmus zum begeisterndem Mitgehen animierte. Martin Ettrich nutzte hier auch die Talkbox und feuerte krachende Gitarrenriffs in die Höhle.

Föller überzeugte stimmlich sowohl bei den alten wie den neuen Songs und Bassist Hannes Vesper und Manni van Bohr sorgten nicht nur bei „Gamma Ray“ für einen krachenden Rhythmus, dass man Angst um die Statik der Höhle haben konnte. Eine großen Anteil an dem komplexen Sound hatte natürlich auch Keyboarder Sascha Kühn, der neben untermalenden Tönen auch Orgeltöne beisteuerten, die stilistisch eine Nähe zu manchen Deep Purple Songs inne hatten. Ein Klasse Auftritt der Rockdinos, die mit den neuen Songs klar stellten, dass die musikalische Reise noch nicht beendet ist.

Line-up Birth Control:
Peter Föller – Gesang, Gitarre
Martin „Ludi“ Ettrich – Gitarre, Talk Box
Sascha Kühn – Keyboards
Hannes Vesper – Bass
Manni von Bohr – Schlagzeug

Bevor Jane auftraten, richtete Guido Simm vom Veranstalter zusammen mit seiner Frau einige Worte an die Fans und holte noch Klaus Walz von Jane auf die Bühne, der schon seit Jahren Mitveranstalter ist.
Wie Birth Control hat auch Jane über die Jahre das Gesicht mehrfach verändert, spielt aber nun schon seit einigen Jahren in der jetzigen Besetzung die alten Klassiker der Band.

Traditionell starte Jane mit „All My Friends“ und zog die Fans direkt in ihren Bann. Bei den meisten Songs übernahmen Niklas Turmann und Holli Coolyard den Leadgesang oder überzeugten mit Harmoniegesängen mit den restlichen Musikern. Bei „Grown“ konnte Keyboarder Corvin Bahn beweisen, das auch er ein guter Sänger ist. Highlights waren natürlich „Fire, Water, Earth & Air“, „Fly Away“ mit jammenden Zwischenteil, in dem alle Musiker mit Soloparts überzeugen konnten und das abschließende „Hangman“, wo sich Klaus Walz und Niklas Turmann an den Gitarren ein feines Duell lieferten. Nach etwa 75 Minuten Spielzeit ließen Jane mit einem bemerkenswert spielfreudigen Auftritt begeisterte Fans zurück, die sich in der Umbaupause für The Band Of Friends stärken konnten.

Line-up Jane:
Klaus Walz – guitar, vocals
Corvin Bahn – keyboards, vocals
Niklas Turmann – guitar vocals
Achim Poret – Drums, vocals
Holli Coolyard – bass, vocals

Als vierte Band war dann die Band Of Friends an der Reihe. In etwa 75 Minuten lieferte Gerry McAvoy mit seiner Band eine Mischung von eigenen Songs und solchen, die er zusammen mit Rory Gallagher in dessen Karriere live gespielt hatte. Er war der einzige Begleitmusiker, der auf jedem Studioalbum dabei war und auch live die meisten Jahre mit von der Partie war.

Die Gitarren spielten an diesem Abend Paul Rose und Stephan Graf, der Jim Kirkpatrick ersetzte, der andere Termine hatte, diesen aber glänzend auch beim Gesang vertrat. In den folgenden 75 Minuten legte die Band eine satte Show mit einer exquisiten Setlist hin, der die Besucher regelrecht mitriss.

Mit „Messing With The Kid“ und „Shinkicker“ wurde die Höhle auf Betriebstemperatur gebracht. Bei Songs wie „Lonely Mile“ offenbarte McAvoy auch seine gesanglichen Qualitäten. Highlights waren das treibende „Moonchild“ und die letzten drei Songs des Konzerts.

Eine wunderschöne Version von „A Million Miles Away“, bei der sich Rose und Graf durch die zum Song passende filigrane Gitarrenarbeit abwechselten, war der Beginn für das Finale Furioso, bei dem es auch fürs Publikum kein Halten mehr gab. Im Intro zu „Bad Penny“ heizte McAvoy das Publikum zum lautstarken Mitgehen auf und alle Musiker hatten ihre Soloparts, wo sich McAvoy zuweilen ganz zurücknahm und vom Bühnenrand betrachtend das Publikum animierte, seine Mitstreiter anzufeuern, was dieses auch machte.

Aber er stachelte selbst die Musiker immer wieder an, die Rolle an der Front der Bühne anzunehmen, wo sie bei ihrer starken Gitarrenarbeit auch hingehörten. Hier zeigte sich, dass es sich um eine Band handelt, in der jeder auch sichtbar eine wichtige Rolle einnimmt und wenn Mastermind McAvoy diese manchmal fast dazu drängen musste. Die letzten Klänge von „Bad Penny“ waren gerade verstummt, als Graf in die Ansage Mcavoys schon die ersten markanten Töne von „Shadow Play“ einspielte und danach folgte ein regelrechtes Feuerwerk an Gitarrensoli in einer scheinbaren Endlosschleife mit immer neuen Nuancen.

Neben dem Gitarrenspiel ist aber auch die Rhythmusarbeit hervorzuheben. McAvoy und Brendan O’Neil legten ein Grundlage, die es in sich hatte und schon Rory Gallagher über Jahre die Möglichkeit gab, sich darauf auszutoben. Trotz lautstarker Zugabeforderungen war danach aus Zeitgründen Schluss und es bleibt zu hoffen, dass The Band Of Friends noch lange solch begeisternden Auftritte hinlegen werden.

Line-up Band Of Friends:
Gerry Mc Avoy – Bass & Vocals
Brendan O´Neil – Drums
Paul Rose – Guitar
Stephan Graf – Guitar, Vocals

The New Roses hatten durch den Auftritt von The Band Of Friends natürlich als abschließende Band ein dickes Brett hingelegt bekommen. Mit ihrem Rock, inspiriert von Musikern wie Led Zeppelin, Black Crowes gelang es ihnen aber gut, die Stimmung im Publikum hochzuhalten, auch wenn sich mittlerweile weit nach Mitternacht die Reihen im Publikum etwas gelichtet hatten.

Fronter Timmy Rough mit einer ausdrucksstarken Rockstimme stand dabei meist im Vordergrund und glänzte mit einigen feinen Gitarrensoli, bei denen er auch von Dizzy Presley unterstützt wurde. Mit Drummer Urban Berz und dem extrovertiert auf der Bühne wirbelnden Hardy am Bass wurde für eine Hard Rock-Rhythmusgrundlage gesorgt.

Stark war auch das Lynyrd Skynyrd-Cover „Simple Man“, das Rough alleine mit der Akustikgitarre spielte. Schön war bei dem Auftritt der Band zu sehen, dass einige jüngere Fans wegen The New Roses den Weg in die Balver Höhle gefunden hatten und die Rockmusik nicht nur den alten Damen und Herren vorbehalten ist.

Line-up The New Roses:
Timmy Rough – guitar, voices
Dizzy Presley – guitar
Hardy – Bass
Urban Berz – drums

So fand ein toller Festivaltag einen gebührenden Abschluss, der vom Veranstalter sowohl in der Höhle, wie auch auf dem Vorplatz bestens organisiert war und an dem man sich wirklich wie ein Gast fühlen konnte. In der Form kann man sich schon auf die Fortsetzung des Festivals im nächsten Jahr freuen.

Ein Besonderer Dank an Hartwig und Leo Komar von On Stage Promotion für die Akkreditierung über The Band of Friends und den Veranstalter für die Akkreditierung und den wirklich zuvorkommenden Empfang.

Bericht und Bilder: Gernot Mangold

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On Stage Promotion

Jeff Dale And The South Woodlawners – Blood Red Moon – CD-Review

Review: Jörg Schneider

„Blood Red Moon“ ist das neue Album des vom Chicagoblues geprägten Musikers Jeff Dale mit den South Woodlawners, der bereits in 2019 mit seinem Album „Blues Power“ Eingang in die Annalen von Sounds Of South gefunden hat. In seiner 40-jährigen Laufbahn stand Dale mit zahlreichen Größen des Bluesbiz gemeinsam auf der Bühne. In seiner Heimat zählt er daher schon zu den lebenden Blueslegenden.

„Blood Red Moon“ könnte man vorschnell als Bluesscheibe charakterisieren. Damit würde man aber Dales Musik nicht gerecht werden, da die Songs auf dem Album zu viele Einflüsse aus anderen Musikrichtungen enthalten (Jazz, R&B, Rock’n’Roll und ansatzweise auch Funk) und sich so zu einer eigenwilligen Melange vereinigen. Deutlich wird dies auch an den normalerweise nicht zur Standardinstrumentierung gehörenden Tenor- und Altsaxophonen, Hawaigitarre (Lap Steel Guitar), Sitar und Cello.

Der spaßige Shuffle „You Made Your Own Bed“ mit Slidegitarre und den zu den Gitarrenriffs passenden Backgroundvocals eröffnet das Album. Mit einem jazzigen Bass- und Saxophonintro beginnt „Cicero“. Zusammen mit Jeffs beschwörendem Gesang entwickelt sich der Song zu einem gefühlvollen Slowblues. Auch das ruhige und sparsam instrumentierte „Autumn Blues“, ebenfalls mit Saxophonbegleitung, ist stark vom Jazz beeinflusst.

Ähnlich auch der langsam vor sich hin groovende Titelsong „Blood Red Moon“ mit eingängiger Gitarrenhookline, Cello und stimmig beigesteuerten Refrains der Sängerin Elizabeth Hangan, deren gesanglicher Beitrag auf dem Album insgesamt nicht hoch genug bewertet werden kann. Insbesondere gilt dies auch für „Push Comes To Shove“, wo ihr Gesang einen starken Kontrast zu Dales dunkler Stimme bildet.

Bei den Boogie Woogie-Rhythmen von „She Wouldn‘t Leave Chicago“ möchte der Hörer dann aber endlich wieder die Tanzfläche stürmen, um anschließend bei dem weichen von Bläsern und einer Lap Steel Guitar getragenen Song „The Dirty Jacks“ dahin zu schmelzen und bei „That Ain’t Love“ zu Tenorsaxophon und süßen Backgroundvocals weiter zu träumen. Wenn danach „Trouble Know Where I Live“ ertönt, hat es sich allerdings wieder ausgeträumt. Der Song startet funkig-flott und geht in eine richtig gute Rock‘n‘Roll Nummer über. Schließlich endet das Album mit den sehr eingängigen R&B-Rhythmen von „Things‘ll Get Worse“.

Unter dem Strich ist „Blood Red Moon“ durch die Einflüsse zahlreicher Musikstile stilistisch mehr als eine reine Bluesscheibe. Daran haben sicherlich die smoothen Saxophonklänge, die Lap Steel-, Slideguitar- und Celloeinlagen zusammen mit den Sangeskünsten der bereits gelobten Backgroundsängerin einen nicht unerheblichen Anteil. Und letztendlich drückt Jeff Dale der Platte einen durch seinen, sagen wir mal Gesangsstil mit hohem Wiedererkennungswert, zusätzlich einen weiteren Stempel auf.

Mit „Blood Red Moon“ liefern Jeff Dale und die South Woodlawners eine erfrischend andere und neue Interpretation des Blues ab, die richtig viel Spaß macht, weil sie fest eingetretene Bluespfade verlässt und neue Hörwelten erschließt. Für Bluesfeinschmecker ist die Platte absolut empfehlenswert.

Label: Pro Sho Bidness
Stil: Blues

Tracks:
01. You Made Your Own Bed
02. Cicero
03. Blood Red Moon
04. At The Wolf’s Door
05. Autumn Blues
06. She Would’t Leave Chicago
07. The Dirty Jacks
08. That Ain’t Love
09. Trouble Know Where I Live
10. Push Comes To Shove
11. Things’ll Get Worse

Jeff Dale
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