Nikki Lane – Denim & Diamonds – CD-Review

Review: Michael Segets

Nach „Highway Queen” (2017) verspürte Nikki Lane erst mal keine Lust mehr, ein weiteres Album aufzunehmen. Stattdessen widmete sie sich Ihrem Vintage-Laden. Ganz vom Musikgeschäft sagte sie sich aber nicht los, sondern arbeitete in der Zwischenzeit mit einigen Künstlern wie Lana Del Rey und Brent Cobb zusammen. Vor zwei Jahren führte ein Telefonat zwischen ihr und Joshua Homme zu dem Plan, einen neuen Longplayer in Angriff zu nehmen. Mit Homme als Produzenten fühlte sich Lane motiviert, ihre schlummernden Ideen zu konkretisieren und in neue Songs zu gießen. Als Ergebnis finden sich auf „Denim & Diamonds“ nun zehn von Lane – teilweise in Kollaboration mit Homme, Gabe Simon und Alain Moschulski – geschriebene Stücke.

Homme stellte sein Pink Duck Studio im kalifornischen Burbank als Aufnahmeort zur Verfügung und engagierte mit Alain Johannes, Dean Fertita und Michael Shuman seine Bandkollegen der Queens of the Stone Age. Mit von der Partie sind ebenso Matt Helders (Arctic Monkeys), Carla Azar (Autolux, Jack White) und Matthew Pynn (Dwight Yoakam, Miley Cyrus). Die deutlichsten soundtechnischen Spuren hinterlässt Homme wohl auf dem Titeltrack. Insgesamt versuchte er Impulse in Richtung Rock’n Roll zu setzen.

Tatsächlich sind auf der Scheibe einige frische, gradlinige roots-rockige Nummern vertreten. Die klassischen Riffs auf „Born Tough“ sowie die beiden Singles „First High“ und „Black Widow“ sprechen da eine klare Sprache. Auch „Try Harder“ hat einen rockigen Einschlag, obwohl Lane den Song etwas langsamer anlegt. Mit seinem eingängigen Refrain geht er direkt ins Ohr und zählt ebenfalls zu den Beiträgen, bei denen die Qualität von Lanes Songwriting offenkundig ist.

Wurde Lane früher als moderne Vertreterin des Outlaw-Country gehandelt, die auch eine Affinität zum Rock hat, stehen die Verbindungen zum Country auf „Denim & Diamonds“ nicht im Vordergrund. Zwar klingen diese gelegentlich an, wie bei „Pass It Down“, aber lediglich mit „Good Enough“ hat ein reines Country-Stück den Weg auf das Album gefunden. Die countryfizierten Titel zählen ebenso wie das etwas dramatisch geratene „Chimayo“ allerdings nicht zu meinen Favoriten.

Die ruhigeren Songs sind eher dem Americana zuzuordnen. „Live/Love“ sticht durch die Mandoline heraus. Zudem punktet Lane hier erneut mit dem Refrain. Sie legt zudem mit „Faded“ eine wunderbar gefühlvolle Ballade vor. In einem Vers des Songs spricht sie davon, dass ihr Zerstörung im Blut liegt. Ob dies so ist, weiß ich natürlich nicht, aber Erwartungen und Konventionen scheinen sie wenig zu stören. Lanes Lebensweg verlief jedenfalls nicht gradlinig. Sie rieb sich an der Religion, die in ihrem Elternhaus eine Rolle spielte, verließ früh die Schule und versuchte sich als Designerin, bevor sie zur Musik fand.

Wenn man sich Lanes Portrait auf dem Cover ansieht, mit dem neckischen Hütchen, dem braven Pony auf der einen Seite und den knallroten Lippen, dem traurigen Blick der kalten blauen Augen auf der anderen Seite, dann lässt sich eine gewisse Widersprüchlichkeit nicht leugnen. Aber diese Widersprüchlichkeiten machen Menschen interessant und sind womöglich ein Antrieb dafür, Kunst zu schaffen.

In den Texten setzt sich Lane mit Widerständen in ihrer Jugend auseinander, die aber nicht nur schlecht war, wie sie sich bei „First High“ erinnert. Wer wünscht sich nicht selbst nochmal die großen Gefühle und Hoffnungen seiner Sturm-und-Drang-Zeit zurück? Wenn man dann wie Lane an Springsteen – beziehungsweise die 501 – denkt, muss sie zumindest teilweise glücklich gewesen sein.

Nikki Lane widersetzte sich dem Zwang des Musikbusiness, in kurzen Abständen Material auf den Markt zu werfen. So ließ sie sich fünf Jahre für „Denim & Diamonds“ Zeit. Das Album bietet eine ausgewogene Mischung aus starken Rocksongs, gefühlvollen Balladen und einer Prise Country. Wenn man in Lanes Fall von einem Comeback sprechen will, dann ist es gelungen.

New West Records (2022)
Stil: Rock/Americana

Tracks:
01. First High
02. Denim & Diamonds
03. Faded
04. Born Tough
05. Try Harder
06. Good Enough
07. Live/Love
08. Black Widow
09. Pass It Down
10. Chimayo

Nikki Lane
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New West Records
Oktober Promotion

Kane Brown – Different Man – CD-Review

Wenn man jemandem das Coverbild des Protagonisten in hiesigen Gefilden unter die Nase halten würde und um eine berufliche Einschätzung bitten würde, bin ich mir ganz sicher, dass Kane Brown irgendwo zwischen Hip-Hop-Musiker, Gangster-Rapper, Schauspieler oder vielleicht noch als Basketballspieler oder Leichtathletikstar (z. B. 100m-Läufer) verortet würde.

Dass dieser Bursche was mit Countrymusik zu tun hat, würden sicherlich wohl nur absolute Insider konstatieren. Brown stammt aus Georgia, ist aber größtenteils in Tennessee aufgewachsen. Nachdem er sich zunächst in der R&B-Sparte versuchte, dann aber mit einigen Countrycoversongs Erfolg hatte und auch durch erste, selbst geschriebene Lieder aufhorchen ließ, wurde er bei RCA Nashville unter Vertrag genommen.

Seither läuft es für den 28-jähreigen wie am Schnürchen. Beide bisherigen Alben landeten auf Platz 1 der Country Billboard Charts, das zweite, „Experiment“ sogar auch in den genreübergreifenden allgemeinen Charts. Mit „Different Man“ unternimmt er also den nächsten Angriff auf die Spitzenpositionen.

Das mit 17 Tracks umfangreiche Werk gibt dann auch Anlass zu hoffen, dass es Brown eventuell mal wieder gelingt, Morgen Wallens Dauerbrenner „Dangerous“ zumindest temporär die Stirn bieten zu können. Eingerahmt wird der Longplayer mit „Bury Me In Georgia“ vorn und mit „Dear Georgia“ hintern von zwei starken Bekenntnissen zu seiner Herkunft, vor allem der Opener erweist sich als furioser Southern Country Rocker à la The Cadillac Three mit furiosen E-Gitarren-Soli von Derek Wells und Dann Huff, der als Mitproduzent (dazu kommen noch Brown sowie Andrew Goldstein, Lindsay Rimes und Ilya Toshinsky) hier wieder seinen unverkennbaren Stempel aufdrückt.

Neben ihm begeistern vor allem Ilya Toshinsky (banjo 1, 4, 9, 15, 17, acoustic guitar 2–4, 7–17, ukulele 15) mit seinem ebenfalls filigranen Saitenspiel, Paul Franklin an der Steel guitar (2–4, 7, 10–12, 14–17) und Stuart Duncan sowie Lars Thorson (1, 9, 17) an der Fiddle (4, 10, 15), was erkennen lässt, dass es sich hier nicht nur um Alibi-Einlagen handelt.

Gut, nach dem Shania Twain-umwehten, launigen „Like I Love Country Music“ mit country-typischem Instrumental-Schlagabtausch-Outro, gibt es zwar auch eine Pop- beziehungsweise R&B-umwehte Phase (u. a. mit einem schönen Duett zusammen mit Ehefrau Katelyn, dazu mit Backgroundvocals von Shy Carter, der uns neulich in Köln als Support von Lindsay Ell sehr positiv aufgefallen ist), die dann aber spätestens mit dem swampigen Countryrocker „Riot“ wieder in die Spur findet.

Browns variable Stimme weiß vor allem zu gefallen, wenn sie Mark Wystrach ähnelt und Tracks wie „Leave You Alone“, „Drunk Or Dreamin'“ oder „Nothin‘ I’d Change“ diese lässig-leicht-relaxte Midland-Note vermittelt.

Die bereits oben erwähnte flockige Hommage an seinen Heimatstaat „Dear Georgia“ inklusiv verspieltem E-Gitarrensolo schließt ein umfangreiches, wie der Titel „Different Man“ es schon suggeriert, von Diversität gekennzeichnetes tolles Album ab, das keine Langeweile aufkommen lässt. Sicherlich stellt Kane Brown damit am Ende dieses Jahres eines der Top-Werke der Szene!

RCA Records Nashville (2022)
Stil: New Country

01. Bury Me In Georgia
02. Different Man
03. Like I Love Country Music
04. Go Around
05. Grand
06. See You Like I Do
07. Thank God (featuring Katelyn Brown)
08. Leave You Alone
09. Riot
10. One Mississippi
11. Drunk Or Dreamin‘
12. Losing You
13. Whiskey Sour
14. Pop’s Last Name
15. Devil Don’t Even Bother
16. Nothin‘ I’d Change
17. Dear Georgia

Kane Brown
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Sony Music

LeAnn Rimes – God’s Work – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Sechs Jahre nach ihrem regulären Album “Remnants” (2016) veröffentlicht die US-amerikanische Schauspielerin, Autorin und Singer/Songwriterin LeAnn Rimes den neuen Longplayer “God’s Work”. Die seit 1996 mit einer ganzen Reihe von Grammy- und Country Music Awards ausgezeichnete Sängerin hat nach 3-jähriger Arbeit nun ein Studiowerk vorgelegt, das von ihrer ursprünglichen Musikrichtung weit entfernt im Pop- und Crossover-Bereich angesiedelt ist.

Mit einer symphonisch arrangierten Klavierballade (“Spaceship”) eröffnet Rimes die übergreifenden Kompositionen, die für ihre stimmlichen Fähigkeiten ebenso weitreichende Assoziationen schaffen. Lyrisch tiefgehende Texte, die häufig im Vordergrund stehen, befassen sich mit der Dualität des Lebens, die in ihren Höhen und Tiefen auf der Schöpfung basiert; im Titeltrack “God’s Work” auch entsprechend durch immer wieder kraftvolle Guitar-Riffs, sowie eine vielseitige Songausgestaltung: unterstützt durch musikalische Gäste, wie den Funk & Soul Interpreten Robert Randolph, die afro-amerikanische Country-Sängerin Mickey Guyton und die bemerkenswerte Vocalistin Tata Vega.

Diese klangliche Vielfalt auf neuen Wegen beschreitet LeAnn Rimes weiterhin mit dem ansprechenden Reggae-Stück “The Only”, gemeinsam mit Ziggy Marley, der R&B-Sängerin Ledisi und Pedal Steel Gitarrist Ben Harper, sowie bei “The Wild”, einem Percussion-orientierten Dance-Floor-Song, verfeinert von Sheila E. und Mickey Guyton.

Die große Bandbreite außergewöhnlich intensiver und gleichzeitig lebendiger Titel wird jedoch bestimmt durch sehr persönliche Kompositionen, wie etwa “Awakening” oder “Innocent” oder “Imagined With Love”, die in ihrer komplexen Perfektion mit der stimmgewaltigen Interpretin verschmelzen und dies teilweise sogar A-Capella im minimal-instrumentierten “There Will Be A Better Day”.

LeAnn Rimes, die sämtliche 12 Songs von “God’s Work” zusammen mit ihrem langjährigen Arrangeur Darrell Brown geschrieben und produziert hat, gelingt mit dem neuen Album nicht nur eine musikalische Transformation gegenüber früheren Recordings, sondern das Genre-verbindende Werk vermittelt für jeden Titel einen eigenständigen Sound, eine betont unterschiedliche Klangfarbe. Die 39-jährige bemerkt hierzu, dass alle “mixing, recording and mastering works” ausschließlich von Frauen ausgeführt wurden. Weitere, ausgelassen tanzbare Tracks (“Throw My Arms Around The World” und “Something Better’s Coming”) runden die vielfältigen Aufnahmen gekonnt ab. Für das letztendlich absolut gediegene Songwriting spricht das Rap-Duett “I Do” mit Aloe Blacc zum emotionalen Abschluss des Longplayers.

Zu ihrem 25-jährigen Bühnenjubiläum hat LeAnn Rimes mit “God’s Work” ein sicher einflussreiches Crossover Album vorgelegt, dessen authentische musikalische Überzeugungskraft bereits nach den ersten Songs entsteht. Ein großartiges Studiowerk einer grandios talentierten Künstlerin, mit Chancen auf den Longplayer des Jahres.

EverLe Records (2022)
Stil: Pop, Crossover

Tracks:
01. Spaceship
02. The Only
03. Awakening
04. How Much A Heart Can Hold
05. Throw My Arm Around The World
06. The Wild
07. Innocent
08. God’s Work
09. Something Better’s Coming
10. Imagined With Love
11. There Will Be A Better Day
12. I Do

LeAnn Rimes
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Oktober Promotion

Black Stone Cherry – Support: The Georgia Thunderbolts – 12.09.2022, E-Werk, Köln – Konzertbericht

Ein Indiz dafür, dass Black Stone Cherry längst in den obersten Regionen der zeitgenössischen Rockmusik angekommen ist, war sicherlich ihre Einladung in der legendären Royal Albert Hall aufzutreten, ein Privileg, das in der Regel nur die Besten der Besten genießen dürfen.

Der Gig wurde als tolles Do-CD-BluRay-Paket festgehalten und von uns auch vor geraumer Zeit hier besprochen. Nun galt es wieder in ’normaleren‘  Sphären, ihre in Europa pandemie-bedingt um zwei Jahre verschobene Tour nachzuholen. Das Auftaktkonzert führte sie wieder ins Kölner E-Werk, wo wir das Quartett aus Kentucky 2018 schon einmal  bewundern durfte. Besonderes Bonbon für uns, statt wie damals mit einer klassischen Hard Rock Band, gab es mit den Georgia Thunderbolts diesmal lupenreinen Newcomer Southern Rock als Support. Die Band ist ebenfalls beim BSC-Label Mascot Records unter Vertrag.

Wenn ich mich daran erinnere, dass das heutige Kreativaushängeschild des Genres, Blackberry Smoke, damals bei ihrem Debüt vor 40 Zuschauern spielen mussten, bis sie sich nach und nach hier erst ihren Namen machten, durfte sich das Quintett aus Rome, Georgia, diesmal direkt über eine Zuschauermenge im vierstelligen Bereich freuen. Vor dem Gig hatten wir dazu noch die Gelegenheit, mit Leadsänger TJ Lyle ein Interview zu führen, dass dann demnächst noch nachzulesen ist.

Auch wenn Sound und Licht (Fotograf Gernot beklagte schlechte Bedingungen), wie bei Vorgruppen oft üblich, deutlich Luft nach oben hatten, machten die Jungs einen klasse Job. Die Audienz ging direkt mit rhythmischen Klatschen am Anfang des Openers „Can I Get A Witness“ mit, und so war schon nach wenigen Momenten das Eis gebrochen.

Sänger TJ Lyle, dessen Stimme mich an Johnny Van Zant zu Beginn seiner Solokarriere erinnert, hielt dann beim Singen den Mikroständer auch überwiegend in der typisch diagonalen (Ronnie) Van Zant-Pose. Die Rhythmusfraktion bestehend aus dem kraftvollen Drummer Bristol Perry und dem herrlich ludenhaft (Frisur/Brille) aussehenden Bassisten Zach Everett polterte und groovte ziemlich hart im Hintergrund, die beiden E-Gitarristen Riley Couzzourt und Logan Tolbert, von denen sich Erstgenannter als der Extrovertiertere gab, steuerten mit ihren Soli und Twin-Einlagen das southern-typische Flair bei.

In ihrem 40-minütigen Zeitfenster gaben sie dann Tracks wie u. a. das Allman-Cover „Midnight Rider“, „das schunkelige „Be Good To Yourself“, „Take It Slow“, „Spirit Of A Workin‘ Man“, „Looking For An Old Friend“ oder auch einen Track des bald kommenden neuen Albums „Livin‘ In Muddy Water“ (Lyle zeichnet sich hier auch als guter Harpspieler aus) zum Besten. Sie verabschiedeten sich unter großem Applaus der E-Werk-Audienz mit „Lend A Hand“. Ich würde sagen: Deutschland-Premiere geglückt! Da freut man sich schon jetzt auf kommende Auftritte in unseren Landen.

Line-up The Georgia Thunderbolts:
TJ Lyle (lead vocals, harp)
Riley Couzzourt (electric guitar)
Logan Tolbert (electric guitar, vocals)
Zach Everett (bass, vocals)
Bristol Perry (drums)

Nach dem starken Auftritt der Georgia Thunderbolts ließen Black Stone Cherry sofort mit „Me And Mary Jane“ keinen Zweifel daran, wer der eigentliche Herr im Hause ist, das Publikum im E-Werk ging sofort in Sachen Bewegen, Klatschen und Mitsingen mit, als wenn es kein Morgen mehr gebe.

Fronter Chris Robertson hatte gegen den im Dauermodus polternden Drummer John Fred Young und die beiden ‚Dauerläufer‘ Ben Wells an der zweiten E-Gitarre und Bassist und ‚Mähnenschüttler‘ Steve Jewell Jr., sowie den sporadischen Perkussionisten Jeff „Bongo“ Boggs, Schwerstarbeit leisten, um am Mikro und bei seinen vielen quirligen E-Soli, die für ihn berühmte Durchschlagskraft aufrecht halten zu können.

Im Prinzip trumpften sie mit der gleichen Setlist (lediglich mit Modifizierungen in der Anordnung) wie bei ihrem Londoner Paradekonzert auf, als Überraschung entpuppte sich das schon länger nicht mehr performte „Rain Wizard“. Zum Durchatmen blieb so gut wie keine Gelegenheit, gegen Ende gab es mit den ‚Hits‘ „White Trash Millionaire“, „Blame It On The Boom Boom“, „Lonely Train“ und der stimmungsvollen Zugabe „Peace Is Free“ absolut kein Halten mehr im, vom Alter her, sehr schön von Jung und Alt durchmischten Auditorium.

Insgesamt zeigte sich, dass 100-prozentiger Einsatz für Black Stone Cherry keine Frage einer besonderen Location ist. Sie geben eigentlich immer, egal wo, absolutes Vollgas. Das kommt einfach gut an und ist sicher auch eines der Geheimnisse ihres großen Erfolgs. Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion und Michael Schmitz von Mascot für die gewohnte Unterstützung.

Line-up Black Stone Cherry:
Chris Robertson (lead vocals, electric and slide guitar)
Ben Wells (electric guitar, vocals)
Steve Jewell Jr. (bass, vocals)
John Fred Young (drums, vocals)
Jeff „Bongo“ Boggs (percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Black Stone Cherry
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The Georgia Thunderbolts
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Mascot Label Group
Netinfect Promotion
E-Werk

Jimmy Hall – Ready Now – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Anfang der 1970er Jahre war die US-Southern Rock-Formation “Wet Willie” mit sieben Alben auf Capricorn Records eine bekannte Größe des Genres. Sie spielten bereits 1971 als Opener für die Allman Brothers-Tour und ihr Sänger und Harp-Player, Jimmy Hall, war schon damals ein agiler Frontmann, der auch Saxophon und Fiddle beherrschte. Der immer noch sehr fleißige, aber inzwischen 73-jährige Hall hat nun, 15 Jahre nach seinem Album “Build Your Own Fire” (2007), die Veröffentlichung seines zweiten Solo-Werks “Ready Now” angekündigt.

Produziert von Josh Smith und Joe Bonamassa, der fünf Stücke im Co-Writing, mit exzellenten Guitar-Parts beiträgt, ist der Longplayer ein Überraschungsalbum des Rhythm and Blues infizierten Rock’n’Roll geworden; Southern Soul und Gospel-Sounds inbegriffen. Die Blues-Harp-Nummer “Jumpin‘ For Joy” (mit Big Joe) eröffnet ganz im Sinne von Hall das Feuerwerk großartiger Songs, zu denen infolge “Risin‘ Up” – ebenfalls von Bonamassa geprägt – und “Girl’s Got Sugar” gehören. Der letztere, schnelle Blues-Rock-Titel und allemal ein Anspieltipp, bietet zudem im Piano/Harp dominierten Tanz-Rhythmus ein passendes Solo von Co-Produzent Josh Smith, der ohne Zweifel zu den besten Gitarristen des Genres gehört.

Jimmy Hall ist in den langen Jahren neben seinem Einsatz bei den neu gegründeten Wet Willies bis heute ein gern gesehener Gastmusiker geblieben. So war er auf Tourneen von Jeff Beck oder Hank Williams jr. dabei und recordete mit Blackberry Smoke, Cheap Trick und der Allman Betts Band. Kein Wunder also, dass außer Bonamassas Bandmitgliedern Reese Wynans (Keyboards), Michael Rhodes (Bass) und Greg Morrow (wiederholt ACM-Drummer of the Year) weitere, angesagte Gäste auf “Ready Now” mitmischen. Gov’t Mule-Mastermind Warren Haynes zeigt sein herausragendes Können auf dem tollen Titelstück und der talentierte Gitarrist Jared James Nichols spielt den sanften Solo-Teil von “Without Your Love”.

Wie zugeschnitten auf Jimmy Halls intensive und starke Vocals wirken die Ballade “A Long Goodbye”, die meisterliche Bluesnummer “Will You Still Be Here”, sowie der etwas an Eddie Hinton erinnernde Soul-Blues “Holding On For Dear Love” – alles samt Bonamassa Kompositionen. Dass nicht immer die exquisite Harp-Spielweise Halls mit dabei sein muss, zeigt der außergewöhnliche Gospel-Titel “Love For It”, wobei dieser jedoch getoppt wird vom letzten Stück des Longplayers “Eyes In The Back Of Your Head”, einem besonderen Akustik-Blues: Guitar, Harp und Jimmy Halls nach wie vor charakterstarkem Gesang, der das Album abschließend krönt.

Wie beim Producer-Duo Bonamassa/Smith nicht anders zu erwarten, ist mit Jimmy Halls neuem Album “Ready Now” wieder ein hervorragendes Studiowerk entstanden. Die ausgezeichnete Scheibe mit naturgemäß vielseitiger Mundharmonika-Besetzung entspricht Halls musikalischer Mentalität und bringt ihn auch im Spätherbst seiner Karriere noch mehr ins Rampenlicht der aktuellen Rhythm and Blues Rock-Szene.

KTBA Records (2022)
Stil: Rhythm & Blues

Tracks:
01. Jumpin‘ For Joy
02. Risin‘ Up
03. Dream Release
04. Girl’s Got Sugar feat. Josh Smith
05. Ready Now feat. Warren Haynes
06. Holding On For Dear Love
07. A Long Goodbye feat. Joe Bonamassa
08. Will You Still Be Here
09. Without Your Love feat. Jared James Nichols
10. Love For It
11. Eyes In The Back Of Your Head

Jimmy Hall
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Another Dimension

John Primer – Hard Times – CD-Review

Review: Jörg Schneider

John Primer, inzwischen 76 Lenze zählend, ist sicherlich einer der letzten echten Chicagoblueser. Aber erst 1995 gründete er seine erste eigene Band, die Real Deal Blues Band. Bis dahin spielte er in verschiedenen Gruppen und war sogar Bandleader bei Jr. Wells, Muddy Waters und Magic Slim.

Mit seinem, 13 traditionelle Chicago-Blues-Songs, umfassenden neuen Album „Hard Times“ bezieht er sich nun auf die aktuell nicht nur coronabedingten schwierigen Zeiten. Seine Songs, so sagt er, sollen dabei helfen, besser durch diese Zeiten zu kommen und Primer verbindet damit auch die Hoffnung auf Unterstützung zur Rettung des legendären Chicagoer Bluesclubs „B.L.U.E.S.“, der seit Ausbruch der Corona-Pandemie geschlossen ist.

An dieser Stelle sei auch ein großes Lob an den Fotografen Eric Kriesant gerichtet, der wunderbar nostalgisch anmutende Fotos für das Album in eben diesem Club geschaffen hat.

Aufgenommen hat John Primer sein Album zusammen mit seinen Jungs von The Real Deal Blues Band (Steve Bell – Mundharmonika, Lenny Media – Schlagzeug, Dave Forte – Bass) in den Chicagoer RaxTrax Studios unter Beteiligung einiger Gastmusiker (Rick Kreher – Rhythmusgitarre, Johnny Iguana – Piano).

Außerdem ist Primers 17-jährige Tochter Aliya mit von der Partie, sie singt den Slowblues „Tough Times“. Dafür, dass es ihre erste Studioaufnahme ist, schlägt sie sich sogar ganz ordentlich, auch wenn da stimmlich sicherlich noch Luft nach oben ist. Aber sie steht ja noch am Anfang ihrer Karriere.

„Don‘t Wait Too Long“ ist ein gemütlich groovender Shuffle und in dem traditionellen nach Deltablues riechenden Stück „Hard Times“ (ebenso teilweise in „Blues-Blues-Blues“) beweist Primer, dass er auch die Slidegitarre perfekt beherrscht. Alle übrigen Songs (bis auf die beiden ruhigen Blues-Nummern „Trying To Make You Mine“ und „Hot Meal“) kommen alle Tracks gut gelaunt, energiegeladen und fröhlich daher. Auf Tanzflächen werden Mann und Frau sich dazu gern bewegen.

John Primer hat sämtliche Titel selbst geschrieben, Coversongs gibt es also nicht. Sein sauberes Gitarrenspiel, in dem er wohltuender Weise auf Akkorde verzichtet, steht immer im Vordergrund. Aber auch Johnny Iguana erweist sich immer wieder als Meister am Piano. Seine ungezähmte Spielfreude reißt buchstäblich mit. Und auch Steve Bell weiß mit der Mundharmonika zu gefallen.

Unter dem Strich überzeugt „Hard Times“ durch überwiegend echte Old-School Chicago-Blues-Tracks aus der Blütezeit dieses Genres. Es macht einfach nur Spaß sich diese Scheibe reinzuziehen und sich dabei in vergangene Zeiten mit z. B. Paul Butterfield oder Muddy Waters entführen zu lassen.

Label: Blues House Productions
Stil: Blues

Tracks:
01. You Got What I Want
02. Don‘t Wait Too Long
03. Hard Times
04. Blues – Blues – Blues
05. I Won‘t Sweat
06. Chicago
07. Tough Times
08. All Alone
09. My Sugar Mama
10. You Mean So Much To Me
11. Trying To Make You Mine
12. Hot Meal
13. Whiskey

John Primer
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Jade MacRae – 04.09.2022 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Nachdem Jade MacRae nur einige Tage zuvor zusammen mit Mahalia Barnes im Krefelder Schlachtgarten aufgetreten war, die nun, für Auftritte mit ihrem Vater Jimmy Barnes, zusammen mit ihrem Mann die Band verlassen hatte, gab es jetzt zum ersten Mal, einen Soloauftritt von ihr mit Band auf der Bühne zu bestaunen. Leider war das Dortmunder Piano nur spärlich besucht, was für den Veranstalter natürlich aus finanzieller Sicht auf Dauer nur schwer zu stemmen ist.

Nun aber zu den positiven Aspekten des Abends. Die mit vielen Vorschusslorbeeren angekündigte, in Neuseeland gebürtige Australierin, konnte diese, von der ersten Minute des Konzertes an, bestätigen. Gestützt durch ihre Band, drückte sie den Songs durch ihre beeindruckende Stimme, ihren Stempel auf. Dabei spielte es keine Rolle, ob es eher in Richtung Soul, Blues, Funk oder Rock ging.

Neben ihrer Stimme gelang es ihr aber auch, durch ihre offene und positive Art, das Dortmunder Publikum direkt zu auf ihre Seite zu ziehen und zu begeistern, das nicht an Applaus, auch für ihre musikalischen Begleiter, sparte. Schön und interessant war, wenn sie etwas zur Entstehung oder den Beweggründen der sehr persönlichen Songs sagte. Bei Ansagen für Songs, die ihrem Vater oder ihrem zweiten Ehemann gewidmet waren, versprühte sie auch ihren charmanten Humor.

Ben Forrester offenbarte mit so manchem Solo, welch ausgezeichneter Gitarrist er ist. In der groovigen ersten Zugabe „Meltdown“ mit Honkytonk-Einschlag brachte er noch einen gewisses Southerenflair herein. Aber auch Aaron Ottignon gab den Tracks an den Keyboards mit einigen Soli seine eigene Note.

Wichtige Grundlage, für den bestens abgemischten und abgestimmten vollen Sound, waren die eher im Hintergrund agierenden Hamish Stuart an den Drums und Bassist Mike Haselwood, die sich aber in einem Solo zumindest sporadisch profilieren konnten.

Zum Ende des Konzertes dankte Jade noch einmal den Anwesenden für die gute Stimmung und auch dem Piano, dass sie in dieser schönen Location auftreten durfte und gerne wiederkommt. Dass sie dabei die Zuschauer bat, dass dann jeder bitte zumindest einen Freund mitbringt, wird mit Sicherheit auch dem Piano gefallen.

Direkt nach dem Ende nahmen sich insbesondere Jade MacRae und Ben Forrester alle Zeit am Merchandisingstand, um diesen beeindruckenden Konzertabend rund ausklingen zu lassen.

Line-up:
Jade MacRae (lead vocals, bgv, percussion)
Ben Forrester (electric guitar)
Aron Ottignon (keys, bgv)
Mike Haselwood (bass, bgv)
Hamish Stuart (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Jade MacRae
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EBF Music
Musiktheater Piano Dortmund
3dog-Entertainment

Gunner & Smith – Hear You In My Head – CD-Review

Review: Michael Segets

An dem dunklen Vorgänger „Byzantium” (2019) schieden sich die Geister. Mich zog der satte Sound mit mehreren Klangschichten in seinen Bann und manche Stücke entwickelten nach wiederholtem Hören eine fast schon hypnotisierende Wirkung. „Hear You In My Head“ erscheint bei den ersten Durchläufen tendenziell eingängiger, ohne an Tiefe einzubüßen. Gunner & Smith bleiben ihrem Dark Country Rock treu. Der Wiedererkennungswert ist durch den Bariton von Bandleader Geoff Smith sowieso gegeben.

Die Produktion übernahm erneut Andrija Tokic und die Aufnahme erfolgte wieder analog. Allerdings wechselten die Kanadier den Aufnahmeort. Innerhalb von sechs Tagen nahmen Gunner & Smith unterstützt von einigen Session-Musikern das Album im Bombshelter Studio in Nashville auf. Geoff Smith spielte die Tracks zusammen mit Dave Raccine (Schlagzeug), Jack Lawerence (Bass), John James Tourville (Gitarre, Dobro, Pedal Steel, Geige) und Peter Keys (Mellotron, Orgel, Klavier) ein.

Die Texte kennzeichnet ein hohes Maß an Selbstreflexivität, wobei sich vielleicht etwas mehr Zuversicht in sie hineinmischt als zuvor. Verzweiflung wandelt sich in Zweifel, dennoch wohnt den Lyrics weiterhin eine gewisse Schwere inne. „Townes“ mag dafür als ein typisches und besonders gelungenes Beispiel angeführt werden. Orgel und tiefe Gitarren sorgen auch bei anderen Balladen („Turn Myself In“, „City On A Hill“, „Cat“) für einen breiten Klangteppich. Mit sehr stimmungsvollen weiblichen Harmonien ist „He Once Was A Good Man“. Song und Text haben etwas von einem Spiritual, wobei die expressiven Gitarren für einen solchen ungewöhnlich sind.

Beinahe leicht wirken die vorab ausgekoppelten „Something More To Give“ und „Find Your Own Way“. Vor allem das erstgenannte Stück weist einen eingängigen Refrain auf und Geoff variiert seinen ansonsten eher sonoren Gesang, der für ihn typisch ist. Die überwiegend getragenen Beiträge auf dem Album werden von den beiden kurzen „Gold“ und „Little Gracie“ unterbrochen. Mit seinem rockigen Einstieg zählt „Little Gracie“ zu meinen Favoriten auf dem Longplayer. Getoppt wird es noch von dem treibenden Titeltrack. „Hear You In My Head“ entwickelt trotz seiner Gleichförmigkeit eine enorme Energie.

Gunner & Smith setzen mit „Hear You In My Head“ den eingeschlagenen Weg fort. In die dunkle Atmosphäre des Albums schleichen sich etwas zuversichtlichere Töne ein und die schwere und wuchtige Begleitung des unverwechselbaren Gesangs von Geoff Smith wird bei einzelnen Songs zurückgenommen, sodass das Album insgesamt abwechslungsreicher und eingängiger erscheint als das vorangegangene. Mit ihrem eigenwilligen Sound polarisiert die kanadische Band. Mir gefällt er.

Label: DevilDuck Records/Indigo (2022)
Stil: Dark Country Rock

Tracks:
01. Hear You In My Head
02. Turn Myself In
03. Townes
04. Something More To Give
05. City On A Hill
06. Little Gracie
07. Gold
08. He Once Was A Good Man
09. Cat
10. Find Your Own Way

Gunner & Smith
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DevilDuck

Lauren Anderson – Burn It All Down – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Nach ihrem von der Kritik gefeierten Vorgängeralbum „Love On The Rocks“ bringt Lauren Anderson nun am 9. September ihre dritte, wiederum selbst produzierte, Scheibe „Burn It All Down“ in die Läden. Und auch diesmal ist prominente Unterstützung in Form von Albert Castiglia und John Salaway (hat mit Peter Frampton, Zach Williams, The Zombies und vielen anderen gespielt) mit an Bord.

Während „Love On The Rocks“ noch fast ausschließlich auf ruhige und nachdenkliche Töne gesetzt hat, geht ihre neue Scheibe wesentlich härter zur Sache und dürfte daher vor allem die Freunde eines eher rockig orientierten Blues ansprechen, obwohl ihre musikalische Bandbreite auf dieser Scheibe auch schöne Bluesnummern mit leichtem Americanaeinfluss („I Know“ und „Still Here“) und sogar einen fast radiotauglichen, leichtfüßigen Midtempo-Popsong („Never Too Late“) beinhaltet.

Zunächst aber beginnt die Scheibe mit dem Titelsong „Burn It Down“ ziemlich wild, ein rockiger Sound mit einem Pianogehämmer, das den Song schweißtreibend förmlich nach vorne peitscht. Und das hart rockende „Soul Is Mine“ mit Anderson‘s megaphonartigem Gesang erinnert stilistisch an längst vergangene Led Zeppelin-Zeiten. Ganz anders hingegen, aber nicht weniger fetzig, kommt der Boogie-Woogie „Zombie Blues“ mit Albert Castaglia als Gastgitarrist daher. Mit den nachfolgenden Tracks geht es dann etwas weniger rockig, aber immer noch flott, zu. Den Auftakt dazu macht der melodiöse und zum Tanzen einladende Americana-Shuffle „Lose My Head“, gefolgt von dem Midtempo-Blues „Tell Me Baby“.

Bevor sich Lauren Anderson auf ihrer neuen Scheibe schließlich mit dem bereits erwähnten, bittersüßen „Still Here“, der Bluesballade „Fool“ und dem traurigen Slowblues „Rain Down On Me“ dem reinen Blues zuwendet, ist John Salaway als weiterer Gastgitarrist in dem harten Chicagorocker (starke Basslinie!) zu hören. Mit dem kräftig stampfenden und von sägenden Gitarrenriffs begleiteten „Like A Woman“ endet das Album schließlich.

Mit „Burn It All Down“ hat Lauren Anderson ein energiegeladenes, rockiges (und abwechslungsreiches) Album herausgebracht, welches stilistisch komplett anders ist als das ruhigere Vorgängeralbum „Love On The Rocks“. Aber wie sagt sie selbst so treffend: „Willst Du ein neues Haus bauen, musst Du das alte vorher abrennen.“ Die einzige Konstante dabei ist nur ihre, mitunter leicht rau klingende und mitunter an Joplin erinnernde, kräftige Altstimme, die den Songs eine besondere Note und Tiefe verleiht.

Label: Independent
Stil: Blues, Americana

Tracks:
01. Burn It All Down
02. Soul Is Mine
03. Zombie Blues
04. Lose My Head
05. Tell Me Baby
06. I Know
07. Never Too Late
08. Hit The Spot
09. Still Here
10. Fool
11. Rain Down On Me
12. Like A Woman

Lauren Anderson
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Charley Crockett – The Man From Waco – CD-Review

Review: Michael Segets

Seit 2015 bringt Charley Crockett quasi jährlich ein neues Album mit Eigenkompositionen heraus und findet daneben noch Zeit, unter seinem alter ego „Lil‘ G. L.“ Coverprojekte umzusetzen. Auf seinem nunmehr elften Longplayer „The Man From Waco“ gewinnt Crockett seinem Sound eine neue Dimension ab. Er revolutioniert zwar nicht seinen Stil, aber die Scheibe klingt deutlich erdiger als die vorherigen. Crockett fährt Twang und Honky Tonk zurück und auch Slide und Steel Pedal kommen merklich reduzierter zum Einsatz. Dennoch bleibt unverkennbar, auf wessen Konto „The Man From Waco“ geht, wofür Crocketts außergewöhnlicher Gesang Garant ist.

Crockett, der seine Musik als Gulf And Western bezeichnet, orientiert sich diesmal weniger am klassischen Country, auch wenn einzelne Stücke wie „Name On A Billboard” an diesen anknüpfen. Zwar schöpft Crockett gelegentlich aus den Vollen, was Twang und Slide betrifft („Just Like Honey”), doch die Country-Nummern „Cowboy Candy“, „All The Way From Atlanta“ und „July Jackson“ sind wesentlich geerdeter. Besonders gelungen ist „Black Sedan“, dem Crockett, begleitet von Klavier, Percussion und Gitarren unterschiedlicher Klangfarben, eine interessante Soundvariation abgewinnt.

Die Stücke bewegen sich wie sonst auch zumeist im unteren bis mittleren Tempobereich, unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Das semi-akustisch gehaltene „Time Of The Cottonwood Trees” sowie das etwas voller begleitete „Odessa” sind zwei ruhige, jedoch starke Songs. Besonders atmosphärisch ist „Horse Thief Mesa” durch die Background-Vocals. Schön staubig wirkt der Titeltrack, der mit seinen Trompeten in das Grenzgebiet zu Mexiko versetzt, so wie auch die Landschaft auf dem Albumcover nahelegt. Musik und Story könnten einem Westernfilm entstammen. Auf der Neueinspielung von „Trinity River“, das bereits auf „Stolen Jewel“ (2015) zu finden ist, und der Single „I’m Just A Clown” unterstützen die Bläser den Soul, den Crockett in die beiden Stücke legt.

Die gesamte Band spielte die Tracks quasi live im Studio mit nur wenigen Overdubs ein. Crockett entschied sich dazu, sie nicht weiter zu mastern – im Rückblick ein weiser Entschluss, der auch von dem Produzenten Bruce Robison getragen wurde. Stellten sich bei der hohen Veröffentlichungsdichte und den doch häufig ähnlichen Arrangements in letzter Zeit leichte Ermüdungserscheinungen ein, entwickelt das neue Werk einen rauen Charme, der sich von den vorherigen abhebt. Die Songs wurden zum Teil von Crockett alleine geschrieben, zum Teil in Kollaboration mit anderen Musikern. Einzelne Einschübe bei „Tom Turkey” sind Bob Dylans „Billy 4” von dem Soundtrack „Pat Garrett & Billy The Kid” entnommen.

Charley Crockett präsentiert seine Eigenkompositionen in einem ungewohnt ungeschliffenen und erdigen Arrangement. Der modifizierte Sound bringt die Qualität der Songs unverstellt zur Geltung, sodass „The Man From Waco“ um Längen abwechslungsreicher erscheint als Crocketts letzte Longplayer. Das neue Album stellt eine Zäsur in seiner beachtlichen Veröffentlichungsliste dar, daher darf man auf das nächste Werk gespannt sein, das sicherlich nicht lange auf sich warten lässt. Vielleicht bietet sich vorher die Gelegenheit, Crockett live zu sehen. Bislang sind zwei Konzerte im November mit den Spielorten Köln und Berlin angekündigt.

Son Of Davy – Thirty Tigers (2022)
Stil: Country, Soul

Tracks:
01. The Man From Waco Theme
02. Cowboy Candy
03. Time Of The Cottonwood Trees
04. Just Like Honey
05. I’m Just A Clown
06. Black Sedan
07. The Man From Waco
08. Trinity River
09. Tom Turkey
10. Odessa
11. All The Way From Atlanta
12. Horse Thief Mesa
13. July Jackson
14. The Man From Waco Theme
15. Name On A Billboard

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