The Steepwater Band – 25.08.2017, Blue Notez, Dortmund – Konzertbilder

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Die erfahrene Band aus Chicago präsentierte ihr aktuelles Album „Shake Your Faith“ mit Stücken wie unter anderem „Mama Got To Ramble“, „I Will Never Know“, „Be As It May“, „Last Second Chance“ & Co. und konnte auch mit stark gespielten Coverversionen wie „Sugar Mama“, You Don’t Love Me“ oder „Cortez The Killer“ überzeugen.

Line-up:
Jeff Massey (lead vocals, guitar)
Eric Saylors (lead guitar, lap steel guitar, vocals)
Tod Bowers (bass)
Joe Winters (drums)

Bilder und Eindrücke: Peter Schepers

The Steepwater Band
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Blue Notez Dortmund

Robert Jon & The Wreck, 24.08.2017, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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High Noon fürs SoS! Unsere Freunde Robert Jon & The Wreck kehrten zum dritten Mal in die Kulturrampe ein, was natürlich ausverkaufte Hütte bedeutete. Schon beim letztjährigen Auftritt wusste der Fünfer um Leader Jon Burrison mit einer fantastischen Vorstellung zu überzeugen, sodass die spannende Frage war, ob es da überhaupt noch ein gewisses Steigerungspotential gab.

Aber rollen wir das Feld von vorne auf. KR-Chef Pille Peerlings musste zurück zur Basis und Dienst an der Kasse schieben, während es Urgestein Mario Scholten diesmal vorbehalten blieb, die kalifornische Band anzusagen. Mario läutete den Gig mit der Bitte um ein Ständchen für Keyboarder Steve Maggiora ein, denn der hatte an diesem Tag Geburtstag, der das Publikum natürlich lauthals nachkam.

Dann ging es mit altbekannten Stücken wie „Good Lovin‘“ (klasse Maggioras ‚unterkühlte‘ Keyboard-Klänge), „The Devil Is Your Only Friend“ und „Blame It On The Whiskey“ direkt in die Vollen, wobei der Faible der Jungs für die Allman Brothers klar zum Ausdruck kam, was nicht nur bei Kristopher Butchers, an Duane Allmans angelehntes Slidespiel, zu erkennen war. Butcher hatte im Vergleich zum Vorjahr gewichtsmäßig ordentlich abgenommen und wirkte jetzt fast wie ein Strich in der Landschaft.

Die Burschen aus Orange County hatten aber auch ein neues 8-Stücke-Kurzwerk mit dabei (Besprechung folgt demnächst), aus dem dann allesamt starke Songs wie „Old Friend“, „Let It Go“, „I Know It’s Wrong“ oder „High Time“ erstmals präsentiert wurden. Also auch in kreativer Hinsicht, lassen die Burschen nicht locker. Highlight vor der Pause, die mit dem ebenfalls neuen „I Got My Eyes On You“ eingeläutet wurde, war sicherlich die sensationelle Version von „Cold Night“ von der „Good Life Pie“-Scheibe, bei der Kristopher Butcher sich mit gleich drei Solo-Passagen (am Ende mit kleinem „Jessica“-Intermezzo) in einen regelrechten Rausch spielte.

Nach dem Break wurde erstmal kräftig in Allman-Tradition gejammt. „Tightrope“ ist da der passende Song aus ihrem eigenen Fundus, an diesem Abend fast 20 Minuten lang. Hier hatte dann auch die Rhythmusfraktion, bestehend aud Dave Pelusi und dem spindeldürren, aber wie ein Kraftprotz trommelnder Andrew Espantman (überragend wieder sein agil wirbelndes Drumming) Gelegenheit zu ausgiebigem Solieren. Espantman wurde dann auch zurecht mit heftigen Klatschrhythmen der Anwesenden gefeiert.

Das schöne „Mary Anne“, der launige Schunkler „Old Friend“ (da schwang selbst Burrison das Tanzbein auf der Bühne) und das stoneske „Rollin‘“ (Maggiora mit klimperndem HT-Piano, Publikums-Einbindung beim Refrain) standen für Teil 2 dieses wahrlich grandiosen Gigs. Der lauthals ‚erzwungenen‘ Zugabe wurde mit einer regelrecht krachenden Version von „Gypsy Love“ (Butcher mit quirilgem Wah-Wah-Spiel) nachgekommen. Fettes Psychedelic-Rock-Feeling der 70er Jahre in der Rampe.

Ich glaube, sowohl alle Leute, die eigentlich durchgehend begeistert mitgegangen waren, als auch die anwesenden SoS-Kollegen Mangold und Segets, waren sich einig, mit Robert Jon & The Wreck das bisherige, und kaum zu toppende Konzert-Highlight des Jahres in der Kulturrampe gesehen und gehört zu haben.

Ach ja, da war doch noch die Frage nach dem Steigerungspotential. Uns gefiel, dass die Burschen, anders als bei den vorherigen Auftritten, wo sie sich doch mehr introvertiert gaben und um rein spielerische Klasse bemüht waren, diesmal den Austausch mit dem Publikum suchten. Gut, Jon redet immer noch nicht wie ein Wasserfall vor den Liedern, aber ihm und seinen Kumpels war der Spaß sichtlich anzumerken (es wurde viel gelächelt und auch zum Mitsingen und Klatschen animiert) was sich natürlich auf die tolle Atmosphäre bestens auswirkte. Somit war es ein nahezu perfekter Abend, der Robert Jon & The Wreck zum ganz heißen Kandidaten in unserem Magazin für den Titel ‚Konzert des Jahres‘ avancierte.

Kurz-Fazit: Großartiger, dynamischer Southern Rock in proppenvoller Rampe, die am Ende einem Hexenkessel glich. Ganz starker Live-Tobak!

Line-up:
Robert Jon Burrison (lead vocals, electric guitar)
Kristopher Butcher (electric guitar, vocals)
Dave Pelusi (bass, vocals)
Andrew Espantman (drums)
Steve Maggiora (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Robert Jon & The Wreck
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Teenage Head Music
Kulturrampe Krefeld

Various Artists – The Music Of Nashville – Season 5, Volume 3 – CD-Review

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Ich hatte die beiden bereits reviewten „The Music Of Nashville“-Sampler der 5. Staffel (5/1, 5/2), ehrlich gesagt, schon innerlich abgehakt, da liegt doch tatsächlich zu meiner eigenen Überraschung noch eine dritte Ausgabe im Briefkasten. Wieder 17 satte Songs, natürlich performt von den etatmäßigen Protagonisten der Serie, Charles Esten, Claire Bowen, Sam Palladino, Lennon & Maisy, Hayden Panettiere & Co.

Der Strippenzieher in Sachen Produktion ist demnach auch wieder Tim Lauer, der, wie auch bei den beiden anderen CDs, für ein ausgewogenes, abwechslungsreiches musikalisches Country & More-Stimmungsbild gesorgt hat. Für die instrumentelle Umsetzung sorgten wieder die bekannten Musiker der Studioszene Nashvilles.

Beginn und Ende sind diesmal von Charles Esten vereinnahmt, wobei der Opener „Good Rain Or Jesus“ für mich sofort das Highlight des Werkes abgibt. Ein herrlich Southern Rock-umwehter Track mit typischer E-Gitarre sowie dezent gospeligem Touch bei den Harmoniegesängen. Stark! Am Ende haut er noch eine dahinschwofende Retro-Schnulze fast im Stile von Elvis Presley heraus.

Dazwischen werden dann wieder viele Musikstile von Pop bis Bluegrass mit Country vermischt, wobei das launig vor sich hin tickende “Clockwork“ (Lennon & Maisy), die stark von Hayden Panettiere besungene Ballade „On My Way“, das atmosphärische „Without You“ (wieder Charles Esten) und das von Jonathan Jackson gelenkte, beatleske „No One Cares About Your Dreams“ weitere markante Etappenziele bilden.

Auffällig ist natürlich auch wieder Rhiannon Giddens, die mit der zünftigen Bluegrass-Uptemponummer „Going Down The Road Feeling Bad“ und der piano-trächtigen Southern Ballade „Count On Me“ (auch mit dezenter Gospelnote) ihre Duftnote hinterlässt.

Die Nashville-Profis um Tim Lauer werden vermutlich bei der Songzusammenstellung für die drei Exemplare schon im Vorfeld ein festgezurrtes Konzept gehabt haben, so dass es kaum verwunderlich erscheint, dass auch Sampler 3 den beiden Vorgängern absolut auf Augenhöhe begegnet.

Big Machine Records (2017)
Stil: New Country & More

01. Good Rain Or Jesus [feat. Charles Esten]
02. As The Crow Flies [feat. Clare Bowen & Sam Palladio]
03. Clockwork [feat. Lennon & Maisy]
04. On My Way (Choir Version) [feat. Hayden Panettiere]
05. Going Down The Road Feeling Bad (Electric Version) [feat. Rhiannon Giddens]
06. Rose And Thorn [feat. Jonathan Jackson]
07. Stand Up [feat. Chris Carmack]
08. Love Until It Hurts [feat. Lennon & Maisy]
09. Without You [feat. Charles Esten]
10. Water Rising [feat. Hayden Panettiere]
11. Beautiful Dream (Ballad Version) [feat. Lennon Stella]
12. In The End [feat. Sam Palladio]
13. Little Darlin‘ [feat. Clare Bowen & Chris Carmack]
14. Count On Me [feat. Rhiannon Giddens]
15. No One Cares About Your Dreams [feat. Jonathan Jackson]
16. Forever [feat. Clare Bowen]
17. Dreaming My Dreams With You [feat. Charles Esten]

CMT
Big Machine Records
Universal Music

Steve Azar & The Kings Men – Down At The Liquor Store – CD-Review

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Das letzte musikalische Lebenszeichen von Steve Azar war der, von ihm, für die alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2015 in Vail, komponierte Song „Fly“, den er dann auch bei der Eröffnungsfeier zusammen mit Andreas Gabalier  performte.

Nach knapp sechs-jähriger Abstinenz, was Alben betrifft (sein letztes war das tolle „Delta Soul, Vol. 1“), hat die Wartezeit nun ein Ende. Der in Greenville, Mississippi, geborene und aufgewachsene Tausendsassa (Filmusikschreiber, Festivalveranstalter, Labelinhaber, Sportler, Koch, engagierter Spendensammler für karitative Zwecke, was ihm zu Ehren in den Staaten Mississippi und South Dakota, seitens höchster politischer Kreise, mit einem Steve Azar-Tag gewürdigt wurde) präsentiert mit „Down At The Liquor Store“  sein nun mehr 6. Studio-Werk.

Dafür hat er sich mit einer neuen Begleitband The Kings Men umgeben, die mit Leuten wie u. a.  Ray Neal, Regi Richards, Walter King, Jason Young, Herman Jackson, und David Briggs, Musiker beherbergt, die schon für Legenden wie B.B. King und Elvis Presley tätig gewesen sind.

Steve Azar, dessen Tour mit Bob Seger 2007 vom Polistar Magazine zur Nr. 1-Tour in Amerika gekürt wurde und dessen ‚The Mighty Mississippi Music Festival‘ in der dritten Ausgabe von ‚1,000 Places in the United States and Canada to See Before You Die‘ gewürdigt wird, hat sich schon seit langem von seinem durchaus auch erfolgreichen Nashville-Major-Label-Intermezzo Anfang des Jahrtausends (mit der tollen Scheibe „Waitin‘ On Joe“) gelöst und hat sich seitdem eher einer entspannt groovenden, wahnsinnig starken Mischung aus Blues, (Southern) Soul, Roots und Country verschrieben, die auf diesem Lonplayer wieder nahezu meisterhaft repräsentiert wird.

Diese Scheibe „Down At The Liquor Store“ lädt geradezu ein, sich in einem Sprituosen-Geschäft mit ein paar Flaschen Wein einzudecken und diesen 13 unaufgeregten, relaxten, so wunderbar instrumentierten  und wohlig besungenen Liedern wie u. a. dem melodisch southern bluesigen Opener „Rena Lara“, ‚Mörder‘-Balladen wie „Tender And Tough“, „Over It All“ sowie „These Crossroads“ (mit grandiosem Sax-Solo), dem funkig groovenden „Wake Me From The Dead“ (Doobie Brothers-Flair) oder dem autobiografischen „Greenville“ in gemütlichem Ambiente beizuwohnen.

Tolle Gitarren (das bluesige E-Spiel von Ray Neal in Anlehung an die großen Kings, aber auch eines Toy Caldwells), das Memphis-trächtige Gepluster der Bläser-Fraktion und die Tasten-Einlagen von Keyboard-Institution David Briggs jagen einem förmlich einen Schauer nach dem anderen den Rücken runter und bilden einen fantastischen Counterpart zu Steves Wohlfühlgesang.

Fazit: Steve Azar ist nach sechs Jahren mit dem überragenden  „Down At The Liquor Store“ auf der musikalischen Bühne in eigener Sache zurück. Seine überwiegend selbst geschriebenen (z. T. mit ein paar wenigen Co-Writern wie Ryan Mitchell Burgess, James House und Johnny Douglas) Kompositionen bieten eine perfekt harmonierende Symbiose aus Blues, Soul, Country und Roots-Einflüssen. Das Werk kommt in einem geschmackvoll gestalteten DigiPak mit Steckbooklet, das alle Texte und Backgroundinfos zum Album beinhaltet. Ein absolutes ‚Must Have‘ in 2017!

Ride Records (2017)
Stil: Blues, Soul, Country & More

01. Rena Lara
02. Start to Wanderin‘ My Way
03. Tender And Tough
04. Wake Me From The Dead
05. Down At The Liquor Store
06. She Just Rolls With Me
07. I Don’t Mind (Most of the Time)
08. Chance I’ll Take
09. Over It All
10. Road Isn’t There Anymore
11. These Crossroads
12. Ode to Sonny Boy
13. Greenville

Steve Azar
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Bärchen Records

Walter Trout – We’re All In This Together – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit über 50 Jahren steht der mittlerweile 66-jährige Walter Trout nun auf den Brettern, die die Welt bedeuten und spielte in dieser Zeit u. a. in den Bands von John Lee Hooker, John Mayall und bei Canned Heat. Als Virtuose auf der Bluesgitarre hat er seine Fans unter älteren wie jüngeren Blues-Afficinados. Nach seiner schweren Lebererkrankung mit anschließender Lebertransplantation in 2014 verarbeitete er seine beinahe tödlich verlaufende Erkrankung auf den beiden eher etwas düsteren Alben „The Blues Came Calling“ (2014) und „The Battle Scares“ (2015). Nun legt er nach seinem 2016’er Album „Live In Amsterdam“ mit „We’re All In This Together“ wieder eine Scheibe vor, die förmlich vor Spiel- und Lebensfreude strotzt.

Und wieder hat er für dieses Album, genau wie für sein 2006’er Projekt „Full Circle“ zahlreiche namhafte Gastmusiker unterschiedlicher Bluesspielarten um sich geschart. Die Liste liest sich wie das „Who is Who“ der Bluesmusik: dabei sind Veteranen wie John Mayall, Charlie Musselwhite und Edgar Winter aber auch „jüngere“ Talente wie z. B. Mike Zito, Joe Bonamassa und Trouts Sohn Jon und viele, viele mehr.

Für jeden seiner 14 Gastmusiker hat Walter Trout einen Song sozusagen passend auf den Leib geschrieben. Dank moderner Technik wurden die Titel allerdings nicht gemeinsam im Studio eingespielt, sondern jeweils separat aufgenommen und im Nachhinein mit Trouts Band bestehend aus Sammy Avila, Johnny Griparic und Mike Leasure im Studio zusammengefügt. Lediglich Joe Bonamassa lies es sich nicht nehmen für die Aufnahmen bei Walter Trout im Studio höchstpersönlich aufzukreuzen.

Opener ist der flotte, rhythmisch stampfende Blues-Shuffle „Gonna Hurt Like Hell“ mit dem noch relativ jungen US-Blues-Talent Kenny Wayne Sheperd, einem Song über im weitesten Sinn Genuss und Reue, über weite Strecken getragen von einem schönem Gitarrenwechselspiel zwischen Trout und Shepherd. Der für seine ungewöhnliche Slide-Grifftechnik bekannte Sonny Landreth, dessen musikalische Wurzeln im Jazz und Rhythm and Blues des Mississippi Deltas liegen, ist Gastmusiker auf dem nächsten Song des Albums: „Ain’t Going Back“ kommt herrlich groovend und gute Laune verbreitend daher.

Zu Charlie Musselwhite muss man an sich nicht viel sagen. Er ist ein Meister auf der Bluesharmonika und zeigt dies auch im folgenden Stück „The Other Side Of The Pillow“, einem etwas schwermütigen Stück, bei dem sein Mundharmonikaspiel die Verzweiflung, die aus Trouts Stimme und seiner Gitarre schreit, perfekt unterstreicht.

„She Listens To The Blackbird Sing“ mit Mike Zito (Mitbegründer der „Royal Southern Brotherhood“) an der Gitarre ist wiederum recht melodiös und vom Stil her irgendwo zwischen den späten Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd angesiedelt. Für das folgende, im Stil des viel zu früh verstorbenen Freddie King gehaltene Gitarreninstrumentals „Mr. Davis“ hat Walter Trout niemand geringeres als als den Jazz-Blues-Fusion-Gitarristen Robben Ford, mit dem er auch zusammen bei „The Supersonic Blues Machine“ spielt, verpflichtet.

Auch der im nächsten Song „The Sky Is Crying“ kraftvoll performende Warren Haynes ist ein musikalisches Schwergewicht, ist er doch langjähriges Mitglied der „Allman Brothers Band“. Ganz anders das nächste Stück „Somebody Goin’ Down“, im Gegensatz zu den bisherigen Songs des Albums ist es ein im funkiges, aber auch recht heavy angelegtes, von Eric Gales interpretiertes, Stück. Eher melodiös und mit schönen Bläsersätzen arrangiert bietet „She Steals My Heart Away“ dem Texaner Edgar Winter den nötigen Rahmen seine Saxofonkünste unter Beweis zu stellen.

„Crash And Burn“ wiederum ist ein typischer Chigaco-Blues mit Joe Louis Walker an der Stromgitarre. Mundharmonika getragen und ebenfalls aus der Ecke des Chicago-Blues stammend, ist der folgende Track „Too Much To Carry“ mit dem mehrfach für den ‚Blues Music Award’ nominierten John Németh. „Do You Still See Me At All“ ist eine feine, melodiös komponierte, von Vater Walter Trout und Sohn Jon gespielte Bluesperle.

Härter, aber durchaus tanzbar, geht‘s dann wieder mit Randy Bachman (ehemals „Guess Who“ und „Bachmann-Turner-Overdrive“) auf „Got Nothin‘ Left“ zur Sache. Mein persönliches Highlight, wenn man von Highlight auf diesem Album überhaupt sprechen kann, alle Songs sind auf ihre Art grandios, ist das ruhige, unplugged dargebotene Delta-Blues Stück „Blues For Jimmy T.“ mit John Mayall an der Mundharmonika. Einfach klasse. Bei dem letzten Titel des Albums, der gleichzeitig auch der Titelsong ist und stilistisch an „Electric Mud“ von Muddy Waters erinnert, hat Joe Bonamassa tatkräftig in die Saiten gegriffen.

Fazit: „We’re All In This Together“ ist ein abwechslungsreiches Blues-Album, welches in keiner Sammlung fehlen sollte. Zu etwas besonderem wird es natürlich auch dadurch, dass Walter Trout hier zu seiner alten Energie und Lebensfreude zurückgefunden hat. Wie sagte er doch in einem Interview u. a. zu diesem Album: „Ich will mich wieder in dieses spannende Leben stürzen, es bei den Eiern packen und nicht wieder loslassen.“ Und genau das kommt auf dieser Scheibe rüber. Well done, Walter!

Line-Up:
Walter Trout – Vocals, Guitar
Sammy Avila – Keyboards
Johnny Griparic – Bass
Mike Leasure – Drums

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Blues Rock

01. Gonna Hurt Like Hell (feat. Kenny Wayne Shepherd)
02. Ain’t Goin‘ Back (feat. Sonny Landreth)
03. The Other Side Of The Pillow (feat. Charlie Musselwhite)
04. She Listens To The Blackbird Sing (feat. Mike Zito)
05. Mr. Davis (feat. Robben Ford)
06. The Sky Is Crying (feat. Warren Haynes)
07. Somebody Goin‘ Down (feat. Eric Gales)
08. She Steals My Heart Away (feat. Edgar Winter)
09. Crash And Burn (feat. Joe Louis Walker)
10. Too Much To Carry (feat. John Nemeth)
11. Do You Still See Me At All (feat. Jon Trout)
12. Got Nothin‘ Left (feat. Randy Bachman)
13. Blues For Jimmy T. (feat. John Mayall)
14. We’re All In This Together (feat. Joe Bonamassa)

Walter Trout
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Alex Williams – Better Than Myself – CD-Review

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Klasse Debüt des aus Indiana stammenden Alex Williams. In Zeiten, wo die traditionelle, handgemachte, selbstkreierte Countrymusik, auch bei jüngerer Klientel, wieder so etwas wie eine Renaissance erfährt, sind natürlich auch die großen Major-Labels wachsamen Auges unterwegs und zur Stelle, nicht erst seit dem unglaublichen Erfolg eines Chris Stapletons.

Big Machine Records, ein Label, das so ungefähr alle Facetten von Country bis New Country, seien sie zum Teil auch noch so gegensätzlich, unter seinem Hut versammelt hat, hat die Gunst der Stunde genutzt und sich mit Alex Williams einen höchst talentierten, jungen Burschen geangelt, der sich einen Kehricht um die heutigen Notwendigkeiten zu scheren scheint, mit denen Kollegen wie Taylor Swift, Thomas Rhett oder Georgia Florida Line in den Charts abräumen.

Im Gegenteil! Er hält die Fahne des Country mit Outlaw-Ingredienzien in der Tradition berühmter Vertreter der Marke Waylon Jennings, Merle Haggard, Kris Kristofferson, Willie Nelson & Co. stolz in den Wind und harrt der Dinge, die da eventuell auf ihn zukommen könnten. Produziert hat sein ausnahmslos, mit einigen Co-Writern, eigens geschriebenes Werk, Julian Raymond (Cheap Trick, Glen Campbell, Jennifer Nettles, Albert Lee, Fleetwood Mac), der ihm mit Leuten wie u.a. Dan Dugmore, Tom Bukovac, JT Corenflos, Mickey Raphael oder Matt Rollings erfahrene Hochkaräter als Musiker an die Seite gestellt hat.

Von der ersten Minute des eröffnenden Titelstücks bis zu den letzten Akkorden von „The Last Cross“ erhält man durch und durch traditionell instrumentierten Outlaw Country, wobei man angesichts seiner sonoren, Story-tellenden Bariton-Stimme fast verleitet wird, zu glauben, es mit einem alten Haudegen zu tun zu haben.

Klare Akustikgitarren, knarzende Bariton-E-Gitarren der beiden o. a. Saitenartisten, Dugmores unverkennbares, omnipräsentes Steelguitar-Spiel, Rollings‘ Piano-, und Orgel-Variationen, sowie Raphaels sporadisches Harp-Gepluster sorgen für den passenden, exzellent gespielten Rahmen zu jeder Tempolage der einzelnen Tracks, die meist mit einer kurzen Spielerei beendet werden und gleichzeitig als Übergang zum nächsten Song dienen.

Gast übrigens bei „Little Too Stoned“ ist Mike Eli (Eli Young Band) mit tollem Slide-Solo und Harmoniegesängen. Das überwiegend von einer Akustikgitarre dominierte Titelstück strotzt vor Selbsterkenntnis („the songs are better than myself“), das folgende „Hellbent Hallelujah“ ist so ein launiger Honky Tonk-„Schunkler“ (herrlich typische E-Gitarren- und Pianofills, Steel- und E-Gitarren-Solo-Kombi), den man in eine Endlosschleife ausweiten könnte.

Das grandiose „More Than Survival“, bei dem die Gitarristen sliden und herrlich schwer in die Saiten greifen, ergänzt durch noch ein wenig Piano-Geklimper in Billy Powell-Manier, wird selbst hart gesottene Southern Rocker beeindrucken. Kräftig auch das bluesrockige „Strange Days“ (unterschwelliges „After Midnight“-Flair). Das Ende mit „Few Short Miles (Bobby’s Song)“ und „Last Cross“ wird dann voller Country-typischem Pathos und Melancholie im Erzähl-Stil zelebriert.

Das Erstwerk von Alex Williams, „Better Than Myself“, ist ein wunderbarer Beweis dafür, wie toll traditionelle Countrymusik klingen kann, wenn passenden Akteuren, zur richtigen Zeit, das adäquate Umfeld geboten wird. Big Machine Records könnte mit Williams jetzt das Pendant zu Chris Stapleton gefunden haben. Darüber hinaus ist das aber auch bester Stoff für Liebhaber von Interpreten wie Aaron Lewis, Sturgill Simpson, Cody Jinks, JP Harris & Co. Toll! Ein Einstand nach Maß!

Big Machine Records (2017)
Stil: Country

01. Better Than Myself
02. Hellbent Hallelujah
03. More Than Survival
04. Freak Flag
05. Week Without A Drink
06. Little Too Stoned
07. Old Tattoo
08. Strange Days
09. Pay No Mind
10. Can’t Get Enough Of You
11. Few Short Miles (Bobby’s Song)
12. Last Cross

Alex Williams
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Bärchen Records

Jonny Lang – Signs – CD-Review

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Review: Michael Segets

Es gibt wohl kaum einen Text über Jonny Lang, in dem nicht darauf verwiesen wird, dass er als Blues-Wunderknabe mit fünfzehn Jahren seine ersten Erfolge feierte. Dies war Mitte der 1990er. Seitdem arbeitete er mit einigen Blues- und Rockgrößen zusammen, wie B. B. King, den Rolling Stones, Aerosmith oder Buddy Guy. Nun legt er nach einer vierjährigen Pause mit „Signs“ sein achtes Album vor und präsentiert sich als gereifter Gitarrenvirtuose, der dem Blues einen neuen Anstrich geben will. Dabei finden Elemente aus Funk und Rock ihren Platz. Die Texte kreisen und die Themen Selbstfindung und Selbstbestimmung.

Das vorab ausgekoppelte „Make It Move“ kommt als stampfender und groovender Blues daher. Lang holt bei den hohen Intermezzos alles aus seiner Stimme heraus und setzt so einen Kontrapunkt zu dem tiefen, mehrstimmigen Background im Chorus. Meinem Favoriten der Scheibe folgen mit „Snakes“ und „Last Man Standing“ zwei gelungene, schnelle Rockstücke. Vor allem der letztgenannte Song lässt es mit dem treibenden Schlagzeug richtig krachen. Das dem Longplayer namengebende „Signs“ bietet Bluesrock mit guter Gitarrenarbeit, aber der gepresste, hoch gesungene Refrain ist zunächst gewöhnungsbedürftig, entwickelt aber bei mehrmaligem Hören durchaus einen Reiz.

Die nächsten Stücke unternehmen Ausflüge in die Grenzbereiche des Bluesrock und überschreiten sie. Bei „What You’re Made Of“ integriert Jonny Lang Funk-Elemente. Während der Refrain eingängig ist, überzeugt das Stück mit seinen Breaks und Langs Ausflügen in stimmliche Höhen nicht in Gänze. Mit dem hypnotischen Anfang, dem Einsatz von Halleffekten und dem bombastischen Refrain knüpft die zweite Vorabauskopplung „Bitter End“ an die Rockhymnen der 1980er Jahre an. Locker und schon beinahe poppig erscheint hingegen „Stronger Together“, das sommerliche Gefühle aufkommen lässt.

Jonny Lang liefert anschließend mit „Into The Light” einen kraftvollen Rocksong ab, der ein Highlight in der zweiten Hälfte des Longplayers darstellt. Im reduzierten „Bring Me Back Home“ ist ein sehr gefühlvolles Gitarrensolo hervorzuheben. Auch in „Wisdom“ ist die Gitarrenarbeit hervorragend. Der emotionsgeladene Bluessong wäre ein würdiger Abschluss des Albums gewesen, denn das pathetische „Singing Songs“ stellt für mich den schwächsten Track dar.

Nach starkem Anfang kann Jonny Langs neues Werk weitgehend – aber nicht vollständig – überzeugen. Dass er ein außerordentlicher Gitarrist ist, steht dabei nicht in Frage. Manche Gesangspassagen sind hingegen Geschmackssache. Bei den Songs wird ein Bluesrock-Purist wohl eine Auswahl treffen. Dennoch bietet das Album einige Perlen, die es zu entdecken gilt.

Provogue – Mascot Label Group – (2017)
Stil: Blues Rock

01. Make It Move
02. Snakes
03. Last Man Standing
04. Signs
05. What You’re Made Of
06. Bitter End
07. Stronger Together
08. Into The Light
09. Bring Me Back Home
10. Wisdom
11. Singing Songs

Jonny Lang
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J.P. Harris & The Tough Choices – Support: Miss Tess – 17.08.2017, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Hatte sich Kulturrampen-Macher Markus ‚Pille‘ Peerlings vor gut einem Jahr noch zurecht über das überschaubare Publikum anlässlich des Konzerts von JP Harris & The Tough Choices dezent echauffiert, durfte er sich diesmal über eine sehr gut gefüllte Rampe freuen. Die starke Leistung der Nashville-Band um ihren Leader aus Montgomery, Alabama, hatte vermutlich etliche damalige Besucher erneut angelockt und auch die anderen tollen Konzerte in diesem Sektor der letzten Zeit, in Verbindung mit Mundpropaganda (und unserer tollen Berichterstattung, ähm…), dürften noch ihr Übriges dazu getan haben.

Als Support hatte Harris die junge, von New York nach Nashville übergesiedelte Country-Chanteuse Miss Tess im Schlepptau, die samt ihres Mitspielers Thomas Bryan Eaton zunächst ihre eigene Musik präsentierte und anschließend dann, zusammen mit ihm, auch zum Line-up von Harris dazu stieß.

Beide, ausgerüstet mit den Telecaster E-Gitarren, die später von JP Harris und Mark Sloan geschultert wurden (Eaton mit vielen starken Soli), legten den Fokus auf eine gelungene Mischung von Tracks aus Tess‘ aktuellem Album „Baby We All Know“ (u. a. „Ride That Train“, „Little Lola“ mit schönem CCR-Flair, das flotte „Take You, Break You, Shake You“), einem Willie Dixon Cover („I Just Wanna Make Love To You“), einem Stück aus Eatons eigenem Fundus, das er auch selbst sang (Tess Harmonies), sowie einem brandaktuellen neuen Song namens „The Moon Is An Ashtray“.

Schön, dass gegen Ende noch Jon Whitlock an den Drums mit dazukam (Tess jetzt am Bass), so dass man auch ein wenig ihre Musik im ‚Vollversion‘-Ambiente vermittelt bekam. Ein gelungener sympathischer Auftakt!

Line-up:
Miss Tess (lead vocals, electric guitar, bass, vocals)
Thomas Bryan Eaton (electric guitar, pedal steel, vocals)
Jon Whitlock (guest drums)

Nach kurzer Pause, ein Umbau war im Prinzip gar nicht nötig, schritt JP Harris zur Sache, wie oben angeführt, im Vergleich zum Vorjahr mit Miss Tess am Bass und Tom Bryan Eaton an der Pedal Steel, in leicht modifizierter Besetzung.
Da er noch kein neues Album am Start hatte, ähnelte das Programm im Groben und Ganzen mit kleinen Ausnahmen, der letztjährigen Darbietung. Tracks wie u. a. „California Turnarounds“ (Opener), „Badly Bent“, „Two For The Road“,  „South Oklahoma“, „I’ll Keep Calling“ oder „Home Is Where The Hurt Is“ traten aus dem Unterbewusstsein wieder hervor.

JP Harris verkörperte den erzählenden, oft witzelnden Fronter, Mark Sloan und Eaton ließen ihr filigranes Können an der Leadgitarre und Pedal Steel mit unzähligen quirligen Bariton-, bzw. weinenden, wimmernden und leiernden Soli reichhaltig aufblitzen. Besonders zu erwähnen vielleicht das starke Duett von JP mit Tess Reitz bei „Better Move It On Home“.

Harris outete seine Empathien für diverse, hier z. T. nicht so bekannte Countrymusiker wie Red Simpson („Happy Go Lucky Truck Driver“), Micky Newberry („Why Have You Been Gone So Long“), Jerry Reed (das bei uns durch die Version der Outlaws bestens geläufige „Free Born Man“ in einer fulminanten Darbietung), Terry Allen („Amarillo Highway“), aber auch für Altstars wie Waylon Jennings („Lonesome On’ry And Mean“) und Dave Dudley mit einigen Covernummern. Mit der einzigen Zugabe „Six Days On The Road“ von letzgenanntem Dave Dudley verabschiedeten sich Harris & Co nach intensiven, abwechslungsreichen und kurweiligen 20 Stücken von der begeisterten Audienz.

Somit hatten JP Harris & The Tough Choices am Ende einem die Wahl nicht schwer gemacht. Der Besuch hatte sich erneut absolut gelohnt. Eine tolle Werbung für mit viel Herz, Drive und Humor gespielten Live-Country, die in der Kulturrampe bestens angenommen wurde.

Line-up:
JP Harris (lead vocals, electric guitar)
Mark Sloan (electric guitar, vocals)
Miss Tess (bass, vocals)
Jon Whitlock (drums)
Thomas Bryan Eaton (pedal steel)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Kulturrampe Krefeld

The Cadillac Three – Legacy – CD-Review

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The Cadillac Three ist auch so eine Band, die ich mittlerweile fest in mein Herz eingeschlossen habe. Ich habe sie zweimal live in Köln gesehen, u. a. als Support von Eric Church in der Live Music Hall, dazu als Headliner im Luxor, einmal dort interviewt, ihr zweites  Album „Bury Me In My Boots“ besprochen (das Debüt besitze ich natürlich auch), das dritte „Legacy“ steht hiermit nun im Fokus.

Was mir an ihnen gefällt, ist, dass sie trotz ihres Status (sie sind immerhin bei einem Major-Label unter Vertrag) und Erfolges in den Staaten, eine gewisse Natürlichkeit bewahrt haben. Ihr Kopf, Jaren Johnston, ist dazu noch einer der gefragtesten Songwriter in Nashville und hat z. B. das Solo-Album von Aerosmith-Superstar Steven Tyler mitproduziert. Da könnte man sich durchaus was drauf einbilden, aber von Arroganz bei ihm keine Spur.

Johnston (lead vocals, guitars, bgv) und seine Mitstreiter Kelby Ray Caldwell (lap steel) und Neil Mason (drums), sind einfach drei wilde Jungs geblieben, die das machen, was in ihrem/meinem damaligen Alter Spaß macht. Sich mit Musik beschäftigen, Reisen, etc. und manchmal dazu auch etwas Trinken…

Mittlerweile haben sie jetzt ihr drittes Werk fertiggestellt und werden auch im kommenden Winter wieder bei uns zugegen sein. Mit „Legacy“ wurde ihr erfolgreich praktizierter Stil verfeinert und ihre Position in der – in Nashville mittlerweile recht gut angenommenen – mehr Rock/Southern Rock-orientierten Sparte des New Country, weiter gestärkt, vermutlich sogar ausgebaut.

Die CD wurde komplett selbst produziert und auch eigens eingespielt. Die Stücke wurden in Eigenregie (Jaren und Neil) mit einigen wenigen Co-Writern komponiert (u. a. Jonathan Singleton, Angelo Petraglia), wobei die involvierte, für hohe Qualität bürgende Singer/Song-Schreiberin Lori McKenna beim standesgemäß introvertiert sowie melancholisch wirkenden „Love Me Like Liquor“ lediglich als Harmoniesängerin einmal zur Hilfe genommen wurde.

Vom schön swampy und poltrig daher riffenden Opener „Cadillacin'“ bis zum finalen recht ruhig und countryesk gehaltenen Titelsong als Abschluss, erkennt man bei jedem Track, warum Jaren Johnston so gerne auch  bei den ganz großen Interpreten der Nashville-Zunft als Songlieferant auserkoren wird. Er kann mit geflügelten Worten jonglieren wie kaum ein anderer und sämtliche Lieder enthalten Refrains, die sich dank ihres unwahrscheinlich hohen Wiedererkennungswertes sofort ins Gedächtnis bohren. Sowas nimmt gefangen und lässt sich demnach auch bestens verkaufen.

Das Gute daran:  Hier gilt nicht ein Qualitätseinbußen in Kauf nehmendes Gießkannenprinzip, sondern ein auf Können und musikalischem Niveau basierender Erfolgsplan. Lieder auf launigeren Seite wie „Tennessee“, „Dang If We Didn’t“, das hymnische „American Slang“, „Demolition Man“ und Songs im ruhigeren Ambiente der Marke „Hank & Jesus“, „Ain’t That Country“ oder „Take Me To The Bottom“ prägen sich spätestens beim zweiten Hördurchgang ein und wissen durchgehend zu gefallen, wie auch so einige stark gespielte E-Gitarren-Soli.

Mit „Legacy“ haben The Cadillac Three“ ein kurzweiliges Album hingelegt, dass den Spagat zwischen Authentizität und Kommerzialität hervorragend meistert. Wir freuen uns auf eine ausgiebige Live-Präsentation der aktuellen Stücke beim Wiedersehen im November, wo die Band erneut im Kölner Luxor ihre Visitenkarte abgeben wird.

Big Machine Records (2016)
Stil: Country Rock

01. Cadillacin‘
02. Tennessee
03. Hank & Jesus
04. Dand If We Didn’t
05. Ain’t That Country
06. American Slang
07. Take Me To The Bottom
08. Long Hair Don’t Care
09. Love Me Like Liquor (feat. Lori McKenna)
10. Demolition Man
11. Legacy

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Universal Music

Elles Bailey – Wildfire – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die aus Bristol stammende Elles Bailey zeigt auf ihrem Debütalbum eine große musikalische Bandbreite, die vom Blues über Country bis zum Rock reicht. In den letzten beiden Jahren veröffentlichte sie bereits zwei EPs: „Who Am I To Me“ und „The Elberton Sessions“, auf denen sechs Stücke vertreten sind, die zumeist in leicht veränderten Versionen, den Weg auf das Album gefunden haben. Dass sie nun ihren ersten Longplayer „Wildfire“ vorlegt, ist wohl glücklichen Umständen geschuldet. Eigentlich wollte Elles auf einer Familienreise durch den Süden der USA lediglich einen Demo-Song in den Blackbird Studios, Nashville, aufnehmen.

Schnell gewann sie den Produzenten Brad Nowell und eine beeindruckende Zahl an Musikern für sich, mit denen sie den Grundstein für die zwölf Songs der CD legte. Brent Mason und Chris Leuzinger (Garth Brooks) spielen Gitarre, Bobby Wood Klavier. Am Bass fand sich Mike Brignardello (Lynyrd Skynyrd, Amy Grant), am Schlagzeug Wes Little (Stevie Wonder, Melissa Etheridge) ein. Zurück in England sorgten Jonny Henderson (Robyn Ford, Matt Schofield) an der Hammond Orgel und Joe Wilkins mit seiner Gitarre für den letzten Schliff. Wenn man die kräftige und an den richtigen Stellen rauchige Stimme von Elles Bailey hört, versteht man sofort, warum es ihr nicht schwerfiel, Mitstreiter für ihr Projekt zu begeistern.

Der Titeltrack „Wildfire“ baut mit einem Gitarren-Intro langsam Spannung auf. Wenn Ellis wuchtige Stimme zusammen mit der Rhythmus-Section einsetzt, steigert sich die Intensität, um dann nach einem kreischenden Gitarrensolo richtig loszulegen. Das als Single ausgekoppelte „Same Flame“ überzeugt mit dem kraftvoll gesungenen und eingängigem Refrain als gradlinig gespielte Rocknummer.

Nach dem rockigen Einstieg wird das Album etwas ruhiger. Das spannungsgeladene „What If I“ thematisiert getroffene Entscheidungen und das, was hätte sein können, wenn man anders gehandelt hätte. „Barrel Of Your Gun“ lässt sich als Blues bezeichnen, der durch den Slide im Gitarrenspiel einen Country-Einschlag bekommt. Dieser wird bei „Perfect Storm“ noch deutlicher. Hier zeigt sich, dass Nashville ihre zweite Heimat sein könnte.
In der Mitte des Albums wird mit „Let Me Hear You Scream“ zum richtigen Zeitpunkt nochmal ein kraftvoller Akzent gesetzt. Das Songwriting und die Performance erinnern an die frühe Melissa Etheridge.

Aus dem schrillen und poppigen „Shake It Off“ von Taylor Swift macht Elles Bailey eine entspannte Blues-Nummer. Die Eigenständigkeit der Interpretation lässt das Original kaum mehr erkennen, was durchaus für deren Qualität spricht. Dass Elles Bailey auch locker drauflos rocken kann, beweist sie beim anschließenden „Shakles Of Love“. Der Midtempo-Blues „Believed In You“ lebt von ihrer außerordentlichen Stimme und einem kurzem, aber gelungenen Gitarrensolo. Der stampfende Rhythmus von „Howlin´ Wolf“ nimmt einen direkt mit und der Refrain lädt zum Mitheulen ein.

Die beiden gefühlvollen Balladen „Girl Who Owned The Blues“ und das akustisch gehaltene „Time’s A Healer“ bilden den Abschluss des Albums. Auf ihrem Longplayer „Wildfire“ verdeutlicht Elles Bailey, dass sie nicht nur stimmlich, sondern auch hinsichtlich ihres Songwriting einiges zu bieten hat. Sie bewegt sich souverän zwischen Blues, Rock und Country, wobei vor allem die Nummern einprägsam sind, in den sie den kratzigen und raueren Tönen freien Lauf lässt. Das Album macht neugierig auf ihre Tour, die sie im kommenden Frühjahr auch nach Deutschland führt.

Outlaw Music – (2017)
Stil: Blues/Rock/Country

01. Wildfire
02. Same Flame
03. What If I
04. Barrel Of Your Gun
05. Perfect Storm
06. Let Me Hear You Scream
07. Shake It Off
08. Shakles Of Love
09. Believed In You
10. Howlin‘ Wolf
11. Girl Who Owned The Blues
12. Time’s A Healer (Bonus track)

Elles Bailey
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