Catfish – Burning Bridges – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Die noch junge britische Bluesrocktruppe hat seit ihrer Gründung das mittlerweile dritte Album vorgelegt. Bereits die ersten beiden Scheiben „So Many Roads“ (2015) und „Broken Man“ (2017) erreichten auf Anhieb internationale Anerkennung. Letzteres wurde gar von der Independant Blues Broadcasters Association zum Album des Jahres 2017 gewählt.

Catfish, das sind der 24-jährige Frontmann und Gitarrist Matt Long, sein Vater Paul Long an den Keyboards, Adam Pyke am Tieftöner und Kevin Yates an den Drums. Den Gesang steuern Vater und Sohn gleichermaßen bei, wobei Matt Longs Bassstimme und Pauls tenorartige Stimmlage einen markanten Kontrast bilden. Tolle Unterstützung im Background gibt dazu es von Alice Armstrong.

Apropos Musikstil: Catfish präsentiert sich auf dem neuen Album absolut nicht als reinrassige Blues- oder Bluesrockband, weshalb mir auch eine Klassifizierung der Scheibe als Blues oder Blues Rock schwerfällt. Vielmehr verarbeiten die vier Musiker auch Einflüsse aus dem Metal-Bereich, besonders deutlich zu hören auf „The Root Of All Evil“ und „Under The Gun“.

Aber auch der Opener „Up In Flames“, der sich zu einer immer bedrohlicher werdenden Soundkulisse entwickelt, geht tendenziell in diese Richtung und fegt den Zuhörer mit seinem gewaltigen Bombastsound hinweg.

Regelrecht melödiös sind allerdings die einfühlsame Bluesballade „Ghosts“ und das sehr, sehr schöne „One More Chance“, auf dem nur die beiden Longs mit Piano und Gesang zu hören sind. Für mich der beste Track auf dem gesamten Album.

Die bluesige Seite der Band kommt kommt am ehesten auf „Soulbreaker“ mit A-Capella-Intro und Rootsanleihen sowie dem triefenden Slowblues „Archangel“ oder dem gewaltigen „Too Far To Fall“ zum Ausdruck. Elemente des Blues Rock blitzen in „Break Me Down“ und „The Big Picture“ auf.

Insgesamt hinterlässt das komplette Album den Zuhörer aber wohl eher in einer düstern und schweren Gemütslage. Zum wilden Abfeiern ist es daher aus Sicht des Rezensenten nicht geeignet und vom Genuss des Silberlings bei depressiver Verstimmung wird daher dringend abgeraten (smiley). Daran kann auch der letzte, leicht spacig-epische, aber auch basslastige, 10 Minuten-Song „Exile“ als Finale wenig ändern.

Die British Blues Rock-Award-Gewinner-Band Catfish beschreitet auf ihrem neuen Werk „Burning Bridges“, nicht alltägliche Pfade für dieses Gefilde. An den schweren Düstersound muss man sich allerdings zunächst gewöhnen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues Rock And More

01. Up In Smoke
02. Break Me Down
03. Ghosts
04. The Root Of All Evil
05. Soulbreaker
06. Too Far To Fall
07. Archangel
08. The Big Picture
09. Under The Gun
10. One More Chance
11. Exile

Catfish
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Doyle Bramhall II, 01.06.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

DB_Haupt

Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang stiegen die Temperaturen im Ruhrgebiet auf entsprechende Werte. Trotz des guten Wetters und der Konkurrenz durch das Champions League-Finale, füllte sich das Piano ab 20:00 Uhr merklich, dass die Besucher den Liveclub zu etwa zwei Drittel füllten.

Um 20:30 Uhr betrat Bramhall, im Gegensatz zum letzten Konzert in Dortmund, wo er mit einer 5-Mann Band auftrat, diesmal in klassischer Dreierbesetzung auf. Im Publikum sah man auch das eine oder andere Eric Clapton-Shirt, auch als Hinweis auf die Qualität Bramhalls, der ja in verschiedensten Bands als Musiker mitwirkte, unter anderem auch bei Roger Waters und besagtem Mr. Slowhand, zu dessen Band er auch nach dem Dortmunder Konzert hinzustoßen wird, um ihn auf der anstehenden Europatour zu unterstützen.

Entsprechend groß waren auch die Erwartungen der Fans. Soviel schon einmal vorweg genommen, sie sollten nicht enttäuscht werden. Doyle Bramhall II mit dunkler Jeans, schwarzem T-Shirt, Hut mit breiter Krempe und Federn und einer Sonnenbrille bekleidet, seine Mitstreiter im Look der 60er bis 80er Jahre, sollten in der Show den Anwesenden stilgerecht zeigen, dass Musik, die ihre Wurzeln in dieser Zeit hatte, etwas aufgepeppt, immer noch attraktiv sein kann.

Mit „Problem Child“ vom Album „Welcome“ wurde das Publikum willkommen geheißen. Schon hier zeigte sich, dass Bramhall und seine zwei Mitstreiter auch in kleiner Besetzung einen voluminösen Sound auf die Bretter des schmucken Piano zaubern können. Man konnte der Band hier schon die Spielfreude anmerken. Die stressige Anreise mit Staus und Soundscheck, der noch andauerte, als sich die Pforten des Piano schon geöffnet hatten und die Besucher noch in der Kneipe verweilen mussten, ehe der Saal etwas verspätet dann geöffnet wurde, schien wie weggeflogen.

Mit der southern-umhauchten Ballade „So You Want It To Rain“ zeigte Bramhall bereits seine Extraklasse an der halbakustischen Gibson, später an verschiedenen Fender-Modellen. Auch Adam Minkoff am Bass, feste Größe als Bramhall-Mitstreiter und Chris St.Hilaire an den Drums, konnten schon hier die Anwesenden begeistern. Bramhall überzeugte hier, aber auch in vielen anderen Songs, nicht durch Saitenhexerei, wo manche Gitarristen versuchen Geschwindigkeitsrekorde im Saitenanschlag aufzustellen, sondern durch ausgefeilte Spieltechnik und absolut gefühlvolles, auf den Punkt gebrachtes Spiel.

Dies zeichnete auch die beiden Begleiter aus, wo das Schlagzeug nicht als Trommelbude zweckentfremdet wurde, sondern St. Hilaire seine Drumsticks mit Bedacht einsetzte, um in schnelleren Phasen, auch eine große Dynamik zu entwickeln. Adam Minkoff mit ganz starken Bassplel rundete den Sound gekonnt ab.

Schön waren auch die Harmoniegesänge der drei, die als belebendes Stilelement, gekonnt eingesetzt wurden. Dies kam auch beim Paradestück, dem bluesigen „November“ vom „Rich Man“ Album zum tragen, wo Adam Minkoff den Bass bei Seite legte und sich den Keyboards widmete.

Danach folgten mit „Love And Pain“, „Everything You Need“ und „Searchin‘ For Love“, drei Songs des aktuellen Albums „Shades“, von dem Bramhall selbst sagt, dass ihm damit das Werk gelungen ist, in dem er alles verknüpft wurde, was für ihn bedeutsam ist. Alles drei sehr gefühlvolle blues-soulig-emotionale Songs.

Dabei offerierte der slow gespielte Blues „Searching For Love“ eindrucksvoll, warum Bramhall seit 2000 festes Bestandteil der Clapton Band ist und auch einen Anteil am Songwriting und der Produktion hat. Diese ‚Liebe‘ zu Doyles Musikstil ging sogar soweit, dass Clapton, Bramhall-Songs auf seinen Studioalben coverte.

Nachdem er in diesem Stück sprichwörtlich nach Liebe gesucht hatte, fand er diese im folgenden „Izabella“, einem Hendrix-Cover (es muss ja nicht immer „Hey Joe“ oder „Purple Haze“ sein). Jimmy,  der bildlich neben der Bühne auf einem großen Bild an der Wand hängt, schaute Doyle Bramhall in Hochform genüsslich zu, wie er mit Band seine Musik wieder zum Leben erweckte.

Mit „The Veil“ einer ruhigen Ballade, dem bluesigen „Mama Can’t You Help Me“,  von „Rich Man“, deutete Bramhall an, dass er zumindest in musikalischer Hinsicht, ein reicher Mann ist. Einmal mehr starkes Songwiting, über die meist filigranen spielerischen Fähigkeiten braucht nichts mehr erwähnt zu werden, aber auch gesanglich mit differenzierenden Stimmlagen war sein Können omnipräsent. Interessant war, wie in einer Zwischenpassage von allen Dreien die Melodie von „Walk On The Wildside“ gesanglich intoniert wurde. Einfach passend zu einem von guter Laune geprägten Konzert.

Mit „Angel“ einem der schönsten Hendrix-Songs, war der emotionale Höhepunkt des Abends erreicht. Nach diesem sehr gefühlvollen Track, wurde es mit „Hands Up“ rauher, eingeläutet von Minkhoff mit einem starken Basssolo, während Bramhall und St. Hilaire dem Spiel nebeneinander sitzend lauschten, was zum Ende hin psychedelisch, fast Doors-ähnlich ausuferte und das Finale Grande einläutete.

Doyle kündigte einen Lovesong an und mancher der Besucher rieb sich zunächst verwundert die Augen. Schon beim ersten Anschlag der Gitarre fand ich mich ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Nachdem Matthias Johannson das Trio an den Keyboards zum Quartett erweitert hatte, folgte eine starke, vom Punk der Stooges umwehte Version des Klassikers „I Wanna Be Your Dog“. Eine absolut positive Überraschung im Set.

Als Zugabe gab es dann noch eine losgelöste Version der Beatles-Nummer „She Said“, die auch hart interpretiert wurde und das begeisterte Publikum nach 90 Minuten intensiver Livemusik in das restliche Wochenende schickte.

Bramhall ließ es sich trotz des engen Terminkalenders und der anstehenden Reise in Richtung Clapton nicht nehmen, am Merchandise-Stand nicht nur vorbei zu schauen. Er nahm sich alle Zeit, den zahlreichen Foto-und Autogrammwünschen bestens gelaunt und auch humorvoll nachzukommen. So hatte der Abend einen runden Abschluss gefunden und die Fans konnten entweder zufrieden beschwingt den Heimweg antreten oder noch auf ein paar Absacker in der gemütlichen Kneipe des Pianos verweilen.

Ein besonderer Dank wieder an Jenny Dore und 3Dog Entertainment für die Akkreditierung, aber auch an das gesamte Team des Pianos, das eine, wie immer, gastfreundliche Atmosphäre schaffte. Ein Freund von mir, der das erste Mal mit im Piano war, sagte auf der Rückfahrt, dass er selten einen Laden mit solch einem Flair und  einem dem Gast so zugewendeten Personal gesehen hat. Er, wie auch Doyle Bramhall II, werden vermutlich/hoffentlich nicht das letzte Mal dort gewesen sein, sodass Livemusik, dort wo sie ursprünglich hingehört, auch in Zukunft weiterleben wird.

Line-up:
Doyle Bramhall II (Lead vocals, electric guitar, vocals)
Chris St. Hilaire Cole (Drums, vocals)
Adam Minkoff (Bass, keys, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Doyle Bramhall II
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

The Boxmasters – Speck – CD-Review

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Review: Michael Segets

Schauspielern, die sich auch als Musiker versuchen, wird oft eine gewisse Skepsis entgegengebracht. Sie stehen in dem Verdacht, dass sie ihre Popularität ausnutzen, um einem Hobby zu frönen oder schnelles Geld zu machen. Bei Billy Bob Thornton ist dieser Vorbehalt nicht gegeben. Er kann singen und macht seit jungen Jahren Musik, noch bevor er als Schauspieler durchstartete.

In Filmen spielt Thornton oftmals etwas schräge Typen. Sein Auftritt in „Ein einfacher Plan“ ist genial. Bekannter ist er wahrscheinlich als „Bad Santa“ oder als Killer in der ersten Staffel der Serie „Fargo“. Zurzeit läuft die Serie „Goliath“ mit ihm in der Hauptrolle.

Im musikalischen Bereich kann „Bud“ Thornton bislang auf vier Solo-Alben zurückblicken, die er zwischen 2001 und 2007 veröffentlichte. Im folgenden Jahr erschien der erste Longplayer der Boxmasters, die Thornton zusammen mit J. D. Andrew gründete. Thornton übernimmt den Leadgesang und das Schlagzeug. Andrew spielt Gitarre, Bass und unterstützt Thornton am Mikrophon. Teddy Andreadis komplettiert die Band an den Keyboards. Mit „Speck“ legt die kalifornische Band nun ihr neuntes Album vor, wenn man eine Eigenproduktion mitzählt.

Musikalisch orientieren sich The Boxmasters an den Rock- und Pop-Bands der British Invasion, die in den 1960er Jahren – angeführt von den Beatles – Amerika eroberten. Für die Tontechnik konnten Thornton & Co. Geoff Emerick gewinnen, der bereits mit den Beatles u. a. „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club“ oder „Abbey Road“ aufnahm. The Boxmasters klingen daher nicht zufällig nach den Liverpoolern, wobei auch ein Schuss der Hollies auszumachen ist. Im Oktober verstarb Emerick, sodass „Speck” wohl zu seiner letzten Arbeit gehört.

Bei manchen Tracks – wie etwa bei dem Opener „I Wanna Go Where You Go“ – schwingen The Byrds mit, bei „Shut The Devil Up“ kommen The Kinks in den Sinn. Der Rock/Pop der Boxmasters ist mit seinem Retro-Touch eingängig und gut hörbar. Der Titelsong „Speck“ spricht mich aufgrund des erdigeren Klangs und des Refrains, der direkt ins Ohr geht, besonders an. Auch „Here She Comes“ – mit schepperndem Schlagzeug – hat ähnliche Qualitäten. Das Highlight stellt aber „Watchin‘ The Radio“ dar, dem die Gitarre eine rootsige Atmosphäre mitgibt.

Insgesamt haben die etwas flotteren Stücke gegenüber den Balladen die Nase vorn. Die langsameren Songs weisen zwar schöne Melodien auf, sind aber zumeist sehr gefällig („Let The Bleeding Pray“) oder gar süßlich („Day’s Gone“) bis schwülstig („Someday“) in Szene gesetzt. Dabei ist die Instrumentalisierung durchaus abwechslungsreich, wobei die Bläser beispielsweise bei „Anymore“ und „Square“ Akzente setzen. Der abschließende Titel „Somebody To Say“ gehört zu den stärkeren der CD. Er fängt ruhig an, nimmt im Mittelteil – eingeleitet von Andreadis‘ Keys – Tempo auf und klingt sanft aus.

The Boxmasters heben sich ebenso wie Thornton als Schauspieler vom Mainstream ab. Sie verschreiben sich dem Rock/Pop der sechziger Jahre und erspielten sich damit einen Insider-Status. Darauf deuten zumindest die exorbitanten Sammlerpreise hin, die für ihre älteren Tonträger verlangt werden. Dass mich der Musikstil nicht durchweg begeistert, dürfte Thorntons Band egal sein. Sie macht mit „Speck“ ihr Ding und das ist gut so.

KeenTone Records/Thirty Tigers/Alive (2019)
Stil: Rock-Pop

Tracks:
01. I Wanna Go Where You Go
02. Anymore
03. Shut The Devil Up
04. Let The Bleeding Pray
05. Here She Comes
06. Day’s Gone
07. Watchin’ The Radio
08. Someday
09. Square
10. Speck
11. Somebody To Say

The Boxmasters
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Kenny Wayne Shepherd – The Traveler – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Einen besseren Albumtitel hätte man sich für die neue LP von Kenny Wayne Shepherd kaum vorstellen können. „The Traveler“ ist nicht nur die fast perfekte Beschreibung und vielleicht ein Synonym für seine bisherige Karriere, sondern auch ein wichtiger Ausdruck für die geänderte, persönliche Einstellung und Sichtweise des Gitarristen.

Der mittlerweile 41-jährige US-Amerikaner aus Louisiana ist bereits seit Mitte der 90er Jahre sehr erfolgreich in der Blues-Szene unterwegs und hat die oftmals noch staubigen Blues-Klassiker seiner Vorbilder in die ‚Neuzeit‘ überführt – der Blues-Musik damit ein breiteres Publikum erschlossen.

So beginnt das zehnte Studioalbum mit dem zielstrebigen Blues-Rocker „Woman Like You“, der noch viel von den musikalischen Einflüssen vergangener Jahre aufweist. Thematisch hat sich KWS auf dieser Scheibe jedoch neuen Blues-Stories gewidmet, da für ihn – wie er anmerkt – inzwischen andere Gedanken und Gefühle in den Fokus gerückt sind, die er in den acht Eigenkompositionen umfassend verarbeitet. Hierzu gehört eindeutig das laute „Long Time Running“, eine R’n’B-Nummer ohne Kompromiss, das die Scheibe gekonnt in das nächste Highlight treibt.

„I Want You“ ist ein funkiger Blues mit intensiver Bläser-Unterstützung, der sich auch gut auf einem Bonamassa-Longplayer machen würde und durch schöne, straighte Soli die ausgedehnten sechs Minuten allemal rechtfertigt. Die softe, akustisch-gestylte Ballade „Tailwind“ erinnert an das herrliche „Lay It On Down“ vom gleichnamigen Album (2017) und verbreitet unwillkürlich einen Hauch von Country Feeling, das durch Kennys Gesang und ein dynamisches Gitarren-Solo einfühlsam zelebriert wird.

Der Song ist zugleich die Inspiration und der Namensgeber für das gesamte Album, so Shepherd: „Wir reisen alle zusammen durch dieses Ding, das man Leben nennt. Die momentanen Zeiten und Spannungen sind verrückt und sind ein Test für uns als Gesellschaft.“

Mit „Take It On Home“ begibt sich Shepherd erneut gerne in die Randbereiche zwischen Country und Southern-Rock und bestätigt sein Songwriter-Talent in Form dieser eingängigen Ballade, die für viele US-Radio-Shows eingeplant sein dürfte. Auch die soulige Blues-Rock-Nummer „Better With Time“ markiert im fast fröhlichen Sound die Anfänge der Allman Brothers Band, nur im modernen Gewand und exzellent – wie die anderen Tracks – von Marshall Altman produziert.

Weitere Höhepunkte der Scheibe sind die beiden Cover-Versionen alter Hits; zum einen der von Neil Young stammende Buffallo Springfield-Song „Mr. Soul“, den Shepherd schnell und geradlinig, aber superb zum Besten gibt und zum anderen, das Joe Walsh-Stück „Turn To Stone“, das hier die verdiente Anerkennung bekommt. Beide Songs werden nach wiederholten Live-Darbietungen endlich auf Platte serviert.

Nicht zu vergessen: ein nächstes Album mit Shepherds anderem Band-Projekt „The Rides“ (u.a. zusammen mit Stephen Stills und Barry Goldberg) steht schon in den Startlöchern.

„The Traveller“ von Kenny Wayne Shepherd gehört insgesamt eindeutig schon jetzt zu den Top Blues-Alben 2019 und wird seine Wirkung auf die kommende Generation zukünftiger Blues-Enthusiasten nicht verfehlen. Shepherd festigt nochmals seinen Status als einer der führenden und einflussreichsten Blues-Songwriter und -Gitarristen.

Das neue Werk fügt sich daher nahtlos in die Spitzenklasse seiner bisherigen Arbeit ein. Die in Kürze anstehende Konzert-Reise vom „Traveler“ sollte deshalb unbedingt beachtet werden.

Provogue (Mascot Label Group) (2019)
Stil: Blues Rock

01. Woman Like You
02. Long Time Running
03. I Want You
04. Tailwind
05. Gravity
06. We All Alright
07. Take It On Home
08. Mr. Soul
09. Better With Time
10. Turn To Stone

Kenny Wayne Shepherd
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Netinfect Promotion

Ian Noe – Between The Country – CD-Review

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Review: Michael Segets

Auf Ian Noes Facebook-Seite findet sich eine akustische Version von Bruce Springsteens „Born In The USA“, bei der er den Song gelungen und eigenständig interpretiert. Nicht nur deshalb habe ich den jungen Singer/Songwriter aus Beattyville, einem kleinen Dorf in Kentucky, direkt ins Herz geschlossen. Der gewichtigere Grund dafür liegt in der herausragenden Outlaw-Ballade „Letter To Madeline“, die mich beim ersten Hören gepackt hat und mich seitdem nicht mehr loslässt. Tragischer Text, stimmige Gitarrenbegleitung und der Background-Gesang von Savannah Conley, der an den richtigen Stellen einsetzt, machen den Song zu einem intensiven Erlebnis.

Auch bei den anderen Stücken auf „Between The Country“ glänzt Noe mit poetischen Texten, die er mit eingängigen Melodien versieht. Mit wenigen Mitteln erzeugen sie viel Atmosphäre. Die Wurzeln in der Storyteller-Tradition amerikanischer Folk-Singer scheinen auf der CD deutlich durch. Noes Songs erinnern bei den Videos seiner Solo-Performances an die frühen von Bob Dylan.

Mit Band eingespielt treten die Bezüge zwar etwas in den Hintergrund, sie sind aber auf „Barbara’s Song“, „If Today Doesn’t Do Me In“ oder dem Titeltrack „Between The Country“ immer noch hörbar. Vor allem bei dem letztgenannten Stück zahlt sich der Einsatz der Band aus, da sie dem Refrain eine besondere Dynamik verleiht.

Die Qualität des Songwritings hätte sicherlich auch ermöglicht, ein akustisches Folk-Album aufzunehmen. Die Entscheidung, dies nicht zu tun, sondern die Möglichkeiten einer breiteren Instrumentierung zu nutzen, war gut. So gewinnt „Loving You“ durch die Klavierbegleitung von Adam Gardner, der auch den Bass beisteuert, sowie die Percussion des Schlagzeugers Chris Powell. Auf „Junk Town“ singt Savannah Conley nochmals stimmungsvolle Harmonien. Dave Cobb unterstützt Noe zudem mit akustischer und elektrischer Gitarre.

Mit Cobb holte sich Noe einen renommierten Produzenten ins Boot, der bereits mit Jason Isbell, Shooter Jennings, Chris Stapleton, Colter Wall und Whiskey Myers zusammenarbeitete. Die Songs des Longplayers wurde auf den Punkt in Szene gesetzt, sodass sie sich auf die Kraft der Kompositionen konzentrieren.

Der Hall, mit dem Stimme und Gitarre bei „Dead On The River (Rolling Down)“ versehen sind, lässt Assoziationen zu Neil Young aufkommen. Der Titel zählt ebenso wie der düstere Drogen-Song „Meth Head“ und das mit leichtem Country-Einschlag versehene „Irene (Ravin‘ Bomb)“ zu meinen Favoriten, die dem eingangs gefeierten „Letter To Madeline“ nur wenig nachstehen.

Ian Noe legt nach der EP „Off The Mountaintop” (2017) mit „Between The Country” seinen ersten Longplayer vor. Mit seinem Debütalbum zählt Ian Noe für mich zu den Newcomern des Jahres. Die zehn Tracks auf „Between The Country“ fügen sich zu einem stimmigen Werk zusammen, das die Singer/Songwriter-Tradition atmet und diese in einem zeitgemäßen Update fortführt.

Das unaufgeregte Arrangement der schönen Melodien in Verbindung mit den lyrischen Texten prägt sämtliche Stücke der CD, die einige hervorstechende Titel bereithält. „Between The Country“ kann sich daher mit den Klassikern des Genres messen und weckt die Hoffnung, dass Ian Noe zukünftig noch viele Geschichten zu erzählen hat.

National Treasury Recordings/Thirty Tigers (2019)
Stil: Americana

Tracks:
01. Irene (Ravin‘ Bomb)
02. Barbara’s Song
03. Junk Town
04. Letter To Madeline
05. Loving You
06. That Kind Of Life
07. Dead On The River (Rolling Down)
08. If Today Doesn’t Do Me In
09. Meth Head
10. Between The Country

Ian Noe
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Curse Of Lono – 25.05.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbilder

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Der englischen Band Curse Of Lono gelang es als Support von Samantha Fish, die Menge mit ihrem unverkennbaren ‚Cinematic Southern Gothic Rock‘ für 45 Minuten in den Bann zu ziehen.

Line-up Curse Of Lono:
Felix Bechtolsheimer (lead vocals, guitars)
Neil Findlay (drums)
Dani Ruiz Hernandez (keyboards, background vocals)
Joe Hazell (guitars, background vocals)
Charis Anderson (bass, background vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Stephan Skolarski

Curse Of Lono
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Samantha Fish – Support: Curse Of Lono – 25.05.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Perfekt gestylt und im extravaganten Outfit betrat Samantha Fish um 21:15 Uhr die Bühne im Dortmunder Piano. Sie konnte dabei auf die volle Unterstützung eines restlos ausverkauften Musiktheaters zählen.

Kurz zuvor gelang es der englischen Support-Band Curse Of Lono die Menge mit ihrem unverkennbaren ‚Cinematic Southern Gothic Rock‘ für 45 Minuten in den Bann zu ziehen.

Bei ihrem letzten Auftritt im Piano (12.11.2017) wurde Fish noch von einer größeren Band begleitet; das auf drei Musiker reduzierte Format minderte ihre energiegeladene Performance aber keineswegs.

Der Opener „American Dream“, von ihrem letzten Erfolgsalbum „Belle Of The West“ (2017), holte das Publikum sofort ab, das offen bereit war, sich zusammen mit der US-Amerikanerin auf einen spannenden Blues-Abend einzulassen. Mit ihrem rasanten Bottleneck-Spiel setzte sie zugleich ein erstes Ausrufezeichen. „Chills & Fever“ vom gleichnamigen Longplayer (2017), offenbarte einen frechen und souligen Gesangsstil der 30-jährigen aus Kansas City.

Spätestens beim dritten Track „Don’t Say You Love Me“ merkte jeder, dass sich Samantha Fish in Deutschland bereits eine treue Fangemeinde erspielt hat, die auf ihre Gesten und Solo-Parts frenetisch reagierte. Als Überraschung präsentierte sie den neuen Song „Watch It Die“ von ihrem im Herbst erscheinenden Album „Kill Or Be Kind“.

Raue Klänge im Desert-Sound gab es dann mit ihrem „Highway“-Hit von der „Wild Heart“-LP (2015). Einen Tempowechsel brachte der Slow-Blues „Either Way I Lose“, den Fish besonders emotional performte und das Publikum lauschte aufmerksam den ungewöhnlich leisen Tönen der Gitarre.

Der gute Laune Blues Song „Little Baby“, im feurigen New Orleans Blues-Stil, gab dem Keyboarder Raum zur Entfaltung und war ein glänzender Übergang zum langsam vorgetragenen Stück „Blood In The Water“, das sehr minimal ausgestaltet war und ihre Stimme in den Mittelpunkt rückte. Der nächste Track, im angekündigten Mississippi-Blues-Stil, entfaltete seine Qualität im feinen Slide-Guitar Spiel und dem krönenden Abschluss-Duell zwischen Gitarre und Bass.

Auf „Need You More“ griff sie zur Akustik-Gitarre und brachte eine reife Folk-Country Nummer auf die Bühne, die den Dixie Chicks alle Ehre gemacht hätte. Ein erneuter Wechsel der E-Gitarre führte zum harten Stoner-Blues „No Angels“. „Daugthers“, wie die vier vorherigen Stücke ebenfalls von ihrer „Belle of the West“-Scheibe, ist ein „Song about dancing“, wie Fish dem Publikum entgegenrief und damit zum wilden Jam-Blues überging.

„Are you ready to Rock’n’Roll?“ fragte Samantha in die Menge, bevor die Band mit dem R.L. Burnside-Cover „Shake ‚Em on Down“ den umjubelten Schlusspunkt setzte und ein Konzert der Extraklasse gekonnt abrundete.

Samantha Fish präsentierte sich auch nach dem Konzert aufgeschlossen und Fan-nah, als sie ungezwungen und ausgiebig die Gelegenheit gab, Autogramme und Fotos zu ergattern.

Das ausverkaufte Piano zeigte einmal erneut, dass Samantha Fish in die Spitze der Blues-Front-Women vorgestoßen ist. Ihr schriller und eigenwilliger Bühnenauftritt und ihre herausragenden Fähigkeiten als Songwriterin und Gitarristin ergeben eine Kombination, die auch über die Blues-Grenzen hinaus weiter für Furore sorgen wird.

Danke an das Musiktheater für die Akkreditierung und die immer wieder außergewöhnliche Atmosphäre.

Line-up Samantha Fish:
Samantha Fish (lead vocals, electric and acoustic guitar)
Phil Breen (keys)
Chris Alexander (bass, vocals)
Scott Graves (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Stephan Skolarski

Samantha Fish
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Rockin‘ The Blues Festival, 25.05.2019, Carlswerk Victoria, Köln – Festivalbericht

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Unter dem Motto ‚Rockin‘ The Blues‘ hatte das beliebte Mascot/Provogue-Label ins Carlswerk Victoria zu Köln geladen und mit dem aufstrebenden Newcomer (zumindest noch bei uns) Kris Barras, einem seiner wichtigsten Flaggschiffe neben Joe Bonamassa und Beth Hart, Blues Rock-Ikone Walter Trout, und Ewig-Talent Jonny Lang, ein differenziertes Line-up auf die Beine gestellt.

_DSC0005Zunächst wurde jedoch kurz vor Beginn der Gewinner der handsignierten Stratocaster gekürt, die man im Rahmen des Vorverkaufs ergattern konnte. Der Inhaber der Eintrittskarte mit der Nummer 15 hatte das Glück gepachtet und bekam das Teil persönlich auf der Bühne überreicht, sicherlich ein tolles Erlebnis für ihn.

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Pünktlich um 19:30 Uhr groovten sich der reichhaltig tätowierte rauschebärtige Brite und seine Begleitcombo mit „Propane“, meinem Lieblingsstück der Band, schön bluesig in den insgesamt 30 Minuten umfassenden Gig hinein. Der Ex-Mixed-Material-Arts-Profi bewies bei seinem Solo schon direkt, dass er es nicht nur in den Fäusten hat, sondern auch sehr feinfühlig und quirlig mit den Fingern agieren kann.

Barras, den wir ja schon sowohl CD-technisch, als auch im Rahmen seiner Mitwirkung in der Super Sonic Blues Machine live, wie auch per Interview, kennengelernt hatten, spielte mit Tracks wie u. a. „Stitch Me Up“, dem Led Zep-Cover „Rock And Roll“, „Watching Over Me“ (seinem verstorbenen Vater und Musiklehrer gewidmet) oder „Hail Mary“, einen tollen Anheizer-Part.

Auch seine Mitstreiter Elliott Blackler am Bass (machte auf ‚dicke Hose‘ und setzte immer wieder seinen Muckiebuden-gestählten Körper in Szene), Josiah J. Manning an den Keys und Will Beavis am Schlagzeug, hatten ihren Verdienst am Gelingen der Barras-Präsentation. Kriss machte tolle Werbung in eigener Sache und auch für seine anstehende Headliner-Tour bei uns im September, von der wir sicherlich berichten werden. Das Publikum war begeistert.

Line-up:
Kris Barras (lead vocals, electric guitar)
Elliott Blackler (bass, vocals)
Josiah J. Manning (keys)
Will Beavis (drums)

Trout-Text

Ein wenig überraschend kam dann schon der Auftritt von Blues Rock-Legende Walter Trout, den man eigentlich als Hauptact am Schluss vermutet hatte. Trout, seit seiner Lebertransplantation, die natürlich auch vor „Almost Gone“ thematisiert wurde (er war ja acht Monate lang ans Krankenbett gefesselt, musste Laufen, Sprechen und Gitarrespielen wieder ‚von der Pike auf‘ lernen) wieder musikalisch als auch körperlich in bester Verfassung, ließ das Stimmungsbarometer nach kurzem Instrumentalintro mit „I Can Tell“ sofort in die Höhe schießen.

Er und seine urigen Mitspieler (besonders Keyboarder Teddy ‚Zigzag‘ Andreadis und der, wie eine Mischung aus John Lydon und Gene Simmons daher kommende, am Ende regelrechte Wasserfontänen ausschwitzende Johnny Griparic – ein echtes Gesamtkunstwerk dieser Mann) wurden dann von einer Welle der Sympathie und Begeisterung durch den gut einstündigen Gig getragen.

Der wohl emotionalste Moment des Festivals fand somit auch statt, als Walter nach „Me My Guitar And The Blues“ in Tränen ausbrach. Als er wieder Fassung errungen hatte, kommentierte er den Jimmy Dawkins-Song seines neuen Albums „Survivor Blues“ mit „Every time I play this song it fucks me up“. Einer der Gänsehautmomente des Abends.

„Ride ‚Til I’m Satisfied“, „Sadie“, das wüst abgehende „Playin‘ Hideaway“, „Red Sun“ (Walter appeliert an die Humanität), der launige „Bullfrog Blues“ (klasse HT-Piano von Andreadis), hießen die Stationen des Trout-Programms, wobei der Protagonist seine neue Lebensfreude, hüpfend, tänzelnd, Grimassen schneidend und sogar posend, samt seiner unzähligen E-Gitarren-Soli, zum Ausdruck brachte. Tolle mitnehmende und auch hochemotionale Show!

Line-up:
Walter Trout (lead vocals, electric guitar)
Johnny Griparic (bass, vocals)
Michael Leasure (drums)
Teddy ‚Zigzag‘ Andreadis (keys, harp, vocals)
Andrew Elt (vocals, electric guitar)

Der einstig zum Wunderkind stilisierte Jonny Lang, mittlerweile von einigen Höhen und Tiefen heimgesucht, hatte als Anschluss an Trout und als Hauptprotagonist des Dreier-Festivals, einen schweren Stand.

Dieser Bürde konnten er und seine Jungs (herrlich hier sein korpulenter auch Drummer Barry Alexander, mit seinen Armen dicker als meine Oberschenkel und den orangefarbenen Drumsticks) trotz eines engagierten Auftritts, sowohl was seine Gitarrenkünste als auch seine tolle Gesangsperformance angeht, leider nicht ganz gerecht werden.

Das Problem war das oft knallharte, eher weniger auf Stimmung gepolte, sondern auf technische Brillanz, abzielende Songmaterial und auch seine ‚hibbelige‘ Bühnenpräsenz (ständige Verrenkungen), die auf Dauer sehr viel Konzentration und Zuhördisziplin erforderten.

Highlights seines Parts waren der Slowblues „A Quitter Never Wins“, die soulige Ballade „Bring Me Back Home“ und sein Akustik-Solo-Stelldichein mit „Breakin‘ Me“, übergehend in „Lie To Me“, das dann am Ende wieder mit kompletter Band elektrisch und pathetisch ausgeklingt wurde.

Ich weiß zwar, dass es Meckern auf hohem Niveau ist, aber der an sich gute Auftritt, wäre direkt am Anfang besser platziert gewesen.

Line-up:
Jonny Lang (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar)
Zane Carney (electric guitar, vocals)
Tyrus Sass (keyboards)
James Anton (bass)
Barry Alexander (drums)

Dem aber letztendlich nicht genug. Barras, Trout, und auch Griparic stießen bei Blues-Standard-Covernummern von BB King („Darlin‘ You Know I Love You“) und Freddie King („Going Down“) als Zugaben, in einer Jam-Session, zum Lang-Line-up dazu und ließen nochmals ein Feuerwerk an Gitarren-Soli ab, wobei Trout zum Teil in Dirigenten-Manier (zwischen Barras und Lang) seinem Status als dienstälteste Musikinstanz, in unterhaltsamer Manier nachkam. Da war dann nochmal richtig Ramba-Zamba auf der Bühne.

Ein insgesamt launiger und kurzweiliger, sehr gut besuchter und straff durchorganisierter Blues Rock-Abend mit drei sehr engagiert auftretenden Künstlern, der im nächsten Jahr, sehr gerne in diesem Rahmen weitergeführt werden darf. Danke an Mark Dehler von Netinfect Promotion und die Mascot/Provogue Label Group für die erstklassige Zusammenarbeit.

Bilder: Jörg Schneider
Bericht: Daniel Daus

Jonny Lang
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Walter Trout
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The Kris Barras Band
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Mascot/Provogue Label Group
Netinfect Promotion
Carlswerk Victoria
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Vanja Sky – 24.05.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Sky-haupt

Himmlischer Abend gestern mit Vanja Sky und ihren Jungs. Im Vergleich zum Gig in Köln, den Gernot alleine begutachtet hatte, gab es im kleinen urigen Leverkusener topos zwei Umbesetzungen, die sich am Ende als äußerst effektiv erweisen sollten. Zum einen fehlte mit dem natürlich geschätzten Omnisassa Roger Inness am Bass zwar ein absolutes Schwergewicht der Branche, was man zunächst als großen Verlust einstufen könnte.

Dies wertete jedoch das Standing der Protagonistin (die es im Rahmen des Blues Caravans im Schatten von Mike Zito und Bernard Allison als quasi Newcomerin, in der Hinsicht, erst mal schwer genug hatte) sich zu positionieren, merklich auf, zumal mit Artjom Feldtser ein engagierter Ersatz gefunden worden ist, der seinen Rhythmus-Part (mit Drum-Kollegen Hans Jakob Schüler) einwandfrei erledigte und auch noch dezente Harmoniegesänge beisteuerte.

Überragend allerdings ihr Co-Gitarrist Robert Wendt, der zu meiner großen Überraschung mit seinem Slidespiel auf einem Danelectro-Modell und seinen furiosen Soli auf einem Haar Traditional T aged, die erwartete klassische Blues Rock-Ausrichtung der Kroatin, in unvermutete Southern-Sphären lenkte. Seine klirrenden Einlagen erinnerten teilweise an die von Skynyrd-Gitarreo Allen Collins, nicht zuletzt wurde auch mit „Simple Man“ eine unter die Haut gehende Coverversion mit eingestreut.

Die diesmal mit markant blonden Rasta-Dreadlocks-Extensions aufwartende Vanja, die seit drei Tagen gesundheitlich etwas geschwächelt hatte und laut eigener Aussage mit Hilfe von Whiskey und dem zurecht wieder begeistert mitgehenden topos-Publikum, einen Schnellheilungsprozess erfahren hatte, legte den Fokus mehr auf ihre, sich durch ein hohes Maß an Variabilität auszeichnende Stimme. Da wurde von hoch bis tief und auch rauchig, alles an Registern gezogen, zum Teil auch mal kräftig gefaucht (z. B. bei „Wild Thing“).

Gitarrentechnisch konzentrierte sie sich großzügig auf kleinere Soli, Intros, Fills, Rhythmus- oder Wechselspieleinlagen und überließ hier überwiegend Robert Wendt das Rampenlicht.

Das zweiteilige Set wurde mit dem lupenreinen Southern Rocker „Hard Working Woman“ eröffnet und hatte in Part 1 mit Tracks wie u. a. dem shuffligen „Strange Brew“, „One Reason“, dem delta-bluesig angehauchten „Crossroads Of Life“ sowie dem Klassiker-Trio „Oh Well“ (aus der Fleetwood Mac-Anfangszeit), „House Of The Rising Sun“ (schön rootsig) und dem wunderbaren Schwofer „To Love Somebody“, bereits viele Leckerbissen auf der Menükarte.

Die zweite Hälfte, beginnend mit „All Night“ (mit Twin-Elementen), der eindringlichen Mahnung „Don’t Forget To Rock And Roll“ (drei feurige Southern Rock-Soli von Wendt), dem erwähnten Skynyrd-Evergreen „Simple Man“ (mit Publikumsgesang), dem swampigen „Married Man“, der starken Gallagher-Hommage mit „Bad Penny“ und „Shadow Play“, dem atmosphärisch packenden „I’d Love To Change The World“ und dem launigen Troggs-Feger(bekannt aber eher durch die Fancy-Version) „Wild Thing“ (auch wieder am Ende richtig southern), sowie dem Led Zeppelin-Paradestück „Whole Lotta Love“, weckte nochmal so manche, mittlerweile schlummernde Energiereserve, der überwiegend anwesenden Ü-Fünfziger.

Obwohl das Quartett angesichts der hohen Temperatur auf der beengten Minifläche des topos schon ‚auf Felge‘ lief, ging es mit „Hit Me With The Blues“ nochmal in die stürmisch geforderte Verlängerung. Dann war aber endgültig Schluss. Der „Himmel ist die Grenze“ heißt es so schön. Vanja Sky gelingt es immer besser, sich aus dem einstmaligen Korsett des Blues Caravans zu lösen und ihre eigene Persönlichkeit auf der Bühne zu entwickeln. Das Publikum, Gernot und mich eingeschlossen, schien jedenfalls auf ‚Wolke 7‘ zu schweben.

Am Ende gab es noch Gelegenheit, mit Vanja und ihren Jungs zu quatschen und auch einige Schnappschüsse für unsere VIP-Galerie zu machen. Danke an Klemens Kübber für den grandiosen Abend im topos!

Line Up:
Vanja Sky – Lead vocals, electric guitar, slide guitar
Robert Wendt – Electric guitar, slide guitar
Artjom Feldtser – Bass, vocals
Hans Jakob Schüler – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Videos: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Vanja Sky
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topos Leverkusen

Grady Champion – Steppin‘ In – A Tribute To ZZ Hill – CD-Review

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Die eigentlichen Champions in der Familie Champion sind die Eltern von Grady Champion. Der Sohnemann ist, sage und schreibe, das jüngste von insgesamt 28 Kindern!!! Das nenne ich mal einen Beitrag fürs Rentensystem! Die Suche nach ’ner 30 1/2 Zimmer Wohnung in Canton, Mississipi, war da vermutlich von absolut abenteuerlicher Natur…

Aber Spaß beiseite, die Familie ist dann natürlich auf einer Farm ansässig geworden. Der Protagonist gelangte, wie sooft bei den Amis, über den Kirchenchor in musikalische Sphären, allerdings zunächst im Rap-Milieu, entdeckte Ende der 1990er Jahre dann aber seine Passion für den Blues. Er  lernte Mundharmonika-Spielen und brachte mit „Goin‘ Back Home“ 1998 sein erstes Album in diesem Stil heraus.

Sein größter Erfolg war sein Co-Writing bei „Trust Yourself“, zu finden auf Etta James‘ Grammy-dekoriertem Album „Let’s Roll“. Auf seinem aktuellen Longplayer „Steppin‘ In“ widmet er die Aufmerksamkeit dem schon lange nicht mehr unter uns verweilenden texanischen Bluesmusiker Z. Z. Hill,  der von seiner mittlerweile ebenfalls verstorbenen Mutter sehr verehrt wurde.

Dessen performte Stücke hat Grady Champion jetzt in ein von ihm zugeschnittenes Gewand gekleidet. Ein typischer Blues-Sound im Stil und Gesang der traditionellen dunkelhäutigen Blues-Ikonen King, Collins, Waters & Co., gemischt mit dem Genre-verwurzelten Gibson ES-E-Gitarrenambiente, Harp-, Bläser-, Piano- und Orgelklängen (klasse hier Sam Brady) und gospeligen als auch souligen weiblichen Hintergrundgesängen.

In der zweiten Hälfte schwenkt das Album mit Stücken wie „Three Into Two Won’t Go“, „Cheating in the Next Room“ und „Right Arm For Your Love“ phasenweise in Soulsphären, wobei letztgenanntes mit seiner Southern-angehauchten E-Gitarre und der rauchig-heiseren Stimme sogar ein wenig an Kid Rock erinnert. Mein Favorit des Werkes.

Die beiden finalen Tracks „Everybody Knows About My Good Thing“ (E-Gitarren-betonter starker Slowblues) und „When It Rains It Pours“ finden dann aber wieder den Weg zurück in die klassischen Blues-Gefilde.

Gray Champion liefert mit „Steppin‘ In“ ein solides, gut und gemütlich anhörbares Blues-Album ab, bei dem seine Empathie für den hier Tribut-bezollten Künstler authentisch zum Ausdruck kommt. Ganz klar Stoff für Traditionalisten der 12-Takt-Sparte.

Malaco Music Group (2019)
Stil: Blues

01. Down Home Blues
02. Shade Tree Mechanic
03. Someone Else Is Steppin‘ In
04. Bump and Grind
05. I’m a Blues Man
06. Open House At My House
07. Who You Been Giving it To
08. Three Into Two Won’t Go
09. Cheating in the Next Room
10. Right Arm For Your Love
11. Everybody Knows About My Good Thing
12. When It Rains It Pours

Grady Champion
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