The Boxmasters – Speck – CD-Review

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Review: Michael Segets

Schauspielern, die sich auch als Musiker versuchen, wird oft eine gewisse Skepsis entgegengebracht. Sie stehen in dem Verdacht, dass sie ihre Popularität ausnutzen, um einem Hobby zu frönen oder schnelles Geld zu machen. Bei Billy Bob Thornton ist dieser Vorbehalt nicht gegeben. Er kann singen und macht seit jungen Jahren Musik, noch bevor er als Schauspieler durchstartete.

In Filmen spielt Thornton oftmals etwas schräge Typen. Sein Auftritt in „Ein einfacher Plan“ ist genial. Bekannter ist er wahrscheinlich als „Bad Santa“ oder als Killer in der ersten Staffel der Serie „Fargo“. Zurzeit läuft die Serie „Goliath“ mit ihm in der Hauptrolle.

Im musikalischen Bereich kann „Bud“ Thornton bislang auf vier Solo-Alben zurückblicken, die er zwischen 2001 und 2007 veröffentlichte. Im folgenden Jahr erschien der erste Longplayer der Boxmasters, die Thornton zusammen mit J. D. Andrew gründete. Thornton übernimmt den Leadgesang und das Schlagzeug. Andrew spielt Gitarre, Bass und unterstützt Thornton am Mikrophon. Teddy Andreadis komplettiert die Band an den Keyboards. Mit „Speck“ legt die kalifornische Band nun ihr neuntes Album vor, wenn man eine Eigenproduktion mitzählt.

Musikalisch orientieren sich The Boxmasters an den Rock- und Pop-Bands der British Invasion, die in den 1960er Jahren – angeführt von den Beatles – Amerika eroberten. Für die Tontechnik konnten Thornton & Co. Geoff Emerick gewinnen, der bereits mit den Beatles u. a. „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club“ oder „Abbey Road“ aufnahm. The Boxmasters klingen daher nicht zufällig nach den Liverpoolern, wobei auch ein Schuss der Hollies auszumachen ist. Im Oktober verstarb Emerick, sodass „Speck” wohl zu seiner letzten Arbeit gehört.

Bei manchen Tracks – wie etwa bei dem Opener „I Wanna Go Where You Go“ – schwingen The Byrds mit, bei „Shut The Devil Up“ kommen The Kinks in den Sinn. Der Rock/Pop der Boxmasters ist mit seinem Retro-Touch eingängig und gut hörbar. Der Titelsong „Speck“ spricht mich aufgrund des erdigeren Klangs und des Refrains, der direkt ins Ohr geht, besonders an. Auch „Here She Comes“ – mit schepperndem Schlagzeug – hat ähnliche Qualitäten. Das Highlight stellt aber „Watchin‘ The Radio“ dar, dem die Gitarre eine rootsige Atmosphäre mitgibt.

Insgesamt haben die etwas flotteren Stücke gegenüber den Balladen die Nase vorn. Die langsameren Songs weisen zwar schöne Melodien auf, sind aber zumeist sehr gefällig („Let The Bleeding Pray“) oder gar süßlich („Day’s Gone“) bis schwülstig („Someday“) in Szene gesetzt. Dabei ist die Instrumentalisierung durchaus abwechslungsreich, wobei die Bläser beispielsweise bei „Anymore“ und „Square“ Akzente setzen. Der abschließende Titel „Somebody To Say“ gehört zu den stärkeren der CD. Er fängt ruhig an, nimmt im Mittelteil – eingeleitet von Andreadis‘ Keys – Tempo auf und klingt sanft aus.

The Boxmasters heben sich ebenso wie Thornton als Schauspieler vom Mainstream ab. Sie verschreiben sich dem Rock/Pop der sechziger Jahre und erspielten sich damit einen Insider-Status. Darauf deuten zumindest die exorbitanten Sammlerpreise hin, die für ihre älteren Tonträger verlangt werden. Dass mich der Musikstil nicht durchweg begeistert, dürfte Thorntons Band egal sein. Sie macht mit „Speck“ ihr Ding und das ist gut so.

KeenTone Records/Thirty Tigers/Alive (2019)
Stil: Rock-Pop

Tracks:
01. I Wanna Go Where You Go
02. Anymore
03. Shut The Devil Up
04. Let The Bleeding Pray
05. Here She Comes
06. Day’s Gone
07. Watchin’ The Radio
08. Someday
09. Square
10. Speck
11. Somebody To Say

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Oktober Promotion

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