Chuck Prophet – The Land That Time Forgot – CD-Review

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Review: Michael Segets

Anfang der 1990er sah ich Green On Red auf ihrer „Too Much Fun“-Tour. Damals war die Band bereits auf Dan Stuart und Chuck Prophet zusammengeschmolzen. Nachdem die beiden zuvor mit „Scapegoats“ (1991) ein Meisterwerk geschaffen hatten, zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen und so folgte dann die Auflösung. Auch ein kurzes Live-Intermezzo (2005/06) führte die Truppe nicht mehr dauerhaft zusammen.

Chuck Prophet begann schon parallel zur Endphase von Green On Red eine Solo-Karriere. Seine ersten vier Tonträger, auf denen sich einige bemerkenswerten Stücke finden, stehen bei mir im Regal. Um die Jahrtausendwende verfolgte ich die Veröffentlichungen von Prophet nicht mehr, dadurch entstand eine Lücke von zwanzig Jahren und zehn CDs. „The Land That Time Forgot” stellt für mich daher ein Wiederentdecken des Musikers aus Kalifornien dar.

Die Handschrift, die das Album prägt, ist sofort als die von Chuck Prophet wiederzuerkennen. Es sind die Heartland-Rocker zu hören, bei denen irgendwo Tom Petty mitschwingt, sowie die typischen Balladen vertreten, die Prophets frühe Soloalben durchziehen. Mit der expressiven Gitarre auf „Fast Kid“ kommt zudem noch ein Hauch von Green On Red dazu.

Direkt ins Ohr gehen der Opener „Best Shirt On“ sowie „Willie And Nilli“. Auf beiden Stücken übernimmt seine Frau Stephanie Finch den Backgroundgesang. Als Duett-Partnerin tritt sie bei dem vorab ausgekoppelten „Marathon“ in den Vordergrund. Als erstes Video veröffentlichte Prophet „Nixonland“. Die dunkle Atmosphäre des Songs stellt einen Kontrast zu dem lockeren „Love Doesn’t Come From The Barrel Of A Gun“ dar, das sich anhört, als wäre es von David Lindley inspiriert.

Die Hälfte der Beiträge ist im unteren Tempobereich angesiedelt. Sehr schön erdig klingt die Ballade „Waving Goodbye“. Sie ist ebenso wie „Paying My Respects To The Train” mit etwas Slide unterlegt. Den früh an seinem Drogenkonsum verstorbenen Punkrocker Johnny Thunders zieht Prophet bei „High As Johnny Thunders“ als Vergleichspunkt heran. Von einem Vers des Track stammt der Albumtitel.

Etwas weniger sprechen mich „Meet Me At The Roundabout”, das flottere „Womankind” sowie der Abschluss „Get Of The Stage” an. Aber auch diese sind gut hörbare und solide Songs. Chuck Prophet liefert ein Album ab, das den Qualitätsstandard seiner frühen Werke hält. Unter den guten Songs stechen einzelne besonders hervor, wodurch die CD auch in Zukunft öfter in den Player wandern wird.

Wie bei alten Bekannten, die man längere Zeit nicht gesehen hat, freut man sich bei Chuck Prophet über das Lebenszeichen. Wenn der Kontakt dann wieder hergestellt ist, entwickelt man doch wieder Interesse dafür, was in der Zwischenzeit so bei ihnen passiert ist. „The Land That Time Forgot” regt mich auf alle Fälle dazu an, mir bei Gelegenheit nochmal den Backkatalog von Prophet vorzunehmen. Wenn er erneut in unsere Gegend kommt, wie beispielweise ins JZ Karo, werde ich sicher eine Stippvisite unternehmen. Für die nächste Europatournee im kommenden Jahr sind bislang allerdings keine Konzerte in Deutschland angekündigt.

Yep Roc/Bertus (2020)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Best Shirt On
02. High As Johnny Thunders
03. Marathon
04. Paying My Respects To The Train
05. Willie And Nilli
06. Fast Kid
07. Love Doesn’t Come From The Barrel Of A Gun
08. Nixonland
09. Meet Me At The Roundabout
10. Womankind
11. Waving Goodbye
12. Get Of The Stage

Chuck Prophet
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Yep Roc Records
Starkult Promotion
Bertus

Kat Riggins – Cry Out – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Cry Out“ ist Kat Riggins‘ viertes Album, aber das erste, welches sie in Zusammenarbeit mit Mike Zito (Gulf Records) produziert hat. Und es hat sich gelohnt, da Mike ihr musikalisch völlig freie Hand gelassen und ihr auch ansonsten den Rücken frei gehalten hat. Kat konnte ihr Album also ganz nach ihren eigenen Vorstellungen einspielen.

Geprägt von der Vielfalt und Fülle der Musiksammlung ihrer Eltern verbindet sie in ihrer Musik den Blues mit Elementen des Rock‘n‘Roll, Soul, Country oder auch Gospel. Und eben diese Mischung macht die dreizehn Songs ihres Albums mehr als nur hörenswert. Zudem liefert Kats mitunter leicht raue Alt-Stimme genau das Feeling, auf das Blues-Enthusiasten so sehr stehen, manchmal gefühlvoll und im nächsten Song wieder erdig und rau. Kat Riggins gibt sich auf ihrer neuen CD zu 100% als regelrechte Powerfrau in der sonst mehrheitlich von Männern beherrschten Blues-Szene.

Gleich der erste Song „Son Of A Gun“ startet richtig stramm mit einem mächtigen Bass-Intro (das sich durch das ganze Stück zieht), bevor sich Kat mit ihrer anklagenden Stimme einmischt. Mit dem Titelsong „Cry Out“ gehts’s dann recht bluesig beschwingt mit Mundharmonikaunterstützung weiter, während das flotte „Meet Your Maker“ ziemlich funkig-soulig ist. Den nötigen Drive in dem R&B Titel „Catching Up“ liefern übrigens die Gitarreneinlagen von Mike Zito, der auch in den übrigen Tracks an der E-Gitarre zu hören ist. Auch „Truth“ ist recht heavy und voller Power, wieder mit einer einprägsamen Basslinie von Doug Byrkit.

Das Kat Riggins auch gefühlvollen Blues kann, beweist sie, a-capella gesungen, in dem kleinen, aber feinen Zwischenstück „Hand In Hand“, einem Gospelklassiker aus dem Jahre 1970, aber auch in dem melodiösen „Heavy“ mit gesanglicher Unterstützung ihres Patenkindes sowie ihrer Nichten und Neffen gegen Ende des Songs.

Mit „Wicked Tongue“ knüpft Kat Riggins stilistisch wieder an den Opener „Son Of A Gun“ an: hart und fordernd mit kräftigem Bass und Zito’s flirrender Gitarrist im Mittelteil. Sehr schön auch das funkige im Bigband-Stil gehaltene „Can You See Me Now“ mit viel Gebläseunterstützung. Im Gegensatz dazu steht das fast southernartig beschaulich vor sich hinstampfende „Burn It All Down“, durchzogen mit jaulenden Gitarrenklängen.

Mit einem Trommelwirbel zu Beginn startet anschließend der gute Laune verbreitende Rock‘n‘Roller „On It‘s Way“ und „No Sale“ legt mit einem schönen Gesangsintro los zu dem sich nach und nach Drums, Gitarre und Bass hinzugesellen. Zum Anschluss gibt es dann noch den Unheil heraufbeschwörenden Slow Blues „The Storm“, bei dem Kat Riggins einmal mehr mit der Kraft ihrer Stimme überzeugt, nicht zuletzt auch weil das Stück sehr klar und differenziert arrangiert ist.

Insgesamt ist „Cry Out“ ein saustarkes Album und man darf Kats stimmliche Fähigkeiten mit Fug und Recht in einem Atemzug mit denen von Koko Taylor oder Tina Turner nennen.

Sinngemäß hat Kat Riggins einmal gesagt, dass sie Gott dankt, dass ihre Leidenschaft dem Ziel dient die gefährdete Art namens The Blues zu erhalten. Und diese Leidenschaft strahlt sie auf ihrem neuen Album mit jedem Ton aus.

Gulf Coast Records (2020)
Stil: Blues Rock

01. Son Of A Gun
02. Cry Out
03. Meet Your Maker
04. Catching up
05. Truth
06. Hand In Hand (Interlude)
07. Heavy
08. Wicked Tongue
09. Can You See Me Now
10. Burn It All Down
11. On It‘s Way
12. No Sale
13. The Storm

Kat Riggins
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Gulf Coast Records

Lindsay Ell – Heart Theory – CD-Review

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Einen Grund, so grimmig drein zu schauen, wie auf dem Cover ihres neuen Longplayers „heart theory“, dürfte Lindsay Ell in Wirklichkeit eigentlich gar nicht haben. Denn es läuft, zumindest was die Musikkarriere betrifft, doch ausgesprochen gut.

Mit viel Fleiß und Können hat sich sich die gebürtige Kanadierin, in die Riege der weiblichen Nashville-Stars im Mainstream-New Country-Segment à la Underwood, Rimes, Morris, Ballarini, Barrett & Co. vorgearbeitet, nicht zuletzt wurde sie von großen Stars wie u. a. Keith Urban, Luke Bryan, Buddy Guy, Big & Rich, Ronnie Dunn oder Chris Isaak schon als Support bei ihren Touren gebucht.

Ell_450Dass sie sich aber auch nicht zu schade ist, ‚Klinken zu putzen‘, bewies sie z. B. gerade bei uns in Deutschland , wo sie zuletzt (noch in der Vor-Corona-Zeit) gleich zweimal im kleinen Kölner Blue Shell auftrat, einmal beim Gig mit Unterstützung von Walker McGuire, das andere Mal als Headlinerin der SOUND OF NASHVILLE-Reihe von Semmel Entertainment. Dabei entpuppte sie sich als kleiner lebenslustiger Wirbelwind ohne Berührungsängste, den man eigentlich sofort in sein Herz schließt.

Apropos Herz, wie es allerdings in ihrem Privat-, beziehungsweise ihrem Liebesleben aussieht, darüber kann man allerdings nur spekulieren. Die Texte ihrer Stücke des neuen Werkes, das in zwölf Tracks sieben Phasen der Trauer behandelt, lassen da allerdings nicht viel Gutes vermuten. Schock, Leugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Austesten und Akzeptanz, sind die Schlagworte, um die es hier in erster Linie geht.

„Wenn Musiktheorie die Wissenschaft der Musik ist, dann ist ‚heart theory‘ die Wissenschaft des Herzens. Ich hoffe, dieses Album kann ein Trost sein, wenn man ihn braucht, eine Bestätigung, wenn man sich wieder mal selbst daran erinnern muss, an sich zu glauben – oder einfach ein Blick auf das, was einen zu dem gemacht hat, was man heute ist“, so die Protagonistin zur Intention ihres Handelns.

Der von Dann Huff produzierte Longplayer bringt dann Lindsays Stärken auch in allen Belangen auf den Punkt: Ihr Songwriting-Talent mittels eingängiger und melodischer Country Pop-Rock-Lieder, meistens mit Powerrefrains (darunter sind aber auch ein paar ruhigere Nummern), ausdrucksstarker Gesang und tolle Gitarrenarbeit. Ich glaube, kein anderer als Huff kann Gitarrensoli besser in Szene setzen, und hier ergänzen sich beide in nahezu allen Stücken exzellent. Damit der Nashville-Nimbus gewahrt bleibt, wurde natürlich auch die eine oder andere Steel-Eingabe untergebracht („i don’t lovE you“, „good on you“, „make you“).

Ell2In ihren Kölner-Konzerten vermerkte sie ihren ausgesprochenen Faible für John Mayer, den man hier in Tracks wie u. a. „Hits me“, „good on you“ oder „The oTHEr side“, besonders in den E-Gitarren-Soli, wiederfindet. Trotz aller überwiegend textlicher Negativ-Stimmung gibt es mit dem Titel „ReadY to love“ zum Abschluss, dann doch den positiven Blick nach vorne, wo Ell „I’m ready to feel, to trust and to love again“ energisch und voller Emotion intoniert.

Für den, der sich über die eigenartige Schreibweise der Titel wundert, hier die Auflösung: Die Großbuchstaben, ergeben aneinandergereiht, genau den Titel des Albums.

Stoney Creek Records (2020)
Stil: New Country

01. Hits me
02. how good
03. i don’t lovE you
04. wAnt me back
05. get oveR you
06. wrong girl
07. body language of a breakup
08. good on you
09. The oTHEr side
10. gO to
11. make you
12. ReadY to love

Lindsay Ell
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Oktober Promotion

Joe Bonamassa – A New Day Now – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die Wiederveröffentlichung älterer Longplayer, ist für manche Musiker eine willkommene Gelegenheit, neue Fans zu gewinnen oder vorhandene mit Sondereditionen zu überraschen. Diese sogenannten Re-Issues werden dabei zusätzlich dabei remastert und remixt, sowie mit Bonus-Tracks ausgestattet.

Eine Neuaufnahme der kompletten Vocals zum Original-Band-Sound dürfte dabei jedoch die Seltenheit sein. Als Ausnahme-Künstler hat Joe Bonamassa diese „Re-Sung“-Version seines Debut-Albums „A New Day Yesterday“ nun zum 20-jährigen Jubiläum unter dem Titel „A New Day Now“ herausgebracht und sein „Jugendwerk“ damit entscheidend überarbeitet. Neben seiner individuellen Klasse als Blues Rock-Gitarrist hatte Bonamassa damals das Glück, den Produzenten-Altmeister, Tom Dowd, an seiner Seite zu haben.

Grammy-Gewinner Dowd, der Generationen von Musikern, wie z.B. The Allman Brothers, Derek And The Dominos, Lynyrd Skynyrd als Sound-Spezialist im Studio und auf Tour begleitet hat, schuf zusammen mit Bonamassa einen Riff-orientierten Longplayer, der damals Platz 9 der US-Billboard Top Blues Charts erreichte.

Das Solo-Debüt beginnt, energetisch voll aufgeladen, mit Rory Gallaghers „Cradle Rock“, eine Art ehrenvolle Widmung des Gallagher-Fans Bonamassa und führt mit den Klassikern „Walk In My Shadow“ (von der Band Free) und dem folgenden Jethro Tull-Song „A New Day Yesterday“ die Hitliste der fulminanten Cover-Versionen und grandiosen Gitarren-Highlights ausdrucksstark weiter.

Bonamassa, der bereits mit 13 Jahren im Vorprogramm von B.B. King seine überragenden Fähigkeiten an seinem Lieblingsinstrument stilvoll performte, betont mit den ausgewählten Stücken den Einfluss der britischen Blues-Rock-Szene auf seine Musik. Erst das 4. Stück „I Knew Where I Belong“ ist eine Eigenkomposition, das seine raue Blues-Power in leichter Hendrix-Manier überragend stilisiert.

Die Single-Auskopplung „Miss You, Hate You“ ist im besten Bonamassa Songwriting und Guitar-Playing ein melodisches Blues-Meisterwerk. Ebenso in die Reihe der ungewöhnlichen Cover-Songs gehört die schnelle Al Kooper-Nummer „Nuthin‘ I Wouldn’t Do“, sowie die unwiderstehlich großartige Version des Warren Haynes Titels „If Heartaches Were Nickels“, der über 6 Minuten phänomenal kein Zweifel daran lässt, welches junge Blues-Rock-Talent hier aufspielt.

Sechs Cover-Songs, hierzu gehört auch der eindrucksvolle Albert King-Klassiker „Don’t Burn Down That Bridge“, und sechs eigenen Stücken teilen „A New Day Yesterday“ in eine abwechslungsreiche Blues-Rock-Platte, die auch bei „Trouble Waiting“ und „Colour And Shape“ mit variantenreichen Kompositionen des damals erst 22-jährigen Bonamassa begeistern konnte.

Bei der Jubiläumsedition „A New Day Now“ hat Produzent Kevin Shirley nun auf die neu eingesungenen Vocal-Tracks der inzwischen gereiften und emotional sicheren Stimme des 43-jährigen Guitar-Heroes zurückgegriffen und zusätzlich 3 Bonus-Stücke auf das Album gepackt. Hierzu zählt neben Bonamassas eigenen Werken wie „Hey Mona“ und „Line Of Denial“, die eine ausgelassene aber präzise Blues-Rock-Spielweise betonen, auch die unbefangene, „mind-blowing“ Version des Bob Dylan Klassikers „I Want You“. Diese bisher unveröffentlichten Aufnahmen stammen aus der Zeit, als Mentor Steven van Zandt, die Demo-Bänder des jungen Bonamassa produzierte.

Im SoS-Review (2015) über die 72-minütige Konzert-Ausgabe „A New Day Yesterday“, die kurz nach dem Studio-Original 2004 auf den Markt gebracht wurde, wurde schon die „filigrane Gitarrenkunst“ Bonamassas umfangreich gewürdigt. Die jetzige New-Edition des Debut-Albums bestätigt erneut die geniale Gitarrenarbeit, des vor kurzem zum besten Blues-Gitarristen der Welt gewählten US-Amerikaners. Joe Bonamassas kreative Projektidee überbrückt damit einen Corona-Sommer ohne Konzerte und verkürzt die Wartezeit bis zum neuen Studio-Album, das noch im Herbst diesen Jahres erscheinen soll.

Mascot Label Group (2020)
Stil: Blues-Rock

Tracklist:
01. Cradle Rock
02. Walk In My Shadows
03. A New Day Yesterday
04. I Know Where I Belong
05. Miss You, Hate You
06. Nuthin‘ I Wouldn’t Do (For A Woman Like You)
07. Colour And Shape
08. Headaches To Heartbreaks (remixing)
09. Trouble Waiting
10. If Heartaches Were Nickels (remixing)
11. Current Situation
12. Don’t Burn Down That Bridge
Bonus Tracks:
13. Hey Mona
14. I Want You
15. Line Of Denial

Joe Bonamassa
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Another Dimension

Arlo McKinley – Die Midwestern – CD-Review

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Review: Michael Segets

Zwar schaut Arlo McKinley mit seiner Band The Lonesome Sound und zusammen mit Umphey McGee bereits auf einzelne Veröffentlichungen zurück, mit seinem Solo-Debüt „Die Midwestern” kann er aber als eine der großen Neuentdeckungen des Jahres gefeiert werden.

Während die älteren Videos, die man im Netz von dem vierzigjährigen Singer/Songwriter findet, meist stripped down Songs mit ausschließlich akustischer Gitarrenbegleitung zeigen, hat er auf dem Album einige Musiker im Rücken, die den sowieso schon guten Stücken zusätzliche Kraft mitgeben. Zusammen mit dem Produzenten Matt Ross-Spang (The Allman Betts Band, Charley Crockett, Calexico) rekrutierte McKinley die Band in Memphis, wo das Werk auch aufgenommen wurde.

Die zehn Eigenkompositionen entstanden in den letzten fünfzehn Jahren. Als Jody Prine seinem Vater John „Bag Of Bills“ vorspielte, überzeugte der Titel den im April verstorbenen Grandseigneur des Country, sodass die beiden McKinley für ihr Label Oh Boy Records unter Vertrag nahmen. Die Folkversion des Videos offenbart die Qualität von McKinley als Songwriter, verdeutlicht im Vergleich aber zugleich den Gewinn, die die Bandversion des Albums erzielt.

McKinley legt viel Ausdruck in seinen Gesang, wobei er sich nicht scheut, seine Stimme mal ohne Begleitung zur Geltung zu bringen, wie beim Einstieg zu „Walking Shoes“. Sehr stark gesungen ist auch der Opener „We Were Alright“, der zugleich ein Anspieltipp ist. Als weiteres Highlight zählt das runde „Suicidal Saturday Night”, dessen String-Arrangements an Springsteens „Western Stars“ erinnern.

Auf dem Werk finden sich keine Uptempo-Nummern, aber der Klang ist tendenziell roots-rockig. Der bereits vorab ausgekoppelte Titeltrack „Die Midwestern“ stellt dafür ein gutes Beispiel dar. Neben sanften Beiträgen wie „Once Again” oder „Whatever You Want” lässt McKinley auch gerne kräftigere elektrische Gitarren erklingen („Gone For Good“). Er gewinnt so dem Americana unterschiedliche Facetten ab. Schließlich unternimmt McKinley mit „She’s Always Around“ noch einen Ausflug in Country-Gefilde.

McKinley stand schon mit John Moreland, Ian Noe, Colter Wall, Jason Isbell und Justin Townes Earle auf der Bühne, wobei er den Vergleich mit diesen Songwritern nicht zu scheuen braucht. Der in Cincinnati ansässige McKinley hat sich in Ohio ohnehin bereits einen beachtlichen Ruf erspielt. Mit „Die Midwestern“ hätte er es verdient, auch überregional erfolgreich zu sein. Arlo McKinley beeindruckt mit dem bislang abwechslungsreichsten und kraftvollsten Americana-Album 2020.

Oh Boy Records – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracks:
01. We Were Alright
02. Die Midwestern
03. She’s Always Around
04. Bag Of Pills
05. The Hurtin’s Done
06. Suicidal Saturday Night
07. Once Again
08. Whatever You Want
09. Gone For Good
10. Walking Shoes

Arlo McKinley
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Luke Bryan – Born Here Live Here Die Here – CD-Review

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Luke Bryans Werdegang in Nashville ist seit Beginn des neuen Jahrtausends eine einzige Erfolgsgeschichte, auch wenn es zunächst einige Zeit brauchte, um in ‚Music City‘ Fuß zu fassen. Spätestens aber mit seinem Debütalbum „I‘ll Stay Me“ im Jahre 2007 und seinem ersten Nr.1-Werk „Tailgates & Tanlines“ hat sich der ursprünglich aus Leesburg, Georgia stammende Countrymusiker unter den Superstars der Szene etabliert.

Mit heimatverbunden Schlagwörtern „Born Here Live Here Die Here” schickt er seinen nun mehr 7. Longplayer ins Rennen um die Billboard-Pole-Position, der allerdings mit nur 10 Tracks und knapp 35 Minuten Spielzeit auch sein wohl kürzestes Stelldichein abgibt. Bei New Countrykünstlern wird ja die oft fehlende Authentizität kritisiert, oft heißt es, dass von Dingen gesungen wird, die man gar nicht erlebt hat.

Auch der der Titel seiner neuen CD könnte hierzu ein willkommener Anlass sein, denn Bryan hat seinen Lebensmittelpunkt ja längst vom ländlichen Georgia in die berühmte Musikmetropole Tennessees verlegt. Da er jedoch aufgrund des tödlichen Autounfalls seines Bruders lange seine Passion zu Gunsten der Familie hinten anstellte und von seinem Vater geradezu genötigt wurde, sein Glück in Nashville zu versuchen, hat das Titelstück bei ihm trotzdem durchaus seine glaubwürdigen Züge.

Was mir diesmal gut gefällt, ist das Bryan ein gutes Gespür für die im Moment schweren Zeiten der meisten seiner Landsleute aufweist. So trägt er diesmal, eigentlich unüblich für Künstler seines Status‘, alles andere als dick auf und serviert ein unaufgeregtes, angenehm ins Ohr fließendes Werk, bei dem man sehr gut entspannen kann.

Die Produzenten Jody und Jeff Stevens, die vielen bekannten Songwriter (diesmal mit starker Präsenz von dem uns auch gut bekannten Josh Thompson) und ausgezeichneten Musiker wie u. a. JT Corenflos, Adaam Shoenveld,  Rob McNelley, John Willis, Ilya Toshinsky, Greg Morrow, Mark Hill, tun ihr Übriges zum Gelingen des Projekts.

Den aufheiternden Momenten mit Stücken wie dem Opener „Knockin‘ Boots“, „What She Wants Tonight“, dem süffigen „One Margarita“ (mit integrierter Huldigung von Musikern wie Jimmy Buffett, Bob Marley und Kenny Chesney) und dem flockigen Rausschmeißer „Down To One“, stehen mit dem Titelstück, dem Ohrwurm „Too Drunk To Drive“ (Keith Urban-Anfangstage-Flair), dem retro-mäßigen „Little Less Broken“, dem Vater-Sohn-Stück „For A Boat“ und „Where Are We Goin’“ (geschrieben von Bryan und Brent Cobb, tolle Harmonies von Chancie Neal), eher unspektakuläre, einfühlsame Songs über das familiäre Alltagsleben gegenüber.

Emotionaler Höhepunkt, ist natürlich „Build Me A Daddy“, ein Song, in dem ein kleiner Junge seinen Vater (ein bei einem Einsatz verstorbener Soldat), von einem Handwerker in kindlicher Naiivität nahe seiner Idealvorstellungen nachgebildet haben möchte. Das dürfte besonders im patriotischen Amerika, natürlich den Nerv der Leute treffen.

Luke Bryan überrascht auf seinem neuen Werk „Born Here Live Here Die Here” mit Zurückhaltung und Einfühlsamkeit und liefert doch eines seiner stärksten Alben ab. Manchmal braucht es halt nicht viel mehr als einen guten Sänger, einige schöne Melodien mit einem klasse gespielten E-Gitarrensolo, um einen Musikkritiker wie mich zu überzeugen. Gut gemacht, Luke Bryan!

Capitol Records/ Universal Music (2020)
Stil: New Country

01. Knockin‘ Boots
02. What She Wants Tonight
03. Born Here Live Here Die Here
04. One Margarita
05. Too Drunk To Drive
06. Build Me A Daddy
07. Little Less Broken
08. For A Boat
09. Where we Are Goin‘
10. Down To One

Luke Bryan
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Universal Music

Rumer – Nashville Tears – The Songs Of Hugh Prestwood – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die Hälfte der sechs Werke von Rumer sind Coveralben. Die britische Sängerin mit pakistanischen Wurzeln nimmt sich für „Nashville Tears“ fünfzehn Titel des amerikanischen Country-Songwriters Hugh Prestwood vor und interpretiert sie mit ihrer weichen, sanften Stimme. Für einige Jahre lebte Rumer in Arkansas und Georgia. Sie begeisterte sich dort für den Americana, den sie auf der CD mit einem europäischen Touch versieht.

Hugh Prestwood dürfte wohl nur Insidern bekannt sein, obwohl er 2006 in Nashville Songwriters Hall of Fame aufgenommen wurde. Er stammt aus El Paso, Texas, lebt in New York und arbeitet dort als Lehrer. Erste Erfolge feierte er mit Judy Collins, die für ihr Album den Titeltrack „Hard Times For Lovers“ (1978) sowie „Dorothy“ von Prestwood aufnahm. In den 1990ern landete er Hits mit Randy Travis und mit Trisha Yearwood. Für seinen Komposition „The Song Remember When“ gewann er einen Emmy. Unter anderem spielten auch Jimmy Buffet und Kathy Mattea Prestwood-Stücke.

Rumer gibt mit „Nashville Tears“ nun die Möglichkeit eine Auswahl von Hugh Prestwoods Kompositionen kennenzulernen oder neu zu entdecken. Insgesamt ist eine ruhige, glatt produzierte Scheibe herausgekommen, auf der die einzelnen Beiträge gefällig produziert sind. Mit üppigen Geigen steigt „The Fate Of Fireflies“ ein. Dabei gehört der Opener noch zu den vereinzelt eingestreuten Midtempo-Stücken.

Die Balladen sind oft mit dem Klavier begleitet, wie bei „June It’s Gonna Happen“, „Here You Are“ oder „The Snow White Rows Of Arlington“, mehrfach auch mit akustischer Gitarre (u. a. „Oklahoma Stray“). Einen deutlichen Country-Einschlag hat „Heart Full Of Rain“. Diesen weist auch die Slide-Gitarre bei „Learning How To Love“ und „Half The Moon“ – bei dem zudem eine Mandoline mitmischt – auf.

Neben den schon erwähnten „Hard Times For Lovers” und „The Song Remember When” wurden auch “That’s That“ (Michael Johnson) sowie „Ghost In This House” bereits von anderen Musikern (Alison Krauss, Shenandoah) performt. Herausragend sind „Bristlecone Pine (Ft Lost Hollow)“, das mit wimmernder E-Gitarre eine hohe Dynamik entwickelt, und „Deep Summer In The Deep South“, das sogar etwas Southern-Feeling transportiert.

Die Songs sind alle melodisch und harmonisch gesungen. In der Gesamtschau fehlt der CD in der zweiten Hälfte lediglich ein ausgeprägter Spannungsbogen. Ob Rumer mit „Nashville Tears“ an die enormen Verkäufe ihrer ersten beiden Alben – „Seasons Of My Soul“ (2010) und „Boys Don’t Cry“ (2012) – anknüpfen kann, bleibt fraglich. Viele Songs sind auf alle Fälle radiotauglich und die Charts in Großbritannien, wo sie ihre größten Erfolge feierte, sind sowieso schwer abzuschätzen.

Cooking Vinyl (2020)
Stil: Americana, Alternative Country

Tracks:
01. The Fate Of Fireflies
02. June It’s Gonna Happen
03. Oklahoma Stray
04. Bristlecone Pine (Ft Lost Hollow)
05. Ghost In This House
06. Deep Summer In The Deep South
07. Heart Full Of Rain
08. Hard Times For Lovers
09. Starcrossed Hanger Of The Moon
10. The Song Remembers When
11. That’s That
12. Here You Are
13. Learning How To Love
14. The Snow White Rows Of Arlington
15. Half The Moon

Rumer
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Cooking Vinyl
Oktober Promotion

Scott Weis Band – Simmer Me Down – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Seit 20 Jahren schon ist Scott Weis im Musikbusiness und die Scott Weis Band existiert bereits seit 2015. In all den Jahren hat er in den Staaten einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad erreicht, der ihm hier in der alten Welt allerdings auch zu wünschen wäre. Seine ersten Erfahrungen hat Scott Weis als Opener für Musikalische Schwergewichte wie Jerry Garcia, John Lee Hooker und Buddy Guy gesammelt.

So wundert es nicht, dass sein neuestes Werk „Simmer Me Down“ ein handwerklich perfekt geratenes Bluesalbum mit viel Gefühl und Tiefgang ist. Das in schwarz-weiß gestaltete und im Innenteil mit teils düsteren Totenköpfen verzierte Albumcover lässt dies zunächst aber nicht vermuten. Umso positiver überrascht ist man dann beim ersten Hören: Die Scheibe macht ihrem Namen alle Ehre, sie bringt Dich wirklich runter im positiven Sinne.

Der Longplayer enthält zehn Songs, manchmal mit Rootseinflüssen, Anleihen beim Chicago- und New Orleans Blues und teils funkig gewürzt. Bei zwei Tracks handelt es sich um Coverversionen: „When Something Is Wrong With My Baby“ (im Original von Isaak Hayes) ist ein großartiger Slowblues voller Weltschmerz und „Jesus Just Left Chicago“ ein schwerer, gemächlich stampfender Blues, der 1973 von ZZ Top geschrieben wurde.

Der Opener „Pride and Soul“ groovt zu Beginn beschwingt mit souligen Background Vocals von Cindy Mizelle, legt dann aber mit Weis’ Gesang eine schwerere Gangart ein.

Mit „All Over Now“ geht‘s dann gemächlich weiter, wobei Weis‘ kraftvolle, raue Stimme durchaus etwas an Joe Cocker erinnert. Das folgende „Simmer Me Down“ ist, anders als der Titel es vermuten lässt, ein flotter, Boogie, der mit Piano und Mundharmonikaunterstützung direkt in die Beine geht. Auch das beschwingte „Helpless“ ermutigt mit quäkender Gitarre und harmonischem Backgroundgesang zum Tanzen.

In der treibenden Bluesrocknummer „Right Where It Belongs“ liefert Weis dann im Mittelteil ein fulminantes Gitarrenspiel ab, während das relaxte „The Way I Do“ und das rhythmischere „Saved“ sehr funky klingen. Das letzte Stück „Transcendence“ fällt allerdings komplett aus dem Rahmen, den die anderen Stücke des Albums zuvor gebildet haben. Ein Song, wie aus den späten Sechzigern mit psychedelisch-sphärischen, geheimnisvollen Klangwelten, der zum Träumen und Abschalten einlädt.

Insgesamt präsentiert sich die Scott Weis Band als ein regelrechtes Powertrio, das die Klaviatur des Blues gut beherrscht. Die Stammbesetzung der Band wird von Scott Weis an der Gitarre plus Gesang, Robert Kapec am Bass und Roger Voss am Schlagzeug gebildet. Unterstützt werden die drei auf dem Album von Sängerin Cindy Mizelle, John Ginty und Phil Silverberg an den Keys und der Percussionistin Bashiri Johnson.

Sleepy Lodge Records (2020)
Stil: Blues

Tracks:
01. Pride And Soul
02. All Over Again
03. Simmer Me Down
04. When Something Is Wrong With My Baby
05. Helpless Chicago Blues
06. Jesus Just Left Chicago
07. Right Where It Belongs
08. The Way I Do
09. Saved
10. Transcendence

Scott Weis Band
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Mary Chapin Carpenter – The Dirt And The Stars – CD-Review

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Review: Michael Segets

Wenn ich an die Musik von Mary Chapin Carpenter denke, kommen mir die Ohrwürmer „He Think He’ll Keep Her” und „I Belong To You“, das sie zusammen mit John Jennings einspielte, in den Sinn. Die Single „Secret Keepers“ von ihrer neuen CD „The Dirt And The Stars” erreicht (fast) die Qualität meiner beiden All-Time-Favoriten.

Seit mehr als dreißig Jahre ist Chapin Carpenter im Geschäft und feierte in der Mitte der 1990er ihre größten Charterfolge im Country-Bereich. Die vielfach ausgezeichnete und mit fünf Grammys geehrte Musikerin veröffentlichte im Schnitt alle zwei Jahre ein Studioalbum und ist jetzt bei Nummer 16 angelangt. Wie beim vorangegangenen „Sometimes Just The Sky“ (2018) tat sie sich wieder mit dem Produzenten Ethan Johns (Paul McCartney, Kings Of Leon) zusammen und besuchte erneut die Real World Studios von Peter Gabriel.

Mit Ausnahme des schon erwähnten „Secret Keeper“ und „American Stooge“, das mich etwas an Sheryl Crows Debüt erinnert, sind die Songs im unteren Tempobereich zu verorten. Die Balladen werden von Chapin Carpenters angehemer, manchmal samtiger Stimmer getragen. Der Gesang und die Band haben einen vollen Klang.

Mal setzt das Klavier Akzente („All Broken Hearts Break Differently”, „Where The Beauty Is”), mal steht die Begleitung durch die akustische Gitarre („Nocturne”), im Vordergrund. Beim Titeltrack und einigen weiteren Stücken kommt Chapin Carpenters langjähriger Gitarrist Duke Levine mit Soli zum Zuge, was die Songs zusätzlich aufwertet.

Besonders gelungen sind der eingängige Opener „Farther Along And Further In“, „Asking For A Friend“, bei dem Chapin Carpenter eine Zerbrechlichkeit in ihren Gesang legt, die eine hohe Intensität erzeugt, sowie das sanfte „Everybody’s Got Something”. Stilistisch ähnlich aber mit weniger Wiedererkennungswert sind die Balladen „It’s OK To Feel Sad“, „Old D-35“ oder „Where The Beauty Is“ gelagert.

Inhaltlich decken die Texte eine breite Palette von Themen ab. Neben Seitenhieben auf die politische Kultur in den Vereinigten Staaten kommen introspektive Gedanken über das Älterwerden oder Herzensangelegenheiten zur Sprache. Die meisten Songs entstanden an ihrem Küchentisch, wobei Chapin Carpenter bei Wanderungen in der Umgebung von Charlottesville, Virginia, weiter an ihnen feilt. Dafür hatte sie aufgrund der Corona-bedingten Verschiebung ihrer Tour mit Shawn Colvin genug Zeit. Das Album eignet sich dann auch als Wegbegleiter bei unaufgeregten Spaziergängen.

Mit „The Dirt And The Stars“ legt Mary Chapin Carpenter ein ruhiges Americana-Album vor, das sich in die Reihe ihrer Veröffentlichungen eingliedert, ohne dabei abzufallen oder besonders hervorzustechen. Von den gewohnt souverän performten Songs bleiben einige im Gedächtnis, insgesamt fehlen jedoch die Überraschungen, die das Werk etwas abwechslungsreicher gemacht hätten.

Lambent Light Records – Thirty Tigers/Membran (2020)
Stil: Americana

Tracklist:
01. Farther Along And Further In
02. It’s OK To Feel Sad
03. All Broken Hearts Break Differently
04. Old D-35
05. American Stooge
06. Where The Beauty Is
07. Nocturne
08. Secret Keepers
09. Asking For A Friend
10. Everybody’s Got Something
11. Between The Dirt And The Stars

Mary Chapin Carpenter
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Thirty Tigers
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Cory Marks – Who I Am – CD-Review

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Fulminantes Country Rock-Debüt vom Kanadier Cory Marks, produziert vom preisgekrönten Produzenten Kevin Churko (u. a. Britney Spears, Ozzy Osbourne, Shania Twain, Slash, Hinder, Emerson Drive)!

Dabei deutete bei dem aus North Bay, Ontario, stammenden Burschen, mit einer Passion für Country- und Rockmusik, als auch für die Fliegerei, zunächst alles auf eine erfolgreiche Eishockey-Karriere hin (solche Biografien interessieren mich immer besonders, da ja auch ich zu meiner Sturm- und Drangzeit viele Jahre lang zu den besten deutschen Tischtennisspielern zählte), bis er eines Abends in einer kleinen Bar von seinen Teamkollegen auf die Bühne zitiert wurde.

Nachdem das Publikum auf seinen Kurz-Set begeistert reagiert hatte und er fortan in dem Club regelmäßig spielen durfte, weitete er seine musikalischen Aktivitäten bis in die USA aus und durfte letztendlich irgendwann Größen wie Toby Keith oder Brantley Gilbert supporten.

Jetzt präsentiert Cory Marks mit seinem ersten Longplayer „Who I Am“ sein musikalisches Ich unter der Fahne von Better Noise Music. Da Eishockey-Spieler ja oftmals für ihre erhöhten Testosteron-Werte bekannt sind, enthält der Silberling überwiegend kraftstrotzende zünftige Country Rocker, aber auch die eine oder andere Herz-Schmerz-Ballade.

Kevin Churko, der mit Sohnemann Kane und Cory die meisten Tracks zusammen kreiert hat, beweist aufgrund seiner langjährigen Erfahrung auf beiden Terrains stilsicher, Country und Rock in eine erfolgversprechende Symbiose zu verwandeln.

Klasse direkt der treibende Opener, wo Marks im Refrain die warnende Worte zum Besten gibt „her angel’s smile, is a devil’s grin“ (wer in seinem Leben viel mit Frauen – besonders den hübschen der Zunft – zu tun hat, weiß, wo von er spricht…).

Herrlich und sicher mit eines der absoluten Highlights eines aber an sich durchgehend guten Werkes, ist das folgende „Outlaws & Outsiders„, bei dem Cory charismatische gesangliche Unterstützung, von den sich mächtig ins Zeug legenden Travis Tritt und Five Finger Death Punch-Fronter Ivan Moody erhält, als auch durch Mötley Crüe-Gitarrist Mick Mars mit einem klasse Solo auf seiner abgewetzten Stratocaster. Grandioser Song!

Das flockige „Good To Be Us“ mit seiner knackigen E-Gitarren-Hook und dem Powerrefrain könnte eines der Radio-Kandidaten abgeben, aber auch die melodischen „Drive„, „Better Off“ und das schön schmachtende Duett „Out In The Rain“ mit Metal-Sängerin Lzzy Hale (Halestorm), die sich hier im Stile einer Robin Beck, Lita Ford, oder Kim Carnes offenbart, haben reichlich Hit-Potential.

Bis auf das countryeske „My Whiskey, Your Wine“ (Merle Haggard-inspiriert), das in zwei Versionen eingespielt wurde, die sich allerdings nur marginal unterscheiden (beide sind auch gleich lang), dominiert ansonsten bei Songs wie „Blame It On The Double“, „Who I Am“, „Keep Doing What I Do“ und dem Bonusstück „She’s Hollywood“ (sehr schön die Refrainzeile „I’m a redneck, she’s Hollywood“) eher die rockige Vorliebe des Protagonisten.

Vieles erinnert mich dabei an die draufgängerische Art seiner kanadischen Kollegen von Dry County oder Interpreten wie Chris Cagle, Black Stone Cherry, Caleb Johnson, Brantley Gilbert oder Jason Aldean auf der US-Seite.

Cory Marks setzt mit seinem Debüt „Who I Am“ eine erste vielversprechende Duftmarke im Rock-umwobenen Country-Revier, die mit Argusaugen besonders von den Managements der bisherigen Platzhirsche, Brantley Gilbert und Jason Aldean, verfolgt werden dürfte. Fette zukünftige Konkurrenz für beide. Bitte mehr davon, Cory Marks!

Better Noise Music (2020)
Stil: Country Rock

01. Devil’s Grin
02. Outlaws & Outsiders
03. Good To Be Us
04. Blame It On The Double
05. Another Night In Jail
06. Who I Am
07. Drive
08. Better Off
09. My Whiskey, Your Wine
10. Keep Doing What I Do
11. Out In The Rain
12. She’s Hollywood (Bonus)
13. My Whiskey, Your Wine – Acoustic Version – (Bonus)

Cory Marks
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