Robin Trower – Live! (50th Anniversary Edition) – CD-Review

Review: Hans-Joachim Kästle

Klar, als Freund gepflegter Gitarrenklänge, ob nun der Gattung Rock, Blues Rock oder dem reinen Blues zugehörig, kennt man Robin Trower seit Jahrzehnten. Noch heute ist der 81-Jährige, der 1967 mit Procol Harum und dem Welthit „A Whiter Shade Of Pale“ ins Rampenlicht trat, ständiger Gast der Billboard Blues Charts, wobei ihm auch die Nummer eins nicht fremd ist.

Auch hierzulande hat er nach wie vor seine Fangemeinde. So kam 2022 seine CD „No More Words To Conquer“ auf Platz 75 der deutschen Charts, was allein schon deshalb erstaunlich ist, weil es nach so vielen Jahren und Dutzenden Alben das erste und bislang einzige Mal war.

Dabei gehörte der gebürtige, von Jimi Hendrix beeinflusste Londoner in den siebziger und achtziger Jahren zu den „Gitarrengöttern“. In den USA gab es für seine Alben „Bridge Of Sighs“, „For Earth Below“, „Long Misty Days“ und „In City Dreams“ Gold für jeweils über eine halbe Million verkaufter Exemplare. Die nun in der „50th Anniversary Edition“ neu aufgelegte CD „Robin Trower Live!“ schaffte es 1976 bis auf Platz zehn der Billboard 200 und in Großbritannien auf 15.

Der berühmte Funfact am Rande: Trower erzählte später, die Band habe gar nicht gewusst, dass die Show in Stockholm aufgezeichnet wurde. Bassist und Sänger James Dewar, Drummer Bill Lordan und er selbst dachten, sie würde lediglich für eine Radiosendung spielen. „Deshalb waren wir locker und ungezwungen und haben eine unserer besten Shows gespielt.“

Die Neuauflage mit aufwändigem Booklet und dem Remix von 2026 enthält fünf bisher unveröffentlichte Titel und bietet damit zum ersten Mal die komplette Setlist des Konzerts vom 3. Februar 1975. Auf der zweiten CD mit dem Originalmix gibt es die sieben Stücke, die es seinerzeit auf die LP geschafft haben.

Mehr war in jenen Tagen nicht üblich, wobei der längste Titel, „Daydream“, immerhin acht Minuten lang ist. Der ist im Remix plötzlich über neun Minuten, indem nun einfach ein paar Worte von Robin Trower zu hören sind, die es im Original nicht gab; auch der Beifall der Fans fällt länger aus.

Chrysalis Records (2026)
Stil: Blues Rock

Tracks:
CD 1: Complete Concert – 2026 Mix
01 Day of the Eagle *
02 Bridge of Sighs *
03 Gonna Be More Suspicious *
04 Fine Day *
05 Lady Love
06 Daydream
07 Too Rolling Stoned
08 I Can’t Wait Much Longer
09 Alethea
10 Little Bit Of Sympathy
11 Confessin’ Midnight *
12 Rock Me Baby

CD 2: Original 1975 Version
01Too Rolling Stoned
02 Daydream
03 Rock Me Baby
04 Lady Love
05 I Can’t Wait Much Longer
06 Alethea
07 Little Bit Of Sympathy
*Previously unreleased

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V2 Records Promotion GSA

Robin Trower – Living Out Of Time – Vinyl-Review

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Review: Gernot Mangold

Zeitgleich zum „20th Century Blues“-Album hat Repertoire Records mit „Living Out Of Time“ ein zweites Trower-Werk erstmals auf Vinyl re-releast. Dieses, 2003 ursprünglich veröffentlicht, ist ein Bluesalbum, das aber rockiger ist als das zuvor beschriebene, was neben der Vielseitigkeit Trowers, auch an der veränderten Besetzung der Mitspieler liegen mag.

Begleitet wird er diesmal von Dave Bronze (Procul Harum, Dr. Feelgood, Eric Clapton, Tom Jones, Art Of Noise) am Bass, Pete Thompson (Ken Hensley Ex-Uriah Heep, Pete Haycock Ex-Climax Blues Band, Robert Plant) an den Drums und Davey Pattison (Michael Schenker), der die Lead Vocals beisteuert.

Schon beim Opener, dem rockigen „What’s Your Name“ zeigt sich, dass Davey Pattison mit seiner sehr klaren Stimme einen anderen Charakter in die Stücke als Livingston Brown bringt und sich Trower hier eher den klassischen Rock hingibt, was ihm aber auch exzellent gelingt.

Dem ebenfalls rockigen „Step Into The Sun“ folgt mit „Another Time, Another Place“ der erste Bluessong, der sehr melodisch, ruhig, zuweilen manchem melancholischen Clapton-Song ähnelt, dem sich nahtlos „Sweet Angel“ anschließt. Leicht funkig ist der Einstieg in „Please Tell Me“, bis dann Pattison mit seiner harmonischen Stimme eine gewisse Ruhe in den Track bringt, die Trower aber immer wieder mit kurzen Gitarrensoli durchbricht, welche zuweilen auch an Hendrix erinnern.

In „One Less Victory“ begibt sich Trower mit seiner Band wieder eher in eine balladeske Richtung nach Muster alter britischer Rockbands. „Ain’t Gonna Wait“ ist dann ein weiterer ruhiger Rocksong. Beim Titellied „Living Out Of Time“ wird es wieder bluesiger und rauher. Trower stimmt härtere Töne an und auch die Soli nehmen wieder mehr Fahrt auf.

„The Past United“ ist wieder ein schöner harmonischer Bluessong, stimmlich einem Clapton ähnelnd, der aber von Arrangement her eher in Richtung „Angel“ von Jimi Hendrix schwelgt. Die besten Stücke in einem durchweg starken Album hat Trower sich aus meiner Sicht zum Ende des Albums aufgehoben. Erst das raue, bluesige „You Still Come Back“ mit eingängigen Refrain im Midtempo und zum Ende das etwa 10-minütige „I Want To Take You With Me“, ein balladesker ruhiger Bluesrocksong, in dem alle Musiker noch einmal ihre Extraklasse ausweisen.

Trower offeriert hier, dass er auf den Punkt, auch ohne Highspeed, Akzente setzen kann. Das Artwork entspricht dem Originalcover, schön ist, dass auf einem doppelseitigen Inlay auf der einen Seite ein Bild Trowers und auf der anderen Seite ein längerer Text, Einblicke in Trowers Schaffenzeit gibt. Optimal wäre allerdings ein zweiseitiges Booklet gewesen, sodass die Schriftgröße angenehmer wäre.

Was den Vinyl-Liebhaber auch erfreuen wird, ist dass die Schutzhülle für die Scheibe nicht wie so oft aus Karton oder harten Papier ist, sondern das Papier innen mit glatten Kunststoff beschichtet ist, was ein schonender Faktor ist. Den letzten Song „I Want To Take You With Me“ kann man auch als Einladung sehen, sich dieses Album zuzulegen. Ich denke, dass Trower, Blues- wie Classic Rock-Anhänger, mit diesem Werk mitnehmen wird.

Repertoire Records (2003/2020)
Stil: Blues (Rock)

Tracklist:
01. What’s Your Name
02. Step Into The Sun
03. Another Time, Another Place
04. Sweet Angel
05. Please Tell Me
06. One Less Victory
07. Ain’t Gonna Wait
08. Living Out Of Time
09. The Past United
10. You Still Come Back
11. I Want To Take You With Me

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Robin Trower – 20th Century Blues – Vinyl-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „20th Century Blues“ wird eins von den Fans am meisten favorisierten Alben Trowers erstmals auf Vinyl veröffentlicht, nachdem die CD-Version schon satte 26 Jahre auf dem Buckel hat. Fürs Vinyl wurde das Material in den Abbey Roads Studios aufbereitet. Jetzt mag man sich über den Sinn unterhalten können, die Platte noch einmal in dieser Form den Fans zu präsentieren.

Ich denke aber, dass es eine gute Entscheidung ist, eins von Trowers Meisterwerken seiner Solokarriere in der Form aufzubereiten, da insbesondere unter den Bluesfans, viele noch oder wieder dem Vinyl als Medium zugetan sind. Zudem ist Trower, auch als Mitglied von Procul Harum und Jude ein Stück lebende Musikgeschichte, da er mit nun 75 Jahren weiterhin auch neue Songs auch live präsentiert.

Man mag es auch als Ehrung eben zu seinem 75. Lebensjahr und zum 25-jährigen Jubiläum des Albums im letzten Jahr sehen, dass seine Musik durch diese Neuauflage nicht in Vergessenheit gerät.

Über die spielerische Qualität brauchen eigentlich nur wenige Worte verloren werden. Wer aber den Namen Trower in Verbindung mit dem Procul Harum Klassiker „A Whiter Shade Of Pale“ setzt und stilistisch ähnliches erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Trower bietet einen Blues der Extraklasse, in dem er als Engländer auch den Stil des legendären Jimmy Hendrix aufgrift, was z. B. in „Whisper Up A Storm“ deutlich wird, wo die Songstruktur derer von „Crosstown Traffic“ ähnelt.

Voller Power und Dynamik, mit einem stimmlich bestens aufgelegten Livingstone Brown als Sänger und den Tieftöner bearbeitend, sowie Mayuyu an den Drums, werden 12 Songs im klassischen Bluespowertriostil präsentiert, die so zeitlos sind, dass sich auch jüngere Bluesfans, die sich bisher mit Robin Trower noch nicht beschäftigt haben, Gefallen finden werden.

Anspieltipps sind der dynamische Titelsong „20th Century Blues“ mit krachend jaulenden Soli, das funkige „Prisoner Of Love“ und das ruhige, fast melancholische „Secret Place“, wo eine zu Boden fallende Nadel, einen aus den Träumen reißen würde. Stark auch das rockige „Chase The Bone“, in dem Livingstone zeigt, dass er den Blues in der Stimme hat.

Das Coverartwork entspricht dem Original, schön ist, dass auf einem doppelseitigen Inlay auf der einen Seite ein Bild Trowers und auf der anderen Seite ein längerer Text Einblicke über Trowers Schaffen gibt. Optimal wäre allerdings ein zweiseitiges Booklet gewesen, sodass die Schriftgröße angenehmer wäre. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Was den Vinylliebhaber auch erfreuen wird, ist, dass die Schutzhülle für die Scheibe nicht wie so oft aus Karton oder harten Papier ist, sondern das Papier innen mit glatten Kunststoff beschichtet ist, was ein schonender Faktor ist.

Das Label Repertoire Music, welches auf Re-Releases von Classic Rock- und Blues-Werken spezialisiert ist, hat mit diesem Album ein gutes Händchen bewiesen, diesen Trower-Klassiker wieder aufleben zu lassen.

Repertoire Records
Stil: Blues

Tracklist:
01. 20th Century Blues
02. Prisoner Of Love
03. Precious Gift
04. Whisper Up A Storm
05. Extermination Blues
06. Step Into The Dark
07. Rise Up Like The Sun
08. Secret Place
09. Chase The Bone
10. Promise You The Stars
11. Don’t Loose Faith In Tomorrow
12. Reconsider Baby

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