Dead Bronco – 02.05.2018, Krefeld, Kulturrampe – Konzertbericht

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Matt Horan, dem Frontmann von Dead Bronco, scheint es in Krefeld zu gefallen. Gerade zehn Monate waren seit seinem ersten Gastspiel im Großmarkt verstrichen, da stand er erneut auf der Bühne der Kulturrampe, allerdings mit komplett ausgetauschter Band. Einen Tag nach dem Tanz in den Mai war das Publikum wieder in Feierlaune und in etwa so zahlreich wie beim vorjährigen Auftritt – für einen Mittwochabend also ein ordentlicher Zuspruch.

Viertel vor Neun legte die neu formierte Band nach einer kurzen Begrüßung durch „Pille“ Peerlings mit dem Instrumentalstück „Death Of An Appalachian“ los. Atmosphärische Klänge des Keyboards von Rita Sainz untermalten Joel Bruñas anfangs dominierende Banjo. Nach dem Intro gab „Scumbag“ die Marschrichtung für den Abend vor.

Diese ging in Richtung Punk und rief bei Gernot Erinnerungen an die Ramones wach. Die Country-Einflüsse, die bei dem vorangegangenen Konzert noch deutlich hörbar waren, schienen nur noch gelegentlich durch, beispielsweise bei dem Twang von „Devil’s Road“ oder bei „Stupid Man“ und „Dead Bronco“.

Als Liebeslied kündigte Matt Horan „I Hate You“ an, wobei er einräumte, das mit der Liebe nicht so richtig erklären zu können. Insgesamt zeigte sich der Bandleader wieder sehr kommunikativ und leitete mehrere Songs mit Anekdoten oder kurzen Erklärungen ein. So erzählte der 36jährige über seine eher unappetitlichen Essgewohnheiten in der Jugend, die ihn zu „Life Of Leech“ inspirierten oder die geographisch unglückliche Lage seines Hauses, die er bei „Stuck In The Mud“ verarbeitete.

Nicht ganz ernstgemeinte Zwiegespräche mit Joel Bruña und die schon fast absurden Informationen, so zum Beispiel über die in Belgien gekauften Socken des Gitarristen Adan Roiz, waren unterhaltsam und machten Spaß.

Auch sonst passierte auf der Bühne sehr viel. Horan schwang seine Hüften, sprang herum und versuchte sich an artistischen Einlagen. In Sachen Körperbeherrschung war allerdings Adrian Lopez unübertroffen. Zweimal stieg er auf seinen Upright-Bass und spielte ihn frei balancierend und quasi schwebend weiter. Das hatte ich bislang noch nicht gesehen. Vielleicht nicht ganz so beeindruckend, aber auf alle Fälle überraschend, war das Kommando „Sexy Time“, mit dem die Bandmitglieder zugleich ihren Oberkörper frei machten.

Da gab es einige Tätowierungen und Brustwarzen-Piercings zu bestaunen. Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Das Publikum feierte die Aktion aber auf alle Fälle. Rita Sainz, die die Band nur gelegentlich mit dem Keyboard unterstützte, war zu dem Zeitpunkt nicht auf der Bühne und wollte sich später auch nicht an dem Einfall beteiligen.

Vollen Körpereinsatz zeigte hingegen Guille Peña am Schlagzeug, der nicht nur bei „Floating Down River“ sein gesamtes Gewicht in die Bearbeitung der Felle legte und richtig wütete. Der volle Klang des Schlagzeugs sowie der sehr gut ausgesteuerte Sound war das Verdienst von Malte an den Reglern. Horan würdigte den Rampentechniker überschwänglich – einer der ernst gemeinten und angemessenen Beiträge des Sängers.

Musikalisch stand das neue Album „Driven By Frustration“ im Vordergrund. Dead Bronco spielte alle Titel der Scheibe. Die Highlights waren dabei für mich „Miss Carriage“ und „Lord Call Me Home“. Mit „Penitent Man“, „Freight Train“ und „Keg Stand“ wurden zudem rockige Stücke früherer Veröffentlichungen ausgewählt. Auch „Vampiria“ wurde kurz und knackig durchgezogen. Das Konzert hatte daher richtig Fahrt.

Für zartere Einlagen sorgte Adan Roiz, wenn er seine elektrische Gitarre gegen eine Mandoline austauschte und so etwa bei „Driven By Frustration“ einen Gegenpol zu dem exzessiven Banjo-Spiel von Joel Bruña bildete. Oftmals gelang es der Band, die brachialen Kraft des Punks zu transportieren, ohne die Melodien der Songs aus den Augen zu verlieren.

Den theatralischen Abschluss des Hauptsets bildete „Funeral Inhibited“. Dead Bronco zelebrierte eine symbolische Beerdigung bis alle Bandmitglieder auf der Bühne lagen oder von ihr verschwunden waren. Bei der Zugabe begeisterte das mir bis dato unbekannte „Lucifer’s The Light“ mit seinem Country-Einschlag. Schließlich präsentierte Dead Bronco mit „The Sheperd“ noch die Weltpremiere eines Songs für die Umweltorganisation Sea Shepherd, zu dem es jetzt einen brandaktuellen Videoclip gibt.

Dead Bronco haben es musikalisch und mit ihrer Bühnenshow krachen lassen. Der gut aufgelegte Matt Horan sorgte für einen kurzweiligen, mit Humor gewürzten Abend.

Line-up:
Matt Horan (lead vocals, acoustic guitar)
Joel Bruña (banjo, vocals)
Adan Roiz (electric guitar, mandolin, vocals)
Rita Sainz (keyboard)
Adrian Lopez (upright bass)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Michael Segets

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Kulturrampe Krefeld

Chris Keys – 10.04.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Was für ein Abend! Zunächst setzte strömender Regen ein und dann zog ein Gewitter auf. Wie sich herausstellte, hatte Rampenchef „Pille“ Peerlings das Wetter für Chris Keys bestellt, damit der Nordire sich in Krefeld heimisch fühlt. Das tat Keys dann auch, sodass nun Verhandlungen laufen, ob er im Sommer mit Band in den Konzertsaal einzieht.

Das Bluebird Cafe, quasi das Wohnzimmer der Kulturrampe, war gut gefüllt. Nachdem die letzten Sitze verteilt und einige Besucher ihren Stehplatz eingenommen hatten, ertönten pünktlich um 20.30 Uhr die ersten Klänge von Keys akustischer Gitarre. Der Ire unterhielt mit einem bunten Mix von seiner CD „Life In Motion“, neuen Songs und einigen Covern.

Er startete mit „Tonight“, einer schönen Ballade seines Longplayers, die von seiner warmen Stimme getragen wird. Im ersten Set spielte er das flotte „Fix It“, „Under The Streetlight“ und das hervorragend mit Mundharmonika begleitete „Broken World“. Im zweiten Set folgten „New Day“, „Shadows“ und „City Lights“, die sich alle auf „Life In Motion“ finden. Besonders atmosphärisch war „I’ll Be Home“, das von einem auf der See verlorenen Mann handelt. Passend dazu war tatsächlich das Donnern des Gewitters in der Rampe zu hören. Dies sorgte für ein Schmunzeln und einen launigen Kommentar des Musikers.

Als erste Zugabe gab Chris Keys „You“ zum Besten, sodass bis auf „Stronger“ alle Tracks seines Debüts dargeboten wurden. Die Stücke sind auf der CD mit Band eingespielt. Bei dem Solo-Auftritt erschienen sie natürlich in neuem Gewand. Keys kommt aber aus der Singer/Songwriter-Ecke, seine Songs sind sorgfältig entworfen und zauberten auch in den reduzierten akustischen Versionen gekonnt unterschiedliche Stimmungen.

Vor allem, wenn er die Mundharmonika auspackte, auf seiner Gitarre klopfte oder Passagen pfiff, sorgte dies für zusätzliche Abwechslung. Ebenfalls gut gefallen hat dem Publikum, dass der junge Musiker die einzelnen Titel oftmals mit kurzen Erläuterungen einführte und sowohl in der Pause als auch nach dem Konzert sehr kommunikativ mit ihm in Kontakt trat.

In den letzten Monaten arbeitete Keys intensiv an der Fertigstellung seines zweiten Albums, das in den Startlöchern steht. Einen Vorgeschmack gab „Open Road“, die erste Single, die im Mai mit Video veröffentlicht werden soll. Neu war auch „Summer Blue“, das einen gelungenen Spannungsbogen aufbaute. Während Keys hier hohe Töne anschlug, wirkte seine Stimme auf dem starken „Rest Your Head Next To Mine“ eher rau.

Für eine ganz „spezielle“ Frau hat der charismatische Musiker „All That’s Good“ geschrieben. Im Publikum waren überproportional viele Frauen vertreten, die bei dem Liebeslied vielleicht ins Schwelgen kamen. Wer weiß das schon? Eher (Cow-)Boys sprach wahrscheinlich „Silhouette Man“ an, bei dem Keys nach eigener Aussage „Western Vibes“ erzeugen wollte. Mich hat das Stück überzeugt und ich bin gespannt, wie es auf dem kommenden Album klingt.

Dass Chris Keys Fan von Johnny Cash ist, überrascht ein wenig, wenn man seinen Silberling hört. An dem Abend coverte er „Folsom Prison Blues“ und „Ring Of Fire“. Mit dem erdigen Kenny Rogers Titel „The Gambler“ bewies er weiterhin seine Affinität zum Country. Eher leichtere Töne schlug Keys bei „Sitting, Waiting, Wishing“ von Jack Johnson an, das in das erste Set eingestreut war. Zum Abschluss des Konzerts drehte Keys nochmal richtig auf und nahm das Publikum bei „I’m A Believer“ von The Monkees und „Little Lion Man“ von Mumford & Sons mit.

Während draußen das Unwetter tobte, bot das Bluebird Cafe wieder ein heimeliges Ambiente für einen gelungenen Live-Musikabend. Chris Keys schien nach der zweiten Zugabe und fast zwei Stunden Spielzeit ebenfalls sehr zufrieden und bedankte sich bei dem Gastgeber und der Technik, für den sehr guten Sound. Dem kann man sich nur anschließen.

Line-Up:
Chris Keys (vocals, guitar, harmonica)

Bilder und Text: Michael Segets

Chris Keys
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Kulturrampe Krefeld

Melanie Dekker – Secret Spot – CD-Review

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Eine Dame, die, wenn es in unserer Interpretenskala eine Rangfolge nach Beliebtheit geben würde, ganz oben mit vertreten wäre, ist zweifellos die Kanadierin Melanie Dekker.

Die spielt sich seit zig Jahren, oft solo, mal in Begleitung eines bis zweier weiterer Musiker, regelmäßig bei uns, sowie fast ganz Europa, in den kleinen, Insider-Musik protegierenden Clubs, auf ihrer Akustik-Klampfe, für vermutlich kleines Geld, die Fingerkuppen wund, ohne dabei auch nur ansatzweise ihre lebensbejahende, fröhliche und sympathische Aura einzubüßen.

Mein erster Berührungspunkt mit ihr war 2009 „Acoustic Ride„. Danach hatte ich persönlich das Vergnügen, sie ein paar mal auf ihren Konzerten kennenlernen zu dürfen (in meiner Gegend ist sie leider nicht ganz so oft präsent). Seitdem bin ich soweit eine gesetzte Konstante, wenn es um das Besprechen ihrer neuen Werke geht.

Die aus Vancouver stammende Singer/Songwriterin beglückt uns nach einer knapp fünfjährigen Pause in Sachen Studio-Alben nach „Distant Star“ jetzt mit ihrem neuen Werk „Secret Spot“. Zehn wunderbare geschmackvolle Tracks, alle wieder größtenteils aus eigener Feder, lediglich das im wahrsten Sinne des Wortes, pfiffige Titelstück (Pfeif-, Slide-Gitarren-, Banjo-Einlagen) stammt vom hier, bei mehreren Liedern instrumental involvierten Allen Roger.

Wenn es so etwas wie Gerechtigkeit auf dieser Welt geben würde, müssten eingängige Stücke wie „Front Row“, „Ginned Up“, „Try Me (The Basket Song)“, „Always Gonna Be“ sowie der bereits erwähnte Titeltrack „Secret Spot“, eigentlich die Major-Label und Radiostationen, auf den Plan rufen.

Für die B-Note, also den künstlerischen Teil, stehen der melancholische Opener „Memories Of You“, das kammmermusikartige „More Human“ (Ukulele, Cello, Piano), der Tex-Mex Country-Storyteller „Te Amo Mucho“ (Akustik-Gitarren-, Akkordeon-Untermalung, E-Fills), das soulige „Better When We Do“ (Wurlitzer-Piano, Trompete) und das abschließende, titelmäßig schön passende „When It’s Over“ (nur auf Gesang, Piano, Bass und Harmonies reduziert, atmosphärisch).

Auf dem Cover sitzt Melanie so ein wenig geschafft, abgekämpft, aber zufrieden und glücklich, auf einem gepflasterten Steinboden an eine Häuserwand gelehnt, wie jemand, der gerade eine anstrengende Sache hinter sich gebracht, aber umso erfolgreicher beendet hat.

„Secret Spot“ ist ein tolles, mit viel Feingefühl für kleine instrumentelle Fertigkeiten gewordenes, Singer/Songwriter-Kleinod geworden, das sich nicht zu verstecken braucht und eigentlich weit über den Nischen-Charakter hinaus bekannt werden müsste.

Und auf dem mir zugesendeten Exemplar ist natürlich auch wieder mit „Dear Daniel, thank you for bringing music to the fans! Mel“ eine per Hand vermerkte persönliche Widmung. Wie anfangs schon erwähnt – einfach eine liebenswerte sympathische Person, diese Melanie Dekker!

Eigenproduktion (2018)
Stil: Singer/Songwriter

01. Memories Of You
02. Front Row
03. More Human
04. Ginned Up
05. Try Me (The Basket Song)
06. Always Gonna Be
07. Te Amo Mucho
08. Secret Spot
09. Better When We Do
10. When It’s Over

Melanie Dekker
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Soul Return – Same – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Soul Return“ ist das erste Album der gleichnamigen kalifornischen Band, bestehend aus der Sängerin und Mundharmonikaspielerin Kellie Rucker, dem Slide-Gitarristen JJ Holiday und dem Drummer Michael Barsimanto. Alle drei haben in der Vergangenheit, jeder für sich, bereits mit zahlreichen Größen aus dem Musikbusiness, wie zum Beispiel Bruce Springsteen, Bob Dylan, Keith Richards oder Andy Taylor zusammengearbeitet. Ergänzt werden die drei auf der CD durch den Bassisten Keith Karman.

Herausgekommen ist ein Album ganz in der musikalischen Tradition von Grateful Dead, Janis Joplin und Curtis Mayfield oder Howlin’ Wolf. Es ist die Rückkehr des California Soul, funky, groovy und teilweise auch ein wenig psychedelisch. Beherrscht wird das Werk von Kellie Ruckers prägnanter, rauer Stimme, die irgendwie an die Sangeskünste von Janis Joplin, mit Einflüssen von Macy Gray, erinnert, sowie dem einzigartigen rhythmischen Gitarrenspiel von JJ Holiday.

Gleich zu Beginn groovt es kraftvoll und mächtig mit „You’re Leavin‘ Me“. der Opener besticht direkt durch einen satten Bass, gepaart mit einem flotten Funk-Rhythmus und einem eingängigen Gitarrenriff im Refrain. Treibend geht es auch dann beim tranceartigen, zum Tanzen einladenden, „In The Meantime“ weiter. Der nächste Song „Life Of Crime“ ist ein fröhliches, eingängiges Soulstück mit schönen Einlagen von JJ Holiday an der Slidegitarre und Kellie Rucker an der Mundharmonika, die auch in „FYL“ einmal mehr ihre Qualitäten als Shouterin unter Beweis stellt.

Ihre an Janis Joplin erinnernde Stimme beherrscht ebenfalls das nachfolgende Stück „Only Love Can Save Us Now‘, ein schöner Country-angehauchter Blues, bei dem JJ Holiday erneut zeigt, was er an der Slidegitarre drauf hat. „Va Va Voom“ wiederum rockt so richtig, auch hier legt sich Kellie Rucker stimmlich wieder mächtig ins Zeug und lässt zwischendurch immer wieder Ihre Harp aufblitzen. Das fröhlich swingende „In America“ erinnert stilistisch stark an Songs von Lou Reed.

Die erste Verschnaufpause gibt es dann mit „Kiss Me“, ein Leidenschaft versprühendes, sinnliches Stück mit psychedelischem Mittelteil, in dem Kellies Stimme so verführerisch wie sonst nirgends auf der CD klingt. Das folgende „Throwin‘ And Fumblin’“ ist eine gelungene Interpretation des ähnlich lautenden Traditional „Rollin‘ And Tumblin’“ von Hambone Willie Newbern. In ruhigere Gewässer steuert die CD dann mit dem bluesig-melodiösen Stück „Had We Not“, das mit seinen Southern-Anleihen zum Träumen und Relaxen einlädt.

Auf das rhythmisch funkige „Talk To Me“ folgt dann als Abschluss der CD die einfühlsame Bluesballade „If These Walls Could Talk“, die Janis Joplin nicht besser hätte intonieren können und ihren Abschluss in einem vor Verzweifelung schreienden Gitarrenjam findet.

Insgesamt ist das Debüt von Soul Return eine wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen herausragende Scheibe, die von Anfang bis Ende einfach nur Spaß macht und die auch nach dem x-ten mal Hören nicht langweilig wird. Also, eine absolute Kaufempfehlung mit 5 Sternen.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. You’re Leavin‘ Me
02. In The Meantime
03. Life Of Crime
04. FYI
05. Only Love Can Save Us Now
06. Va Va Voom
07. In America
08. Kiss Me
09. Throwin‘ And Fumblin‘
10. Had We Not
11. Talk To Me
12. If These Walls Could Talk

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H’ART Musik-Vertrieb GmbH

Patricia Vonne – Top Of The Mountain – CD-Review

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Review: Michael Segets

Die multikulturellen Wurzeln Patricia Vonnes spiegeln sich abermals auf „Top Of The Mountain”, ihrem achten Album seit 2003, wider. Aufgewachsen in San Antonio und mittlerweile in Austin lebend integriert Vonne ein breites Spektrum an Musikstilen, die in der Grenzregion der Vereinigten Staaten und Mexikos lebendig sind.

Der Longplayer ist dementsprechend abwechslungsreich. Neben den unterschiedlichen Musikrichtungen tragen eine variable Instrumentalisierung und die Unterstützung – vor allem beim Songwriting – von prominenten Musikern zu einem kurzweiligen Ausflug nach Texas bei. Die überwiegende Anzahl der Titel ist dabei im Roots Rock zu verorten.

Patrica Vonne ist ihr bislang reifstes Album gelungen. Einen großen Anteil daran hat Rick Del Castillo, der mit zwei Ausnahmen alle Songs produzierte und Vonne dazu bewegte, in einer tieferen Stimmlage zu singen. Dies vermeidet den schrillen Cowgirl-Pop-Eindruck, der einigen Titeln ihrer bisherigen Veröffentlichungen anhaftete. In den drei spanischen Liedern zeigt Vonne ihre Verbundenheit mit dem lateinamerikanischen Erbe ihrer musikalischen Sozialisation.

Der Walzer „Cancion De La Boda” – mit Akkordeon und Geige begleitet sowie anfangs mit dem Knistern einer alten Schallplatte unterlegt – erweckt den Anschein, als stamme er aus einer früheren Zeit. „Madre De Perla” widmet Vonne ihrer Mutter. Passend zu dem Flamenco-Feeling klappert Vonne mit den Kastagnetten. Ihre bevorzugten Instrumente setzt sie auch auf „Illuminaria“ ein.

Michael Ramos produzierte das Tejano-Stück mit der Folge, dass Vonnes Gesang höher als auf den anderen Titeln ausfällt. Wenn man wenig mit den deutlichen mexikanisch-spanischen Stileinflüssen anfangen kann, bleiben immer noch zehn hörenswerte Tracks.

Allen voran steht das Duett mit Joe King Carrasco „Lil´ Lobo“. Vonne und ihr Partner heulen sich unterstützt von krachenden Gitarren die Seele aus dem Leib. Der Vergleich mit den anderen Wölfen von Los Lobos drängt sich bei dem Tex-Mex „Graceland Trip“ auf. Hier zeigt Vonne, dass sie auch ohne fremde Unterstützung treibende Rocksongs schreiben kann. Dennoch zahlt sich bei „City Is Alive“ die Zusammenarbeit mit der New Yorker Rockgröße Willie Nile aus. Neben der Nummer mit härteren Gitarren-Riffs findet sich mit „Lekker Ding“ ein lockerer Old-School-Rock-n-Roll auf der Scheibe.

Von den schnelleren Stücken fällt einzig der Opener „Citatel“ durch die Dramatik im Gesang etwas ab. Bei dem von Alejandro Escovedo mitgeschriebenen „Tidal Wave“ passt das Pathos hingegen besser.

Mit akustischen Gitarren und Geige widmet sich Vonne auf dem titelgebenden „Top Of The Mountain“ dem Country. Die windumwehte und staubige Landschaft eines Westernfilms kommt bei „Western Blood“ unwillkürlich in den Sinn. Patricia Vonne lässt ihre E-Gitarre auf dem mit Steven Medina Hufsteter von den Cruzados komponierten Instrumentalstück melodiös klirren.

Den regulären Abschluss des Albums bildet die kraft- und gefühlvolle Ballade „God´s Hand“. Vonnes Stimme wird hier nur von einem Klavier begleitet. Als Bonustrack gibt es noch die weitere Ballade „Stop The Madness“, die für eine texanische Organisation gegen häusliche Gewalt verfasst ist. Ihr soziales Engagement und ihr Einsatz für Frauenrechte brachte Vonne schon bei den früheren Titeln „Missing Women“ beziehungsweise „Mujeres Desaparecidas“ zum Ausdruck.

Auf ihrer neuen CD „Top Of The Mountain“ hat Patricia Vonne Pop-Elemente zugunsten eines erdigeren Sounds aufgegeben, was den Freunden von Sounds Of South gefallen wird. Vonne tourt in den nächsten Monaten ausgiebig durch Deutschland und präsentiert ihr neues Werk live. Da man den Berichten von Daniel Glauben schenken kann, lohnt ein Konzertbesuch auf alle Fälle.

MIG (2018)
Stil: Rock / Americana

01. Citadel
02. City Is Alive
03. Illuminaria
04. Top Of The Mountain
05. Lil‘ Lobo
06. Madre De Perla
07. Tidal Wave
08. Graceland Trip
09. Western Blood
10. Cancion De La Boda
11. Lekker Ding
12. God’s Hands
13. Stop The Madness

Patricia Vonne
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M. i. G.-Music
Indigo Musikproduktion + Vertrieb

Colter Wall – Imaginary Appalachia – EP-Review

CW

Review: Michael Segets

„Imaginary Appalachia“ wurde ursprünglich 2015 auf Vinyl und als Download herausgebracht. Nach dem selbstbetitelten Debüt-Album von Colter Wall aus dem letzten Jahr liegen die sieben Tracks der EP jetzt auch als Silberling vor.

Die sparsam instrumentierten Songs leben von der dunklen Stimme Colter Walls, die an einigen Stellen sehr stark an die von Johnny Cash erinnert. Gelegentlich setzt Wall interessante Intros ein – ebenfalls ein Element, das ihn mit dem ‚Man In Black‘ verbindet. Die Parallelen treten bei „Johnny Boy’s Bones“, einem klassischen Country-Titel im mittleren Tempo, besonders deutlich zutage. Das Stück geht unmittelbar ins Ohr und wirkt trotz der bekannten Ingredienzien frisch.

Für die wunderschöne Ballade „Caroline“ möchte man sich einen Schaukelstuhl auf die Terrasse stellen und auf einen Sommerabend warten. Weiblicher Harmoniegesang begleitet zeitweise Walls Stimme und gibt dem Werk eine zusätzliche Wärme.

Mit wenigen Mitteln, seiner Stimme und Gitarre, zaubert Wall eine dichte Atmosphäre auf „Living On The Sands“. Etwas Zittern im Gesang reicht aus, um einen starken und bewegenden Song hervorzubringen. Ähnliches gelingt ihm bei „Nothin’“, bei dem Anflüge von Hall-Effekten eingesetzt werden. Eingängiger und mit Schlagzeug unterlegt, aber nicht weniger packend, ist „Sleeping On The Blacktop“.

Die drei Titel transportieren eine ursprüngliche Energie, die „Ballad Of A Law Abiding Sophisticate“ so nicht zu bieten hat. Wall legt hier eine gehörigen Portion Vibration in seine Stimme. Etwas Twang und viel leidende Geige ergänzen diese, heben das Stück aber nicht über das Mittelmaß hinaus. Zum Abschluss nimmt Colter Wall eine Kurve in Richtung Blues. Das macht er ordentlich, aber „The Devil Wears A Suit And Tie” entwickelt nicht die Intensität der anderen reduzierten Songs.

Das erste musikalische Lebenszeichen von Colter Wall durch die Veröffentlichung als CD nochmal in Erinnerung zu rufen, ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass es „Sleeping On The Blacktop“ auf den Soundtrack zum Neo-Western Hell ‚Or High Water‘ (mit Jeff Bridges als Texas Ranger) geschafft hat. Wall präsentiert sich mit „Imaginary Appalachia“ als unverbrauchter und ungeschliffener Musiker. Auch wenn nicht jeder Song ein Volltreffer ist, bleiben doch einige herausragende Titel im Gedächtnis.

Gerade dort, wo Colter Wall sich auf Gesang und Gitarre konzentriert, zeigt er sein Potential als Sänger und Songwriter, der sich – anders als auf seinem Debüt-Album – noch nicht auf den ausgetretenen Pfaden eines schwülstigen Country bewegt.

Thirty Tigers/Young Mary’s Record Co. (Alive) (2015/2018)
Stil: Country

01. Sleeping On The Blacktop
02. Johnny Boy’s Bones
03. Caroline
04. Living On The Sands
05. Ballad Of A Law Abiding Sophisticate
06. Nothin‘
07. The Devil Wears A Suit And Tie

Colter Wall
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High Valley – Support: American Young and Jarrod Dickenson – 07.03.2018, Köln, Luxor – Konzertbericht

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Endlich mal wieder Nashville-Zeit in unserer Gegend! Da will man sich nach einem Arbeitstag im Büro und 80 km langer Reise in die Domstadt, samt Kampf durch deren dicht befahrenen Feierabendverkehr bei Regenwetter, einen runden und entspannten New Country-Abend mit High Valley und den Supportern American Young und Jarrod Dickenson gönnen, aber Pustekuchen.

Nachdem wir um kurz vor halb Acht einen Parkplatz direkt in der Nähe des Luxors gefunden hatten, mussten wir beim Opener Jarrod Dickenson leider passen. Trotz des eigentlich avisierten Konzert-Beginns von 20:00 Uhr hatte dieser und seine Frau Claire schon zum Einlass-Termin vor spärlicher Kulisse für nicht mal eine halbe Stunde angefangen zu spielen, so dass wir nur noch wenige Sekunden des letzten Liedes mitbekamen. Ganz zu schweigen davon, dass Kollege Gernot noch seine Objektive aufschrauben und knipsen konnte.  Viele waren vermutlich genauso wie wir überrascht worden. Schade – von Dickensons toller Stimme hätte ich gerne mehr gehört.

Auch das nächste Duo, American Young, bestehend aus Kristy Osmunson und Jon Stone  machte schon um 19:35 Uhr weiter, auch hier füllte sich das Auditorium erst merklich gegen Ende ihrer Performance.

Die sympathische Blondine mit ihren geflochten Zöpfen an der Fiddle und ihr Hut-tragender Begleiter an der Gitarre, Jon Stone, präsentierten eine schöne Mischung aus bewährten („Be Here“, „Love Is War“, „Something To You“, „Point Of View“, „Soldiers Wife“, „American Dream“) und einigen brandneuen Stücken („Closest Faraway Place“, das herrlich groovige „Last Night Alone“ und „What Are You Working For“ – Angaben der Titel ohne Gewähr) in Singer/Songwriter-Manier. Als einziges Cover wurde Bill Withers‘ „Just The Two Of Us“ in einer smooth-grassigen Version klasse interpretiert.

Wechselseitige Leadvocals (Stones Stimme war für mich übrigens die überragende des ganzen Abends), tolle Harmoniegesänge, garniert mit den Instrumenten der beiden, waren Garant für eine unterhaltsame Dreiviertelstunde. Starke Leistung von American Young!

Auch hier ist eine ärgerliche Sache anzumerken: Direkt vor der Bühne hatte sich eine ganze Horde spät-pubertierender Mädels postiert, deren Großteil bis zum Ende scheinbar an allem interessiert waren, außer der Musik (vielleicht marginal). Es wurde in einer Tour geschnattert, und mit Pocketkameras oder Handies geblitzt, was das Zeug hielt. Aber hier den Exemplaren dieser Gattung in der heutigen Zeit mit ein wenig ‚Anstand und Respekt gegenüber den Musikern‘ zu kommen, wäre vermutlich eh absolut zum Scheitern verurteilt gewesen…

Um 20:40 Uhr ging es mit den Headlinern, Brad und Curtis Rempel, alias High Valley, zügig weiter (vermutlich der bevorstehenden Reise zum bombastischen Country2Country-Festival in London geschuldet, wo man Teil des Line-ups sein wird). Inzwischen war das Luxor mit rund 150 Zuschauern für einen Termin inmitten der Woche, durchaus passabel gefüllt.

Meine Befürchtungen, auch hier eventuell nur minimalistische Kost serviert zu bekommen, hatten sich schon durch den Voraufbau auf der Bühne neutralisiert. Die beiden Brüder traten mit ihren Kumpeln Andrew Hemmerling, Dave Myers, Clint Milburn und Raymond Klassen in voller Besetzung an und spielten sich durch ein launiges Set, das demnach wie im Fluge vorüber ging.

Klar, dass sich natürlich ihr aktuelles Major-Werk „Dear Life“ (der Titelsong bildete zugleich auch den Opener des Gigs) mit Tracks wie „Soldier“, „I Be U Be“, The Only“, das hymnische „Young Forever“, „Roads We’ve Never Taken“ und „She’s With Me“, absolut im Mittelpunkt ihrer Vorstellung befand.

Gut gefiel, dass die beiden Protagonisten, auch den Nebendarstellern immer wieder Spielraum gaben, ihr instrumentales Können in vorderster Linie einzubringen. So hatten vor allem Clint Milburn (an der E-Gitarre und Banjo) und auch Raymond Klassen mit schön knarzigen Dobro-Einlagen mehrere starke Szenen.

Mit „Be My Baby Tonight“ (dabei wurde als nette Geste ein kleiner Junge zur tänzerischen Unterstützung auf die Bühne geholt und am Ende dafür mit einem HV-Cap belohnt) und „Way Down Deep“ huldigten sie ihre Vorbilder John Michael Montgomery  und Country-Ikone Vern Goslin (hier versammelte sich die gesamte Band vor der Bühnenfront zum launigen Traditional-Stelldichein) . Bei „Father’s Love“ gab es den Dank der Rempel-Söhne in Richtung Daddy, ohne dessen Unterstützung in jeder Hinsicht, diese Karriere nicht möglich gewesen wäre.

Das launige „Make You Mine“ war mit den inbrünstigen ‚Oohooh‘-Gesängen der ideale Rausschmeißer, bei dem es dann auch im textsicher mitsingenden Publikum kein Halten mehr gab. Somit ein kurzweiliger und auch musikalisch ansprechender Gig mit den Rempel-Brüdern und ihrer spielstarken Truppe, der dann am Merchandising-Stand noch seine Fortsetzung fand, wo auch noch für Selfies, Autogramme, etc.,  Zeit gefunden wurde (u. a. auch für ein Bild für unsere VIP-Galerie).

Eigentlich ein toller, gut durchorganisierter Abend mit drei gut gewählten Acts, dem vielleicht nur, eine etwas eindeutigere Kommunikation, bzw. Transparenz im Vorfeld gut getan hätte, z. B. was die Luxor-Hompage betrifft). So hätten dann vermutlich auch die beiden Supporter von vorne herein mehr Zuschauerzuspruch erhalten. Danke an das concert team nrw für die Akkreditierung.

Line-up: High Valley
Brad Rempel (lead vocals, acoustic guitar)
Curtis Rempel (mandolin, acoustic guitar, vocals)
Andrew Hemmerling (drums)
Dave Myers (bass, vocals)
Clint Milburn (electric guitar, acoustic guitar, banjo, vocals)
Raymond Klassen (dobro, banjo, vocals)

Line-up: American Young
Kristy Osmunson (lead vocals, fiddle, vocals)
Jon Stone (lead vocals, acoustic guitar, vocals)

Line-up: Jarrod Dickenson
Jarrod Dickenson (lead vocals, guitar)
Claire Dickenson (vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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concert team nrw
Luxor Köln

Acoustic Garden – Concept Emotional – CD-Review

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Musik aus deutschen Landen in unserem Magazin! Acoustic Garden heißt die Formation und weiß, zu meiner eigenen Überraschung, mit einem richtig amerikanisch klingenden Werk namens „Concept Emotional“, inklusiver Country-, Pop-, Rock- & Folk-Anleihen, auf ganzer Linie zu überzeugen.

Grund dafür ist sicherlich hauptsächlich, dass der Lead- und Harmonie-Gesang der allesamt hier involvierten Protagonisten Frank Bülow (vocals, guitars, keys – früher bekannt als Songwriter für Interpreten wie Culture Beat und ATC), Stefan Zirkel (vocals, acoustic guitar, mandolin), Fabian Michel (vocals, guitars) und Sven Wittman (vocals, bass) auch wirklich ‚amerikanisches Esprit‘ versprüht (bei vielen hiesigen Interpreten merkt man bei englischem Gesang ja einfach den Ursprung sofort an), als auch, dass die Band keine Kosten und Mühen gescheut hat, das Abmischen der Singlekanditaten in Hände von Nashville-Profi Eric Legg (u. a. Dixie Chicks) zu legen und sich daran bei der restlichen Produktion zu orientieren.

Unter Mithilfe von einigen Gastmusikern wie Markus Schrammhauser (schönes Akkordeon auf „Room With A View“), Christian Schimanski, Lui Ludwig, Jens Weidenheimer, Stephan Keller und der, bei einigen Tracks eingebundenen Horn Section ‚The Buster Horns‘, erhält man einen schönen Mix aus selbstkreierten Stücken und diversen Cover-Nummern wie z. B. Diana Corcorans „Not Ready To Lose“ oder Paul Youngs „Hope In A Hopeless World“ – hier sehr schön Reggae-mäßig gestaltet (ein wenig an „I Shot The Sheriff“ erinnernd).

Aufgrund der überwiegend flockigen countryesken-/Westcoast-mäßigen Satzgesänge kommen natürlich unweigerlich Assoziationen zu Bands wie den Eagles, America, Crosby, Stills & Nash, Poco, Dirt Band, Firefall und dezent auch den Outlaws auf. Heimlicher Star auf diesem Werk ist vielleicht Christian Schminanski, der mit herrlich Nashville-typischem Steel–Gewimmere, viele Akzente im Hintergrund zu setzen weiß.

Center-Song ist das wunderschön eingängige „Always“ aus der Feder der bekannten Songwriter Martin Terefe (Jason Mraz, KT Tunstall) und Nicolas Whitecross (Backstreet Boys, Kim Wilde), der hier in zwei Varianten (u.a. als sogenannter Hot Legg’s Mix – etwas E-Gitarren-lastiger) aufgeboten wird. Aus der Riege der Eigenkompositionen sticht vielleicht das toll eingesungene „Change The Weather“ heraus, zu dem auch ein Video-Clip gedreht wurde.

Acoustic Garden bieten auf „Concept Emotional“ melodisch-niveauvollen, cabrio-tauglichen und absolut professionell gestalteten Stoff zum Relaxen, Cruisen, etc., den man auch wunderbar bei Sommerparties im Hintergrund laufen lassen kann. Dezenten Abzug gibt es nur für die gesamte wirklich klischeehafte, recht einfallslose Coverartwork-Gestaltung (sieht aus wie mit dem Handy fotografiert und laienhaft gesetzt). Da ist noch deutlich Luft nach oben. Musikalisch aber, und darum geht es ja hier primär, eine ganz starke Vorstellung!

Sony Music – (2018)
Stil: Westcoast, Country, Pop, Rock, Folk

01. Not Ready To Lose
02. Always
03. The Present
04. Change The Weather
05. Back To Basics
06. How Can You Say?
07. Cowboys Don’t Cry
08. The One And Only
09. Stay As You Are
10. Hope In A Hopeless World
11. Room With A View
12. Always (Hot Legg’s Mix)

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John Oates with The Good Road Band – Arkansas – CD-Review

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John Oates ist für mich, trotz seines immensen Bekanntheitsgrades – Asche auf mein Haupt – als Solo-Künstler bisher ein unbeschriebenes Blatt. Auch als Part des Millionen-Seller-Duos Hall & Oates gelang es ihm bisher nicht in meine Tonträger-Sammlung, klar, dass ich das mega-erfolgreiche Wirken der beiden durch so manchen Clip in den 80er und 90er-Jahren aber durchaus zur Kenntnis genommen habe.

Dafür stand mir in letzter Zeit sein Partner Daryl Hall mit seinem Projekt ‚Live From Daryl’s House‘, wo er Künstler zum Musizieren mit seiner Haus-Band (mit überwiegend grandiosen Ergebnissen, John war natürlich auch schon Gast) und kulinarischen Genuss in sein Domizil einlädt, mittels Youtube, des öfteren im Fokus.

Jetzt liegt mir aber John Oates‘ neues Solo-Album „Arkansas“ zum Rezensieren vor und es ist schon allein im Rahmen der Recherche sehr interessant gewesen, was man über den Background dieses umtriebigen Mannes so alles erfahren hat.

Hierbei kommt u. a. zu Tage, dass ein gewisser Mississippi John Hurt, ein ehemals schillernder Vertreter des Countryblues, einen sehr großen Einfluss auf den heute in Nashville lebenden Protagonisten ausgeübt hat und letztendlich auch zu diesem Werk inspiriert hat.

Musikalisch unterstützt wird John dabei von The Good Road Band, hinter der sich illustre Koryphäen wie Sam Bush an der filigran gespielten Mandoline, Steel-Ikone Russ Pahl, Steve Mackey (bass) , Supertalent Guthrie Trapp (electric guitar – sehr schön songdienlich agierend), Josh Day (drums, percussion) und Nathaniel Smith (cello) verbergen.

Das zehn Stücke umfassende Werk beinhaltet einen gelungenen Mix aus recht traditionell gehaltenen, unaufdringlichen Countrybluessongs, die in einem schön zusammengestellten Verhältnis, partiell immer wieder von etwas rockigeren Nummern („Arkansas“, „Pallet Soft And Law“, „Dick Back Deep“) abgelöst werden.

Überwiegend Musik zum Relaxen auf der Couch oder der Terrasse, wobei die feinen instrumentellen Leistungen der Akteure zum genaueren Zuhören anregen. John Oates angenehme (leicht angeheiserte) Stimme fügt sich dabei, wie nicht anders zu erwarten, perfekt ins Gesamtbild ein.

Gelungen ist auch die Einlage eines 4-seitigen Faltblattes in das Doppel-Papp-Sleeve, wobei auf der einen Seite das Frontcoverbild vergrößert dargestellt ist und auf der anderen Hintergrundinfos zu den einzelnen Stücke aufgelistet sind. Insgesamt also eine runde Sache und somit Kaufempfehlung für John Oates, seine Good Road Band  und ihr Werk  „Arkansas“!

Ps Records / Thirty Tigers / Alive (2018)
Stil: Country

01. Anytime
02. Arkansas
03. My Creole Belle
04. Pallet Soft And Law
05. Miss The Mississippi And You
06. Stack O Lee
07. That’ll Never Happen No More
08. Dick Back Deep
09. Lord Send Me
10. Spike Driver Blues

John Oates
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Oktober Promotion

Charlie Parr – 06.02.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

Parr-Haupt

‚Pille‘ Peerlings, der Chef der Krefelder Kulturrampe, hat 2018 die neue Konzertreihe „Caesar’s Pallets“ ins Leben gerufen. Im „Bluebird Cafe“ (BBC) werden dienstags akustisch gehaltene Liveauftritte präsentiert, bei denen vor allem Newcomern eine Bühne geboten wird. Nach dem Gastspiel des gut aufgelegten Dortmunders Edy Edwards lud das BBC zum ersten „Special“ mit dem alten Hasen Charlie Parr aus Minnesota ein.

Der im Qualitätsjahrgang 1967 geborene Singer/Songwriter hatte seine neue CD „Dog“ im Gepäck. Eine Auswahl der stärksten Stücke seines sechzehnten Album streute Parr in die beiden Sets des Abends ein. Neben dem eingängigen Titelsong „Dog“ durfte das grandiose „Hobo“ natürlich nicht fehlen. Ebenfalls begeistert vom Publikum aufgenommen wurden „I Ain’t Dead Yet“ und das swingende „Boiling Down Silas“. Den Geist New Orleans atmete die Liveversion von „LowDown“ – trotz der reduzierten Instrumentierung – ebenso deutlich wie auf dem Longplayer.

Parr beeindruckte mit den Klangvariationen, die er seiner akustischen 12-String-Guitar entlockte. Slide-Passagen, so bei „Remember Me If I Forget“, und feines Picking, wie bei „Last Day“ wechselten sich ab oder wurden bei „True Friends“ gekonnt kombiniert. Nicht nur hinsichtlich der Gitarrenarbeit zog Parr alle Register, auch mit den stilistischen Elementen zwischen Folk, Blues und Country zeigte er die Bandbreite seiner älteren Kompositionen.

Er spielte mit einem augenzwinkernden Kommentar zu Bob Dylan „Cheap Wine“, das Blues-getränkte „Too Much Liquor, Not Enough Gasoline“, seinen bislang größten Erfolg „1922 Blues“ und die stampfende Country-Nummer „Rocky Raccoon“. Seine besondere Vorliebe zu Hunden schien erneut bei „Old Dog Blue“ durch.

Neben den Eigenkompositionen unternahm Parr eine Zeitreise durch die Geschichte des Folks mit seinen unterschiedlichen Variationen. So spielte er „My Grandfathers Clock“ und „Ragged And Dirty“, das von William Brown stammt. Die Auswahl der Songs trifft Parr auf seinen Konzerten spontan. Er lässt sich von Stimmungen treiben oder wird getrieben. Wer kann das bei Künstlern schon sagen? Den krönenden Abschluss bildete eine A-Cappella-Zugabe von „Ain’t No Grave Gonna Hold My Body Down“. An Intensität übertraf Parr die bekannte Version von Johnny Cash bei weitem.

Das Publikum im vollen BBC verabschiedete Parr mit tosendem Applaus. Es erlebte einen introvertierten Musiker, dessen Humor in kurzen Anekdoten aufblitzte. In seinen Songs legt er hingegen seelische Abgründe offen. Manche sprachlichen Wendungen bleiben reduzierte Gedankensplitter, die zur Interpretation einladen. In bester Singer/Songwriter-Tradition erzählt Parr Geschichten, denen man gerne zuhört, da sie Situationen und Gefühle aufgreifen, die wohl jeder mal erlebt hat.

Vergänglichkeit und Tod, Freiheit und Einsamkeit sind in seinen Texten gegenwärtig. Aus seinen Lyrics spricht oftmals ein tiefes Mitgefühl für verlorene Seelen und eine rastlose, letztlich unvollendete, Sinnsuche. Charlie Parr stellt sich der Frage, welche Spuren man hinterlässt. Von dem Abend bleibt die Erinnerung an ein intimes Konzert und an die intensive Darbietung eines bescheiden auftretenden Menschen, der großartige Songs schreibt.

Das BBC ist eine tolle Idee und eine bessere Alternative zu einem Abend vor dem Fernseher, der schnell vergessen wird. Dass bei den Caesar’s-Pallets-Konzerten in der Regel auf einen festgesetzten Eintritt verzichtet wird und stattdessen ein Hut rumgeht, ist fair und lädt zu einem spontanen Besuch ein. Für den nächsten Termine im Februar sind das Duo Kassiopeia und Hello Luke angekündigt.

Line-Up:
Charlie Parr (vocals, guitar)

Bilder und Text: Michael Segets

Charlie Parr
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Kulturrampe Krefeld