Steven Tyler – We’re All Somebody From Somewhere – CD-Review

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Eigentlich hat sich mein Magazin ja auf die Fahne geschrieben, Bands und Interpreten zu supporten, die in unseren Gefilden eher nur von Insidern wahrgenommen werden oder für solche interessant sein könnten. Aber, wenn ein ein Superstar wie Aerosmith-Frontmann Steven Tyler ein Country-Album in Angriff nimmt, geht das natürlich auch an Sounds Of South nicht spurlos vorbei.

Und alles, was in Nashville in Sachen Produzenten (T-Bone Burnett, Dan Huff, Marti Fredriksen, Jaren Johnston), an Musikern (eine ganze Armada u. a. mit Tom Bukovac, Stuart Duncan, Ilya Toshinsky, Fred Eltringham, Chris McHugh, Dennis Crouch, Rebecca Lovell) und Songwritern (The Warren Brothers, Hillary Lindsey, Rhett Akins, Chris DeStefano, Brett James, Troy Verges, Eric Paisley, etc.) Rang und Namen hat, stand für den schillernden hochdekorierten Sänger Spalier.

Man merkt sofort, dass das ganze Projekt von absolut gegenseitigem Respekt gekennzeichnet ist. Tyler, der fast alle Tracks mitgeschrieben hat, ist der Spaß sichtlich anzuhören, er fühlt sich im Rahmen all dieser Nashville-Könner pudelwohl, und legt ein vokale Performance hin, die ihres Gleichen sucht. Er hängt sich sprichwörtlich ‚richtig rein‘. Und auch die Musiker und Mitschreiber aus dem Country-Mekka haben ihm die Songs quasi auf den Leib zugeschnitten, bzw. so einfühlsam eingespielt, dass sich sein (immer ein wenig rotzig klingender) Gesang optimal entfalten kann. Es hat alles wirklich ‚Hand und Fuß‘. Absolute Profis eben!

Nachdem er mit der ersten vorab veröffentlichten Single „Love Is Your Name“ direkt die Top-20 der Billboard Country Hot Songs erreicht hatte, hat man bei den restlichen 14 Songs quasi die ‚Qual der Wahl‘, was da noch so an Zählbarem rausgeholt werden kann. Schon der atmosphärische Opener „My Own Worst Enemy“ mit dem toll unterlegten Akkordeon nimmt absolut gefangen. Klasse hier direkt der selbstironische Teint, der auch bei einigen anderen Tracks wie die z. T. kammermusikartigen „It Ain’t Easy“ und „Somebody New“ (mit Mandoline, Fiddle), „What Am I Doin‘ Right“ (mit etwas Tesla-Unplugged-Feeling) oder das stonesk rockende „The Good, The Bad The Ugly In Me“ immer wieder zum Vorschein kommt. Tyler weiß um seine kleinen Schwächen und kann sich selbst in den Texten ein wenig auf die Schippe nehmen. Das hat echt was Sympathisches.

Weitere Highlights sind Stücke wie der Titelsong, bei dem der ebenfalls ‚bunte Vogel‘, Cadillac Three-Chef Jaren Johnston maßgeblich involviert ist (schönes Intro: Johnston fragt, ob Steven eine Botschaft für die heutigen Kids hätte, der antwortet keck: „We’re All Somebody From Somewhere“ und dann legt der schön rebellisch klingende Song mit einer klirrenden Mandoline los), das mit sommerlicher Ukulele und Dobro bestückte „Make My Own Sunshine“, das eingängige „Gypsy Girl“ (Gast an der Akustikgitarre: Lindsay Buckingham), das hitverdächtige „Only Heaven“ (mit typischem Dan Huff E-Gitarren-Solo), das poppige „Red White & You (schönes Wortspiel) oder das Cajun-gefärbte „Sweet Lousiana“.

Am Ende zeigt der Protagonist beim unter die Haut gehenden, mit fröstelnden mit Cello und Violine unterlegten „Jamie Got A Gun“ Flagge für Opfer von häuslichem Missbrauch oder Gewalt. Hierzu hat er mit der Organisation Youth Villages eine wohltätige Stiftung namens ‚Janie’s Fund’ins Leben gerufen. Vorbildlich! Den starken Abschluss einer durchgehend fesselnden CD bildet das viel gecoverte und vornehmlich durch Janis Joplin berühmt gewordene „Piece Of My Heart“. Ob Tyler dieser Version das Wasser reichen kann, möge jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist, dass diese Fassung auch klasse ist (grandiose Backings von der auch bei uns geschätzten Rebecca Lynn Howard).

Fazit: Die spannende Frage, ob Steven Tyler Country kann, ist abschließend mit einem eindeutigen ‚Ja‘ zu beantworten. Hier passt alles bis ins kleinste Detail zusammen (dazu noch ein aufwendiges Cover-Artwork mit tollen Bildern von Steven und allen Texten). Absolute Kaufempfehlung. Experiment gelungen!

P.S.

Was habe ich eigentlich soviel geschrieben? Der Meister persönlich hat das Ganze sehr komplex so zusammengefasst:
MY OWN WORST ENEMY discovered that WE’RE ALL SOMEBODY FROM SOMEWHERE but HOLD ON he (WON’T LET GO), like everything else, IT AIN’T EASY but when LOVE IS YOUR NAME it helps, yet I still find I need to MAKE MY OWN SUNSHINE with assistance from a GYPSY GIRL and maybe SOMEBODY NEW, however, it’s ONLY HEAVEN that really sees THE GOOD, THE BAD, THE UGLY AND ME but I see the RED, WHITE & YOU all the way down to SWEET LOUISIANA I ask myself, WHAT AM I DOIN’ RIGHT? because JANIE’S GOT A GUN but this world has a PIECE OF MY HEART. Noch Fragen?

Dot Records (2016)
Stil: New Country

01. My Own Worst Enemy
02. We’re All Somebody From Somewhere
03. Hold On (Won’t Let Go)
04. It Ain’t Easy
05. Love Is Your Name
06. I Make My Own Sunshine
07. Gypsy Girl
08. Somebody New
09. Only Heaven
10. The Good, The Bad, The Ugly & Me
11. Red, White & You
12. Sweet Louisiana
13. What Am I Doin‘ Right?
14. Janie’s Got A Gun
15. Piece Of My Heart (feat. The Loving Mary Band)

Steven Tyler
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Universal Music Group
Janie’s Fund

Van Zant – Red White & Blue (Live) – CD-Review

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Eines muss man den Van Zants lassen: Verkaufstüchtig waren Donnie und, ganz besonders, Johnny, schon immer. Ihr schelmisches Grinsen auf dem Cover sagt da schon Einiges. In einer Zeit, wo es mal wieder ziemlich ruhig um 38 Special und Lynyrd Skynyrd, abgesehen von ihren weiter immer noch voller Spannung zelebrierten Live-Konzerten (…), ist, haben sich die beiden jüngeren Brüder von Ronnie Van Zant an ihre Duo-Zeit in Nashville zurückbesonnen und voller Freude festgestellt, dass es noch Live-Mitschnitte ihrer 2006er ‚Get Right With The Man-Tour‘ (mit Gretchen Wilson), speziell vom Gig im Wild Adventures Theme Park in Georgia gibt.

Die müssten doch eigentlich an den Mann, bzw. natürlich auch an die Frau zu bringen sein. Und damit die Fans ihrer beiden Hauptbands auch noch mit ins Boot genommen werden können, nahm man, weitsichtig, wie sie schon damals waren, Songs wie „Wild Eyed Southern Boys“, „Red White & Blue“, „Call Me The Breeze“ und „Sweet Home Alabama“ mit in die Setlist. Gerade die 672. und 968. Version bzgl. der beiden letztgenannten Stücke will ja bestimmt jeder sein Eigen nennen. Man könnte ja was verpasst haben…

Als Titel und Center wurde allerdings zur leichten Irreführung der, 2003 von Donnie, Johnny und den Warren Brothers für das Skynyrd-„Vicious Cycle„-Album kreierte, Track „Red White & Blue“ gewählt. Die Erklärung dafür gibt’s dazu als Textbausteine aus dem Van Zantschen Phrasenfundus: „The song was a key moment – especially the lyric ‚We’re trying to sing the truth to you‘. I think that’s what we’ve always done. That’s one of the reasons both Skynyrd and the things we’ve done as Van Zant have been around so long. We really don’t know how to do anything else except sing about what we know, and try to tell the truth. I try to be as honest as possible, and I think people see that. We’re not trying to be anybody we’re not”, so Johnny Van Zant.

Mit den seiner Zeit beteiligten Musikern wie Eric Lundgren, Keyboarder Bobby Capps und Steelgitarrist Mark Muller wurde dann ansonsten das einstige Album „Get Right Withe The Man“ aus dem Jahre 2005 in fast detailgetreuer Manier runtergespielt. Sicherlich würde man sich in unserem Lande (und auch ich) freuen wie ein kleines Kind, hätte man so ein Konzert mal live erleben können, aber auf CD ist das in der heutigen Zeit, ehrlich gesagt, nicht mehr als ein kurzes nostalgisches Hör-Intermezzo wert. Auf DVD/Blue Ray hätte ich einem solchen Konzertmitschnitt evtl. noch eine gewisse Legitimation attestiert.

Fazit: Wieder mal eine (recht überflüssige) Veröffentlichung in der langen Reihe der Aufwärmprodukte aus dem berühmten Van Zant-/Skynyrd-/38 Special-Dunstkreis. Fairer Weise muss man sagen, dass die musikalische Qualität des Werkes an sich natürlich unantastbar ist, Van Zant klingen hier, im Vergleich zum Studio, sogar etwas Southern-rockiger. Zu empfehlen für Leute, die das Studio-Album nicht kennen/haben oder natürlich für alle Sammelfanatiker. Ansonsten meiner Ansicht nach aber eher ‚Red White & Schmu‘!

Loud & Proud Records, 2016
Stil: New Country / Southern Rock

01. Takin‘ Up Space
02. Nobody Gonna Tell Me What To Do
03. Sweet Mama
04. Wild Eyed Southern Boys
05. Things I Miss The Most
06. I Know My History
07. Help Somebody
08. Plain Jane
09. I Can’t Help Myself
10. I’m Doin‘ Alright
11. Red White & Blue
12. My Kinda Country
13. Call Me The Breeze
14. Sweet Home Alabama

Van Zant
Bärchen Records

Jon Pardi – California Sunrise – CD-Review

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Diese herrliche Countrymusic ist wirklich so frisch und wunderbar wie ein kalifornischer Sonnenaufgang. Jon Pardi weiter groß in Form! Der aus Dixon stammende Kalifornier gibt sich auf seinem 2. Major-Album „California Sunrise“ (Capitol Nashville) weiter Heimat verbunden, obwohl Nashville natürlich heute eindeutig zum zentralen Lebensmittelpunkt Pardis avanciert ist. Der 31-Jährige, der mit seinem Debütwerk „Write You A Song“ mit Platz 3 in den Country Billboard Album-Charts (immerhin auch Platz 14 in den US-Top 200 Charts) bereits richtig erfolgreich auftrumpfte, zeigt sich vom aufkommenden Erwartungsdruck relativ unbeeindruckt und serviert eine starke Melange aus knackig modernem und durchaus traditionell gehaltenem New Country und zeigt dabei den effekthascherischen und Popmusik-anbiedernden Unsitten, vieler seiner zeitgenössischen Kollegen, die kalte Schulter.

Ja, man kann schon fast sagen, er gibt hier durchaus ein wenig die Richtung vor, wie gut gemachter New Country heute in Nashville wieder klingen sollte. Eingespielt hat Pardi die von ihm größten Teils wieder mitkomponierten Tracks in einem kleinen Kreis von exzellenten Musikern (die überragenden Rob McNelley und Danny Rader, Kris Donegan, Lee Francis, Miles McPherson und Dave Cohen) live im Studio, die Regie hat wieder Bart Butler übernommen.

Allein schon der Anfang mit „Out Of Style“ (passender Weise mit Fiddle, Steel, E-Gitarre und Wurlitzer sehr schön retro gehalten) wie auch der tolle Titelsong „California Sunrise“ am Ende, überraschen, für ein Major-Werk, jeweils am Ende mit kleinen Jam-Passagen, wo die hervorragenden Musiker spürbar ihrer Spielfreude, samt ihres begnadeten Könnens, freien Lauf lassen. Stark, so sollte es sein. Kompliment ans Label!

Zwischendrin beweist der Protagonist mit sehr abwechslungsreich und kurzweilig gestalteten Songs ein sehr gutes Gespür, seine bisherige Klientel weiter ‚bei der Stange‘ zu halten, bzw. auch neue Fans (gerade im Genre-Hardliner-Bereich) hinzu zu gewinnen. Klasse z. B. das mit etwas unterschwelligem Bakersfield-Flair bedachte (typische Fiddle, starke Banjountermalung), herrlich melodische „Cowboy Hat“, das so ein wenig an Blake Sheltons Hit „Honey Bee“ erinnert. Als erste Single wurde aber der relaxte Gute-Laune-Schunkler „Head Over Boots“ (Fiddle, leiernde Steel, Bariton-E-Gitarre+Solo) auserkoren, der sich schon auf dem Weg befindet, die Top-10 zu knacken.

Rockige Tracks wie das Neunzer-angehauchte „Night Shift“, das Gypsy-mäßig groovende „Dirt On My Boots“ (quietschende Fiddle), der euphorisierte Country Rock-Mitgröler „All Time High“, das fett stampfende „Paycheck“ (‚angriffslustiger‘ Gesang von Pardi, Bariton-E-Gitarre) sowie das Southern Country Rock-trächtige „Lucky Tonight“ (fulminantes Slide-Spiel von McNelley, herrliche Orgel), reichen ruhigeren Sachen wie „Can’t Turn You Down“ (Powerballade), dem schönen Schwofer „She Ain’t In It“ (voller Eagles-Westcoast-Feeling, Richtung „Tequila Sunrise“) oder dem melancholisch, eine verpasste Liebe, Revue passieren lassenden „Heartache On The Dancefloor“ (großartiges E-Solo) in einem sehr gut ausgependelten Verhältnis, die Klinke in die Hand.

New Country-Liebhabern, denen viele Stars der Szene wie Luke Bryan & Co. mittlerweile zu Country-entfremdet daher kommen, ein Eric Church zu experimentell geworden (übrigens beide mit sehr ähnlicher Stimme ausgestattet) ist, oder nach einem neuen, modernen George Strait Ausschau halten, dürften in Jon Pardi eine sehr gut passende Alternative finden. Mit seinem hochklassig eingespielten „California Sunrise“ dürften ihm in Nashville weiter viele sonnige Tage gesichert sein. Starke Platte! In diesem Stil macht New Country weiter großen Spaß!

Capitol Nashville (2016)
Stil: New Country

01. Out Of Style
02. Cowboy Hat
03. Head Over Boots
04. Night Shift
05. Can’t Turn You Down
06. Dirt On My Boots
07. She Ain’t In It
08. All Time High
09. Heartache On The Dance Floor
10. Paycheck
11. Lucky Tonight
12. California Sunrise

Jon Pardi
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Bärchen Records

Dirt River Radio – The Cocksucking Blues / Postcards From The Road – Song-Review

Die seit 2007 ihr musikalisches Unwesen treibende Aussie-Band, Dirt River Radio, schickt jetzt im Vorfeld ihres geplanten dritten Albums „Sun City White“, schon mal zwei Songs auf einer CD/EP als Appetizer ins Rennen.

Meine beiden früheren, geschätzten Kollegen Jochen v. Arnim und Steve Braun, hatten ihre Vorgängerwerke „Come Back Romance, All Is Forgiven“ und „Rock’n’Roll Is My Girlfriend“ an anderer Stelle ziemlich positiv begutachtet.

In der aktuellen Besetzung, bestehend aus Heath Brady, Danger Alexander, Ross Hetherington, Mark Down Prices, Sarah Fagan und Kellie Fernando-Bird, setzt die aus St. Kilda, Melbourne, stammende Formation, ihren beschrittenen musikalischen Weg, mittels launigem, Pub-tauglichen Countryrock, bedingungslos fort.

Produziert hat Richard Stolz, der für seine Arbeit mit recht ‚krawalligen‘ Acts aus gleicher Region wie After The Fall, Bodyjar und Behind Crimson Eys bekannt ist.

Der Opener „The Cocksucking Blues“ startet mit einem, fast zwei Minuten währenden, starken E-Gitarren-basierten Instrumental-Intro (dazu Becken-Drum-Rhythmus), bevor dann der Gesang einsetzt. Ein knarziger, recht heavy shuffelnder Rocker, der dazu noch im Mittelteil mit einer E-Gitarrenpassage als Vorbereitung fürs eigentliche Solo (inkl. kurzer Twin-Parts) glänzt. Ein toller Song, ein wenig an Sachen von Zak Daniels & The One-Eyed Snakes erinnernd. Klasse!

Der zweite Track „Postcards From The Road“ entpuppt sich als Kneipen-tauglicher und mitgrölbarer, von Akustikgitarre, Banjo und Bariton-E-Gitarre geführter, stampfender Countryrock, ergänzt durch weibliche Harmoniegesänge und ein quirliges Akustikgitarren-Solo.  Am Ende wird noch in ‚Cryin‘ in my beer‘-Tradition lauthals „I miss you, there’s nothing I can do“ intoniert. Ein Song, der vermutlich am besten seine Wirkung in biergeschwängerter Live-Atmosphäre entwickelt, was im kommenden August/September überprüft werden kann, wenn die Band unter Teenage Head Music-Regie in Europa touren soll.

Fazit: Als Appetizer zwar ganz schön, aber ein bisschen viel Aufwand für lediglich zwei Stücke, einer doch nicht gerade weltberühmten Band. Ein starker Song, der andere eher gut-gemeinte Durchschnittsware. Da fällt mir spontan ein Titel eines hiesigen Bochumer Barden ein: Was soll das?

Label bisher nicht bekannt (2016)
Stil: Pub Country Rock

01. The Cocksucking Blues
02. Postcards From The Road

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Teenage Head Music

Brandy Clark – Big Day In A Small Town – CD-Review

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Zweites, mit Hochspannung und viel Vorschusslorbeeren bedachtes Album der Singer/Songwriterin Brandy Clark. Die 40-Jährige, ursprünglich aus Morton, Washington, stammende Künstlerin, präsentiert mit „Big Day In A Small Town“, diesmal ein, als Art Konzeptalbum aufgebautes Werk, das in elf sympathischen Anekdoten, das Kleinstadtleben, mit all seinen Klischees und Facetten beleuchtet.

Brandy Clark hatte zu Anfang ihres musikalischen Treibens, nachdem sie eine Basketballkarriere aufgegeben hatte und zugunsten der Musik nach Nashville gezogen war, zunächst viele Erfolge als Songlieferant für bekannte Acts der Szene wie Sheryl Crow, Miranda Lambert („Mama’s Broken Heart“), The Band Perry („Better Dig Two“), Reba McEntire, LeAnn Rimes, Billy Currington, Darius Rucker oder Kacey Musgraves („Follow Your Arrow“). Diverse Nominierungen (u. a. bei den Grammys) und für letztgenannten Song sogar ein CMA-Award, ließen kein Zweifel an ihren kreativen Qualitäten.

Seit 2012 konzentriert sich Clark auch auf ihre eigene Karriere. Nach einer EP und ihrem, von Kritikern mit Lob überschütteten Major-Debüt „12 Stories“, das in kommerzieller Hinsicht allerdings noch nicht die erwartete Resonanz erfuhr, soll jetzt mit „Big Day In A Small Town“, für das Warner Bros. ihr Top-Produzent Jay Joyce (u. a. Little Big Town, Keith Urban, Eric Church, Carrie Underwood) zur Seite stellte, der endgültige Durchbruch geschafft werden. Die spannende Frage war hier, ob das Gespann Joyce, der ja in letzter Zeit mit seinen sehr modernen ‚Innovationen‘, viel Kritik/Unmut der herkömmlichen New Countryklientel auf sich zog, und die eher, in Richtung Vorbilder Marke Patsy Cline oder Reba McEntire gestrickte Protagonistin, zusammen überhaupt harmonieren würden.

Um es vorweg zunehmen, es hat prächtig funktioniert, da sich Joyce, der eher traditionell ausgerichteten Akteurin weitestgehend untergeordnet hat, und nur an einigen ‚Stellschrauben‘, im Vergleich zum Vorgänger, marginal gedreht hat. Das Ergebnis ist ein schöner Mix, bzw. Kompromiss aus einigen eingängigen New Countrytracks mit dezenten Hit-Ambitionen, so wie die melodischen Opener „Soap Opera“ (chorales Intro, Banjounterlegung, E-Kurz-Solo) und dem flockigen „Girl Next Door“ (beide mit Sugarland-Flair) oder der humorvolle groovige Country Rocker „Broke“ und das flotte „Love Can Go To Hell“ (ein wenig Fleetwood Mac goes Country), sowie, gerade im zweiten Teil des Albums, eine schöne Inszenierung des altbewährten Country, mit seinem typischem breitgefächerten Storytelling, wie ihn Kacey Musgraves in letzter Zeit so vortrefflich und erfolgreich praktiziert hat.

Die bedankt sich übrigens bei Brandy für ihre, bereits o. a. Dienste, in dem sie beim Retro-Schunkler „Daughter“, ihren Harmonie-Gesang mit einbringt. Die von Lori McKennas Handschrift gezeichnete Hommage an das schwere Leben allein erziehender Mütter „Three Kids No Husbands“ oder der Saloon-Heuler „Drinkin‘ Smokin‘ Chheatin'“ (ganz allein aus Brandys Feder – die auch die übrigen Tracks, naturgemäß mit diversen Co-Writern wie u. a. schwerpunktmäßig Shane McAnally und Jessie Jo Dillon, kreiert hat), sind weitere Exemplare aus der ‚guten alten Zeit‘ des Genres.

Mit „Homecoming Queen“, „You Can Come Over“ (schöne, Procul Harum-mäßige Orgel) und dem abschließenden melancholischen, den Verlust des Vaters beklagenden „Since You’ve Gone To Heaven“, wurden ein paar atmosphärische Balladen eingeflochten, die den ausdrucksstarken Gesang Clarks (irgendwo zwischen einer ‚twangenden‘ Jennifer Nettles, Julie Roberts und Kacey Musgraves), vortrefflich dokumentieren.

Eingespielt haben das Werk gestandene Musiker u. a. wie Fred Eltringham, Dave Roe, John Deaderick (setzt viel Akzente an den diversen Keys), Forest Glen Whitehead, Jay Joyce, Keith Gattis und Rob McNelley. „Big Day In A Small Town“ präsentiert Brandy Clark als ‚komplette‘ Künstlerin, die sowohl als exzellente Songschreiberin, gute Sängerin, und auch als Instrumentalistin (Akustik-Gitarre) zu gefallen weiß. Mit Jay Joyce, diesmal als feinfühligem Produzenten an ihrere Seite, könnten jetzt recht große Tage bevorstehen. Verdient hätte sie es ohne Zweifel. Ein starkes Album. Dicke Konkurrenz für Kacey Musgraves, Jennifer Nettles & Co.

Warner Bros. (2016)
Stil: New Country

01. Soap Opera
02. Girl Next Door
03. Homecoming Queen
04. Broke
05. You Can Come Over
06. Love Can Go To Hell
07. Big Day In a Small Town
08. Three Kids No Husband
09. Daughter
10. Drinkin‘ Smokin‘ Cheatin‘
11. Since You’ve Gone To Heaven

Brandy Clark
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Bärchen Records

The Infamous HER – Revolution – CD-Review

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Dritter Akt der Her-Triologie! Nach Konzert und Interview stand jetzt noch die Beurteilung ihrer neuen CD „Revolution“ an, die Monique Staffile mir nach Ende des Gesprächs zum Reviewen in die Hand gedrückt hatte. Für mich war die spannende Frage, ob es, im Vergleich zum Vorgänger „Gold„, der mir persönlich nicht ganz so zusagte, wieder mehr in Richtung ihres bisherigen Parade-Albums „Raise A Little Hell“ gehen würde.

Zunächst muss ich erstmal das gelungene Cover-Artwork loben. Das Titelbild der ‚frech gezöpften‘ Monique in Schwarz/Weiß, vermummt mit einem US-geflaggten Tuch (so hatten sie und ihre Band passender Weise ja auch in Köln die Bühne betreten), hat schon was! Toll auch ihre Fantasy-Animation als aufsteigender Schmetterling im Steck-Booklet und auf der Rückseite. Ein dickes Lob hier an die Macher!

Ihr neues Werk, produziert wieder von Caleb Sherman, startet dann direkt auch mit dem Titelsong „Revolution„, das von einem kühlen, blechernden Banjo eingeleitet, sowie im gesamten Verlauf auch untermalt wird, und zunehmend, in einen episch anmutenden Rocksong, samt starkem, gesellschaftspolitische Missstände, anprangernden Text, mündet. Klasse!

Apropos Revolution: Angesichts dessen, dass in unserer Gesellschaft mittlerweile 1% der gesamten deutschen Bevölkerung, 50% der Vermögenswerte besitzt (Tendenz steigend), fragt man sich, warum die breite Masse der Leistungsträger in diesem Land, die hier fortwährend, zu Gunsten dieser kleinen Gier-getriebenen elitären Clique, geschröpft und klein gehalten wird, weiterhin in Tatenlosigkeit zu verharren scheint…

Jetzt haben selbst der wohlgenährte Siggi und seine Pharisäer-Partei, die diese unfassbar eklatante Schieflage eingeleitet hatten und seit Jahren mittragen, dulden und fördern, angesichts ihrer Umfrage-Werte und des mutmaßlichen Falls in die politische Bedeutungslosigkeit, plötzlich ihr soziales Gewissen wiederentdeckt. Leider wirken solche Bemühungen vom Edel-Italiener aus, wenig authentisch, die Quittung wird (wünschenswerter Weise auch für Merkel & Co.) hoffentlich ’stante pede‘ bei der nächsten Bundestagswahl erfolgen…

Genug des persönlichen Meinungsexkurses, kommen wir wieder zum im Fokus stehenden Objekt des Geschehens. Mit der eigentlichen Relevanz dieses Werkes für unser Magazin, hat es sich mit dem zuvor erwähnten Banjo dann auch maßgeblich erledigt, was folgt, ist ein frech und aufmüpfig besungenes Konglomerat aus Pop-, Rock-, Hip Hop- (marginal) und Melodic Rock/Metal-Anleihen, das sich dann recht sympathisch in den Sphären des Rock-Universums, mit all seinen Referenzgrößen, verliert. Vieles erinnert an Dinge, die man vornehmlich schon gegen Ende der Achtziger und im Verlauf der Neunziger von Interpreten wie Heart, Kim Wilde, Kate Bush, Roxette, Blondie, Pretenders, Lita Ford, Robin Beck & Co. serviert bekommen hat.

Meine persönlichen Favoriten sind die abgedrehte Single „Crush“ (in Sachen ‚Clerus‘ sehr schön provozierend), das stadiontaugliche „Tonight“, die tolle atmosphärische Melodic Rock-Ballade „Damn“ (wäre als Bon Jovi-Song vermutlich sofort ein Nr. 1-Hit) und die starke Neuauflage der Powerballade „Heaven Crushes Down“ (tolles E-Solo, raunzende Orgel). Das erneut ziemlich rotzig und fast schon ein wenig punkig performte „Mean Man“ schließt den Kreis des Albums im Stile des Openers.

Fazit: „Revolution“ von Her ist ein recht gut gestaltetes Rock/Pop-Album in jeder Hinsicht. Eine deutliche Steigerung zu „Gold“, vor allem aufgrund einer besseren Struktur und des stärkeren Songmaterials. Im Hinblick auf unser Magazin bleibt ihr Southern-/ Country Rock-lastiger Longplayer „Raise A Little Hell“ aber trotzdem weiter das Maß aller Dinge!

India Records (2016)
Stil: Rock / Pop

01. Revolution
02. Crush
03. Give It To Me
04. You
05. Tonight
06. Damn
07. No Regrets
08. Act Like You Know
09. Only One
10. Heaven Crashes Down
11. Mean Man

Her
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India Media Group

Red Shahan – Men & Coyotes – CD-Review

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Alles fing mit einer Nachricht an, dass der bei uns auch reichhaltig besprochene und verehrte Red Dirt-Musiker Randy Rogers, zusammen mit seinem Partner Robin Schoepf, eine Künstler-Agentur namens Big Blind Management gegründet hat. Ihr erster Klient, den sie sich ‚gekrallt‘ haben, war ein gewisser Red Shahan.

Randy Rogers‘ überschwengliche Laudatio auf ihn “Red has a uniqueness in his approach to songwriting and performing that we feel will soon propel him into the spotlight he deserves, he’s one of the guys that will make great records for some time to come”, weckte natürlich sofort Begehrlichkeiten, zumal mein Faible für texanisch geprägte Country/Red Dirt-Musik, ja kein offenes Geheimnis mehr ist. So schrieb ich die beiden Herren an, bat um Zusendung des Debütwerkes des Protagonisten, und siehe da, einige Zeit später, lag das Teil im heimischen Briefkasten.

Red Shahan stammt aus dem, dem texanischen Fort Worth nahe gelegenen Bluff Dale, und hat unter der Firmierung Red & The Vityls zunächst in der Musiker-Szene um Lubbock herum, erste Ausrufezeichen gesetzt. Mittlerweile ist er nach Stephensville gezogen, unterstützt die Band Six Market Blvd. als Keyboarder, und hat Ende letzten Jahres mit „Men & Coyotes“ sein erstes Solo-Album eingespielt.

Allein schon der wunderbare Titelsong und Opener zugleich, so ein wenig zwischen Introvertiertheit und gedrückter Melancholie pendelnd, das geteilte Schicksal der Einsamkeit von Cowboys und Kojoten, abseits in der Wildnis, in dezentem Red Dirt-Ambiente reflektierend, erzeugt beim Autor Momente musikalischer Glückseligkeit. Klasse auch, wie Red hier in der Manier eines Kojoten ein paar ‚U-u-uhs‘ als Zwischengesänge rausheult.  Hammer!

Shahan und seine Mitmusiker Matthew Smith, Ryan Tharp, Elijah Ford, Ben Hussey, Brock Wallace, Jeff Dazey und Lemon Pepper (produziert haben in einem starken Sound Shahan, Smith, Tharp und Ford zusammen mit Grant Jackson) präsentieren im weiteren Verlauf eine stilistische Bandbreite zwischen Country/Southern Rock, Blues und Soul, immer mit einem dezent unterschwelligen Retro Flair. Shahans Texte über schwer schuftende Mütter, gebrochene Männer, Einsamkeit, schmerzende Liebe, etc. veranlassen zwar nicht gerade zur Verlockung, lassen den Zuhörer gefühlsmäßig, in ihrer gedrückten Art, aber recht authentisch, in die vorgegebenen Szenarien eintauchen.

Zum, meist von Bariton-E-Gitarren, hölzern pumpendem Bass und unaufdringlichen Drums geführten Grundgerüst der Stücke, gesellen sich je nach Art Cello und Violine („Boom Town“, das kammermusikartige „Long Way To Fall“), plusternde Bläser („White Knuckle Heart“, der Memphis-behaftete Blues-Schwofer „Move Over“), eine raunzende Dobro (bei „Long Way To Fall“) oder eine heulende Steel beim melancholischen „Drag You Down“.

Freunde des klassischen Slow Blues werden beim großartigen „Black & Blue regelrecht mitfiebern. Die Southern Rock-Klientel wird mit dem Stampfer „303“ (klasse Gesang von Shahan, gurgelnde Orgel, herrliches Slide-Solo), dem bedrohlichen wirkenden „Low Down Feeling“ (wieder messerscharfes Slide-Solo) und dem flockigen „Southern Man“ (klasse Hammond, typisches E-Gitarren-Solo) belohnt.

Und wenn Red beim knarzig gespielten „Black Veins Pt.1“ „Ain’t no medicine gonna help anymore“ schmerzhaft intoniert, kann eigentlich nur noch solch fantastische Mucke zur nachhaltigen Genesung beitragen. Red Shahans „Men & Coyotes“ muss man gehört haben. Es besteht regelrechte Suchtgefahr! Und auf das Urteil einer Koryphäe wie Randy Rogers und auch auf das meiner Person ist doch wohl Verlass, oder…?

Magnolia Records (2015)
Stil: Country Rock & More

01. Men & Coyotes
02. Boom Town
03. 303
04. White Knuckle Heart
05. Low Down Feeling
06. Black & Blue
07. Long Way To Fall
08. Never Turn Around
09. Southern Man
10. Black Veins Pt.1
11. Drag You Down
12. Move Over

Red Shahan
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The Infamous HER (Monique Staffile) – Interview

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Als Monique Staffile, alias Her, nach ihrem starken Konzert im Kölner Yard Club, sämtliche Merchandise-Aktivitäten, Smalltalk mit ihren Fans, sowie noch einige Posen für die anwesenden Fotografen, erledigt hatte, stand sie uns auch noch bereitwillig für ein Interview zur Verfügung, in dem sie über „Revolution„, Nashville, Gummibärchen, ihre Tierliebe und andere Dinge plauderte.

Sounds Of South: Wieder zurück in Deutschland! Was gefällt dir an unserem Land?
Her: Ja, ich liebe eigentlich fast alles bei euch! Wirklich bewundernswert hier ist, dass fast jeder musikbegeistert zu sein scheint und auch die hier auftretenden Musiker unterstützt. In den Staaten lassen sich viele Besucher, selbst während eines Konzerts, von Dingen wie Handys, etc. ablenken. In Deutschland hören uns die Leute während des Gigs aufmerksam zu, kaufen meist danach noch CDs und T-Shirts. Das ist klasse und deshalb kommen wir auch gerne jedes Jahr hier hin. Ihr habt natürlich das beste Bier, ich liebe eure Schnitzel, dazu besitze ich noch eine Obsession für eure Gummibärchen (lacht herzhaft und hält uns eine riesengroße Tüte eines bekannten deutschen Fruchtgummi-Produzenten entgegen)!

Sounds Of South: Warum der Schwenk von Her & Kings County zum alleinigen Her?
Her: Wir hießen schon zu Beginn als Band nur Her, praktisch zu vergleichen mit Blondie. Als wir nach Nashville kamen und mit Warner Brothers einen Vertrag unterzeichneten, wollten die einen Zusatznamen zu Her, also wie z. B. Allison Krauss & Union Station, so entschieden wir uns für Her & Kings County. Als wir dann irgendwann Krach mit dem Label hatten, sind wir wieder zu Her zurückgekehrt. Aber ich möchte betonen, als Band! Also, wie bereits erwähnt, so ähnlich wie Blondie.

Sounds Of South: Mir hat das Album „Raise A Little Hell“ mit Kings County im Vergleich zu „Gold“, ehrlich gesagt, wesentlich besser gefallen. Schick mich jetzt aber bitte nicht zur Hölle…! Wie ist deine Meinung?
Her: Unserem Album „Raise A Little Hell“ lag ein fast sieben Jahre währender Songwriting-Prozess zu Grunde, der insgesamt sogar schon zehn Jahre zurückliegt, als Countrymusik noch deutlich anders gestrickt war als heute. Wir haben praktisch jedes Jahr andere Stücke geschrieben. Das „Gold“-Album kam direkt nach dem Bruch mit unserem Label zustande, so hatte es einen sehr rebellischen Charakter, wir wollten Nashville zeigen, dass wir uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu tun haben (…„Nashville, shot the f*** off… OT-Monique)! Deshalb war „Gold“ natürlich anders. Mit unserem neuen Album „Revolution“ haben wir aber wieder ein wenig versucht, Country- und Southern Rock-Einflüsse mit zu verarbeiten.

Sounds Of South: Wie kommt dein neues Video „Crush“ in den doch ziemlich religiös verwurzelten und eher prüden Staaten an?
Her: Die Absicht hinter „Crush“ war, mal was Schockierendes zu produzieren. Wir leben ja in Nashville, Tennessee, also im Süden der Staaten, der ja naturgemäß recht religiös geprägt ist. In New York, wo ich ursprünglich herkomme, gibt es eine große Gay-Bewegung. Diese beiden Elemente wollte ich einfach zusammenbringen, das löst dann natürlich den einen oder anderen Schock aus.

Sounds Of South: Bist du überhaupt gläubig?
Her: Nein, auf gar keinen Fall, ich bin zwar katholisch aufgewachsen – aber nein, definitiv nicht!

Sounds Of South: Wie kam eigentlich die Zusammenarbeit mit Rick Huckaby (ein Musiker den wir auch total mögen, und den wir vermutlich ohne dich nie kennengelernt hätten) zustande?
Her: Rick Huckaby? Echt? Wegen mir? Ich werde ihn deswegen zuhause sofort anrufen!

Sounds Of South: Ja, du hast ja ein Duett („My Heart Can’t Take Anymore“) mit ihm auf „Raise A Little Hell“ gesungen, danach haben wir ihn kontaktiert. Er hat uns sofort alle seine CDs zugeschickt und wir haben dann in unserem Magazin ein Portrait von ihm gemacht.
Her: Cool! Rick Huckaby ist ein toller Mensch und Musiker, mit einer klasse Stimme und wir sind in Nashville natürlich sehr gut befreundet. Ich liebe seine Stimme! Hat er dir eigentlich erzählt, dass er einen Großteil der dortigen Demosongs ‚einsingt‘? All‘ die großen Nashville-Stars wie Kenny Chesney & Co. hören sich erst mal Ricks Version an, bevor sie dann zu Werke gehen. Oft versuchen sie, ihn zu kopieren! Er wird deshalb in Nashville auch ‚The Demo-Singer‘ genannt. Aufgrund seines tollen Gesangs (und Sounds Of South kann dem nur zustimmen) war ich über das Duett mit ihm natürlich sehr froh!

Sounds Of South: Wie ist generell deine Meinung über Nashville?
Her: Eigentlich liebe ich Nashville. Ich bin ja vor gut acht Jahren dort hingezogen. Da war die Stadt noch recht übersichtlich und die Countrymusik echt cool und stark. Heute kommen die Leute nur noch mit dem Gedanken nach Music City, um Superstars, nach dem Motto: ‚Mach mich berühmt‘, zu werden. So funktioniert das dort aber eigentlich nicht. Das gute Nashville hat eine eher kleine, aber tolle Musiker-Gemeinschaft, die ich sehr mag. Das ’neue‘ Nashville ist leider eher wie Kalifornien oder New York (Monique rümpft verächtlich die Nase). Es hat sich vieles (zum Nachteil) verändert…

Sounds Of South: Wie sehen die nächsten Projekte aus?
Her: Wir arbeiten schon jetzt an einem neuen Werk, das ein Akustik-Album sein wird. Da werden dann mehr Instrumente wie Mandoline und Banjo eingebracht. Jetzt versuchen wir noch, die „Revolution“-Tour ein bisschen zu pushen, bis zum Ende des Sommers geht es nach unserer Rückkehr, in den Staaten weiter, wir werden also ziemlich beschäftigt sein.

Sounds Of South: Wie viele Verehrer muss Monique Staffile täglich abwimmeln?
Her: Du meinst auf Facebook (Monique lacht schnippisch)? In den Social-Media-Gefilden befinden sich viele verrückte Menschen. Zunächst meinst du, sie mögen dich, am Ende stellt sich heraus, dass es gar nicht so ist, ich lösche sie dann sofort. Aber ich erahne schon, was du wirklich meinst. Ich weiß mit ihnen umzugehen, ich bin ein großes Mädchen… (lacht)!

Sounds Of South: Wie ist und was macht die private Monique so?
Her: Ich habe hauptsächlich zwei große Vorlieben: Auf der einen Seite Autos, natürlich deutsche Autos! Ich besitze einen alten VW und einen Mercedes aus den Siebzigern, das sind meine beiden Babys, die besonders pflege. Auf der anderen Seite liebe ich Tiere. Ich rette Tiere fast jeder Sorte. Neulich habe ich einer Maus das Leben gerettet, die mir in der Küche Gesellschaft leistete. Dazu pflege ich jede Menge Hunde. Also Autos und Tiere sind neben der Musik meine große Passion!

Sounds Of South: Vielen Dank für das nette Gespräch!

Bilder: Gernot Mangold
Gespräch / Text: Daniel Daus

Her
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Tony Joe White – Rain Crow – CD-Review

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Die über 50 Jahre währende Musiker-Karriere des nun bald 73-jährigen Tony Joe White habe ich irgendwie fast komplett verschlafen. Klar kannte ich ein paar Stücke ihm, wie das durch Elvis zu meinen Kinderzeiten gecoverte „Polk Salad Annie“, sein berühmtes „Rainy Night In Georgia“ (bekannt auch durch Ray Charles) oder die Sachen, die er für Tina Turner auf deren „Foreign Affairs“ (u. a. „Steamy Windows“) geschrieben hatte, da ich dieses Werk nun mal auch besitze.

Mein richtiger Einstieg begann eigentlich erst ganz spät mit seiner „Hoodoo“-Scheibe vor knapp drei Jahren, die mich mit ihrem relaxten, kauzigen, fast hypnotischen Swamp Blues Rock direkt auf seine Seite zog. Da ich auch schon immer an eigenbrötlerischen authentischen Typen wie J.J. Cale & Co. Gefallen gefunden habe, war White mir natürlich sofort sympathisch. Bei ihm frage ich mich mittlerweile beim, in seinen Songs verankertem ‚Gesangs‘-Stil andauernd, wo hier das Sprechen aufhört und wann das Singen anfängt. Einfach klasse, wie er seine Stücke da so vor sich ‚hingrummelt‘.

Seine neue CD „Rain Crow“ knüpft im Prinzip mit dem Opener „Hoochie Woman“ nahtlos an das Vorgängerwerk an. Die beiden Silberlinge fließen quasi ineinander über. Die meisten Tracks verlaufen stoisch nach gleichem Schema: Strat-E-Gitarre in Bariton-Sphären, knöchrig pumpender Bass (Steve Forrest) und gemäßigte Drums/Percussion geben in einer, nach Endlosschleife anmutenden Gangart den Rhythmus vor, ab und zu hallt und gurrt eine Orgel (Tyson Rogers) dazwischen. Dazu betreibt Tony Joe sein hölzernes Storytelling, das wohl jeden engagierten Gesangslehrer, schon nach kürzester Zeit, auf die Palme bringen würde. Wenn der Meister dann mal nach Abwechslung dürstet, lässt er bei Stücken wie z. B. dem Titeltrack „Rain Crow“, „Conjure Child“ oder dem finalen „Tell Me A Swamp Story“ eine Harp aufplustern und quäken, oder setzt zu ein paar E-Fills bzw. surrendem E-(Slide) Soli an.

Die markantesten Momente des Werkes ergeben sich bei Liedern wie „Opening Of The Box“, bei dem Schlagzeuger Bryan Owings aus dem Relax-Groove-Modus plötzlich in ein für White-Songs schon fast ungewöhnliches Uptempo-Polter-Drumming übergeht, was Tony Joe aber keineswegs auch zu einer Erhöhung des (Sprech-) Gesangstempos animiert. Wirkt schon fast antizyklisch. Trotzdem passt es. Klasse gemacht!

Das wohl größte Potential, mal wieder von einem der wenigen großen, übrig gebliebenen Rockmusiker gecovert zu werden, hat „Right Back In The Fire“, bei dem White sogar sichtlich auch mal um etwas Gesang bemüht ist. Das Lied könnte meines Erachtens für Interpreten wie z. B. Springsteen, Clapton, Knopfler oder auch Bono/U2 durchaus mal eine überlegenswerte Sache sein. Stark auch die an J.J. Cale reminiszierenden Tracks wie „The Bad Wind“ oder das ebenfalls recht melodische „The Middle Of Nowhere“ (geschrieben mit Billy Bob Thornton).

Produziert hat „Rain Crow“ übrigens Tony Joe Whites Sohnemann Jody. Der sau-coole bluesige, schön ausgesteuerte Relax-Groove nimmt einen sofort gefangen, sofern man sich darauf einlassen mag. Eine typische Scheibe, mit der man Alligatoren in den Swamps, oder falls sie mal bei einem im Garten auftauchen sollten, glatt hypnotisieren könnte. Sehr eigenwilliger, aber auch extrem guter Stoff!

Yep Roc (2016)
Stil: Swamp Blues Rock

01. Hoochie Woman
02. The Bad Wind
03. Rain Crow
04. The Opening Of The Box
05. Right Back In The Fire
06. The Middle Of Nowhere
07. Conjure Child
08. Where Do They Go
09. Tell Me A Swamp Story

Tony Joe White
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JJ Grey & Mofro – 07.06.2016, Kantine, Köln – Konzertbilder

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Beim Doppelkonzert mit Her (parallel im Yard Club) am 07.06.2016 ließen wir uns es natürlich nicht nehmen, auch bei JJ Grey & Mofro nochmals in der Kantine kurz vorbeizuschauen, nachdem wir ihn Donnerstags zuvor ja schon in Bochum beleuchtet hatten. Um die 350 Zuschauer erlebten auch hier eine tolle Southern Soul Rock-Darbietung.

Bilder: Gernot Mangold

JJ Grey & Mofro
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Kantine Köln