Swamp da Wamp – That Easy – CD-Review

SWA_Cover

Southern Rock-Fans sind ja bekannter Weise leidgeprüft, was das Dahinscheiden von Musikern ihres Genres betrifft. Allein, was das immer noch bestehende Aushängeschild der Zunft, Lynyrd Skynyrd, an Verlusten hinnehmen musste, kommt ja schon fast einem Fluch nahezu gleich.

Auch die kontinuierlichen Nachrichten z. B. über Gary Rossingtons Gesundheitszustand, oder wenn man Gregg Allman zuletzt gesehen hat, stimmen nicht gerade fröhlich, lassen aber immer das Beste erhoffen, konfrontieren einen mit fortschreitendem Alter aber auch zunehmend mit der eigenen Vergänglichkeit, die man ja eigentlich immer ganz gerne ausklammert.

Völlig überraschend kam für Außenstehende allerdings jetzt die Todesnachricht von Swamp da Wamp-Chef Gig Michaels (bürgerlicher Name Michael Giggey), der wenige Stunden vor seinem 52. Geburtstag an den Folgen einer fortgeschrittenen Lungenkrankheit, mittels einer schweren Lungenentzündung, letztendlich verstarb.

Und das fast zeitgleich mit dem physikalischen Erscheinen ihrer neuen CD „That Easy“, dem uneingeschränkten musikalischen Höhepunkt ihres bisherigen kreativen Schaffens. Bitter! Die Band bestehend aus Gig Michaels (lead vocals, acoustic guitar), Adrienne Nixon (supporting vocals), Keith ‚Wizzard‘ Inman (lead guitars), Nick Nyguyen (lead guitar, cello, violin), Rich Basco (bass), Jonathan ‚Chicken-hawk‘ Parker (drums), Duke Rivers (b-3, piano) und John ‚Junkyard‘ Ledford (guitars) hat nach drei immer besser werdenden Vorgänger-Werken, ähnlich wie Blackberry Smoke, eine atemberaubende, kontinuierliche Weiterentwicklung durchschritten.

Man muss sogar fast attestieren, dass die Truppe aus Charlotte, North Carolina, mit „That Easy“ drauf und dran ist (war), sich einen Spitzenplatz in der Phalanx der noch existierenden Südstaaten Rock-Bands zu erarbeiten.< Die Gründe hierfür liegen bei diesem Album auf der Hand. Gutes, abwechslungsreiches Songmaterial (bis auf einen Track alles Eigenkompositionen), ein charismatischer Lead-Sänger mit einer außergewöhnlichen Stimme, der sich atemberaubend gut mit seiner Supportsängerin ergänzt, ein immer besser eingespieltes Kollektiv mit vielen guten Instrumentalisten, bei denen keiner zu kurz kommt und letztendlich mit Glenn Tabor ein Produzenten, der es brillant verstanden hat, alles in einem wuchtigen, aber klaren, transparenten und modernen Sound zu vermitteln. Die insgesamt zehn Stücke, machen richtig Laune und vergehen wie im Flug. Der Opener „Fat Boy“ prescht richtig fett, mit allen Southern Rock-typischen Zutaten (klasse E-Gitarren, weibliche Harmonies, hallendes b-3, polternde Drums) ziemlich aggressiv vor sich hin, wenn man die eingebundene Fiddle mal Außen vor lässt. Auch “Devil In My Whiskey“ mit Skynyrd-, Molly-, Doc Holliday-Ingredienzen rockt wuchtig.

Das Biker-transforme „Three Wheels“ besteht partiell aus Allman-typischen Orgel-E-Gitarren-Tushs (Intro, Mitte, Ende) die Zwischen-Parts erinnern dezent an eine Symbiose aus Skynyrds „T For Texas“ und Mollys „Whiskey Man“. Bei „My Drinking Song“ ist der Titel Programm. Ein Lied, das man auf dem Höhepunkt einer jeden biergeschwängerten Party zum Mitgrölen laufen lassen kann und auch zukünftig dazu nutzen kann, Gig Michaels ehrfurchtsvoll im Rock’n’Roll-Heaven zuzuprosten.

Der Titelsong „That Easy“, von Gig und Adrienne gemeinsam performt, ist eine grandiose, episch anmutende Südstaaten Rock-Ballade, die unter die Haut geht. Mit ‚Axel Rudi Pell goes Southern‘ könnte man sie fast umschreiben. „I don’t wanna go down that easy“ singt Gig voller Inbrunst, ob er da schon eine gewisse Vorahnung hatte?

Mein Lieblingssong ist das fluffige countryeske „Changes“ mit klasse Harmonies von Nixon und einer herrlichen „E-Gitarren/Bruce Hornsby-Piano-Klimper-/Dobro-/Fiddle-Staffette im Solo-Teil. „Rollin’“ und auch „I Am“ stampfen wieder wie ein Bulldozer, fette E-Gitarren/-Soli, wie man sie von Molly und Skynyrd liebt, inbegriffen. Southern Rock der großen Schule, perfekt für’s Live-Programm.

Die Kammermusik-artige Piano-Ballade (emotionales Duett von Gig und Adrienne) „Happy Anniverary“ macht im Zusammenhang mit dem tragischen Ereignis unendlich traurig. Man kommt nicht umhin, sich eine kleine Träne aus dem Auge zu drücken. Rivers‘ Pilly Powell-mäßiges, an „Free Bird“ angelehntes Pianospiel erzeugt Gänsehaut, ein schöner Song vielleicht für Gigs Beerdigung.

Swamp da Wamp entlassen den Hörer mit der swampigen Neuauflage von Jason Aldeans „She’s Country“ und beweisen, wie herrlich Southern Rock und New Country in Einklang zu bringen sind, wenn gute Musiker am Werk sind. Auch hier bildet Adrienne Nixon erneut einen starken Konterpart zu Gig Michaels.

Der vierte Longplayer „That Easy“ hat (hätte) Swamp da Wamp im Southern Rock auf eine ganz hohe Ebene gehievt. Eines der besten Alben des Genres im neuen Jahrtausend. Der tragische Tod ihres charismatischen Bandleaders hinterlässt nicht nur menschlich im familiären Umfeld, sowie den SR-Fans und der Musik allgemein, eine weitere, große Lücke.

R.I.P. Gig Michaels

Eigenproduktion (2015)
Stil: Southern Rock

01. Fat Boy
02. Devil In My Whiskey
03. Two Wheels
04. My Drinking Song
05. That Easy
06. Changes
07. Rollin‘
08. I Am
09. Happy Anniversary
10. She’s Country

Swamp da Wamp
Swamp da Wamp bei Facebook
Bärchen Records

Todd Thibaud – Broken – CD-Review

Thibau_Brok_300

Das fünfte Studioalbum von Todd Thibaud! Nachdem er mit seinem Meilenstein „Northern Skies“ die Messlatte in immense Höhen gelegt hatte, war ich gespannt, ob der umtriebige Musiker mit seinem neuen Werk „Broken“ auf diesem Level weiterfahren kann, einen Durchhänger abliefert oder etwa das Unmögliche zustande bringt und nochmals eine Schippe drauf legen kann. Ich nehme es vorweg. Nach den bisher erlebten Hördurchgängen ist der hochwertige Status Quo gewahrt.  Todd Thibaud – Broken – CD-Review weiterlesen

Sam Riggs And The Night People – Outrun The Sun – CD-Review

Riggs_Outr_300

Wow! Herrlich melodischer Red Dirt-Rootsrock/-Countryrock der absoluten Extra-Klasse. Was für ein grandioses Debüt von Sam Riggs & the Night People, dem selbst ein solch unverwüstliches Urgestein der Texas-Szene wie Ray Willie Hubbard voll des Lobes konstatiert: „Sam Riggs wears a legacy of honest country, makes good rock, writes lyrics that matter and straps on a stage presence second to none“.  Sam Riggs And The Night People – Outrun The Sun – CD-Review weiterlesen

Mike Zito – Greyhound – CD-Review

Zito_Grey_300

Mike Zito zählt für mich persönlich zu den wenigen Blues Rock-Musikern, die ich schon nach wenigen Momenten in mein Herz geschlossen hatte. Steve Schuffert, Davy Knowles oder Mark Selby sind ähnliche Vertreter. Warum? Sie können im Gegensatz zu vielen anderen (meist überbewerteten) Vertretern dieser Zunft recht gut singen, zeichnen sich als veritable Songwriter aus und präsentieren ihren Blues Rock relativ facettenreich und durchweg melodisch.  Mike Zito – Greyhound – CD-Review weiterlesen

Mike Zito & The Wheel – Keep Coming Back – CD-Review

510rUy+sm0L

Mike Zito war schon immer, aufgrund der tollen Stimme und dem texanisch eingebrachten Esprit in seine Musik , einer meiner Favoriten, was den Blues Rock betrifft. Review-technisch gesehen ist es jetzt allerdings schon eine Weile her, dass ich mich mit ihm auseinandersetzen durfte.

Vieles in seitdem geschehen, nicht zuletzt auch bedingt durch seinen Zusammenschluss 2013 mit Ruf Records. Zito war ja für zwei Alben einer der maßgeblichen kreativen und führenden Köpfe, der mittlerweile mit Superband-Status bedachten Royal Southern Brotherhood (samt Cyril Neville und Devon Allman) und parallel solo mit seiner Begleitband The Wheel tätig.

Seit seinem Ausstieg bei RSB konzentriert sich der aus einer ärmlichen Arbeiterfamilie in St. Louis stammende 44-jährige Musiker, der schon viele Ups and Downs (Alkoholismus, Drogen) durchlebt hat, wieder auf sein eigenes Projekt. „Keep Coming Back“ heißt passender Weise sein neues Studiowerk, das, um es vorwegzunehmen, Mike auf dem Zenit seiner bisherigen Schaffensphase präsentiert. Großartig!

Der Einstieg beim schwungvollen Titelstück mit einem rasiermesserscharfen Slide macht sofort richtig Laune und auch seine The Wheel-Mitstreiter Jimmy Carpenter (saxophone), Lewis Stephans (keys), Scott Sutherland (bass) und Rob Lee dürfen sich an ihren Instrumenten richtig austoben. Ein furioser Auftakt.

Es reiht sich in der Folge wirklich ein Klasse-Stück an das nächste. Der rockige Footstomper „Chin Up“ gibt weiter Gas, der groovige Schunkler „Get Easy Living“ gibt erstmals Gelegenheit zur Einkehr. Das countryeske „Early In The Morning“ spiegelt exakt die zwischen Müdigkeit und Melancholie pendelnde Stimmung in den frühen Morgenstunden wieder. Wer anders soll das besser beurteilen, als ein Mensch wie ich, der in der Woche um 4.30 Uhr die Federn für die Arbeit verlässt? Klasse übrigens hier die Backs seiner Ehefrau Riley, die ja maßgeblichen Anteil an Zitos Konstanz in allen Belangen trägt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das akustisch untermalte „I Was Drunk“, bei dem Anders Osborne, der auch diverse weitere Lieder mitgeschrieben hat, zum Duett antritt und auch Gitarre spielt. Den Abschluss der ersten Hälfte bildet das herrlich smooth und bluesig groovende „Lonely Heart“.

Launigen Songwriter Roots Rock a la Jack Ingram/Will Hoge gibt’s auf „Girl From Liberty“, der Griff in die Retrokiste wird mit dem Bob Seger-Cover „Get Out Of Denver“ vollzogen, das hier mit typischen E-Gitarren, klimperndem HT-Piano und plusterndem Sax sehr an „Johnny B. Good“ angelehnt ist.

Texas Blues Rock der Marke Storyville offeriert „Nothin‘ But The Truth“, das von einer furz-trockenen Strat geführt wird und satte Sax-Einlagen (inkl. quäkendem Solo) von Jimmy Carpenter sowie herrlich rotzige Harmoniegesänge von Gastakteurin Suze Simms beinhaltet. „Cross The Border“ wandelt ein wenig auf den verlassenen RSB-Pfaden und mit „What’s On Your Mind“ lässt Mike eine seiner berühmten Killerballaden vom Stapel, auf denen seine markante Stimme ja immer besonders gut zur Geltung kommt. Toller Song.

Dem nicht genug. Auch das finale, einst aus der Feder von John Fogerty stammende „Bootleg“ erhält durch Zito und seine Mannen ein zwischen pulsierendem Jazz- und Blues Rock kokettierendes zeitgemäßes Update. Ein fulminanter Abschluss, der dann auch keine Wünsche mehr offen lässt. Mike Zito & The Wheel beweisen auf „Keep Coming Back“ ihre ganze Klasse. Auch ich bin der Meinung, dass der Protagonist als alleiniger Bandleader wesentlich besser zur Geltung kommt, als in einem, mit mehreren Platzhirschen agierenden Kollektiv.

Fazit: 12 tolle Songs, die aufgrund ihres Abwechslungsreichtums und der Kurzweiligkeit wie im Fluge vergehen. Das Cover (übrigens Booklet mit allen Texten im DigiPak enthalten), zeigt zurecht einen selbstzufrieden lachenden Musiker, der von sich sagt: „Ich liebe den Blues, ich liebe den Rock’n’Roll und ich liebe Countrymusik. Das ist es, was ich mache und wer ich bin.“ Recht hat er und das kommt ohne Zweifel auf „Keep Coming Back“ bestens zum Vorschein. Eine grandiose Scheibe vom Typus ‚Kann man blind kaufen‘!

Ruf Records (2015)
Stil: Blues Rock

01. Keep Coming Back
02. Chin Up
03. Get Busy Living
04. Early In The Morning
05. I Was Drunk
06. Lonely Heart
07. Girl From Liberty
08. Get Out Of Denver
09. Nothin‘ But The Truth
10. Cross The Border
11. What’s On Your Mind
12. Bootleg

Mike Zito
Mike Zito bei Facebook
Ruf Records

Various Artists – Hot & New Country Music #1 – CD-Review

hot new_300

Schön, dass die Musikindustrie mittlerweile auch in unseren Gefilden begriffen hat, dass (New) Countrymusik von heute (in Amerika absolut populär) hierzulande über Johnny Cash, Willie Nelson und Truck Stop hinaus längst sein Mauerblümchendasein abgelegt hat und deren Interpreten mit ihren Tonträgern weitaus mehr zu bieten haben, als das bisherige Wühltischniveau.  Various Artists – Hot & New Country Music #1 – CD-Review weiterlesen

Jason Aldean – Old Boots, New Dirt – CD-Review

Aldean_Boots_300

Just in den Wochen, in denen viele Große der Zunft in Nashville mit ihren neuen Alben aufwarten, schickt jetzt auch Broken Bow Records sein Flagschiff Jason Aldean mit seinem brandaktuellen Werk „Old Boots, New Dirt“ ins Rennen, nachdem zuvor sein Label-Kronprinz Dustin Lynch erfolgreich die Charts geentert hatte. Nach dem Motto „Never Change A Winning Team“ setzt man auch diesmal wieder auf Konstanz. Wie schon auf den erfolgreichen Vorgängern „My Kinda Party“ und „Night Train“ gibt es 15 satte, durchgehend hitverdächtige Songs, allesamt im Single-tauglichen 3-4 Minuten-Bereich, produziert natürlich von Jasons Langzeit-Weggefährten Michael Knox, und auch eingespielt, vom – bis auf ganz marginale Änderungen – gleichen Musiker-Team (seine Live-Band mit Rich Redmond, Truly Kennedy, Kurt Allison plus arrivierte Studio-Könner wie Adam Shoenveld, Dany Radar, Mike Johnson, Russ Pahl, Tony Harrell, Charlie Judge). Was die Singles angeht, darf man sofort von einem Traumstart sprechen.  Jason Aldean – Old Boots, New Dirt – CD-Review weiterlesen

Jimmy Cornett And The Deadmen – 16.10.2015, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

Der zugezogene Hamburger, der tatsächlich aussieht, als ob er aus einer düsteren Hafenspelunke entsprungen wäre, und seine toten Männer gaben am 16.10.2015 im Zentrum Altenberg ein authentisches Stelldichein, nachdem zuvor die sympathischen Silverettes den Gig als Support eröffnet hatten.

Vermutlich dem typisch norddeutschen Sauwetter mit strömendem Dauerregen geschuldet, fanden sich in der Oberhausener Industrie-Kultstätte nur knapp 100 Leute ein. Im Gepäck hatte der Vierer, bestehend aus Jimmy Cornett (Lead vocals, acoustic guitar), Dennis Adamus (Lead guitar), Thomas Raabe (Drums) und Frank Jäger (Upright bass) sein neues Werk „The Ride“, aus dem dann auch schwerpunktmäßig Tracks wie „Devil Got My Soul“, „For The Ride“, „Guardian Light“, „Raise The Dust“ sowie einige gelungene Coverversionen (klasse: „One Horse Town“ von Blackberry Smoke) vorgestellt wurden.

Dem äußerst trink-, tanz- und feier-freudigen Publikum wurde ein unterhaltsamer rauer und erdiger Abend voller Country, Rock, Southern Rock sowie dezenten Rockabilly-Zutaten geboten, bei dem das Quartett um seinen charismatischen Fronter Jimmy Cornett vollends überzeugte.

Jimmy Cornett And The Deadmen sollte man live gesehen haben!

Jimmy Cornett And The Deadmen
Jimmy Cornett And The Deadmen bei Facebook
Zentrum Altenberg

Thorbjorn Risager & The Black Tornado – 12.11.2015, Piano, Dortmund – Konzertbericht

Auf diesen Abend hatte ich mich schon richtig gefreut. Zum Einen, weil ich im schönen Dortmunder Piano-Musiktheater, in dem ich bis jetzt immer tolle Konzerte erlebt habe und mich auch sonst pudelwohl fühle, schon längere Zeit nicht mehr gewesen bin, und nicht zuletzt wegen der zwei tollen Videoclips von Thorbjørn Risager, von dessem aktuellen CD/DVD-Package aus der Ruf-“Songs From The Road Reihe“, die auf der Piano-HP zur Event-Beschreibung im Vorfeld präsent und einem den Mund schon richtig wässrig gemacht hatten.

Des Weiteren hatte ich meinen gerade vierzig Jahre alt gewordenen, wesentlich jüngeren Bruder angesichts dieses Ehrentages zu einem erstmaligen gemeinsamen Konzertbesuch eingeladen, um seinem verschrobenen, von Grunge-Geschrammel geprägten und versauten Musikgeschmack, mal etwas Entwicklungshilfe zu leisten. Der musste aber letztendlich seinem anstrengenden Leben zwischen Zelluloid-Ballspiel in der Schweiz, ständig beruflich bedingter Asienreisen sowie Vater-Kind-Laterne-Bastel-Schul-Abenden und sonstigen gesellschaftlichen Zwängen, die bedauernswerten heutigen Väter von Frauen Marke Manuela Schleswig aufoktroyiert werden (um auch noch deren letzten Funken Würde und Selbstbewusstsein zu zerstören), Tribut zollen, und aufgrund eines immer noch nicht ganz auskurierten und sich wieder meldenden Bandscheibenvorfalls, kurzfristig das Handtuch werfen. Auch von den üblichen Verdächtigen aus meinem Bekanntenkreis, die auf solchen Gigs normalerweise auftauchen, leider keine Spur. So durfte ich diesen starken Risager-Abend mit den restlichen angenehmen Leuten, die sich für den Besuch an diesem Donnerstag entschieden hatten, ‚alleine‘ erleben.

Das Piano war recht gut gefüllt, aber es war überall noch gut Luft zum ‚Atmen‘ um Einen herum. Der Bandleader samt der weiteren Mitstreiter Peter Skjerning, Kasper Wagner, Peter Kehl, Søren Bøjgaard, Emil Balsgaard sowie Martin Seidelin begrüßte um 20:05 Uhr seine Audienz in gebrochenem Deutsch. Das Septett heizte mit dem, von einem typischen Quo-Riff getragenen „If You Wanna Leave“ sofort mächtig ein. Es folgte (in der Nachbetrachtung) direkt mein persönliches Highlight dieses Gigs, der schön soulige Schwofer „Burning Up“, durchzogen immer wieder von perfekter Fill-Arbeit der auch im gesamten Verlauf des Abends vielbeschäftigten Bläser-Section.

Über „Paradise“, „Drowning“ und dem retrobehafteten „The Straight And Narrow Line“ (mit HT-Pianoeinlagen) folgten dann bei „Train“ die ersten country-lastigeren Klänge, wobei Peter Skjerning den Bottleneck über die Saiten streifen ließ. Weiter ging’s mit „Im Tired“ im klassischen Blues-Schema. Toll auch die sehr atmosphärisch dargebotene Ballade „China Gate“. Das poltrige „Rock’N’Roll Ride“ bot erste Mitsing-Gelegenheit fürs Publikum und beendete einen launigen ersten Setteil gegen 21:00 Uhr. Nach ca. einer halben Stunde Pause und der Möglichkeit, den Flüssigkeitshaushalt wieder zu stabilisieren, fegten Risager und seine Jungs dann mit dem stonesken „High Rolling“ los. Eine starke Nummer, auch wenn mir hier als Gegenpart zu Risagers Röhre die Backgroundsängerinnen doch gefehlt haben, für die ich generell ja auch ein Faible besitze.

Das Slide-lastige „Too Many Roads“ ließ das Herz des berichtenden Country- und Southern Rock-Liebhabers natürlich höher schlagen. Saustarke Nummer. Erheiternd immer wieder die deutschen Ansagen zu den Songs der einzelnen Bandmitglieder. Gerade in unseren ‚integrations-bemühten‘ Zeiten eine tolle Geste an das hiesige Publikum. In diesem Fall leitete Drummer Martin Seidelin das herrlich groovende und funkende „Precious Time“ ein. „The Long Forgotten Track“ mit schöner E-Bariton-Gitarre verbreitete wieder gediegenen Country-Charme, klasse die gefühlvoll dazu plusternden Kehl und Wagner.

Der Swamp-Blues „On My Way“, kam meinen Präferenzen erneut entgegen, das fetzige von Gitarrist Skjerning angesagte„All I Want“ (fulminantes Risager-E-Solo) und das bläserlastige „Baby Please Don’t Go“ kamen im gleichen Dreier-Pack wie auf der aktuellen DVD. Risager lobte wieder in bemühtem Deutsch das ‚beste Publikum der Welt‘ und die schönste Location, in der er je gespielt hatte, wohl wissend, dass er diesen Spruch vermutlich schon bei zig anderen Auftritten losgelassen hatte. Welch ein Schelm, aber im Prinzip kommt er der Wahrheit, was das Piano betrifft, ja auch ziemlich nahe! Und so war dann heftige Swing Time beim furiosen Retroschunkler „Let The Good Times Roll“ angesagt, das dann auch einen richtig gelungen 2. Set abschloss. Die stürmisch eingeforderte Zugabe wurde dann mit dem zünftigen und vom Titel für diesen Anlass skurril anmutenden „Opener“ befriedigt.

Ein tolles Finish um 22:25 Uhr. Das Kommen zu Thorbjørn Risager und seinen Black Tornado hatte sich in allen Belangen gelohnt. Vielen Dank natürlich auch an Jennifer von 3Dog Entertainment für die abermals nette Zusammenarbeit!

Thorbjørn Risager & The Black Tornado
Thorbjørn Risager & The Black Tornado bei Facebook
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Blackberry Smoke – 02.12.2009, Zwischenfall, Bochum – Konzertbericht

Da ist man doch eigentlich ein eingefleischter Southern Rock-Fan und ich kann mich ehrlich gesagt kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein Live-Konzert aus diesem Genre gesehen habe. Es muss wohl Molly Hatchet in der Bochumer Zeche gewesen sein (auch schon ewig und drei Tage her), aber da ja kaum eine Band außer ihnen und Lynyrd Skynyrd (die schaue ich mir allerdings erst wieder an, wenn die Band statt der immer wieder runtergedudelten Klassiker schwerpunktmäßig Songs aus den Alben der Johnny Van Zant-Ära spielt, vermutlich also nie mehr…) in unseren Sphären auftaucht, ist es auch nicht ganz so verwunderlich.

Dabei gibt es in letzter Zeit soviel hoffnungsvollen Nachwuchs in diesem Genre. Und da tauchen dann aus dieser Riege plötzlich glatt Blackberry Smoke, deren hervorragendes Album „Little Piece Of Dixie“ von mir (und nicht nur von mir) zu Recht über den grünen Klee gelobt worden ist, hier zu einer Europa-Tournee auf und spielen auch noch in erreichbarer Nähe, nämlich in Bochum-Langendreer im Zwischenfall, einer Location, die eigentlich für ganz andere Musik (u.a. Metalcore, Punk, Hardcore…) bekannt ist. In Sekundenschnelle war die über Jahre angestaute Resignation wie weggefegt, ich war wieder heiß auf live gespielten Southern Rock.

Als Support spielte die Bochumer Band Northern Beach, die mit ihrem Frontmann Achim Bihler eine knappe Dreiviertelstunde mit sympathischem, recht erträglichen Punkrock und Rock’n’Roll einheizten, auch wenn ich mir hier eher eine weitere Southern Band oder gar keine Vorband gewünscht hätte. Die Jungs gaben ordentlich Gas am Stück. Schmankerl des Auftritts war allerdings der Kommentar meines Freundes Helmut ‚Happo‘ Tautges, seines Zeichens Präsident vom Fanclub Uralt-Ultras des immer noch besten und sympathischsten Fußballclubs Deutschlands (und darüber hinaus), Rot-Weiss Essen, der die Band vor dem letzten Stück lauthals aufforderte, doch mal bitte was Hartes zu spielen… Bekannt für seine selbstgedrehten RWE- und Musikvideos schlüpfte der passionierte Stones-Fan an diesem Abend auch noch in die Rolle des Film-Regisseurs, dazu später mehr.

Nach kurzer Umbaupause legten Blackberry Smoke, die für ihre Tour das Motto ‚Too Rock’n’Roll for Country, too Country for Rock’n’Roll‘ ausgegeben hatten, dann um 22.00 Uhr mit dem Countryfeger „Memphis Special“ los, um sich schwerpunktmäßig ihrem o.a. Album zu widmen. „Like I Am“, „Good One Coming On“, „Restless“ und „Bottom Of This“ erbrachten den Beweis, dass straighter Southern Rock gepaart mit der einen oder anderen Countryanleihe wunderbar funktionieren und den anwesenden Insideranteil der leider nur um die 60 Zuschauer spielend in Wallung bringt. Die Stimmung war trotz des übergroßen Platzangebotes und der nicht ganz optimalen Akustik im Raume prächtig.

Einen ersten Höhepunkt für mich erreichte das Konzert, als der Südstaaten-Fünfer (Charlie Starr, Paul Jackson, Brit und Richard Turner und der jetzt fest integrierte Keyboarder Brandon Still), das in Georgia Satellites-Manier gebrachte „Sanctified Woman“, eine furios abgehende Highspeed-Coverversion des Outlaws-Klassikers „Freeborn Man“ (fast kaum erkennbar, herrliches Slidespiel von Bandleader Charlie Star, HT-Piano) und ein funkig country-rockendes „Up In Smoke“ zum Besten gaben. Klasse auch das relativ neue Stück „Everbody Knows She’s Mine“, bei dem Starr und Zweitgitarrist Paul Jackson (leider oft zu leise ausgesteuert) dann nach zwei starken Einzel-Soli auch zur Southern-typischen Twin-Einlage ausholten. Mit dem countryfizierten „Son Of A Bourban“ und dem überragenden „Freedom Song“ vom aktuellen Werk, war der Hauptteil schon nach einer knappen Stunde vorbei.

Das als Zugabe stürmisch eingeforderte „Shake Your Magnolia“ rockte und stampfte noch mal höllenmäßig, rhythmisches Fußwippen mit den Cowboystiefeln und sonstigem Schuhwerk unvermeidbar. Das finale „Constant Sorrow“ begann mit einzelnen kleinen Duellen der beiden Gitarristen und ging vom Countryschwofer (inkl. Vorstellung der Band) in einen furiosen Rock’n’Roller über, ein starker Abschluss eines leider viel zu kurzen Konzertes, ein kleiner Wermutstropfen neben dem nicht ganz optimalen Sound (oft zu laut). Allerdings auch ein wenig verständlich, angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Tag inmitten der Woche handelte und das Zwischenfall direkt am Rande einer bewohnten Fußgängerzone liegt.

Der hier abgelieferte Tour-Auftakt von Blackberry Smoke kam mir trotz der sehr guten Leistung noch ein bisschen wie ein erstes Abtasten und dezentes Warmspielen vor, was aber absolut nicht als Vorwurf gedacht ist, der Abend hat insgesamt richtig Spaß gemacht. Ich bin mir sicher, dass die Jungs im Laufe des Dezembers noch die eine oder andere Schüppe drauflegen, vor allem, wenn die Zuschauer-Resonanz etwas voluminöser ausfällt.

Kurz nach dem Ende konnte ich den unkomplizierten und sehr sympathischen Charlie Starr noch zu einem kurzen Weihnachtsgruß überreden, der Essener Sönke Wortmann alias Presidente Happo war natürlich mit der Kamera sofort zur Stelle. Starr ließ sich auch noch zu einem gemeinsamen Foto überreden und so war er, ohne es zu wissen, in Form von Happo, Freund Däddi und mir in die geballte Rot-Weiß Essen-Fußballkompetenz eingerahmt. Danach ging es noch in die Zwischenfall-Lounge, wo die Besucher Zeit und Gelegenheit hatten, sich mit den Musikern zu unterhalten (ich konnte noch ein paar Worte mit dem netten Brandon Still sprechen) und sich am recht umfangreichen Merchandising-Stand mit Blackberry Smoke-Artikeln (u.a. drei verschiedene T-Shirts) einzudecken.

Blackberry Smoke haben es an diesem Abend in Bochum mit tollen Songs, handwerklicher Bravour und sympathischer Präsenz geschafft, die längst verschwunden geglaubte Südstaatenrocklust in mir wieder zu erwecken. Leute, geht auf die anstehenden Konzerte, damit die Jungs positiv über Deutschland berichten können. Vielleicht kommen sie dann ja mit den vielen talentierten Bands im Schlepptau gerne wieder und wir erleben eine nicht für möglich gehaltene kleine Southern Rock-Renaissance!

Danke an Blackberry Smoke und Norbert vom Zwischenfall für die unproblematische Akkreditierung.

Blackberry Smoke
Blackberry Smoke bei Facebook
Zwischenfall Bochum