Sam Riggs And The Night People – Outrun The Sun – CD-Review

Sam

Wow! Herrlich melodischer Red Dirt-Rootsrock/-Countryrock der absoluten Extra-Klasse. Was für ein grandioses Debüt von Sam Riggs & the Night People, dem selbst ein solch unverwüstliches Urgestein der Texas-Szene wie Ray Willie Hubbard voll des Lobes konstatiert: „Sam Riggs wears a legacy of honest country, makes good rock, writes lyrics that matter and straps on a stage presence second to none“. 

Da spielt Mastermind Sam Riggs natürlich dann auch gerne den Ball an seinen Mentor zurück: „He opened my eyes to songwriting, and I could see the idiot I had been and the idiot I was going to be, and he helped me to navigate that. He taught me what it really is to be a songwriter“. Da können auch wir Ray Wylie nur von ganzem Herzen danken, denn dieser Sam Riggs beherscht nicht nur das Songwriting in einer aussergewöhnlichen Qualität. Er stammt, wie das so oft bei jungen Künstlern ist, aus einer musikbegeisterten Familie, fasste vor geraumer Zeit, eben auch dank Hubbard, den folgerichtigen Entschluss, von seiner Heimatbasis Florida nach Austin/Texas umzusiedeln, um sich ganz auf seine musikalischen Fähigkeiten zu konzentrieren.

Eine immense Triebfeder dafür war im übrigen auch die Musik von Reckless Kelly, die ihn nachhaltig beeinflusst und der er sich sehr verbunden fühlt. Das hört man auch, doch Riggs verarbeitet u.a. die Spuren von Reckless Kelly in seiner Musik, ohne sie auch nur annähernd zu kopieren. Das braucht er nicht, denn er ist viel zu gut, verfügt über viel zu viel eigene Kreativität und Qualität, um nicht voller Seele seinen eigenen Stil zu entwickeln. Mit seinem fantastischen Debüt „Outrun The Sun“ setzt Riggs mit seiner exzellenten Band in der Red Dirt-Szene mehr als nur eine echte Duftmarke. Hier merkt man sofort, und dazu braucht man nun wirklich kein prophetisches Gespür, dass er und seine hoch talentierten Freunde, bestehend aus Chad Cramp (Drums), Jerrod Flusche (Guitars), Mickey Gattus (Keys) und Dustin Williams (Bass) zu deutlich Höherem berufen sind.

Hier passt vom Bandleader mit seiner charismatischen Stimme (wie eine Art Kreuzung aus Mike Eli von der Eli Young Band und Reckless Kellys Willy Braun) und seinen multiinstrumentalen Fähigkeiten (fiddle, guitars, banjo), über alle beteiligten Musiker und das bärenstarke Songmaterial, bis hin zur gemeinsamen, satten, transparenten Produktion von Sam Riggs und Erik Herbst (Eli Young Band, Kyle Bennett Band, Josh Abbott Band – es gibt wohl keinen besseren für diese Art von Musik), einfach alles. Ganz große Klasse! Selbst die drei Gastmusiker Milo Deering (mit seinen typisch auf den Punkt gebrachten Steeleinlagen) und die beiden Harmonie-Vokalisten Taylor Powell und Jen Holm reihen sich perfekt in den Sound der Band ein.

Der Clou an der Sache ist auch, dass Riggs und Co. durch die Einbindung einiger New Country-typischen Instrumente und Elemente vereinzelt eine gewisse Nashville-Kompatibilität erzielen, ohen dabei ihren erdigen Red Dirt-Charme zu verlieren. Das ähnelt etwas der Art der ebenfalls grandiosen Josh Abbott Band. Wann hat man schon mal in letzter Zeit im Red Dirt unweigerlich den Drang verspürt, das Tanzbein zu schwingen, wie beim herrlich gitarrenlastig wippenden Opener „Long Shot“? Ist der wundervolle Countryohrwurm „Come Back Down“ ein Indiz dafür, dass Nashville sich schon bald auf eine neue Band auf der Schiene der Eli Young Band freuen darf?

Würden Songs ähnlich klingen wie das hinreissend lockere, knackige und melodische „Oilfiled Town“ (tolle Banjo-Untermalung/erdige E-Gitarren-Führung), wenn Keith Urban ein waschechter Texaner und Red Dirt-Künstler wäre? Fragen, die sich einem bei diesen vorzüglichen Songs unweigerlich stellen. Grandios auch das rockige „Collide“, bei dem Sam Riggs seine musikalischen Ideen mit denen seiner Vorbildbands Reckless Kelly und Micky & The Motorcars kompromisslos kollidieren lässt. Das wunderbar luftig dahinschwebende“„Someone Else’s Love Song“ (herrlich markantes E-Gitarrengezupfe) hat wieder diese Ohrwurrmmentalität und Leichtigkeit, wie es nur der Eli Young Band oder No Justice vergönnt ist.

„Fire & Dynamite“ macht von der Intensität seinem Titel alle Ehre, Riggs und Gesangspartnerin Jen Holm harmonieren hier in ähnlich bezaubernder Weise wie zuvor Josh Abbott und Kacey Musgraves. Der absolute Hammersong des Albums 8ohne die anderen nur ansatzweise schmälern zu wollen) ist wohl das politisch motivierte „Angola’s Lament“, wo Sam und seine Mitstreiter beweisen, dass auch ernsterer Stoff nahezu brillant umgesetzt werden kann. Famos, wie ein swampiges Banjo und schwere E-Gitarren (stark das kernige, Southern Rock-affine Solo) eine überaus beklemmende Gänsehautatmosphäre erzeugen.

Bärenstark. Das mit einer markanten Fiddle bestückte „Hold On And Let Go“ (inkl. schönem Solo) sowie das knackige, dynamische „Lighthouse“ (surrendes E-Gitarren-Solo) bieten dann wieder Texas-Charts-tauglichen Stoff der Marke Josh Abbott Band, Eli Young Band oder Casey Donahew Band, den man spielend auch in Nashville vermarkten könnte (wäre man dort für diese Art der Musik endlich offen). In grandioser Atmosphäre beendet das hinreissende „Change“ (hallende Orgel, Steel- und E-Gitarren sorgen für einen melancholisch fröstelnden Sound), das mit 5 ½ Minuten längste Stück des Werkes, ein auf durchgehend famoses Album.

Eine feine und künstlerisch sehr geschmackvolle DigiPak-Covergestaltung durch das in der Szene gern gebuchte und angesagte „Backstage Design Studio“ der Geschwister Sara und Shauna Dodds gibt es on top. Sam Riggs und seine aufgeweckten Night People legen mit „Outrun The Sun“ direkt ein mächtiges Pfund in der Red Dirt Szene hin. Das ist Musik, von der man garnicht genug bekommen kann. Bestnote mit Sternchen für das Debüt von Sam Riggs & the Night People!

Vision Entertainment (2013)
Stil: Red Dirt

01. Long Shot
02. Come Back Down
03. Oilfield Town
04. Collide
05. The Chase
06. Someone Else’s Love Song
07. Fire & Dynamite
08. Angola’s Lament
09. Hold On And Let Go
10. Lighthouse
11. Change

Sam Riggs & the Night People
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Bärchen Records

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