The Mavericks – Play The Hits – CD-Review

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Review: Michael Segets

The Mavericks greifen tief in die Mottenkiste und entstauben eine Auswahl von alten Country- und Rock-‘n-Roll-Titeln, die zumeist aus den fünfziger und sechziger Jahre stammen. Die Tracklist von „Play The Hits“ bietet daher Coverversionen, deren Vorlagen oftmals nur noch Insidern bekannt sein dürften.

Ausnahmen bilden „Once Upon The Time”, bei dem Martina McBride, Raul Malo beim Gesang begleitet, sowie „Don’t Be Cruel” von Elvis Presley. Vielleicht wurden ebenfalls die Interpretationen von „Before The Next Teardrop Falls“ oder „Blue Eyes Crying In The Rain“ durch Dolly Parton beziehungsweise Willie Nelson oder Hank Williams schon mal gehört.

Das jüngste Stück „Swingin’”, mit dem John David Anderson 1982/83 Erfolg hatte, wird wie die anderen ganz im Stil der Frühzeit des Rock ‘n Rolls dargeboten, als dessen Abgrenzung zum Country noch fließender war. Schwerpunkt der Scheibe sind die Kompositionen von Country-Urgesteinen wie Harlan Howard, Hank Cochran, Don Harris und Dewey Steven Terry, die auf ihr zu neuen Ehren kommen.

Mit „Hungry Heart“ von Bruce Springsteen sowie mit „Are You Shure Hank Done It This Way” von Waylon Jennings spielen The Mavericks dann doch noch zwei modernere Klassiker. Der Titel von Springsteen bekommt eine andere, sanfte Atmosphäre, der von Jennings erhält eine Prise Soul. Die beiden Stücke stellen die Highlights des Albums dar, wobei allerdings bereits die Originale mehr auf meiner musikalischen Linie liegen als die anderen.

Mit vollem Bandeinsatz, Akkordeon und Bläsern erzeugen The Mavericks einen Retro-Sound, der zwischen Rock ’n Roll, Country, Soul und Swing liegt. Dabei lässt die Band auch gelegentlich ihren typischen Tejano- beziehungsweise Latino-Einfluss („Blame It On Your Heart“, „Before The Next Teardrop Falls“) durchscheinen.

Insgesamt dominieren langsame, schmachtende Tracks. „Don’t You Ever Get Tired (Of Hurting Me)”, „Why Can’t She Be You” und „I’m Leaving It Up To You” zählen zu diesen durcharrangierten Titeln, für die man in einer speziellen Stimmung sein muss.

In den neunziger Jahren hatten The Mavericks hohe Verkaufszahlen und erhielten einige Auszeichnungen. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung der Band folgte 2012 die Reunion. Von den Gründungsmitgliedern sind Frontmann Raul Malo und Schlagzeuger Paul Deakin noch dabei und auch Jerry Dale McFadden ist an den Keys wieder vertreten. Als Gitarrist stieß Eddie Perez hinzu.

Zum dreißigjährigen Bandjubiläum feiern The Mavericks die Musik, die dreißig Jahre vor ihrer Gründung aktuell war. „Play The Hits“ enthält eine Auswahl von Songs, zu denen die Band eine besondere Bindung hat. Das Album lädt zum Schwelgen in der Vergangenheit ein und ist in seiner konsequenten Ausrichtung am Sound der fünfziger/sechziger Jahre ungewöhnlich und mutig. Ob The Mavericks damit den Zeitgeist treffen ist fraglich und ein kommerzieller Erfolg erscheint eher unwahrscheinlich.

Mono Mundo Recordings/Thirty Tigers (2019)
Stil: Country, Rock ’n Roll

Tracks:
01. Swingin’
02. Are You Sure Hank Done It This Way
03. Blame It On Your Heart
04. Don’t You Ever Get Tired (Of Hurting Me)
05. Before The Next Teardrop Falls
06. Hungry Heart
07. Why Can’t She Be You
08. Once Upon A Time (feat. Martina McBride)
09. Don’t Be Cruel
10. Blue Eyes Crying In The Rain
11. I’m Leaving It Up To You

The Mavericks
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Black Stone Cherry – Black to Blues II – EP-Review

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Review: Gernot Mangold

In den letzten Jahren scheint es in Mode gekommen zu sein, dass Rockbands ihre Liebe zum Blues finden und ein dem entsprechendes Werk, meist mit Coversongs, auf den Markt schmeißen.

Bei Black Stone Cherry folgt nun nach Vol. 1 aus dem Jahr 2017, das auch in der Bluesgemeinde ganz gut ankam, mit „Black To Blues II“ die Fortsetzung. Wieder werden 6 Songs renomierter Bluesmusiker neu eingespielt.

Black Stone Cherry, die mit diesem Album noch einmal aufzeigen, von welcher Musik sie selbst beeinflusst wurden, gelingt es die alten Bluesklassiker zeitgemäß, auch für ein jüngeres Publikum aufzupeppen, ohne den Blues darin zu verlieren.

Im ersten Track, „Big Legged Woman“ beginnen sie mit klassischen Southern-Sound, um nach kurzer Zeit, entsprechend des Albumtitels vom eigentlichen Black Stone Cherry-Stil in den Blues zu gelangen, dem sie dann mit ihrem typischen Gitarrenspiel, aber auch der engagierten Art Robertsons zu Singen, frisches Leben einhauchen. Stark sind oft auch die Pianoeinlagen der Gastmusiker, die sich sich als zusätzliche Würze erweisen.

Diese Gangart zieht sich dann im Prinzip wie ein roter Faden vom folgenden, funkig shuffelnden „Me & The Devil Blues“ bis zum finalen, harp-bestückten „Death Letter Blues“ durch die Kurzscheibe.

Black Stone Cherry liefern mit „Black To The Blues Vol 2” ein starkes, energiegeladenes Bluesalbum ab, ohne dabei ihre eigene Identität abzulegen. Somit ist diese EP erneut hörenswert, sowohl für Black Stone Cherry-Fans wie auch für Blues Rock-Anhänger im allgemeinen.

Mascot Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Big Legged Woman
02. Me & The Devil Blues
03. All Your Love (I Miss Loving)
04. Down In The Bottom
05. Early One Morning
06. Death Letter Blues

Black Stone Cherry
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Netinfect Promotion

Micky & The Motorcars – Long Time Comin’ – CD-Review

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Review: Michael Segets

Für „Long Time Comin‘“ haben sich Micky & The Motorcars fünf Jahre Zeit gelassen. Nach Einschätzung von Gary Braun, dem älteren Bruder von Frontmann Micky, ist das Album besonders gelungen und er hofft, dass man sich die Zeit nimmt, es ganz durchzuhören. Ich habe mir die Zeit genommen und es mehrfach durchlaufen lassen. Gary hat Recht: Die Scheibe ist richtig gut geworden.

„Long Time Comin‘“ klingt ganz nach Micky & The Motorcars, ist aber einen Tick interessanter als das vorangegangene Studioalbum „Hearts From Above“ (2014). Dies mag auch daran liegen, dass sich Gary Braun stärker am Songwriting beteiligte und auch häufiger die Lead Vocals übernimmt. Hat er bislang nur gelegentlich diese Aufgaben erfüllt und sich stattdessen hauptsächlich auf das Gitarrenspiel konzentriert, sind die Anteile zwischen den Brüdern nun ausgeglichen.

Auch bei der Bandbesetzung gab es eine Veränderung. Während Joe Fladger (Bass) und Bobby Paugh (Schlagzeug) weiterhin mit von der Partie sind, ersetzt Pablo Trujillo Dustin Schafer an der Gitarre. Darüber hinaus rekrutierte Produzent Keith Gattis für das Projekt einige Studiomusiker, mit denen er schon lange zusammenarbeitet.

In typischer Micky & The Motorcars-Manier eröffnet „Road To You“ den Longplayer rockig im oberen Midtempo. Danach folgt ein erstes Highlight. Das lockere „Rodeo Girl“, das Micky und Gary gemeinsam schrieben, überzeugt auf ganzer Linie mit trockenem Schlagzeug, eingängigem Refrain und kurzen Gitarrensoli. Einen ausgeprägten Rhythmus und coolen Refrain weist auch „Stranger Tonight“ auf. Das Stück mit herrlich knarziger Gitarrenpassage entwickelt allerdings eine etwas düsterere Atmosphäre und trifft damit genau meinen Geschmack.

Einen außergewöhnlichen Titel stellt „Lions Of Kandahar“ dar. Er entführt inhaltlich und klanglich in den Nahen Osten. Bei dem Anti-Kriegs-Song drängt sich ein Vergleich mit dem Altmeister Steve Earle nahezu auf. Aus der Ich-Perspektive wird der Abschied eines Soldaten von der Familie und die Ankunft in Afghanistan geschildert. Anders als zuletzt bei „The Tillman Song“ von Leslie Stevens diente jedoch keine konkrete Person als Vorlage.

Die langsameren Stücke sind durchweg stimmungsvoll. „Run Into You“ und „All Looks The Same“ begleitet eine Mundharmonika – beim ersten eher dezent, beim zweiten steht sie stärker im Vordergrund. „Hold This Town Together“ ist eine gefühlvolle, Slide-unterlegte Heartland-Ballade, die im Andenken an den verstorbenen Freund und ersten Bassisten der Band Mark McCoy verfasst wurde.

Insgesamt herrscht ein gemäßigt rockender Ton auf dem Longplayer vor, der mal entspannter („Alone Again Tonight“), mal treibender („Break My Heart“) ist. Bei „Thank My Mother’s God“ und „Long Time Comin‘“, das mit Klavierakkorden eine weitere Soundnuance einbringt, mischen sich Country-Elemente in den Roots Rock von Micky & The Motorcars.

Die Band hat schon seit ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 2003 gute Musik gemacht. Dabei gelangen ihnen zwar einige einprägsame Titel, oftmals war der direkte Wiedererkennungswert oder die Unterscheidbarkeit der einzelnen Songs aber weniger gegeben. Auf ihrer neuen Scheibe präsentieren sich Micky & The Motorcars deutlich variabler und die Einzelbeiträge gewinnen mehr Konturen. In Sachen Songwriting kann daher ein deutlicher Sprung nach vorne verzeichnet werden.

Nicht nur musikalisch, auch textlich hat die Band zugelegt. Das Spannungsfeld von Vertrautheit und Geborgenheit auf der einen Seite sowie die Sehnsucht nach neuen Erfahrungen und der Schmerz über erlittene Verletzungen auf der anderen Seite fangen die Verse poetisch ein.

Mit „Long Time Comin‘“ melden sich Micky & The Motorcars eindrucksvoll zurück. Gereift und souverän beweist die Band um Micky und Gary Braun, dass sie eine Institution in Sachen Roots Rock ist. Durch dieses Album treten sie endgültig aus dem Schatten von Reckless Kelly, der Band ihrer Brüder Cody und Willy.

Thirty Tigers (2019)
Stil: Roots Rock/

Tracks:
01. Road To You
02. Rodeo Girl
03. Alone Again Tonight
04. Lions Of Kandahar
05. All Looks The Same
06. Thank My Mothers’s God
07. Break My Heart
08. Run Into You
09. Stranger Tonight
10. Hold This Town Together
11. Long Time Comin’

Micky & The Motorcars
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Neil Young & Crazy Horse – Colorado – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Sieben Jahre ist es mittlerweile her, dass Neil Young mit seiner eigentlichen Stammband Crazy Horse ein Studioalbum aufnahm. In der Besetzung von Crazy Horse hat sich mittlerweile eine markanteVeränderung ergeben. Für den Gitarristen Sampedro ist nun Nils Lofgren wieder an Bord, der schon zu Beginn der Achtziger Jahre im Tour-Line-up der Band war.

Mit dem Opener „Thinking Of Me“ begibt sich Young stilistisch wieder in die countryeske Zeit der späten siebziger Jahre. Harmonischer Gesang, akustische Gitarren und begleitende Mundharmonika lassen wieder das Feeling dieser Ära aufkommen und wird insbesondere die Fans der Alben wie „Harvest“, „Zuma“ oder den ersten Teil von „Rust Never Sleeps“ hellhörig werden lassen.

Die Idylle des Country ist aber mit „She Showed Me Love“ erst einmal beendet. Der für das Ensemble typische Gitarrensound mit z. T. stampfenden Rhythmus knüpft nahtlos an damalige Glanzzeiten an und zeigt, dass Young mit den Jahren seiner mittlerweile über 50-jährigen Musikerkarriere nichts an Klasse eingebüßt hat. Schön in diesem Song auch der harmonische Background Gesang von Lofgren und die für Young typisch abgehakt wirkende Solospielart.

„Olden Days“ nimmt wieder etwas Dampf aus dem Kessel. Leicht balladesk vorgetragen, bringen Crazy Horse hier einen sehr melodischen Song.

„Help Me Lose My Mind“ offeriert einen scheinbar zerrissenen Young. Wütende Gesangspassagen wechseln mit melodischen Refrains und wilde Soli des Meisters unterstützen die Thematik des Songs, in dem Young scheinbar flehentlich um Hilfe für sich bittet, wenn er den Verstand verliert, was hoffentlich nicht so schnell passiert, wenn man dabei an die enorme Kreativität des gebürtigen Kanadiers denkt.

Dem eher düsteren Vorsong lässt Young mit „Green Is Blue“ ein sehr harmonisches Stück folgen, bei dem er sich in seiner typischen Art am Piano begleitet.

Wer Neil Young kennt, weiß, dass er immer zu aktuellen Weltgeschehen Stellung bezieht. Das hart vorgetragene „Shut It Down“ kommt fast wie das wütende Plädoyer eines Staatsanwalts her, der die anklagt, welche die Zerstörung der Umwelt mit zu verantworten haben.

Fast träumerisch kommt dagegen „Milky Way“ her, wo auch die elektrischen Gitarren eher reduziert eingesetzt werden und so ein sehr harmonischer, eher ruhiger Track entsteht. Thematisch geht es bei „Eternity“ ähnlich weiter. Neil Young am Piano, die anderen Instrumente sehr zurückhaltend eingesetzt, wird die Ewigkeit und den Zug der Liebe beschrieben.

In „Rainbow Of Colours“ mit getragene Gesangspassagen und melancholisch gespielte Harmonien beschreibt Young in der für ihn typischen Art kritisch die alten USA.

Im abschließenden „I Do“, einem sehr ruhiges Lied erscheint die Stimme des Kanadiers fast zerbrechlich und man könnte den Eindruck haben, er würde um das Resümee einer Beziehung gehen.

„Colorado“ ist ein insgesamt starkes Neil Young & Crazy Horse-Album, auf dem Young wieder einige seiner Facetten zeigt. Nicht so brachial wie zu Zeiten nach „Live Rust“, aber immer noch dynamisch, legt er mit Crazy Horse einen weniger psychedelischen Nachfolger zu „Psychedelic Pill“ hin, der aber beweist, dass Crazy Horse noch lange nicht gezähmt ist.

Ein Werk, dass in keiner Neil Young-Sammlung fehlen sollte. Dies nicht nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern der erfrischenden Qualität der scheinbar unendlichen Ideen des Youngschen Songwritings geschuldet. Es bleibt zu hoffen, dass die Formation noch einmal den Weg über das große Wasser macht, um den Fans in Europa auch dieses neue Material live zu präsentieren.

Line Up Crazy Horse:
Neil Young – lead vocals, guitars, piano, vibraphone, harp
Nils Lofgren – guitars, vocals, harmonium
Ralph Molina – drums, vocals
Billy Talbot – bass, vocals

Reprise Records (Warner) (2019)
Stil:  Rock

Tracklist:
01. Thinking Of Me
02. She Showed Me Love
03. Olden Days
04. Help Me Lose My Mind
05. Green Is Blue
06. Shut It Down
07. Milky Way
08. Eternity
09. Rainbow Of Colors
10. I Do

Neil Young
Oktober Promotion

Ben Poole – 25.10.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Nachdem Ben Poole schon im Frühjahr den Weg in den Schwarzen Adler gefunden hatte, machte er nun mit einer anderen Bandzusammensetzung, mit einer neuen Live-CD im Gepäck, Stop im Rheinberger Bluestempel.

Manchmal gibt es aber auch besondere Momente um das Konzert herum. Dies war beim Soundcheck der Fall, zu dem ich schon anwesend war, wo der 11-jährige Nachwuchsmusiker Jakub Oćić aus Voerde zusammen mit Ben und Band eine furiose Version von „Hey Joe“ hinlegte. Bei dem Präsentierten braucht man sich wirklich keine Sorgen um den Nachwuchs in Sachen Blues und Rockmusik zu machen.

Überhaupt war es wieder schön, sich mit den Bandmitgliedern, zu denen fast schon ein freundschaftliches Verhältnis besteht, sowie mit Andre Wittebroeck vom holländischen Bluesmagazin, vor und nach dem Konzert, zu unterhalten. Mit Drummer Wayne Proctor z. B. über den, wo er in Sachen A. A. Williams letzte Woche als Support für Sisters of Mercy unterwegs war und mir noch ein Foto von der Show für meine Tochter signierte.

Wie im Schwarzen Adler üblich, betrat Ben Poole mit seiner Band pünktlich um 20:15 Uhr die Bühne, im dann ordentlich gefüllten Saal. In einer Ansage erklärte er dem Publikum, wie es zu dem Konzert kam. Im Sommer erfuhr er von mir, dass der Schwarze Adler eventuell geschlossen wird, was ihn dazu veranlasste, direkt über seine Agentin, Florence Miller, noch einmal eine Abschiedsveranstaltung geben zu wollen. Dass es mittlerweile recht gut aussieht, den Schwarzen Adler konzeptionell mit Livemusik weiter bestehen zu lassen, mache ihn sehr glücklich, dass es statt zu einer ‚Abriss‘,- zu einer ‚Jetzt geht es weiter‘-Party kommt.

Diesen Bezug zum Schwarzen Adler zeigte er im Verlaufe des Konzertes noch einmal, als er Ernst Barten auf die Bühne bat, ihn in den Arm nahm, für all das Geleistete dankte, auch die Chance, die ihm damals als blutjungen Musiker gegeben wurde und betonte, dass er dies nie vergessen werde und immer wieder gerne den Adler mit seinem begeisterungsfähigen Publikum besuchen werde.

Ben Poole spielte mit seiner Band fast die gesamte neue Live CD und legte einen furiosen Auftritt hin. Die Besetzung entsprach auch der Liveaufnahme, und die Besucher konnten direkt die Qualität der Besetzung erkennen, mit der Ben Poole auch schon einige Studioalben einspielte.

Mit dem Tausendsassa Wayne Proctor an den Drums, der auch für das Producing der Platte zuständig war und Steve Amadeo am Bass wurde er von absoluten Ausnahmekünstlern begleitet, denen die Spielfreude und der Spaß am Auftritt jederzeit anzumerken war sowie, dass es sich um mehr handelt, als ein Konglomerat von Musikern. Hier standen Freunde zusammen auf der Bühne. Zwischen den Songs wurde gescherzt, Amadeo wurde von Ben mit Humor auf den Arm genommen, indem er seinen Namen abänderte.

Dass es sich so nicht um eine Ein-Mann-Show handelte, ist auch absolut hervorzuheben. Hier ist besonders der letzte Song vor der Zugabe zu nennen. Im knapp 15 minütigen „Anytime You Need Me“ setzte er sich für etwa 5 Minuten an den Rand der Bühne und gab Amadeo Zeit für ein ebenso langes phantastisches Bass-Solo, bei dem er durch Proctor begleitet wurde.

Es ist schwer, bei diesem Konzert, in dem es keine Durchhänger gab, irgendeinen Track hervorzuheben. Was Poole und Band allerdings in der letzten halben Stunde ablieferten, war absolute Extraklasse. Neben dem zuvor genannten Song brachte das Trio als Zugabe „Time Might Never Come“ einen absoluten Kracher, den er auch Gary Moore widmete, neben dem er als Jugendlicher spielen durfte, was mit Sicherheit Einfluss auf seine Karriere hatte. In dieser knapp 15-minütigen hoch emotionalen Nummer legte Ben ein Solo hin, was ich von der Intensität eigentlich nur von David Gilmour erlebt habe, als er „Comfortably Numb“ spielte.

Engländer scheinen das eben zu können. Nach knapp zwei Stunden war dann Feierabend und von allen Seiten war zu hören, dass dies ein besonderer Abend war. Ben und Band standen noch lange zum Klönen und Signieren bereit und für Ben gab es noch einen besonderen Moment. Ein Fan, der selbst als Musiker tätig war, aber nun gesundheitlich wohl nicht mehr musizieren kann, ließ sich eine seiner Gitarren von ihm signieren. Ben bemerkte, dass dies eine tolle Gitarre sei. Und dann kam der besondere Moment. Der Fan sagte plötzlich spontan, dass er die Gitarre behalten möge, bei ihm sei sie in besonderen Händen.

Ein Dank wieder einmal an das Adler-Team, einen auch emotional an diesem Abend besonders gerührten Ernst Barten, die wie immer exzellente Sound- und Lichttechnik, sowie Ben Poole, Wayne Proctor und Steve Amadeo für ein unvergessliches Ereignis und für eine sehr persönliche Widmung auf einer CD. Dieser Konzertbericht kann auch übernommen werden als Review für die Doppel-CD. Diese spiegelt genau die Spielfreude und die Bandbreite des Blues wieder, die an dem Abend gezeigt wurde.

Jedem Blues-Fan sei angeraten eines der Konzerte dieser Herbsttour zu besuchen, in der Ben mit diesem Line-up die Live CD präsentiert, da sie ziemlich genau das eventuell zuvor gehörte Konzert wiedergibt.

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitar)
Steve Amadeo (bass)
Wayne Proctor (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Ben Poole
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Schwarzer Adler

Myles Goodwyn – Friends Of The Blues 2 – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Myles Goodwyn ist in den Staaten als Leadsänger und Gründungsmitglied der 1969 gegründeten kanadischen Rockband April Wine, die in Europa leider keine großen Erfolge erzielen konnte, bekannt geworden. Zusätzlich wandelt er auch auf Solopfaden und produzierte 2018 sein preisgekröntes Album „Friends Of The Blues“. Der Erfolg inspirierte ihn wohl jetzt ein Nachfolgealbum zu veröffentlichen.

„Friends Of The Blues 2“ folgt dem selben Konzept wie die Vorgängerscheibe, nämlich mit unterschiedlichen, aber erlesenen Bluesmusikern, wie z. B. Steve Segal und John Campelljohn, ein abwechslungsreiches Bluesalbum zusammenzustellen. Die 14 Songs der Scheibe bieten musikalische Leckerbissen von vornehmlich entspannten Charakter, vielfach mit deutlichen Anleihen aus dem Swing und mit reichlich Klaviergeklimper (was nicht despektierlich gemeint ist, sondern absolut toll zur Gesamtstimmung des Albums passt).

Zu den swingbeeinflussten Songs gehören der relaxte Opener „Hip Hip“, das mit schönen Background Vocals ausgestattete „Like A Dog Ain’t Had It’s Day“, der Bobby Womack-Klassiker „All Over Now“, sowie der Midtempo-Rock & Roller „Speedo“ mit zündenden Saxophon-Einlagen.

Es folgen ein traditioneller Blues „You Got It Bad“ und „Fish Tank Blues“ mit John Campelljohn an der Slidegitarre sowie im weiteren Verlauf der sehr gefühlvolle Slow Blues „Being Good (Won’t Do Us Any Good Tonight)“, im Duett vorgetragen von Myles Goodwyn zusammen mit der Bluessängerin Angel Forrest und das balladeske „I Love My Guitar“.

Aber auch ein flotter, in die Beine gehender, Boogie Woogie findet sich zwischen den Tracks. In „Help Me Baby“ geben Bill C. Stevenson am Piano und Steve Segal an der Gitarre den rasanten Rhythmus vor.

Sehr schön ist ebenfalls der Chicago-Style Blues „I Saw Somone That Wasn’t There (And It Was You)“. Der absolute Knaller ist allerdings der originelle Bonus Track „Even Singing Cowboys Get The Blues“, ein von Goodwyn gejodelter Country-Song! Allein hierfür lohnt sich die Anschaffung des Albums … eine solche Perle dürfte es wohl kaum ein zweites Mal geben.

„Friends Of The Blues 2“ ist also ein gelungenes Album, das man sich jetzt an den länger werdenden Abenden immer wieder gern zwecks Entspannung anhören wird. Es enthält Material für fast jede musikalische Vorliebe aus den weiten Gefilden des Blues. Swing, Slow Blues, Chicago Blues und Country lassen keine Wünsche offen.

Das Album kann seit dem 25.10.2019 beim Händler eures Vertrauens erworben werden. Es lohnt sich!

Label: Linus Entertainement (2019
Stil: Blues

Tracks:
01. Hip Hip
02. Like A Dog Ain’t Had It’s Day
03. All Over Now
04. You Got It Bad
05. Fish Tank Blues
06. Speedo (Revisited)
07. Daddy Needs New Shoes
08. Being Good (Won’t Do Us Any Good Tonight)*
09. I Love My Guitar
10. Help Me Baby
11. When Your Ship Came In (I Was At The Train Station Drinking)
12. Sick And Tired (Of Being Sick And Tired)
13. I Saw Somone That Wasn’t There (And It Was You)
14. Even Singing Cowboys Get The Blues (Bonus Track)

Myles Goodwyn
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SOUND OF NASHVILLE feat. Scotty McCreery, Tebey & Temecula Road – 24.10.2019, Helios 37, Köln – Konzertbericht

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Wie schon im März, stand im Rahmen der noch recht jungen SOUND OF NASHVILLE-Reihe wieder eine Dreier-Veranstaltung in Köln an, bei der diesmal im mit ca. 250 Zuschauern ausverkauften Helios 37, Ex-American Idol-Gewinner Scotty McCreery den Hauptact darstellte und von den hier musikalisch noch nicht so bekannten Interpreten Tebey und Temecular Road als Support unterstützt wurde.

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Kommen wir direkt zu der positiven Überraschung des Abends, den kanadischen Multigenre-Songwriter Tebey Solomon Ottoh, alias Tebey. Der hatte den uns gut bekannten Danick Dupelle von Emerson Drive und den kauzigen Dobro-/Banjo-Spieler Mitch Jay an seiner Seite und präsentierte die Filetstücke seiner bisherigen Kreationen, die erahnen ließen, warum Künstler wie u. a. Big & Rich, Gordon Bamford oder Justin Moore, gerne auf seine Dienste zurückgriffen.

Mit Songs wie u. a. „Good Jeans“, seinem ersten eigenen Nr. 1-Hit „Who’s Gonna Love You“, „Somebody Else Will“ (Justin Moore-No.1-Hit), „The Good Ones“ (1 Million Streams), „Denim Or Denim“ und „Wake Me Up“ , das er zusammen mit Emerson Drive 2014 eingespielt hatte, offerierte er vor allem Dank Dupelle und Jay (beide mit hervorragenden Leistungen an ihren Instrumenten und schön sitzenden Harmoniegesängen), das wohl Country-ursprünglichste Programm des Gesamt-Gigs. Ein sympathischer Performer, der zurecht viel Applaus erhielt. Ein starker Einstieg!

Line-up Tebey:
Tebey (lead vocals, acoustic guitar)
Danick Dupelle (acoustic guitar, vocals)
Mitch Jay (dobro, banjo, vocals)

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Den Mittelteil bildeten das Newcomer-Trio Temecula Road, mit den wirklich noch sehr jung wirkenden Schwestern Emma und Maddie Salute sowie ihrem männlichen Mitstreiter Dawson Anderson. Hier standen die wechselnden Leadgesänge (überwiegend allerdings durch Maddie geführt) sowie die perfekt harmonierenden Harmony vocals im Mittelpunkt. Anderson spielte dazu eine klare Akustikgitarre und die bezaubernde Emma (mittlerweile mit dunklen Haaren unterwegs) ließ zwischenzeitlich immer wieder ihre Mandoline rhythmisch klirren.

Die drei Nashville-Neulinge präsentierten aus ihrem noch nicht allzu großen Fundus, Tracks wie u. a. „Take Back“,“Maybe Not“, das sehr gelungene Eagles-Cover „Desperado“, „Fades“ oder „Never Knew I Needed You“. Sie erinnerten manchmal dezent an akustische Fleetwood Mac. Auch dieses Trio wusste, dank seiner freundlichen und kommunikativen Präsenz und den melodischen Liedern, die Anwesenden auf ihre Seite zu ziehen. Man darf von daher auf ihren ersten richtigen Longplayer gespannt sein.

Line-up Temecula Road:
Maddie Salute (lead vocals)
Emma Salute (vocals, mandolin, lead vocals)
Dawson Anderson (vocals, acoustic guitar, lead vocals)

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Als dann der einstige Gewinner der 10. American Idol-Staffel, immer noch sehr jungenhaft wirkende Scotty McCreery, im Quartett gegen 21:30 Uhr die Bühne betrat, um mit dem flockigen „See You Tonight“ einzusteigen, merkte man aber sofort, wegen wem der Großteil der Besucher, den spartanischen Helios Club in der Domstadt aufgesucht hatte.

Da wurde sofort mit gegroovt, gewippt, geklatscht und gesungen. Der aus North Carolina stammende 26-jährige Protagonist hatte mit seinen Liedern, das sehr schön von Jung und Alt durchmischte Publikum, von Anfang an, im Griff. Auch er konnte sich auf eine hervorragende ‚Rückendeckung‘ mit seinen Langzeit-Begleitern Jeff Harper und Joey Sanchez sowie dem überragenden Ukulele-Spieler Dylan Rosson verlassen. Letztgenannter wusste immer wieder mit filigranen Kurz-Soli an seinem Arbeitsgerät zu überzeugen.

Mit „Wherever You Are“ und „Boys From Back Home“ gab es schon früh die ersten Tracks seines aktuellen Albums „Seasons Change“, das am Ende mit „This Is It“, dem starken Titelstück „Seasons Change“ (eines meiner Lieblingsstücke des Abends), „In Between“, „Wrong Again“, dem emotionalen, den Großeltern gewidmeten „5 More Minutes“ und „Home In My Mind“, überaus ordentlich ‚abgearbeitet‘ wurde.

Natürlich wussten auch die Fremdapationen wie „Take It Easy“ (Eagles),“Check Yes Or No“ (George Strait – klasse hier Sottys Bariton-Stimme), „Walk In The Country“ (Keith Urban), ein Traditional-Medley mit Klamotten einstiger Größen der Marke Conway Twitty, Cash & Co., bis zur launigen Josh Turner-Zugabe „Just To Be Your Man“, bestens zu gefallen, wo Scotty unter instrumenteller Bandbegleitung dann noch Fannähe zeigte und bis zum Ausklang des Liedes Autogramme gab und Selfies machte.

Line-up Scotty McCreery:
Scotty McCreery (lead vocals, acoustic guitar)
Jeff Harper (acoustic guitar, vocals)
Dylan Rosson (ukulele, vocals)
Joey Sanchez (drums)

Fazit: Auch diese Folge der Reihe SOUND OF NASHVILLE konnte mit einer schönen Diversität der Protagonisten punkten, wobei der Headliner Scotty McCreery, seinem Status des prominentesten Akteurs und Headliners absolut gerecht wurde.

Die engagiert auftretenden Künstler, eine stimmungsvolle Atmosphäre und ein sehr angenehmes ‚country-festes‘ Publikum, machten den Gesamt-Gig zu einer kurzweiligen Sache, die auch bei uns in good ol‘ Germany – sogar Generationen-übergreifend – anzukommen scheint. Einziger Wermutstropfen, auch hier die suboptimalen Fotografierbedingungen, die einen manchmal im Rahmen einer schönen zusätzlichen Visualisierung des Ganzen und somit weiterer guter Werbung für kommende Shows, schlichtweg verzweifeln lassen. Ansonsten bitte gerne mehr davon!

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Scotty McCreery
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Temecula Road
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Semmel Concerts Entertainment
Helios 37 Köln

Pride & Glory – Same – CD-Review

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Zu manchen Künstlern kommt man wie die Jungfrau zum Kinde. Zakk Wylde ist so ein Fall, der Name und Bilder mit seinen berühmten Bullseye-Gitarren sind mir schon so oft über den Weg gelaufen, aber musikalisch hat er es noch nie in meine diversen Player geschafft.

Jetzt hat Oktober Promotion mir mal auf Verdacht das nochmals neu aufgelegte Werk seines von der Kritikerschaft hoch-gelobten Pride & Glory-Projekts aus dem ganz frühen Stadium seiner Karriere zugesendet und auch ich bin überwiegend recht positiv überrascht.

Gut, für jemanden, der es musikalisch ganz gerne etwas harmonischer hat, ist das teilweise bei manchen Tracks wie z. B. „Shine On“ „Toe’n The Line“ oder dem Led Zeppelin-Cover „In My Time Of Dyin‘“, starker Tobak. Und selbst unser alter (eigentlich auch musikerprobter) Labi Django rümpfte bei manch furiosem Solo des späteren Ozzy Osbourne-Lead-Gitarristen und Black Label Society-Chefs die Nase und hob den Kopf in meine Richtung, nach dem Motto „Herrchen, was geht denn jetzt hier ab?“

Überwiegend glänzt das Trio mit Zakk Wylde (lead vocals, all guitars, piano, mandolin, banjo, harmonica, bgv), James LoMenzo (bass, upright acoustic bass, bgv, 12-string guitar „Fadin‘ Away“) und Brian Tichy (drums percussion), aber mit durchaus Southern-/Country- Rock-kompatiblem Stoff, der mich weitestgehend an ganz frühe Blackfoot-Zeiten erinnert.

Nachdem man sich bei den ersten drei Stücken an die stampfende Heavy-Art (in den Strophen und Refrains ist aber eigentlich immer ein Bemühen um Melodie zu erkennen), die quirligen Soli und Tickys Drum-Kraftgepolter gewöhnt hat, wird man mit so einigen tollen Liedern wie „Lovin‘ Women“, „Harvester Of Pain“(erinnert an Copperhead), das Kid Rock-mäßige „Sweet Jesus“ (klasse Piano), „Machine Gun Man“ (auf CD2 nochmals in einer Akustikversion), „Cry Me A River“ (Southern/Country-Schunkler), das mit „Freebird“-Flair umwobene, starke „Found A Friend“ oder auch die kammermusik-artige Piano-/Cello-Ballade (verantwortlich in Sachen Strings Paul Buckmaster feat. The Seattle Symphony Orchestra), bestens belohnt.

Auch das CD1 abschließende Barroom-Country –Stück „Hate Your Guts“ im Dan Baird-Stil, macht richtig Laune. Auf dem zweiten Bonus-Silberling sticht neben dem bereits erwähnten, wüsten Led Zep-Song auch die gelungene Version des Beatles-Klassikers „Come Together“ heraus.

Produziert hat das Wylde-Frühwerk in einem passend schroffen Ambiente Rick Parashar. Das Ganze wird in einem dicken Doppel-DigiPak mit eingelegtem Poster geliefert, das auf der einen Seite das Coverbild und auf der anderen alle Texte zu den Songs beinhaltet.

Insgesamt eine runde Sache, die eigentlich nur die Frage aufwirft, warum in Sachen Pride & Glory“ nie wieder etwas großartig unternommen wurde. Fest steht: Zakk Wylde hat nicht nur Heavy Metal, sondern auch jede Menge Southern Rock im Blut. Schön, Sie mal intensiv kennen gelernt zu haben, Mr. Wylde!

Eone Music/SPV (2019)
Stil: Southern Country Heavy Rock

Tracks:

CD 1:
01. Losin‘ Your Mind
02. Horse Called War
03. Shine On
04. Lovin‘ Woman
05. Harvester Of Pain
06. The Chosen One
07. Sweet Jesus
08. Troubled Wine
09. Machine Gun Man
10. Cry Me A River
11. Toe’n The Line
12. Found A Friend
13. Fadin‘ Away
14. Hate Your Guts

CD 2:
01. Machine Gun Man (acoustic bonus)
02. Mother Mary (bonus track)
03. The Wizard
04. Torn & Tattered
05. In My Time Of Dyin‘
06. The Hammer And The Nail
07. Come Together

Zakk Wylde
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Oktober Promotion

Toby Keith – Greatest Hits: The Show Dog Years – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Die amerikanische Erfolgsgeschichte vom Oil-Rig-Worker zum Country-Music-Super-Star zu verwirklichen und die Karriere bis heute mehr als 25 Jahren lang bravourös zu meistern, gelingt vergleichsweise nur wenigen Künstlern im hart ‚umkämpften‘ Genre. Die unverändert andauernde Chart-Serie von Country-Sänger Toby Keith, inzwischen 58, kennzeichnet die Entwicklung der US-Country-Szene in dieser Zeit als überwiegend patriotische, staatstragende Säule im Stars und Stripes-Music-Business.

Als Keith 1993 sein gleichnamiges Debüt-Album 2 Millionen Mal verkaufen konnte, war manchen Insidern bereits bewusst, dass diese Form der New-Country-Musik das Potenzial besaß, Gold- und Platin-Platzierungen anzuhäufen; zusätzlich erhielt Keith zwischen 2000 und 2009 zehn Music-Awards in den unterschiedlichsten Kategorien.

Mit Show Dog Nashville gründete der Musiker 2005 sein eigenes Record-Label und bringt nun mit den „Greatest Hits (The Show Dog Years)“ eine Compilation-CD heraus, die um 4 neue Songs, teilweise als Remix- und Live-Aufnahmen, erweitert wurde. Aus den Show Dog-Produktionen wurden hier im SoS bereits die wegweisenden Studioalben „Clancy’s Tavern“ (2011) und „35 Mph Town“ (2015) besprochen.

Die insgesamt 16 Stücke des neuen Longplayers spiegeln den Zeitraum der musikalischen Unabhängigkeit des Sängers beim eigenen Label, bis zur aktuellen Single „That‘s Country Bro“, einem schnell rockenden Track, in dem Keith die Namen berühmter Country- und Cowboy-Legenden gesanglich aufzählt. Seine unverkennbar textlichen Anspielungen mit Blick auf das konservative Herz der Vereinigten Staaten („American Ride“ und „Made In America“) sind ebenso vertreten und machen Toby Keith zum nicht gänzlich unumstrittenen „Sonny-Boy“ der Country-Music liebenden US-Bevölkerung.

Seine im makellosen Sound mit renommierten Begleitmusikern eingespielten Songs, pflegen durchweg intensiv das traditionelle Country-/Cowboy-Image und entsprechen damit in weiten Teilen einer gesellschaftlichen Forderung, die sich z. T. durch eine vordergründige Identifizierung mit althergebrachten Vorstellungen und Vorbildern selbst unkritisch feiert („America first!“). Laut „Rolling Stone“ hat Toby Keith einige der „wichtigsten patriotischen Songs und Country-Titel unserer Zeit geschrieben!“.

Die aus der bisherigen „Show Dog Years“-Zeit auf der „Greatest Hits“-Ausgabe vereinten Tracks bilden einen wesentlichen Querschnitt dieser erfolgreichen Schaffensperiode. Toby Keith gehört damit auf dem Markt der US-Amerikanischen Country-Music-Heroes auch als gefragter Tournee-Künstler zu den wichtigsten und einflussreichsten Solo-Musikern des New-Country.

Show Dog/Universal Music (2019)
Stil:  New Country

Tracklist:
01. Love Me If You Can
02. She Never Cried In Front Of Me
03. God Love Her
04. American Ride
05. Made In America
06. High Maintenance Woman
07. Lost You Anyway
08. Cryin For Me (Wayman s Song)
09. Beers Ago
10. Red Solo Cup
11. Trailerhood
12. Hope On The Rocks
13. Don t Let The Old Man In
14. That s Country Bro
15. Back In The 405
16. American Ride (Official Remix)

Toby Keith
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Oktober Promotion

Old Dominion – Same – CD-Review

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Drittes, nach sich selbst benanntes Album der beliebten Nashville-Band, das in unseren Landen nur auf digitalem Weg erhältlich sein wird. Ihr Major-Label scheute demnach auch keine Kosten und Mühen, uns mit Streaming-Dateien zu bemustern…

Man kann da nur ‚schade‘ sagen, denn das Quintett um Matthew Ramsey (lead vocals), Trevor Rosen (guitar, keyboards), Whit Sellers (drums), Geoff Sprung (bass guitar) und Brad Tursi (guitar), hat ihren starken Konzerten (wir berichteten aus Köln) neulich bei uns, sicherlich eine Menge Fans dazugewonnen.

Nach zwei megaerfolgreichen Vorgängern (Platz 3 und 1 in den Billboard Countrycharts), war die Erwartungshaltung natürlich groß und oft ist das dritte Album ja meist das schwierigste. Die fünf Burschen wären allerdings keine guten Songwriter, wenn sie nicht mit diesem Druck umgehen könnten.

Nach dem Motto ‚Never change a winning team‘ ist wieder Shane McAnally dabei, der sowohl beim Songwriting assistierte und auch bei der Produktion involviert war. Bei der ersten vorausgekoppelten Single „Make You Sweet“ und zugleich Eröffnungstrack bewies das Team bereits gutes Gespür, sie avancierte zum 7. Nr. 1-Titel des Kollektivs.

Was mir persönlich sehr gefällt ist, das man den poppigen Charakter der beiden Erstlinge etwas zugunsten der Countrynote (vornehmlich der Akustik- und E-Gitarren) zurückgefahren hat, ohne natürlich, die melodiösen Strukturen aus dem Auge zu verlieren.

Klasse direkt das rootsige „Smooth Sailing“, das auch bei einem Will Hoge durchaus ins Repertoire passen würde. Das mit Josh Osborne verfasste, mit einer doppeldeutigen Metapher versehene „One Man Band“ (laut Band ihr erster richtiger Love-Song), wurde als nächste Single ins Rennen geschickt und konnte ebenfalls die Top-10 Ränge erklimmen.

„Never Be Sorry“, groovig und tanzbar, verlässt dann erstmals die Countrypfade und hat wirklich eher was in Dance Clubs zu suchen. Mit „My Heart Is A Bar“ und dem southern-souligen Ohrwurm „Midnight Mess Around“ findet man den Weg in die Spur zurück, letztgenanntes Stück, wie schon bei Ihrem Konzert in der Domstadt, ist auch hier für mich der überragende Song des Longplayers.

Eagles-Stoff der Marke „Tequila Sunrise“ bietet das tolle eingängige „Hear You Now“, während „I’ll Roll“ fast schon in Outlaw-Manier rüberkommt (Respekt!). Patriotismus kommt in den Staaten ja gewöhnlich immer hervorragend an, deshalb ist die Idee des launigen „American Style“ sicher vielversprechend.

Das Ende mit „Paint The Grass Green“ und der emotional besungenen Piano-/Cello-Ballade „Some People Do“ (neuste Single, ich hätte mich für „American Style“ entschieden) liegt dann unspektakulär im grünen Bereich.

Fazit: Old Dominion erledigen erneut einen bärenstarken Job, wobei die countryeskere Note (andere Interpreten neigen in diesen Konstellationen ja gerne dazu, sich mehr in Pop-Gefilden anzubiedern) besonders zu Gefallen weiß. Starker Gesang wie gewohnt von Matthew Ramsey, tolle Gitarren, wunderbare Melodien, die Nashville Boys haben den Songwriting-Bogen raus. Für mich ihr bisher stärkstes Album!

RCA Records Nashville/Sony Music(2019)
Stil: New Country

01. Make It Sweet
02. Smooth Sailing
03. One Man Band
04. Never Be Sorry
05. My Heart Is A Bar
06. Midnight Mess Around
07. Do It With
08. Hear You Now
09. I’ll Roll
10. American Style
11. Paint The Grass Green
12. Some People Do

Old Dominion
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