US Rails – Live For Another Day – CD-Review

Review: Michael Segets

Wer hätte 2010 gedacht, dass die US Rails ein so langlebiges Bandprojekt von Ben Arnold, Scott Bricklin, Tom Gillam und Matt Muir werden? Und wer hätte gedacht, dass die US Rails noch besser werden? Schon bei dem vorangegangenen „Mile By Mile“ (2020) zeichnete sich ab, dass die Band vermehrt rockige Töne anschlägt. Diesen Trend setzt sie auf „Live For Another Day“ fort, ohne die melodiöse Seite bei ihren Songs zu vernachlässigen.

Oftmals lösen sich die Bands, die aus mehreren gestandenen Solomusikern bestehen, nach zwei oder drei Alben wieder auf. Der bisherige Output der US-Rails bewegt sich mittlerweile im zweistelligen Bereich. Dieser Umstand deutet bereits darauf hin, dass die Musiker die US Rails nicht als Side-Projekt ansehen, sondern quasi nebenher ihre Solokarrieren verfolgen. Lediglich Gründungsmitglied Joseph Parsons verließ die Band und setzte andere musikalische Schwerpunkte.

Vor allem die Live-Präsenz der US Rails in Europa ist deutlich höher als die der einzelnen Bandmitglieder. Von den Tourneen 2016 und 2018 berichtete SoS aus dem Karo in Wesel. Die für 2020 geplanten Konzerte fielen dann aus den bekannten Gründen ins Wasser. Die Freude der Akteure zusammen auf der Bühne zu stehen, ist bei den Auftritten zu spüren, sodass es nicht wundert, dass die US Rails – nachdem die Live-Vorstellung des Albums „Mile After Mile“ pandemiebedingt ausfiel – nun wieder intensiv loslegen.

Zwischen Februar und April gastieren sie mit fast vierzig Shows in Europa. Die obligatorische Station im Karo (20.03.2023) ist selbstredend eingeplant. Ansonsten sind der Niederrhein und das Ruhrgebiet als SoS-Kerngebiet, abgesehen von zwei privaten Veranstaltungen, leicht unterrepräsentiert. Aber auch längere Anfahrten sollten in Kauf genommen werden, um die Band zu sehen. Vor allem das Material der letzten beiden CDs verspricht mitreißende Konzertabende.

Die Besonderheit der US Rails besteht darin, dass es keinen Bandleader gibt. Sowohl das Songwriting als auch der Leadgesang verteilen sich gleichmäßig auf Arnold, Bricklin und Gillam. Jeder steuert drei Tracks zu „Live For Another Day” bei. Muir setzt meist nur einzelne Akzente mit seinen Eigenkompositionen, so auch auf der neuen Scheibe mit dem straighten „Walk Away“. Der Drummer übernahm allerdings die Tontechnik und Abmischung. Der Teamgeist zeigt sich ebenfalls in den typischen, ausgiebigen Harmoniegesängen, die sicherlich zu einem zentralen Erkennungsmerkmal der Band gehören.

Arnold eröffnet mit dem Titeltrack das Album und beschließt es mit „End Of Time“. Auf den beiden im mittleren Tempobereich angesiedelten Stücken kommt Arnolds Gesang voll zur Geltung. Seine markante, von denen seiner Mitstreiter gut zu unterscheidende Stimme prägt auch das soulige „No Better Love“. An den Keys setzt Arnold zudem bei manch anderem Stück Akzente.

Bricklin legt seine drei Songs unterschiedlich an. „Can’t Let It Go“ wird bei der Ankündigung der Veröffentlichung durch Blue Rose Records in die Nähe der Hooters gerückt. Tatsächlich sind Parallelen zu hören. Bricklin, seines Zeichens Bassist der Band, greift hier zur Mandoline. Die gefühlvolle Ballade „What Did I Do” überzeugt auf ganzer Linie. Gillam unterlegt den ruhigen Song im richtigen Maß mit seiner Slide-Gitarre. Weiterhin steuert Bricklin („Lay Your Head On Me”) – ebenso wie Gillam („Feels Like A Heartache”) – eine eingängige Midtempo-Nummer dem Longplayer bei.

Gillam vertritt meist die stärker am Rock orientierten Tracks auf den Alben. Auch diesmal liefert er mit dem gradlinigen Rock’n Roll „The Road To Hell” sowie dem besonders starken „Too Much Is Never Enough“ erneut in dieser Richtung ab. Beim letztgenannten Stück schwingt vielleicht etwas von den Georgia Satellites mit. Jedenfalls hat Gillam einen wunderbaren, runden Song geschaffen, der Genreklassikern in nichts nachsteht.

Die US Rails stecken die Corona-Unterbrechung locker weg. Mit frischen Songs melden sie sich zurück. Unverändert besinnt sich die Band auf ihre Stärken als Team. Der Wechsel der Leadsänger und Songwriter sorgen wie gewohnt für Abwechslung. Dabei wirkt „Live For Another Day“ homogener und noch stimmiger als die vorangegangenen Alben. Die Songs ergänzen sich hervorragend, ohne dass sich ein Schwachpunkt ausmachen ließe.

Blue Rose Records (2023)
Stil: Rock, Americana

Tracks:
01. Live For Another Day
02. Can’t Let It Go
03. Too Much Is Never Enough
04. Walk Away
05. What Did I Do
06. No Better Love
07. Feels Like A Heartache
08. Lay Your Head On Me
09. The Road To Hell
10. End Of Time

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Blue Rose Records

DeWolff – Love, Death & In Between – CD-Review

Anfang Oktober hatten wir im Rahmen eines Interviews, und anlässlich ihres Konzertes im Bochumer RuhrCongress als Support der Black Crowes, mit den sympathischen und kommunikativen Jungs von DeWolff, alias Luca und Pablo van den Poel sowie Robin Piso bereits über ihr neues Album „Love, Death & In Between“ ausgiebig gesprochen. 

Dies war noch ziemlich weit weg vom eigentlichen Erscheinungstermin, der jetzt aber zeitnah am 03. Februar ansteht. Ich hatte gut eine Woche vorher mp3-Daten zur Vorbereitung erhalten und dann das Werk dementsprechend intensiv, meist auf dem Arbeitsweg, im Auto angehört.

Seit geraumer Zeit liegt mir die Scheibe jetzt als finale CD vor. Nachdem ich sie einige Wochen nicht mehr gehört habe, und den Silberling jetzt mal zuhause im Player im Wohnzimmer laufen lassen habe, klingt er – ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde (ich bin wahrlich kein audiophiler Feingeist in dieser Hinsicht) – tatsächlich etwas verändert, natürlich positiv gemeint.

Musikalisch gesehen ist natürlich alles gleich geblieben. Vom eröffnenden treibenden „Night Train“ (mit James Brown-Tribut zollendem Sprechintro, der Song ist aber aus eigener Feder) bis zum Led Zep-angehauchten Rausschmeißer „Queen Of Space & Time“ bieten die Burschen einen engagierten bunten Retro-Ritt durch die Facetten der Rockmusikgeschichte, wobei sowohl in Sachen Tempi als auch bezüglich der Stile (wie u. a. Southern Rock, Soul, Psychedelic Rock), viel Wert auf Diversität gelegt wurde.

Sämtliche Tracks wurden dabei eigenständig vom besagten Trio kreiert, lediglich beim Allman Brothers-umwehten „Jackie Go To Sleep“ (mit Reminiszenzen an „Elizabeth Reed“) war auch noch Bassist Levi Vis mit im Boot. Der auffälligste Track ist natürlich das 17 Minuten währende „Rosita“, der im Mittelteil mit vielen instrumentellen Wendungen, als auch stimmungsmäßigen Wechseln aufwartet, bis er am Ende wieder zum Ursprungsschema zurückfindet.

Wer auf handgemachte Rockmusik der guten alten Zeit mit frischem neuen jugendlichen Elan steht, ist bei DeWolff und ihrem neuen Werk „“Love, Death & In Between“ an der richtigen Stelle. Wie schon ihr Live-Auftritt in Bochum kann auch die CD auf ganzer Linie überzeugen.

Apropos handgemacht. Das Coverbild (mit in die Rückseite des DigiPaks übergehend) wurde von der Künstlerin Rosa De Weerd aus Amsterdam nicht am PC designt, sondern ganz konventionell mit Palette und Pinsel handgemalt. Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Angelegenheit!

Mascot Label Group (2023)
Stil: Blues Rock, Soul & More

Tracks:
01. Night Train
02. Heart Stopping Kinda Show
03. Will O‘ The Wisp
04. Jackie Go To Sleep
05. Rosita
06. Mr. Garbage Man
07. Counterfeit Love
08. Message For My Baby
09. Guilded (Ruin Of Love)
10. Pure Love
11. Wontcha Wontcha
12. Queen Of Space & Time

DeWolff
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Netinfect Promotion
Mascot Label Group

Zed Mitchell – 14.01.2023 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Der schon lange in Düsseldorf wohnende Serbe Zed Mitchell sorgte mit seiner Band für einen eindrucksvollen Konzertabend im Dortmunder Musiktheater Piano, der sicher mehr als die etwa 80 Besucher verdient gehabt hätte. Die Anwesenden wurden dafür mit einem abwechslungsreichen, etwa 100 minütigen Konzert belohnt. Dabei lieferte die Band die Bandbreite von langsamen Bluesstücken wie u. a. „Springtime In Paris“, die sogar Pärchen zum Kuschelblues animierten, bis hin zu rockigen Bluesnummern reichte.

Zed Mitchell bewies dabei, dass er ein exzellenter Gitarrist ist und zeigte sich auch stimmlich bestens aufgelegt. Als zweiten Gitarristen hatte er seinen Sohn Todor dabei, wobei dieser aber schon als zweiter Fronter zu sehen war, der nicht nur mit klasse Soli begeisterte, sondern auch bei einigen Songs den Leadgesang übernahm. Tricky war, wie Zed die Riffs von „Smoke On The Water“ ins Piano schoss, um nach diesem Intro mit seinem Sohn abwechselnd den bekannten Beginn des Deep Purple-Klassikers langsam in seine Bestandteile zu zerlegen, um schließlich im eigenen Lied „Like You Do“ zu landen. Während des Stückes gab es dann immer wieder Sequenzen, aus denen die beiden mühelos wieder beim Purple-Song landten.

Bei anderen Tracks begaben sich die beiden fast schon twinguitarsmäßig in die Nähe von Bands wie Wishbone Ash. Unterstützt wurden Zed und Tudor von ihrer jungen Rhythmussektion mit Fabio Cimpeanu am Schlagzeug und Lukas Kaminski am Bass, die beide mit kurzen Soli ihre spielerische Klasse offerieren konnten.

So wie sich die jungen Musiker um das Bluesurgestein Zed Mitchell an diesem Abend präsentierten, muss man sich keine Sorgen um die nächste Generation machen. Wie handgemachte bluesorientierte Musik gemacht wird, offenbarten sie nachhaltig bei der Zugabe „I’m Gonna Keep You Satisfied“, wo sie sich krachend vom Dortmunder Publikum verabschiedeten.

Text und Bilder Gernot Mangold

Line-up:
Zed Mitchell – vocals, guitar
Todor Manojlovic – vocals, guitar
Lukas Kaminski – bass
Fabio Cimpeanu – drums

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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Laura Cox – Head Above Water – CD-Review

‚Weiterentwicklung‘. Das ist das Schlagwort, das mir spontan als erstes nach dem Hören vom neuen Album „Head Above Water“ von Laura Cox in den Sinn kam. Und dabei ist ja gerade oft das dritte Werk immer mit das schwierigste, meist der Zeitpunkt, bei denen bei Interpreten und Bands nach Abebben der Anfangseuphorie, der leidige Alltag eintritt.

Ob es das Entfernen des Wörtchens Band und der vielleicht noch stärkeren Fokussierung auf die eigene Person damit zu tun hat, darüber kann zunächst nur spekuliert werden, aber auch nach mehrmaligen Hören der Scheibe steht eindeutig fest, dass es sich klar um den bis dato besten Longlayer der einst durch Youtube-Videos bekannt gewordenen Französin (mit englischem Vater) handelt.

Ob es ihrem Daddy geschuldet ist, der ja, so liest man, einen Faible für Country und Rock’N‘ Roll besitzen zu scheint, ist nicht überliefert, man nimmt allerdings (wohlwollend) eine deutliche Abkehr von klassischen Hard Rock in Richtung mehr ergänzender Southern Rock- und (New) Country-Einflüsse zur Kenntnis, wobei man in vielen Tracks auch immer wieder (meist in Form von Riffs und Sequenzen in ihren Soli) an die großen Rockbands der guten alten Zeit wie den Stones, Lynyrd Skynyrd, Bad Company, Molly Hatchet oder ZZ Top erinnert wird.

Einen Löwenanteil trägt auch ihr deutlich besser gewordener Gesang mit zum Gesamtergebnis bei. Statt den üblichen Shouterattitüden beweist die junge Dame diesmal auch viel Einfühlungsvermögen und Variabilität am Mikro, was zu viel Diversität im Gesamtgeschehen beiträgt. Das gleiche gilt für die Einbindung von Akustikgitarren, Slide und vor allem des meist schön vor sich hin klackernden Banjos. Dass sie eine Meisterin der E-Gitarre ist, ist natürlich auch weiterhin unverkennbar.

Meine Lieblingsstücke sind neben den vier New Country-lastigen Stücken („Old Soul“, „Before We Get Burned“, das fast schon hypnotisch von Laura dahingehauchte „Seaside“ und „Glassy Days“), die, man lese und staune, auch auf jedem Little Big Town-Album integriert werden könnten, das für das Werk richtungsweisende Titelstück „Head Above Water“, eine Art Mischung aus eigenen Ingredienzien, vermischt mit dem Flair von altgediegenen Rockbands wie den Rolling Stones, Lynyrd Skynyrd und Bad Company und vor allem „One Big Mess“, das mit einem, an Skynyrds „Simple Man“ erinnernden atmosphärischen E-Intro beginnt, dann aber in einen treibenden Rocker der Marke „Beatin‘ The Odds“ mündet. Gerade Southern Rock-Fans werden an den vielen quirligen und klirrenden E-Soli (man höre sich nur das Solo im The Georgia Thunderbolts-umwobenen „Set Me Free“ an) der zierlichen Französin großen Spaß haben.

Mit eingespielt haben das Werk ihre etatmäßigen Mitreiter Mathieu Albiac (Rhythmusgitarre) und Antonin Guerin (Drums, Percussion) und als neue Personalie Adrien Kah am Bass. Germain Destremont (Keys, Glockenspiel) und Nina Babel, Monique Harcum sowie Steve Kashala (alle Backing vocals) verbuchen Credits als Gastmusiker.

Auch wenn ich anfangs ein wenig noch Probleme mit dem Wiedererkennungswert der Refrains hatte, hat sich das mit jedem weiteren Hördurchgang immer mehr gelegt. Ob der eine oder andere Song für die Ewigkeit dabei sein wird, ist zwar fraglich, aber das gelingt ja heute in unserer schnelllebigen Zeit auch so gut wie gar keiner Rockband mehr, nicht mal den noch existierenden großen Acts dieser Zunft (die bekommen ja fast garnichts Kreatives mehr hin).

Kein Grund für Laura Cox also den Kopf in den Sand zu stecken, ihr neues Album „Head Above Water“ stellt, wie anfangs erwähnt, eine mehr als deutliche Weiterentwicklung dar. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt, wenn sie die enthaltenen Tracks im März live im (u. a. im Musiktheater Piano in Dortmund) hoffentlich ausgiebig vorstellen wird. Ein tolles, melodisches und kurzweiliges Rockalbum, dass sicherlich mit zu den positiven Überraschungen in 2023 avancieren wird.. Oder, wie es der Franzose sagen würde: „Merveilleux, Laura!“

Earmusic (Edel) (2023)
Stil: Rock & More

Tracklist:
01. Head Above Water
02. So Long
03. One Big Mess
04. Set Me Free
05. Old Soul
06. Wiser
07. Before We Get Burned
08. Seaside
09. Fever
10. Swing It Out
11. Glassy Days

Laura Cox Band
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Networking Media

Black Star Riders – Wrong Side Of Paradise – CD-Review

Review: Michael Segets

Heute wildere ich mal in fremden Regionen. Sonst für SoS meist in Sachen Roots Rock und Americana unterwegs, steht heute ein Ausflug in den Rock an der Grenze zum Hard Rock an. Im Herzen bin ich ja ein Rocker, für die härteren Gangarten konnte ich mich allerdings nie so richtig erwärmen. Als ich die erste Auskopplung „Better Than Saturday Night“ wahrnahm, dachte ich aber, dass die Black Star Riders ein genaueres Hinhören wert sind. Der Verdacht bestätigt sich bei der Sichtung von „Wrong Side Of Paradise“.

Seit etwas über zehn Jahre existiert die Band. Die Gründungsmitglieder spielten zu der Zeit alle bei Thin Lizzy und wollten mit eigenen Songs neue Wege beschreiten. Marco Mendoza und Damon Johnson verließen die Band 2014 beziehungsweise 2019. Scott Gorham spielte den aktuellen Longplayer ebenfalls nicht mit ein, begleitet aber die angekündigte UK-Tour in diesem Jahr. Letztlich bleibt nur noch Ricky Warwick (Gesang, Gitarre) von den ursprünglichen Musikern. Zur aktuellen und verjüngten Besetzung gehören Christian Martucci (Gitarre), Robbie Crane (Bass) und Zak St. John (Schlagzeug).

Die ersten vier Alben der Black Star Riders schossen in Deutschland allesamt kurzfristig in die Top-Thirty. In Großbritannien gelang „Heavy Fire“ (2017) sogar der Sprung in die Top-Ten. „Wrong Side Of Paradise“ weist auf alle Fälle das Potential auf, an diese Erfolge anzuknüpfen. Das Album geht insgesamt ein hohes Tempo, für Balladen nimmt sich die Band keine Zeit. Für den Hard Rock typische Gitarrenklänge tauchen häufig in den Songs auf.

Wie beim Opener „Wrong Side Of Paradise“ oder auch beim Rausschmeißer „Life Will Be The Death Of Me“ halten sich die Gitarrensoli aber insgesamt in Grenzen, sodass die Songs straight durch gespielt werden und melodisch bleiben. Bei „Pay Dirt“ und „Catch Yourself On“, welche sich noch in meinem Geltungsbereich bewegen, folgen die Black Star Riders ebenfalls deutlich Hardrock-Pfade. Der einzige Song, den ich nicht mitgehe, ist der zweieinhalbminütige „Crazy Horses“.

Das vom kräftigen Schlagzeug getriebene „Hustle“ punktet durch die Mundharmonikapassagen und die Backgroundsängerinnen. Die erdiger gehaltenen Stücke des Albums liegen eher auf meiner Linie. Vor allem „Green And Troubled Land“ und „Don’t Let The World Get In The Way“ – einschließlich eines Gitarrensolos, das nochmal kurz die Affinität der Black Star Riders zum Hardrock aufblitzen lässt – überzeugen durch die Refrains mit hohem Wiedererkennungswert.

Eingängig ist auch „Riding Out The Storm“, das daher mit gutem Grund als zweiter Track des Longplayers veröffentlicht wurde. Neben dem schon erwähnten Highlight „Better Than Saturday Night“, bei dem übrigens Joe Elliott (Def Leppard) mitsingt, glänzt „Burning Home“. An dem herausragenden Titel gibt es nichts auszusetzen: klare Struktur, erdige Gitarren und mehrstimmiger Background im Chorus, der zum mitsingen einlädt.

Die Songs der Black Star Riders auf „Wrong Side Of Paradise“ liegen zwischen Rock und Hard Rock. Für den SoS-Leser wird das Album vielleicht nicht in Gänze, aber zumindest in Auszügen interessant sein. Der gradlinige Rocker „Better Than Saturday Night“ oder das rootsige „Burning Home“ sind Anspieltipps. Um die Ohren durchzupusten, ohne dabei in Extreme zu verfallen, eignet sich der Longplayer sowieso.

Earache Records – Edel (2023)
Stil: Rock/Hard Rock

Tracks:
01. Wrong Side Of Paradise
02. Hustle
03. Better Than Saturday Night
04. Riding Out The Storm
05. Pay Dirt
06. Catch Yourself On
07. Crazy Horses
08. Burning Home
09. Don’t Let The World Get In The Way
10. Green And Troubled Land
11. Life Will Be The Death Of Me

Black Star Riders
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Earache Records
Oktober Promotion

Southside Johnny And The Asbury Jukes – Live In Cleveland ‘77 – CD-Review

Review: Michael Segets

Zum ruhigeren Jahresende finde ich die Muße, nochmal auf 2022 zurückzublicken und auch Alben durchzuhören, die im Tagesgeschäft untergegangen sind. Seit einigen Monaten liegt das 77er Cleveland-Konzert von Southside Johnny And The Asbury Jukes bei mir neben dem Schreibtisch, ohne dass ich es bislang mit der angemessenen Hingabe wahrgenommen hätte. Aufmerksamkeit verdient die Scheibe zum einen natürlich durch die Musik, die mich in meine Jugendzeit versetzt, zum anderen bin ich durch sie darauf aufmerksam geworden, dass Cleveland International Records wieder aktiv ist.

Von Steve Popovich, Sr. gegründet veröffentlichte das Label u. a. Meat Loafs Kultalbum „Bat Out Of Hell“ (1977) und Longplayer von Ian Hunter oder Ronnie Spector. Sieben Jahre nach dem Tod seines Vaters startete Steve Popovich, Jr. 2018 einen neuen Anlauf zur Neubelebung der Firma. Wiederveröffentlichungen älterer Scheiben, so von Joe Grushecky And The Houserockers – vormals Iron City Houserockers –, und Liveaufnahmen, beispielsweise von den Georgia Satellites, lohnen einen Blick in den Katalog. In diesem findet man auch das Southside Johnny Konzert. An dessen Soundqualität ist, vor allem auch angesichts des Alters der Aufnahme, nichts auszusetzen.

Davon, dass Southside Johnny ein hervorragender Sänger und mitreißender Live-Performer ist, konnte ich mich seinerzeit vor Ort in Köln im Rahmen der Rockpalast-Reihe überzeugen. Als Songwriter ist er weniger aktiv und so ist er auf der Setlist auch lediglich bei „We’re Having A Party“ als Co-Autor neben Sam Cooke verzeichnet. Die Energie, die Southside Johnny auf der Bühne freisetzt, lässt sich auf der CD erahnen. Besonderen Drive erhalten die Songs durch die Miami Horns rund um Ed Marion, La Bamba und Stan Harrison.

Außergewöhnlich ist der Gastauftritt von Ronnie Spector mit dem Klassiker von Billy Joel „Say Goodbye To Hollywood“. Ansonsten sind auf dem Longplayer die für diese Phase von Southside Johnny typischen Stücke vertreten, die sich auch auf anderen Live-Alben auffinden lassen. Immer wieder gerne gehört werden „Got To Get You Off Of My Mind“, „The Fever“ oder „Broke Down Piece Of Man”. Natürlich dürfen auch die von Stevie van Zandt, alias Little Steven, verfassten Songs „This Time It’s For Real”, „She Got Me Where She Wants Me“ und „I Don’t Want To Go Home” aus dem Standardrepertoire der Jukes nicht fehlen.

Van Zandt stand an dem Abend als Gitarrist auf der Bühne und ist an einigen Stellen bei den Background Vocals sowie als Duett-Partner deutlich herauszuhören. Er schrieb auch die Liner Notes zu der vorliegenden Veröffentlichung, in denen er die Bedeutung von Steve Popovich, Sr. für die damalige Musikszene in New Jersey würdigt. Zu dieser gehörte auch Bruce Springsteen, von dem Southside Johnny „When You Dance“ spielt.

Der soulige, horn driven Rock von Southside Johnny And The Asbury Jukes funktioniert auch heute noch, obwohl er bereits 45 Jahre auf dem Buckel hat. „Live In Cleveland ‘77“ ist daher mehr als ein historisches Dokument einer spannenden Phase der New Jersey-Musikszene. Southside Johnny bringt die Energie von live gespieltem Rock durch die heimischen Lautsprecher, dabei lässt sich der Besuch von Konzerten natürlich nicht ersetzen.

Cleveland International Records (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. This Time Is For Real
02. Got To Get You Off Of My Mind
03. Without Love
04. She Got Me Where She Wants Me
05. Little By Little
06. It Ain’t The Meat, It’s The Motion
07. When You Dance
08. Say Goodbye To Hollywood (feat. Ronnie Spector)
09. The Fever
10. I Don’t Want To Go Home
11. Broke Down Piece Of Man
12. We’re Having A Party
13. You Don’t Know Like I Know

Southside Johnny
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Cleveland International Records

Harlem Lake – 04.12.2022 – Yard Club, Köln – Konzertbericht

Am zweiten Advent traten Harlem Lake erstmals in Köln im Yard Club auf. Die aus Harlem bei Amsterdam stammende Band konnte im Sommer bei einigen Festivals begeistern und gewann den European Blues Award. Umso trauriger war es, dass nur etwa 30–40 Musikfans den Weg in den Yard  Club gefunden hatten. Den wenigen Fans, die an diesem Sonntagabend anwesend waren, boten die jungen Niederländer einen Abend, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Von Beginn an zeigte sich, welch exzellente Musiker in der Band sind. Als erstes sei dabei Dave Warmerdam genannt, der für das Songwriting verantwortlich ist und trotz seines jungen Alters ein feines Händchen beweist, Elemente aus Blues, Americana und Southern Rock verschmelzen zu lassen. Seine Partnerin, nicht nur auf der Bühne, Jane Timmer übernimmt dabei den Part, die Texte zu schreiben.

Musikalisch gibt es dabei einige Paralellen zu einer amerikanischen Band in der auch Partner eine prägende Rolle spielen. So gab es unter den Besuchern so einige, die Vergleiche mit der Tedeschi Trucks Band machten. Was auf jedem Fall gesagt werden kann, ist, dass Harlem Lake sich nicht hinter prominenten Acts aus dem Genre zu verstecken brauchen.

Die junge Sängerin Jane Timmer begeisterte mit einer klaren Stimme und einem großen Stimmvolumen, was von zarten fast zerbrechlichen Gesang bis hin zur Bluesröhre ging, Zudem ging von ihr eine sehr positive Bühnenpräsenz aus und es gelang ihr schon mit der Ansage in einer Mischung aus Deutsch und Englisch die Besucher direkt einzufangen, dass sich über die gesamte Dauer des Konzertes eine tolle Stimmung mit einigen Anlässen für Szenenapplaus ergab.

Dave Warmerdam hielt sich optisch, meist Piano und Hammond Orgel spielend, zurück, offerierte dabei aber sein Können auch in einigen starken Soli. In den Vordergrund trat er bei den Tracks, wenn er sich die Gitarre schnappte und sich neben der Rhythmusunterstützung einige Gitarrenduelle mit Sonny Ray van den Berg lieferte. Herausragend war dabei der jammende Part in „I Won´t Complain“, mit Soli feinster Southern Rock-Manier, und auch der sonst eher im Hintergrund agierende Bassist Kjelt Ostendorf ein feines Basssolo hinlegte.

Sonny Ray, auch vom äußeren Erscheinungsbild, genau wie Dave in jede Southern Rock-Combo passend, gelang es viele Soloparts so auf den Punkt zu spielen, dass die Songstruktur nicht zerstört wurde. 

Visuell im Hintergrund standen Drummer Benjamin Torbijn und Bassist Kjelt Ostendorf. Dabei zeigten die beiden jungen Musiker schon eine große Souveränität ganz ohne große Effekthascherei. Beide hatten auch ein Feeling dafür, wann man sich etwas zurückhalten muss, um insbesondere bei den ruhigeren Stücken nicht die eher träumerische Stimmung zu zerstören.

Neben dem fast kompletten aktuellen Album spielte die Band als Zugabe mit „Mean Man“ noch ein Lied der Dave Warmerdam Band, aus der letztlich Harlem Lake entstanden ist und mit „Carry On“, dem begeisternden „Crying In The Desert“, „Temptation“, „Beggars Can`t Choose“ und „The Sight Of You“ fünf Songs, die erst auf dem neuen Album im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Nach dem, wie die Stücke in Köln präsentiert worden sind, kann ich schon jetzt eine Kaufempfehlung aussprechen!

Zudem coverten Sie mit „Beware“ (von Barrelhouse), „That`s How Strong My Love Is“ (von Little Milton), „Whiskey Drinkin` Woman“ (von Lou Donalson) und „Don’t Change Horses“ (von Tower Of Power) gekonnt einige Stücke von musikalischen Vorbildern und präsentierten so den Anwesenden ein abwechslungsreiches Programm mit einigen Überraschungen durch die noch nicht veröffentlichten Songs, die von den Fans begeistert angenommen wurden.
Nach dem Konzert begaben sich die Musiker sofort zu den wartenden Fans am Merchendise-Stand, um Fanartikel zu signieren, Erinnerungsfotos zu machen und um sich über den Abend zu unterhalten.

Neben den Musikern hatte ich noch ein nettes Gespräch mit dem Vater von Dave Warmerdam, der die junge Band unterstützt, über die Band und deren Pläne. Plan oder Traum wäre es nebenan in der Kantine, in die wir während des Gesprächs schauen konnten, zu spielen. Wenn man den Abend im Yard Club, mit der beeindruckenden Bühnenpräsenz der Band gesehen hat, kann aus diesem Traum ganz schnell Wirklichkeit werden. In der Form ist Harlem Lake auf dem Weg, eine der europäischen Topacts in deren Genre zu werden und sie bewiesen, dass sie nicht zu Unrecht den European Blues Award dieses Jahr gewonnen haben.

Harlem Lake werden voraussichtlich im nächsten Sommer auf dem Freideck der Kantine spielen, ein Termin, den man sich mit knallrot im Kalender markieren sollte. Ein besonderer Dank geht auch noch einmal an die Kantine/Yard Club insbesondere an Markus, der hoffentlich bald wieder vor Ort ist, die es immer wieder schaffen so großartige Künstler in den Kölner Norden zu holen.

Line-up:
Janne Timmer – lead vocals
Dave Warmerdam – organ, keyboards, guitar, bgv
Sonny Ray van den Berg – guitars, bgv
Kjelt Ostendorf – bass, bgv
Benjamin Torbijn – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Harlem Lake
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Yard Club Köln

Andreas Diehlmann Band – Best Of 2017-2021 – LP-Review

Review: Jörg Schneider

Der deutsche Blueser Andreas Diehlmann hat sich im Laufe der Zeit zu einem Stammgast bei uns entwickelt, über den wir seit seinen Anfängen immer wieder gern berichten („Your Blues Ain‘t Mine“, „Your Blues Ain‘t Mine – Tour live“, „Point Of No Return“, Konzertbericht Cafe Steinbruch, „Mercy On Me“ und „Them Chains“). Die „Andreas Diehlmann Band“ besteht nunmehr seit 2017 als Trio mit Tom Bonn an den Drums und wechselweise Jörg Sebald bzw. Volker Zeller am Bass. Anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens bringen die Jungs nun ein „Best Of“ Album mit 15 Songs der letzten Jahre heraus.

„Oh Well“, „Head Down Low“, „Your Blues Ain‘t Mine“, „Rita“, „Soulshine“, „Little Wing“ und „Gone“ hatte das Trio bereits auf den beiden „Your Blues Ain‘t Mine“- Alben aus 2018 und 2019 eingespielt. „Nothing But The Blues“, „Point Of No Return“, „Don‘t Go“ und Way Down South“ stammen von den 2019‘er Scheiben „Ponit Of No Return“ und „ADB“. Und vom 2020‘er Album „Mercy On Me“ haben es „Price To Pay“ und „Shadows Of Memories“ geschafft zu den Best-Of zu gehören. „Lola Sweet Rock ‚n‘ Rola“ und „Riding In The Dark“ sind schließlich von der letztjährigen Veröffentlichung „Them Chains“.

Bei Best-Of-Scheiben ist es wohl generell so, dass sie keine neuen Interpretationen bestehender Songs erwarten lassen. Da ist es auch keine Überraschung, dass Andreas Diehlmann seine Songs offenbar nicht neu abgemischt, sondern unverändert übernommen hat. Was aber nicht wirklich schlecht ist, da die Tracks auch so schon echte Blues- und Bluesrockkracher sind, die mächtig Stimmung machen. Weiteres dazu in den eingangs genannten Reviews.

Interessant ist das Album sicherlich für Leute, die sich gern einen Überblick über das bisherige – und beachtenswerte – Schaffen der Andreas Diehlmann Band verschaffen oder einem ihrer Bluesbuddies ein schönes Weihnachtsgeschenk machen möchten. Die „Best Of 2017-2021“-Scheibe kommt daher jetzt auch Anfang Dezember rechtzeitig zu Weihnachten als Doppel LP Gatefold Cover incl. Audio CD in die Läden. Für Liebhaber und den erwähnten Personenkreis ist sie eine absolut lohnenswerte Investition.

Eigenproduktion (2022)
Stil: Blues

Tracks:
01. Oh Well
02. Head Down Low
03. Lola Sweet Rock ‚n‘ Rola
04. Your Blues Ain‘t Mine
05. Nothing But The Blues
06. Price To Pay
07. Point Of No Return
08. Riding In The Dark
09. Rita
10. Way Down South
11. Soulshine
12. Shadows Of Memories
13. Don‘t Go
14. Little Wing
15. Gone

Andreas Diehlmann
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Neil Young & Crazy Horse – World Record – CD-Review

Review: Gernot Mangold

Ruhig, fast swingend beginnt das neue Album „World Record“ mit „Love Earth“, wo Neil Young sich musikalisch dem Thema, die Erde zu erhalten, widmet. Da besingt er sehr harmonisch in „Overhead“ den schönen blauen Himmel, um dann bei „I Walk With You“ mit getragenen eher melancholischen Melodien erstmals das typische Crazy Horse-Feeling aufleben zu lassen.

Fast verträumt, sich mit dem Piano begleitend, geht er auf die Veränderungen der Erde ein, rückblickend auf seine Kindheit in „The Old Planet“. Besondere Akzente setzt dabei auch noch Nils Lofgren, der mit dem Akkordeon einen gewisses Countryflair in den Song bringt. Roh, mit fast anklagenden Gesang weist Young in „The World (Is In Trouble Now)“ auf die Veränderungen hin. Neil spielt hier die Orgel, während Nils Lofgren die Gitarrenparts übernimmt.

Rohe verzerrte Gitarren leiten „Break The Chain“ ein und es entwickelt sich ein typischer Neil Young & Crazy Horse- Track im Midtempo. Ralph Molina an den Drums und Billy Talbot am Bass zeigen dabei, dass sie auch nach Jahrzehnten eine solide Rhythmusbasis für Youngs Gitarrenspiel legen. Ein belebendes Element ist auch Nils Lofgren, der slidend ein schönes Gegengewicht zum eher düsteren Gitarrenspiel Youngs bildet.

Im melancholisch getragenen „The Long Day Before“ offeriert Young wieder seine musikalisch ruhige Seite mit harmonischer Orgelbegleitung und seinem typischen Mundharmonika-Spiel. Passend dazu setzt Lofgren Nuancen mit der Pedal Steel Guitar. Stilistisch ähnlich prangert er in „Walkin`On The Road (To The Future)“ an, dass Alles, was man in der Vergangenheit getan hat, in der Zukunft seinen Preis haben wird und weist auch auf die kriegerischen Entwicklungen auf der Erde hin, was im pragmatischen Refrain „No More War Only Love“ zusammengefasst wird. Im folgenden „The Wonder Won`t Wait“ heißt das Paradigma anfangen zu Leben, bevor man stirbt.

Im für mich besten Lied des Albums widmet sich Young seiner automobilen Liebe, dem „Chevrolet“. Schöne Rhythmen und verzerrte Gitarren verschmelzen regelrecht miteinander und belegen eindeutig, was die Zusammenarbeit von Neil Young mit seiner Band Crazy Horse ausmacht.

Neil Young ist mit „World Record“ wieder ein starkes emotionales Album gelungen, das insbesondere durch seine Atmosphäre beeindruckt, die der mittlerweile bald 77-jährige Young immer noch erzeugen kann. Emotional verstärkt er den Weg der Band durch die angegebenen Geburtsdaten der Beteiligten, eventuell auch als Hinweis, dass der lange Weg bald beendet sein könnte.

Mit dem Album hat Young nun musikalisch das Kapitel geschrieben, das er vor einigen Jahren auf T-Shirts als Beilage zum Konzertbesuch am Eingang verteilen ließ , wo die männlichen Besucher eines mit dem Aufdruck ‚Earth‘ und die weiblichen eines mit dem Aufdruck ‚protect‘ erhielten.

Gerne erinnere ich mich daran, wie mir der nette Mitarbeiter am Merchandising-Stand auf meine Frage, ob ich für meine beiden damals kleinen Kinder eines kaufen könne, in die Augen schaute, und sagte, dass die Shirts nicht zum Verkauf gedacht sind, um mich dann zu fragen, wie groß die Mädels sind, und mir mit einem Lächeln zwei Shirts zu schenken. Er hatte damals im gewissen Sinne die prägende Zeile aus „Walkin`On The Road“ „No More War Only Love“ umgesetzt.

Band:
Neil Young: guitar, piano, organ, harmonica, vocals.
Billy Talbot: bass, vocals.
Ralph Molina: drums, vocals.
Nils Lofgren: guitar, piano, accordion, steel guitar, vocals

Reprise Records/Warner Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
01. Love Earth
02. Overhead
03. I Walk With You (Earth Ringtone)
04. The Old Planet (Changing Days)
05. The World /Is In Trouble Now)
06. Break The Chain
07. The Long Day Before
08. Walkin`On The Road (To The Future)
09. The Wonder Won`t Wait
10. Chevrolet
11. This Old Planet

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Tom Petty And The Heartbreakers – Live At The Fillmore 1997 – CD-Review

Review: Michael Segets

Die Familie Petty und Mike Campbell (The Dirty Knobs), der langjährige Weggefährte von Tom Petty, halten die Erinnerung an den Ausnahmemusiker wach. „Wildflowers & All The Rest“ war bereits ein Mammutprojekt, das von ihnen gestemmt wurde. „Live At The Fillmore 1997“ erscheint nun ebenfalls als umfangreiche Zusammenstellung, bei der zudem Ryan Ulyate und Heartbreaker Benmont Tench an der Produktion – an der sich soundtechnisch nichts auszusetzen lässt – beteiligt waren.

Wie bei dem zuvor genannten Projekt liegen unterschiedliche Veröffentlichungsversionen vor. Das kürzere Paket umfasst drei LPs beziehungsweise zwei CDs, das längere jeweils doppelt so viele Tonträger. Die Deluxe-Ausgaben bieten neben der zusätzlichen Musik ein umfangreiches Booklet und ein paar Gimmicks. Die auf Vollständigkeit der Sammlung bedachten Fans, müssen also etwas tiefer in die Tasche greifen oder auf das Wohlwollen des Weihnachtsmanns hoffen.

Tom Petty And The Heartbreakers hatten Anfang 1997 zwanzig Auftritte innerhalb eines Monats im Fillmore, San Francisco. Dabei variierte die Band die Setlist jeden Abend und einige Auftritte wurden durch Gastmusiker wie Roger McGuinn (The Byrds) und John Lee Hooker veredelt. Auf „Live At The Fillmore 1997“ sind Mitschnitte von mehreren dieser Abende vertreten, wobei der Gesamtaufbau an dem eines Konzerts orientiert ist, beginnend mit der Begrüßung und endend mit der Verabschiedung. Dazwischen sind einige, erfreulicherweise von den Musiktracks gesplittete Zwischenbemerkungen eingestreut.

Die Deluxe-Ausgaben bietet 58 Songs, unter denen 35 Cover zu finden sind. Wer „The Live Anthology“ (2009) besitzt, kennt bereits fünf Versionen. „Green Onions“ auf der Anthologie wurde ebenfalls im Fillmore aufgenommen, aber an einem anderen Tag als die aktuell veröffentlichte Variante. Insgesamt sind wenige von Tom Pettys eigenen Klassikern vertreten, was insofern Sinn macht, dass sich „Live At The Fillmore 1997“ in erster Linie an Fans richtet, die diese sowieso schon in ihrem Bestand haben.

Dennoch verzichtet die Zusammenstellung nicht auf seine bekannten Titel, die teilweise in deutlich veränderten Interpretationen gespielt werden. So sind beispielsweise Pettys frühe Hits „American Girl“ und „Even The Loosers“ akustisch gehalten. „I Won’t Back Down“, langsam und mit viel Gefühl performt, begeistert dabei ebenso wie das über zehnminütige „Mary Jane‘s Last Dance”, bei dem die Heartbreakers ihrer Spielfreude freien Lauf lassen. Darüber hinaus sind Pettys Erfolgsnummern „Runnin‘ Down A Dream“, „Free Fallin‘“ oder „You Don’t Know How It Feels” vertreten.

Als besonders interessant stellen sich die Cover dar. Das Programm umfasst Stücke von The Kinks, The Byrds oder The Rolling Stones neben frühen Titeln des Rock ’n Roll (u. a. „Bye Bye Johnny“). Positive Überraschungen stellen „You Are My Sunshine“ und „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers dar. Vor allem aus heutiger Perspektive ist Bob Dylans „Knockin‘ On Heavens Door“ bewegend, das Petty in seiner einzigartigen Art singt.

Petty war ein hervorragender Songwriter und Interpret, was „Live At The Fillmore 1997“ eindrucksvoll belegt. Zu der musikalischen Qualität von Tom Petty And The Heartbreakers und ihrer Liveperformanz muss an dieser Stelle wohl weiter nichts gesagt werden. Der Leader und die Band sind perfekt aufeinander abgestimmt und präsentieren sich in Topform.

Bislang unveröffentlichte Cover sowie zum Teil deutlich veränderte Versionen eigener Stücke machen „Live At The Fillmore 1997“ zu einer sinnvollen Ergänzung jeder Musiksammlung. Die Zusammenstellung aus mehreren Konzertabenden beweist, warum Tom Petty And The Heartbreakers zu einer der besten Formationen der Rockgeschichte zählen.

Warner Records/Warner Music (2022)
Stil: Rock

Tracks:
CD 1
01. Pre-show (spoken interlude)
02. Around And Around
03. Jammin’ Me
04. Runnin’ Down A Dream
05. Good Evening (spoken interlude)
06. Lucille
07. Call Me The Breeze
08. Cabin Down Below
09. The Internet, Whatever That Is (spoken interlude)
10. Time Is On My Side
11. Listen To Her Heart
12. Waitin’ In School
13. Let’s Hear It For Mike (spoken interlude)
14. Slaughter On Tenth Avenue
15. Homecoming Queen Intro (spoken interlude)
16. The Date I Had With That Ugly Old Homecoming Queen
17. I Won’t Back Down
18. You Are My Sunshine
19. Ain’t No Sunshine
20. It’s Good To Be King

CD 2
01. Rip It Up
02. You Don’t Know How It Feels
03. I’d Like To Love You Baby
04. Diddy Wah Diddy
05. We Got A Long Way To Go (spoken interlude)
06. Guitar Boogie Shuffle
07. I Want You Back Again
08. On The Street Intro (spoken interlude)
09. On The Street
10. California
11. Let’s Hear It For Scott And Howie (spoken interlude)
12. Little Maggie
13. Walls
14. Hip Hugger
15. Friend Of The Devil
16. Did Someone Say Heartbreakers Beach Party? (spoken interlude)
17. Heartbreakers Beach Party
18. Angel Dream
19. The Wild One, Forever
20. Even The Losers
21. American Girl
22. You Really Got Me
23. Goldfinger

CD 3
01. Mr. Roger McGuinn (spoken interlude)
02. It Won’t Be Wrong
03. You Ain’t Going Nowhere
04. Drug Store Truck Drivin’ Man
05. Eight Miles High
06. Crazy Mama
07. Everyone Loves Benmont (spoken interlude)
08. Green Onions
09. High Heel Sneakers
10. John Lee Hooker, Ladies And Gentlemen (spoken interlude)
11. Find My Baby (Locked Up In Love Again)
12. Serves You Right To Suffer
13. Boogie Chillen
14. I Got A Woman

CD 4
01. Sorry, I’ve Just Broken My Amplifier (spoken interlude)
02. Knockin’ On Heaven’s Door
03. Honey Bee
04. County Farm
05. You Wreck Me
06. Shakin’ All Over
07. Free Fallin’
08. Mary Jane’s Last Dance
09. Bye Bye Johnny
10. (I Can’t Get No) Satisfaction
11. It’s All Over Now
12. Louie Louie
13. Gloria
14. Alright For Now
15. Goodnight (spoken interlude)

Tom Petty
Warner Records
Oktober Promotion