Russell Dickerson – Southern Symphony – CD-Review

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Der aus Union City, Tennessee, stammende Musiker mit seinem zweiten Album! Russell Dickerson, der bereits mit seinem Gold-dekorierten Debüt „Yours“ und diversen Singles daraus, einen erfolgreichen Einstieg mit einigen Top-10-Platzierungen ins Music Business gefeiert hatte, weiß, wo in der Musikhauptstadt der USA, der Hase langläuft.

Schließlich hat er einen Bachelor-Hochschulabschluss an der dortigen, berühmten Belmont-Universität vorzuweisen. Jetzt hat er erneut mit Langzeit-Freund Casey Brown, der schon den Erstling in vielerlei Hinsicht (Produzent, diverse Musikinstrumente und Co-Writer) begleitet hatte und Dann Huff (als Co-Produzent), den zweiten Streich mit „Southern Symphony“ ausklamüsert (klasse übrigens auch das coole Cover wie seiner Zeit bei Kid RocksBorn Free„).

Russell liefert zehn wunderbar kurzweilige und eingängige  New Country-Songs, die exzellent den Spagat zwischen ’nicht zu poppig‘ und ‚doch noch Country-kompatibel genug‘ meistern. Ein Erfolgsgarant dafür ist seine starke Charakterstimme und das fulminante versierte E-Gitarrenspiel von Huff.

Hier weiß man sofort, ohne auch nur eine Backgroundinformation zum Album gelesen zu haben, dass er seine Finger, im wahrten Sinne des Wortes, im Spiel hat.  Unverkennbar wieder Huffs hymnisch anmutende Soli.

Herausstechende Songs sind neben dem tollen Opener „Never Gets Old“ (mit Skynyrd-umwehten E-Gitarren), unzweifelhaft der pathetische Lovesong „Love You Like I Used To“ (klasse Powerrefrain, zwei heulende Southern-E-Soli von Huff), der wieder die Top-5 der Billboard-Single-Charts erklommen hat und die launig-süffige Kooperation mit dem Erfolgsduo Florida Georgia Line bei „It’s About Time“.

Weiterhin wissen u. a. das wunderbar countryesk-melancholische Titelstück „Southern Symphony“ (mit allem was Country ausmacht: Dobro, Steel, Diddle, einfühlsame Gitarren – einfach klasse instrumentiert und gesungen) oder auch der melodische Schmachtfetzen „Come To Jesus“ in einem durchgehend überzeugenden Zweitwerk zu gefallen.

Und wenn Dickerson seiner Liebsten beim finalen „Waiting For You“ voller Inbrunst samt poppiger 90er-Jahre-Keys und -Sirenen-Sax-Soli gesteht, dass er sein ganzes Leben auf sie gewartet habe, dann wartet man schon jetzt gespannt auf seine weitere musikalische Entwicklung.

Russell Dickersons „Southern Symphony“ beinhaltet eine perfekt von Huff arrangierte, moderne New Country-Sinfonie in zehn Sätzen (meist in Midtempo-/Powerrefrain-Struktur). Stoff für Freunde von Interpreten wie Kip Moore, Chase Rice, Billy Currington, Canaan Smith, David Nail, Phil Vassar & Co., der bestens unterhält. Dickes Kompliment an Russell Dickerson und sein ihn umgebendes Team!

Triple Tigers/Membran (2020)
Stil: (Country) Pop

01. Never Gets Old
02. Home Sweet
03. All Yours, All Night
04. Love You Like I Used To
05. Forever For A Little While
06. It’s About Time (feat. Florida Georgia Line)
07. Honey
08. Southern Symphony
09. Come To Jesus
10. Waiting For You

Russell Dickerson
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Oktober Promotion

Granger Smith – Country Things – CD-Review

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Wie auf dem Cover bestens dargestellt, ist Granger Smith ein Country-Bursche durch und durch. Das aus Dallas stammende Multitalent (Musiker, Buchautor, Modelabelinhaber, Youtube-Serien-Star mit „The Smiths“, Fund-Gründer) war ja auch schon mit seinen Werken „4×4“ und „Dirt Road Driveway“ früher zu Gast in unserem Magazin.

Jetzt sprudelte seine ungemeine Kreativität erneut aus ihm heraus und er präsentiert hier auf seinem neuen Album „Country Things“ gleich 18 Stücke. Kräftig unterstützt wird er dabei mit gleich vier Tracks von seinem,  tiefstes Country-Slang sprechenden, Kautabak kauenden und Bier trinkenden Alter Ego Earl Dibbles Jr.

Der präsentiert sich in absoluter Hochform und ist bei den ausnahmslos starken Songs „Country & Ya Know It“ (launiger Southern Country Rock, sogar line-dance tauglich und mitsingbar), „Workaholic“ (herrlicher Text zu beach-tauglicher Musik „when it comes to weekend, I’m a workaholic…“ ), „Diesel“ (beißender, Pferde-starker Southern Rocker) und dem finalen epischen „Holler“ mit an Bord.

Granger selbst glänzt wieder mit seinen melodischen Liedern, die allesamt mit ihrer Melodik und den eingängigen Refrains zu überzeugen wissen. Da gibt es fast zwei Hände voll an Kandidaten, die man auch gut im Radio laufen lassen kann.

Verlassen kann er sich dabei auf viele tolle und gestandene Musiker wie u. a.  Mark Hill (Bass) , Mike Johnson (Steel Guitar), Derek Wells (Guitars – überragend!), Dave Cohen (Keys), Bryan Sutton (Acoustic guitar), Eric Darken (Percussion, Drums), Wes Hightower (Background vocals) verlassen, auch ein Indiz dafür, dass Smith sich im Business längst mit viel Fleiß etabliert hat.

Auf meinem Notizzettel sind hier das wunderbare „Man Made“ (famose Dobro-ähnliche Akustikgitarre von Derek Wells samt Solo), das entsprechend des Titels, emotional vorgetragene „Hate You Like I Love You“, das stimmungsvolle „Where I Get It From“ (selbstironischer Refrain, starke Bariton-E-Gitarre von Wells), das fernweh-erzeugende „Mexico“, der PS-trächtige Southern Rocker „Chevys, Hemis, Yotas & Fords“, die wirklich schöne Hommage an die normalen Alltagshelden („…not for the ones on the screens in Hollwood…“) mittels „Heroes“, sowie das für mich hittauglichste Lied „That’s Why I Love Dirt Roads“ (in zwei Versionen, u. a. mit Tiktok-Star Lathan Warlick), als besondere Highlights vermerkt.

Hinter bekannten Kollegen wie u. a.  Brad Paisley, Blake Shelton oder Eric Church (wem der mittlerweile zu experimentell ist, liegt hier bei Smith in jedem Fall richtig), braucht der umtriebige Texaner sich längst nicht mehr zu verstecken.

Wie typisch für ihn, versucht Granger Smith hier maßgeblich, mit den countrytypischen, oft im Genre besungenen Themen (Naturverbundenheit, Treue, Religiösität, Autos, Sport, Bescheidenheit, etc.) zu punkten, die bei der überwiegend konservativ strukturierten Musikhörerschaft in den Staaten gut ankommt (und das macht er wirklich gut). „Country Things“ halt! Und auch Earl Dibbles Jr. kann sich überaus zufrieden auf der Veranda zurücklehnen und das nächste kühle Bierchen genehmigen…

BMG Rights Management (2020)
Stil: New Country

01. Country Things
02. Man Made
03. Hate You Like I Love You
04. Country & Ya Know It (feat. Earl Dibbles Jr.)
05. I Kill Spiders
06. Where I Get It From
07. Buy A Boy A Baseball
08. Mexico
09. That’s What Love Looks Like
10. Chevys, Hemis, Yotas & Fords
11. 6 String Stories
12. Anything Like Me
13. That’s Why I Love Dirt Roads
14. Heroes
15. Workaholic (feat. Earl Dibbles Jr.)
16. Diesel (feat. Earl Dibbles Jr.)
17. That’s Why I Love Dirt Roads (feat. Lathan Warlick) – Bonustrack
18. Holler (feat. Earl Dibbles Jr.) – Bonustrack

Granger Smith
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Lime Tree Music

Lee Brice – Hey World – CD-Review

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Mit seiner Hitsingle „A Woman Like You“ oder spätestens mit dem Nr. 1-Album „I Don’t Dance“, ist Lee Brice in der Gilde von Nashvilles Premium-Interpreten angekommen. Im Prinzip haben aber alle seine vier bisherigen Werke mit Plätzen unter den Top-10 glänzen können.

Der ehemalige Footballer hat (wenn auch eher gezwungener Maßen durch eine Verletzung) mit  der Entscheidung, ins Musikbusiness umzuswitchen und sich auf seine dortigen Fähigkeiten zu konzentrieren, alles richtig gemacht.

Dass Brice, der zunächst eher mit Kompositionen für Jason Aldean oder Garth Brooks auf sich aufmerksam gemacht hatte, ein richtig Guter ist, wusste man dann schon nach seinen ersten Stücken vom Debüt.

Für sein fünftes Werk „Hey World“ liefert er mit satten 15 Tracks wieder die volle Breitseite an modernem und erfolgreichem New Country Mainstream, und weiß dabei voll zu überzeugen. Angenehm ist hier besonders, dass bei Brice nicht, wie bei vielen Künstler in seiner Kategorie, die offensichtliche Gewinnmaximierung  in Richtung Pop- und Countrycharts zugleich, an erster Stelle steht, sondern zunächst die Songqualität als entscheidender Faktor im Raume stehen gelassen wird, frei nach dem Motto, der Rest kommt dann gegebenenfalls von alleine.

„Hey World“ ist einfach der nächste Schritt in meinem Leben. Wo ich bin, wer ich bin, was ich liebe, was ich fühle, von den Songs über die Produktion bis zur Reihenfolge der Stücke, mein Ziel war es immer, besser und besser zu werden, in dem, was ich tue – und das wird auch immer mein Ziel sein. Abgesehen von meiner Familie, meiner Frau und meinen Freunden, ist die Musik der Ort, an dem ich am wahrhaftigsten bin,“ fasst Brice seine momentane Gefühlswelt in Corona-Zeiten zusammen.

Und er bringt auf „Hey World“ wieder sehr gekonnt knackige New Countrytracks wie den fluffigen Opener „Atta Boy“, die launig süffigen Mitgröler „“More Beer“ und „If You“, das stadiontaugliche „Good Ol‘ Boys“ (tolles Southern E-Solo), das traditionell gehaltene „Country Knows“ (mit Steel und Dobro), mit ein paar anschmiegsamen Balladen wie „Memory I Don’t Mess With“ (herrlicher Ohrwurm!), „Save The Roses“ (Marke Bon Jovi), „Lies“ (kammermusikartig) und einigen geschmackvollen soul-poppigen Sachen der Marke Marc Broussard („Don’t Need No Reason“, „Do Not Disturb“, „Hey World„), nahezu perfekt ins richtige Lot.

Dazu bekommt man noch das herrlich tanzbare „Soul“ (also, wer da keinen sofortigen Bewegungsdrang verspürt, ist vermutlich nicht mehr unter den Lebenden oder ein wirklich unverbesserlicher Tanzmuffel….),  die ausgekoppelte Erfolgssingle „One Of Them Girls“ (eine wunderbare Hommage an alleinerziehende Powerfrauen – siehe Video) und das schöne pettyeske Duett mit Carly Pearce, „I Hope You’re Happy Now„, das auch schon im Februar auf ihrem Album im Februar platziert gewesen ist.

Und wenn er in diesen Zeiten beim abschließenden nachdenklichen Titelsong „Hey World, leave me alone, don’t call me up today, I won’t be picking up the phone“ mit seiner Wahnsinnsstimme inbrünstig heraussingt und mit den Worten „bei all den Dingen, die derzeit auf der Welt passieren und bei der Geschwindigkeit, die wir als Gesellschaft an den Tag legen, wünscht man sich manchmal, dass alles mal stoppt – einfach um schätzen zu lernen, was man hat, die Leute leiden und das kann man einfach nicht ignorieren”, vieles Heutige genau auf den Punkt bringt, nimmt man das dem Protagonisten auch so ab.

Insgesamt somit ein New Country-Album der Premium-Klasse in allen Belangen, nicht zu vergessen auch die tolle Instrumentierung (besonders die Gitarristen glänzen mit vielen kleinen Feinheiten). In der Tat, Lee Brice wird seinem Anspruch, immer besser und besser zu werden, auf „Hey World“, absolut gerecht. Wenn er mir zuhören könnte, würde ich ihm jetzt glatt zurufen: Hey Lee Brice, Gratulation, saustarke Scheibe!

Curb Records (2020)
Stil: New Country

01. Atta Boy
02. One Of Them Girls
03. More Beer
04. Memory I Don’t Mess With
05. Save The Roses
06. Good Ol‘ Boys
07. Don’t Need No Reason
08. Do Not Disturb
09. Soul
10. Sons and Daughters
11. Country Knows
12. Lies
13. If You
14. I Hope You’re Happy Now
15. Hey World (featuring Blessing Offor)

Lee Brice
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Lime Tree Music

Chris Stapleton – Starting Over – CD-Review

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Review: Michael Segets

Chris Stapleton kann als der Shooting Star des New Country bezeichnet werden. Seit seinem Solo-Debüt „Traveller“ (2015) folgten zwei Alben, die ebenso Spitzenpositionen in den amerikanischen Charts aufwiesen. Auch viele seiner Singles erreichten Gold- oder Platinstatus. Grammy-Auszeichnungen und weitere Ehrungen folgten auf dem Fuß. Mit „Starting Over“ legt Stapleton nun einen Longplayer vor, der durchaus das Potential hat, erneut die Hitlisten zu stürmen. Der Titeltrack als erste Single stieß in der Country-Kategorie bereits in die Top 10 vor.

Angesichts der Erfolgswelle, auf der der in Kentucky geborene Stapleton schwimmt, besteht für ihn kein Grund, einen Neustart vorzunehmen. Der Titel der aktuellen Scheibe sollte daher nicht so interpretiert werden, dass Stapleton nun eine völlig neue Richtung einschlägt. Stattdessen konzentriert er sich weiterhin auf seine Qualitäten als Songwriter und zeigt sich dabei äußerst flexibel, wenn Country, Blues, Rock und Soul auf seinem Werk verschmelzen.

Das Album wird von eher langsameren Titeln dominiert. Stapleton streut aber an den richtigen Stellen fetzige Nummern ein, wie den Blues Rock „Devil Always Made Me Think Twice“ oder den Country-Rock-Kracher „Arkansas“. Auch das starke „Watch You Burn” kommt mit stampfendem Rhythmus und rauem Gesang rockig daher. Schließlich setzt dort der All Voices Chor ein und führt das Stück zu seinem fulminanten Abschluss. Stapleton schrieb den Song in Kooperation mit Mike Campbell. Der Gitarrist der Hearbreakers, der Band von Tom Petty, bringt seine Kunst an den Saiten mehrfach ein. Dabei setzt seine E-Gitarre – egal ob wuchtig („Whiskey Sunrise“) oder filigran („Joy Of My Life“) – stets Akzente, die die Stücke nochmals aufwerten.

Mit von der Partie ist auch ein weiterer Heartbreaker, Benmont Tench, dessen Orgel vor allem bei „Maggie’s Song“ hervorsticht. Der harmonische Track mit eingängigem Refrain wird von Stapletons Frau Morgane im Background begleitet. Die femininen Harmonien beeindrucken besonders bei „Old Friends“. Der Song stammt ebenso wie „Worry B Gone“ von Guy Clark. Unter den vierzehn Titeln findet sich noch eine Cover-Version von John Fogertys „Joy Of My Life“.

Bei den Eigenkompositionen schlägt Stapleton mal bluesige Töne an, wie bei der zweiten Single „Cold“, die gegen Ende orchestrale Ausmaße annimmt, und mal soulige, die beim radiotauglichen Midtempo-Song „You Should Probably Leave“ schon fast poppige Regionen erreichen. In den meisten Beiträgen scheint aber Stapletons Affinität zum Country durch, so bei den Balladen „When I’m With You“ und „Nashville, TN“. Für den entsprechenden Flair sorgt Paul Franklin an der Pedal Steel.

Der mittlerweile nach Tennessee übergesiedelte Stapleton setzt mit dem dunklen „Hillbilly Blood“ ein Highlight. Intensiver Gesang und hervorragende Rhythmusarbeit durch seine bewährten Mitstreiter J. T. Cure (Bass) und Derek Mixon (Schlagzeug) zaubern einen atmosphärisch dichten Song.

Das wiederum von Dave Cobb produzierte „Starting Over“ verspricht die Erfolgsserie von Chris Stapleton fortzusetzen. Stapleton beweist, dass er mit Recht zu den führenden Songwritern in Nashville gezählt wird. Er zeigt dabei Facetten, die vielleicht auf seinen früheren Alben nicht so deutlich zutage treten. Stapleton setzt insgesamt aber auf Kontinuität statt auf große Innovationen, was ja nicht verkehrt erscheint, wenn das, was er macht, so gut ist.

Mercury Records Nashville (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. Starting Over
02. Devil Always Made Me Think Twice
03. Cold
04. When I’m With You
05. Arkansas
06. Joy Of My Life
07. Hillbilly Blood
08. Maggie’s Song
09. Whiskey Sunrise
10. Worry B Gone
11. Old Friends
12. Watch You Burn
13. You Should Probably Leave
14. Nashville, TN

Chris Stapleton
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Universal Music Group

Cam – The Otherside – CD-Review

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Satte fünf Jahre sind schon wieder vergangen, seit Cameron Ochs, alias Cam, mit ihrem zweiten Album und gleichzeitigem Major-Debüt „Untamed“ (enthielt den Smash-Hit „Burning House“), die Herzen der Kritiker im Sturm eroberte und die Weichen für die andere, erfolgreiche Seite ihrer Karriere in Nashville, gestellt hatte.

Nun liefert sie mit „The Otherside“ den lang ersehnten Nachfolger, mittlerweile unter dem RCA-Unterlabel Triple Tigers, nachdem ein, sich nicht als charttauglich erweisender Song namens  „Road To Happiness“, zum Zerwürfnis mit dem bis dato federführenden Arista-Label geführt hatte.

Produziert hat sie das Werk gemeinsam mit Tyler Johnson (Harry Styles, Sam Smith) und Grammy-Gewinner Jeff Bhasker (Kanye West, Bruno Mars).

Die Scheibe mit ihren elf Tracks bietet durchgehend angenehmes Hörvergnügen, die reduzierte Rhythmusgebung, meist mit einer halbakustisch klingenden Gitarre und percussionartigen Drum-Claps, bietet ihrer leicht näselnden, aber sehr variablen Stimme, einen perfekten Untergrund.

Das ganze klingt dann, als wenn sie sich mit Tracy Chapman, Shania Twain, Emmylou Harris und Stevie Nicks zu einer Art musikalischem Brainstorming versammelt hätte und deren Anstöße für die Umsetzung der neuen Tracks, hat einfließen lassen.

Meine persönlichen Favoriten sind das keltisch-folkige Titelstück „The Other Side“ (klingt fast wie alten Friedensmusiker Bots, geschrieben von Cam noch zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Tim Bergling (Avicii), das lässige groovende „Changes“ mit wunderschönem Refrain und Pfeif-Intermezzo und der durch untypisches Kirchenglockengeläut ummantelte coole Barroom Blues „Happier For You“ (mit claptoneskem Slide, klasse Piano und jeder Menge emotionalem Flair).

Die 36-jährige Sängerin jongliert auf „The Otherside“ insgesamt stilsicher mit Country-, Pop-, Folk- und Singer-/Songwriter-Requisiten und bezaubert dazu mit ihrem tollem ausdrucksstarken Gesang.

Und wenn die lockenköpfige Blondine in der  finalen Pianoballade so schön eindringlich und inbrünstig, fast schon flehend am Ende „take it from a girl like me“ singt, hat ihr der Autor des Reviews schon längst aus der Hand gefressen…

Triple Tigers / RCA Records (2020)
Stil: New Country

01. Redwood Tree
02. The Otherside
03. Classic
04. Forgetting You
05. Like A Movie
06. Changes
07. Till There’s Nothing Left
08. What Goodbye Means
09. Diane
10. Happier For You
11. Girl Like Me

Cam
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Sony Music

Ward Thomas – Invitation – CD-Review

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Neben The Shires sorgt in Großbritannien seit geraumer Zeit ein zweites Duo im Countrypop-Sektor für Furore und zwar Ward Thomas. Hinter dem Namen verbergen sich die beiden Zwillinge Catherine und Lizzy Ward Thomas, die allerdings nicht wie typische Zwillinge aussehen, sondern zumindest zur Zeit rein äußerlich sehr gut zu unterscheiden sind (Lizzy blond kurzhaarig- Catherine brunette-langhaarig).

Die beiden haben jetzt ihr bereits viertes Album mit dem Titel “Invitation” unter Major-Fahne am Start. Die aus betuchtem Hause stammenden jungen Mädels haben sich dafür auf ihr Landhaus zurückgezogen (besitze ich heute mit 57 Jahren, trotz 35-jährigem Arbeitsleben als Industriekaufmann, leider immer noch nicht…). Jonathan Quarmby (Lewis Capaldi, Tom Walker, Finley Quaye) hat das Ganze produziert.

„2020 war ein Jahr des Lernens, wodurch sich auch unsere Herangehensweise an dieses Album verändert hat. Wir haben eine Menge davon in unserem Cottage aufgenommen und die Arbeit ‘aus der Ferne’ brachte eine Reihe von Herausforderungen, aber auch neue Chancen mit sich. Obwohl in unsicheren Zeiten aufgenommen, fühlen sich die Aufnahmen wie eine Einladung in eine positivere Zeit an. Wir haben das Album nach einer Textzeile in dem Song „Open Your Mind“ benannt, weil sich das Album wie eine Einladung anfühlt – sei es im übertragenen Sinne, eine Einladung zur Selbstreflexion, oder physisch, eine Einladung in eine Zeit, in der wir alle wieder feiern können“, so das Geschwisterpaar zur Intention ihres Werkes.

Das Album bietet dann, wie es bei zwei so jungen Damen auch nicht anders zu erwarten war, sehr melodischen eingängigen Pop (sehr vokal-orientiert, mit vielen Pianoklängen), der Countrygehalt ist mit einer mal sporadisch eingestreuten Mandoline oder einem Banjo, eher als marginal einzustufen.

Dass die Protagonistinnen singen können, steht dabei außer Frage, vor allem die Harmoniegesänge wissen besonders zu überzeugen.

Auffälligste Tracks sind für mich der zuckersüß gesungene Opener “Sweet Time”, das ein wenig bei Tracy Chapmans “Fast Car” gespinxte “Meant To Be Me”, das beschwingte “Hold Space”, das starke Duett mit Superstar James Blunt bei “Halfway” , die The Killers-Adaption “Human”, wo sie Jack Savoretti bei dessen Live-Show in der Wembley Arena im vergangenen Jahr gesanglich assistierten und das schön melancholische, nur mit einer Akustikgitarre untermalte Cover des Fleetwood Mac-Stückes „Landslide”.

Fazit: Angenehm zu konsumierender verwöhnter Gören-Countrypop mit betörendem, teilweise engelsgleichem Gesang, der gut zum unbeschwerten Hören geeignet ist. Ward Thomas dürfen mit “Invitation” – Zeit hin, Zeit her – schon jetzt ein gelungenes Album feiern.

Warner Music (2020)
Stil: (Country) Pop

01. Sweet Time
02. Don’t Be A Stranger
03. Open Your Mind
04. Someday
05. Meant To Be Me
06. Dear Me
07. Hold Space
08. Wait Up
09. My Favourite Poison
10. Painted Legacy
11. If There Were Words
12. Halfway (James Blunt ft. Ward Thomas)
13. Human – Live From Wembley (Jack Savoretti ft. Ward Thomas)
14. Landslide

Ward Thomas
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Oktober Promotion

Justin Moore – Live At The Ryman – CD-Review

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In Tagen, wo Konzerte aufgrund der bekannten Problematiken, eher andächtigen Klassik-Veranstaltungen – nur ohne die dort typische hohe Arschlochdichte im Publikum – gleichen, kommt Justin Moore mit einem frenetisch-spektakulären Live-Album, aufgenommen im ausverkauften Ryman-Auditorium, in Nashville, Tennessee, noch in der guten alten Vor-Corona-Zeit, um die Ecke.

Der ursprünglich aus dem kleinen Dorf Poyen in Arkansas stammende, 2002 nach Nashville übergesiedelte Künstler, zieht dabei alle Register und präsentiert einen mustergültigen Querschnitt aus seinen allesamt mega-erfolgreichen fünf Alben (keines schlechter als Platz 3, dreimal sogar Platz 1), serviert dazu on top mit Chris Janson, David Lee Murphy und Ricky Skaggs illustre Gäste.

Der an diesem Abend gesanglich und kommunikativ blendend aufgelegte Moore kann sich dazu auf eine sensationell gut auftrumpfende Begleitband, bestehend aus den superben E-Gitarristen Perry Coleman II (auch background vocals) und Josh Cross, dem famosen Keyboarder Kory Caudil (auch background vocals) , sowie der blendenden Rhythmusfraktion mit David Dubas (bass) und Powerdrummer Tucker Wilson (mit vielen ‚volumigen‘ Trommelhageln), verlassen, die sich mindestens zu 50% für das Gelingen dieses herrlichen Events mitverantwortlich zeigt.

Mit „Hank It“ und „Backwoods“ hat das einstige Basketball-Talent direkt zwei Einsteiger der Marke ‚besser geht’s nicht‘ parat, die sofort für mächtig Alarm sorgen. Da muss dann direkt die wunderschöne Ballade „Flyin’ Down A Back Road“ zum Durchatmen, aber auch zum Mitsingen des über die gesamte Dauer textfesten und immer wieder eingebundenen Publikums, herhalten.

Danach liefert er quasi ein, auch von der Anordnung mustergültiges Best Of-Programm (mit vielen seiner stimmungsvollen Hits wie u. a. „You Look Like I Need A Drink“, „Kinda Don’t Care“, „Til My Last Day“, „If Heaven Wasn’t So Far Away“ ab, das auch in großen ausverkauften Stadien, optimal seinen Zweck erfüllen würde.

Nach dem southern-rockigen „Bed Of My Chevy“ wird mit dem Einbinden der o. a. angeführten Gäste in den etwas traditionelleren Country-Modus umgeswitcht. Chris Janson begeistert neben seinem kauzigen Gesang auch mit einem klasse Harp-Solo beim Hank Williams jr.-Outlaw-Klassiker „Country State Of Mind“. David Lee Murphy erweist sich als idealer Partner beim Waylon Jennings-Feger „I Ain’t Living Long Like This“ und Neo-Traditionalist Ricky Skaggs ebenso beim schunkligen Heuler „Honey (Open That Door)“.

Das patriotische „Small Town USA“ (mit natürlich inbrünstigem Publikumsgesang und tollen Twin-E-Gitarren) ist die passende Initialzündung für ein Finale der Extraklasse, das mit dem textlich vulgären, oder gerade deswegen, höchst unterhaltsamen „I Could Kick Your Ass“ (klasse wie Justin das letzte Wort der Titelzeile „Aääääääs“ als seinen letzten Vokal-Akt im Hauptteil auseinanderzieht, danach folgt ein starkes Instrumentaloutro der Band) und der abermals launigen Zugabe „Point At You“, die wie eine Jam-Session aus The Who (Orgel), den Stones (E-Gitarren-Rhythmus), Skynyrd (E-Soli)und Bruce-Springsteen (Powergesang) rüberkommt (plus Verabschiedung von Band und Gästen), stimmungsmäßig kaum zu toppen ist. Southern New Country-Live-Stoff at its best!

Schade, dass dieser furiose Justin Moore-Gig nicht auch in visueller Form als DVD oder Blu-ray festgehalten wurde, dafür wird es einem aber leicht gemacht, das dementsprechende Kopfkino, ganz ohne virale Übertragungsrisiken, einzuschalten. Dafür erhält man nach dem Kauf  absolut tolle Musik (in dieser Hinsicht allerdings mit höchster Ansteckungsgefahr) in einem Top-Sound samt grandioser Stimmung, exklusiv in seinem Wohnzimmer. Man gönnt sich in diesen Zeiten ja sonst nichts…!

Valory Records/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Hank It
02. Backwoods
03. Flyin’ Down A Back Road
04. You Look Like I Need A Drink
05. Somebody Else Will
06. Bait A Hook
07. Kinda Don’t Care
08. Til My Last Day
09. If Heaven Wasn’t So Far Away
10. Lettin‘ The Night Roll
11. Bed Of My Chevy
12. Country State Of Mind (featuring Chris Janson)
13. I Ain’t Living Long Like This (featuring David Lee Murphy)
14. Honey (Open That Door) (featuring Ricky Skaggs And The Whites)
15. Small Town USA
16. I Could Kick Your Ass
17. Point At You

Justin Moore
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Universal Music Group

Keith Urban – The Speed Of Now – Part 1 – CD-Review

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Als ich 1999 Keith Urbans nach sich selbst betiteltes Studioalbum rezensierte, kannte ihn hier in Deutschland so gut wie niemand, geschweige, dass von ihm berichtet wurde. Schon damals prophezeite ich (ich zitiere mich selbst): „Keith Urban, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wird die Erfolgsleiter emporklettern und schon bald zu den nicht mehr wegzudenkenden Größen in Nashvilles New-Country-Szene gehören.“

2007, als ich ihn zum ersten Mal live im Kölner E-Werk erlebt hatte, stand er im Rahmen seiner Nicole Kidman-Liaison bereits in der Yellow-Press und auch musikalisch steckte er schon mitten im Big Business. Sein genreübergreifendes Talent war längst erkannt. Mit seinem ersten Nummer-1-Album „Be Here“ 2004 war der gebürtige Neuseeländer in die oberste Riege der Nashville-Stars aufgestiegen.

Seitdem arbeitet Urban höchsterfolgreich daran, die bestmögliche Schnittmenge zwischen Rock, Pop und Country auf seinen Alben zu realisieren und versucht, wenn nötig, auch noch weitere, von Aktualität bestimmte Strömungen, wie z. B. R&B oder Hip Hop, etc. wohl dosiert mit einzuflechten.

Und so verhält es sich auch auf seinem neusten Werk „The Speed Of Now – Part 1“, das mit 16 Stücken voll bepackt ist. Auch wenn der poppige Opener mit Gästen wie Breland und Disco-Ikone Nile Rogers (Chic) „Out The Cage“ schön schmissige und treibende Elemente aufweist, muss man als eher Country- und Rock-verwurzelter Kritiker erstmal tief durchatmen und hofft zugleich, dass dies nicht der rote Faden für den weiteren Verlauf des Werkes sein möge.

Dem ist dann auch nicht so (lediglich die unsäglichen, momentan leider wohl unverzichtbaren Drum-Loops in Dauerschleife nerven etwas), auch wenn es zunächst mit Chartblick, im Star-Duett mit Pop-Sternchen Pink, mit einem für beider Verhältnisse, eher braven Schmuse-Ballädchen, weitergeht.

Mit dem stadiontauglichen „Live With“ findet Urban dann aber in die Spur und serviert ein immer, auf ins Ohr gehende Melodien bedachtes Konglomerat aus Rock, Pop und Country in allen Tempi und Stimmungen, vollgestopft mit Hitpotential (potentielle Kandidaten: „Superman“, „Soul Food“, „Ain’t It Like A Woman“, „With You“,  das karibisch-angehauchte „Polaroid“), wobei er seine variablen Gitarren-, bzw. Ganjo-Künste immer wieder akzentuiert aufblitzen lässt.

Ja, beim starken Southern Rocker „Forever“ , wo er am Ende sogar mal richtig die ‚E-Gitarren-Sau‘ raushängen lässt, läuft er sogar zur Form seiner ganz frühen Tage auf. Auch das trashige, in Big & Rich-Manier polternde „Tumbleweed“ mit starkem Wah-Wah-Solo, macht richtig Laune. Und am Ende gibt es mit „We Were“ einen saustarken Song gleich in zweifacher Version: Einmal Urban solo (hätte ich persönlich aber eher irgendwo in den Anfangsbereich des Albums platziert) und direkt anschließend als finalen Track mit Eric Church als Co-Sänger, in dieser Fassung zusammen mit dem oben erwähnten „Forever“ für mich das Highlight des Longplayers.

Mit „The Speed Of Now – Part 1“ hat der ewig-junge Sonnyboy wieder sein Gespür für die Zeit erwiesen, und in diesen Tagen mit High-Speed, Platz 1 in den Billboard-Country-Album-Charts erklommen. Die Scheibe gefällt tatsächlich mit jedem Hördurchgang besser. Der Titel suggeriert bereits einen Nachfolger mit ähnlichem Konzept. Keith Urban scheint weiterhin heiß darauf zu sein, auch in Zukunft, ganz oben mitzumischen.

Capitol Nashville/Universal (2020)
Stil: New Country

01. Out The Cage (mit Breland & Nile Rogers)
02. One Too Many
03. Live With
04. Superman
05. Change Your Mind
06. Forever
07. Say Something
08. Soul Food
09. Ain’t It Like A Woman
10. With You
11. Tumbleweed
12. God Whispered Your Name
13. Polaroid
14. Better Than I Am
15. We Were
16. We Were (mit Eric Church)

Keith Urban
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Universal Music

Brothers Osborne – Skeletons – CD-Review

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Review: Michael Segets

Seitdem die beiden Brüder John und T. J. Osborne von Maryland nach Nashville übergesiedelt sind, schwimmen sie auf einer Erfolgswelle. Ihr Debüt „Pawn Shop“ (2012) spielte Gold ein und einige Singles verzeichnen sogar Platin-Status. Für ihr zweites Album „Port Saint Joe“ erhielten sie eine von bisher sechs Grammy-Nominierungen. Mit dem aktuellen Longplayer „Skeletons“ treten die Brüder nun an, um den Erfolg fortzusetzen.

Dafür setzen die Osbornes auf starke Medienpräsens. Nachdem die Tour im Sommer, die sie zusammen mit George Strait sowie Chris Stapleton planten, Corona zum Opfer gefallen ist, promoteten sie die erste Single „All Night“ in mehreren Auftritten und spielten mit Brandi Carlile, Miranda Lambert, Little Big Town und Brooks & Dunn.

„All Night“ stieg dann auch direkt in die Country-Charts ein. Der poppig-rockige Song bekommt durch die Stimme von T. J. einen rootsigen Country-Touch. Als moderne Vertreter des New Country zeigen sich die Brothers Osborne sowieso offen für Pop- und Rock-Elemente. In Richtung Pop geht „Hatin‘ Somebody“, dessen Ende in einer längeren Instrumentalpassage gipfelt. Zum Rock schlägt die Nadel beim Opener „Lighten Up“ und bei „All The Good Things Are“ aus.

Neben dem gefälligen „High Note“ und der voll instrumentierten Ballade „Make It A Good One“ zeigen die Geschwister, dass sie auch Songs mit Ecken und Kanten schreiben können. Richtig aufs Tempo drückt das energiegeladene „Dead Man’s Curve“. Das kurze Instrumentalstück „Muskrat Greene“ wird durch eine Kombination von einer Honky-Tonk-Gitarre auf Acid und aufgekratztem Piano getrieben.

Diejenigen, die es etwas Country-lastiger mögen, kommen mit „Back On The Bottle“ auf ihre Kosten. Der Rhythmus wechselt im Refrain in einen schunkeligen Dreivierteltakt, wodurch das Stück zusammen mit den rockig gehaltenen Gitarren einen hohen Wiedererkennungswert erhält. „Old Man’s Boots“ ist eine erdige Ballade, bei der die Osbornes die Begleitung etwas zurücknehmen. Der Song mit dezentem Slide bildet den unverkrampften Abschluss der Scheibe.

Die beiden aus meiner Sicht besten Stücke des Werks spiegeln die Varianz der Brothers Osborne wider. „I’m Not For Everyone” steht für die eingängigen, radiotauglichen Melodien, „Skeletons” für die kraftvollere Seite des Duos. Vor allem der stampfende Rhythmus und die staubige Gitarre verströmen beim Titeltrack eine aggressive Atmosphäre.

Beim Songwriting holten sich die Brothers Osborne Unterstützung von Lee Miller, Craig Wiseman, Natalie Hemby und Casey Beathard, die sich in der Nashville-Szene bereits einen Namen machten. Der Produzent Jay Joyce sorgte für den vollen und sehr klaren Sound von „Skeletons“.

Mit ihrem dritten Album bekommen die Brothers Osborne das Kunststück fertig, mainstreamtaugliche Songs und rauere Kompositionen so zu verbinden, dass kein Bruch entsteht. „Skeletons“ klingt einerseits an die Vorlieben des breiten Publikums angepasst und andererseits dennoch individuell. Es bleibt daher nicht verwunderlich, dass sich die Singles des Duos tendenziell besser verkaufen als die Alben. Die Innovationen fallen insgesamt moderat aus, aber die jungen Männer beleben mit ihnen durchaus die New-Country-Sparte.

EMI Nashville/Universal Music (2020)
Stil: New Country

Tracks:
01. Lighten Up
02. All Night
03. All The Good Ones Are
04. I’m Not For Everyone
05. Skeletons
06. Back On The Bottle
07. High Note
08. Muskrat Greene
09. Dead Man’s Curve
10. Make It A Good One
11. Hatin’ Somebody
12. Old Man’s Boots

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EMI Nashville/Universal Music
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Elizabeth Cook – Aftermath – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Dass amerikanische Country-Musik hierzulande manchmal auf wenige Superstars und eine Stilrichtung reduziert wird, hat für interessierte Fans dieses Genres mitunter den Nachteil einer erheblich eingeschränkten Berichterstattung. Sounds Of South hat es sich daher auch zur Aufgabe gemacht, einem hier kaum bekannten, aber gleichwohl (in den Staaten) arrivierten Kreis von Künstlern eine ‚Bühne‘ zu bieten.

Zu diesen in Deutschland leider bisher weitgehend unbeachtet gebliebenen ‚Country Women‘ gehört zweifellos Elizabeth Cook, die vor gut 20 Jahren in Nashville debütierte und mit ihren über 400 Auftritten in der Grand Old Opry eine Bestmarke hält. Cook, die aus Florida stammt und 2014 den AM-Award in der Kategorie „Outlaw Female“ gewann, moderiert seit Jahren zudem ihre eigene Radio Show „Apron Strings“ bei Sirius XM Radio. Ihre vier Auftritte in der Late Night Show von David Lettermann sind durchweg sehenswert und gekrönt von einem Duett mit Jason Isbell und dem Townes Van Zandt-Cover „Pancho And Lefty“.

Nach einer Zeit schmerzlicher, familiärer Einschnitte und Erfahrungen legt Elizabeth Cook nun mit „Aftermath“ ein autobiographisches Album vor und verarbeitet ihre Erinnerungen in 12 Eigenkompositionen. Zusammen mit Produzent Butch Walker (Weezer, Green Day, Taylor Swift) hat Cook eine Palette aus Americana, Folk und Country-Songs arrangiert, die ihre Reflektionen gefühlvoll, wie beim Opener „Bones“, im rhythmischen Psych-Rock oder bei „Bad Decisions“ als Alternativ-Track bodenständig wiedergeben. Diese Nachwirkungen ihrer persönlichen Rückschläge werden als ‚zweite Ernte‘, wie es Cook beschreibt (ein Synonym für „Aftermath“), ausgebreitet und auch akustisch-experimentell, z.B. in „When She Comes“ oder der ansprechenden Country-Ballade „These Days“, geradezu hautnah und verwundbar beschrieben.

Eindrucksvolle Story-Telling-Songs („Stanly By God Terry“ oder „Half Hanged Mary“) verbreiten ihre vertraulichen Lyrics im passenden Sound-Gewand, das etwas an Stevie Nicks erinnert. Old-School Country-Stücke werden bei „Thick Georgia Woman“, einer Ode über Südstaaten-Frauen und „Two Chords And A Lie“ wirkungsvoll aufgeboten, um das Spektrum des Albums in seiner Vielfalt des Great American Country zu unterstreichen. Hervorzuhebende Höhepunkte bilden gleichzeitig die intensive Ballade „Daddy, I Got Love For You“, sowie der an den John Prine-Klassiker angelehnte Song „Mary, The Submissing Years“ (im Original „Jesus, The Missing Years“), ein typischer Country Talking Blues, der zum Abschluss den Longplayer vollendet.

Elizabeth Cook, die von National Public Radio (einer gemeinnützigen US-Medienorganisation) als „Treasure Of The Americana Singer/Songwriter Scene“ bezeichnet wurde, hat mit ihrem 7. Album „Aftermath“ ein erfrischend authentisches Werk eingespielt, das ihre persönliche Unabhängigkeit und musikalische Resilienz nach schwierigen Zeiten bemerkenswert offen und ehrlich thematisiert – eine charismatische, Stimme aus Nashville, die ihr wirkungsvolles Songwriting erneut unter Beweis stellt.

Agent Love (2020)
Stil: Country

Tracklist:
01. Bones
02. Perfect Girls Of Pop
03. Bad Decisions
04. Daddy, I Got Love For You
05. Bayonette
06. These Days
07. Stanley By God Terry
08. Half Hanged Mary
09. When She Comes
10. Thick Georgia Woman
11. Two Chords And A Lie
12. Mary, The Submissing Years

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