Tim McGraw – Here On Earth – CD-Review

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Hier auf Erden zählt Tim McGraw zu den zweifellos größten Countrystars der letzten Dekaden. Da können ihm von den heute lebenden Künstlern vielleicht gerade noch Garth Brooks, George Strait oder Alan Jackson, annähernd das Wasser reichen.

Ein kurzer Auszug in die ihn umgebende Superlative: Er hat weltweit mehr als 50 Millionen Platten verkauft und die Charts mit 43 weltweiten Nr. 1-Singles und 16 Nr. 1-Album-Veröffentlichungen dominiert. Er hat 3 Grammy Awards, 16 Academy of Country Music Awards, 14 Country Music Association Awards gewonnen. Zu seinen großen Erfolgen in seiner Karriere gehören die Ernennung zum meistgespielten Künstler des Jahrzehnts für alle Musikgenres beim BDS Radio und die Auszeichnung für „Something Like That“ als meistgespielter Song eines Jahrzehnts für alle Musikgenres.

Auch wenn meiner Ansicht nach die stärkste Zeit, von 1995 mit seinem Album „All I Want“ bis zum Werk mit seinen Dancehall Doctors 2002, recht lang zurückliegt, hält man jedoch bei einer Neuveröffentlichung von seiner Seite, immer gespannt den Atem an.

Nach einem kurzen Intermezzo mit Gattin Faith Hill bei Arista Nashville ist McGraw nun zu Big Machine Records zurückgekehrt und veröffentlicht mit „Here On Earth“ sein insgesamt 16. Studioalbum und hat passend dazu satte 16 Tracks eingesungen.

Angesichts seiner überragenden Erfolge ist der Protagonist nie auf großartige Kreativität angewiesen gewesen, bei ihm und seinem Langzeit-Spezi Byron Gallimore, der diesen Longplayer wieder mit Tim zusammen produziert hat, war es immer die Kunst, leibgeschneiderte Lieder einzukaufen.

So tauchen dann auch hier wieder eine Armada von arrivierten Songwritern (Tom Douglas, Shane McAnally, Wendell Mobley, Neil Thrasher, Marv Green, etc.) auf, die für absolute Topqualität und Hitgarantien stehen. Schön, dass Tim dann auch immer als Pusher für andere Musiker wie Jaren Johnston (The Cadillac Three), Lori McKenna oder den Warren Brothers fungiert, und kontinuierlich auf deren kompositorische Dienste zurückgreift.

Eingespielt haben die Songs natürlich auch die üblichen Qualitätsgaranten auf diesem Niveau wie u. a. Ilya Toshinsky, Gordon Mote, Shannon Forrest, Michael Landau, Glenn Worf und Dan Dugmore.

Am Anfang des Werkes hat man beim Streicher-untermalten „L.A.“, dem Elton John-inspirierten „Chevy Spaceship“ oder dem keltisch angehauchten Titelsong, so das Gefühl, als wenn der Protagonist, passend zum Sternen-verzierten Firmament auf dem Cover, musikalisch in neue Galaxien entschweben möchte.

Danach pendelt sich eigentlich aber alles im gediegenen Midtempobereich ein, der schön instrumentiert, seiner prägnanten Stimme den Raum zur Entfaltung gibt. Die stärkste Phase der CD spielt sich aus meiner Sicht zwischen den Tracks 6-8 ab, dem beschwingt groovenden „Good Taste In Women“, dem Piano-E-Gitarren-verzierten „Hard To Stay Mad At“ und McGraws Adelung von Sheryl Crow im gleichnamigen Song, wo er der Musikerin ein emotionales Denkmal (vermutlich für ihr Lebenswerk) setzt. Für mich das Highlight der CD.

Bei Stücken wie „7500 OBO“ und „If I Was A Cowboy (herrlich hymnisches E-Gitarren-Solo)“ lässt er sporadisch die Stärken aus seiner Frühzeit aufblitzen, mit dem zum Muttertag als Single mal wieder perfekt platzierten „I Called Mama“ gibt es den gefühlsbetonten Stoff für die US-Charts.

Klasse gemacht ist das spacige Cover-Artwork. Das Titelfoto gibt es auf er Rückseite des 9-seitigen Faltbooklets noch mal als Poster. Fazit: Tim McGraw erweist sich trotz allen Stardoms als geerdeter Künstler und festigt mit seinem neuen, durchgehend angenehm zu hörenden Longplayer „Here On Earth“ auch weiterhin den Status Quo als einer der maßgebenden (New) Countrymusiker dieser Zeit.

Big Machine Records/Universal (2020)
Stil: New Country

01. L.A.
02. Chevy Spaceship
03. Here On Earth
04. Damn Sure Do
05. Hallelujahville
06. Good Taste In Women
07. Hard To Stay Mad At
08. Sheryl Crow
09. Not From California
10. Hold You Tonight
11. 7500 OBO
12. If I Was A Cowboy
13. I Called Mama
14. Gravy
15. War Of Art
16. Doggone

Tim McGraw
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Universal Music

Lindsay Ell – Heart Theory – CD-Review

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Einen Grund, so grimmig drein zu schauen, wie auf dem Cover ihres neuen Longplayers „heart theory“, dürfte Lindsay Ell in Wirklichkeit eigentlich gar nicht haben. Denn es läuft, zumindest was die Musikkarriere betrifft, doch ausgesprochen gut.

Mit viel Fleiß und Können hat sich sich die gebürtige Kanadierin, in die Riege der weiblichen Nashville-Stars im Mainstream-New Country-Segment à la Underwood, Rimes, Morris, Ballarini, Barrett & Co. vorgearbeitet, nicht zuletzt wurde sie von großen Stars wie u. a. Keith Urban, Luke Bryan, Buddy Guy, Big & Rich, Ronnie Dunn oder Chris Isaak schon als Support bei ihren Touren gebucht.

Ell_450Dass sie sich aber auch nicht zu schade ist, ‚Klinken zu putzen‘, bewies sie z. B. gerade bei uns in Deutschland , wo sie zuletzt (noch in der Vor-Corona-Zeit) gleich zweimal im kleinen Kölner Blue Shell auftrat, einmal beim Gig mit Unterstützung von Walker McGuire, das andere Mal als Headlinerin der SOUND OF NASHVILLE-Reihe von Semmel Entertainment. Dabei entpuppte sie sich als kleiner lebenslustiger Wirbelwind ohne Berührungsängste, den man eigentlich sofort in sein Herz schließt.

Apropos Herz, wie es allerdings in ihrem Privat-, beziehungsweise ihrem Liebesleben aussieht, darüber kann man allerdings nur spekulieren. Die Texte ihrer Stücke des neuen Werkes, das in zwölf Tracks sieben Phasen der Trauer behandelt, lassen da allerdings nicht viel Gutes vermuten. Schock, Leugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Austesten und Akzeptanz, sind die Schlagworte, um die es hier in erster Linie geht.

„Wenn Musiktheorie die Wissenschaft der Musik ist, dann ist ‚heart theory‘ die Wissenschaft des Herzens. Ich hoffe, dieses Album kann ein Trost sein, wenn man ihn braucht, eine Bestätigung, wenn man sich wieder mal selbst daran erinnern muss, an sich zu glauben – oder einfach ein Blick auf das, was einen zu dem gemacht hat, was man heute ist“, so die Protagonistin zur Intention ihres Handelns.

Der von Dann Huff produzierte Longplayer bringt dann Lindsays Stärken auch in allen Belangen auf den Punkt: Ihr Songwriting-Talent mittels eingängiger und melodischer Country Pop-Rock-Lieder, meistens mit Powerrefrains (darunter sind aber auch ein paar ruhigere Nummern), ausdrucksstarker Gesang und tolle Gitarrenarbeit. Ich glaube, kein anderer als Huff kann Gitarrensoli besser in Szene setzen, und hier ergänzen sich beide in nahezu allen Stücken exzellent. Damit der Nashville-Nimbus gewahrt bleibt, wurde natürlich auch die eine oder andere Steel-Eingabe untergebracht („i don’t lovE you“, „good on you“, „make you“).

Ell2In ihren Kölner-Konzerten vermerkte sie ihren ausgesprochenen Faible für John Mayer, den man hier in Tracks wie u. a. „Hits me“, „good on you“ oder „The oTHEr side“, besonders in den E-Gitarren-Soli, wiederfindet. Trotz aller überwiegend textlicher Negativ-Stimmung gibt es mit dem Titel „ReadY to love“ zum Abschluss, dann doch den positiven Blick nach vorne, wo Ell „I’m ready to feel, to trust and to love again“ energisch und voller Emotion intoniert.

Für den, der sich über die eigenartige Schreibweise der Titel wundert, hier die Auflösung: Die Großbuchstaben, ergeben aneinandergereiht, genau den Titel des Albums.

Stoney Creek Records (2020)
Stil: New Country

01. Hits me
02. how good
03. i don’t lovE you
04. wAnt me back
05. get oveR you
06. wrong girl
07. body language of a breakup
08. good on you
09. The oTHEr side
10. gO to
11. make you
12. ReadY to love

Lindsay Ell
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Oktober Promotion

Luke Bryan – Born Here Live Here Die Here – CD-Review

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Luke Bryans Werdegang in Nashville ist seit Beginn des neuen Jahrtausends eine einzige Erfolgsgeschichte, auch wenn es zunächst einige Zeit brauchte, um in ‚Music City‘ Fuß zu fassen. Spätestens aber mit seinem Debütalbum „I‘ll Stay Me“ im Jahre 2007 und seinem ersten Nr.1-Werk „Tailgates & Tanlines“ hat sich der ursprünglich aus Leesburg, Georgia stammende Countrymusiker unter den Superstars der Szene etabliert.

Mit heimatverbunden Schlagwörtern „Born Here Live Here Die Here” schickt er seinen nun mehr 7. Longplayer ins Rennen um die Billboard-Pole-Position, der allerdings mit nur 10 Tracks und knapp 35 Minuten Spielzeit auch sein wohl kürzestes Stelldichein abgibt. Bei New Countrykünstlern wird ja die oft fehlende Authentizität kritisiert, oft heißt es, dass von Dingen gesungen wird, die man gar nicht erlebt hat.

Auch der der Titel seiner neuen CD könnte hierzu ein willkommener Anlass sein, denn Bryan hat seinen Lebensmittelpunkt ja längst vom ländlichen Georgia in die berühmte Musikmetropole Tennessees verlegt. Da er jedoch aufgrund des tödlichen Autounfalls seines Bruders lange seine Passion zu Gunsten der Familie hinten anstellte und von seinem Vater geradezu genötigt wurde, sein Glück in Nashville zu versuchen, hat das Titelstück bei ihm trotzdem durchaus seine glaubwürdigen Züge.

Was mir diesmal gut gefällt, ist das Bryan ein gutes Gespür für die im Moment schweren Zeiten der meisten seiner Landsleute aufweist. So trägt er diesmal, eigentlich unüblich für Künstler seines Status‘, alles andere als dick auf und serviert ein unaufgeregtes, angenehm ins Ohr fließendes Werk, bei dem man sehr gut entspannen kann.

Die Produzenten Jody und Jeff Stevens, die vielen bekannten Songwriter (diesmal mit starker Präsenz von dem uns auch gut bekannten Josh Thompson) und ausgezeichneten Musiker wie u. a. JT Corenflos, Adaam Shoenveld,  Rob McNelley, John Willis, Ilya Toshinsky, Greg Morrow, Mark Hill, tun ihr Übriges zum Gelingen des Projekts.

Den aufheiternden Momenten mit Stücken wie dem Opener „Knockin‘ Boots“, „What She Wants Tonight“, dem süffigen „One Margarita“ (mit integrierter Huldigung von Musikern wie Jimmy Buffett, Bob Marley und Kenny Chesney) und dem flockigen Rausschmeißer „Down To One“, stehen mit dem Titelstück, dem Ohrwurm „Too Drunk To Drive“ (Keith Urban-Anfangstage-Flair), dem retro-mäßigen „Little Less Broken“, dem Vater-Sohn-Stück „For A Boat“ und „Where Are We Goin’“ (geschrieben von Bryan und Brent Cobb, tolle Harmonies von Chancie Neal), eher unspektakuläre, einfühlsame Songs über das familiäre Alltagsleben gegenüber.

Emotionaler Höhepunkt, ist natürlich „Build Me A Daddy“, ein Song, in dem ein kleiner Junge seinen Vater (ein bei einem Einsatz verstorbener Soldat), von einem Handwerker in kindlicher Naiivität nahe seiner Idealvorstellungen nachgebildet haben möchte. Das dürfte besonders im patriotischen Amerika, natürlich den Nerv der Leute treffen.

Luke Bryan überrascht auf seinem neuen Werk „Born Here Live Here Die Here” mit Zurückhaltung und Einfühlsamkeit und liefert doch eines seiner stärksten Alben ab. Manchmal braucht es halt nicht viel mehr als einen guten Sänger, einige schöne Melodien mit einem klasse gespielten E-Gitarrensolo, um einen Musikkritiker wie mich zu überzeugen. Gut gemacht, Luke Bryan!

Capitol Records/ Universal Music (2020)
Stil: New Country

01. Knockin‘ Boots
02. What She Wants Tonight
03. Born Here Live Here Die Here
04. One Margarita
05. Too Drunk To Drive
06. Build Me A Daddy
07. Little Less Broken
08. For A Boat
09. Where we Are Goin‘
10. Down To One

Luke Bryan
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Universal Music

Cory Marks – Who I Am – CD-Review

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Fulminantes Country Rock-Debüt vom Kanadier Cory Marks, produziert vom preisgekrönten Produzenten Kevin Churko (u. a. Britney Spears, Ozzy Osbourne, Shania Twain, Slash, Hinder, Emerson Drive)!

Dabei deutete bei dem aus North Bay, Ontario, stammenden Burschen, mit einer Passion für Country- und Rockmusik, als auch für die Fliegerei, zunächst alles auf eine erfolgreiche Eishockey-Karriere hin (solche Biografien interessieren mich immer besonders, da ja auch ich zu meiner Sturm- und Drangzeit viele Jahre lang zu den besten deutschen Tischtennisspielern zählte), bis er eines Abends in einer kleinen Bar von seinen Teamkollegen auf die Bühne zitiert wurde.

Nachdem das Publikum auf seinen Kurz-Set begeistert reagiert hatte und er fortan in dem Club regelmäßig spielen durfte, weitete er seine musikalischen Aktivitäten bis in die USA aus und durfte letztendlich irgendwann Größen wie Toby Keith oder Brantley Gilbert supporten.

Jetzt präsentiert Cory Marks mit seinem ersten Longplayer „Who I Am“ sein musikalisches Ich unter der Fahne von Better Noise Music. Da Eishockey-Spieler ja oftmals für ihre erhöhten Testosteron-Werte bekannt sind, enthält der Silberling überwiegend kraftstrotzende zünftige Country Rocker, aber auch die eine oder andere Herz-Schmerz-Ballade.

Kevin Churko, der mit Sohnemann Kane und Cory die meisten Tracks zusammen kreiert hat, beweist aufgrund seiner langjährigen Erfahrung auf beiden Terrains stilsicher, Country und Rock in eine erfolgversprechende Symbiose zu verwandeln.

Klasse direkt der treibende Opener, wo Marks im Refrain die warnende Worte zum Besten gibt „her angel’s smile, is a devil’s grin“ (wer in seinem Leben viel mit Frauen – besonders den hübschen der Zunft – zu tun hat, weiß, wo von er spricht…).

Herrlich und sicher mit eines der absoluten Highlights eines aber an sich durchgehend guten Werkes, ist das folgende „Outlaws & Outsiders„, bei dem Cory charismatische gesangliche Unterstützung, von den sich mächtig ins Zeug legenden Travis Tritt und Five Finger Death Punch-Fronter Ivan Moody erhält, als auch durch Mötley Crüe-Gitarrist Mick Mars mit einem klasse Solo auf seiner abgewetzten Stratocaster. Grandioser Song!

Das flockige „Good To Be Us“ mit seiner knackigen E-Gitarren-Hook und dem Powerrefrain könnte eines der Radio-Kandidaten abgeben, aber auch die melodischen „Drive„, „Better Off“ und das schön schmachtende Duett „Out In The Rain“ mit Metal-Sängerin Lzzy Hale (Halestorm), die sich hier im Stile einer Robin Beck, Lita Ford, oder Kim Carnes offenbart, haben reichlich Hit-Potential.

Bis auf das countryeske „My Whiskey, Your Wine“ (Merle Haggard-inspiriert), das in zwei Versionen eingespielt wurde, die sich allerdings nur marginal unterscheiden (beide sind auch gleich lang), dominiert ansonsten bei Songs wie „Blame It On The Double“, „Who I Am“, „Keep Doing What I Do“ und dem Bonusstück „She’s Hollywood“ (sehr schön die Refrainzeile „I’m a redneck, she’s Hollywood“) eher die rockige Vorliebe des Protagonisten.

Vieles erinnert mich dabei an die draufgängerische Art seiner kanadischen Kollegen von Dry County oder Interpreten wie Chris Cagle, Black Stone Cherry, Caleb Johnson, Brantley Gilbert oder Jason Aldean auf der US-Seite.

Cory Marks setzt mit seinem Debüt „Who I Am“ eine erste vielversprechende Duftmarke im Rock-umwobenen Country-Revier, die mit Argusaugen besonders von den Managements der bisherigen Platzhirsche, Brantley Gilbert und Jason Aldean, verfolgt werden dürfte. Fette zukünftige Konkurrenz für beide. Bitte mehr davon, Cory Marks!

Better Noise Music (2020)
Stil: Country Rock

01. Devil’s Grin
02. Outlaws & Outsiders
03. Good To Be Us
04. Blame It On The Double
05. Another Night In Jail
06. Who I Am
07. Drive
08. Better Off
09. My Whiskey, Your Wine
10. Keep Doing What I Do
11. Out In The Rain
12. She’s Hollywood (Bonus)
13. My Whiskey, Your Wine – Acoustic Version – (Bonus)

Cory Marks
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The Chicks – Gaslighter – CD-Review

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Dass es beim Comebackalbum „Gaslighter“ nach satten 14 Jahren Pause der ehemaligen, vielfach Grammy-prämierten Dixie Chicks nicht ohne großes Tamtam in diesen Zeiten einhergehen würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Die Ära Trump, #MeToo, Corona und die neu aufkommende Rassendiskussion boten da genügend Zündstoff, um sich als politisch motivierter Act, hochaktuell zu profilieren.

Da wurde zunächst mal das symbolträchtige Wort ‚Dixie‘ als Synonym für den Süden aus dem Bandnamen verbannt und publicity-wirksam neu unter The Chicks firmiert. Ich finde es persönlich ein wenig kurz gedacht. Zum einen hat das Wort die drei Damen, als es gut lief, lange Zeit nicht gestört, zum anderen sollte man, als Menschen, die gelernt haben, differenziert zu denken, Leute nicht anhand von Symboliken über einen Kamm scheren, sondern sie nach ihrem Handeln beurteilen. Viele Arschlöcher, aber auch genügend gute und anständige Menschen  (ich hoffe sogar überwiegend), gibt es überall auf der Welt, auch im Süden der USA.

Der Titel des Albums „Gaslighter“, der in der Psychologie eine Form von psychischer Gewalt bzw. Missbrauch durch Leute bezeichnet, mit der Opfer gezielt desorientiert, manipuliert und zutiefst verunsichert werden, kann natürlich breitgefächert interpretiert werden und bietet der Kritikerschaft, wer da jetzt alles angesprochen sein könnte, Diskussionsstoff en masse.

Das von Jack Antonoff (u. a. Taylor Swift, Lorde, St. Vincent, Lana Del Rey, Kevin Abstract, Carly Rae Jepsen) zusammen mit den Dreien produzierte Werk bietet insgesamt musikalisch eine solide New Countrykost.

Die immer noch etwas jungenhafte Stimme von Natalie Maines (Vater Lloyd ist mit ein paar Steeleinlagen auch vertreten), die man mögen muss, bildet den kräftigen Mittelpunkt, die Kolleginnen Marty Maguire und Emily Strayer sorgen für die obligatorischen Harmoniegesänge und beweisen, dass sie auf ihren Instrumenten (Violine, Viola, bzw. Banjo, Akusikgitarre, Mandoline, Dobro und Ukulele nichts verlernt haben.

Die wohl markantesten Tracks wie das Titellied „Gaslighter“ (eingängiger kräftiger Refrain) und das musikalisch schön swampig gestaltete „March March“ wirken natürlich mit den dazugehörenden plakativen Videos im Hintergrund noch besser.

Ansonsten bieten die restlichen Lieder, recht reduzierten, aber immer genau auf den Punkt gebrachten New Country, der in der zweiten Hälfte phasenweise allerdings auch ein wenig ermüdend wirkt.

Von einem Meisterwerk zu sprechen, halte ich von daher für etwas übertrieben. Im Prinzip ist den Chicks bei ihrer ‚Rückkehr‘ ein ordentliches Album mit ein paar Highlights gelungen, das musikalisch aber nicht viel mehr hergibt, als man es von Acts wie z. B. Little Big Town, The Highwomen oder Mary Gauthier, Lori McKenna, etc. in den letzten Jahren (aber natürlichvon weniger politischer Natur und unglamouröser inszeniert) bereits vielfach geboten bekommen hat.

Monument (Sony) (2020)
Stil: New Country

Tracklist:
01. Gaslighter
02. Sleep at Night
03. Texas Man
04. Everybody Loves You
05. For Her
06. March March
07. My Best Friend’s Weddings
08. Tights on my Boat
09. Julianna Calm Down
10. Young Man
11. Hope It’s Something Good
12. Set Me Free

The Chicks
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Another Dimension

Brett Eldredge – Sunday Drive – CD-Review

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Beim Namen Brett Eldredge befällt mich ein gewisser Wehmut. War er es doch als letzter New Country-Künstler, den ich in einem Live-Konzert erleben durfte und zwar im Kölner Carlswerk. Das war im Januar diesen Jahres. Dann kam irgendwann Corona…

Dort gab er sich, wie auch schon auf seinen ganzen Alben, als smarter, lebhafter und noch voller Tatendrang agierender Fronter, dessen Erfolg in Nashville nicht von ungefähr kommt. Dazu ist er noch ein echter Frauentyp und ausgestattet mit einer tollen Charakterstimme. Beim Konzert zeigte er, speziell im Akustikpart, allerdings auch seine gefühlvollere Seite.

Die rückt jetzt auch im neuen, von Daniel Tashian und Ian Fitchuk produzierten Album „Sunday Drive“ (beide zeichneten sich auch für Kacey Musgraves’ „Golden Hour“ verantwortlich) schwerpunktmäßig in den Fokus.

Bre_450Statt radiotauglichem pop-rockigem New Country für die Billboard-Charts, konzentriert Eldredge sich auf (besonders für ihn) zurückhaltend instrumentierten Singer/Songwriter-Stoff, bei dem Piano, Streicher (manchmal sogar auch ein wenig kammermusikartig) und Akustikgitarren, samt ganz dezenter Countryingredenzien (E-Gitarre, Mandoline, Steel) im Vordergrund stehen.

Besonderer Vorteil: Seine eh schon fantastische Stimme, rückt noch intensiver in den Vordergrund, teilweise kommen sogar Assoziationen mit Charismatikern wie Jackson Browne, Billy Joel, Ray Charles, Bruce Hornsby, sogar Frank Sinatra („Fix A Heart“, „Paris Illinois“) bis hin zu Phil Vassar, Radney Foster oder Pat Green (diese Scheibe erinnert mich z. B. sehr an seine „Songs We Wished We’d Written“-Sachen) aus dem countryesken Bereich auf.

Es macht wenig Sinn hier einzelne Tracks hervorzuheben, auch wenn ich nicht verhehlen möchte, dass das southern-soulige „Magnolia“, „When I Die“ (ABB-„Melissa“-Note“) und „Gabrielle“ (mit schöner pettyesken Akustikgitarren-Zwischenenhook), sicherlich zu meinen Favoriten zählen.

Brett Eldredges „Sunday Drive“ eignet sich gewiss nicht nur für ‚Sonntagsfahrer‘. Eigentlich kann man die CD bei nahezu jeder Gelegenheit als perfekte Hintergrundmusik nutzen, bei der sowohl schön entspannt, allerdings gerne auch intensiv zugehört werden darf. Tolle Scheibe, der neue Stil passt zu Brett Eldredge!

Warner Music (2020)
Stil: New Country

01. Where The Heart Is
02. The One You Need
03. Magnolia
04. Crowd My Mind
05. Good Day
06. Fall For Me
07. Sunday Drive
08. When I Die
09. Gabrielle
10. Fix A Heart
11. Then You Do
12. Paris Illinois

Brett Eldredge
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Gabby Barrett – Goldmine – CD-Review

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Ob die recht häufig vorkommenden Doppelkonsonanten in Gabby Barretts Namen, Warner Music dazu animiert haben, eine Zweifach-Vermarkungsstrategie aus Country und Pop, mit der American Idol-Top3-Finalistin zu fahren, mag wohl eher unwahrscheinlich sein. Das Prinzip der Gewinnmaximierung liegt nun mal in der Natur eines fast jeden Großkonzerns.

Die Protagonistin hat allerdings auch eine so hervorragende und variable Stimme, dass sie sogar darüber hinaus, bis in Southern- oder auch Melodic Rock-Gefilde problemlos kompatibel wäre, wie es Stücke der Marke „Jesus And My Mama“ (da braucht sie sich wahrlich nicht hinter einer Dale Krantz verstecken) oder „Goldmine“ (da lassen Lita Ford, Lee Aaron oder Robin Beck grüßen), eindrucksvoll darlegen.

Dass es ihr auch nicht an Selbstbewusstsein zu mangeln scheint (wer steigt schon beim Debüt in jungen Jahren auf dem Cover direkt in einen goldenen Anzug?) und sie oben drauf vielversprechende kompositorische Fähigkeiten besitzt (Gabby hat bis auf zwei Tracks hier alle mitgeschrieben), macht sie zu einem echten Goldstück für das Label.

Mit dem Opener „I Hope“, den es am Ende noch mal im Duett mit Popsänger Charlie Puth gibt, hat sie auf jeden Fall direkt einen doppelten Paukenschlag gesetzt: mehr als 10 Millionen Streams in einer Woche, dazu die erste Debüt-Single einer Künstlerin in den US-Country-Radiocharts seit 2017, die Nr. 1 erreicht hat.

„Thank God“ und „Jesus And My Mama“ werden vermutlich, wie die Titel es schon suggerieren, zudem auch bei der in den USA nicht unwichtigen Christian-Musik-Gemeinde punkten können. Gleiches gilt textlich für „Got Me“.

Das von Russ Copperman produzierte Album setzt natürlich überwiegend auf poppigen modernen Charakter (Drum-Loops, dezent akzentuierte Synthies, chorale Harmoniegesänge, typische Powerrefrains, R&B-Noten), Vergleiche auch allein schon wegen wegen des Aussehens, mit Carrie Underwood, kommen unausweichlich in den Sinn. Bei manchen Tracks näselt sie sogar wie die gute Shania Twain („Write It On My Heart“, „You’re The Only Reason“, „Hall Of Fame“), in ihren besten Zeiten.

Für die Countrynote (z, B. bei „Hall Of Fame“ und „Rose Needs A Jack“), sorgen der sporadische Einsatz von Mandoline, Banjo und Steel. Stark auf diesem Album auch American Idol-Kollege und frischgebackener Ehemann Barretts, Cade Foehner, der hier einige tolle E-Gitarren-Soli ablässt, die in aller feinster Dann Huff-Manier klingen. Absolutes Highlight ist der stampfige Southern Rocker „Jesus And My Mama“.

Insgesamt eine überzeugende Leistung von Gabby Barrett, die hier erstmal eindrucksvoll zeigt, was sie gesanglich so alles drauf hat. Die Musik geht schön ins Ohr, trotz des überwiegenden Popanteils, deutlich angenehmer zu hören, als viele ihrer Kollegen, die ebenfalls in beiden Gefilden wildern.

Die ersten Goldbarren dürften mit „Goldmine“ für Warner eingefahren sein, ob es für eine ganze Goldgrube, in der noch weiterhin ordentlich geschürft werden kann, reichen wird, muss die Zeit noch zeigen. Die Anlagen sind bei Gabby Barrett in jedem Fall vorhanden! Klasse Debüt!

Warner Music (2020)
Stil: New Country Pop

Tracklist:
01. I Hope
02. Thank God
03. Write It On My Heart
04. Footprints On The Moon
05. You’re The Only Reason
06. Goldmine
07. The Good Ones
08. Jesus And My Mama
09. Hall Of Fame
10. Got Me (feat. Shane Shane)
11. Rose Needs A Jack
12. Strong
13. I Hope (feat. Charlie Puth)

Gabby Barrett
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Florida Georgia Line – 6-Pack – EP-Review

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So richtig Spaß bereitet in diesen Zeiten selbst das Reviewen von Neuerscheinungen nicht. Oft verläuft es in den Tagen des Mobile Offices über nervige Streamings oder im günstigeren Fall mit Downloads, also nichts mit Original-CD in die Anlage einschieben und schön dabei im Booklet rumstöbern und die Texte beim Hören mitzuverfolgen, sprich, sich intensiv mit dem Gesamtprodukt auseinanderzusetzen.

Da im Moment in der Musikbranche die Konzerteinnahmen und die damit verbundenen Merchandise-Verkäufe wegbrechen, gibt es zur Zeit gefühlt überproportional viele EP-Veröffentlichungen. Deren Vorteil ist natürlich, dass man diese in kürzeren Abständen publik machen kann, also ein probates Mittel, um ‚im Gespräch‘, beziehungsweise, wie es Kip Moore neulich formulierte, ‚relevant‘ zu bleiben.

Auch die sonst wirklich nicht mit Songs geizenden Florida Georgia Line, alias Tyler Hubbard und Brian Kelley, schieben jetzt mit „6-Pack“, wie es der Titel schon suggeriert, so ein Teil mit sechs neuen Stücken in die Corona-Lücke.

Dabei ziehen sie natürlich innerhalb von nur knapp 18 Minuten alle Register ihres bis dato so genial funktionierenden Erfolgsrezeptes: Gut eingängiges, trinkfreudiges („Beer: 30“), einsichtiges („Ain’t Worried Bout It“ mit tollen Southern Rock-E-Gitarren), schmusig-balladeskes („Second Guessing (From Songland)“), heimatliches („Countrside“) und mutmachendes-patriotisches („U.S. Stronger „, „I Love My Country“) Songmaterial, überwiegend geschrieben von den beiden Protagonisten mit einer ganzen Armada von namhaften Co-Autoren (allein bei „“Second Guessing (From Songland)“ waren es gleich zehn Kompositeure!).

Serviert mit den bewährten Zutaten wie Bro-Country typischen Sprecheinlagen, Harmoniegesängen, ein bisschen Pop und Southern Rock wie beim letzten Track (Banjo, E-Gitarren). „Countryside“ und „U.S. Stronger“ sind dabei für mich dabei die aussichtsreichsten Nr.-1-Hit-Kandidaten.

Das „6-Pack“ (klasse Cover mit den bunten Bierdosen) von Florida Georgia Line funktioniert, wie es halt so ist mit einem 6-Pack, das man in 18 Minuten wegzischt. Man ist schnell beschwipst, temporärer euphorisiert und fühlt sich ein wenig von den Alltagssorgen abgelenkt. In dieser Zeit haben Tyler Hubbard und Brian Kelley damit ein weiteres Mal vermutlich den Nerv ihrer Klientel getroffen und gleichzeitig ihren Zweck, im Major-Geschehen präsent zu bleiben, bestens erfüllt.

Big Machine Label Group (2020)
Stil: New Country

01. Beer:30
02. Ain’t Worried Bout It
03. Second Guessing (From Songland)
04. Countryside
05. U.S. Stronger
06. I Love My Country

Florida Georgia Line
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Universal Music

Jordan Davis – Almost Maybes – EP-Review

Jordan Davis_Almost Maybes_Cover

Bei Jordan Davis haben wir bisher so gut wie alle alle reviewtechnischen Möglichkeiten, die sich bisher ergaben, in vollem Umfang genutzt. Ok, allzu viele waren es jetzt nicht. Es gab seine erfolgreiche Debüt-CD „Home State“ (Platz 6, drei Top-10 Single-Platzierungen), allerdings, auch die Gelegenheit, ihn live zu begutachten, als er im Vorprogramm von Old Dominion in der Kölner Live Music Hall, im Trio eine wirklich passable Vorstellung abgab.

Jetzt legt der aus Shreveport, Louisiana, stammende rauschebärtige Musiker (im November 2019 Vater einer Tochter geworden) mit „Almost Maybes“ eine sechs Stücke umfassende EP nach, erneut produziert von Paul DiGiovanni.

JD_KolnDie Hälfte der Lieder („Almost Maybes“ (mit netten weiblichen Harmoniegesängen, Reggae-tauglichen Drum-Loops), „Ruin My Weekend“ (flockiger euphorischer Lovesong), „Little Lime“… in a lotta tequila – heißt es hier in Jimmy Buffett-Manier), kommen im fingerschnippenden Gute-Laune-Gewand, wo man sich gerade in den jetzigen Zeiten vorm geistigen Auge die nächste Strandbar herbeisehnt, um bei gekühlten Getränken und wärmenden Temperaturen, Sonne, und Meeresanblick unbeschwert genießen zu können.

Das andächtig pianountermalt vorgetragene „Church In A Chevy“ (sakraler Ohoh-Harmoniegesang), das im Singer-Songwriter-Erzählstil gebrachte „Detours“ (bester Song des Werks, Akustik- Steel-, E-Gitarren geben den Ton an) und das erfolgversprechende Duett mit Popsternchen Julia Michaels „Cool Anymore“ (immerhin mit hymnischen E-Gitarrensolo) fahren den Puls eher wieder in normale Bahnen.

Die EP „Almost Maybes“ von Jordan Michaels bietet eine kurzweilige Momentaufnahme seines aktuellen Kreativkönnens. Er bleibt ohne Wenn und Aber, sich und seiner melodiebetonten, eher poppig orientierten Art treu, die er auch schon auf „Home State“ offeriert hatte. Alles sehr schön eingängig, aber auch etwas sehr stromlinienförmig, um so richtig tiefgreifenden Eindruck zu hinterlassen.

MCA Nashville (2020)
Stil: New Country Pop

01. Almost Maybes
02. Church In A Chevy
03. Ruin My Weekend
04. Little Lime
05. Detours
06. Cool Anymore (ft. Julia Michaels)

Jordan Davis
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Kenny Chesney – Here And Now – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Erfolg als ‚Markenzeichen‘ zu ‚installieren‘ und immer wieder neu aufzulegen, ist in fast 25 Jahren Musikbusiness nur wenigen Künstlern gelungen. Kenny Chesney ist so ein Charakter, dessen musikalisches Talent, gepaart mit Performer-Qualitäten und persönlichen Marketing-Strategien, seit langen Jahren sein Publikum begeistert.

Doch dies erklärt nicht allein die erstklassigen Auftritte des US-amerikanischen Country-Sängers, der gerade in einer sehr schwierigen Zeit seine neue Scheibe „Here And Now“ veröffentlicht hat. Zu einem Zeitpunkt, der andere Künstler und ihre Labels zu Pausenzeichen und Zurückhaltung zwingt, legt Chesney im Vertrauen auf seine Popularität und begeisterte Resonanz der Fans dennoch eine lebenslustige und zugleich warmherzige Platte vor.

Das von seinem erfahrenen Produzenten Buddy Cannon in Kooperation mit Ross Copperman entstandene 19. Album, wirkt wie eine Ansammlung von Highlights, die ihre eigene Qualität von Beginn an nicht verbergen müssen. Schon der Einsteiger „We Do“ wirkt wie eine Hymne an seine Fan-Gemeinde, ein rockiger Stadionsong mit Aufforderung zur Party und der eindeutigen Refrain-Frage „Who Gets To Live Like We Do?“, die von seiner „No Shoes Nation“, – der Kenny Chesney-Fan-Base – lautstark beantwortet wird.

Auch als zweiter Kracher ist der Titelsong „Here And Now“ ein schnelles Rock-Stück, das seine positive Verwandtschaft mit alten Bachman-Turner-Overdrive-Kunststücken munter unter Beweis stellt.

Die typische Country-Geschichte folgt in „Every One She Knows“, über eine Frau, die in ihrem eigenen Lebensstil verfangen letztendlich den Fortschritt der Zeit verpasst und allein altert. Überhaupt sind es immer wieder die typischen Lebenssituationen, die Chesney stilsicher in seinen Texten aufgreift und damit alltägliche Probleme der „kleinen“ und „großen“ Leute beschreibt, wie z. B. in „Wasted“, über die Erinnerungen eines Rockstars.

Chesneys Stärke ist es dabei regelmäßig, seine Fans in diese Erzählungen einzubinden und Vertrauen in die Echtheit und Glaubwürdigkeit seiner Songs aufzubauen. Er berichtet auch mal im Walzertakt („Knowing You“), warmherzig und vorsichtig über jemanden, den man gerne gekannt hat und den man sehr vermisst.

Ein weiterer, schöner Höhepunkt ist die Hommage an den guten, alten Tom Petty, der im Stück „Heartbreakers“ wie neu geboren daher kommt und als Southern-Klassiker inszeniert wurde. Überhaupt ist die auffallende Perfektion des Albums, der Wechsel von vermeintlich typischen Country-Nummern und ansprechenden „Gute Laune“-Songs im Stile von „Happy Does“ hervorragend geeignet, die Fans generationenübergreifend mitzunehmen; ein Beispiel ist der einfühlsame Track „Tip Of My Tongue“ mit Ed Sheeran als Co-Writer. Kein Wunder also, dass die Single bereits vor Monaten als Pre-Release erfolgreich war.

Auch tiefschürfende Momente in der Ballade „You Don’t Get To“ klingen nicht als übertriebene Emotionen, sondern bestätigen ausdrucksstark Chesneys Image als Kumpel-Typ, der unbestritten authentisch und diesmal akustisch im Mitsing-Highlight „Beautiful World“ wieder in die lebensfrohe Phase einsteigt. Dass er mitunter ebenso ein Herz für Leute entwickelt, die ihr Geld auf hoher See verdienen ist bei der minimal instrumentierten, aber zärtlichen Ehrung in „Guys Named Captain“ nicht nur schön und glaubwürdig anzuhören, es vermittelt gleichfalls den Eindruck eines ganz persönlichen Ausklangs des Longplayers.

Kenny Chesney hat mit „Here And Now“ ohne Zweifel sein nächstes Number-One Album vorgelegt. Die Grundaussage seiner hochklassigen Songs verleiht der Country Musik gerade in Zeiten von Social Distancing das Ansehen einer über die Krisenzeit hinaus wirkenden Come Together (No Shoes) – Nation.

Warner Music (2020)
Stil: New Country

01. We Do
02. Here And Now
03. Everyone She Knows
04. Wasted
05. Knowing You
06. Heartbreakers
07. Someone To Fix
08. Happy Does
09. Tip Of My Tongue
10. You Don’t Get To
11. Beautiful World
12. Guys Named Captain

Kenny Chesney
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