The Vegabonds – What We’re Made Of – CD-Review

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Dreieinhalbtes Studiowerk der Vegabonds. Gut drei Jahre nach ihrer EP „RCA Studio B“ treten die Jungs aus Nashville wieder mit einem echten Longplayer zu Tage. „What We’re Are Made Of“ heißt das Werk und ist das positive Ergebnis einer kontinuierlichen Fortentwicklung.

Mir war es bisher nie vergönnt, mal eine ihrer Scheiben zu reviewen, obwohl ich zu ihren Anfangstagen diversen persönlichen Mailkontakt zu Gitarrist Alex Cannon hatte. Irgendwie hatte sich aber der geschätzte Ex-Kollege und immer noch gute Freund Steve Braun, sich die Burschen gekrallt und dann auch komplett für sich vereinnahmt.

Personelle Veränderungen hat es bei The Vegabonds gegeben. Besagter Alex Cannon und Keyboarder Jamie Hallen sind jetzt nicht mehr dabei und wurden durch Beau Cooper an den Tasten ersetzt, bzw. kompensiert. Die Geschehnisse rund um diesen Einschnitt wurden in dem melodisch melancholischen Schwofer „Where We Used To Go“ quasi therapeutisch verarbeitet.

Die CD startet allerdings mit dem spirituell umwehten „Oh My Lord“, bei dem Sänger Daniel Allen den Verlust des geliebten Großvaters
musikalisch reflektiert. Also viel autobiografisches direkt zu Beginn. Der Song ist auch die erste Single.

Wie viel es ausmacht, einen erfahrenen und erstklassigen Produzenten mit an Bord zu haben, zeigt sich in der Hinzunahme des zweifach Grammy-nominierten Tom Tapley, der schon für große Namen wie Bruce Springsteen, Destiny Child oder Elton John an den Reglerknöpfen gesessen hat. Ihm ist es wirklich beeindruckend gelungen, das insgesamt schon gute Songmaterial ins rechte Licht zu rücken und die Band eindeutig auf einen höheren Level zu puschen.

Bei Stücken wie dem psychedelisch angehauchten „Blood To Roam“, den zünftigen Southern Rockern wie „Cruise On“ (herrliches Slide-Solo) und „Best Of Me“ (klasse Pianogeklimper, an die Dirty Guv’nahs erinnernd, auch dezentes Stones-Flair), sowie dem, von einer wummernden Orgel unterlegten hammerstarken „The Hammer“ (mit improvisationsfreudigem Zwischen-Bridge) agiert das Quintett mit einem richtig wuchtigen Drive.

Als ruhender Kontrast fungieren Songs wie die New Country-tauglichen „Take A Ride“ (schön surrende Slide) und „Hope She’s Still Mine“ (mit Mandoline, Steel), das atmosphärisch bluesige „Hard Road Home“ (gospelige Orgel, ABB-mäßiges E-Solo) und die abschließende, mit choralen Harmoniegesängen im Refrain versehene Southern-Ballade „What We’re Made Of“ (mit integrierter „Melissa“-Gedächtnis-Passage).

Tapley gelang es in allen Situationen ziemlich perfekt, die Instrumente glasklar zu separieren und herauszuarbeiten. Hauptprofiteure davon waren in erster Linie der vielseitige Richard Forehand mit sehr variabler und filigraner Saitenarbeit und der richtig stark an Orgel, Piano und E-Piano auftrumpfende Neuling Beau Cooper, die den ’neuen‘ Vegabonds-Stil jetzt im Wesentlichen prägen.

Schön gestaltet auch das mit Mount Rushmore-Flair bedachte Coverbild mit dem Köpfen der einzelnen Bandmitglieder, auch wenn es mit dem Berühmtheitsgrad dann doch noch ein wenig weit her ist. Mit ihrem neuen, ganz klar besten Werk bisher „What We’re Made Of“ beweisen die Jungs aber, dass sie in dieser Hinsicht auf einem sehr guten Weg sind!

Eigenproduktion (2016)
Stil: Southern Rock

01. Oh My Lord
02. Where We Used To Go
03. Blood To Roam
04. Cruise On
05. Take A Ride
06. Best Of Me
07. Miss You Blues
08. The Hammer
09. Hard Road Home
10. Hope She’s Still Mine
11. Ghost Town
12. What We’re Made Of

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Lonestar – Never Enders – CD-Review

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Die Never Ending-Lonestar-Story geht weiter! Tolles neues Werk, des seit über 20 Jahren erfolgreich agierenden Quartetts, bestehend aus Richie McDonald (lead vocals), Dean Sams (keys, acoustic guitar), Michael Britt (electric guitar) und Keech Rainwater (drums). „Never Enders“ heißt das neue Album und suggeriert im Titel bereits schon, dass Lonestar auch weiterhin einen Fels in der vehementen New Country-Brandung abgeben werden.

Die Band um den, nach einem glücklosen Solokarrieren-Versuch reumütig zurückgekehrten Frontmann Richie McDonald, ist ihrem Stil, den sie seit Beginn ihres Bestehens 1995 gepflegt hat – wer will ihnen das nach über 10 Millionen verkauften Tonträgern auch verdenken – bedingungslos treu geblieben. Wunderbar eingängige Songs, verpackt in eine Kombination aus poppig bis rockig arrangierten Melodien, gepaart mit traditionell gestalteter Countrymusik. Sämtliche Stücke, bis auf das nach dem Motto ‚Doppelt gemoppelt hält besser‘ gestrickte, schön knackig dahin rockende „Twice“, stammen dabei aus der bandeigenen Feder (mit diversen namhaften Co-Writern wie Frank Myers, Adam Wood oder Marty Dodson).

Beim hymnischen, Stadion-tauglichen, sowie sehr hitverdächtigen Titelstück „Never Enders“ wurde dabei auf die Dienste von Marv Green zurückgegriffen, der sich einst mit „Amazed“ für das wohl einprägendste und kommerziell erfolgreichste Lonestar-Lied aller Zeiten verantwortlich zeigte. Als Unterstützung des Vierers sind natürlich auch einige bekannte Nashville-Studio-Musiker wie Mark Hill, Biff Watson, Ilya Toshinsky und Kenny Greenberg zugegen, wobei Paul Franklin mit seinem unverwüstlichen Steel Gitarren-Spiel die meisten Akzente zu setzen weiß.

Und so wechseln in gewohnter Manier recht flotte Tracks wie die beiden bereits erwähnten „Never Enders“, „Twice“, das launig E-Gitarren-lastig rockende „I Want A Love“ (toll integriertes Honky Tonk-Piano, Steel-/ E-Gitarren-/Slide-Solo-Kombination), das powernde „U““ und das finale, dezent Redneck-umwehte „Boomerang“ (Southern-mässiges E-Gitarren-Solo), in bewährt gutem Mischverhältnis, mit balladesken, Emotionen bedienenden Sachen der Marke „I Know It Was You“ (schönes Piano, wimmernde Steel, aufheulendes E-Gitarren-Solo), dem wehmütig die Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit monierenden „My Own Hometown“ (McDonald singt „Now I feel like a stranger in my own hometown“), dem großartigen, dezent bluesigen „This Time“ (klasse E-Gitarren-Twin-Passage), „I’ve Been Wrong Before“ (Powerrefrain, Steel Solo) und dem saftig „Süßholz raspelnden“, herzzerreißenden „Here We Go Again“ (Piano-getränkt, Steel, Powerrefrain mit großartigen Harmoniegesängen, bluesige E-Gitarren-Fills/-Solo).

Lonestar, wie man sie halt kennt! Die Texaner beweisen auf ihrem 10. Album „Never Enders“, dass man mit bewährtem Stil – ohne die heutigen, mit technischen Spielereien verwobenen Verwässerungsversuche des Genres vieler ihrer Kollegen – modern klingen kann, ohne sich dabei komplett verbiegen zu müssen. Sie bleiben ihrer, auf Authentizität beruhenden Strategie treu – und das ist gut so. Ein richtig feines Album!

Shanachie Entertainment Corp. (2016)
Stil: New Country

01. Never Enders
02. I Know It Was You
03. My Own Hometown
04. Twice
05. This Time
06. I’ve Been Wrong Before
07. I Want A Love
08. Us
09. Here We Go Again
10. Boomerang

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SIMO, 14.04.2016, Turock, Essen – Konzertbericht

Nachdem ich mit Michael Lee Firkins vor Kurzem einen Gitarrenhexer der bereits arrivierteren Frickelfraktion hautnah erleben durfte, stand mit JD Simo ein Vertreter der noch jungen Wilden im Essener Turock auf dem Programm. Als Support hatte zunächst das Duo Powder From Pigeons mehr lärmenden, als bleibenden Eindruck hinterlassen, was zumindest den Vorteil hatte, dass man sich schon mal an das auch von SIMO nicht minder aufgefahrene Dezibel-Level gewöhnen konnte.

Um kurz nach 21:00 Uhr kam der Protagonist, in Begleitung seiner beiden Mitspieler Adam Abrashoff (drums) und Pfeifenraucher Elad Shapiro (bass) an Krücken auf die Bühne gehumpelt. Jetzt erschloss sich auch der Sinn, warum man eine Transportbox direkt hinter das Mikro platziert hatte. Sie diente während des gesamten Konzertes als Sitzunterlage für den offensichtlich gehandicapten Frontmann. Also von wegen ‚verweichlichte junge Generation‘. JD Simo war der lebendige Beweis, dass man sich heute durchbeißt.

Das aus Nashville stammende Trio eröffnete mit dem riffigen Willie Dixon-Song „You Need Love“. Vermutlich spätestens jetzt, als Simo seine geliebte Gibson Les Paul in der Hand hatte, waren etwaig behindernde Schmerzen vergessen. Wie schon im Review zu seinem aktuellen Werk „Let Love Show The Way“ bereits angemerkt, wurde JD Simo ja übrigens in den erlauchten Club der wenigen Gitarristen aufgenommen, die Duane Allmans legendäre 1957er Les Paul Gold Top zum Einspielen der Tracks benutzen durften. Diese hatte er natürlich naturgemäß nicht mit dabei.

Von der aktuellen Scheibe präsentierte er dann Sachen wie „Two Timin‘ Woman“, „Long May You Sail“, „I’ll Always Be Around“ oder den „Stranger Blues“, wobei seine Vorliebe für Bands der 70er Jahre wie Led Zeppelin, Fleetwood Mac zu Peter Green-Zeiten & Co. deutlich zum Tragen kam. „What’s On Your Mind“ vom Erstwerk, ein psychedelisches Instrumental (inkl. Drum-Solo von Abrashoff und Pfeife-Anzünden von Shapiro) und eine starke Fassung von „With A Little Help From My Friends“ (auch Simos Schrei im, durch den verstorbenen Joe Cocker berühmt gewordenen Bridge, war nicht von schlechten Eltern), blieben in Erinnerung.

Gegen 22:15 Uhr fand der Hauptteil sein Ende, der in zwei lautstark eingeforderten Zugaben, u. a. mit Howlin Wolfs „Evil“ seine Fortführung und den Abschluss fand. Nach knapp 90 Minuten endete ein unterhaltsamer, mit viel filigraner E-Gitarren-Frickelarbeit durchzogener Gig. Die knapp 100 Leute im Turock hatten einen der kommenden Gitarren-Stars der Blues Rock-Szene bewundern dürfen.

SIMO
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Turock Essen

Brandon Jenkins – Blue Bandana – CD-Review

Brandon Jenkins Cover

Brandon Jenkins hatte schon immer seinen eigenen Kopf. Damit meine ich in erster Linie eigentlich nicht sein oberstes Körperteil (auch wenn dies mit Glatze und langem roten Rauschebart ebenfalls eine gewisse Extravaganz widerspiegelt, abgesehen von seinen reichhaltigen Tattoos, die ihn quasi zu einem wandelnden Kunstwerk gemacht haben). Nein ich rede von seinem Kopf, den er als Musiker und Mensch vornehmlich zum Nachdenken und Kreieren benutzt und mit diesem, im Gegensatz zu den meisten, oberflächlich strukturierten Amerikanern, Dinge differenziert und (selbst-) kritisch betrachtet und zu seiner Meinung sowie dem damit verbundenen Handeln im Wesentlichen auch steht.

So konfrontiert Brandon seine Anhängerschaft auf seinem 13. Album „Blue Bandana“ mit Material, das sich vom Rahmen seines bisherigen Schaffensspektrums doch ziemlich unterscheidet. Der aus Tulsa stammende, seit vielen Jahren in Austin, Texas, lebende Vollblutmusiker/Songwriter, hat dieses Werk, das nur digital produziert wurde, in gerade mal zwei Tagen mit Langzeitfreund Dave Percefull (zusätzlich an den Reglerknöpfen) in dessen Yellow Dog Studio in Wimberly eingespielt und verarbeitet.

Herausgekommen ist ein instrumentell sparsam arrangiertes Gebilde von zehn Stücken, bei denen vornehmlich Brandons Gesang, eine knarzige Akustikgitarre und eine, auf allen erdenklichen Arten surrende Fiddle, die Hauptrollen spielen. An Jenkins‘ Stimme haben sich in meinem Bekanntenkreis schon immer die Geister geschieden. Die meisten kommen mit seinem knochigen hölzernen Gesangsstil überhaupt nicht klar. Mir persönlich gefällt er aufgrund des hohen Grades an Unverwechselbarkeit und Wiedererkennung. Sein vokales Organ kommt hier auf „Blue Bandana“ natürlich noch deutlicher zum Tragen.

Lediglich beim fröhlichsten Track (wenn man das hier überhaupt so bezeichnen darf) „High John The Conquerer“ und dem, von einem Southern Redneck-Flair umwehten Titelstück „Blue Bandana“ ist mal eine dezent hallende Orgel zu vernehmen, auch Drums und Percussion wurden sehr ‚zurückhaltend‘ eingesetzt. Stücke wie der Opener „Black Mood Ring“, der wie ein Grabesrede für eine gescheiterte Beziehung daherkommt, der leicht Gypsy-mäßige Coutrysong „She Likes To Ride“, das atmosphärische „The Path“ oder das, das trostlose Arbeiterleben in den Fabriken, melancholisch reflektierende „Under The Shadow Of The Refinery“ nehmen nach mehrmaligem Hören doch zunehmend gefangen.

„Burn“ versetzt sofort das Kopfkino in Gang und man sieht Brandon förmlich mit einer Akustikgitarre abends vor einer Brandstelle sitzend und über das Leid in der Welt sinnieren. In eine ähnliche Erzählgesangsrichtung gehen weitere Lieder wie „Don’t Hold On To The Past“ und das abschließende „Send Down An Angel“, wo es als Rhythmusunterstützung lediglich ein paar Claps von Brandon an den Korpus seiner Akustikklampfe zu vermelden gibt.

„Blue Bandana“ von Red Dirt-Legende Brandon Jenkins, ist, wie beschrieben, ein insgesamt sehr spezielles, aber überaus authentisches Werk geworden, für das man sich Zeit nehmen, sowie Ruhe lassen muss und mit dem man sich erst nach mehrmaligem Hören besser anfreundet. Ehrlich gesagt, fehlt mir doch ein wenig sein kratziges E-Gitarrenspiel (auf das gänzlich verzichtet wurde), das man, meiner Ansicht nach, durchaus an der einen oder anderen Stelle (als Fills oder Kurzsolo) hätte einfließen lassen können, ohne dem Werk seinen Charakter zu nehmen. Vielleicht wäre es ja eine interessante Option, dieses Album mal irgendwann als ‚Vollversion‘ umzusetzen.

Brandon Jenkins spielt übrigens mit dem Gedanken, demnächst nach Nashville zu ziehen. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss Music City und seine Songwriter-Szene auf diesen eigenwilligen Musiker haben wird, der immer für neue Wege und Inspirationen offen ist.

Red Dirt Legend Recordings (2016)
Stil: Red Dirt / Singer/Songwriter

01. Black Mood Ring
02. She Likes To Ride
03. The Path
04. Under The Shadow Of The Refinery
05. Burn
06. High John The Conquerer
07. Reeva
08. Blue Bandana
09. Don’t Hold On To The Past
10. Send Down An Angel

Brandon Jenkins
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Brytny Spyrs – Southern Gyrl – CD-Review / Gewinnspiel

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Die aus McComb, Mississippi, stammende 34-jährige Künstlerin war, laut eigener Aussage, von frühster Kindheit an, eigentlich immer Southern Rock-Fan. „Wenn du aus einer Gegend kommst, in der die damalige Skynyrd-Flugzeugabsturz-Tragödie passierte, wirst du praktisch von ganz alleine durch solche Musik in den Bann gezogen. Ich bin mit Skynyrd, Charlie Daniels, der Marshall Tucker Band & Co. groß geworden, zumal diese Mucke dort an jeder Ecke und in jeder Kneipe auch gespielt wurde.“

„Aber was willst du machen, wenn plötzlich alles in eine andere Richtung läuft“, so die hübsche Blondine weiter. „Vor allem, wenn ein Kleinstadtmädel wie ich, plötzlich von Erfolg, Ruhm, Geld, Preisen und Anerkennung regelrecht zugeschüttet wird und dein Management dir komplett das Denken abnimmt. Das hat mich alles letztendlich total überfordert, zumal ich nie die Musik machen konnte, die mir wirklich im Blut liegt und das ist und bleibt der Southern Rock. Hier sind auch die Ursachen zu finden, aus denen meine vielen, nachfolgenden Probleme letztendlich resultierten.“

„Die Idee zu einer Southern-Scheibe kam 2014,“ so die auf dem ‚Walk Of Fame‘ verewigte Multimillionärin, „als ich für drei Tage mit schwarzer Kurzhaar-Perücke und dunkler Sonnenbrille getarnt, für die Mitreisenden inkognito, im VIP-Bereich auf der ‚Simple Man Cruise‘ mitgereist bin. Die beteiligten Musiker und ich hatten großen Spaß zusammen. Selbst der sonst so wortkarge Gary Rossington flachste mit mir rum und wollte sogar ein paar meiner Tanzschritte beigebracht haben. Da kam John ‚Sparky‘ Matejka (früher auch Hot Apple Pie), als er von meiner eigentlichen-Passion erfuhr, mit der Idee rüber, doch, just for fun, mal eine Southern Rock-Scheibe einzuspielen. Er hat dann kurze Zeit später, die Fäden in die Hand genommen und das Werk mit dem Titel „Southern Gyrl“ auch produziert.“

Um potentielle rechtliche Schwierigkeiten von vorne herein auszuschließen, läuft die ganze Geschichte allerdings unter dem Pseudonym Brytny Spyrs. Matejka schrieb in Zusammenarbeit mit Ex-Kumpel Brady Seals ein paar Stücke und trommelte einige der bewährten Nashville-Studiomusiker (u. a. Tom Bukovac, Kenny Greenberg, Greg Morrow, Michael Rhodes, Reese Wynans) zusammen. Auch Gary Rossington, Ehefrau Dale Krantz-Rossington und Johnny Van Zant steuerten mit „One Good Woman“ einen Track zum Album bei. Selbst Joe Bonamassa, der sein „Blues Of Desperation“ im gleichen Studio aufgenommen hatte, ließ es sich nicht nehmen, bei „You Can’t See“ sein virtuoses E-Gitarrenspiel mit einzubringen.

Klasse auch die Neuauflage von „Pure & Simple“ des „1991“-Skynyrd-Werkes, auf der Spyrs wahnsinnig viel Gefühl in ihren Gesang legt. Ein paar ihrer früheren Hits wie „…Baby One More Time“, “Gimme More”, „Womanizer“, “Circus” und „Hold It Against Me“, neu im Southern Rock-Gewand eingespielt, entwickeln plötzlich sogar ihren ganz eigenen Reiz. „Ich habe mich endlich mal in meiner Haut richtig wohlgefühlt, ich bin von meinem Herzen her nun mal ein ‚Southern Girl‘“, so die Sängerin. „Ich werde natürlich versuchen, den einen oder anderen Song, auch in meine Las Vegas-Show einfließen zu lassen.“ Tatsächlich trumpft sie mit einer richtig starken vokalen Performance auf. Und die Musiker haben sich auch spürbar für sie ins Zeug gelegt.

„Southern Gyrl“ von Brytny Spyrs ist nicht im öffentlichen Handel zu erwerben und wurde nur in einer limitierten Auflage produziert. Einigen ausgewählten Journalisten, die sich seit vielen Jahren um den Southern Rock verdient gemacht haben, wurden Exemplare für ein Review zur Verfügung gestellt. Dank meiner guten Kontakte zu Skynyrd-Background-Sängerin Carol Chase konnte ich drei Exemplare für eine Verlosung ergattern. Die ersten E-Mail-Einsendungen (bitte an: dan@sounds-of-south.de) mit der richtigen Beantwortung der Frage ‚Wer verbirgt sich hinter dem Pseudonym Brytny Spyrs?‘ werden umgehend benachrichtigt und erhalten je ein Exemplar der Scheibe!

Walk Of Fame Records (2016)
Stil: Southern Rock

01. Gimme More
02. One Good Woman
03. I Love Southern Rock
04. Pure & Simple
05. Womanizer
06. Home Is Where My Heart Is
07. You Can’t See
08. …Baby One More Time
09. Hold It Against Me
10. Ramblin’ Woman
11. Circus
12. Lonesome Guitar Girl

Randy Houser – Fired Up – CD-Review

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Klasse, neues Album von Randy Houser. „Fired Up“ heißt sein Werk, das bisher vierte in seiner, seit 2008 anlaufenden Karriere, was im übertragenen Sinne ja sowas wie ‚hoch motiviert‘ bedeutet. Nach einer, für einen passionierten Songwriter wie Houser (schrieb ja unter anderem auch Trace Adkins‘ „Honky Tonk Badonkadonk“), schon fast unendlich lang erscheinenden Pause seit seiner letzten CD „How Country Feels“, von drei Jahren, merkt man ihm den hohen ‚Motivationsgrad‘ auch regelrecht an. Randy feuert nahezu eine Salve mit satten 17 neuen Songs ab, unter anderem auch seinen aktuellen Riesenhit „We Went“ (eingängiger, rhythmischer, sogar durchaus tanzbarer New Country), der in den Country Airplay-Charts auch sofort auf den ersten Platz geschossen ist.

Randy selbst war in fünf Tracks kompositorisch involviert und beweist auf „Chasing Down A Good Time“ (geschrieben zusammen mit Jeffrey Steele und Anthony Smith, markanter euphorischer Refrain, klasse Tempowechsel), „Senior Year“ (Akustikgitarrenuntermalung, Steel-Tupfer, Powerrefrain), „Lucky Me“ (tolle Melodie, Bariton-E-Gitarre, Steel-, Orgelfills, Slide-Solo, hitverdächtig), dem knackig rockenden „Before Midnight“ (Jason Aldean-Stil) und dem wahrhaften Lovesong „True“ (voller Emotionen, hinreißendes E-Solo), seine außergewöhnlichen Songwriter-Skills. Auch der Rest der Stücke wurde natürlich vom Who-Is-Who der Nashville-Schreiber kreiert (u. a. Dallas Davidson, Ben Hayslip, Rhett Akins, Craig Wiseman, Shane Minor, Brice Long, Michael Dulaney, Tony Martin, Ashley Gorley). Der 2. als Single vorgesehene „Song Number 7“ (hier demnach auch an siebter Stelle platziert, melodischer Midtempotrack, mitgeschrieben von Jungstar Chris Janson) dürfte aufgrund der markanten und leicht merkbaren/nachsingbaren Refrainzeile ebenfalls beste Aussichten auf Charterfolg haben.

Toll natürlich auch der Titelsong „Fired Up“ (Steel, Orgel, Southern E-Solo) mit seiner starken E-Hook und Housers zündendem Gesang (insgesamt auch sehr flexible und starke Leistung). Die wunderbare Southern Soul-Ballade „Little Bit Older“, mit dezentem „Knockin‘ On Heaven‘s Flair” bereitet unweigerlich Gänsehaut (inkl. fulminantem E-Solo). Highlight! Aus der Feder der Warren Brothers stammt der, mit ihrem eigenwilligen Humor, inszenierte Titel „Hot Beer And Cold Women“. Der in Nashville sich ‚in aller Munde‘ befindliche Chris Stapelton ist auf der Blockbuster-tauglichen Powerballade (Streicher, Piano, dramatisches E-Solo) sowohl kompositorisch als auch mit Background-Gesang involviert. Das zum Abschluss schön swampig, in Redneck-Manier groovende „Whiskeysippi River“ (erneut starkes E-Solo) hätte Trace Adkins auch wieder gut zu Gesicht gestanden und wird von Houser ebenso mit Bravour gemeistert. Ein tolles Ende eines bärenstarken Albums, das, gemessen an der hohen Anzahl der Lieder, eine ‚Hitdichte‘ aufweist, die ihresgleichen sucht.

Dabei gelingt Randy Houser und seinem Produzent Derek George ein fast perfekter Spagat zwischen kommerziellem Anspruch und musikalischem Ethos. Denn anders wie viele seiner Kollegen Bryan, Rhett & Co. in letzter Zeit, lässt Randy seine Country Roots weiterhin maßgeblich in seine Musik einfließen und nicht als reine Alibi-Funktion verkümmern. Das Werk erinnert in seiner Art ein wenig an Justin Moores starken Longplayer „Off The Beaten Path“. Der Mann aus Jackson, Mississippi (mittlerweile ja beim Broken Bow Unterlabel Stoney Creek Records beheimatet und sich wohl fühlend) hat sich somit längst zu Recht fest in der Elite Nashvilles etabliert, was „Fired Up“ sicher noch einmal deutlich untermauern wird. Starker Country-/New Country-Stoff, der in diesem Jahr in allen Belangen noch für viel Furore sorgen wird!

Stoney Creek Records (2016)
Stil: New Country

01. Back
02. We Went
03. Chasing Down A Good Time
04. Senior Year
05. Mine Tonight
06. Lucky Me
07. Song Number 7
08. Before Midnight
09. True
10. Yesterday’s Whiskey
11. Fired Up
12. Little Bit Older
13. Gotta Get You Home
14. Hot Beer And Cold Women
15. Same Ole Saturday Night
16. One Way (Bonus Track)
17. Whiskeysippi River

Randy Houser
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Bärchen Records

Will Hoge – Solo & Live – CD-Review

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Dass Will Hoge, wie ich bereits im Vorfeld schon vermutete, ein netter und sympathischer Typ ist, bestätigte sich, als ich nach seinem starken Auftritt im Kölner Studio 672, kurz die Gelegenheit hatte, mit ihm ein paar Sätze zu wechseln. Im Anschluss überreichte er mir dann noch das vorliegende Werk zur Besprechung.

Wenn ich seine Ausführungen gegen Ende der CD richtig interpretiert habe, wurde im Dezember 2015 ein Konzert in Jackson, Mississippi, im Rahmen seiner Solo & Live Tour mitgeschnitten und auf diesem Silberling veröffentlicht, sowie, begleitend zu seinen Auftritten, jetzt in Europa mit vertrieben. Für mich eine schöne Gelegenheit, den gerade frisch erlebten Gig in Ruhe nachträglich reflektieren und verarbeiten zu können, auch wenn sich die beiden Setlisten doch ein wenig unterscheiden.

Will eröffnete hier mit dem knackigen „Too Old To Die Young“ (in Köln nicht gespielt) und servierte seiner Anhängerschaft in den Staaten im folgenden Verlauf eine bunte Mixtur von Songs aus seinen vielen diversen Studio-Veröffentlichungen, mal mit Akustik- oder E-Gitarre, Piano in Kombination mit einigen Harp-Einlagen. Dabei macht er, wie zum Beispiel an „Times Are Not Changing“ bestens zu erkennen, keinen Hehl daraus, dass er ein Faible für die großen Songwriter der Endsechziger/siebziger Jahre besitzt.

Deutlich vernehmbar immer wieder das anprangernde, attackierende Moment in seiner Stimme, wie es auch für die Dylans, Guthries oder Seegers & Co. typisch war. Klasse vor allem auch die herrlich kauzige Version von „Jesus Came To Tennessee“. Toll für mich persönlich, dass ich jetzt auch eine Fassung vom großartigen „Still A Southern Man“ in meiner Tonträger-Sammlung besitze. Die eingängigen Sachen wie „Middle Of America“ und „Even If It Breaks Your Heart“ sind natürlich auch präsent.

Beim vorletzten, seiner Frau Julia gewidmeten Stück, „Damn Spotlight (Julia’s Song)“, erzählt Will, wie auch in Köln, ein paar Details über die Entstehung des Liedes: Kurze Zeit nach Geburt seines Sohnes musste er seine Familie wieder für eine neun Wochen andauernde Tour verlassen. Von Sehnsucht getrieben in einem Hotelflur in Kansas City während eines Schneesturms, ließ er dann spontan seine Emotionen freien Lauf und verarbeitete sie in diesem schönen melancholischen Song.

Den Rausschmeißer gibt auf diesem Werk das flockig rockende „Til I Do It Again“. Insgesamt ist Will Hoges „Solo & Live-Scheibe, wie bereits oben erwähnt, eine schöne Ergänzung zum erlebten Konzert. Für alle, die es nicht geschafft haben, seinen drei Auftritten hier beizuwohnen, ein schöner Ersatz, für das, was sie verpasst haben.

Wie ich von Will und auch der Vertreterin seiner Konzertagentur erfuhr, stehen die Chancen recht gut, dass er sich zeitnah wieder in unserem Lande blicken lässt. Die Krönung wäre es dann natürlich, wenn er noch ein paar Könner aus Nashville mit im Schlepptau hätte und im Bandgefüge performen würde. Wie dem auch sei, es gibt zumindest schon mal einen Grund zur Vorfreude…

Eigenproduktion (2016)
Stil: Singer/Songwriter

01. Too Old To Die Young
02. Doesn’t Have To Be That Way
03. When I Can’t Afford To Lose
04. Times Are Not Changing
05. (Pretty Sure) I’m Over You
06. Jesus Came To Tennessee
07. Little Bitty Dreams
08. When I Get My Wings
09. Through Missing You
10. Trying To Be A Man
11. Middle Of America
12. Woman Be Strong
13. Still A Southern Man
14. Even If It Breaks Your heart
16. Damn Spotlight (Julia’s Song)
17. Til I Do It Again

Will Hoge
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Joe Bonamassa – Blues Of Desperation – CD-Review

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Neues Studioalbum des Blues Rock-Tausendsassas! Wenn es im Genre sowas wie Fleißkärtchen zu verteilen gäbe, stünde der 38-jährige, aus New Hartford stammende Musiker, sicher auch ganz vorne in der Reihe. Der Zögling eines Gitarrengeschäftbesitzers veröffentlicht ja, seit er zur Jahrtausendwende mit seiner Debüt-CD „A New Day Yesterday“ erstmals in Erscheinung trat, in verschiedensten Konstellationen (solo, Black Country Communion, mit Beth Hart) Tonträger fast wie am Fließband ab.

Mittlerweile schien dem bekennenden Rory Gallagher-Fan wohl die Zeit reif, wieder ein Solo-Album zu veröffentlichen. „Blues Of Desperation“ heißt das neue Werk und wurde, wie schon der Vorgänger „Different Shades Of Blue“ in Nashville samt Involvierung dortiger Musiker (u. a. Greg Morrow, Reese Wynans, Michael Rhodes) und Songwriter (Tom Hambridge, Jerry Flowers, Gary Nicholson, Jeffrey Steele) eingespielt. Für den Sound waren ebenfalls erneut Kevin Shirley und Roy Weisman verantwortlich.

Von Verzweiflung ist, bis auf den Titel, hier eigentlich nichts zu spüren. Bonamassa präsentiert sich, mit kleinen Abstrichen, in prächtiger Form und kann auf das Gesamtergebnis durchaus stolz sein. Sicherlich eine seiner stärksten Veröffentlichungen überhaupt! Schon der Opener „This Train“ brettert unter Führung von Morrows Polterdrums und Joes filigraner E-Gitarrenkunst wie ein wuchtiger Hochgeschwindigkeitszug durch den Raum. Reese Wynans grandioses Pianogeklimper und die herrlichen Backgroundvocals, von den auch im weiteren Verlauf immer wieder bestechend eingesetzten Sängerinnen Mahalia Barnes, Jade McRae und Juanita Tippins, bilden hier das Sahnehäubchen.

Der Song offeriert allerdings auch eine der kleinen Schwächen des Silberlings und zwar die Stimme des Protagonisten. Immer wenn er gegen kräftigere Soundgefüge ansingen muss, wirkt sein vokales Organ doch ein wenig dünnwandig und hölzern. Bei ruhigeren Tracks wie zum Beispiel dem wunderbar atmosphärischen, bestens als Untermalung für ein Roadmovie geeigneten „Drive“ (mit Peter Green-Flair Richtung „Albatross“/“Slabo Day“), dem grandiosen Slow Blues „No Good Place For The Lonely“ (könnte fast als eine Hommage an Gary Moores „Still Got The Blues“ durchgehen) oder dem dezent Country-angehauchten „The Valley Runs Low“ (klasse Akustikgitarre, soulige Harmoniegesänge) passt sie eigentlich dagegen sogar ganz gut.

Ein weiteres kleines Manko ist sein phasenweise zu dick aufgetragenes Gitarrenkönnen. Hallo Herr Bonamassa, wir wissen, dass Sie ein Saitenvirtuose sind! In manchen Stücken, sind mir persönlich die Soli zu übertrieben, zu lang, bzw. zu improvisationsfreudig geraten. Das mag vielen Leuten zwar besonders gefallen, im Studio finde ich es besser, wenn man Sachen einigermaßen kompakt auf den Punkt bringt. Gerade in Nashville, kennt man sich da doch bestens aus, wie man große Klasse auch ohne größeres Maß an Selbstdarstellung beweisen kann (die Herren Bukovac, Greenberg oder Mason mal als Referenzen angeführt). Aber im Blues Rock-Genre scheint es wohl ein unabdingbares Muss zu sein…

Bestes Beispiel der Titelsong: Aus ihm hätte man (wenn man die orientalischen Zwischenklänge weggelassen hätte) einen schönen straighten (Southern) Rocker machen können, der mit psychedelischem Flair überzogene Track wirkt aber mit mehreren ausgedehnten Frickel-Solo-Passagen jetzt insgesamt völlig überladen. „You Left Nothin‘ But The Bill And The Blues“ im Stile des guten alten Albert Collins dürfte den traditionelleren Blues-Anhängern Freude bereiten, während „How Deep This River Runs“ eher den Vertretern der jungen wilden Generation (Richtung Davy Knowles‘ Back Door Slam) zusagen dürfte.

Am Ende rücken bei „Livin‘ Easy“ und „What I’ve Known For A Long Time“ plötzlich bis dato nicht vorhandene Bläsereinlagen verstärkt in den Fokus des Geschehens. In Erstbenanntem versuchen E-Gitarre und Piano sich gegen ein ziemlich dominantes Saxophon zu stemmen, Letztgenanntes erscheint wie ein modernes (bläserbetontes) Update des guten alten „Stormy Monday Blues“. Hier kann Bonamassas Stimme (sh. Einwände oben) die Röhre eines Gregg Allman, die wunderbar auch zu diesem Track gepasst hätte, leider nicht kompensieren. Trotzdem ein stimmungsvoller Abschluss.

Meine (z. T. negativ klingenden) Anmerkungen sollen aber keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass „Blues Of Desperation“ wirklich von beeindruckendem Können geprägt ist und durchaus vielseitige und abwechslungsreiche Unterhaltung auf sehr hohem Niveau bietet. Also, keine Verzweiflung oder Panik, liebe Blues Rock-Gemeinde. Ihr dürft euren Joe (berechtigterweise) auch weiterhin in den Himmel heben!

Zur weiteren Einstimmung hier der Trailer zum Album, das am 25.03.2016 veröffentlicht wird.

Mascot Label Group (2016)
Stil: Blues Rock

01. This Train
02. Mountain Climbing
03. Drive
04. No Good Place For The Lonely
05. Blues Of Desperation
06. The Valley Runs Low
07. You Left Nothin‘ But The Bill And The Blues
08. Distant Lonesome Train
09. How Deep This River Runs
10. Livin‘ Easy
11. What I’ve Known For A Very Long Time

Joe Bonamassa
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Will Hoge, 15.03.2016, Studio 672, Köln, Konzertbericht

Verkehrte Welt in Köln. Während solche Schnösel wie Philipp Dittberner und AnnenMayKantereit es in der Domstadt problemlos schaffen, mit, von ziemlich überschaubarem Wert gehaltener Musik, die mittelgroßen Hallen wie Palladium oder Live Music Hall bis zum Bersten zu füllen, muss ein amerikanischer Weltklasse-Singer/Songwriter sich zunächst damit abfinden, dass vielleicht um die 60 Leute (darunter, inklusive mir, gerade mal zwei nebenberufliche Journalisten) im kleinen, aber feinen Studio 672 Präsenz zeigten. Das wirft wirklich kein gutes Licht auf den Musikgeschmack in unseren Breitengraden!

Na ja, zumindest konnte man wenigstens froh sein, dass nicht gleichzeitig in der darüber liegenden Location, dem Stadtgarten, ein Abi-Feier geplant war…

Pünktlich um 20:30 Uhr eröffneten Someday Jacob als Support in reduziertem Line-up. Bandleader Jörn Schlüter und Gitarrist Uli Kringler hinterließen zur Einstimmung mit ihrem folkig angehauchten Americana-Stoff von der Weser einen durchaus qualifizierten und sympathischen Eindruck.

Nach recht fixer Umbaupause betrat dann der Protagonist sein gemütlich ‚improvisiertes Wohnzimmer‘, bestehend aus Keyboard, Tisch für Getränke und Harp-Utensilien, gepolstertem Stuhl/Mikro für seine mit E-Gitarrenparts bestückten Lieder, sowie Stand-Mikro für die, naturgemäß, in stehender Form performten Tracks.

Zum Einstieg wählte Will „Silver Or Gold“ vom „Draw The Curtains“-Werk und verströmte direkt sein außergewöhnliches Charisma. Das zu meiner Überraschung insgesamt recht junge Publikum (ich gehörte mit meinen knapp über 50 Lenzen schon eindeutig zum alten Eisen) zog direkt von Anfang an mit, was Hoge auch sofort spürte.

Nach den weiteren, per Akustikgitarre (z. T. mit Harp-Ergänzung) gebrachten „Secondhand Heart“, „Growing Up Around Here“, „Still Got You On My Mind“, ließ Hoge sich für „When I Can’t Afford To Lose“ zum ersten Mal an den Tasten nieder und betonte in vielen kleinen Anekdoten vor den Songs, dass er als bekennender Familienmensch doch immer ein wenig daran zu knacken hat, wenn er aufgrund seines Tourens von Frau und Kindern zu Hause getrennt ist.

Seine aufrichtige Abneigung gegen faule, unfähige, nur an sich selbst denkende Politiker, formulierte er mittels der dylanesken Abwandlung „The Times They Are Not Changin’“ (hier spricht er auch mir aus der Seele). Als weiterer Bruder im Geiste erwies er sich bei meinem Favoriten des Abends „Still A Southern Man“.

Wenn er die Telecaster schulterte, rockte Will meist zünftig wie zu guten Zeiten mit seinem früheren Kumpel Dan Baird. „Long Gone“ und „Pocket Full Of Change“ seien hier genannt.

Ganz klasse natürlich auch seine Paradestücke wie das höchst-emotionale „When I Get My Wings“, das flockige „In The Middle Of America“ oder sein, von der Eli Young Band mit großem Erfolg gecovertes „Even If It Breaks Your Heart“. Für „Goognight / Goodbye“ holte sich Will eine junge Dame aus dem Publikum als Gesangs-Unterstützung. Die machte ihre Sache richtig gut und wurde von den anwesenden Zuschauern auch mit viel Applaus belohnt.

Mit „Til I Do It Again“ endete gegen 23:00 Uhr ein abwechslungsreicher und starker Hauptteil. Die nicht auf sich warten lassenden Zugabe-Rufe, befriedigte Will in recht melancholischer Manier mit den beiden unter die Haut gehenden „Hey Tonight“ und (dem seiner Frau gewidmeten) „Damn Spotlight (Julia’s Song)“. Großartig!

Welche Lehren ziehe ich nun aus diesem Abend? Für Ami-Künstler aus dem Südstaaten Rock-, New Country-, Roots- und Americana-Bereich ist aller Anfang in unseren Gefilden zunächst ziemlich schwer. Solange sie uns allerdings mit solch grandiosen Abenden beglücken, wie es gestern Will Hoge getan hat, werde ich meinen langjährigen Missionarsdienst nach besten Kräften, im Sinne der Sache, auch weiterführen. Danke an Will Hoge für dieses einzigartige Erlebnis.

Will Hoge
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Peter Rieger Konzertagentur
Prime Entertainment
Studio 672

Blackfoot Gypsies – Handle It – CD-Review

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Junge, Junge. Eigentlich bin ich ja von Interpreten aus Nashville recht feinfühlige, in der Regel perfekt eingespielte und produzierte Kost gewöhnt. Aber wie die Blackfoot Gypsies einem ihren brachialen Sound regelrecht um die Ohren plästern, sucht in Music City wohl seines Gleichen. Die Insassen irgendeines berüchtigten Südstaaten-Gefängnisses kriegen bei der Essensausgabe ihren Haferschleim vermutlich deutlich liebevoller vor den Latz geknallt!

Der Vierer, bestehend aus den, lange im Duo aufgetretenen Bandleadern Matthew Page (Lead vocals, guitars) und Zack Murphy (Drums), sowie den jetzt mit integrierten Dylan Whitlow (Bass) und Ollie Dogg (Harmonica), stellt den gediegenen Hörer wie mich, auf ihrem aktuellen Werk „Handle It“ auf eine harte Probe.

Ihr Stil ist recht schwierig zu charakterisieren. Eine Mischung aus klassischem Rock’n’Roll, gepaart mit Country-, Roots- und Southern Rock-Zutaten sowie Punk- und psychedelischen Eingaben der Seventies dürfte das Ganze einigermaßen annähernd beschreiben.

Pages anhaltend kreischende, rotzige Stimme, die mich ganz entfernt an die von Gordy Quist (The Band Of Heathens) erinnert (sorry Gordy…), sein meist schrammliges und surrendes (wenn der Bottleneck übergestreift wurde) E-Gitarrenspiel und Doggs quäkende Mundharmonika sind dabei in der Regel die Ton angebenden Elemente. Whitlow und Murphy entfachen mit pumpenden Bass und polternden Drums fast immer einen in Richtung Punk gehenden Rhythmusteppich.

Aus meinem Spektrum fallen mir als Vergleichsgrößen im weitesten Sinne Acts wie Delta Saints, die Black Crowes, Sachen aus dem Dan Baird-Dunstkreis („Pork Rind“ mal als Beispiel-Clip) oder Jackson Taylor & The Sinners & Co. ein. Am besten gefällt es mir, wenn wie bei „Spent All My Money“ (mit Akustikgitarre und Fiddle) oder „Dead On The Road“ so ein Hauch von Country durchschimmert.

Die meisten Stücke sind für jemanden meines Alters in den heimischen vier Wänden, angesichts des im trashigen Garagensound produzierten Ganzen und der fortwährenden ‚Wibbligkeit‘, doch ziemlich nervenzehrend, gipfelnd in dem wild zusammen geschusterten Abschlusstrack „Call Me After Midnight“. Lobenswert, die durchgehend vermittelte Authentizität, der selbstironische Teint und das gnadenlose Durchziehen ihres Konzeptes ohne kommerzielle Hintergedanken – für Nashville purer Horror.

Ich assoziiere bei „Handle It“ der Blackfoot Gypsies z. B. Bier-intensive Männer-Grillabende, um evtl. verhasste Nachbarn zu später Stunde zu ärgern (Polizeibesuch garantiert!) oder trunkenreiche Junggesellenabschiede, also alles Dinge, wo eine gehörige Portion alkoholischer Getränke bedingungslose Begleiterscheinungen sind. Am ehesten dürfte dieser Stoff live in beschriebenem Zustand seine Wirkung entfalten (die Band wird übrigens im Mai/Juni auch in unseren Gefilden auftreten). Wie du dieses Werk letztendlich händelst, steht aber natürlich auf einem anderen Blatt Papier…

Plowboy Records (2015)
Stil: Southern Rock’n’Roll

01. Scream My Name
02. Pork Rind
03. Under My Skin
04. Too Bad
05. Spent All My Money
06. In Your Mind
07. Dead on The Road
08. Snake Charmer
09. So Be It
10. Call Me After Midnight

Blackfoot Gypsies
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