Charles Esten – Zoom-Interview

Ein paar Tage vor seinem Gig in Köln hatten wir das Vergnügen, mit dem bekannten Musiker und Schauspieler Charles Esten ein Interview via Zoom durchzuführen.

Unter dem folgende Link kann man sich das Interview ansehen, bzw. anhören:

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Charles Esten
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Lime Tree Music

The Red Clay Strays – Moment Of Truth – CD-Review

Review: Stephan Skolarski

Als Newcomer eine Empfehlung von Billboard zu erhalten, stellt für neue Bands nach wie vor ein ausgezeichnetes Sprungbrett dar. Der Billboard-Trailer über die The Red Clay Strays wurde passend zum Release von “Moment Of Truth”, dem Debutalbum der Band veröffentlicht.

Seit 2016 sind die “Strays” aus Mobile, Alabama, schon aktiv unterwegs und spielen in einem Genre, das sie selbst als “non-denominational rock ’n’ roll“ bezeichnen, eine Mischung aus Southern, Country, Rock, Blues und Soul in sprichwörtlich diversen Varianten. Hemdsärmelige Soundschöpfungen mit klaren Huldigungen an Elvis oder Johnny Cash mit Einflüssen von Ray Charles bis Jerry Lee Lewis, werden mit Gospel und Rockabilly vermengt. Vibes von Van Morrison und Stevie Ray Vaughan sind ebenso beinahe magisch wie emotional verbunden und bilden das multi-talentierte Soundgefüge der Band.

Das Album beginnt mit dem erfrischend geradlinigen Blues Rocker “Stones Throw” und rauen E-Gitarren, die auch im folgenden Titeltrack immer wieder einfühlsam die musikalischen Akzente setzen. Zurückhaltend und slow interpretiert kommt mit “Do Me Wrong” ein Soul-Blues in Form des klassischen “Stand By Me” und steigert den Hörgenuss der brillanten Stimmgewalt von Sänger Brandon Coleman erneut in eine soulige Richtung. Neben dem hochtalentierten Frontmann, der einen Elvis-Style sowie eine leidenschaftliche Bühnenpräsenz verbreitet, besteht die Gruppe aus Drew Nix (electric guitar, harmonica, vocals), Zach Rishel (electric guitar), Andrew Bishop (bass), John Hall (drums). Hinzu kommt Matthew Coleman, der nicht mit auf den “Brettern” steht, aber zusammen mit Drew Nix die 12 Songs des Longplayers geschrieben hat.

Die insgesamt reduzierte, entspannte Spielweise lässt beim nachfolgenden Charttitel “Wondering Why” im Vordergrund der außergewöhnlichen, gesanglichen Souveränität eine Art Gothic-Country Melodram entstehen – auch bei minimaler Lautstärke ein intensiver Track. Die gleiche Intensität verbreiten die Balladen “Heavy Heart” oder “Ghosts”, deren unbeschwerte Storytelling-Qualitäten noch von “Killers” übertroffen werden.

Einzig der fast schon sehr schnell im CCR-Sound dahin fließende Country Rock “She’s No Good” fällt fast aus dem Rahmen der musikalisch lässig entspannten Aufnahmen. Diese normale, tiefgreifende Eleganz von “Moment Of Truth” wird bei der komplexen Klavierballade “Sunshine” wieder in den Kontext einer zeitlosen Produktion gebracht und unterstreicht die ausbalancierte Energie der Songliste. Die abschließende, herzlich-schöne Mid-Tempo-Nr. “Doin’ Time” würde unverkennbar dem hochgeschätzten John Fogerty jedenfalls ebenso alle Ehre machen – ein starkes Finale!

Als Vorband von u. a. Brothers Osborne, Old Crow Medicine Show oder Eric Church haben die “Red Clay Strays” diese Tour-Years of Experience genutzt, um mit Hilfe eines Fundraising-Projektes “Moment Of Truth” in 8 Tagen zu realisieren. Ein absolutes Erfolgsalbum mit elektrisierenden Songs ist dabei entstanden, oder wie Sänger Brandon Coleman resümiert: “We’re just looking for paying attention”. Sogar die Rolling Stones sind auf die Newcomer aufmerksam geworden: Am 30. Mai 2024 spielen die Red Clay Strays als Support der Stones in Foxborough, Massachusetts.

Thirty Tigers (2024)
Stil: Blues Rock, Southern Rock, Roots Rock, Americana, Country

Tracks:
01. Stones Throw
02. Moment Of Truth
03. Do Me Wrong
04. Wondering Why
05. Forgive
06. Heavy Heart
07. Ghosts
08. She’s No Good
09. Don’t Care
10. Killers
11. Sunshine
12. Doin’ Time

The Red Clay Strays
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Oktober Promotion

Beaux Gris Gris & The Apocalypse – Hot Nostalgia Radio – CD-Review

Review: Michael Segets

Die ersten vier Tracks von „Hot Nostalgia Radio“ lassen keine nostalgischen Gefühle aufkommen. Beaux Gris Gris & The Apocalypse legen fulminant mit voluminösen Sound und dominanter elektrischer Gitarre los. Schmissiger Rock’n Roll hallt zum Einstieg aus den Lautsprechern: „Oh Yeah!“ – der Titel ist da Programm. Nach dem vorab auskoppelten Opener geht es kraftvoll mit dem Selbstbekenntnis der Frontfrau Greta Valenti „Wild Woman“ weiter. Ebenso kommt das aufgekratzte, mit einem Indie-Einschlag versehende „I Told My Baby“ kurz und knackig zur Sache – auch im Text. Während die bisher genannten Stücke in unter drei Minuten abgehandelt sind, nimmt sich die Band für „Satisfy Your Queen“ etwas mehr Zeit. Dennoch wird die zweite Single des Albums straight durchgespielt. Sie ist für mich nicht zuletzt aufgrund des starken Chorus das Highlight der CD.

Nach dem rockigen Anfang nehmen Beaux Gris Gris & The Apocalypse das Tempo sukzessive heraus. Mit „Middle Of The Night“ startet eine Reihe von drei Beiträgen, in denen sich die Band dem Soul zuwendet. „All I Can Do Was Cry“, bei dem Valenti unterstützt von einer Horn-Section zu einem dramatischen Finale ansetzt, beamt ebenso wie das runde „Sad When I‘m Dancing“ in vergangene Zeiten zurück, ohne dabei angestaubt zu wirken. Hier schwingt etwas Nostalgie mit, wie der Albumtitel verspricht.

In der zweiten Hälfte des Longplayers drosseln Beaux Gris Gris & The Apocalypse das Tempo weiter. Valenti zeigt sich bei „The Runaway“ und „Harder To Breathe“ von ihrer sanfteren Seite. „Penny Paid Rockstar“ sticht unter den langsameren Titeln hervor. Obwohl es ruhig angelegt ist, entwickelt das Stück durch den Wechsel von ruhigen und dynamischen Passagen einen schönen Drive. Die beiden Midtempo-Nummern „Don’t Let Go“ und „Marie“ nehmen mich hingegen weniger mit. Sie erinnern entfernt an Kompositionen von Dough Sahm, den ich stets mit Schlagern assoziiere. „Let’s Ride“ geht ebenfalls in diese Richtung, wobei Rhythmus und Akkordeon den Song interessanter als die anderen beiden machen. Das Akkordeon von Sam Robertson gibt dem abschließenden „Mama Cray“, das sich zwischen Folk und Country bewegt, einen Tex-Mex-Einschlag mit. Insgesamt fällt die Scheibe nach hinten raus gegenüber dem begeisternden Start und den souligen Mittelteil etwas ab.

„Hot Nostalgia Radio” ist nach „Love & Murder“ (2019) und „Good Times End Times (2022) das dritte Studioalbum von Beaux Gris Gris & The Apocalypse. Die Köpfe hinter der Band sind die aus Louisiana stammende Greta Valenti sowie Robin Davey aus Großbritannien. Die Texte der vierzehn Titel verfasste Valenti, die Musik schrieben beide gemeinsam teilweise mit Unterstützung des Bassisten Stephen Mildwater. Mit der Band Well Hung Heart supportete Valenti bereits Foreigner und The Offspring. Davey arbeitete schon mit Mick Jagger und Katy Perry zusammen.

Ab Oktober geht die Band auch in Deutschland auf Tour. Mit „Hot Nostalgia Radio” geben Beaux Gris Gris & The Apocalypse eine Empfehlung für ihre Live-Shows ab. Zu erwarten ist dort eine bunte Mischung von Rock, Soul bis hin zum Country. Die beiden rockigen Singles des Albums spiegeln nur eine Facette des Albums wider, bei der die energiegeladene Frontfrau Greta Valenti ihre Stärken ausspielt.

Grow Vision Music & Records (2024)
Stil: Rock and more

Tracks:
01. Oh Yeah!
02. Wild Woman
03. Satisfy Your Queen
04. I Told My Baby
05. Middle Of The Night
06. Sad When I’m Dancing
07. All I Could Do Was Cry
08. The Runaway
09. Harder To Breathe
10. Don’t Let Go
11. Penny Paid Rockstar
12. Marie
13. Let’s Ride
14. Mama Cray

Beaux Gris Gris & The Apocalypse
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JohThema Promotions

FM – Old Habits Die Hard – CD-Review

Wenn man mich spontan fragen würde, wer zu meinen Top-5 der britischen Rockmusikfronter zähle, wäre Steve Overland neben Paul Rodgers, Eric Clapton, Danny Bowes (Thunder) und vielleicht noch David Coverdale (zu seinen Whitesnake-Bestzeiten)  ganz sicher einer der gesetzten Kandidaten.

Besagter Sänger, Musiker und Songwriter blickt jetzt mit seinem Hauptact FM, neben vielen Seitenprojekten wie u. a. Shadowman, The Ladder, Wildlife oder Overland, auf ein 40-jähriges Bandbestehen zurück. Wir hatten vor geraumer Zeit mal das Vergnügen, die Band live zu erleben, als FM mal völlig unverhofft im Oberhausener Resonanzwerk auftauchte und einen überaus unterhaltsamen und starken Gig ablieferte.

Für die Einspielung des mittlerweile vierzehnten Albums „Old Habits Die Hard“ haben er und seine Bandmates Jem Davis, Pete Jupp, Jim Kirkpatrick und Merv Goldsworthy nochmal eine intensive Analyse betrieben, was FM in der Vergangenheit besonders erfolgreich gemacht hat, und die gewonnenen Erkenntnisse im Songwriting für das neue Werk zu kanalisieren. Das ist Ihnen, um es vorweg zu nehmen, hervorragend gelungen.

Leider wurde der Aufnahmeprozess von einigen bitteren Ereignissen überschattet, so wurde Keyboarder Jem Davis zum einen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert, für die es allerdings mittlerweile Entwarnung gab, zum anderen verstarb plötzlich Steves Bruder und FM-Gründungsmitglied Chris, dem zwei Tage später auch Langzeitfreund Bernie Marsden (besonders von Gitarrist Jim Kirkpatrick) ins ewige Jenseits folgte.

Das neue, mit schönem Cover geschmückte Werk „Old Habits Die Hard“ enthält demnach alles, was eine starke Melodic Rock-Scheibe ausmacht. Druckvolle Rhythmusarbeit, Keys in allen Variationen, filigrane und quirlige E-Gitarrensoli inklusive diverser Twineinlagen, einprägsame Melodien (wo sollte die Genrebezeichnung auch sonst herstammen) und Texte und natürlich Steve Overlands markante Stimme als ein weiteres Pfund.

So gibt es bei den insgesamt 11 neuen Tracks auch nicht einen einzigen Hänger, meine absoluten Favoriten sind aufgrund des unterschwelligen Southern-Flairs “Black Water” und das peppige „Cailfornia“.

Jim Kirtkpatrick voller Begeisterung über sich selbst bei „Black Water“: “I could hear Brian May playing the guitar solo, so I pulled out my Brian May signature guitar and tried to do my best impersonation of him. Hopefully I got somewhere close.”

FM bündeln auf „Old Habits Die Hard“ nochmal alle ihrer musikalischen Gewohnheiten, die sie zu einen der besten Melodic Rock Bands aller Zeiten gemacht haben. Für mich persönlich ist das Teil neben „Dead Man’s Shoes“ eines ihrer absoluten Meilensteine. Ganz dicke Kaufempfehlung!

Band Line-up:
Vocals / Guitar – Steve Overland
Bass – Merv Goldsworthy
Drums – Pete Jupp
Keyboards – Jem Davis
Guitar – Jim Kirkpatrick

Frontiers Records (2024)
Stil: Melodic Rock

01. Out Of The Blue
02. Don’t Need Another Heartache
03. No Easy Way Ou
04. Lost
05. Whatever It Takes
06. Black Water
07. Cut Me Loose
08. Leap Of Faith
09. California
10. Another Day in My World
11. Blue Sky Mind

FM
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Frontiers Records

Harlem Lake – 18.04.2024 – Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Zum ersten Mal treten Harlem Lake im Schwarzen Adler in Rheinberg auf. In der Lokation haben in den letzten Jahrzehnten einige Bluesgrößen zu Beginn ihrer Karriere vorgespielt, denen später auch die Schritte in größere Locations gelang. Als Paradebeispiel sei Joe Bonamassa genannt, der seit Jahren große Hallen füllt oder als Headliner bei Festivals auftritt.

So weit sind die jungen niederländischen Musiker von Harlem Lake noch nicht aber wer weiß wo deren Weg noch hinführt. Der Saal des Schwarzen Adler war ansehnlich gefüllt, wozu auch die Stehtische sorgten, die für eine gleichmäßige Verteilung der Musikfans sorgt.

Janne Timmer kündigt schon in der Begrüßung, halb auf Deutsch, halb auf Englisch, an, dass der Abend gewissermaßen ein Release Konzert des Albums „The Mirrored Mask“ ist, was offiziell im Laufe des Jahres veröffentlicht wird, die Besucher aber am Konzertabend schon eine CD zu erwerben.

In der Setlist wurde dann entsprechend fast das komplette neue Album gespielt, sowie Songs vom letzten Studioalbum sowie einige wenige Coversongs. Schon ab dem ersten Stück gelingt es der Band, das Publikum mitzunehmen, dass über den gesamten Abend in den beiden Sets eine ausgelassene Stimmung herrscht und die Musiker für Soloeinlagen mehrfach einen verdienten Szenenapplaus erhalten.

Janne Timmer verfügt nicht nur über eine geeignete Stimme für Soul, Blues und Rock, sie hat auch eine sehr positive, mitnehmende Art, die sich dementsprechend auf die Stimmung auswirkt und sie hat dabei gewissermaßen immer das Publikum im Blick. Neben Timmer ist Gitarrist Sonny Ray der zweite Musiker, der visuell im Vordergrund steht und mit einer für sein Alter beeindruckender Gelassenheit zahlreiche Soli zuweilen schon zelebriert. Er wird dabei gewissermaßen Eins mit seiner Gitarre.

Der Bandgründer Dave Warmerdam ist die meiste Zeit hinter seiner Hammond Orgel und den Keyboards von der Front Stage abgegrenzt, spielt sich aber in einigen Stücken in Soli mit Sonny Ray die Noten zu. Stark sind die Songs, wenn er sich seine Gitarre schnappt und zusammen mit Sonny Ray Southern-Flair in den Adler zaubert. Wie alle anderen Musiker unterstützt er Timmer auch in Backing Vocals oder Harmoniegesängen.

Aber auch die Rhythmusfraktion hat Momente, wo sie im Zentrum des Geschehens steht, um während der gesamten Show für den nötigen Druck sorgen. Drummer Benjamin Torbijn zeigt in einem Solo, das er gewissermaßen zu Beginn als Leisesolo spielt, seine Qualität. Kjelt Ostendorf steigt danach in ein mehrminütiges abwechslungsreiches Bassolo ein. Nach einer der ruhigen Phasen, wo die Instrumente fast ohne elektronische Verstärkung gespielt werden, lobt Timmer das Publikum, das ansonsten lautstark mitgeht, für die Zurückhaltung und man ein Stecknadel hätte fallen hören können.

Nach etwa zwei Stunden Spieldauer geht dann ein Konzertabend zu Ende, in dem die Band zeigt, was für ein Potential in ihr steckt. Mit einem Strahlen in den Gesichtern verabschiedet sich die Band von den Besuchern, die durch ihre Stimmung die Musiker regelrecht angetrieben haben. An dem Abend haben sie auf jedem Fall einige neue Fans dazugewonnen.

Line-up:
Janne Timmer – lead vocals
Dave Warmerdam – organ, keyboards, guitar, bgv
Sonny Ray van den Berg – guitars, bgv
Kjelt Ostendorf – bass, bgv
Benjamin Torbijn – drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Harlem Lale
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Schwarzer Adler, Rheinberg

King King – 24.04.2024 – Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Es jetzt schon wieder eine geraume Zeit her gewesen, dass ich King King live erlebt habe. Ich habe den Nimmos hier in unseren Sphären ja schon in den diversesten Konstellationen (Nimmo Brothers, Stevie Nimmo solo, King King) beigewohnt, auch als sie noch vor recht überschaubaren Zuschauerzahlen performen mussten.

Mittlerweile hat sich Alan Nimmos King King-Projekt durch starke Leistungen eine treue Fangemeinde erspielt und so durften sich Band und auch die Betreiber des Musiktheaters Piano über gut 350 Zuschauer mitten in Woche freuen.

Mein Antrieb war die neue Rhythmusfraktion mit Bassist Zander Greenshields und Drummer Andrew Scott (beide mit starken Leistungen eine absolute Bereicherung) zu sehen, sowie die Einbindung von Bruder Stevie, der ja nach seinem Armbruch unterstützend mitwirkt.

Die Setlist barg keine großen Überraschungen (es gibt ja nach wie vor keine neue Platte), enthielt aber eine gut gewählte Songanordnung (schöne Mischung aus rockigeren und ruhigeren Sachen) und abgesehen von „Old Love“, das nicht gespielt wurde, eine Art ‚Best Of-Programm, mit dem man allerdings jetzt schon recht lange unterwegs ist. Ganz witzig fand ich zwei Mädels vorne direkt an der Bühne, die ihre augenscheinliche Passion für die Truppe mit farblich und strukturell ähnlichen Flanellhemden wie Alan Nimmos Kilt zur Schau trugen.
Photo Credit: Adam Zegarmistrz Glagla

Der absolute König auf der Bühne war natürlich besagter Protagonist, der seinen Untertanen neben sich gerade genau das Maß an Aufmerksamkeit gewährte, dass vermutlich jeder bandinterne Funke von Aufruhr im Keim erstickt wird. So durfte sich Keyboarder Jonny Dyke mal mit Intros oder ab und zu mit einem Kurz-Solo einbringen, aber was die Gitarrenparts anging, hatte es schon fast Bonamassasche Dimensionen.

Am Ende durfte der lange Zeit zum Statisten degradierte Bruder Stevie dann zumindest im Enddrittel bei „I Will Not Fall“ und bei der meistens gebrachten Zugabe, dem launigen Schunkler „Let Love In“, auch mal seine Fingerfertigkeit an den Saiten vorführen, die hier dann auch in schöne Twins mit Bruder Alan mündete.

Geärgert habe ich mich, dass der Schotte damit geizte, für ein vorher angefragtes VIP-Bild mit unserem Logoschild zur Verfügung zu stehen, obwohl es nur eine Minute gedauert hätte und ich auch schon eine Stunde weit vor dem Gig präsent gewesen bin.

Ob der Frust über den abgesagten Gig in Dresden mangels des dortigen Zuschauerinteresses noch in den Knochen saß, weiß ich nicht, aber mal höchstens zwei Minuten für ein Magazin zu investieren, das einen schon sehr lange protegiert, ist in der Regel oft gut investierte Zeit und bricht sicherlich keine Zacken aus der vermeintlichen Krone.

Meine Wenigkeit wird sich unter diesen Bedingungen weitere KK-Besuche mitten in der Arbeitswoche, bei nicht unerheblichem Anreiseweg, sicherlich in Zukunft zweimal überlegen.

Insgesamt muss man aber, abseits der eigenen Befindlichkeiten, fairer Weise attestieren, dass King King von der musikalischen Leistung her mit ihrem eigenständigen Blues Rock-Konglomerat vermischt mit Clapton-, Bad Co.- und Whitesnake-Einflüssen auf jeden Fall überzeugt haben und demnach für eine begeisterte und gut mitgehende Dortmunder Audienz gesorgt haben.

Line-up:
Alan Nimmo: electric guitar, lead vocals
Stevie Nimmo: electric guitar, vocals
Zander Greenshields: bass, vocals
Jonny Dyke: keyboards, vocals
Andrew Scott: drums

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

King King
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Charley Crockett – $10 Cowboy – CD-Review

Review: Michael Segets

„Those folks who talk about me have never lived no life like mine.“ So lautet ein Vers aus „Good At Losing“, der Kritikern nochmal in Erinnerung ruft, dass sie nur begrenzte Kompetenzen haben, über das Werk von anderen zu urteilen. Ebenso ist es schwierig, die Authentizität der erzählten Geschichten festzustellen. Charley Crocketts neues Werk wirkt jedenfalls ehrlich, wenn es darum geht, einen Einblick in sein Leben zu geben. Er gehört zu der Spezies, die unermüdlich unterwegs ist und am laufenden Band Longplayer herausbringt. Dieses Leben on the road thematisiert Crockett auf „$10 Cowboy“ und verbindet seine Reflexionen gelegentlich mit einem Blick auf die Atmosphäre in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Songs entstanden innerhalb von zwei Monaten, die er im Bus während seiner Tour quer durch die USA verbrachte.

Mit dem neuen Album macht Crockett als Songwriter einen gewaltigen Sprung nach vorn. Sein prägnanter Gesang gibt seinen diversen Cover-Projekten einen eigenen Reiz und auch unter seinen selbstverfassten Kompositionen finden sich beachtliche Stücke, die lange Zeit nachwirken. Mit „$10 Cowboy“ gelingt ihm allerdings sein bislang bestes Album, das keinen einzigen Durchhänger aufweist. Dies liegt zum einen an den authentisch wirkenden Texten, aber zum anderen auch an den ausgearbeiteten Songstrukturen, die sowohl eingängig als auch variationsreich sind. Crockett löst sich dabei etwas stärker von den traditionellen Mustern, auf die er früher deutlicher rekurriert.

Man kann Crockett sicherlich als derzeit führenden Vertreter des New Traditional Country bezeichnen. Die klassischen Elemente des Genres greift er auf („Diamond In The Rough“, „Midnite Cowboy“), sie wirken aber nie althergebracht oder langweilig. Besonders das lockere „Ain’t Done Losing“ geht mit seinem runden Refrain ins Ohr. Die Stücke sind abwechslungsreich arrangiert. Streicher untermalen „Good At Losing“; Bläser geben „America“ Soul mit. Einen souligen Einschlag haben auch „Gettin‘ Tired Again“ sowie „Lead My Way“.

Das dylaneske „Solitary Road“, auf dem Crockett der elektrischen Gitarre Raum gibt, sticht auf dem Album hervor. Es unterstreicht die These, dass sein Songwriting eine neue Qualitätsstufe erreicht hat. Die Namen der einzelnen Tracks, wie beispielsweise der Titel der ersten Single „Hard Luck & Circumstances“, deuten bereits an, dass Crockett Rückschläge und Niederlagen verarbeitet, dabei verliert er aber den Blick für das Schöne am Wegesrand („City Of Roses“) nicht. Crockett zeigt sich als Mann, der zu seinen Entscheidungen und seine Wahl ein Leben als durchziehender Vagabund zu führen, steht.

Mit „$10 Cowboy“ legt Charley Crockett ein Meisterwerk vor, das seine bisherigen Alben übertrifft. Dabei sind weniger die einzelnen Titel, von den er bereits zuvor einige hervorragende aufzuweisen hat, sondern die Geschlossenheit des Konzepts hervorzuheben. In den Texten zieht er Bilanz über sein Leben als ständig tourender Musiker. Das ist thematisch nicht neu, aber die Tiefe der Selbstreflexion ist beachtlich. Musikalisch bleibt er zwar seiner Richtung treu, aber auch hier ist ein freier und kreativer Umgang mit den Traditionen auszumachen.

Son Of Davy – Thirty Tigers/Membran (2024)
Stil: Country

Tracks:
01. $10 Cowboy
02. America
03. Hard Luck & Circumstances
04. Good At Losing
05. Gettin’ Tired Again
06. Spade
07. Diamond In The Rough
08. Ain’t Done Losing
09. Solitary Road
10. City Of Roses
11. Lead The Way
12. Midnite Cowboy

Charley Crockett
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Thirty Tigers
Oktober Promotion

Canned Heat – Finyl Vinyl – CD-Review

Review: Jörg Schneider

Canned Heat, die 1965 von Alan „Blind Owl“ Wilson und Bob „The Bear“ Hite gegründete amerikanische Blues Rock- und Boogie-Formation hat seit ihrer Gründung in wechselnden Besetzungen so rund 50 Alben herausgebracht und nun kommt, fast 60 Jahre nach Bandgründung, das Studioalbum „Finyl Vinyl“ (CD & LP) dazu. Allerdings ist von den Gründungsmitgliedern nur noch Adolfo „Fito“ de la Parra als Drummer mit von der Partie.

Der Name des Album bietet natürlich reichlich Anlass zu Spekulationen, ob in Zukunft noch weitere Scheiben folgen werden. Immerhin könnte „Finyl Vinyl“ auch wie „Final Vinyl“ gelesen werden. Zu verdenken wäre es den Recken von Canned Heat sicherlich nicht, bewegen sie sich doch alle in einem fortgeschrittenen Alter, wo man schon mal an Ruhestand denken könnte. Adolfo „Fito“ de la Parra geht mit 78 immerhin schon stramm auf die 80 zu.

Aber nun zum Album selbst, eine durch und durch typische Canned Heat-Scheibe mit reichlich Boogie, was bei den Fans sicherlich gut ankommen dürfte. Gleich der Opener „One Last Boogie“, geschrieben von Jimmy Vivino, zeigt, wo die Glocken hängen und dass die Jungs es immer noch drauf haben.

Mit „Blind Owl“ folgt eine Hommage an das Gründungsmitglied Alan „Blind Owl“ Wilson, der bereits 1970 an einer Überdosis gestorben ist und so großartige Songs wie „On The Road Again“ und „Going Up The Country“ geschrieben hatte. Auch „Goin‘ To Heaven (In A Pontiac)“ ist wieder so ein richtig flott-fröhlicher Boogie Woogie mit reichlich Pianounterstützung. Den leicht psychodelisch angehauchten , aber durchaus Canned Heat-typischen Tune „So Sad (The World‘s In A Tangle“), hatte die Band bereits auf ihrem 1970‘er Album „Future Blues“ eingespielt, hier jetzt allerdings mit keinem geringeren als Joe Bonamassa an der Leadgitarre.

Das Instrumental „East/West Boogie“ eröffnet mit einer starken Basslinie und entwickelt sich mit arabischen Melodien zu einem modernen Bauchtanz-Boogie. Ein ungewöhnliches, interessantes Stück, das aus dem Rahmen der übrigen Nummern dieser Scheibe herausfällt. Auf alle Fälle sehr hörenswert! Mit der beschaulichen Bluesnummer „Tease Me“ wird’s dann für die Zuhörer erstmalig etwas ruhiger, bevor „ A Hot Ole Time“ wieder einen flotten Boogie abliefert.

„You‘re The One“ beginnt mit einem fulminaten Gitarrenintro, verläuft sich dann aber zu einem schönen Midtempo- Blues und leitet somit nahezu perfekt zu dem Slowblues „When You‘re 69“ über. Mit „Independence Day“ und „There Goes That Train“, einem Blues mit Americana-Einschlag, geht die Scheibe dann nach über 45 Minuten freudigen Zuhörens und Zuckungen in Beinen und Füßen leider zu Ende.

Insgesamt ist „Finyl Vinyl“ also ein Album in bester Canned Heat-Manier. Hoffen wir mal, dass es nicht das Ende dieser Boogie-Urgestein-Band markiert. Der Tourplan von Canned Heat weist jedenfalls schon Termine in den USA und auch in Europa aus.

Ruf Records (2024)
Stil: Blues Rock, Boogie

Tracks:
01. One Last Boogie
02. Blind Owl
03. Goin‘ To Heaven (In A Pontiac)
04. So Sad (The World‘s In A Tangle)
05. East/West Boogie (Instrumental)
06. Tease Me
07. A Hot Ole Time
08. You‘re The One
09. When You‘re 69
10. Independence Day
11. There Goes That Train Blues

Canned Heat
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Ruf Records

Darius Rucker – Support: Tyler Booth – 19.04.2024, Live Music Hall, Köln – Konzertbericht

Gestern Abend gab es in der restlos ausverkauften Live Music Hall in Köln mit Darius Rucker und seiner Live-Begleitband The Carolina Grey Boys ein Konzert, auf das ich mich schon seit der Bekanntgabe riesig gefreut habe. Zum Einen aus nostalgischen Gründen, da ich seine frühere Band, mit der er zunächst Bekanntheitsgrad errungen hatte, Hootie & The Blowfish, schon immer mochte, zum Anderen, weil er auch mit seinem Schwenk in die Nashville-New Country-Gefilde stets Qualitätsarbeit abgeliefert hat.

Aber zunächst überraschte der als Support vorgeschaltete, mir bis dato völlig unbekannte Tyler Booth, rein äußerlich so eine Art junger Alan Jackson, mit einer selbstbewussten, stimmlich starken und auch instrumentell versierten Vorstellung. Acts dieser Art stellen aus meiner Sicht ja überwiegend eher ein überflüssiges Ärgernis dar, oft dann zum Teil nicht mal zur Musik des Hauptacts passend.

Im Falle des aus Campton, Kentucky stammenden Tyler Booth nehme ich aber alles zurück und behaupte das Gegenteil! Der stieg zunächst mit dem, unserer Klientel bestens aus Outlaws-„Lady In Waiting“- und „Bring It Back Alive“-Zeiten, viel gecoverten Evergreen „Freeborn Man“, zunächst ganz solo in sein kurzweiliges Set ein.

Als Unterstützung gesellte sich dann der Steel-Payer Will Van Horn kurze Zeit später mit dazu und assistierte der kräftigen, Slang-getränkten Stimme und dem fingerfertigen Akustikgitarrenspiel des Support-Protagonisten, bei Songs aus dessen eigenem Fundus wie u. a. „G.O.B. by the G.O.G“, „All This Could Be Yours“, „Drinkin Buddy“, „Palomino Princess“ und dem finalen „Hank Crankin‘ People“.

Eine knappe unterhaltsame halbe Stunde, die Tyler Booth nicht nur viel Applaus einbrachte, sondern vermutlich den einen oder anderen neuen Fan dazu animiert haben dürfte, sich mit seinen bisherigen Alben zu beschäftigen.

Line-up Tyler Booth:
Tyler Booth (lead vocals, acoustic guitar)
Will Van Horn (pedal steel)

Als die Pausenmusik abgeschaltet wurde und das Licht erlosch, konnte man die elektrisierte Spannung und Vorfreude im Publikum (und auch an sich selbst) bereits hautnah spüren. Ich hatte diesmal im alterstechnisch sehr schön durchmischten Publikum sogar das Glück, nicht im direkten Umfeld von irgendwelchen infantilen, betrunkenen und kreischenden Amerikanerinnen zu stehen, somit war alles für einen tollen Konzertabend hergerichtet.

Und der launige Opener „Have a Good Time“ stand dann auch so als etwas wie für eine Blaupause der folgenden gut 1/2 Stunden, inklusive der drei Zugaben zum Start der „Starting Fires“-Tour in der Domstadt. Ja, da war sie sofort, diese unglaublich prägnante Stimme, die man unter hunderttausenden Sängern sofort herausfiltert, und die man in Hootie & The Blowfish-Zeiten schon zu lieben gelernt hatte.

Apropos Hootie & The Blowfish: Tracks aus dieser Zeit waren mit „Let Her Cry“, „Hold My Hand“ und „Only Wanna Be With You“ („One Love“ hätte ich vielleicht auch noch gerne gehört) natürlich auch vertreten und zählten mit zu den Highlights des Abends, vor allem, weil Rucker und sein begleitendes Multiinstrumentalisten-Ensemble (allesamt Könner der Extraklasse) sich durchaus kreativ den Originalen stellten und ihnen einen moderneren Anstrich gaben. Man spürte förmlich die wohligen Schauer, die sich in der Körpern der Anwesenden in der proppe-vollen Halle ausbreiteten.

Diverse hochmelodische und launige Stücke aus dem eigenen Country-Solo-Portfolie (u. a. „Beers And Sunshine“, „For The First Time“, „Don’t Think I Don’t Think About It“, „It Won’t Be Like This For Long“, der Mandolinen-verzierte „Come Back Song“, „True Believers“, „Alright“), die Bandvorstellung, ein 90er-Cover-Intermezzo mit Tracks wie „I Like It, I Love It“ (Tim McGraw), „Waterfalls“ (TLC) oder „Poison“ (Bell Biv DeVoe), vervollständigten einen höchst-unterhaltsamen Hauptteil, der mit dem amüsanten Feger „Homegrown Honey“ seinen Abschluss fand.

Der Zugabenteil erwies sich als weiteres stimmiges Puzzleteil im letztendlich tollen Gesamtgig. Zunächst bildete Darius beim smoothen „Valerie“ mit ersten Kollegen wie Jeff Marino (mit Shaker) die Vorhut, bei dem dann sich auch die restlichen Musiker dann sukzessive zu ihren Positionen bewegten und dann den Song ‚anreicherten‘.

Das folgende Stück mit Quinton Gibsons furiosen E-Gitarren-Einlagen kam in bester Southern Rock-Tradition daher und mit Ruckers bis dato größtem Hit, „Waggon Wheel“, dem Old Crow Medicine Show-Cover, eine fulminanter Bluegrass-Abräumer, gab es zum endgültigen Finale kein Halten mehr bei den restlos begeisterten Besuchern der Live Music Hall. Ein grandioser Auftakt zum „Starting Fires“-Tourstart, Besucher des zweiten, der beiden Deutschland-Termine in München am 22. April, dürfen sich schon jetzt ‚die Hände reiben‘!

Line-up Darius Rucker & Band:
Darius Rucker (lead vocals, acoustic guitar)
Lee Turner (keyboards, acoustic guitar, vocals)
Jeff Marino (drums, percussion)
John Mason (bass, vocals)
Quinton Gibson (electric guitar, vocals)
Sasha Ostrovsky (pedal steel, banjo, dobro)
Garry Murray (acoustic guitar, mandolin, fiddle, banjo, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Darius Rucker
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Tyler Booth
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prime entertainment GmbH
Live Music Hall Köln

Various Artists – Live On Mountain Stage – Outlaws And Outliers – CD-Review

Review: Michael Segets

Letztes Jahr feierte die Radioshow „Mountain Stage“ ihr vierzigstes Jubiläum. Aus diesem Anlass erscheint ein Querschnitt der dort aufgetretenen Musiker: „Live On Mountain Stage – Outlaws And Outliers”. Die von Larry Groce ins Leben gerufene, wöchentlich ausgestrahlte Sendung ist nach Grand Ole Oprey die landesweite Radioshow mit der längsten Laufzeit in den USA. Sie wird normalerweise im Culture Center Theater in Charleston, West Virginia, vor Publikum aufgenommen. Im Herzen der Appalachen gelegen verschreibt sich die Show der Roots-Musik. Seit 2021 moderiert Kathy Mattea die zweistündige Sendung. Sie steuert das sanfte „Red-Winged Blackbird” dem Album bei.

Die Compilation entstand in Zusammenarbeit mit Oh Boy Records, sodass ein Beitrag des verstorbenen Labelgründers John Prine („Souvenirs”) obligatorisch ist. Daneben geben sich einige namhafte Musikerinnen und Musiker ein Stelldichein, die sich in der SoS-Interpretenskala wiederfinden: Lucinda Williams („Joy”), Eric Church
(„Sinners Like Me”), Margo Price („Hurtin’ (On The Bottle)”), Steve Earle
(„You Know The Rest”), James McMurtry („Canola Fields”) und Jason Isbell („Traveling Alone”). Besonders bemerkenswert ist der Beitrag von Wilco mit dem David-Bowie-Cover „Space Oddity“. Ebenfalls geläufig dürften The Indigo Girls sowie Alison Krauss sein, die mit „Closer To Fine” beziehungsweise „Let Me Touch You For A While” zwei Highlights des Longplayers abliefern. Die Fans der jeweiligen Musikerinnen oder Musiker kommen also in den Genuss einer höchstwahrscheinlich unbekannten Live-Performance.

Darüber hinaus bieten Various-Artist-Sampler oftmals die Möglichkeit neue Bands zu entdecken und „Live On Mountain Stage – Outlaws And Outliers” bildet da keine Ausnahme. Die markante Stimme von Andrew Martin des Duos Watchhouse („The Wolves“) lässt aufhorchen. Bei der Auswahl der Titel wurde eine ausgewogene Verteilung von weiblichen und männlichen Lead Vocals berücksichtigt. Einen Akzent setzen Bela Fleck und Abigail Washburn mit ihrem Beitrag banjogetriebenen „What’cha Gonna Do”.

Die meisten Stücke sind dem bodenständigen Americana mit fließenden Übergängen zum Folk oder Bluegrass zuzuordnen. Sie kommen ohne technische Spielereien aus und spiegeln in diesem Rahmen Varianten der traditionellen Roots-Musik wider. Tyler Childers sticht mit dem rockigen „Going Home” dabei heraus. Zwei bis drei Songs liegen nicht auf meiner Linie, aber das verwundert bei einundzwanzig Titeln unterschiedlicher Musikern nicht wirklich.

Insgesamt feiert die Radioshow Mountain Stage mit „Outlaws And Outliers“ ihr Vierzigjähriges angemessen mit einer bunten Mischung an etablierten und weniger bekannten Interpretinnen und Interpreten. Die Zusammenstellung bietet so eine Fundgrube für rare Liveaufnahmen und Neuentdeckungen. Die Palette handgemachter Musik bewegt sich vorwiegend im Americana mit einer Nähe zum Folk oder Bluegrass.

Oh Boy Records – Thirty Tigers/Membran (2024)
Stil: Americana

Tracks:
01 Wilco – „Space Oddity”
02 Watchhouse – „The Wolves”
03 Molly Tuttle – „You Didn’t Call My Name”
04 Tyler Childers – „Going Home”
05 Lucinda Williams – „Joy”
06 Eric Church – „Sinners Like Me”
07 Margo Price – „Hurtin’ (On The Bottle)”
08 Gillian Welch and David Rawlings – „One More Dollar”
09 Birds of Chicago – „Lodestar”
10 Kathy Mattea – „Red-Winged Blackbird”
11 The Indigo Girls – „Closer To Fine”
12 John Prine – „Souvenirs”
13 Steve Earle – „You Know The Rest”
14 Bela Fleck and Abigail Washburn – „What’cha Gonna Do”
15 Sierra Ferrell – „I’d Do It Again”
16 Tim O’Brien – „Cup of Sugar”
17 Rhiannon Giddens – „Black Is The Color”
18 Alison Krauss – „Let Me Touch You For A While”
19 James McMurtry – „Canola Fields”
20 Jason Isbell – „Traveling Alone”
21 Sam Baker – „Isn’t Love Great”

Thirty Tigers
Oktober Promotion