Dean Brody – Same – CD-Review

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Großartiger, überwiegend selbst komponierter, natürlicher, herrlich erfrischend und modern eingespielter, dennoch durch und durch traditioneller Country/New Country, der den angesagten Neo-Traditionalisten Nashvilles, wie Brad Paisley, Rodney Atkins & Co. mächtig Konkurrenz machen könnte. Für den in Jaffry, am Rande der kanadischen Rocky Mountains aufgewachsenen Dean Brody erwies sich der Weg nach Nashville recht steinig. Man kann schon fast sagen, die große Karriere schien schon abgeharkt, bevor sie richtig begann, denn Brody mußte musikalisch wie auch persönlich immer wieder herbe Rückschläge einstecken.

Brody brachte sich mit 14 Jahren selber das Gitarre spielen bei und begann, naturgemäß zunächst in Kanada, die ersten Gehversuche in Richtung musikalischer Karriere. 2004 beschloss er schließlich sein Glück in Nashville zu versuchen. Er ergatterte auch einen Job bei einer Plattenfirma und erhielt einen Veröffentlichungskontrakt, der aber ohne in die Tat umgesetzt zu werden, wieder gecancelt wurde. Zudem wurde seine Aufenthaltsgenehmigung in den Staaten nicht verlängert. Brody kehrte frustriert zurück nach Kanada und war kurz davor, für einen Job in einer Kohlenmine anzuheuern, schließlich musste er seine Familie ernähren.

Just an dem Tag, wo er seinem Bekannten Matt Rovey, vornehmlich bekannt als Zuarbeiter des bekannten Alan Jackson-, George Jones-Produzenten Keith Stegall, die für ihn frustrierenden Nachrichten telefonisch überbringen wollte, klingelte dieser bei ihm durch und verkündete die frohe Botschaft, dass Stegall ihm einen Plattendeal beim arrivierten Broken Bow Records-Label (u.a. Jason Aldean, Randy Owen) besorgt hatte. So zog Brody erneut mit seiner Familie nach Nashville. Doch auch hier wieder der persönliche Rückschlag. Brody erlitt einen schweren Wasserski-Unfall, der eine schwierige Gesichtsoperation zur Folge hatte.

Mittlerweile jedoch sind die Wunden verheilt und Dean hat sein fast ausnahmslos selbst komponiertes Debütalbum eingespielt. Und das sorgt mittlerweile nicht erst seit der erfolgreichen Singlevorveröffentlichung „Brothers“ (klasse, traditioneller, textlich emotionaler Midtempo-Country mit Steel-, Fiddle- und Baritone-E-Gitarren-Einlagen Marke Alan Jackson/Garth Brooks) für Furore. Brody hat sich in der Darbietungsweise des Albums der großen Neotraditionalisten verschrieben. Er punktet mit einer sehr angenehm ins Ohr gehenden Stimme (von Dierks Bentley über Vince Gill bis zu Brad Paisley), sehr natur- („This Old Raft“) und werteverbundenen Texten („Old Joe Riley“), ohne dabei aber zu sehr ins Pathetische abzudriften.

Die Songs sind neben den klasse Gesangsleistungen auch instrumentell absolut hochwertig von einem Starensemble umgesetzt (mit dabei u.a. Lonnie Wilson, Eddie Bayers, Bruce Watkins, Brent Mason, Kenny Greenberg, Philip Moore, Jim Brown, Stuart Duncan, Paul Franklin). Das Album eröffnet mit den zwei recht flotten, knackigen, gut in die Beine gehenden Gute Laune-Songs „Undon“ und „Dirt Roads Scholar“, deren klasse Gitarrenuntermalungen immer wieder durch exzellente Steel- und Fiddle-Einlagen ergänzt werden.

Dass Dean auch im Balladenbereich bewandert ist, beweist er beim schwerelos wirkenden Lovesong „Gravity“, der ein wenig an Lonestar erinnert. Herrlich vor allem das wunderbar entspannt dahin fließende „Lazy days“ mit seinen toll eingestreuten Dobro-Fills, wobei Text-Thematik und Instrumentelles harmonisch ineinander verschmelzen. Klasse! Gleiches gilt für das dezent grassige „This Old Raft“ (erinnert ein wenig an die großen Nashville-Erfolge der Nitty Gritty Dirt Band), bei dem Brodys Gesang, ähnlich einem Vince Gill, unglaublich warm und angenehm rüberkommt, und am Ende Fiddle, E-Gitarre und Dobro zu einem aufeinanderfolgenden Finish ansetzten.

Das atmosphärisch, Western-style angehauchte „Cattleman’s Gun“ wird mitreißend, in typischer Garth Brooks-Dramaturgie in tiefer gelegter Stimmlage dargeboten (Dobro, schönes „Orgel-Gurgeln“, Windpfeifen am Ende). Die feine Ballade „Up On The Moon“ (mit frischem Mandolinengezirpe, Piano- u. E-Gitarren-Fills, Steeljammern und emotional heulende Fiddle) schießt ein komplett in sich stimmiges Album prima ab, das bei Produzent und Stegall-Spezi Matt Rovey absolut in den richtigen Händen lag.

Dean Brodys Debüt bereichert die Szene der modernen Traditionalisten Marke Alan Jackson, George Strait, Garth Brooks, Dierks Bentley, Brad Paisley, Craig Morgan, Vince Gill, Jason Aldean, Rodney Atkins, und wie sie alle heißen, um ein weiteres belebendes und hochwertiges Element. Der Bursche macht einen klasse Job! Die Countryfreunde werden viel Freude mit ihm haben. Die CD kommt in einem schönen in feiner, matter Optik gehaltenen Digipack mit eingeschobenem Booklet, inkl. aller Infos und Texte. Debüt perfekt gelungen!

Broken Bow Records (2015)
Stil: New Country

01. Undone
02. Dirt Road Scholar
03. Gravity
04. This Ain’t The Same Town (That I Painted Red)
05. Lazy Days
06. Brothers
07. Old Joe Riley
08. This Old Raft
09. Back In Style
10. Cattleman’s Gua
11. Up On The Moon

Dean Brody
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Brett Eldredge – Bring You Back – CD-Review

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Brett Eldredge, ein weiterer talentierter Newcomer unter dem New Country-Radarschirm! Dass der aus dem kleinen Ort Paris/Illinois stammende Bursche (ganz witzig: die Rechte seiner auf „Bring You Back“ veröffentlichten Lieder wurden unter dem Namen „Paris Not France Music“ verbrieft) irgendwann einmal musikalisch aufhorchen lassen würde, deutete sich bereits in ganz jungen Jahren an, als ihm Leute aus der Nachbarschaft aufgrund seiner schönen Stimme jedesmal 5 Dollar boten, wenn er für sie die Nationalhyme singen würde.

Nach ersten Erfahrungen bei einigen Talentwettbewerben folgte der finale Entschluss, ebenfalls wie sein entfernter Cousin Terry Eldredge (Mitglied der Bluegrass-Band The Grascals), sein Glück in Nashville zu versuchen. Schnell geriet er in Kontakt mit diversen Songschreibern der Szene, wobei vor allem Bill Anderson sich seiner annahm und ihn in die „Geheimnisse“ des erfolgreichen Songwritings einweihte. Aus einer Zusammenarbeit mit ihm und Brad Crisler (übrigens hat Brett elf der zwölf Tracks mitkomponiert) resultiert beispielsweise auch das flotte Stück „Signs“, eines der vielen Highlights in einem sich durchgehend auf hohem Niveau befindlichen Albums.

Klasse wie hier die 1A-Garde der Studiomusiker (u.a. Shannon Forrest, Mike Brignardello, Brent Mason, Paul Franklin, Bryan Sutton, Stuart Duncan, Tony Harrell) agieren. Vor allem ist es das erste und einzige Stück, bei dem, fast gegen Ende des Albums (Track 10), wie aus dem Nichts eine von Duncan gespielte Fiddle hörbar auftaucht – herrlich hier die Solo-Kombination mit Masons unnachahmlicher E-Gitarre. Produziert hat dieses Lied übrigens TimMcGraw-Spezie Byron Gallimore. Übrigens der helle Wahnsinn, was Atlantic Records an namhaften Produzenten (Scott Hendricks, Chris deStefano, Luke Laird, Brad Crisler, Russ Copperman) aufgefahren hat, die jeweils dann natürlich auch ein ganzes Heer an von ihnen bevorzugten Klasse-Musikern (unter anderem Chris McHugh, Steve Brester, Ilya Toshinski, Dan Dugmore, Jeff King, Russ Pahl, Charlie Judge, Mike Durham, und und und…) und teilweise auch sich selbst eingebunden haben (vorzüglich z.B. bei den Luke Laird-Songs dessen markante Akustikgitarrenarbeit).

Mit dem sehr persönlichen „Raymond“ (hier wird die Alzheimer-Erkrankung seiner Großmutter thematisiert) hatte Eldredge vor einigen Wochen mit Platz 23 der Billboard Country Singles Charts bereits einen respektablen Achtungserfolg erzielt. Mittlerweile ist ihm mit dem energiegeladenen „Don’t Ya“ (stark die vielfältige Saitenarbeit von Produzent und Mitschreiber Chris DeStefano, hier besonders auffällig die Banjitar) sogar der Sprung unter die Top-10 gelungen. Zu punkten weiß Eldridge vor allem mit seiner tollen Bariton-Stimme, die aber auch oft eine unterschwellige Portion an Soul beinhaltet (man assoziert Leute wie Phil Vassar, Pat Green, Gary Ray, Jeff Bates), sich aber immer geschickt dem Countrythema unterordnet.

Eldredge hat unbestritten schon jetzt das Zeug, zu einer echten Charakterstimme zu avancieren. Weitere tolle Songs sind der mit schönem Redneck-Flair durchzogene Opener „Tell Me Where To Park“ (grandioses Akusktigitarrensolo und -spiel von Luke Laird), die schöne Powerballade und zugleich auch der Titelsong „Bring You Back“ (mit beeindruckenden Harmoniegesängen von Mit-Autorin Heather Morgan), die ruhige und sehr atmosphärische Southern Soul-Nummer „Waited Too Long“ (klasse E-Gitarren-Solo in feiner Allman Brothers-Manier von Troy Lancaster) oder das relaxt, mit einem markanten E-Gitarren-Führungsriff dahin groovende „On And On“.

Hitverdächtig auch die flotten, energiereich und dezent poppig gestalteten Sachen wie „Beat Of The Music“ (schöne E-Slidebegleitung) oder das abschließende „Go On Without Me“ (Tempowechsel, gut harmonierende „Backs“ von Natalie Hemby und Stephanie Chapman). Brett Eldredge (nicht nur rein äußerlich Craig Morgan etwas ähnelnd) hat mit seinem Nashville Major-Debüt „Bring You Back“ direkt ein dickes Brett hingelegt. In Kombination mit seinen bereits getätigten Live-Erfahrungen als Support von Leuten wie Taylor Swift, Blake Shelton und Tim McGraw könnte hier schnell eine ernstzunehmende neue Größe im weiten und hart umkämpften Feld der Charaktersänger wie die gerade erwähnten Shelton und McGraw, Luke Bryan, Billy Currington, Jake Owen, Eric Church, Lee Brice, Darius Rucker & Co. für weiteren Wettbewerb sorgen. Ein toller Einstieg von Brett Eldredge!

Atlantic Records (2013)
Stil: New Country

01. Tell Me Where To Park
02. Don’t Ya
03. Bring You Back
04. On And On – 3:09
05. Gotta Get There
06. One Mississippi
07. Beat Of The Music
08. Waited Too Long
09. Mean To Me
10. Signs
11. Raymond
12. Go On Without Me

Brett Eldredge
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Lonestar – Mountains – CD-Review

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Berge haben sie in ihrer über zehn Jahren währenden Laufbahn bereits versetzt. Das texanische Quartett Lonestar (Ritchie McDonald, Michael Britt, Dean Sams und Keech Rainwater) zählt mit seinen millionenfach verkauften CDs zu den festen Größen im Geschehen rund um Music City. Auch ihr neues Werk „Mountains“ wird diesen Trend wohl fortsetzen. Man ist in der komfortablen Situation, interpretationstechnisch ohnehin mit viel Talent gesegnet, sich seit geraumer Zeit das Beste vom Besten in Sachen Produzenten, Songwritern und Begleitmusikern leisten zu können.

Also, was soll da schon großartig schief gehen? An den Reglerknöpfen saß diesmal der prominente Mark Bright (Rascal Flatts, Carrie Underwood, Brad Paisley, BlackHawk etc.), kompositorisch involviert ist, neben Ritchie (3x) und Dean (1x), alles, was Rang und Namen in der Szene hat (Wendell Mobley, Neil Thrasher, Brett James, Craig Wiseman, Tom Shapiro etc.). Hochkarätige Musiker wie Tom Bukovac, Gordon Mote, James Lowry, Eric Darken, Wes Hightower, usw. sind darüber hinaus zusätzliche Qualitätsgaranten, was die instrumentelle und gesangstechnische Ergänzung betrifft.

Im Gegensatz zur letzten Scheibe „Coming Home“ hat man bei „Mountains“ den Fokus wieder verstärkt auf die Balladen gerichtet. Aber auch einige flottere Sachen, wie der Country-Party-Rocker „Cowboy Girl“ (klasse Fiddle/E-Gitarre), das knackige „One Of These Days“ (gab es auch schon mal von Trace Adkins) oder „Careful When You Kiss Me“ (ebenfalls durch Andy Griggs auf seinem letzten Album vorgetragen) dienen sporadisch zur Auflockerung des Gesamtgeschehen. Die beiden letztgenannten Stücke erhalten durch Ritchie McDonalds wesentlich weichere Stimme einen ganz anderen Teint.

Zentrum des Albums ist aber eindeutig der Titelsong. Eine wunderschöne Melodie im Midtempobereich, sehr feine Instrumentierung mit Akustik-, E-Gitarre und Mandoline, ganz dezentes Steelguitar-„Pfeifen“, ein im Verlauf des Stückes kräftiger und emotionaler werdender Refrain mit sehr aufrüttelndem, gutem Text aus der Feder von Bandleader Ritchie McDonald. Einfach klasse. Die Nummer steht bereits unter den ersten Zwanzig der Billboard-Country-Singles-Charts, mit steigender Tendenz.

Wie bereits erwähnt, bewegt man sich bei den restlichen sieben Stücken weitestgehend im professionell, modern instrumentierten, sehr emotional besungenen Balladen-Bereich (vor allem in den Refrains), wobei es textlich (wie auch bei „Mountains“) teilweise recht ernst zur Sache geht („Long Lost Smile“, „What She Had To“). Beim abschließenden „Always In The Band“ (pianogetränkt, Harmonika-Fills) lässt dann Frontmann McDonald noch mal viel persönliche Note einfließen. Mit „Mountains“ haben Lonestar wieder ihren gewohnt routinierten Mainstream-Country abgeliefert. Prima Stoff für die etatmäßige Klientel der Band mit dem Titelsong als absolutes Highlight!

BNA Records (2006)
Stil: New Country

01. Mountains
02. Nothing To Prove
03. Long Lost Smile
04. Thought It Was You
05. Hey God
06. I Wanna Do It For You
07. Cowboy Girl
08. What She Had To
09. One Of Those Nights
10. Careful Where You Kiss Me
11. Always In The Band

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Rick Huckaby – Portrait

Der Sohn der Basketball-Trainer-Legende Rick Huckabay Sr. zeigt den Major-Companies in Nashville die kalte Schulter und verfolgt konsequent seinen eigenen Weg auf eigenem Label. Dem hochtalentierten Musiker, Singer/Songwriter sollte trotzdem nach drei starken CDs bald der große Durchbruch gelingen. Auch bei uns in Good Ol‘ Germany ist er noch ein unbeschriebenes Blatt, das es zu entdecken gilt.

Um direkt auf den Punkt zu kommen: Rick Huckaby zählt schon jetzt für mich zu meinen persönlichen Neuentdeckungen des noch nicht mal zur Hälfte vergangenen Jahres, auch wenn er 2015 bisher keine Neuveröffentlichung herausgebracht hat und dies vermutlich nicht tun wird. Und selbst der erfahrene Musikfreund wird sicherlich fragen: Rick Huckaby? Wer ist denn das schon wieder?
Den ganz aufmerksamen Klienten unseres Magazins könnte der Name allerdings schon mal begegnet sein. Und zwar in meinem Review zur Scheibe „Raise A Little Hell von Her & Kings County, wo Rick mit der rassigen Frontfrau, Monique Staffile, auf „My Heart Can’t Take Anymore“ ein schönes Duett, als Dank für eine schon länger bestehende Freundschaft, beigesteuert hat.

Ein paar Wochen später fing ich mal, aus einer Laune heraus, ein bisschen über besagten Künstler auf den üblichen Wegen zu recherchieren. Und siehe da, der Bursche hat bereits drei CDs herausgebracht, wobei die letzte „Pistols & Diamonds“ allerdings aus 2014 stammt. Ich entschied, ihn trotzdem mal bezüglich eines Reviews des Silberlings anzumailen. Prompt lagen vierzehn Tage später alle seine bisherigen Werke, handsigniert, in meinem Briefkasten. Das nenne ich mal einen Interpreten, der auf Zack ist und mitdenkt!

Da bot sich dann ja förmlich ein Komplett-Portrait an. Zur Person: Rick Huckaby wurde in Baton Rouge, Louisiana geboren. Sein Vater, Rick Huckabay Sr. (Rick hat das zweite ‚a‘ in seinem Künstlernamen zwecks Vermeidung von Verwechslungen weggelassen) war ein, in den Staaten, bekannter und sehr erfolgreicher Basketball-Coach. Der junge, zwar ebenfalls Basketball liebende Rick (heute passionierter Golfer, wie er mir berichtete), fühlte sich aus seinem Innersten aber doch eher zur Musik hingezogen. Er bediente auf der High School zunächst in diversen Bands das Schlagzeug, lernte dann Gitarre zu spielen, schrieb die ersten Songs und gewann mit seiner Band Front Page den ‚Jimmy Dean True Value Hardware Store Regional Talent-Wettbewerb‘.

1996 entschied er sich nach Nashville zu gehen und verdiente seine Lorbeeren zunächst mit ‚weltlicher‘ Arbeit in einem Konstruktionsbüro einer Asphaltfirma. Schon bald wurde er aber von Tracy Lawrence als Bandgitarrist verpflichtet, den er dann auch für fünf Jahre begleitete. 2002 unterzeichnete er bei Warner Brothers einen Major Deal, wurde dort aber vier Jahre lang quasi ‚auf Eis gelegt‘. Rick stieg auf eigenen Wunsch aus und gründete mit seinem Bruder Andy, in Gedenken an seinen zwischenzeitlich an Krebs verstorbenen Vater, das in Eigenregie geführte Label HeadCoach Music, auf dem folgende drei Alben veröffentlicht wurden:

„Call Me Huck“:

Im Jahre 2008 war es endlich so weit. Rick brachte sein Debüt „Call Me Huck“ heraus., aufgenommen im Studio ‚The Ridge‘ in Brentwood, Tennessee, in der Nähe von Nashville gelegen, unter der Regie vom in Music City bestens bekannten Studio-Drummer Lonnie Wilson, der direkt seine Star-Kollegen wie Dan Dugmore, Glenn Worf, Tony Harrell und Jimmy Nichols um Rick versammelte. Ein mit elf Stücken und einer Spielzeit von nur 38 Minuten noch recht knapp bemessenes Werk, das aber dafür ohne jeden Hänger daherkommt.

Der Opener „I Got You Covered“ wie auch das abschließende Titelstück kommen mit einem herrlich lässigen Groove, wie ihn auch zur gleichen Zeit ein gewisser James Otto auf Stücken wie „Just Got Started Lovin‘ You“ oder „These Are The Good Old Days“ praktizierte. Immer wieder grandios, wie sich meist gluckerndes E-Piano sowie gurgelnde Orgel mit den versiert gespielten E-/Akustik- und Steel-Gitarrenparts (grandios Dan Dugmore) auf dem von Wilson und Worf entfachten Rhythmusteppich ausbreiten.

Ricks Stimme erweist sich als durchaus facettenreich und bewegt sich bei Country-lastigeren Tracks („She Takes Me High“, „Diggin‘ At My Scars“) in Sphären von Herren wie Travis Tritt oder Andy Griggs, weiß aber auch bei soulig angehauchten Sachen („Sing It To You“, das Lounge-taugliche „City Life“) mit dem wohligen Stimmesprit eines Randy Travis oder Tracy Lawrence zu überzeugen. Mit „Ain’t Enough Blacktop“ und „Never Needed A Woman“ gibt es zwei wunderbar warmherzige Balladen zum Relaxen. Southern Rock-Liebhaber dürfen sich an, in Richtung Montgomery Gentry zeigenden, Stücken der Marke „My Bad“, „Mash The Gas“ oder „Can’t Miss Kid“ erfreuen, wobei das Musiker Star-Ensemble teilweise einen unfassbar geilen Groove vom Stapel lässt, der einem regelrecht die Spucke weglässt. Einfach famos! Alles in Allem ein vorzüglicher Erstling, der zu Recht blendende Kritiken erhielt!

„Hittin‘ My Stride“:

Nur ein Jahr später schon folgt mit „Hittin‘ My Stride“ Ricks Paradealbum. Im Großen und Ganzen unter ähnlichen Bedingungen, wurde nur ganz marginal in Nuancen gefeilt. Zugunsten einer etwas rockigeren Ausrichtung wurde auf Steel-Parts verzichtet und mit Kenny Greenberg (in blendender Form) sowie Todd Woolsey noch zwei weitere exzellente Saitenkönner aus der Nashville-Garde hinzugenommen. Orgel und Piano bedienten diesmal die zwei, nicht weniger als ihre Vorgänger bekannten John Jarvis und Mike Rojas. Auch Huckabys bewährte Co-Songwriter wie u. a. J. P. Pennington, Paul Nelson, Jeff Anders oder Michael White durften sich erneut kreativ einbringen.

Das Aufttaktstück „Broken Promisland“ groovt, getrieben von klasse E-Gitarren und einem filigranen E-Piano, direkt, was das Zeug hält. Es erinnert ein wenig an Sachen von Ronnie Milsap („Stranger In My House“). Wunderbar auch das folgende, klasse verschachtelte „Devil On A Good Day“, mit ein wenig Bottle Rockets-Flair. Hucks Stimme weilt, wie auch bei einigen anderen Liedern, in ähnlichen Vokallagen wie Brian Henneman, Pat Green oder Jack Ingram. Unfassbar gut: bluesig-soulig und auch rockig angehauchte Tracks wie „Nothing But A Thing“, „Down From Under You“ oder „Steady Peace“. Den satten Groove, den die Musiker mit rassigen E-Gitarren-Licks, -Fills und -Soli hier erneut fabrizieren, ist atemberaubend, ja absolutes Weltklasse-Niveau.

Auch das schwer unter Slide- und Orgeldampf in Allman-Manier schnaufende „Friendly Advice“ dürfte Southern Rock Freaks derbe Laune machen. „Saving Savannah“ ist die emotionsgeladene Südstaatenballade Marke „Atlanta’s Burning Down“, während das progressiv gestimmte „Tell Me Again“ auch von Mike & The Mechanics stammen könnte. Hier hat Rick fast den sanften Schmelz eines Paul Carrack in seiner Stimme.

„Lies Little Lies“ rockt in Honkytonk-Tempo (klasse hier das typische Piano) jeden Saloon und das bluesig-rotzige „Traveling Light“ hat wieder viel Bottle Rockets-/John Hiatt-Flair. Großartig. Toll auch der mit filigraner Akustikgitarre bestückte Titeltrack, der sich als wunderbar eingängiges Country-Lied mit Bruce Hornsby-Gedächtnis-Piano und ABB-mäßiger E-Gitarrenarbeit entpuppt. Das finale „I’ll Look For You“ gehört ganz und gar dem Hauptprotagonisten, ein kammermusikartig gespielter Countryabgesang, nur mit Akustikgitarre und ein paar Claps an den Holzkorpus rhythmisch begleitet. Es bildet die Brücke zu Ricks drittem und bisher letztem Werk.

“Pistols & Diamonds“:

Nach vier Jahren Pause, zumindest was, eigene Musik betrifft (Rick tourte sehr intensiv und schrieb parallel auch weiter fleißig Stücke, wie unter anderem, das hier enthaltene „Muddy Water“ für Trace Adkins), sollte auf „Pistols & Diamonds“ vieles anders als bisher sein. Rick entschloss sich für sein drittes Werk, elektrische Komponenten weitestgehend außen vor zu lassen (nur Bass und Piano blieben verschont) und den Fokus auf eine eher akustisch gehaltene Performance (auch auf großen Wunsch seiner Fans), vor allem, was die Gitarren angeht, zu legen.
Aufgenommen wurde in Tracy Lawrences LMG-Studios direkt in Nashville, mit an den Reglerknöpfen und den Tasten saß diesmal Flip Anderson, Huckabys langjähriger Freund und Songwriter-Kollege. Auch mit Nir Z, Mark Loudermilk gab es Neubesetzungen, lediglich Glenn Worf zupfte zum dritten Mal auf bewährte Art und Weise den Viersaiter. Der musikalischen Qualität tat dies natürlich keinen Abbruch, auch hier ist ebenfalls ein Könner-Ensemble am Werk. Der Titeltrack zum Auftakt, ein echter New Country-Ohrwurm (vielleicht auf dem nächsten Silberling in einer ‚Full-Version‘ als Bonus-Track?) und das herrlich zu Rotwein-Ambiente bei Kerzenlicht dahinschwofende „Closer To You“ lassen den ’stilistischen‘ Bruch trotz der fehlenden E-Gitarren noch kaum spüren.

Das freche „Gasoline Shoes“ beweist, dass man auch mit Akustikgitarren eine tolle bluesige Atmosphäre erzeugen kann (klasse Loudermilks Slide-Solo). „In My Room“ mit zwinkerndem Text und „Rubbin‘ It In“ laden zu Zweisamkeit auf der Couch ein. Ich muss mich immer wieder über meine 22-jährige Kenwood-Anlage wundern. Der Uralt-CD-Player gibt (auch wenn er bei manchen Silberlingen, was das Abspielen angeht, schon mal rumzickt) dank der herrlich transparenten Aufnahme so einen grandiosen Klang ab, dass man meint, Rick und seine Mitmusiker direkt im Wohnzimmer mit von der Partie zu haben. Der „James Taylor Song“ huldigt ehrfürchtig die mehrfach Grammy-belohnte Singer/Songwriter-Legende in Randy Travis-Manier, während das bluesige „Last One To Leave“ eine Paradegesangsvorstellung von Rick offenbart.

„Some Place In The Sun“, „Mountains On My Mind“ und „Sharp Edges“ verbreiten unter minimalistischen Bedingungen melodisch-simples Country-Wohlfühlambiente. „Undedefeated“ groovt nochmal schön bluesig im Southern-Gewand (großartiger variabler Gesang von Huck), bevor das anfangs angesprochene „Muddy Water“ den Schlusspunkt setzt. Ein Album vornehmlich zum gemütlichen Abschalten vom hektischen Alltagsgeschehen, alternativ zum Näherkommen (beim ersten Date) oder auch als Hintergrundmusik für die große Abendmahltafel mit Freunden im Garten oder auf der Veranda. Insgesamt genau so faszinierend und gut wie die beiden anderen Werke, trotz der der auf Reduktion basierenden Instrumentierung.

Fazit: Es ist immer wieder erstaunlich, welch tolle Interpreten in den Staaten im Nashville-Dunstkreis (oder auch anderen Szenen wie z. B. im Red Dirt) aktiv sind, von denen man in unseren Breitengraden nichts erahnt, ja oft nur träumen kann. Rick Huckaby ist wieder so ein Paradebeispiel dafür. Man kann regelrecht froh sein, dass in diesem Fall, anstatt des genetisch wahrscheinlicheren Basketballs, doch eine Gitarre und ein Mikro in seine Hände gefunden haben. Ein neues Album ist übrigens noch nicht direkt in Planung, soll aber laut Rick dann wieder in einer ‚Normal‘-Version erscheinen und mit mehr Rock- und Blues-Einflüssen versehen werden. Man darf gespannt sein! Liebe Leute, gebt solch tollen Musiker mal eine Chance, die es abseits des, bei uns üblichen, 08/15-Kommerz zu entdecken gilt. Man wird mit ausnahmslos toller Musik belohnt, versprochen! Rick Huckabys Alben können über seine Homepage bestellt werden. Traut euch, noch ist er hier ein echter Geheimtipp! Mit mir hat der imaginäre Rick Huckaby-Fanclub Deutschland jedenfalls sein erstes Mitglied…!

Line-up „Call Me Huck“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar, electric guitar)
  • Dan Dugmore (electric guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • Lonnie Wilson (drums, percussion, background vocals)
  • Tony Harrell (keyboards)
  • Jimmy Nichols (keyboards)

HeadCoach Music (2008)
Stil: New Country

01. I Got You Covered
02. She Gets Me High
03. Sing It To You
04. Ain’t Enough Blacktop
05. City Life
06. My Bad
07. Diggin’ At My Scars
08. Mash The Gas
09. Never Needed A Woman
10. Can’t Miss Kid
11. Call Me Huck

Line-up „Hittin’ My Stride“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar, electric guitar)
  • Dan Dugmore (electric guitar)
  • Kenny Greenberg (electric guitar)
  • Todd Woolsey (electric guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • David Hungate (bass)
  • Lonnie Wilson (drums, percussion, background vocals)
  • Mike Rojas (keyboards)
  • John Jarvis (keyboards)

HeadCoach Music (2009)
Stil: New Country

01. Broken Promiseland
02. Devil On A Good Day
03. Nothing But A Thing
04. Saving Savannah
05. Out From Under You
06. Lies Little Lies
07. Friendly Advice
08. Tell Me Again
09. Steady Peace
10. Traveling Light
11. Hittin’ My Stride
12. I’ll Look For You

Line-up „Pistols & Diamonds“:

  • Rick Huckaby (lead vocals, background vocals, acoustic guitar)
  • Mike Loudermilk (acoustic guitar, slide guitar)
  • Glenn Worf (bass)
  • Nir Z (drums, percussion)
  • Flip Anderson (keyboards)

HeadCoach Music, Lawrence Music Group (2014)
Stil: Acoustic New Country

01. Pistols & Diamonds
02. Closer To You
03. Gasoline Shoes
04. In My Room
05. Rubbin’ It In
06. James Taylor Song
07. Last One To Leave
08. Some Place In The Sun
09. Mountains On My Mind
10. Sharp Edges
11. Undefeated
12. Muddy Water

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Tracy Byrd – Greatest Hits – CD-Review

Tracy Byrd ist jetzt seit 1993 im Country-Geschäft und wird zurecht zu den großen Neo-Traditionalisten der Zunft gezählt, auch wenn ihm bisher nie so richtig die ganz große öffentliche Akzeptanz von Künstlern, beispielsweise wie Alan Jackson, zuteil wurde. Mit „Greatest Hits“ präsentiert er nun schon sein elftes Album, wie immer in gewohnt guter Qualität, und dazu noch mit zwei brandaktuellen, neuen Stücken, sowie drei Neuaufnahmen älterer Byrd-Klassiker!

Für Leute, die bisher noch nichts von ihm in der Sammlung haben, oder ihn nur oberflächlich kennen, ist die CD sicherlich eine gelungene Zusammenstellung seiner erfolgreichsten Nummern (vier Balladen, der Rest schwungvolle Mid-, und Uptemponummern), darunter unter anderem „The Truth About Men“ mit Andy Griggs, Montgomery Gentry und Blake Shelton, das überragende, southern-lastige „A Good Way To Get On My Bad Side“ im Duett mit Mark Chesnutt, oder das wunderbar melodische, Steel-getränkte „Tiny Town“.

Aber auch für die richtigen Tracy Byrd-Hardliner wird etwas geboten, denn die bekommen immerhin drei der bereits bekannten Stücke, nämlich „Watermelon Crawl“, „“Keeper Of The Stars“ und „I’m From The Country“ in einem neuen Gewand dargeboten, ebenso wie die zwei bereits erwähnten neuen Stücke „Johnny Cash“ und „Revenge Of A Middle-Aged Woman“! Beide Lieder sind sehr flott geraten und zeigen einen Tracy Byrd in Hochform.

Erstgenanntes, etwas kratziger und mehr rockig, dank toller E-Gitarre und heulenden Fiddeln (ein leicht mitzugrölendes „Ooh-Ooh“ im Refrain dürfte gerade bei Live-Konzerten zur Stimmung beitragen) – vielleicht mit einem dezenten Blake Shelton-Charakter, mit dem Tracy übrigens auch gut befreundet ist, das zweite Stück erinnert ein wenig an Gretchen Wilsons Abräumer „Redneck Woman“. Ist eine astreine Foot-Stomping-Honkytonknummer voller Drive, mit glasklarem Akustik-Piano von John Jarvis und einem schönen Steel- und Fiddel-Schlagabtausch. Ein richtiger Saloon-Feger!

Mit dabei so klingende Namen wie Greg Morrow, Pat Buchanan, Brent Mason, Paul Franklin und Aubrey Haynie. Das Ganze ist sehr knackig produziert von Billy Joe Walker jr.! Tracy Byrd zeigt wieder eindrucksvoll, dass man ihn auch weiterhin in Nashville auf dem Notizzettel haben muss!

BNA Entertainment (2005)
Stil:  New Country

01. The Truth About Men
02. Just Let Me Be In Love
03. Drinkin’ Bone
04. Watermelon Crawl
05. Keeper Of The Stars
06. A Good Way To Get On My Bad Side (feat. Mark Chesnutt)
07. Ten Rounds With Jose Cuervo
08. Put Your Hand In Mine
09. I’m From The Country
10. Tiny Town
11. Johnny Cash
12. Revenge Of A Middle-Aged Woman

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Tom Keifer – The Way Life Goes – CD-Review

Im Hard Rock-Bereich gibt es gut zwei Hände voll Bands, wie u. a. Little Caesar, Thunder und Great White, mit denen auch ich als passionierter Southern Rock-, New Country- und Red Dirt Rock-Fan schon immer ganz gut leben konnte. Eine weitere war/ist zweifellos Cinderella mit ihrem charismatischen Frontmann Tom Keifer.

Als ich zur Kenntnis nahm, dass der Gute jetzt ein Soloalbum fertiggestellt hat und dies auch noch mit meinen geliebten Studiomusikern aus Music City vollzogen hat, war mein Interesse natürlich sofort geweckt. Die Kombi Keifer und Nashville hatte es ja schon mal 2002 auf einem Werk von Andy Griggs („Freedom“) gegeben, als die beiden ein starke Vorstellung beim Vortrag ihres gemeinsam geschriebenen Songs „A Hundred Miles Of Bad Road“ ablieferten.

Und wie das Leben so spielt, hat der in der Vergangenheit von argen Stimmproblemen Gebeutelte, aus Philadelphia stammende, aber in Nashville lebende Singer/Songwriter jetzt mit „The Way Life Goes“ sich diese Umstände zu Nutze gemacht und ein Soloalbum aufgenommen. Das, was mit Cinderella scheinbar weiterhin nicht zu realisieren ist, wurde dann halt im Alleingang durchgezogen.

Keifer (dem man rein äußerlich auf den Bildern des Artworks doch die Spuren des harten Rock’n’Roll-Business deutlich ansieht) hat die insgesamt 14 Stücke über einen Zeitraum von fast zehn Jahren geschrieben und jetzt auch Dank seiner Ehefrau Savannah (die hier als Co-Writer und Back-Singer stark involviert ist) wohl nicht nur musikalisch die Kurve bekommen. Sein Dank dafür erbringt er ihr textlich in zwei wunderschönen, emotionalen Balladen „Thick And Thin“ und dem beatle-esk angehauchten „You Showed Me“.

Das Grundgerüst der Musiker bilden der furios trommelnde Greg Morrow, Bassist Michael Rhodes, an den diversen Tasten Tony Harrell und natürlich der Protagonist selbst (sämtliche Gitarrenarten, Keyboards, Vocals, Backings). Dazu kommen noch neben seiner Frau exzellente Leute wie Pat Buchanan an Harp und E-Gitarre, sowie mit u. a. Etta Britt und Crystal Talifero (stark ihre rotzigen Eingaben beim grandiosen Opener „Solid Ground“ – toll übrigens bei diesem Lied auch das relaxte Southern-E-Intro und der fließende Übergang mit Keifers berühmten Gekreische in einen satten rockigen Rhythmus) einige Backgroundsänger/innen.

Mit Jeff LaBar als zusätzlichem Gitarristen gibt es auf dem psychedelisch angehauchten „Mood Elevator“ sogar eine kleine Cinderella-Halb-Reunion. Klasse auch die Einbindung der Saxophonisten Jim Horne und Bobby Keys auf den mir mit am besten gefallenden Tracks „Cold Day In Hell“ (mit viel Cinderella-Flair, klasse die quäkende Harp von Buchanan) und dem abschließenden „Babylon“, an dem auch Stones-/Quireboys-Freunde sicher großen Spaß haben werden.

Mit dem in Southern Rock-Kreisen verschmähten Ex-Bandleader von Survivor, Jim Peterik, taucht noch ein alter Bekannter auf, der hier beim bereits zuvor erwähnten „Cold Day In Hell“, der schönen Ballade „Ask Me Yesterday“ (mit typischer Cinderella-Note) und der Single des Werkes „The Flower Song“ (wunderschöne Melodie, erinnert ein bisschen an Rod Stewarts berühmtes „Maggie Mae“) als Co-Komponist fungierte. Weitere Highlights in einer durchgehend unterhaltsamen und sehr abwechslungsreichen knappen Stunde Musik sind das herrlich schwer E-Gitarren-lastig groovende „Ain’t That A Bitch“ (bestechend die klirrende Orgelarbeit von Harrell) und der schön verschachtelte Titeltrack „The Way Life Goes“ (erneut mit bluesiger Harp von Buchanan, sogar dezente T.Rex-Note, starker Refrain).

Tom Keifer hat mit seinem in Ruhe und Bedacht geschaffenen Solowerk „The Way Life Goes“ einen Überraschungstreffer im Musikjahr 2013 erzielt. Seine Stimme macht einen guten Eindruck (zumindest im Studio), ist zwar nicht mehr ganz so prägnant wie zu den Cinderella-Glanztagen, aber ab und zu keift er dann doch immer mal in altbewährter Manier dazwischen. Dafür stimmt aber das geschnürte Gesamtpaket umso mehr. Hoffen wir, dass sein zukünftiger Lebensweg auch weiterhin von solch guten, kreativen Ideen begleitet wird. Für dieses Werk gilt insgesamt. Exzellente Arbeit, Mr. Keifer!

Merovee Records (2013)
Stil:  Hard Rock & More

01. Solid Ground
02. A Different Light
03. It’s Not Enough
04. Cold Day In Hell
05. Thick And Thin
06. Ask Me Yesterday
07. Fools Paradise
08. The Flower Song
09. Mood Elevator
10. Welcome To My Mind
11. You Showed Me
12. Ain’t That A Bitch
13. The Way Life Goes
14. Babylon

Tom Keifer
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Cinderella – Live At The Mohegan Sun – CD-Review

Cinderella gehörten zwischen 1988 und 1994 mit ihren Werken „Long Cold Winter“, „Heartbreak Station“ und „Still Climbing“ zu den Favoriten meines doch recht überschaubaren CD-Bestandes an Hard Rock-Bands, meine eigentliche Passion für andere Musikarten dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Für mich stellten sie eine angenehme Alternative zu AC/DC dar, vor allem aufgrund ihrer doch etwas variableren Songgestaltung, da sie ja auch immer wieder Blues-, dezente Southern- und Countryrockelemente mit in ihre Musik einfließen ließen (sogar Bläser und Fiddle waren kein Tabu).

Nach Tom Keifers stimmlichen Problemen und dem kommerziellen Flop von „Still Climbing“ verlor ich die Band mangels kreativen Nachschubs aus den Augen und war 2004 recht überrascht, als wieder ein Lebenszeichen von Keifer auf Andy Griggs‚ starkem New Country-Album „Freedom“ erschallte, auf dem die beiden ihr zusammen komponiertes „Hundred Miles Of Bad Road“ im Duett zum Besten gaben.

Seitdem war aber wieder Funkstille. Umso erstaunter war ich, als das von mir geschätzte Frontiers-Label, das sich scheinbar in letzter Zeit verstärkt um alt gediente Größen bemüht (s. Mr. Big, Lou Gramm Band), Cinderella neu in ihrem Portfolio präsentierte. Allerdings leider nicht mit einem neuen Studiowerk, sondern mit einer Live-CD („Live At The Mohegan Sun“). Naja immerhin, zumal das Werk in der kompletten „Long Cold Winter“-Besetzung, ihres wohl mit Abstand besten Albums (mit Keifer, Eric Brittingham, Jeff LaBar und Fred Coury), performt wurde.

So weit so gut, insgesamt macht es auch Spaß, dieses Werk anzuhören, sogar meine Gattin ist regelrecht begeistert und hat sich sofort meiner zur Verfügung stehenden Cinderella-Silberlinge bemächtigt. Auch wenn mein persönlicher Cinderella-Lieblingssong „Hard To Find The Words“ auf dieser Scheibe nicht präsent ist, brennen Keifer & Co. (besonders zwischen „Heartbreak Station“ und „Don’t Know What You Got (Till It’s Gone)“ (mit tollem E-Solo) ein stimmungsträchtiges (falls hier nicht technisch nachgeholfen wurde) Hitfeuerwerk ab, das seines Gleichen sucht und mit dem grandiosen „Shelter Me“ (mit herrlicher Honkytonk-Pianoeinlage) seinen Höhepunkt erfährt.

Es gibt aber auch Kritikpunkte. Da wir als Rezensenten mit Download-Stoff bemustert werden, ist die Einschätzung der Soundqualität des Originals recht spekulativ (die Erfahrung hat gezeigt, dass sie wirklich hörbar besser ist). Nervig sind vor allem die recht lieblos abgeschnittenen Übergänge (so geht das zu Beginn stattfindende Instrumental-Intro dadurch nicht fließend in den folgenden „Night Songs“ über, auch der Wechsel von diesem zu „The Last Mile“ verläuft nicht rund. Die ersten Akkordzerlegungen kommen noch bei „Night Song“ und „The Last Mile“ startet erst mit den markanten Powerchords, ähnliches gilt auch zwischen „Fallin‘ Apart At The Seams“ und „Push Push“).

Überhaupt halte ich persönlich eine Live-CD in der heutigen Zeit für absolut überholt (außer natürlich bei kleineren Bands) und bestenfalls noch als Ergänzung zu einer DVD vertretbar. Gerade im Falle Cinderella (mit seinen urig anzuschauenden Musikern) in Verbindung mit dem bombastischen Mohegan Sun Ressort (ein gigantisches Spielcasino mit allem Drum und Dran, wie Hotel, Konzerthalle, Shopping-Center, erbaut von den Pequot-Indianern in Uncasville, Connecticut, das ihnen unglaublichen Wohlstand erbracht hat) wäre einiges an interessantem Filmstoff drin gewesen.

Da hätte man beispielsweise gerne hochtoupierte US-Blondinenrelikte aus der Cinderella-Hochphase eingeblendet gesehen, wie sie im Verbund mit Bier trinkenden Hardrockern zu „Gypsy Road“ die Hüften kreisen lassen (was vermutlich auch an dem Abend passiert ist…) und in den Refrains zu Keifers berühmten Kreischattacken die Harmonies beisteuern. Klasse wären auch generelle Impressionen von diesem gigantischen Mohegan Sun-Komplex gewesen, lustig vielleicht auch zu sehen, wie Keifer und seine Kumpels im Anschluss des Gigs ihre Abendgage wieder mit fliegenden Fahnen verzocken…

Da hätte man vermutlich einiges drehen können, sicherlich aber wohl auch eine Budgetfrage, gerade im Hinblick auf eine mittlerweile aus der Mode gekommene Band. Was ein wenig Hoffnung macht, ist, dass eine Cinderella-Europa-Tournee für 2010 angekündigt ist. Vielleicht klappt es dann ja doch noch mit einem audiovisuellen Werk, bestenfalls sogar mit einem neuen Studioalbum. Ingesamt kann daher für „Live At The Mohegan Sun“ aus besagten Gründen nur eine Kaufempfehlung unter Vorbehalten ausgesprochen werden.

Frontiers Records (2009)
Stil:  Hard Rock

01. Intro
02. Night Songs
03. The Last Mile
04. Somebody Save Me
05. Heartbreak Station
06. Coming Home
07. Shelter Me
08. Nobody’s Fool
09. Gypsy Road
10. Don’t Know What You Got (Till It’s Gone)
11. Shake Me
12. Fallin‘ Apart At The Seams
13. Push Push
14. Still Climbing

Cinderella
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Tom Keifer

Blackberry Smoke – Little Piece Of Dixie – CD-Review

Boah, Blackberry Smokes zweiter Longplayer ist ein Hammer! Geradezu ein Quantensprung im Vergleich zu ihrem doch noch recht rüpelhaften klingenden Erstling. Der Atlanta-Vierer um Bandchef Charlie Starr (dazu kommen noch Paul Jackson, Richard Turner und Artimus Pyle-Double Brit Turner) hat sich ähnlich wie Rebel Pride nach ihrem Debüt erheblich weiterentwickelt und in allen Belangen (Songwriting, Auswahl der Fremdkompositionen, instrumentelle Darbietung, Produktion) deutlich verbessert.

Vermutlich auch ein Verdienst der beiden Nashville-Star-Produzenten Dann Huff (Keith Urban, Rascal Flatts) und Justin Niebank (Taylor Swift, Faith Hill), welche die Brechstange aus Anfangstagen erstmal in die Kiste weggelegt und BBS das große Southern Rock-Einmaleins mit ein wenig ergänzendem Countryflair eingebläut haben. Das bekamen Montgomery Gentry und die Van Zant-Brüder ja bereits recht gut hin und auch hier könnte das Konzept aufgehen. Wer angesichts der oben aufgeführten Namen etwas Angst bekommen sollte, darf äußerst entspannt bleiben, die Herren Huff und Niebank haben einen absolut glänzenden Job hingelegt und nirgendwo Glattpolitur aufgetragen.

Das Album zählt neben Rebel Prides All Points In Between“ und Holman Autry BandsSweet Southern Wind“ (eine ebenfalls tolle junge Band aus Georgia) vermutlich zu den drei Top-Veröffentlichungen dieses Jahres und wird von Skynyrds heiß erwartetem „Gods & Guns„-Silberling nur schwerlich zu übertreffen sein. Rotziger Gesang, surrendes Slide, Twin Gitarren, Soli en masse, mal viel Drive, etwas bluesiger Rock, dann mal entspannte swampige Country-Einflechtungen, ein bisschen Redneck-Attitüde, all das bietet „Little Piece Of Dixie“ in Hülle und Fülle, versprochen. Ronnie Van Zant hätte dieses Album vermutlich geliebt.

Zu den Highlights des durchgehend starken Werkes zählt der Opener „Good One Coming On“, der schon mal von Trent Willmon performt wurde (cooler Gesang, surrende Slides inkl. tollem Solo), das bluesig-rockige „Like I Am“ (dezent ZZ Top, heulende Twin-Gitarren), das an „Voodoo Lake“ erinnernde „Bottom Of This“ (schön swampig), das trocken dahin geraspelte „Who Invented The Wheel“ (gibt es in einer ähnlich starken Version vom Komponisten diese Liedes, Anthony Smith), die leicht boogie-bestückten „Up In Smoke“, „Restless“ und „Shake your Magnolia“ (jeweils mit fetten E-Gitarreneinlagen) und der abschließende „Freedom Song“ (Marke Montgomery Gentry, Andy Griggs mit ausgedehnter Gitarrenpassage am Ende), der wieder ein wenig lang vermisstes Southern-Hymnen-Feeling aufkommen lässt.

Skynyrd, Hatchet, 38 Special, Allman Brothers (zu ihren Anfangstagen), ein wenig ZZ Top, Georgia Satellites, Black Crowes, Bottle Rockets auf der Southern Rock-Seite, Montgomery Gentry, Van Zant, Travis Tritt, Hilljack, Andy Griggs und James Otto aus dem New-Country-Regal bilden die wohl schmeckenden Zutaten für den süffigen Southern-Cocktail mit dem Namen Blackberry Smoke. Das Quartett hat entgegen dem aus meiner Sicht viel zu bescheiden gewählten Titel „Little Piece Of Dixie“ ein großes Southern Rock-Album hingelegt. Zugreifen und genießen!

Big Karma Records (2009)
Stil: Southern Rock

01. Good One Coming On
02. Like I Am
03. Bottom Of This
04. Up In Smoke
05. Sanctified Woman
06. Who Invented The Wheel
07. I’d Be Lyin‘
08. Prayer For The Little Man
09. Restless
10. Shake Your Magnolia
11. Freedom Song

Blackberry Smoke
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Bärchen Records

Kip Moore – Wild Ones – CD-Review

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Zweites Studioalbum des aus Tifton, Georgia stammenden Country-Singer/Songwriters! Nachdem Kip Moore mit seinem Debüt „Up All Night“ einen sensationell guten Einstand in Nashville gefeiert hatte (Album Platz 3, die Single „Somethin‘ ‚Bout A Truck“ sein erster Nr.1-Hit, „Beer Money“ und „Hey Pretty Girl“ jeweils nochmal unter den Top-10), folgt jetzt mit „Wild Ones“ der bereits heiß erwartete Nachfolger (wieder bei MCA Nashville), nachdem er zwischenzeitlich mit „Young Love“ und „Dirt Road“ bereits zwei Singles auf den Markt „geworfen“ hatte. Das damit schon unter beträchtlichem Erfolgsdruck stehende Werk stellt eine behutsame und gut durchdachte Verifikation des Vorgängers dar, also quasi ein Upgrade, bei dem an den bewährten Stärken festgehalten wurde und in vereinzelten Fällen ein wenig gefeilt und geändert wurde. Im Wesentlichen ist hier die etwas stärkere Rockausrichtung zu erwähnen.

Besonders hervorzuheben ist, dass Kip, wie schon zuvor, wieder konsequent sämtliche dreizehn Lieder (mit einigen bewährten und ein paar neuen Co-Writern) kreiert hat, was in diesen Künstlersphären nicht alltäglich ist (viele wählen sich ja meist bequem auf sie zugeschnittenes Fremdmaterial aus). Hut ab dafür. Geblieben ist angesichts der begonnenen Erfolgsstory natürlich seine Kooperation in Sachen Produktion mit Hitschreiber Brett James, der auch zwei Stücke kompositorisch begleitet und bei ein paar Background Vocals beigesteuert hat. Lediglich beim Opener und zugleich dem Titelstück „Wild Ones“, ein Percussion- und Basslinien-betonter Midtempotrack mit einem euphorisch gesungenen Refrain, hat der sich ebenfalls gut im Geschäft befindliche Chris DeStefano an den Reglerknöpfen mitgewirkt. Das folgende, sehr flockig und poppig ins Ohr gehende „Come And Get It“ überrascht am Ende mit einem überaus intensiven, E-Gitarren-dominierten Instrumentalfinish.

Für einige hitverdächtige Momente des Silberlings sorgen wieder die eingespielten Erfolgsautoren Troy Verges und Blair Daily („Beer Money“), die auf Sachen wie „Girl Of The Summer“ (heartlandträchtige Power-Ballade), „What Ya Got On Tonight“ (markante E-Gitarrenlinie, energiegeladener Refrain/Rhythmus) und dem, mit dezent keltischem Flair behafteten „Running For You“ (klasse E-Gitarren-Solo) eindrucksvoll demonstrieren, wie man in Nashville den Nerv der Zeit trifft. Klasse auch das mit Westin Davis und Dan Couch atmosphärisch konstruierte „That Was Us“, bei dem die in Axel Rose-/Kid Rock-Manier gebrachten Refrains/Harmoniegesänge schöne Farbtupfer abgeben. Zu einem Favoriten bei Kips Live-Konzerten (zur Zeit ist er ja mit Dierks Bentley und Canaan Smith groß auf Tour) dürfte im patriotisch geprägten „Amiland“ das heroische „Lipstick“ (‚Hey‘- Schlachtgesänge, ein wenig John Farnham-90er Stadion-Flair) avancieren, in dem Kip in so ziemlich allen bekannten Regionen der Staaten den Lippenstift seiner Liebsten küssen möchte. Sehr schön und im Refrain mitsingbar das ebenfalls Heartland-gefärbte „Heart’s Desire“.

Textlich überzeugt „Complicated“, wo mit starken Zeilen wie „All I know sometimes you love it, sometimes you hate it, but what good’s love if it ain’t a little complicated? No it don’t always go like you always hoped it would, but sometimes complicated is pretty damn good“” proklamiert wird, dass echte Liebe nicht immer nur „Friede, Freude Eierkuchen“ bedeuten muss. Banjo und E-Gitarren führen den wohl Country-behaftesten Song „I’m To Blame“. Das Stück klettert als erste Single gerade in den Charts nach oben. Steve Millers „The Joker“ dürfte bei „That’s Alright With Me“ Pate gestanden haben. Ein lustiger Text und eine typisch coole Gesangsperformance von Kip runden diesen launigen Track ab. Das Piano-betonte „Comeback Kid“ überzeugt in dezent pathetischer Weise im Stile großer zeitgenössischer, amerikanischer Songwriter wie z. B. Will Hoge und legt noch ein paar persönliche Seiten des Protagonisten offen. Ein recht emotional und autobiografisch gefärbter, starker Abschluss.

Kip Moore hat mit „Wild Ones“ dem Druck des erfolgreichen Vorgängers problemlos standgehalten, was, wie beschrieben, umso mehr zu würdigen ist, da es sich hier um Kompositionen handelt, in die er sich ausschließlich selbst miteingebracht hat. Das Album wird sicherlich einige Hits hervorbringen und vielleicht auch Chancen für diverse Nominierungen bei den anstehenden Awards in der einen oder anderen Sparte haben. Dazu muss man Kip eine deutlich spürbarere Reife und Weiterentwicklung attestieren. Bester Stoff für Liebhaber auf der Höhe von jungen Wilden wie Eric Church, Keith Urban, Tyler Farr & Co.! Dickes Kompliment dafür!

MCA Nashville (2015)
Stil: New Country

01. Wild Ones
02. Come And Get It
03. Girl Of The Summer
04. Magic
05. That Was Us
06. Lipstick
07. What Ya Got On Tonight
08. Heart’s Desire
09. Complicated
10. I’m To Blame
11. That’s Alright With Me
12. Running For You
13. Comeback Kid

Kip Moore
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Bärchen Records

Blue Water Highway Band – Things We Carry – CD-Review

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Neues, hell funkelndes Juwel in den texanischen Red Dirt-/Roots-/Americana-/Countryrock-Gefilden: Die Blue Water Highway Band mit ihrem wundervollen, mit durchweg fantastischen Songs in edlen Melodien bestückten Debütalbum „Things We Carry“. Wenn schon ein alter, mit allen Country-Wassern gewaschener Recke wie Multiinstrumentalist und Produzent Lloyd Maines Sätze wie „The Blue Water Highway Band is the best new band that I’ve heard in years. Their vocals are spot on and their writing is smart and thoughtful. They’re very serious and impressive musicians’“ von sich zum Besten gibt, kann man mit absoluter Sicherheit davon ausgehen, dass den musikbegeisterten Hörer etwas ganz Besonderes erwartet. Maines ist natürlich auch mit seinem unverwüstlichen und unnachahmlichen Pedal Steel-Spiel auf diesem Werk als Gastmusiker (neben weiteren illustren Leuten wie Cindy Cashdollar, Warren Hood oder John Ginty) mit von der Partie.

Die kreativen Köpfe der Band sind Zack Kibodeaux (vocals, acoustic guitar) und Multiinstrumentalist Greg Essington (vocals, guitars, piano, banjo, mandolin, accordion), die den Löwenanteil des Songwritings erledigt haben. Hinzu kommen Catherine Clarke, die mit den typisch texanischen Harmoniegesängen im Stile einer Kacey Musgraves zu gefallen weiß, ein weiterer Alleskönner Zach Landreneau (piano, rhodes, banjo, accordion,, dobro, synth chamberlin) sowie die Rhythmusfraktion, bestehend aus Kyle Smith (bass) und Daniel Dowling (drums, percussion). Produziert hat in einem schön transparenten, unaufdringlichen und ‚organisch‘ gehaltenen Sound, David Butler. Anhand der ganzen aufgeführten Instrumente kann man bereits erkennen, dass viel Wert auf ein überaus variables Musizieren im Americana- und Country-typischen Ambiente gelegt wurde.

Das zeigt direkt der hinreißend schöne, von einer traumhaften Melodie geprägte, glasklar in Szene gesetzte Opener „Hard Time Train“ mit seinen feinen Mundharmonika-Einlagen und den transparenten Gitarrenklängen. Was für eine tolle Red Dirt-/Americana-/Countryrock-Nummer mit fantastischem Gesang von Zack Kibodeaux. Der Bursche singt wie eine ausdrucksstarke Kombination aus Zac Brown (Zac Brown Band) und Mike Eli (Eli Young Band) mit dem Slang der Braun-Brüder Willy (Reckless Kelly) und Micky (Micky & The Motorcars). Toll hier auch das am Ende einstzende, schnelle, grassig angehauchte Instrumentalfinish, wobei hier vor allem Maines den Bottleneck über sein Paradeinstrument fliegen lässt. Ein weiteres tolles Beispiel ist „Medicine Man“, das mit New Orleansscher Fröhlichkeit vorgetragen wird und dann mittels eingebundener Horn Section mit einer furiosen Dixieland-Bridge noch einen oben drauf setzt.

Die wohl radiofreundlichsten Tracks sind das wunderbar melodische, flockig lockere Stück „City Love, City Loose“ (gurgelnde Orgel, tolle Harmoniegesänge, klasse Harp-Solo), das viel Southern-Esprit versprühende „How I Broke Your Heart“, die beide auch gut in das Repertoire eines Rob Baird passen würden, oder der wunderschöne Titelsong „Things We Carry“, der dezent etwas an die einstigen Sons Of The Desert erinnert. Für ganz großartige Momente auf diesem Album sorgen die Texaner zudem mit ein paar herausragenden Balladen, wie zum Beispiel mit dem rootsigen, staubigen „Greytown“ (hallende Orgel, tolle Mandolinen-Ergänzungen), dem voller Melancholie schwer seufzenden „My Blue San Antone“ (Orgel, Piano, Banjo), dem in Klagemanier gebrachten, folkigen „Voice In Ramah“ (live im Studio eingespielt, starkes Mandoline-Solo, bestechende Harmonies), oder dem sehr atmosphärisch, in einem klassischen Piano- und Cello-Gewand vorgetragenen, mit fast sakral anmutenden „Ohohoh“-Gesängen umwobenen, ganz feinen „Q To Cortel You“, bei denen sich Kibodeaux vor allem als exzellenter Storyteller erweist. Was für ein Talent!

Stücke wie das mit einem schöne Gypsy-Flair behaftete „Oh Seraphim!“ (klasse Steel, schöne Fiddle), der leicht bluesig stampfende „Working Man“-Song „John Henry“ oder das flockige „The Running“ (Piano, Orgel, klasse Harmonies von Clarke, prima E-Gitarren-Solo) sorgen immer wieder für viel kontrastreiche Abwechslung. Alles Beschriebene mündet in den glorreichen Abschluss „Highway To Glory“, bei dem die Band voller Fröhlichkeit und Intensität noch mal das texanische Countryterrain beackert. Da wünscht man sich im Geiste irgendwo mit den Protagonisten bei einer kühlen Flasche Bier (oder mehreren) zusammen am abendlichen Lagerfeuer mit Blick auf einen Canyon zu sitzen und sich einfach von ihrer stimmungsvollen Musik berauschen zu lassen. Eine großartige Truppe, was für talentierte Jungspunde!

Das grandiose Debüt „Things We Carry“ der Blue Water Highway Band ist ein Füllhorn mit Stoff für Liebhaber anspruchsvoller Roots-/Country-/Americana-/Red Dirt-Sachen in Richtung von Interpreten wie Rob Baird, der Eli Young Band, den Turnpike Troubadours, Sons Of The Desert, der Josh Abbott Band, Reckless Kelly, Micky & The Motorcars, The Band Of Heathens & Co. Auf den Punkt bringt es die ebenfalls spielerisch sehr versierte Gastmusikern Cindy Cashdollar (Baritone Weissenborn, Lap Steel), die das Treiben der BWHB so zusammenfasst: „Round bounded music, with contemporary drive“. Diesem Statement können wir uns nur ehrfurchtsvoll und Kopf nickend anschließen. Ganz sicher einer DER Geheimtipps des Jahres 2015! Tolles Cover Artwork übrigens (mit eingelegtem Textbooklet) wieder mal von den Dodd Sisters (Backstage Design). Eine famose Vorstellung der Blue Water Highway Band!

Eigenproduktion (2015)
Stil: Americana / Country / Red Dirt

01. Hard Time Train
02. City Love, City Lose
03. Oh Seraphim!
04. Greytown
05. Medicine Man
06. How I Broke Your Heart
07. My Blue San Antone
08. John Henry
09. The Running
10. Voice In Ramah
11. Q To Cortel You
12. Things We Carry
13. Highway To Glory

Blue Water Highway Band
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