Cinderella – Live At The Mohegan Sun – CD-Review

Cin

Cinderella gehörten zwischen 1988 und 1994 mit ihren Werken „Long Cold Winter“, „Heartbreak Station“ und „Still Climbing“ zu den Favoriten meines doch recht überschaubaren CD-Bestandes an Hard Rock-Bands, meine eigentliche Passion für andere Musikarten dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Für mich stellten sie eine angenehme Alternative zu AC/DC dar, vor allem aufgrund ihrer doch etwas variableren Songgestaltung, da sie ja auch immer wieder Blues-, dezente Southern- und Countryrockelemente mit in ihre Musik einfließen ließen (sogar Bläser und Fiddle waren kein Tabu).

Nach Tom Keifers stimmlichen Problemen und dem kommerziellen Flop von „Still Climbing“ verlor ich die Band mangels kreativen Nachschubs aus den Augen und war 2004 recht überrascht, als wieder ein Lebenszeichen von Keifer auf Andy Griggs‚ starkem New Country-Album „Freedom“ erschallte, auf dem die beiden ihr zusammen komponiertes „Hundred Miles Of Bad Road“ im Duett zum Besten gaben.

Seitdem war aber wieder Funkstille. Umso erstaunter war ich, als das von mir geschätzte Frontiers-Label, das sich scheinbar in letzter Zeit verstärkt um alt gediente Größen bemüht (s. Mr. Big, Lou Gramm Band), Cinderella neu in ihrem Portfolio präsentierte. Allerdings leider nicht mit einem neuen Studiowerk, sondern mit einer Live-CD („Live At The Mohegan Sun“). Naja immerhin, zumal das Werk in der kompletten „Long Cold Winter“-Besetzung, ihres wohl mit Abstand besten Albums (mit Keifer, Eric Brittingham, Jeff LaBar und Fred Coury), performt wurde.

So weit so gut, insgesamt macht es auch Spaß, dieses Werk anzuhören, sogar meine Gattin ist regelrecht begeistert und hat sich sofort meiner zur Verfügung stehenden Cinderella-Silberlinge bemächtigt. Auch wenn mein persönlicher Cinderella-Lieblingssong „Hard To Find The Words“ auf dieser Scheibe nicht präsent ist, brennen Keifer & Co. (besonders zwischen „Heartbreak Station“ und „Don’t Know What You Got (Till It’s Gone)“ (mit tollem E-Solo) ein stimmungsträchtiges (falls hier nicht technisch nachgeholfen wurde) Hitfeuerwerk ab, das seines Gleichen sucht und mit dem grandiosen „Shelter Me“ (mit herrlicher Honkytonk-Pianoeinlage) seinen Höhepunkt erfährt.

Es gibt aber auch Kritikpunkte. Da wir als Rezensenten mit Download-Stoff bemustert werden, ist die Einschätzung der Soundqualität des Originals recht spekulativ (die Erfahrung hat gezeigt, dass sie wirklich hörbar besser ist). Nervig sind vor allem die recht lieblos abgeschnittenen Übergänge (so geht das zu Beginn stattfindende Instrumental-Intro dadurch nicht fließend in den folgenden „Night Songs“ über, auch der Wechsel von diesem zu „The Last Mile“ verläuft nicht rund. Die ersten Akkordzerlegungen kommen noch bei „Night Song“ und „The Last Mile“ startet erst mit den markanten Powerchords, ähnliches gilt auch zwischen „Fallin‘ Apart At The Seams“ und „Push Push“).

Überhaupt halte ich persönlich eine Live-CD in der heutigen Zeit für absolut überholt (außer natürlich bei kleineren Bands) und bestenfalls noch als Ergänzung zu einer DVD vertretbar. Gerade im Falle Cinderella (mit seinen urig anzuschauenden Musikern) in Verbindung mit dem bombastischen Mohegan Sun Ressort (ein gigantisches Spielcasino mit allem Drum und Dran, wie Hotel, Konzerthalle, Shopping-Center, erbaut von den Pequot-Indianern in Uncasville, Connecticut, das ihnen unglaublichen Wohlstand erbracht hat) wäre einiges an interessantem Filmstoff drin gewesen.

Da hätte man beispielsweise gerne hochtoupierte US-Blondinenrelikte aus der Cinderella-Hochphase eingeblendet gesehen, wie sie im Verbund mit Bier trinkenden Hardrockern zu „Gypsy Road“ die Hüften kreisen lassen (was vermutlich auch an dem Abend passiert ist…) und in den Refrains zu Keifers berühmten Kreischattacken die Harmonies beisteuern. Klasse wären auch generelle Impressionen von diesem gigantischen Mohegan Sun-Komplex gewesen, lustig vielleicht auch zu sehen, wie Keifer und seine Kumpels im Anschluss des Gigs ihre Abendgage wieder mit fliegenden Fahnen verzocken…

Da hätte man vermutlich einiges drehen können, sicherlich aber wohl auch eine Budgetfrage, gerade im Hinblick auf eine mittlerweile aus der Mode gekommene Band. Was ein wenig Hoffnung macht, ist, dass eine Cinderella-Europa-Tournee für 2010 angekündigt ist. Vielleicht klappt es dann ja doch noch mit einem audiovisuellen Werk, bestenfalls sogar mit einem neuen Studioalbum. Ingesamt kann daher für „Live At The Mohegan Sun“ aus besagten Gründen nur eine Kaufempfehlung unter Vorbehalten ausgesprochen werden.

Frontiers Records (2009)
Stil:  Hard Rock

01. Intro
02. Night Songs
03. The Last Mile
04. Somebody Save Me
05. Heartbreak Station
06. Coming Home
07. Shelter Me
08. Nobody’s Fool
09. Gypsy Road
10. Don’t Know What You Got (Till It’s Gone)
11. Shake Me
12. Fallin‘ Apart At The Seams
13. Push Push
14. Still Climbing

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Tom Keifer

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