Lonestar – Coming Home – CD-Review

Sechstes Studio-Album von Lonestar! Und vielleicht sogar ihr Stärkstes! Glaubte man auf ihren ebenfalls durchaus guten letzten beiden CDs „I’m Already There“ und „Let’s Be Us Again“ aufgrund des immensen Erfolgsdruckes dennoch leichte Abnutzungs- bzw. Stagnationserscheinungen zu erkennen, belehren die Herren Richie McDonald, Keech Rainwater, Michael Britt und Dean Sams Fans und Kritiker mit „Coming Home“ eines Besseren. Sicher auch ein Verdienst ihres neuen Produzenten Justin Niebank, dem es mit minimalistischer Methode gelungen ist, Lonestar wieder mehr zurück in Richtung ihrer Anfangsalben zu fokussieren, ohne dabei auch nur den Hauch ihres schon immer existierenden, modernen New Country-Flairs einzubüßen.

Im Gegenteil, die Texaner wirken frischer denn je! Insgesamt waren sie nie knackiger, was bedeutet, dass die Uptempo-Nummern in der Überzahl sind. Wir erleben so viele „echte“ Country-Bezüge, wie schon lange nicht mehr, tolles Songwriting mit namhaften Co-Autoren, wie z. B. Brett James (5x Richie, 1x Michael, 1x Dean), intelligent ausgewählte Fremdkompositionen (u. a. von Dean Maher, Tom Douglas), klasse instrumentelle Darbietung in Verbindung mit vielen Gastmusikern (u. a. Shannon Forrest, Michael Rhodes, Bryan Sutton, John Willis, Russ Pahl, Gordon Mote, Jonathan Yudkin, etc.) und mal wieder eine gesangstechnische Klasseleistung von Frontmann Richie McDonald, der einmal mehr alles aus seiner phantastisch wohlklingenden Stimme herausholt!

Los geht’s mit der Singleauskoppelung „You’re Like Coming Home“, bereits hoch in die Billboard-Singles-Charts eingestiegen ist. Eine knackig rhythmische Countrypopnummer mit toller Melodie, gewürzt mit Dobro, Mandoline und tollen Gitarren. Geht richtig gut ab und bringt Sonne in die Herzen! Prognose. Wird noch an der Spitzenposition der Charts kratzen! Direkt einen drauf setzt dann noch „Doghouse“, das noch eine Spur rockiger rüber kommt. Fiddle, E-Gitarren, Dobro, kleine Soli und Gordon Motes Wah-Wah-Clavinet-Effekte sorgen für jede Menge Pep!

Doch keine Lonestar-Platte kommt vollkommen ohne ihre berühmten Balladen aus! Während „I Am A Man“ noch an der Grenze zum Midtempo liegt (sehr ausdrucksstarker Gesang Richies), folgt „I’ll Die Tryin'“ (Fremdkomposition aus der Feder von Steve Bogard und Jeremy Stover) ganz dem Stil ihres einstigen Superhits „Amazed“. Kein anderer kann im Country-Circuit romantische Herz-Schmerz-Liebeslieder wohl authentischer rüberbringen als Lonestars Leadsänger. Ebenfalls ruhiger sind „I Never Needed You“, wo Sara Evans die Harmonies beisteuert (erinnert an Tim McGraw/Faith Hill-Duette), und „I Just Want To Love You“, ebenfalls ein echter „Schmachtfetzen“, wie der Titel es schon vermuten lässt. Im Midtempobereich liegen Songs wie „Little Town“, eine sympathische
Hommage auf ein intaktes Kleinstadtleben, sowie das Steel-, Mandolinen- und Akkordeon- getränkte, sehr relaxt dahinfließende „Two Bottles Of Beer“.

Die Highlights stellen aber diesmal eindeutig die temporeicheren Stücke dar. „Wild“, wie der Name es schon ausdrückt, ist ’ne richtig wilde Nummer, deren treibender Boogie-Rhythmus gar ein wenig an ZZ Top zur „Eliminator“-Phase zu erinnern scheint. „Noise“ ist wieder ein flotter Countryrock/-pop-Song, der durch feine Tempowechsel und seine kraftvolle Performance besticht. Bleiben noch zwei eher traditionell ausgerichtete Lieder („What’s Wrong With That“ und „When I Go Home Again“), die aber richtig Laune machen. Heulende Fiddles, klasse E- Gitarren und Honkytonk-Piano sorgen für prächtige Country-Stimmung!

Alles in allem eine prima zusammengestellte, kurzweilige Mischung! Lonestar hat der frische Wind, den Justin Niebank der Truppe eingehaucht hat, spürbar gut getan. „Coming Home“ ist ein Album, dass die Band in absoluter Bestform präsentiert!

BNA Records (2005)
Stil: New Country

01. You’re Like Comin’ Home
02. Doghouse
03. I’m A Man
04. I’ll Die Tryin’
05. Wild
06. Noise
07. Little Town
08. I Never Needed You
09. What’s Wrong With That
10. Two Bottles Of Beer
11. I Just Want To Love You
12. When I Go Home Again

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