Craving Hands – 12.11.2016, Ledigenheim, Dinslaken-Lohberg – Konzertbericht

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Die Craving Hands hatten in den mittlerweile berühmt-berüchtigten Dinslakener Stadtteil Lohberg geladen! Wer jetzt als Außenstehender mutmaßt, dass die Band etwa ihre Konvertierung in eine andere Religionsgemeinschaft groß feiern würde, dem sei gesagt, dass er völlig auf dem Holzweg sei, das beliebte Quintett wollte es mit speziellen Gästen schlichtweg zum 20-jährigen Bühnenjubileum unter dem Motto ‚Still Moving On‘ ordentlich krachen lassen.

Kurzer Review: Meine persönliche Beziehung zur Band reicht bis an die Jahrtausendwende zurück. Da hatte ich das Vergnügen, ihr, in jeder Hinsicht stark gemachtes Werk „Working Overtime“ für das damalige Online-Musik-Magazin Home Of Rock, dessen Mitbegründer ich war, zu besprechen. Kurze Zeit später hatte ich die Gelegenheit, die Jungs bei ersten Konzerten kennenzulernen. Frank Ipach zeigte sich schon zu dieser Zeit nicht nur als charismatischer Sänger, sondern offerierte auch sein Talent, Musikkritiken in Form geflügelter Worte, in kompetente Berichte umzumünzen.

Da passte es zum Anlass meines 40-jährigen Geburtstags, bei dem die Craving Hands dann auch, immer noch dankenswerter Weise, für die musikalische Unterhaltung sorgten, ihn ins HOR aufzunehmen. Unsere gemeinsame Zeit war allerdings nur von kurzer Dauer, nach unüberbrückbaren Querelen in der Gruppe, verließ ich samt einiger anderer Kollegen das Magazin, um für einen Nischen-CD-Mailorder tätig zu werden und parallel die neue Plattform Rocktimes ins weltweite Netz zu bringen. Frank verblieb noch eine Weile und gründete dann aber aus vermutlich den gleichen Motiven Hooked On Music, wo er bis zum heutigen Tage im Großen und Ganzen, auch das Ruder in der Hand hält. Meine Wenigkeit führt jetzt seit gut einem Jahr diese Webseite. Alle genannten Magazine existieren erstaunlicher Weise auch heute immer noch parallel nebeneinander.

Genug in der Vergangenheit gekramt! In den sozialen Netzwerken war die Werbetrommel intensiv gerührt worden, demnach war das schöne Ledigenheim, gelegen in einer typischen früheren Zechensiedlung, ziemlich gut gefüllt. Während Kollege Gernot sich schonmal zwecks guter Fotos in der Nähe der Bühne positioniert hatte, war mir in der ersten halben Stunde des Gigs, das Vergnügen zu Teil, für die Kompensation des zu erwartenden Flüssigkeitsverlustes zu sorgen.

Drei sich im Rentenalter befindliche Personen (eine Dame, zwei Herren), zapften dort noch nach guten altem Brauchtum, das Pils in 0,2 l-Gläsern im Sieben-Minuten-Turnus und wickelten jede Bestellung in stoischer Ruhe einzeln ab. Somit wurde hier so manch durstiger Mensch auf eine harte Geduldsprobe gestellt und zur Entwicklung von optimierten Trinkstrategien, im Rahmen der bestehenden Situation, gezwungen.

Kommen wir zum musikalischen Teil. Ihr alter Weggefährte und Songschreiber Hans, damals unter J. W. Zaksek firmierend, führte durch das, in mehrere Segmente aufgeteilte Programm. Bis zu ersten Pause wurden dabei u. a. Tracks aus ihrer Tom Petty-Cover-Phase („Won’t Back Down“), dem Erstwerk „Dancing Through Aisles“ („Modern England“, „My Destiny“), dem Nachfolger „Working Overtime“ (inkl. dem Hit „Light Ahead“, „Julia“ und dem folkigen „Take Me Away“ mit Olaf Behrends an der Mandoline), sowie „Download Believers“ vom, unter ominösen Umständen, vernichteten geplanten Drittwerk, das demnach nie zustande kam, zum Besten gegeben.

Die zweite Hälfte stand dann ganz im Zeichen von Covermusik, der sich die Band dann bis zum heutigen Tage zugewandt hat. Über Sachen von Paul Weller („Wild Wood“, dem groovigen „Wishing On A Star“), Clapton-Stücken wie „Blues Power“, „Lay Down Sally“, „White Room“ (Cream), schloß sich der Kreis des Hauptteils mit Tom Petty-Klassikern, wie schon zu Anfang des Events. Großartig hier besonders das melancholische Südstaaten-Kleinod „Southern Accent“. Die bekannten Hits „Into The Great Wide Open“ und „Free Falling“ dienten als zum Finale perfekt gewählte Stimmungshöhepunkte.

Der mittlerweile ganz schön ins Schwitzen geratene Leader Frankie und seine Kumpel Olaf, Atti, Lutz und Joachim wurden vom begeisterten Publikum für die fälligen Zugaben auf die Bühne zurückapplaudiert. Doors‘ „Riders On The Storm“ und Bowies „Heroes“, sowie eine fulminante Version des Marley-Stücks „I Shot The Sheriff“, bei dem die Ex-Weggefährten Ute Wilczewski, Jochen Lehmann und Olaf Barnscheidt, die zuvor auch schon sporadisch in Aktion getreten waren, nochmal im Kollektiv zum Einsatz kamen, huldigten verstorbene Musikgrößen als krönendem Abschluss und ließen auch den Puls meines Classic Rock-affinen Kollegen Gernot höher schlagen.

Fazit: Ein angenehmer, runder und gelungener Abend mit den Craving Hands, der das Schaffen der Band in einem passsenden Rahmen, samt der vielen Bekannten des Fünfers, sehr schön reflektiert hat. Wir wünschen den Burschen weiter von ganzem Herzen ein spaßiges und erfolgreiches musikalisches Bestehen. Zum 50-jährigen Jubileum der Truppe werden ganz sicher alle, inkl. uns, wieder kommen, auch wenn die/der eine oder andere, dann vermutlich schon einen Rollator vor sich her schieben wird. In diesem Sinne: ‚Rock on‘ Craving Hands!

Line-up:
Frank Ipach (vocals, electric guitar)
Olaf Behrends (electric guitar, mandolin, vocals)
Lutz Weigang (keys, acoustic guitar, vocals)
Atti Stoppek (drums)
Joachim Burger (bass)

Gäste:
Olaf Barnscheidt (electric guitar)
Ute Wilczewski (Vocals)
Jochen Lehmann (saxophone, flute)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Craving Hands bei Facebook

Beth Hart – Fire On The Floor – CD-Review

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Puh, ganz schön Blues (Rock)-lastig, die letzten Wochen hier im SoS. Aber dieses Genre ist ja mit der hier präferierten Musik, zumindest partiell, auch immer wieder, irgendwie kompatibel.

So freuen wir uns natürlich, Beth Harts neuen Silberling „Fire On The Floor“ in diesem Magazin besprechen zu können. Die aus Los Angeles stammende und dort ebenfalls lebende Künstlerin mit der unglaublichen Röhre, würde vermutlich in jede Band unserer Sparte reinpassen und dort auch locker mitmischen können. Und selbst das berühmte Ryman Auditorium in Nashville wusste sie auf ihrer letzten Tour zu begeistern, also, kein Zweifel, eine ganz klare Kandidatin für unsere Plattform.

Bezüglich ihrer neuen Scheibe, hat sie sich wieder für eine Zusammenarbeit mit Produzent Oliver Leiber (The Corrs, Paula Abdul, Gavin DeGraw) entschieden, der ihr mit u. a. Michael Landau (guitar), Waddy Wachtel (guitar), Brian Allen (bass), Rick Marotta (drums), Jim Cox (piano), Dean Parks (acoustic guitar) und Ivan Neville (B3 and organ) ein hochkarätiges Musiker-Ensemble an die Seite gestellt hat. Seine Produktion ist kräftig und glasklar und man kann selbst den dezentesten Saitenzupfer oder das kleinste Piano-Tüpfelchen im Soundgefüge ausmachen.

Wie nicht anders zu erwarten, steht aber ihre außergewöhnliche und sehr variable Stimme im Fokus der, immer von einem Retro-Touch umwehten Songs, die zum Teil in diverse Richtungen sprießen.

So steigt sie mit „Jazz Man“ titelgetreu und stilgerecht in swingendem Jazz-Ambiente ein (Bläser, typische Piano- und Gibson-ES-Gitarrenklänge). Ein Schelm, wer auf den Gedanken kommt, dass „Coca Cola“ als heimliche Bewerbung der Protagonistin für einen mutmaßlichen zukünftigen Werbetrailer des Brauseherstellers inszeniert sein könnte. Ich bin mir sicher, dass so mancher Kreativling der Branche hier was Interessantes draus zaubern könnte…

Der soulige Groover „Together“ spiegelt in seiner fröhlich beschwingten Art, die Frühlingsgefühle verliebter Menschen wieder. Er verbreitet einfach nur gute Laune. Unsere Highlights sind natürlich Tracks wie das dreckig rockende und stampfende „Fat Man“ (Stones-Flair, HT-Piano, klasse E-Gitarren), die atmosphärischen Slow Blues wie das Titelstück oder das mit einer „Whiter Shade Of Pale“-Gedächtnis-Orgel bedachte „Good Day To Cry“, wo Beth sich vokal förmlich zerreißt.

Großartig sind auch die Lieder, in denen sie ihre verletzliche oder melancholische Seite präsentiert. Anzuführen sind hier die wunderbaren „Woman You’ve Been Dreaming Of“ (Moll-Piano- und Cello-Töne drücken aufs Gemüt), die Piano-getränkte Ballade „Picture In A Frame“ oder die an Melissa Etheridge erinnernde, kammermusikartige Hommage an das Zuhause „Home“ (Beth nur singend am Piano) als Finale.

Beth Hart beweist auf „Fire On The Floor“ ein weiteres Mal, dass das Feuer in ihrer Stimme weiterhin kräftig lodert. Ein Album, das weniger die (Blues) Rock-Szene bedient, sondern mehr auf eine variabler strukturierte und entspanntere Genießer-Klientel abzielt. Ein schönes Werk für die kommenden Herbsttage.

Mascot Label Group (2016)
Stil: Blues & More

01. Jazz Man
02. Love Gangster
03. Coca Cola
04. Let’s Get Together
05. Love Is A Lie
06. Fat Man
07. Fire On The Floor
08. Woman You’ve Been Dreaming Of
09. Baby Shot Me Down
10. Good Day To Cry
11. Picture In A Frame
12. No Place Like Home

Beth Hart
Beth Hart bei Facebook
Netinfect Promotion

Andy Frasco And The U.N. – Happy Bastards – CD-Review

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Schon beim Blick auf das farbenfrohe Cover-Artwork von „Happy Bastards“, dem neuen Album von Andy Frasco And The U.N. kriegt man schon irgendwie gute Laune. Auch die Bilder innen, ein wenig in Warholscher Manier, zeigen u. a. einen, nicht nur der wilden Haare wegen, elektrisiert wirkenden Bandleader. Das neue Werk erscheint zum ersten Male unter der Flagge des Blues (Rock)-spezialisierten Ruf-Labels.

Frasco bekennt sich laut eigener Aussage zwar auch zum Blues, möchte diesen allerdings in eine völlig konträre Richtung interpretieren. Seine Musik soll Leute in positive Stimmung bringen, erst wenn er Leute mit lachenden und zufriedenen Gesichtern seine Konzerte verlassen sieht, hat er einen guten Job gemacht, so der aus LA stammende Kalifornier.

Bunt ist ebenfalls die Zusammenstellung seiner Band. Seine Mitstreiter Ernie Chang (saxophone), Shawn Eckels (guitars, vocals), Andee Avila (drums, vocals), Supaman (bass) und einige Gastmusiker kommen aus den Niederlanden, Deutschland, Missouri, Tennessee und Texas. Kein Wunder also, dass sich das auch auf die stilistische Songvielfalt auswirken musste.

Und die ist auch beeindruckend hoch. Hier gibt es von Blues/Rhythm’n‘ Blues („You’re The Kind Of Crazy I Like“, „Blame It On The Pussy“ – mit Blues Brothers/James Brown-Flair), über Discopop („Doin‘ It“ – Richtung Bee Gees), Reggae- („Here’s To Letting You Down“)/Calypso- („Let’s Get Down To Business“) Klänge, Rock, Rock’n’Roll, Gospel („My Recovery“ mit „When The Saints Go Marching In“-Anleihen), Funk und Southern Soul, fast alles geboten, was einen in beste Feier-Laune versetzen kann.

Meine persönlichen Favoriten sind die Stücke, die in Richtung Southern Soul schwenken. Da wären die drei schön atmosphärisch ruhigeren Sachen wie „Tie You Up“, das großartige „Make it Work“ (Saxophon-lastig, tolles Southern Rock-mäßiges E-Gitarren-Fills-Spiel,  würde auch zu JJ Grey toll passen) und „Good Ride“ (klasse Sax, starkes E-Solo, hallendes Organ)  oder auch das, an die Dirty Guv’nahs erinnernde, rotzig freche „Mature As Fuck“.

Bandleader Andy Frasco beeindruckt mit einer, wie es nicht anders zu erwarten war, vokalen Bandbreite, die von bluesig-melancholisch  bis rotzig-euphorisch alles bietet. Ich mag es, wenn sich Sänger auch im Studio, sich so richtig spürbar, voller Emotionen reinhängen. Frasco ist ohne Zweifel, so einer.

Fazit: Diese, mit vermutlich etwas Ironie im Hintergedanken, selbst ernannten Bastarde um Andy Frasco und seine U.N.s  machen wirklich einen zufriedenen und glücklichen Eindruck. Ihre Scheibe „Happy Bastards“ ist eine musikalische Bereicherung für jede gute Party. Ach ja, lieber Andy, und nicht zu vergessen, auch ich als eigentlicher Southern Rock-Fan habe dieses Review mit einem Lächeln im Gesicht beendet! Guter Job, Jungs!

Ruf Records (2016)
Stil: Party Blues & More

01. Tie You Up
02. You’re The Kind Of Crazy I Like
03. Doin‘ It
04. Make It Work
05. Mature As Fuck
06. Here’s To Letting You Down
07. When You’re Lonely (Fill You Up)
08. (Oh My My) Can’t Get You Off My Mind
09. Let’s Get Down To Business
10. Blame It On The Pussy
11. Good Ride
12. My Recovery

Andy Frasco And The U.N.
Andy Frasco And The U.N. bei Facebook
Ruf Records

The Infamous HER – Revolution – CD-Review

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Dritter Akt der Her-Triologie! Nach Konzert und Interview stand jetzt noch die Beurteilung ihrer neuen CD „Revolution“ an, die Monique Staffile mir nach Ende des Gesprächs zum Reviewen in die Hand gedrückt hatte. Für mich war die spannende Frage, ob es, im Vergleich zum Vorgänger „Gold„, der mir persönlich nicht ganz so zusagte, wieder mehr in Richtung ihres bisherigen Parade-Albums „Raise A Little Hell“ gehen würde.

Zunächst muss ich erstmal das gelungene Cover-Artwork loben. Das Titelbild der ‚frech gezöpften‘ Monique in Schwarz/Weiß, vermummt mit einem US-geflaggten Tuch (so hatten sie und ihre Band passender Weise ja auch in Köln die Bühne betreten), hat schon was! Toll auch ihre Fantasy-Animation als aufsteigender Schmetterling im Steck-Booklet und auf der Rückseite. Ein dickes Lob hier an die Macher!

Ihr neues Werk, produziert wieder von Caleb Sherman, startet dann direkt auch mit dem Titelsong „Revolution„, das von einem kühlen, blechernden Banjo eingeleitet, sowie im gesamten Verlauf auch untermalt wird, und zunehmend, in einen episch anmutenden Rocksong, samt starkem, gesellschaftspolitische Missstände, anprangernden Text, mündet. Klasse!

Apropos Revolution: Angesichts dessen, dass in unserer Gesellschaft mittlerweile 1% der gesamten deutschen Bevölkerung, 50% der Vermögenswerte besitzt (Tendenz steigend), fragt man sich, warum die breite Masse der Leistungsträger in diesem Land, die hier fortwährend, zu Gunsten dieser kleinen Gier-getriebenen elitären Clique, geschröpft und klein gehalten wird, weiterhin in Tatenlosigkeit zu verharren scheint…

Jetzt haben selbst der wohlgenährte Siggi und seine Pharisäer-Partei, die diese unfassbar eklatante Schieflage eingeleitet hatten und seit Jahren mittragen, dulden und fördern, angesichts ihrer Umfrage-Werte und des mutmaßlichen Falls in die politische Bedeutungslosigkeit, plötzlich ihr soziales Gewissen wiederentdeckt. Leider wirken solche Bemühungen vom Edel-Italiener aus, wenig authentisch, die Quittung wird (wünschenswerter Weise auch für Merkel & Co.) hoffentlich ’stante pede‘ bei der nächsten Bundestagswahl erfolgen…

Genug des persönlichen Meinungsexkurses, kommen wir wieder zum im Fokus stehenden Objekt des Geschehens. Mit der eigentlichen Relevanz dieses Werkes für unser Magazin, hat es sich mit dem zuvor erwähnten Banjo dann auch maßgeblich erledigt, was folgt, ist ein frech und aufmüpfig besungenes Konglomerat aus Pop-, Rock-, Hip Hop- (marginal) und Melodic Rock/Metal-Anleihen, das sich dann recht sympathisch in den Sphären des Rock-Universums, mit all seinen Referenzgrößen, verliert. Vieles erinnert an Dinge, die man vornehmlich schon gegen Ende der Achtziger und im Verlauf der Neunziger von Interpreten wie Heart, Kim Wilde, Kate Bush, Roxette, Blondie, Pretenders, Lita Ford, Robin Beck & Co. serviert bekommen hat.

Meine persönlichen Favoriten sind die abgedrehte Single „Crush“ (in Sachen ‚Clerus‘ sehr schön provozierend), das stadiontaugliche „Tonight“, die tolle atmosphärische Melodic Rock-Ballade „Damn“ (wäre als Bon Jovi-Song vermutlich sofort ein Nr. 1-Hit) und die starke Neuauflage der Powerballade „Heaven Crushes Down“ (tolles E-Solo, raunzende Orgel). Das erneut ziemlich rotzig und fast schon ein wenig punkig performte „Mean Man“ schließt den Kreis des Albums im Stile des Openers.

Fazit: „Revolution“ von Her ist ein recht gut gestaltetes Rock/Pop-Album in jeder Hinsicht. Eine deutliche Steigerung zu „Gold“, vor allem aufgrund einer besseren Struktur und des stärkeren Songmaterials. Im Hinblick auf unser Magazin bleibt ihr Southern-/ Country Rock-lastiger Longplayer „Raise A Little Hell“ aber trotzdem weiter das Maß aller Dinge!

India Records (2016)
Stil: Rock / Pop

01. Revolution
02. Crush
03. Give It To Me
04. You
05. Tonight
06. Damn
07. No Regrets
08. Act Like You Know
09. Only One
10. Heaven Crashes Down
11. Mean Man

Her
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India Media Group

Don Johnson – Heartbeat – CD-Review

Wir schreiben das Jahr 1986. Don Johnson alias Sonny Crockett und Philip Michael Thomas als Rico Tubbs befinden sich im Steilflug, eine der beliebtesten US-Krimserien der Achtziger Jahre zu werden. Bis dato kannte meine Generation meist nur knochig-kauzige Ermittler wie Kojak, Columbo, Rockford und Cannon. Lediglich mit Tom Selleck in der Serie Magnum war eine etwas saloppere Gangart in den TV-Krimi-Alltag eingezogen. DNA-Analyse und sonstiger forensischer Kram samt technischem Equipment als Hilfsmittel zur Beweiserbringung oder Klärung von Verbrechen waren noch ein Buch mit sieben Siegeln. Im Großen und Ganzen waren auch bei diesen beiden ungestümen jungen Herren traditionelle und konventionelle Polizeimethoden noch angesagt.

Es war auch die Zeit, als die Compact Disc so langsam begann, sich für die Schallplatte als eine ernsthafte Konkurrenz zu entwickeln. Musikalisch hatte der Synthesizer als mittragendes Element Einzug in die Rock- und Popmusik erhalten. Für viele ist bis heute die Ära der Achtziger somit immer noch eine der schlimmsten Epochen der Musikgeschichte. Die ebenfalls aufkommenden Vermarktungsstrategen hatten erkannt, dass man mit populären Schauspielern auch auf musikalischer Ebene, sofern sie ein wenig Talent mit sich brachten, durchaus Profite erwirtschaften kann.

Don Johnson, der das T-Shirt unter dem Armani-Sakko salonfähig machte, war für diese Zeit ein idealer Typ, smart, gut aussehend und seine Stimme erwies sich zwar nicht als die eines Übersängers, hatte aber doch so was wie eine gewisse Unverkennbarkeit. Dazu gelang ihm, samt des federführenden Major-Labels, Epic Records für sein Debüt eine illustre Schar an Musikern Bonnie Raitt, Willie Nelson, Stevie Ray Vaughan, Ron Wood, Dickey Betts,etc.) mit ins Boot zu holen. Auch die Songauswahl mit Stücken von Gastschreibern wie u. a. Tom Petty und Bob Seger liest sich nicht so schlecht. Somit kann man auch aus heutiger Sicht seine erste Platte „Heartbeat“, die es immerhin in die Top-20 der Billboard-Album-Charts brachte, als durchaus für die damalige Zeit gelungen bezeichnen.

Der melodische Titelsong mit seiner markanten Refrainzeile wurde mit Platz 5 in den US-Single-Charts und auch internationaler Präsenz zugleich sein erfolgreichstes Lied, der wohl stärkste Song des Werkes „Heartache Away“ (klasse Backs von Bonnie Raitt, E-Solo Stevie Ray Vaughan) und die atmosphärisch unterkühlte, Saxophon-bestückte Ballade „Voice On A Hotline“ landeten irgendwo im Nirvana der Musikerhebungen.

Weitere markante Tracks sind der ebenfalls balladeske Petty-Song „Lost In Your Eyes (erneut mit netten Raitt-Harmonies), der wie einige andere Songs auch, mit Phil-Collins-In–The-Air-Tonight-Gedächtnis Drumpoltern (performt durch Curly Smith) durchzogen ist. Stark auch die Gastpräsenz beim von Bob Seger-kreierten, dezent Country-infizierten Heuler „Star Tonight“ von Willie Nelson (klasse hier sein Akustikgitarrensolo).

Bei den zwei Stücken „Love Roulette“ und der Piano-getränkten Ballade „Can’t Take Your Memory“ (mit dem späteren Nashville-Studiomusiker Charlie Judge an den Tasten) ist Johnson kompositorisch involviert. Dass er hier durchaus Talente besitzt, zeigen weitere Lieder aus dem Allman Brothers-Dunstkreis. So ist er für deren „Blind Love“ und „Can’t Take Me With You“ und das schöne „Bougainvillea“ von Dickey Betts & Great Southern mitverantwortlich. Bei der starken Uptemponummer „Love Roulette“ gibt es mit Stevie Ray Vaughan (E-Solo), Dickey Betts (Rhythmus-E-Gitarre) und Ron Wood (Akustikgitarre) den Aufmarsch von gleich drei Schwergewichten der Saitenkunst.

Don Johnsons Debütalbum „Heartbeat“ kannte zu besagter Zeit vermutlich nur freudenstrahlende Gesichter. Eine typische ‚Win-Win-Situation‘. Der smarte Frauentyp (übrigens gleich zweimal mit Melanie Griffith verheiratet und wieder geschieden) konnte sich neben seiner auf dem Zenit befindlichen Schauspielerära noch auf musikalischem Terrain als zweitem Standbein profilieren, das Major-Label Epic Records wurde für seine relativ risikoarme Investition werbetechnisch wie finanziell ordentlich belohnt und selbst die stattliche Anzahl der zumeist prominenten Gastmusiker und Songwriter konnte sich vermutlich auch noch ein paar Dollars auf die Tasche packen.

Epic Records (1986)
Stil:  Rock / Pop

01. Heartbeat
02. Voice On A Hotline
03. The Last Sound Love Makes
04. Lost In Your Eyes
05. Coco Don’t
06. Heartache Away
07. Love Roulette
08. Star Tonight
09. Gotta Get Away
10. Can’t Take Your Memory

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Hootie & The Blowfish – Live In Charleston – The Homegrown Concert Event – DVD-Review

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Wie groß war die Erleichterung, als sich Hootie & The Blowfish im letzten Jahr, nach einigen eher durchwachsenen Werken, mit ihrem glänzenden Album „Looking For Lucky“ wieder so eindrucksvoll zurückgemeldet hatten. Die Last und der Erfolgsdruck ihres megaerfolgreichen Debütwerkes „Cracked Rear View“ schien sich, abgesehen von den finanziellen Aspekten, eher zum Fluch zu entwickeln, so dass man lange den Eindruck hatte, das Ende des Quartetts sei nur eine Frage der Zeit. Soloversuche von Mark Bryan und Darius Rucker brachten ebenfalls keine erwähnenswerten Fortschritte, und so versuchten die vier Musiker noch mal einen „Neuanfang“ auf einem eigenen Label mit angeschlossenem Independant-Vertrieb.

Auf „Looking For Lucky“ schien dann auch der gesamte Ballast, die ganze Verklemmung von den Schultern der Akteure gefallen zu sein. Endlich sprudelten aus ihnen wieder diese lockeren, unverwechselbaren Songs wie zu ihren Anfangstagen heraus. Sie waren wieder die alten! Konsequenterweise gab es zu diesem Album natürlich auch eine Tour, die am 12. August 2005 mit dem Auftritt im ausverkauften „Family Circle Tennis Center Stadium“ ihrer Heimatstadt Charleston/South Carolina, einer altehrwürdigen Südstaaten-Metropole, einen ihrer Höhepunkte erlebte. Die brillant gefilmte DVD dieser Show, in ganz fantastischer Dolby-Surround 5.1-Qualität (auch in Stereo 2.0), beschränkt sich, nachdem es ein paar kurze Impressionen von Charleston und dem Geschehen vor Konzertbeginn gab, ausschließlich auf den Gig selbst!

So darf man sich über satte zwanzig Stücke freuen, die Hootie & The Blowfish im „vollen Saft“ präsentiert, ja man muss sogar konstatieren, dass die Truppe mit den beiden zusätzlichen Gastmusikern Gary Green, Percussion und Peter Holsapple (ex dB’s und Continental Drifters), Guitars, Mandoline und Keyboards, live sogar noch mehr an Substanz und musikalischer Vielfalt zu bieten hat, als im Studio. Der Fokus des Songrepertoires lag schwerpunktmäßig auf ihrem Hitalbum „Cracked Rear View“, mit acht Songs vertreten („Time“, „Hannah Jane“, „Running From An Angel“, „Look Away“, „Let Her Cry“ – bärenstarke Version-, „Drowning“, „Hold My Hand“ und „Only Wanna Be With You“- letzte Zugabe) und, wie man es bei vielen Bands nicht so oft präsentiert bekommt, recht selbstbewusst auf dem aktuellen Werk, mit sechs Stücken („State Your Peace“, „Hey Sister Pretty“, „One Love“ – der absolute Ohrwurm der CD -, „Leaving“, „Get Out Of My Mind“ und „The Killing Stone“ – die 2. Zugabe).

Auch die restlichen Alben werden, zumindest mit einem Song, gestreift. Somit erhalten selbst nicht ganz so „Hootie-feste“ Betrachter einen recht umfangreichen Gesamt-Überblick. Stark auch die herrlich entspannte Coverversion von Tom Waits großartigem „I Hope That I Don’t Fall In Love With You“! Insgesamt ein brillanter Streifzug durch wunderschöne Rock-, Countryrock- und Rootsrock/-pop-Gefilde der nicht alltäglichen Art. Dean Felber am Tieftöner, Jim Sonefeld an den Drums (sporadisch auch an der Gitarre) und Gary Greene, mit diversesten Percussion-Instrumenten geben den Rhythmus vor, während Rucker mit seiner einzigartigen, zwischen Introvertiertheit, unterschwelliger Aggressivität und wundervoller Melodik hin und her pendelnder Stimme das zentrale Element der Show darstellt. Für die Feinheiten sind dann allerdings Co-Leader Mark Bryan (mit recht vielen Ansagen zwischen den Stücken), der ein ums andere Mal mit tollem Solospiel auf diversen (Gibson-E- und Akustik-) Gitarren glänzt, wie auch der anfangs erwähnte Peter Holsapple, der an der (E-) Mandoline, der Lap Steel-Gitarre (ganz toll bei „Desert Mountain Showdown“) und der Orgel für jede Menge spannende Akzente sorgt.

Er ist vielleicht so etwas wie der „heimliche Star im Hintergrund“. Auf höchsten Niveau liegend auch die immer wieder eingestreuten, zu Ruckers toller Stimme einen schönen Kontrast bildendenden Harmoniegesänge! Das sehr angenehme Publikum kitzelte am Ende schließlich drei Zugaben heraus, wobei das recht funkige „Go And Tell Him (Soup Song)“ live wesentlich besser zur Geltung kommt als in der Studioversion.

Um noch ein wenig den Spannungsbogen zu erhalten, möchte man eigentlich gar nicht mehr verraten. Ganz sicher aber ist, dass die Genre-Liebhaber und die Fans der Band mit Hooties „Homegrown Concert Event“ eine fantastische Live-DVD geliefert bekommt, die eindrucksvoll beweist wie lebendig, ja wie frisch Hootie & The Blowfish heutzutage (wieder) sind! Herrlich! Die DVD ist „code free“ und somit auf jedem DVD-Spieler abspielbar!

Sneaky Long (2006)
Stil: Country Rock

01. State Your Peace
02. Time
03. Space
04. Hannah Jane
05. Hey Sister Pretty
06. Running From An Angel
07. One Love
08. Look Away
09. Leaving
10. I Hope That I Don’t Fall In Love
11. Desert Mountain Showdown
12. Let Her Cry
13. I Go Blind
14. Old Man And Me
15. Drowning
16. Get Out Of My Mind
17. Hold My Hand
18. Go And Tell Him (Soup Song)
19. The Killing Stone
20. Only Want To Be With You

Hootie & The Blowfish
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Bärchen Records

Jewel – Greatest Hits – CD-Review

Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass mir Musik von Jewel Kilcher, oder besser bekannt nur kurz als Jewel, zumindest was meine Tonträgersammlung betrifft, gänzlich durchgegangen ist. Gut – ihr Name ist meiner Person natürlich geläufig und auch so mancher Song wie z. B. „Standing Still“ oder „Intuition“ ist mir jetzt, wo ihr brandaktuelles „Greatest Hits“-Album durch den Player läuft, mittels Radio sicher schon über den Weg gelaufen.

Schön, dass ich jetzt relativ unverhofft an die Zusammenstellung der erfolgreichsten Stücke ihrer bisherigen, seit 1995 währenden Karriere gelangt bin. Ihre acht ‚echten‘ Alben werden hier in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet, wobei das weltweit wohl am meisten beachtete Werk „Spirit“ die stärkste Berücksichtigung erfahren hat. Unerwähnt bleiben darf auch nicht, dass die auf einer großen Farm in Stephenville, Texas lebende, hübsche Blondine, die seit 2008 mit dem Rodeo-Reiter Ty Murray verheiratet ist und einen Sohn mit ihm hat, auch im Schauspielbereich und schriftstellerisch erfolgreich tätig ist. Ein echtes Multitalent also! Passend dazu kommt auch die Bandbreite und unglaubliche Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. Da ist von kindlichem und elfenhaftem Anstrich (Richtung Kate Bush, Corrs) über typische Pop-Stimmen wie Shakira, Spears & Co., New Country-Sängerinnen à la Chely Wright, Jo Dee Messina oder Lori McKenna sowie echter Diven Marke Celine Dion, Faith Hill, alles dabei.

Wie so oft bei „Greatest Hits“-Alben im Major-Bereich wurde marketing-technisch der größtmögliche pekuniäre Effekt natürlich nicht aus dem Auge verloren und auch ein Anreiz für ihre ‚Die Hard‘-Fans, die also vermeintlich im Besitz aller ihrer CDs sind, geschaffen, sich auch diese Kompilation anzueignen. So wurden zwei der älteren Stücke „You Were Meant For Me“ und „Foolish Games“ jeweils mit momentan angesagten Interpreten wie den Pistol Annies (u. a. mit Miranda Lambert) und mit der American Idol- und mehrfachen Grammy-Gewinnerin Kelly Clarkson neu eingespielt (beide Stücke sind allerdings in den hier auch enthaltenen Originalversionen ebenfalls wunderschön).

Dazu gibt es mit „Two Hearts Breaking“ sogar einen ganz neuen Track. Da ich davon ausgehe, dass ihre früheren Hits ihrer Klientel bestens geläufig sind, lege ich den Fokus meiner Besprechung auch auf die bisher unveröffentlichten Lieder. „You Were Meant To For Me“ fällt in der ‚PA-Version‘ im Vergleich zum Original etwas rootsiger aus (die Akustikgitarre kratzt mehr, E- und Steel-Gitarre sind neu bzw. etwas auffälliger, die drei Damen sind nur ergänzend mit Harmoniegesängen im Refrain wirklich wahrzunehmen. Der Song fällt insgesamt etwas kräftiger aus.

Bei „Foolish Games“ kommt es natürlich zum Showdown von zwei echten Alpha-Weibchen, deren Stimmen sich dabei auch noch recht ähnlich sind. Wie bei Damen so oft (z. B. in ganz besonders Sachen Kleidung bzw. äußerem Aussehen…), dürfte, wenn vermutlich auch nicht zugegeben, hier doch letztendlich ein wenig auch das Buhlen um das ‚am Ende als Bessere abzuschneiden‘, im Vordergrund gestanden haben (gerade Clarkson wirkt hier sehr engagiert und ehrgeizig). Man spürt förmlich hier die unterschwellige Spannung eines (aber fair geführten) Duells – beide Damen versuchen mit aller Kraft das Optimum aus sich herauszuholen. Eine tolle Powerballade, durch die somit ein echter Hauch von zeitgenössischem Stardom weht! Am Ende steht aus meiner männercharmanten Sicht ein gerechtes Unentschieden.

Der ganz neue Song „Two Hearts Breaking“ hat ebenfalls erhebliches Hit-Potenzial. Sehr poppig ausgerichtet mit rhythmischen Drum-Loops, E-Gitarren und Synthie-Tupfern, herrlich kräftigen Groove-Zwischenpassagen und damit es auch im New Country-Bereich eventuell noch wahrgenommen werden kann, unter Einbeziehung einer filigranen Akustikgitarrenuntermalung in Verbindung mit, da bin ich mir nicht ganz sicher, entweder einer recht blechernen klingenden Mandoline oder einem eher zart gespielten Banjo (die beteiligten Musiker samt ihrer Instrumente zu den Titeln sind im Booklet leider nicht aufgeführt – dafür aber alle Texte).

Apropos New Country. Bei den Produzentennamen tauchen hier mir bestens vertraute Leute wie Dan Huff, John Rich, Nathan Chapman, Frank Lidell oder Parade-Basser Glenn Worff auf, ein Indiz dafür, dass Jewels zwar überwiegend im Pop liegende Wurzeln jederzeit auch in diese Sparte kompatibel sind. Man hört aber in jedem Fall heraus, dass hier auch Studiomusiker aus der Nashville-Zunft an diversen Nummern beteiligt waren.

Insgesamt hat mir als Einsteiger Jewels „Greatest Hits“- Zusammenstellung sehr gut gefallen. Eine sehr angenehme, melodische und klangvolle Musik, bei der man sich schön entspannen kann. Sollte es irgendwann zu neuen Alben kommen, werde ich in Zukunft auf diese funkelnde musikalische Erscheinung sicher ein etwas genaueres Auge als bisher werfen!

Rhino / Warner Music (2013)
Stil:  Pop & More

01. Who Will Save Your Soul
02. You Were Meant For Me (Album Edit)
03. Foolish Games
04. Hands
05. Down So Long
06. Jupiter (Swallow The Moon) (Single Version)
07. Standing Still
08. Break Me (Radio Remix)
09. Intuition
10. Good Day
11. Stronger Woman (Radio Edit)
12. Somewhere Over The Rainbow
13. Satisfied (Radio Edit)
14. You Were Meant For Me (feat. Pistol Annies)
15. Foolish Games (feat. Kelly Clarkson)
16. Two Hearts Breaking

Jewel
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Networking Media

HER – Gold – CD-Review

Einen Tag vor Beginn meiner Abreise in den verdienten Urlaub kam noch die neue Scheibe von der mir liebgewonnen Monique Staffile und ihren Kumpanen ins heimatliche Haus getrudelt. „Gold“ heißt das neue Werk und es hat sich ein bisschen was geändert. Aus dem Kollektivnamen Her & Kings County ist nur noch HER übrig, was eine noch stärkere Fokussierung auf die attraktive Frontfrau impliziert. Auch der Musikstil wurde zugunsten einer etwas jüngeren Zielgruppe deutlich mehr in die Breite modifiziert.

So wie ich es den Begleitinformationen entnehme, sind aber ihre gewohnten Mitstreiter auch weiterhin mit an Bord, vor allem Caleb Sherman, der heimliche Chef der Band, hat beim Songwriting (alle zehn Stücke von ihm und Monique kreiert), der Einspielung (sein prägnantes Banjo- und Akustikgitarrenspiel ist ebenfalls gut vernehmbar) und der transparenten Produktion (er alleine) erneut eine tragende Rolle. Monique singt wieder in ihrer frechen, angriffslustigen, fast rotzigen Art und Weise.

Einige Lieder wie das swampige Titelstück „Gold“, den lasziven Barroomschwofer „Seperately“ und das country-poppige, etwas an die JaneDear Girls erinnernde „Addicted“ hatte sie ja bereits Anfang des Jahres vorab bei ihrem unterhaltsamen Konzert in Köln zum Besten gegeben.

Mit dem New Country-/Southern-Rock affinen Raise A Little Hell-Vorgängeralbum sind wohl noch am ehesten Tracks wie das launige „Tramp Stamp“ (es geht um ein etwas vorschnell getätigtes ‚Arschgeweih’…), das einem ‚Bad Boy‘ gewidmete „Jimmy Jones“ (schöner Country Rock mit Banjo und E-Gitarre), das Big & Rich-verwandte „Betty Ford“ sowie die in Faith Hill-Manier gebrachte Powerballade „Alive“ kompatibel.

Das retro-poppige Auftaktstück „Mine All Mine“, das dezent punkig angehauchte „(Come On) America“ und das mit schon fast kindlichen Gesangsbridges durchzogene „Ring“ fallen ziemlich aus der Rolle, auch wenn hier ab und zu durchaus country-typische Zutaten wie Banjo oder Steel auftauchen. Fast durchgehend eingeflochtene Soundeffekte wie Drum-Loops, Synthies (z. T. simulierte Bläser- und Streichereinlagen), Voicebox, Girlie-Gesang, Hip Hop-Einlagen sowie überdrehte Harmonie-Gesänge und Lead vocals erzeugen eine ständige Unruhe, ja schon fast ‚Hibbeligkeit‘, die für Musikhörer meiner Generation im Ganzen dann doch ziemlich anstrengend ist. Und die zieht sich konsequent wie ein roter Faden durch die gesamte CD.

Das kann man in Dosierung bei ihrem netten Anblick live sicherlich mal verschmerzen, im heimischen Wohnzimmer ist mir das am Stück – auch wenn der Silberling nur eine knappe halbe Stunde dauert – ‚too much‘. Damit kommen vielleicht Baseballcaps-verkehrtrum-tragende Jungspunde der heutigen Zeit ganz gut zurecht, der Cowboyhut-gewohnte Southern-Countryrock-Liebhaber möchte es dann doch musikalisch etwas gediegener und Gitarren-orientierter.

Alles in Allem liefert HER, alias Monique Staffile mit „Gold“ trotzdem eine sympathische und durchaus authentische Platte ab, die eben eher auf jüngere Käuferschichten zielt. Das ist ja auch völlig legitim. Mir persönlich gefällt es aus o. a. Gründen leider nicht so gut. Wenn es nach mir ginge, beim nächsten Mal bitte ein bisschen weniger auf hartes Edelmetall in der Tasche abzielen, aber gerne dafür wieder etwas mehr „Raise A Little Hell“ in die musikalische Waagschale werfen.

India Records (2015)
Stil: Countrypop & More

01. Mine All Mine
02. Tramp Stamp
03. Gold
04. Seperately
05. (Come On) America
06. Ring
07. Jimmy Jones
08. Addicted
09. Betty Ford
10. Alive

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India Media Group

JESS! PR

Richard Marx – My Own Best Enemy – CD-Review

Wissen möchte ich nicht, wie viele Beziehungen beim Hören allseits bekannter Balladen von Mainstream-Ikone Richard Marx entstanden, aber wohl auch in gleichem Maße wieder zerbrochen sind.

Ich behaupte, dass selbst die hartgesottensten Rocker im Clinch bei fummelträchtigen Songs der Marke „Angelia“, „Right Here Waiting“ oder „Now And Forever“ irgedwann mal weich geworden sind, und ich kenne auch kaum jemanden, der nicht wenigstens ein Marx-Album in seine CD-Sammlung integriert hat.
Mit „My Own Best Enemy“ präsentiert er jetzt sein siebtes Studioalbum (mittlerweile wieder mit Major-Kontrakt), wenn man seine „Greatest Hits“ Scheibe mal nicht in Betracht zieht.

Rein äußerlich ist er, wie auch seine Musik, gereift. Der 80er-David Hasselhof-Look wurde durch eine zeitgemäße, moderne Frisur ersetzt, das Cover-Layout ist in äußerst geschmackvollen Farben (inkl. aller Texte) graphisch perfekt in Szene gesetzt, die Songs wirken eine Spur ruhiger und abgeklärter.

Einzig das kehlkopflastige Timbre seiner Stimme ist nach wie vor unverwechselbar. Bei den Musikern vertraut er diesmal neben einigen alten Bekannten wie Bruce Gaitsch, Martin Landau oder Michael Thompson interessanterweise größtenteils auf Instrumentalisten, die üblicherweise im New-Country-Genre ihre Dollars verdienen.

Wahrscheinlich nicht zuletzt dank seiner Zusammenarbeit mit Interpreten wie Vince Gill, und SheDAISY, für die er Stücke geschrieben hat, oder Emerson Drive, deren letztes Album „What If“ er vor kurzem produziert hat. So steuert diesmal Keith Urban (Marx-Fans können auch ruhig mal in dessen Alben „Golden Road“ und „Be Here“ reinriechen) Gitarre und Backgrounds bei „When You’re Gone“ und „One Thing“ dazu und Sternchen Jessica Andrews addiert ihr Stimmchen bei „Love Goes On“. Klasse-Leute wie Gitarrist J. T. Corenflos , Drummer Steve Brewster oder Steel Guitar Ass Paul Franklin sind eh klingende Namen in Nashville-Studio-Musiker-Gilde.

Hitverdächtig oder zumindest radiotauglich sind fast alle Songs. Die Übergänge zwischen den Songs sind relativ fließend, vom leicht hektischem Ambiente früherer Alben keine Spur. Balladen gibt es jede Menge. „One Thing“ mit viel Power, könnte auch aus dem Repertoire von Bryan Adams stammen, „Ready To Fly“ streicherunterlegt, mit wunderschönem Akustikgitarrenspiel von Michael Thompson oder das beruhigende „Again“. Das leicht depressiv angehauchte „The Other Side“ oder „Falling“ sind weitere Beispiele balladesker Marxscher Kunst.

Überragend „Nothing Left To Say“ ein rhythmisch, melodisch dahindriftender Midtemposong und die rockigen Uptemponummern wie „When You’re Gone“ (schönes E-Solo von Keith Urban), sowie „Colder“ (hier glänzt Michael Landau an der Gitarre). Wunderschön auch das Pop-Rock-Stück „Someone Special“ mit dezenten Steel-Gitarren, dürfte als liebevolle Widmung an Richards Ehefrau gedacht sein.

Apropos Beziehungen. Mir, dem mental gefestigten Ehemann dient die Scheibe, um beim gemütlichen Gläschen Wein vom harten Alltagsleben abzuschalten. Für den suchenden Single stellt sie ohne Zweifel eine interessante Option als Hintergrundmusik beim spätabendlichen Zeigen der berühmten Briefmarkensammlung dar…

Manhatten Records (2004)
Stil: Rock & More

01. Nothing Left To Say
02. When You’re Gone
03. One Thing Left
04. Love Goes On
05. Ready To Fly
06. Again
07. Colder
08. Everything Good
09. The Other Side
10. Someone Special
11. Suspicion
12. Falling

Richard Marx
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Sister Hazel – BAM! Volume 1 – CD-Review

Sis

Sister Hazel sind eine bisher lang aufgeschobene Herzensangelegenheit von mir. Ich wollte die Band aus Gainesville, Florida bestehend aus Ken Block (voc, g), Drew Copeland (g, bvoc, voc), Ryan Newell (g), Jett Beres (b) und Mark Trojanowski (dr) eigentlich schon öfter mal vorstellen, aber aus den unterschiedlichsten Gründen ist es dazu nie gekommen. Schön, dass jetzt mit „BAM Vol. 1“ die Gelegenheit da ist.

Die Band erfreut sich in den Staaten größter Beliebtheit, bei uns ist sie meist nur Insidern bekannt, doch vielen Menschen, die öfter das Radio anhaben, dürfte ganz sicher mal ihr größter Hit „All For You“ zu Ohren gekommen sein. Filmkenner mit gutem Gedächtnis könnten sich eventuell auch an Lieder aus Streifen wie „Teuflisch“ („Change Your Mind“), „10 Dinge, die ich an dir hasse“ („Your Winter“) oder „The Wedding Planer“ (We’ll Find It“) erinnern.

Auf ihrem siebten Studio-Album (Sister Hazel sind mittlerweile nach vorübergehendem Major-Kontrakt wieder aus eigenem Antrieb bei einem Independant Label) leisten sie sich den Luxus, 15 Stücke zu veröffentlichen, die entweder als B-Seiten geplant waren oder es, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf die offiziellen Alben geschafft haben. Das zeugt von einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein, zumal die Bezeichnung Vol.1, weitere geplante Outtakes dieser Art suggeriert. Ich würde spontan behaupten, dass solche Werke bei vielen anderen Interpreten mit äußerster Vorsicht zu genießen wären, im Fall dieser Band schüttelt man angesichts der Qualität der Songs mit offenem Mund vor Staunen sein weises Haupt.

Denn bis auf zwei Ausnahmen vielleicht (selbst die sind auch nicht von schlechten Eltern) wird eigentlich das selbe hohe Niveau gefahren wie auf ihren bisherigen Studio-CDs, ich würde sogar behaupten, deutlich besser als ihr ’schwächstes‘ Werk „Lift“ von 2004. Und so steht der Opener „What Kind Of Living“ eigentlich auch für das, was man von Sister Hazel im Allgemeinen geboten bekommt. Meist schöne, sehr melodiöse Intros/Strophen mit Akustik- und E-Gitarren unterlegt (hier prescht mal ein Slide-Riff voraus), kräftige Refrains mit hohem Wiedererkennungswert, vorgetragen von Ken Blocks eigenwillig ’näselnder‘, aber sehr angenehmer Stimme, die in weitestem Sinne vielleicht mit der von Henry Paul vergleichbar ist, und meist dazu noch von einem schönen E-Solo von Ryan Newell veredelt werden. Anders formuliert. Stilvoller, rootsiger Pop mit einem Schuss Southern-Rock.

Meine persönlichen Favoriten auf diesem Album sind unter vielen (das Album macht wirklich durchgehend Spaß) „Sail Away“ (herrliche spanische Akustik-Gitarre, Block singt wie ein ‚Gringo‘, schönes Mexican-Flair, dazu klasse E-Gitarrenarbeit) und das mit einem trockenen, kratzigen Akustik- und E-Gitarrenrhythmus dahin groovende „Grand Canyon“. Wie meistens erhält dann auch Drew Copeland einmal die Gelegenheit sich an der Front zu präsentieren, hier beim southern-bluesigen „Can’t Get You Off My Mind“ (von ihm gibt es übrigens auch eine schöne Solo-Scheibe „No Regrets“ von 2004).

Alles in allem ein Klasse-Album, womit ich weiteren Ausgaben dieser Art schon jetzt mit Freude entgegensehe. Viele Bands wären sicher heilfroh, überhaupt mal mit wenigen Liedern dieses Niveaus auf ihren A-Werken glänzen zu können. Ganz witzig ist auch noch die Comic-mäßige Gestaltung des Booklets. Sister Hazel sind übrigens auch auf der Bühne eine Bank, wer nach dieser CD Blut geleckt hat, kann als nächsten Tipp mal ihre Live-DVD antesten. So, jetzt hat es also endlich geklappt…!

Croakin‘ Poets Records (2007)
Stil: Southern Pop Rock

01. What Kind Of Living
02. Boy Next Door
03. Work In Progress
04. Sweet Destiny
05. On Your Mind
06. Sick To My Soul
07. Mosquito
08. Little Black Heart
09. Sail Away
10. Wrong The Right Way
11. Grand Canyon
12. Save Myself
13. Can’t Get You Off My Mind
14. She’s Gone
15. Mona Lisas

Sister Hazel
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Bärchen Records