Eli Young Band – Fingerprints – CD-Review

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Von einem texanischen College-Vierer zur Platin-dekorierten Nashville-Band – die Eli Young Band hat zweifelsohne eine atemberaubende Entwicklung hingelegt. Was einst in North Denton im Red Dirt-Genre begann hat sich peu à peu zu einem national, wie international, perfekt zu vermarktenden Schlager im New Country/Country Rock-Bereich entwickelt. Ja, man kann sagen die EYB ist mit fast der einzige, aus der Red Dirt-Sparte nach Music City vereinnahmte Act, der sich dort auch kontinuierlich behaupten und halten konnte.

Nach der 2015 nur digital veröffentlichten EP „Turn It On“ sind die Herren Mike Eli, James Young, Chris Thompson und Jon Jones jetzt mit „Fingerprints“ wieder mit einem kompletten Album, und zwar dem 6. ihrer Karriere, am Start. Ähnlich wie neulich bei den Rascal Flatts, bekommt man auch bei der Eli Young Band auf diesem neuen Werk genau das auf den Punkt geliefert, was diese Gruppe schon immer ausgezeichnet hat: Einen wunderbar melodischen Mix aus Red Dirt- und New Country-Zutaten, verpackt in elf fast ausnahmslos radiokompatible Tracks, getragen von Mike Elis markanter Stimme mit 100% Wohlfühlfaktor. Konstanz, Verlässlichkeit und nicht nachlassende Qualität sind die Erfolgskomponenten.

„Saltwater Gospel“ heißt der Opener, der auch die erste Single abgibt. Wie der Titel es schon andeutet, wurde der eingängige, recht euphorische Refrain mit dezent gospeligen Harmoniegesängen angereichert. Klasse an diesem Album ist, dass die Protagonisten, die Wurzeln ihrer Anfangszeiten nicht ganz außer Acht gelassen haben. Das swampige Titelstück mit seinem leichten psychedelischen Touch, hätte sich auch gut auf ihrem damaligen „Level“ gemacht.

Ganz stark ist die Hommage an die Tracks der guten alten Zeit mit „Old Songs“. Eine sehr reduziert gehaltene Countryballade mit viel Texas-Flair (mit typischen weiblichen Harmoniegesängen von Carolyn Dawn Johnson), und einer durchaus Southern Rock-kompatiblen Slide-/E-Gitarren-Solo-Kombination. Carolyn Dawn Johnson begeistert dann nochmals auf dem melancholischen „God Love The Rain“ (mit orientalisch anmutenden Akustikgitarren-Zwischenfills). Das rootsige „Skin & Bones“ (teilweise mit wunderbarer Akkordeon-Untermalung) trägt die Handschrift von Co-Writerin Lori McKenna und würde auch perfekt zu einem Will Hoge passen.

Die restlichen Stücke wie „Never Again“, „Drive“, “Once”, “A Heart Needs A Break“ und “Never Land” mit ihren eher poppigen, teilweise sogar tanzbaren Rhythmen und Powerrefrains werden auf niveauvolle Art dem Anforderungsprofil des Mainstreams in punkto Massenkompatibilität gerecht. Zum Abschluss begeistern Eli Young & Co. nochmal mit dem Heartland-umwobenen „The Days I Feel Alone“, das man sich auch gerne von einem Tom Petty mal anhören würde.

Die Eli Young Band hat mit ihren neuen Longplayer „Fingerprints“ erneut einen markanten und nachhaltigen Fingerabdruck im hart umkämpften New Country/Country Rock-Geschäft hinterlassen. Das kreative Cover-Artwork mit allen Texten, zwei Bandbildern und allen restlichen Infos wurde dazu mit dem Titel perfekt in Einklang gebracht. Die erkennungsdienstliche Behandlung ergab somit ein rundum gelungenes Album!

Valory Music (2017)
Stil: Red Dirt / New Country

01. Saltwater Gospel
02. Fingerprints
03. Never Again
04. Old Songs
05. Drive
06. Skin & Bones
07. A Heart Needs A Break
08. Once
09. Never Land
10. God Love The Rain
11. The Days I Feel Alone

Eli Young Band
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Universal Music

Joanne Shaw Taylor, 14.05.2017, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Noch ganz unter dem Eindruck des kurz nach Mitternacht zu Ende gegangenen Blues Alive Festivals mit Diva Layla Zoe, Schwergewicht Danny Bryant und dem, nach seiner Lebertransplantation schwer gezeichneten, aber gewaltig aufgetretenen Walter Trout, stand zum Abschluss der Woche mit Joanne Shaw Taylor nochmal die unverbrauchte, nahezu jugendlich wirkende Variante des Blues Rocks im schönen Dortmunder Musiktheater auf dem Programm.

Dabei hat die noch so mädchenhaft wirkende 31-jährige britische, von Dave Stewart entdeckte Dame, seit 2009, bereits sechs Alben eingespielt und wurde von keinem geringeren als Joe Bonamassa  schon als ‚a superstar in waiting‘ bezeichnet. Die hatte mit ihren Mitstreitern Luigi Casanova (mit kunstvoll aufgedrehter Rastazopfmähne), Kraftpaket Oliver Perry und dem vielseitigen Drew Wynen ihr aktuelles, in Nashville aufgenommenes Studiowerk „Wild“ im Schlepptau, das, wie sie stolz verkündete, zum ersten Mal mit Top-20-Charterfolgen bedacht worden ist.

Genau wie auf dem Album, begann sie ihre Show mit „Dyin‘ To Know“, das mit seinem swampigen Intro und dem treibenden Boogiegroove, schon eine ganz unterschwellige ’südstaatliche Amerikanisierung‘ ihres Sounds andeutete (sie benutzte zudem ausschließlich Telecaster- und Les Paul-E-Gitarren für ihr Spiel), was unserem Magazin ja durchaus nicht unangenehm ist. Diese blitzte immer mal wieder im weiteren Verlauf sporadisch auf (z. B. wenn Wynen slidete und Joanne in kurz Twins verwickelte), war aber insgesamt nicht omnipräsent.

Überwiegend blieb sie, bis auf einige Stevie Ray Vaughan-Reminiszenzen („Time Has Come“), dem Stil ihrer Heimat treu. Das rockig powernde „Nothing To Lose“, das melodische „Reason To Stay“ (dezent southern) und das, mit zwei starken E-Soli bestückte „Jump That Train“ waren die nächsten Stationen. „Diamonds In The Dirt“ endete mit einer ziemlich lang gezogenen, am Ende recht aggressiv gespielten E-Gitarren-Solo-Passage, bei der sie ihre erstaunliche Fingerfertigkeit demonstrierte.

Klasse ihr rauchiger und auch insgesamt sehr schön ins Ohr gehende Gesang zu hallenden Orgelklängen von Wynen, beim  relaxten „Tired, Trusted & True“  und natürlich wieder ihre Soli (eines davon fast in der Tradition eines Dickey Betts). „Watch Em Burn“ stampfte traditionell und entwickelte sich zum lautesten und längsten Track des Abends.

Knackig und rhythmisch ging es bei „Wanna Be Your Lover“ zur Sache, das David Bowie gewidmete „Wild Is The Wind“ (Casanova und Wynen mit Harmoniegesängen) bestach atmosphärisch, während es mit „Going Home“, meinem Favoriten des Gigs und gleichzeitig Endstück des Hauptteils, nochmals southern-swampig zur Sache ging. Drew Wynen bot der Protagonistin hier mit tollem Slide-Solo die Stirn.

Als Zugabe gab es noch das flockige „Mud Honey“. Insgesamt ein angenehmer Blues Rock-Abend. Wenn es der so lieb und brav wirkenden Joanne Shaw Taylor noch gelingt, in Sachen Aura und Charisma zuzulegen, und somit ein Publikum mehr mitzureißen und für sich einzunehmen, wird Joe Bonamassa vermutlich Recht behalten. Und die junge Britin hat ja auch durchaus noch ein paar Jährchen vor sich…

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Luigi Casanova (bass, vocals)
Oliver Perry (drums)
Drew Wynen (keys, acoustic, electric & slide guitar, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Joanne Shaw Taylor
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Rascal Flatts – Back To Us (Deluxe Edition) – CD-Review

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Über die Rascal Flatts braucht man eigentlich nicht mehr viel schreiben. Das Trio um Gary LeVox, Joe Don Rooney und Jay DeMarcus hat in der Popsparte des New Country ihren festen Platz gefunden und daraus, seit ihrem Debüt 2000, eine grandiose Erfolgsgeschichte entwickelt. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei den genre-typischen Awards und achtmal Nr. 1 bei neuen Alben sprechen eine überdeutliche Sprache.

Mit ihrem neuen Jubileumswerk „Back To Us“, dem 10. Studioalbum ihrer Karriere, proklamieren sie zwar eine nostalgische Besinnung auf die Anfangszeiten ihres Wirkens, aber wenn man ehrlich ist, kennt man sie eigentlich nicht anders, man muss schon absoluter RF-Experte sein, um hier eventuelle marginale Bezüge zu den Alben im Frühstadium oder Unterschiede attestieren zu können.

Für mich klingt „Back To Us“ wie alle ihre anderen Veröffentlichungen. Konstanz und Verlässlichkeit bei hoher Qualität und zu ihnen passendes Songmaterial, sind für mich die entscheidenden Faktoren ihres Erfolgsrezeptes, und die sind auch hier wieder omnipräsent.

Gleich dreizehn Stücke in Deluxe-Ausgabe lassen vermutlich die Qual der Wahl, welcher Song wohl der richtige für die Single-Charts ist. Entschieden hat man sich zunächst für den energiegeladenen Opener „Yours If You Want It“, aus der Feder des verstorbenen Songwriters Andrew Dorff, mit schön dazu produziertem Video (Gary LeVox als singender Burger-Bräter in einem Diners).

Weitere flockige Tracks wie „Hopin‘ You Were Lookin'“, „Dance“, „Kiss You While I Can“, das R&B-trächtige „Vandalized“ (Chris Stapleton Co-Writer!), “ sowie das treibende „Thieves“ machen ebenfalls Laune auf die demnächst anstehende Cabrio-Saison.

Bei „Hands Talk“ schwebt von der Melodie her, immer der einstige Rhythm-&-Blues/Soul-Klassiker „Stand By Me“ mit, während das knackige „Roller Rink“ mit swampiger Note überzeugt. Die Herz-Schmerz-Balladen-Freunde werden mit „I Know You Won’t“, dem Blockbuster-tauglichen „Are You Happy Now“ (emotionales Duett von Gary mit der toll singenden Lauren Alaina) und am Ende „Our Night To Shine“ bedient, wobei letztgenanntes Lied mit Synthies, Streichern und bombastischen choralen Gesängen  zum Ausklang einen enormen Schmalz-Faktor aufweist.

Rascal Flatts‘ „Back To Us“ ist ein, der Band, gebührendes Jubileumsalbum geworden. Kurzweiliges gutes Songmaterial von 1A-Songwritern (wobei die drei auch zum Teil mitwirken), knackige Produktion, starke Musiker, tolle mitreißende Vokal-Performance von LeVox, typische Hamoniegesänge, Powerrefrains en masse, schickes bebildertes Coverartwork  mit allen Texten, lassen keine Wünsche offen. Müsste eigentlich, wenn das neue Chris Stapleton-Album nicht gerade ausgerechnet dazwischenfunken sollte, erneut eine klare Nr. 1 werden. Zum zehnten Mal, wie gewohnt, ganz feiner Countrypop!

Big Machine Records (2017)
Stil: New Country (Pop)

01. Yours If You Want It
02. Hopin‘ You Were Lookin‘
03. I Know You Won’t
04. Dance
05. Back To Us
06. Kiss You While I Can
07. Vandalized
08. Are You Happy Now
09. Hands Talk
10. Thieves
11. Love What You’ve Done With The Place
12. Roller Rink
13. Our Night To Shine

Rascal Flatts
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Universal Music

Chris Stapleton – From A Room Volume 1 – CD-Review

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Ich schreibe ja schon seit mittlerweile fast zwanzig Jahren CD-Reviews und ein Großteil davon war immer dem New Country-Bereich gewidmet gewesen. Ein über die Jahre gefühlter, unterschwelliger Begleiter war Chris Stapleton, zwar nicht rein musikalisch, allerdings auf geschätzt, unglaublich vielen Alben, meist als Co-Songwriter. Und in der Tat hat er ja auch so ziemlich für alles, was Rang und Namen hat, wie u. a. George Strait, Kenny Chesney, Luke Bryan, Tim McGraw und sogar für Popstern Adele als kreativer Ideengeber gewirkt.

Selbst auf dem neuen Jubileumsalbum der ebenfalls preisgekrönten Rascal Flatts, das demnächst hier besprochen wird, hat er mit „Vandalized“ schon wieder seine Finger mit im Spiel. Unterdrückt man mal seine ersten eigenen überschaubaren musikalischen Erfolge als reiner Musiker mit der Bluegrass-Band The SteelDrivers, ging es bei ihm aber erst 2015 mit dem Solo-Album „Traveller“ so richtig los, ja es brach mit den CMA-Awards, als er gleich drei Titel abräumte, fast schon ein richtiger Hype um seine Person aus.

Ob dem kauzigen, eher introvertiert wirkenden  Rauschebartträger der ganze Rummel so recht ist, wird er vermutlich nur selber wissen. „Traveller“ hat mich natürlich ebenfalls begeistert. Diese unaufdringlich instrumentierten Songs mit ihrer Melodik, dem hohen Wiederkennungswert und der starken Stimme des Protagonisten, sind schon wirklich faszinierend. So stieg die Spannung auf den Nachfolger in den letzten Wochen natürlich beträchtlich.

Jetzt ist sein neues Werk mit dem Namen „From A Room – Volume 1“ endlich da. Der Titel ‚Volume 1‘ suggeriert natürlich bereits, dass es weitere Auflagen geben wird und tatsächlich ist auch für Ende des Jahres die nächste Ausgabe geplant.

Was soll man sagen, die Scheibe ist klasse, aber auch von einer ergreifenden Schlichtheit geprägt! Das fängt mit dem nicht sonderlich visuell auffälligen Cover-Artwork an (nicht mal der Titel der Scheibe wurde auf dem Frontbild abgebildet, mit gerade mal neun, kompakt gehaltenen, kurzen Tracks, wurde die Maximalspielzeit einer CD nicht gerade ausgereizt, und die natürlich wieder bestechenden Songs, orientieren sich verständlicher Weise auch am sparsam instrumentierten Erfolgsrezept des Vorgängers.

Der vorab ausgekoppelte Opener „Broken Halos“ erinnert an den Titelsong des Debüts, beim folgenden Schwofer „Last Thing I Needed, First Thing This Morning“ (mit schön quäkender Mundharmonika, klasse Harmoniegesänge von seiner Frau Morgane), der einzigen Fremdkomposition, ist die spannende Frage, ob Chris einen ähnlichen Erfolg, wie einst 1983 Willie Nelson, mit dem Lied erzählen kann.

Kommen wir zu meinem Lieblingsstück: „Second One To Know“ ist der lebende beweis, dass Stapleton auch richtig (southern) rocken kann, klasse hier seine rotzige Stimme und sein E-Gitarren-Solo.  „Up To No Good Livin'“ ist ein steel-getränkter Slow-Waltz, wieder ist der Duettgesang des Ehepaars beeindruckend. ‚Reduktion‘ ist das Stichwort bezüglich des nur mit einer Akustikgitarre und Gesang konstruierten „Either Way“. Hier greift natürlich Stapletons grandiose Stimme, die sich dann auch brillant entfaltet.

Mit Stück 6 „I Was Wrong“ wechselt der Protagonist von der Countryschiene mehr auf die Bluesebene. Ein wunderbarer Slow-Blues voller Atmosphäre, tollen E-Gitarren und ergreifendem Gesang. Hier hast du wirklich, zumindest, was den Song betrifft, nix falsch gemacht, Chris!

Das ruhige „Without Your Love“ hätte auch gut auf Claptons damaliges „Ocean Boulevard 461“ gepasst. Tolle Nummer! Der Countryrock-Blues „Them Stems“ hat ein ähnlich rotzig freches Flair wie die eines Dan Bairds. Macht Laune. Bevor es jetzt zu überschwänglich wird, tritt Chris dann aber wieder auf die Bremse, um sich mit einem dezent introvertiert und psychedelisch-bluesig gehaltenen „Death Row“ wieder in seine Komfortzone zu begeben und gleichzeitig zu verabschieden.

Fazit: Das neue Album von Chris Stapleton „From A Room Volume 1“ ist schon richtig stark, aber nicht unbedingt auch ein Grund, vor Freude einen Doppelsalto mit dreifach angeschlossenem Flickflack zu machen. Bei allem Tamtam, das jetzt vermutlich wieder um seine Person veranstaltet wird, meine ich, dass man hier bei neun Stücken und nicht revolutionär neuer Musik, durchaus den Ball auf angepasster Höhe halten könnte. Und ich spekuliere mal, Chris persönlich wird das, von seinem Typus her, im Innersten, vermutlich auch ähnlich sehen. Trotzdem ist natürlich eine absolute Kaufempfehlung zu attestieren.

Mercury Records (2017)
Stil: New Country

01. Broken Halos
02. Last Thing I Needed, First Thing This Morning
03. Second One To Know
04. Up To No Good Livin‘
05. Either Way
06. I Was Wrong
07. Without Your Love
08. Them Stems
09. Death Row

Chris Stapleton
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Universal Music International

Frankie Ballard – 03.05.2017, MTC, Köln – Konzertbericht

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Eine Fahrt zu Konzerten nach Köln mit ihren verkehrstechnischen Besonderheiten (an vielen Stellen darf man z. B. nicht links abbiegen, abenteuerlich anmutende Parkplatzsuche), ist doch immer wieder schön, besonders, wenn man sich zu den, in dichtbesiedelten Wohngebieten liegenden Clubs, wie in diesem Fall, dem MTC, im Studentenviertel der Stadt, begeben darf.

Man mag es eine glückliche Fügung des Schicksals nennen, als nach mehreren vergeblichen Runden durch das Gebiet, sich plötzlich zwei junge Burschen, direkt vor der Nase, in ihr Auto zur Wegfahrt setzten, und der mitgereiste Fotograf Jörg Schneider und meine Wenigkeit sich dann in die enge Parklücke quetschen konnten.

Es war unser/mein erster Besuch im schlauchförmigen MTC-Club, der mich dann irgendwie an eine etwas verengte und etwas düstere Variante des ebenfalls nicht weit weg liegenden Luxors erinnerte. Nach und nach füllte sich die Location und als um 21:00 Uhr etwas unverhofft eine junge hübsche Dame, namens Marla, sich mit ihrer Akustikgitarre auf den bereitstehenden Barhocker vors Publikum setzte, hatten sich für einen Mittwoch in der Woche, geschätzt, gute 150 Zuschauer, für den eigentlichen Hauptact, den New Country Rocker Frankie Ballard, eingefunden.

Das langhaarige Mädel aus dem schönen Heidelberg ‚melancholierte‘ dann eine knappe halbe Stunde englisch gesungene Songs, aber im Stile und mit der Nonchalance einer französischen Liedermacherin/Chanteuse. Da das Anliegen der Reise jedoch nicht ‚Verliebt in Paris‘, sondern eher ‚Hungrig auf Nashville‘ war, ist man dann doch irgendwann froh gewesen, als Frankie Ballard inklusive ’seiner Jungs‘ Eddie Robinson, Travis McNabb und Robbie Harrington, mit dem launigen Opener „Drinky Drink“ die Bude ordentlich in Schwung brachte. Die Stimmung war von Beginn an bis zum Ende prächtig.

Das lag nicht zuletzt an der instrumentellen Qualität der beteiligen Burschen, ihrem agilen Auftreten, dem tollen Songmaterial (plus sehr stark interpretierter Covernummern wie u. a. „Folsom Prison Blues“ – Johnny Cash, „L.A. Woman“ – The Doors, „Hound Dog“ – Elvis, „You’ll Accomp’ny Me“ – Bob Seger) und natürlich auch an der mitnehmenden, freundlichen und humorvollen Führungsqualität des immer noch lausbubig wirkenden Protagonisten samt seiner tollen Stimme.

Frankie präsentierte im weiteren Verlauf unterhaltsame, kurzweilige, immer melodische Stücke aus dem eigenen Fundus seiner drei bisherigen Werke wie „Young & Crazy“, „Little Bit Of Both“, „Tell Me You Get Lonely“, „Wasting Time“, „It All Started With A Beer“ (die beiden letztgenannten Lieder mit Frankie an der Akustikgitarre), „Cigarette“, „Helluva Life“, „Good As Gold“ und „El Camino“, wobei man an der Setlist deutlich sieht, dass man sich naturgemäß vordergründig auf sein aktuelles Album „El Rio“ konzentrierte.

Wie bereits erwähnt, ein tolles Kollektiv dieses Quartett. Ballard überzeugte mit seinem rauchigen Gesang, guter und variabler Gitarrenarbeit sowie seiner aufs Publikum eingehenden und kommunikativen Art. Das kam hervorragend an. Der schlaksige Eddie Robinson beeindruckte mit vielen filigranen Fills und Soli, besonders klasse war’s, wenn er mit seinem Glasröhrchen zum Sliden ansetzte. Herrlich auch immer, wenn sich die beiden Gitarrenkönner zu den Southern Rock-typischen Twins ‚vereinten‘. Die Rhythmusfraktion mit Kraftpaket McNabb und Harrington, polterte, pumpte und groovte, was das Zeug hielt.

Mit der fulminanten, southern-rockigen Version von „Sunshine & Whiskey“ von gleichnamiger CD (erneut grandiose E-Gitarren von Robinson und Ballard) zum Abschluss des Hauptteils und der tosend eingeforderten Zugabe „You Could’ve Loved Me“ (wunderbare semi-akustische Ballade) verabschiedeten sich Ballard & Co. nach tollem Gig, wobei der Protagonist es nicht versäumte, am Ende auch noch ausgiebig Autogramme am Bühnenrand zu verteilen. Insgesamt somit eine fantastische Gesamtleistung von Frankie Ballard und Band! Er hat an diesem Abend hier sicherlich viele Freunde gefunden. Und auch die gute alte Domstadt am Rhein war deshalb mal wieder ihre Reise wert…!

Line-up:
Frankie Ballard (lead vocals, electric guitar, acoustic guitar, percussion)
Eddie Robinson (electric guitar, slide guitar, vocals)
Robbie Harington (bass, vocals)
Travis McNabb (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

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Wizard Promotions
MTC Köln
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Trace Adkins – Something’s Going On – CD-Review

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Starkes 12. Album des vielseitigen Country-Raubeins, der jetzt schon seit über 20 Jahren in Nashville und darüber hinaus (auch als viel gebuchter Schauspieler) im Geschäft ist. „Something’s Going On“ heißt sein aktuelles Werk auf seinem neuen Label Wheelhouse Records und beweist, dass der alte Recke es, trotz einiger persönlicher Ups and Downs, immer noch drauf hat.

Trace Adkins zählt ja zu den Interpreten, die in der Regel fast  nie kompositorisch aktiv sind, um so mehr ist da ein gutes ‚Händchen‘ gefragt, passende Songs zu ergattern, und das hat er, ähnlich wie zum Beispiel Tim McGraw, auch diesmal überwiegend gut hinbekommen. Auf dieser Scheibe ist ihm wieder unter der Regie von Produzent Mickey Jack Cones (Joe Nichols, Randy Houser, Dustin Lynch) eine abwechslungsreiche und kurzweilige, auf ihn bestens gemünzte Auswahl zu attestieren.

Getragen wird er hier von einem Musikerteam, das man mit Leuten wie Lonnie Wilson, Nir Z, Mark Hill, Troy Lancester, Jeff King, Kenny Greenberg, B. James Lowry, Tony Harrell, Jim Brown, Mike Johnson, Dan Dugmore, Jenee Fleenor, Wes Hightower, Perry Coleman, Shelly Fairchild und Angela Primm zur Creme de la Creme der Nashville-Gilde zählen kann. Cones hat hier natürlich auch mitgewirkt (E-Gitarre, Keys, Background vocals).

Schon der swampige und coole Opener „Ain’t Just The Whiskey Talkin'“ (dezentes Jason Aldean-Flair) ist für Trace wie auf den Leib geschnitten. Mit Tracks wie „Jesus And Jones“, den humorvollen „I’m Gone“ und „Country Boy Problems“ sowie dem patriotisch gefärbten „“Still A Soldier“ wird er vielleicht nicht gerade bei Frauen- und Friedensbewegungen hoch im Kurs stehen, aber natürlich den großen überwiegenden Teil der amerikanischen Countrymusik-Klientel auf seiner Seite haben.

Richtig poppig und funkig, auch tanzbar,  geht es bei Stücken wie „Gonna Make You Miss Me“ und „Lit“ zu, bei erstgenanntem darf der alte Charmebolzen, rein textlich, auch Taylor Swift ein wenig anflirten.

Die besonderen Momente des Albums bieten ganz starke Tracks wie das atmosphärische „Watered Down“ (typischer Country-Erzählstil, Akustikgitarre, dazu weinende Steel), das überragende Titelstück „Something’s Going On“ (markante Bariton-E-Gitarre, Pianotupfer, Steel, E-Solo mit „Hotel California“-Touch)  und das dezent introvertiert performte „Whippoorwills And Freight Trains“, beide in Montgomery Gentry-Manier performt, sowie der melancholische Abschluss mit „Hang“ (schönes E-Solo). Besonders bei diesen Stücken kann sich Adkins‘ immer noch ausdrucksstarke Stimme bestens entfalten.

Mit seinem erneut richtig guten Album „Something’s Going On“ hat Trace Adkins gezeigt, dass er nach seinen vielen durchgestandenen Problemen (wie u. a. Alkoholsucht, Scheidung, Todesfälle im Umfeld) musikalisch wieder Morgenluft wittert und mit ihm auf diesem Terrain immer noch jeder Zeit zu rechnen ist. Ein starkes Werk, das durchaus mit dem einen oder anderen Hit belohnt werden wird.

Wheelhouse Records (2017)
Stil: New Country

01. Ain’t Just The Whiskey Talkin‘
02. Jesus And Jones
03. Watered Down
04. Something’s Going On
05. If Only You Were Lonely
06. Gonna Make You Miss Me
07. I’m Gone
08. Country Boy Problems
09. Lit
10. Still A Soldier
11. Whippoorwills And Freight Trains
12. Hang

Trace Adkins
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Bärchen Records

The Delta Saints – 31.03.2017, Zentrum Altenberg, Oberhausen – Konzertbericht

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Dass die Bäume, zumindest hier im Kultur-umkämpften Rhein/Ruhrgebiet, vom Publikumszuspruch, noch nicht in den Himmel wachsen, mussten gestern Abend im Oberhausener Zentrum Altenberg, die talentierten Jungs der Delta Saints aus Nashville, Tennessee, leidvoll erfahren. Die an sich schöne Location war doch nur recht spärlich gefüllt, da hatte die Band zuvor auf ihrer Europa-Tournee, in anderen Ländern deutlich bessere Erlebnisse.

Irgendwie war es auch scheinbar nicht ihr Abend, da konnte auch Ben Ringels Charme-Offensive („it’s great to be here in Oberhausen“) wenig dran ändern. Zu spät angereist, zögerte sich der Umbau nach Josh Hoyers beeindruckendem Auftritt, durch einen noch vorzunehmenden Soundcheck ziemlich heraus, der dann bis in die ersten Stücke hinein sogar weitergeführt werden musste (die Musiker gaben immer wieder Zeichen in Richtung Mischpult), weil es ständig irgendwo anders haperte.

Die Burschen sahen rein äußerlich dazu auf der Bühne so aus, als wenn sie gerade unverhofft, bei einem gemütlichen Grillabend auf einem Campingplatz aus ihren Liegestühlen gerissen worden wären und noch mal eben schnell einen spontanen Gig abliefern sollten. Ich meine auch, irgendwie eine gewisse Enttäuschung über die schlechte Besucher-Resonanz verspürt zu haben.

Wie dem auch sei, die musikalische Leistung war insgesamt absolut in Ordnung. Mit dem starken slide-trächtigen Opener „Cigarettes“, Sachen wie „Bones“ und dem psychedelisch-umwehten „Berlin“ gelangte man mit „Are You?“ zur Vorstellung des neuen Albums „Monte Vista„, das auf dieser Tour natürlich beworben werden soll. Auf dem Fuße folgte mein Favorit des Werkes, das radiotaugliche „California“ und das stampfende „Space Man“ aus selbigem Tonträger.

Für mich persönlich waren die jammigen „Pray On“ (Ben Ringel mit Resonator-Gitarre) und das shufflige NOLA (Bass-Solo Intro von Davis Supica), nicht zuletzt wegen der gurgelnden Orgel-Solos von Nate Kremer, weitere Highlights. Kremer war ja letztes Jahr bei der Tour nicht zugegen und erwies sich jetzt als deutlich belebendes Element. Auch Drummer Vincent “Footz” Williams kam diesmal deutlich kraftvoller rüber. Bei diesen Stücken offenbarte das Quintett dann auch seine unbestrittene spielerische Qualität.

Über weitere Tracks wie „Sometimes I Worry“ (Slidegewitter von Fitch, Trommelwirbel von Williams), „In Your Head“, „Dust“, „Burning Wheels“, ebenfalls vom neuen Album, und dem Vogel namens Angola war das Ende des Gigs erreicht, der am Ende mit dem knackigen, mit schönen Tempowechseln versehenen „Deathletter Jubilee“ als einzige Zugabe, vervollständigt wurde.

Fazit: Unbestritten Ihres musikalischen Talents, sind die mittelgroßen Veranstaltungsorte hier bei uns, so scheint es zumindest, für die Delta Saints momentan noch eine Nummer zu groß. Ihre mutige, wenig kommerziell ausgerichtete, anspruchsvolle Musik ist in unseren Gefilden nicht massen-kompatibel genug. Ungeheures spielerisches Potential und Kreativität reichen ungerechter Weise nicht immer. Ein dickes Fell, in Sachen spürbarem Popularitätszuwachs bei uns, ist von daher weiter gefordert.

Line-up:
Ben Ringel (lead vocals, guitars, percussion)
Dylan Fitch (electric guitar)
David Supica (bass)
Vincent “Footz” Williams (drums)
Nate Kremer (keys, percussion)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

The Delta Saints
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Teenage Head Music
Zentrum Altenberg Oberhausen

Quinn Sullivan – Midnight Highway – CD-Review

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Ich musste am Anfang schon ein wenig schmunzeln. Wenn man die Einleitung des Beipackzettels zu Quinn Sullivans neuem Album „Midnight Highway“ liest, könnte man meinen, dass man es hier mit einem Künstler zu tun hat, der sich glatt schon so um die 30 Jahre im Geschäft befindet.

Er hat bereits mit Leuten wie u. a. Buddy Guy, Eric Clapton, Los Lobos, der Tedeschi Trucks Band, Joe Bonamassa und Albert King die Bühne geteilt, bei berühmten Festivals wie Montreaux oder Mahindra in Indien mitgewirkt, ist in der Jay Leno Show aufgetreten – ok, das wäre für die lange Zeit jetzt ein bisschen wenig – hat mit o. a. Werk, seinen dritten Longplayer veröffentlicht.

Aber dieser Bursche aus Massachusetts zählt gerade mal unglaubliche 17 Lenze! Und was hat der für ein Talent. Er ist ein Super-Gitarrist, das Songwriting kann sich sehen lassen (hat immerhin drei Tracks kreiert) und auch der Gesang passt für das junge Stadium schon ganz gut (man hört es aber doch ein wenig – klingt oft wie ein ganz ganz junger Robert Plant).

Wie vor kurzem auch Joe Bonamassa, hat Quinn sich in Sachen Produktion, unter die Fittiche vom uns bestens bekannten Tom Hambridge in den berühmten Blackbird Studios in Nashville begeben. Hambridge bearbeitete auch das Schlagzeug und stellte dem Jüngling erfahrene Musiker wie Michael Rhodes, Tom MacDonald, Rob McNelley und Keyboard-Legende Reese Wynans an die Seite.

Schon der Opener „Something For Me“ mit herrlicher E-Gitarre (tolli Soli) und klimpernden HT-Piano-Einlagen, lässt Led Zeppelin-, ZZ Top– und Skynyrd-Indegrienzien zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen. Melodische Stücke wie „Tell Me I’m Not Dreaming“ und  das funkige „Lifting Off“ haben einen gewissen Popfaktor“, mit letztgenanntem kann man  jede Party in Schwung bringen.

Quinn mit seinen unzähligen quirligen, energiegeladenen, aber auch voller Seele befindlichen E-Gitarren-Soli (hat scheinbar eine sehr große Vorliebe für das Spiel der Allman Brothers-Akteure) und Wynans (mit variablen Keys-Parts) setzen natürlich insgesamt die meisten Akzente.

Absolut klasse  das atmosphärische „She Gets Me„, grandios die im allmanesken Instrumental-Stil abgewickelten Songs wie  „Big Sky“ und der Rausschmeißer „Buffalo Nickel“, aber auch das besungene Titelstück „Midnight Highway„. Hier beweist der Bursche, dass er neben dem Blues auch beste Southern Rock-Gene im Körper hat. Und mit was für einem Gefühl!

Ein Schmankerl und Höhepunkt zugleich ist die gelungene Coverversion von George Harrisons „While My Guitar Gently Weeps“, das man so originalgetreu wie möglich, wie auf dem „White Album“ der Beatles, abzubilden versucht hat. Hambridge hat dafür sogar recherchiert, wie die Musiker und Mikrophone damals im Studio standen. Quinn setzt natürlich mit furiosen Gitarren-Soli noch hier einen drauf.

Mentor Buddy Guy gab seinem Sprössling einst den Rat, raus zugehen und allen zu zeigen, wer er ist, die Leute sollen sich an ihn erinnern. Mit seinem tollen neuen Album „Midnight Highway“ hat er jedenfalls beim Autor (und sicherlich auch allen, die sich mit diesem Teil beschäftigen werden), schon bleibende Spuren hinterlassen. Eine abwechslungsreiche, kurzweilige, jederzeit melodische und auch instrumentell anspruchsvolle CD, die von vorne bis hinten Spaß macht, nicht zuletzt auch wegen der vielen Southern Rock-Bezüge.

Da fällt mir eigentlich zu Jungspund Quinn Sullivan am Ende spontan nur noch ein altbekannter Schimanski-Spruch in abgewandelter Form ein: Noch keine Haare auf der Brust, aber schon im Blues Rock drängeln…

Mascot Label Group (2017)
Stil: Blues Rock

01. Something For Me
02. Tell Me I’m Not Dreaming
03. Midnight Highway
04. Crazy Into You
05. Eyes For You
06. Lifting Off
07. She Gets Me
08. Rocks (Bonus track)
09. Going
10. Graveyard Stone (Bonus track)
11. Big Sky (Bonus track)
12. While My Guitar Gently Weeps
13. Buffalo Nickel

Quinn Sullivan
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Mascot Records
Netinfect Promotion
Bärchen Records

The Delta Saints – Monte Vista – CD-Review

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Packe Red Hot Chili Peppers, die psychedelischen Sachen von Led Zeppelin und David Bowie in einen Mixer, schüttel diesen und nehme die Mischung, um den Sound der letzten Platten der Delta Saints zu würzen und es kommt „Monte Vista“ (tolles Coverbild übrigens) heraus. Der bluesige Charakter des letzten Longplayers „Bones“ ist dabei etwas auf der Strecke geblieben, dafür hat sich die Band verstärkt in eine Richtung entwickelt, die psychedelisch angehauchte Sachen der 70er mit Einflüssen aus Soul und Hip-Hop unterlegt, besonders durch die Rhythmus-Sektion (David Supica und Vincent Williams), in abwechslungsreiche und eigenständige Rockmusik umgesetzt.

Der Longplayer startet mit „California“, dem, beim ersten Hören, Radio-kompatibelsten Song, der in seiner rockig tanzbaren Manier, ein breites Hörerspektrum ansprechen müsste. Mit dem folgenden „Sun God“ ändert sich sofort der Stil und die psychedelischen Elemente treten stärker in den Vordergrund. „Burning Wheels“ erinnert mich vom mystischen Gesang her, an den indianisch anmutenden Beginn von Pottheads „Indians“. „Are You“ mit mehreren Tempowechseln, die aber bis auf das Gitarrensolo von Dylan Fitch, im mittleren Bereich liegen, erinnert ebenso wie das folgende „Crows“ an die psychedelischen Nummern von Led Zeppelin, wobei auch die Stimme von Ben Ringel in hohen Tonlagen, der von Robert Plant ähnelt, ohne  dabei den eigenen Charakter zu verlieren.

„Roses“ beginnt, insbesondere vom Bass und Drum-Part her, ähnlich wie Tracks der Red Hot Chili Peppers aus ihrer „Californication“-Zeit. Untermalt wird der Gesang immer wieder mit rockigen Gitarrensoli. Mit „Space Man“ geht die Zeitreise Richtung David Bowie zu Beginn seiner Karriere, ohne dabei verstaubt zu wirken. „Young And Crazy“ und „In Your Head“ mit groovender Rhythmussektion sind wieder sehr psychedelisch infiziert und dürften ebenfalls bei Fans der RHCP gut ankommen. Letzteres Stück wartet mit Gesangspassagen auf, die sich bei Live-Konzerten dazu eignen, in Interaktion mit dem Publikum zu treten. Das ruhige „Two Days“ mit epischen Gesangspassagen und einer Gitarre in der Songmitte, die mich in meine „alte“ Bowie-Zeit zurückversetzt, rundet diese Platte ab.

Mit „Monte Vista“ haben die Delta Saints die Wandlung von einer eher Blues-orientierten Formation zu einer wieder deutlich mehr psychedelisch angehauchten Band, mit den Einflüssen der legendären Led Zeppelin abgeschlossen, ohne sich selbst aufgegeben zu haben oder einem Abklatsch anderer Acts zu ähneln. Wer mit einem eventuellen Schwenk in Richtung mehr ‚Nashville‘ geliebäugelt hat (woher die Burschen ja stammen), dürfte von dem Album zunächst enttäuscht sein, was sich aber nach einem nochmaligen Hören und Freisetzen des Erwartungshorizonts ändern könnte/wird, da sich bei der Komplexität der Kreationen, vieles erst beim zweiten oder dritten Durchgang öffnet.

Insgesamt für mich ein gutes und interessantes Album, da die Band experimentierfreudig, altes und neues aus der Rock-Musik verknüpft und so ein abwechslungsreiches Werk hingelegt hat, welches nicht dem Mainstream (oder wir gehen auf ‚Nummer Sicher‘) zum Opfer gefallen ist. Wer Songs von „Monte Vista“ live erleben will, dem sei die anstehende Tournee wärmstens empfohlen, da die Delta Saints nicht nur versierte Studiomusiker sind, sondern auch live mit ihrem Charisma und ihrer dynamischen Spielweise schon im letzten Jahr, auch ohne ihren Keyboarder Nate Kremer, glänzen konnten.

Review: Gernot Mangold

Teenage Head Music (2017)
Stil: Roots Rock

01. California
02. Sun God
03. Burning Wheels
04. Are You
05. Crows
06. Roses
07. Space Man
08. Young And Crazy
09. In Your Head
10. Two Days

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Teenage Head Music

Southern Drawl Band – Elixir – CD-Review

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Die Southern Drawl Band, eine Mischung von Musikern aus Knoxville und Nashville, mit ihrem bereits 4. Album. Das mit diversen regionalen und nationalen Awards bedachte Quintett, das schon mit vielen prominenten Acts und Interpreten wie u. a. Lynyrd Skynyrd,  der Charlie Daniels Band, Jimmy Buffett, Brantley Gilbert, Blackberry Smoke und Justin Moore die Bühne geteilt hat, beschert uns mit „Elixir“ ein herrliches Gebräu aus Country- und Southern Rock-Zutaten vom Feinsten.

Der Fünfer um die beiden Köpfe Mike Nash (lead vocals, guitar) und Jo Edge (lead vocals, fiddle) sowie ihre Mitstreiter David Crow (lead guitar), Paul Wray (bass) und Larry Dunsmore (drums) spielt seit 2012 zusammen und hat mit seiner ‚Southern Rockin‘ Country music with a twist of lime distilled in the backwoods of Tennessee‘ ein Karriere-Highlight abgeliefert. Das Album überzeugt mit seiner variablen kurzweiligen Mischung von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Tragischer Weise verstarb ihr brillanter Lead-Gitarrist David Crow nach Beendigung der Aufnahmen, als ein vom Sekundenschlaf übermannter Autofahrer frontal in sein Motorrad fuhr. Ihm ist auf der Innenseite der CD ein emotionales Gedicht („As The Crow Flies“) von einem der Mitkomponisten der Band, Mike Kuhl, gewidmet.

Der Auftakt mit dem Titel  „Damn Sure Comin‘ From Dixie“ lässt auch musikalisch keinen Zweifel an ihrer Herkunft. Ein typischer Stampfer an der Schnittstelle zwischen Montgomery Gentry, Travis Tritt sowie der Charlie Daniels Band und Lynyrd Skynyrd, wobei starke E-Gitarren und Jo Edges markantes Fiddle-Spiel auch im weiteren Verlauf  des Albums immer wieder als Trademarks herausstechen.

Stücke wie „Ghosts Of „New Orleans“, „Somewhere Down The Road“, „Tennessee Line“ oder das finale „You’ll Never Leave Harlan Alive“ (wie eine Bluegrass-Version vom Animals-Hit „Hose Of The Rising Sun“) dienen als Blaupause für die countryeske, rurale, ja grassige Seite der Musiker. Alles wunderbare hoch-melodische, mit viel Liebe zu instrumentellen Details  gestaltete, flockig ins Ohr gehende Songs, wie man sie von Acts wie der Pure Prairie League, Pirates Of The Mississippi oder SR-Bands a la Marshall Tucker Band, CDB oder den Outlaws kennt. Hier schlägt dann auch häufig die Stunde er einzelnen versierten Gäste wie Andy Wood (mandolin), Doyle Grisham (pedal steel) oder Travis Toy (Dobro).

Nash, der sich als Hauptsongwriter für den Großteil des Gesangs verantwortlich zeigt (seine Stimme ähnelt Leuten wie Eddie Montgomery, Travis Tritt oder Bruce Brookshire) und Jo Edge (klingt Eric Church zum Verwechseln ähnlich) ergänzen sich am Mikro vorzüglich (auch mit Harmoniegesängen).

Edges großer Moment ist auf der furios rockigen Cover-Darbietung von Skynyrds einstigem „Mississsippi Kid“, die Ronnie Van Zant sicherlich mit viel Freude und Stolz  im Southern Heaven vernehmen wird. Nash besingt dafür mit der  launigen Uptemponummer  „Rocky Top“ den ‚Hit‘ der Band, der als Video bei einem Football Match im ausverkauften Neyland Stadium in Knoxville vor 102.000 Zuschauern seine Premiere feierte und seitdem bei Spielen in dieser Sportart auch mit viel TV-Präsenz (u. a. bei NBC) gewürdigt wird.

Wenn sich schon Experten wie Lorren Cornelius (früherer Geffen Records Promotions-Chef) und Dermott McCormack (Sony/Viacom Programming) zu Statements wie „Southern Drawl Band is one of the Nation’s hottest emerging bands, ranking top among the best live performances to come along in decades“ und „a must see, swampy grit of modern country combined with a rockin‘ your face off stage performance reminiscent of the days when bands knew how to put on a show“ hinreißen lassen, weiß man, dass man es mit ganz besonderem Stoff zu tun hat.

Auch wir schließen uns dem, mit unserer Begeisterung in Sachen „Elixir“, restlos an und geben die uneingeschränkte Empfehlung: ‚Get’cha some great music‘ von der Southern Drawl Band! Herrliche Musik!

Down Home Records (2016)
Stil: Southern Rock

01. Damn Sure Comin‘ From Dixie
02. Ghosts Of New Orleans
03. Mississippi Kid
04. One Hell Of A Ride
05. Rocky Top
06. She’s My Angel
07. Somewhere Down The Road
08. Tattoo
09. Tennessee Line
10. When Did I Stop Growing Up
11. You’ll Never Leave Harlan Alive

Southern Drawl Band
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Bärchen Records