Altered Five Blues Band – 18.05.2018, Kulturrampe, Krefeld – Konzertbericht

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Es ist in der Kulturrampe wirklich nicht oft so, dass ein Act, der dort seinen Debütauftritt feiert, sofort für eine volle Hütte sorgt. Gut, es ist meist sicherlich auch immer eine Frage der Rahmenbedingungen. Hier wurde vermutlich seitens der federführenden Promotionagentur zuvor gute Werbung gemacht (es waren sehr viele Besucher da, die man sonst bisher nicht gesehen hat), zum anderen passte der Termin als Auftakt des langen Pfingstwochenendes natürlich perfekt.

Rampenmacher ‚Pille‘ Peerlings durfte sich somit schon im Vorfeld über einen guten Kartenabsatz freuen, den Rest besorgten dann wohl die Kurzentschlossenen. Kommen wir nun zu den Debütanten, ein Quintett aus Milwaukee namens Altered Five Blues Band, bestehend aus offensichtlich gestandenen Musikern, das bisher, so muss ich im Nachhinein zu meiner Schande gestehen, in meinem Blues Rock-Wissensspektrum nicht vorhanden gewesen ist.

Die fünf Herren können dabei schon auf vier Longplayer zurückweisen, ihre letzte Veröffentlichung „Charmed & Dangerous“ stammt aus dem letzten Jahr. Fronter Jeff Taylor ist ist nicht nur aufgrund seiner bulligen korpulenten Statur, sondern auch aufgrund seiner tollen Soul-Stimme und der kommunikativen Präsenz, ein Stimmungsgarant.

Die beiden Hauptsolisten Jeff Schroedl mit seinen vielen quirligen Stratocaster-Soli und der kauzige, äußerst variabel klimpernde Raymond Tevich (holte aus seinem Korg-Keyboard mit Orgel-, E- und HT-Piano und Synthie-Klängen alles heraus) begeisterten die Audienz ebenso, wie das mit Mark Solveson am intensiv pumpenden Bass und dem agilen Drummer Alan Arber,  phänomenal agierende Rhythmus-Duo.

Der aus zwei Sets bestehende Gig, fand in Teil 1 mit dem groovigen „I’m In Deep“ eine gelungene Eröffnung, und hatte mit dem B.B. King-angelehnten „If Your Heart Went Public“, dem dank Tevichs furioser Orgel, schon fast Deep Purple-verdächtigen Blues Rocker „Gonna Loose My Baby“, dem herrlichen Slow Blues-Schwofer „Find My Wings“ und der eigenwilligen Interpretation des CCR-Klassikers „Fortunate Son“, sehr facettenreiche Blues (Rock) -, Funk- und Soul-Kost zu bieten.

Klasse auch das furiose „She’s Still Crazy“, während dessen Taylor zurecht auf eine wieder ekstatisch, ebenso ausdauernd,  in vorderster Bühnenfront, tanzende Rampen-Stammbesucherin, verwies. Immer wieder schön für mich festzustellen, was die Pädagogengilde (die Dame gehört dieser meines Wissens an, wie z. B. auch einige meiner SoS-Kollegen), abseits des Klassenzimmers, so alles an Höchstleistungen zu Erbringen im Stande ist…

Die zwanzig-minütige Pause wurde wieder schnell mit „Charmed & Dangerous“ und dem stampfenden „Love Sickness“ ad acta gelegt. Das famose „Angel Of Mercy“ (die Rampe glich mittlerweile einem brodelnden Hexenkessel – ein Besucher fühlte sich sogar bewogen, dem einsatzfreudigen Quintett eine Runde Bier zu spendieren), das Robert Johnson-lastige „Three Forks“ (demnach sehr „Crossroads“-ähnlich), die wunderbare, von Schroedl kreierte Southern Soul-Ballade „Eigth Wonder“, die Stevie Ray Vaughan-Hommage „Tightrope“ und das swampige „Small Talk“ (mit auf dem Punkt gespielten Drum-Solo von Arber) brachten derart Stimmung in die Rampe, wie ich sie bisher selten erlebt habe.

„Heavy Love“ (schön funkig) und das launige „On My List To Quit“ (schön schrammliges E-Gitarrenspiel von Schroedl) beendeten einen ganz starken zweiten Part. Klar, dass die fünf Männer erst gar nicht von der Bühne gelassen wurden. Mit dem krachenden Blues „Demon Woman“und der erneut grandios funkig modifizierten Version des immer mit Joe Cocker assozierten Beatles-Stückes „With A Little Help From My Friends“, beendete die Altered Five Blues Band ihre, vom Publikum zurecht frenetisch gefeierte Performance.

Die Besucher des an diesem Wochenende anstehenden Grolsch-Bluesfestivals dürfen sich freuen. Denn auch dort wird der Milwaukee-Fünfer sicherlich so manchen Besucher vom Hocker reißen. Und nebenbei: Ich habe wieder eine echte musikalische Bildungslücke schließen können. Auch Pille Peerlings hat wieder ein gutes Näschen bewiesen. Danke wie immer ebenfalls von Gernot und mir an ihn und sein tolles Mitarbeiter-Team!

Line-up:
Jeff Taylor (lead vocals, percussion)
Jeff Schroedl (electric guitar, vocals)
Raymond Tevich (keyboards)
Mark Solveson (bass, vocals)
Alan Arber (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Altered Five Blues Band
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Kulturrampe Krefeld

Joe Bonamassa – British Blues Explosion Live – CD-/DVD-Review

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Joe Bonamassa goes British! Nachdem er 2015 auf einem seiner letzten Live-Alben (Live At Red Rocks) noch den US-amerikanischen Blues-Größen Muddy Waters und Howlin Wolf Tribut gezollt hat, nimmt er sich jetzt seinen britischen Helden an. Ergebnis ist eine tiefe Verneigung des „Meisterschülers“ vor seinen „Lehrmeistern“, in erster Linie vor den Gitarrenlegenden Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page, die von Bonamassa ausgiebig und meisterlich gewürdigt werden.

Das abwechslungsreiche Konzert-Album wurde 2016 in Greenwich, London, aufgezeichnet und kann nach den visionären Gitarristen im Wesentlichen in drei Abschnitte geteilt werden. Kenntnisreich ausgegrabene englische Bluesklassiker und -Raritäten, mit dem Schwerpunkt in den 1960er und 70er Jahren, spielt Bonamassa hier leidenschaftlich und exzellent, begleitet von einer überragenden Band, die komplettiert wird durch Keyboarder und Rock and Roll Hall of Famer Reese Wynans (u.a. Stevie Ray Vaughan), Michael Rhodes am Bass, Schlagzeuger Anton Fig (u.a. Bob Dylan, B.B. King) und Rhythmusgitarrist Russ Irwin (u.a. Aerosmith, Sting).

Und diese erstklassigen Begleitmusiker muss man einfach auch um sich haben, damit die überragende Qualität der gecoverten Bluesstücke vor dem kritischen, englischen „Expertenpublikum“ mitreißend zur Geltung kommt.

Ohne die nachhaltige Ausstrahlung, Persönlichkeit und Ausdauer seiner britischen Vorbilder, hätte der europäische Blues ab den 1960er Jahren wohl niemals die Brücke zur Rockmusik geschlagen. Besonders die technische Experimentierfreudigkeit der drei Gitarristen (u.a. Fuzz, Feedback) begeisterte Bonamassa. Das Doppelalbum bildet dabei die perfekte Live-Hommage an seine Helden und der Facettenreichtum, den der US-Amerikaner hier in Form eines explosiven Bluesfeuerwerks vorführt, gleicht einer Achterbahnfahrt durch die Gründerepoche der englischen Blues-Rock-Historie.

Aus dem Schaffenswerk von Jeff Beck hat er das legendäre Blues-Rock-Klassik Instrumental „Beck’s Bolero“ (1968), „Rice Pudding“ (1969) und „Plynth (Water Down The Drain)“ (1969) ausgewählt und orientiert sich damit an Becks früher Phase mit der Jeff Beck Group und den Studioalben „Truth“ (1968) und „Beck-Ola“ (1969).

Die Clapton-Sammlung hat Bonamassa breit gefächert durchforstet und „Mainline Florida“ und „Motherless Children“ vom 1974er Album „461 Ocean Boulevard“, „Double Crossing Time“ und „Little Girl“ aus Claptons Bluesbreakers-Zeit (1965/1966), „SWLABR“ aus seiner Cream Phase (1967) und „Pretending“ von „Journeyman“ (1989) herausgepickt.

Dem Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page huldigt Bonamassa auf „Boogie With Stu“ (1974), „Tea For One (1976)“, „I Can’t Quit You Baby“ (1969) und mit den berauschenden Schluss-Akkorden von „How Many More Times“ (1969).

Die Songs geben Joe Bonamassa sehr viel Platz für kreativen Gestaltungsspielraum und eigene Interpretationen. Klanglich zelebriert der Gitarrenvirtuose alles was man von ihm bereits gewohnt ist: schnelle Tempowechsel, verschiedene Spielarten, lange Soloparts und genug Freiheiten für seine Begleitmusiker.

In Zeiten eines Blues-Revivals mit vielen jungen, aufstrebenden Musikern in Europa und den USA (u.a. Ben Poole, Ryan McGarvey, Laurence Jones) und ausverkauften Blues-Festivals veröffentlicht Bonamassa mit „British Blues Explosion“ sein persönliches, triumphales Statement. Am Ende des Live-Mitschnitts steht fest, es geht nicht nur um die Performance, sondern auch um die großartige Auswahl der Songs, mit denen er den britischen Blues wieder aufleben lässt und einem jüngeren Publikum zeitgemäß zugänglich macht.

Die DVD-Version von Joe Bonamassas „British Blues Explosion“ ist aufwendig gestaltet und fängt die Live-Atmosphäre vor malerischer und altehrwürdiger Kulisse des Old Royal Naval College in Greenwich, London, bildgewaltig ein. Das opulente Werk beginnt im Gegensatz zur CD mit einem informativen Intro über die British Blues Explosion in Gestalt von Jeff Beck, Eric Clapton und Jimmy Page in den 1960er Jahren; erzählt von Paul Jones, dem Sänger der „Blues Band“.

Die Songliste ist identisch mit der CD-Ausgabe, eine Extra DVD mit interessanten Live-Mitschnitten Bonamassas aus dem Liverpooler Cavern Club und dem Beatles Cover „Taxman“ ist beigefügt. Hervorzuheben ist die exakt abgestimmte Kameraführung mit häufigen Einblendungen von Bonamassas Gitarrenspielkunst und der ausgelassenen Spielfreude seiner Bandmitglieder.

Der US-Amerikaner trägt wie auf jedem seiner Konzerte einen feinen Anzug und eine dunkle Sonnenbrille. Leider gibt die Aufnahme der Konzert-Location inmitten architektonischer Prachtbauten auch die etwas sterile, altersbedingte Publikumsatmosphäre wieder, die opernhafte Züge nicht verheimlichen kann; dies sollte unter vornehmer englischer Zurückhaltung abgehakt werden.

Worauf Joe Bonamassa schon seit vielen Jahren enormen Wert legt, ist auch die visuelle Veröffentlichung seiner Konzert-CDs. Darüber hinaus achtet er regelmäßig auf interessante Locations für seine Konzertaufnahmen. Das naturprächtige Schauspiel auf der Bühne at Red Rocks, nahe Denver, das Greek Theatre in Los Angeles oder die Carnegie Hall in New York, zeigen seine Wertschätzung für schöne Locations und die persönliche Begeisterung für seine Gitarrenhelden, sieht man seinem Bühnenauftritt in Greenwich bei jedem Song an.

Joe Bonamassas „Explosion-Event“ und seine Rückbesinnung auf die Größen der englischen Blues-Rock-Zeit stehen damit ganz vorne in der Reihe vergleichbarer Produktionen, wie z.B. „The Blues“, der Dokumentation von Martin Scorsese oder auch den „Crossroads Guitar Festivals“ von Eric Clapton.

Mascot Label Group (2018)
Stil: Blues Rock

CD:

Disc 1:
01. Beck’s Bolero / Rice Pudding
02. Mainline Florida
03. Boogie With Stu
04. Let Me Love You Baby
05. Plyth (Water Down The Drain)
06. Spanish Boots
07. Double Crossing Time
08. Motherless

Disc 2:
01. SWLABR
02. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
03. Little Girl
04. Pretending
05. Black Winter / Django
06. How Many More Times

DVD:

Disc 1:
01. British Blues Explosion (Intro)
02. Beck’s Bolero / Rice Pudding
03. Mainline Florida
04. Boogie With Stu
05. Let Me Love You Baby
06. Plyth (Water Down The Drain)
07. Spanish Boots
08. Double Crossing Time
09. Motherless
10. SWLABR
11. Tea For One / I Can’t Quit You Baby
12. Little Girl
13. Pretending
14. Black Winter / Django
15. How Many More Times
16. Credits

Disc 2:
01. Joe Bonamassa – Live At The Cavern Club
02. Taxman – Tribute To The Beatles
03. Fan Footage Of Joe Receiving A “Brick In The Wall” At The Cavern Club
04. Photo Gallery – British Blues Explosion Live UK Tour

Joe Bonamassa
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Netinfect Promotion

Mike Zito – First Class Life – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Als Bluesmusiker in den Vereinigten Staaten sein Geld zu verdienen ist aufgrund der Vielzahl hervorragender Künstler nicht leicht. Doch Mike Zito hat es inzwischen geschafft und blickt zufrieden auf das Erreichte: „Ich habe eine wunderbare Familie, ich bin clean und kann von der Musik leben.“ Sein mittlerweile 14. Studioalbum „First Class Life“ spiegelt dabei viele Abschnitte seines künstlerischen Werdegangs wieder.

Wie er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dank der Musik seine Drogenabhängigkeit überwinden konnte, diese Erlebnisse verarbeitet er u.a. in dem aktuellen Longplayer. Der 47-jährige Texaner wollte eine „richtige Bluesplatte“ einspielen und dieses Vorhaben ist ihm eindrucksvoll gelungen. Das Album wurde in seinem Heimatstaat Texas in wenigen Tagen aufgenommen und beginnt mit einer shakigen und spritzigen Blues-Rock Nummer, die an traditionelle Blues-Wurzeln des Mississippi-Deltas anknüpft. Der  ausdrucksstarke Titelsong „First Class Life“, könnte autobiographischer nicht sein, so deutlich versinnbildlicht er Zitos Aufstieg aus St. Louis zu einem hoch geschätzten Bluesmusiker („I got a second chance and living a first class life“).

Seine Performance bei der Blues-Supergroup „Royal Southern Brotherhood“, deren Mitbegründer er neben Cyrill Neville und Devon Allman war, hat ihm auch über Genre Grenzen hinaus, Erfolg und Anerkennung gebracht. Der Working Class-Slowblues „The World We Live In“ vermittelt seine geradlinigen Singer/Songwriter-Qualitäten und geht über in das amüsante „Mama Don’t Like No Wah Wah“, als Anspielung auf eine Erzählung über die US-amerikanische Bluessängerin Koko Taylor. Eher düsteren Desert-Rock Sound und gleichzeitige Rassismuskritik gibt es mit dem Song „Old Black Graveyard“ auf die Ohren, gefolgt von dem groovigen Blues „Dying Day“.

Zito beschäftigt sich auf seinem Album mit aktuellen Lebenssituationen und transportiert einen sozialkritischen Arbeiterklassen-Ethos. Das gesellschaftsrelevante „The World We Live In“ in seiner Soft Blues-Rock-Melodie oder das Rock ’n‘ Roll-Blues Stück „Trying To Make A Living“ formen ein soziales Gespür für die alltäglichen, existentiellen Fragen und Gedanken der ‚einfachen‘ Bevölkerung. So ist das Album auch eine musikalische Verarbeitung von Mike Zitos Vergangenheit.

Einflüsse von Savoy Brown, den frühen Fleetwood Mac, Stevie Ray Vaughan und auch Joe Bonamassa verbindet Mike Zito mit seinem persönlichen, eleganten Blues-Stil und „jongliert“ gekonnt die unterschiedlichsten Richtungen vom Delta- über den Chicago- bis hin zum Memphis-Blues. Der einzige Wermutstropfen der bleibt, ist leider, dass Zito sein qualitativ hochwertiges Gitarrenspiel und Repertoire nicht vollends darbietet. Die obligatorischen Gitarren-Blues-Riffs sind ein wenig zu kurz und zeigen nicht sein Können, das er bereits auf vorherigen Studioalben oder bei Royal Southern Brotherhood abgerufen hat.

Auf „First Class Life“ fühlt man Zitos Blues-Spirit in beeindruckender Art und Weise. Der Langspieler bietet eine abwechslungsreiche Produktion, die unterschiedliche Blues-Stile gekonnt wiedergibt. Seine Vielseitigkeit und sein zielsicherer Spürsinn, Emotionen eines Bluessongs authentisch hervorzurufen, werden hier perfekt unter Beweis gestellt.

Ruf Records (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. Mississippi Nights
02. Wasted Time
03. First Class Life
04. I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treat Me)
05. The Wolrd We Live In
06. Mama Don’t Like No Wah Wah
07. Old Black Graveyard
08. Dying Day
09. Back Problems
10. Time For A Change
11. Damn Shame
12. Trying To Make A Living

Mike Zito
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Ruf Records

Gwyn Ashton & The Born-Again Sinners – 28.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Der im Ruhrgebiet scheinbar eher unbekannte Gwyn Ashton machte im leider wenig besuchten Musiktheater Piano Halt, um sein aktuelles Album „Solo Electric“ vorzustellen. Dabei ist der in Wales geborene, schon in der Kindheit nach Australien ausgewanderte Ashton, kein Newcomer im Musikgeschäft. In den 80er Jahren spielte er im Vorprogramm von Rory Gallagher, dessen Wege er später auch immer wieder kreuzte. So spielte er 2001 in der Band of Friends zum Gedenken an den leider zu früh verstorbenen Iren.

Daraus entstand auch eine Zusammenarbeit auf Ashtons Longplayer „Fang it“, wo ihn Gary McAvoy am Bass und Brendan O’Neill an den Drums begleiteten beide uns bestens bekannt durch ihren Auftritt im Schwarzen Adler vor geraumer Zeit. Auf weiteren Platten spielten Musikgrößen wie Ted McKenna oder auch Don Airey als Studiomusiker mit, was auf die Qualität Ashtons schließen lässt.

Pünktlich um 20:30 betrat Ashton alleine die Bühne, um nur mit einer Bassdrum und verschiedensten Gitarren, Nomen est Omen, die aktuelle Platte „Solo Electric“ in einem etwa 45-minütigen Set vorzustellen. Sehr schnell sprang der Funke des gut gelaunten Ashton, der sich nicht von der geringen Resonanz beirren ließ, auf die Besucher über. Er zeigte seine spielerische Bandbreite mal slidend, mal bluesig oder rockend.

Mit einem Augenzwinkern sagte er, dass er gezwungen wäre, jede Gitarre zu benutzen, da diese sonst beleidigt wären. Dies wurde dann auch in die Tat umgesetzt. Somit zeigte er nicht nur, welche Gitarren er besitzt, sondern bewies auch, dass er jede einzelne bespielen kann. Das Reißen einer Seite (verbunden mit dem Einspannen einer neuen), nutzte er um die Zuschauer kurzweilig zu unterhalten.

Nach einer etwa 15-minütigen Pause betrat Ashton dann, begleitet von seiner Band Chris Sharley an den Drums und Peter ‚Boom Boom‘ Beulke am Bass, die den ersten Set aus dem Publikum betrachtet hatten, die Bühne, um für noch einmal knapp 75 Minuten, seinen Powerblues hinzulegen. Dabei gab er seinen beiden Mitstreitern, wie es bei den guten alten Rockbands Gang und Gebe ist, die Möglichkeit, ihre spielerische Klasse in längeren Soli zu beweisen.

Neben Eigenkompositionen der letzten Jahre streute er auch einige Coverstücke ein. Wie schon im Vorfeld beschrieben, war fast durchgehend der Bluesstil der Generation Gallagher zu spüren und die Stimmung im Publikum war bestens, da sie große Gitarrenkunst geboten bekamen. Der auf einem großen Bild neben der Bühne hängende Jimi Hendrix, hätte mit Sicherheit auch seine Freude an dem Treiben auf der Bühne gehabt.

Wer Spaß an bluesrockender Gitarrenspielkunst hat, dem sei der Besuch bei einem der Konzerte von Gwyn Ashton angeraten. Es bleibt zu hoffen, dass Ashton, wenn er noch einmal im Musiktheater Piano auftritt, von mehr Livemusikliebhabern empfangen wird. Er aber auch das Piano, das als Veranstalter wie immer ein guter Gastgeber war, hätten es mit Sicherheit verdient. Noch einmal herzlichen Dank an Jenny Dore für die Akkreditierung und an alle wie immer freundlichen Mitarbeiter.

Line-up:
Gwyn Ashton (lead vocals, electric guitar)
Peter ‚Boom Boom‘ Beulke (bass, vocals)
Chris Sharley (drums, vocals)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Gwyn Ashton
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Sari Schorr & The Engine Room, 22.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Schade, obwohl Sari Schorr und ihre Begleitband The Engine Room vor gut einem Jahr an gleicher Stelle hier im Musiktheater Piano zu Dortmund einen tollen Gig hingelegt hatten, war auch diesmal das Zuschauerinteresse deutlich steigerungsfähig. An der geänderten Besetzung ihrer Mitstreiter wird es wohl kaum gelegen haben.

Auch wenn Gitarrenhexer Ines Sibun samt der anderen Kollegen komplett nicht mehr vertreten war, hatte sich das New Yorker ‚Cowgirl‘, wie sie sich vor „Oklahoma“ selbst betitulierte, mit Bassist Mat Beable (Stevie Nimmo, Ben Poole), Drummer Roy Martin (Snowy White, Robert Palmer, Jimmy Barnes, Patricia Kaas), Singer/Songwriter/Gitarrist Ash Wilson und Ex-King King-Keyboarder Bob Fridzema, ebenbürtige Manpower als Ersatz in den ‚Maschinenraum‘ geholt.

Aber zunächst sah es so aus, als wenn Piano-Chefin Jenny Dore einen großen Coup gelandet hätte, als zwei Musiker schon um 19:15 Uhr, sich auf den beiden bereitgestellten Stühlen niedergelassen hatten. Waren Justin Timberlake (schien maskenbildnerisch, um vermutlich nicht gleich erkannt zu werden, alterstechnisch etwas modifiziert) und Chris Stapleton extra nach Dortmund gereist, um ihren aktuellen Megahit „Say Something“ im Piano zu performen?

Na ja, ganz so war es dann doch nicht, Spaß beiseite, es handelte sich um die beiden Bremer Blues-Musikanten Frank Rihm (Gesang und Harp) und den rauschebärtigen Michael Dühnfort (E-Gitarre), die in der Tradition des einstigen US-Harmonika-Spezialisten Little Walter, für knapp 20 Minuten, Stücke wie u. a. „Just Your Fool“ zum Besten gaben und somit die Wartedauer zwischen Einlasszeit und Beginn des Schorr-Gigs kurzweilig verminderten.

Pünktlich um 20:00 Uhr (vorbildlich, die Zuschauer brauchten erst garnicht, wie bei so manchen anderen Acts, mit den Hufen zu ’schorren’…) fand sich der Hauptact, zunächst ohne Sari, auf der Bühne ein, die dann aber schon kurz danach in schwarzer Rocker-Kluft (ihr darunter liegendes T-Shirt zierten die Worte ‚Lipstick & Diamonds & Champagne & Rock’n’Roll‘), beim starken Opener zur „Revolution“ bat. Ash Wilson führte sich direkt mit einem schönen Southern Rock-mäßigen Solo auf seiner schneeweißen Duesenberg-E-Gitarre ansprechend ein.

Mit dem atmosphärischen „Damn Your Reason“ und dem Blues-Stampfer „Demolition Man“ rückte neben Saris Röhre auch Fridzemas gurgelndes Orgelspiel mehr in den Fokus. Toll die Version des eher durch Bad Company bekannt gewordenen Klassikers „Ready For Love“, bei der die Schorr natürlich ihre vokale Stärke wie einst Paul Rodgers perfekt ausspielen konnte.

Nach bereits angeführtem, groovig-souligen „Oklahoma“ (mit toller Instrumentalpassage und Tanzeinlage von Sari) und dem rockigen Aufguss vom Willie Dixon-Blues-Schinken „I Just Wanna Make Love To You“, konnte Ash Wilson bei „Peace And Love“, neben seinen vielen quirligen und knarzigen Gitarrenkünsten, auch am Front-Mikro überzeugen.

Nicht fehlen im Programm darf natürlich die entschleunigte Version des Ram Jam-One Hit Wonder „Black Betty“. Das kräftige „Kiss Me“, die emotional besungene Barroom-Ballade „Ordinary Life“ und das oft gecoverte „Rock’n’Roll“ von Led Zeppelin (Fridzema mit HT-Piano) hielten den Unterhaltungswert weiter auf hohem Niveau.

Mit dem krawalligen „Maybe I’m Foolin‘“ gab es einen ersten Ausblick auf neues Schorr-Material, ebenso wie bei „I Thank You“ (erinnerte an Sachen von Robin Beck), das als erste Zugabe spontan eingestreut wurde. Zuvor hatte das famose „Ain’t Got No Money“ (samt Vorstellung der Band) den Hauptteil beendet. „Aunt Hazel“ eines der naturgewaltigen Highlights ihres momentan immer noch aktuellen Werkes „A Force Of Nature“ bildete dann das endgültige Finale.

Als sich das Piano zu lichten begann, hatten wir noch kurz die Gelegenheit, mit Bob Fridzema über die Beweggründe seines Ausstiegs bei King King zu sprechen (er möchte in Zukunft zeitlich und musikalisch flexibler agieren können), als auch ihn, Sari, das Bremer Duo und Jenny Dore mit unserem Logo abzulichten. Somit ein runder, musikalisch intensiver und überzeugender Abend mit Sari Schorr & The Engine Room, der wieder jede Menge Spaß gemacht hat. Also, liebe Leute, beim nächsten Mal gibt es absolut keine Ausreden mehr – Hingehen!!!

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Mat Beable (bass)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Bob Fridzema (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Elles Bailey – 13.04.2018, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Das sind so die Abende, bei denen einem die langjährige Musikerfahrung, schon im Vorfeld intuitiv suggeriert, mit einem schönen Erlebnis belohnt zu werden. Die aktuelle Debüt-CD „Wildfire“ von ‚Blues Princess‘ Elles Bailey ist zwar vom Kollegen Michael Segets reviewt worden, aber seiner Zeit natürlich auch bei mir, in erster Linie mittels USB-Stick im Auto, rauf und runter gelaufen.

Musik, wie ich sie einfach sehr gerne mag. Melodisch variabler Blues Rock mit dezentem Southern-Teint, von toller, ausdrucksstarker Stimme und guten Instrumentalisten vorgetragen.  Die junge Britin, die aus meiner Sicht schon jetzt keine Vergleiche mit einer Beth Hart zu scheuen braucht, überzeugte demnach mit ihren Mitstreitern Joe Wilkins, Zak Ranyard und Matthew Jones auf ganzer Linie, dass selbst dem anwesenden ‚Grandseigneur‘ der Rockmusikhistorie hierzulande, Peter Rüchel, der Spaß am Geschehen, augenscheinlich anzumerken war.

Elles und ihre Burschen stiegen mit „Let Me Hear You Scream“ in den zweigeteilten Gig ein, ein idealer Song, um die größtenteils bereits durch Biergenuss eingeölten Stimmen der vertretenden Audienz sofort unterhaltsam mit einzubinden, wie auch auf Betriebstemperatur zu bringen.

Der Southern-umwehte Stampfer „Same Flame“ (schönes Telecaster-Solo), der Bariton-Gitarre-dominierte Schwofer „Barrell Of Your Gun“, die tolle Ballade „What If I“ (Elles mittlerweile am Piano) und der Barroom-Schwofer „Believed In You“, leiteten stimmungsvoll  in den Akustik-Part zum Ende des ersten Abschnitts über.

Der bestand aus dem Heartbreak-Song „Time’s A Healer“ (allmaneskes Spiel von Wilkins), dem 70ies-trächtigen „Waiting Game“, dem, einer weiblichen Bekanntschaft in Nashville geschuldeten „Leapers Fork“  sowie dem John Prine-Klassiker „Angel From Montgomery“ (mit herrlichem Akustik-Slide). Das begeisterte Publikum im immer wieder urigen und engen topos applaudierte lautstark in die Pause.

Auch Part Zwei büßte nichts in Sachen Intensität und Klasse ein, ganz im Gegenteil, die Stimmung steigerte sich mehr und mehr. Nicht zuletzt auch ein Verdienst der Protagonistin, die mit ihrer kommunikativen sympathischen Art, erheblich zu einem lockeren Ambiente beitrug.

Mit dem swampigen „Medicine Man“ (wieder schön Slide bestückt), dem atmosphärisch groovenden „Devil Comes Knocking“, „What’s The Matter With You?“ (Barroom Blues – siehe hierzu beigefügten Videoclip) und dem, mit einem Plädoyer für Gleichberechtigung und Toleranz vorausgeschickten „Perfect Storm“ (siehe Videoclip), gelang direkt ein nahtloser Übergang.

Nach dem, als  Blues-Schleicher beginnenden, aber als furiose Uptemponummer endenden „Big Idea“, ließ Elles das im topos versammelte Wolfsrudel zu „Howlin‘ Wolf“ mitheulen, u. a. ein launiges  Stimmungshighlight des Abends, um mit dem Stones-mäßigen „Shackles Of Love“ die teilweise, unter den beengten Verhältnissen beanspruchten und leidenden Körperteile der größtenteils anwesenden Ü-50 Generation aufzulockern und durchzuschütteln.

Mit dem Janis Joplin gewidmeten, southern-souligen „“Girl Who Owned The Blues“ ließ die junge Protagonistin ein weiteres Mal, ihre beeindruckenden vokalen Qualitäten (in allen Tempi und Stimmungen) zum Abschluss des Hauptteils aufblitzen. Grandios auch das famos, im Stile der Allman Brothers/Marshall Tucker Band gespielte, energiegeladene E-Gitarrensolo von Joe am Ende des Liedes. Klasse!

Dass das Quartett Überstunden schieben musste, war damit natürlich vorprogrammiert. Die euphorisierten Leute bekamen dann auch mit dem traurigen, sehr emotional, solo am Piano performten „Light In The Distance“ (für einen verstorbenen Freund, Elles bei der Ansage den Tränen nah), dem southern-psychedelischen Titelstück der CD, „Wildfire“ (Wilkins wieder mit furiosem Slide-Solo auf einer Fender Jaguar) und dem erneut southern-souligen Willie & The Bandits-Cover „Still Go Marching In“ (wieder mit integrierter Publikums-Mitsing-Interaktion), nochmals einen ausgiebigen Dreier-Pack geboten. An diesem Abend stimmte einfach so gut wie alles.

Nach dem Gig wurde Elles natürlich in Sachen Tonträger-Verkäufe und Autogramme belagert. Sie und ihre Mitstreiter hatten dann auch noch die Zeit, sich mit unserem Logo für unsere VIP-Galerie ablichten zu lassen. Insgesamt ein wunderbarer Abend mit einer hochtalentierten, alles gebenden Elles Bailey samt Kollegen, die eigentlich in Zukunft  für Höheres berufen zu sein scheinen. Liebe Major-Labels, bitte Aufwachen…!

Herzlichen Dank an Klemens Kübber für die vorbildliche Organisation im Vorfeld!

Line-up:
Elles Bailey – lead vocals, piano
Joe Wilkins – electric guitar, acoustic guitar, vocals
Zak Ranyard – bass
Matthew Jones – drums, percussion, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus
Videos: Klemens Kübber

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Savoy Brown – 01.04.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Kein April-Scherz, Savoy Brown um ihren Mastermind und Blues Rock-Urgestein Kim Simmonds, traten gestern Abend am 01.04.2018 wahrhaftig im Dortmunder Musiktheater Piano auf. Dort sind sie schon diverse Male im Laufe der Zeit präsent gewesen, von daher durften sich die Geschäftsführer der Location, Jenny Dore und Thomas Falke, über einen sehr guten Besuch freuen.

Via Ruf Records war mir letztes Jahr ihr aktuelles Album „Witchy Feelin‘‚“ zugesandt worden. Es zählte für mich zu einer der großen positiven Überraschungen in 2017, da ich – Asche auf mein Haupt – die Band zwar kannte, aber nie mal intensive Berührungspunkte mit ihr hatte. Von daher war ich gespannt, wie die Studiosongs live auf der Bühne rüberkommen würden.

Der nach wie vor agile, mittlerweile 70-jährige Bandleader (manchmal ein bisschen sympathisch schusselig wirkend) spielte sich an der Seite seiner starken Mitwirker Pat DeSalvo am Bass und dem Kraftpaket Garnet Grimm am Schlagzeug, zum Einstieg erstmal mit dem Uralt-Instrumental „Getting To The Point“ seine, noch im weiteren Verlaufe, stark beanspruchten Finger ein wenig warm.

Kims Haupt-Arbeitsgerät bei diesem Gig war eine dunkelgrüne DBZ-Gitarre, die einen herrlichen schweren, knarzenden Sound bei seinen unzähligen, filigranen und quirligen Soli hervor brachte.

Mit „Why Did You Hoodoo Me“ und dem swampigen „Livin‘ On The Bayou“ gab es dann die ersten Tracks aus „Witchy Feelin‘, die live ebenfalls ein Genuss waren. Erinnerten mich in ihrer Art an den guten alten Tony Joe White. Mit dem grandiosen „Poor Girl“ (im Instrumentalteil dezent an „Jessica“ von den Allmans erinnernd) vom „Looking In“-Album (1970) ging es weit zurück in die Vergangenheit.

Das Instrumental „Cobra“ von der 2014er Ruf-Scheibe „Goin‘ Down To The Delta“ diente als Vorbote für „A Hard Way To Go“ und „Needle And Spoon“, zwei weitere Klassiker, die Simmonds dem damaligen Ursprungssänger der Stücke, Chris Youlden, widmete.

Leider war der anschließende „Memphis Blues“, bei dem der Protagonist, erstmals seine Slide-Künste offerierte, das einzige weitere neue Lied vom aktuellen Longpayer, der spielstarken Vorstellung des Trios tat es aber keinen Abbruch.

Der claptoneske wunderbare Slowblues „Where Has Your Heart Gone“ würdigte den ebenfalls anwesenden Thomas Ruf und seine  Verdienste um den zeitgenössischen Blues Rock,  bevor der atmosphärisch ratternde „Hellbound Train“ (Kim mit Harp-Einlage), „Wag Dang Doodle“ (launiger Boogie) und der herrliche Countryrock-Schunkler „Tell Mama“ (Simmonds zum einzigen Male eine Gibson Les Paul ‚beslidend‘) den wie im Fluge vergehenden Hauptteil ausklingen ließen.

Im Zugabenteil konnten zunächst vornehmlich DeSalvo und Grimm mit beeindruckenden Soli beim „Louisiana Blues“ (Simmonds guckte sich das Ganze genüsslich auf einem Hocker sitzend an) erneut ihr Können präsentieren, um beim finalen tempogeladenen „Boogie“ nochmals im Kollektiv zu glänzen.

Eine bärenstarke Vorstellung von Savoy Brown im Musiktheater Piano zu Dortmund. Ein krönender Abschluss einer intensiven und erlebnisreichen Woche für uns mit gleich vier Konzerten innerhalb von sechs Tagen!

Line-up:
Kim Simmonds (lead vocals, electric guitar, harp)
Pat DeSalvo (bass, vocals)
Garnet Grimm (drums, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Savoy Brown
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment
Ruf Records

Joe Bonamassa – 28.03.2018, Lanxess Arena, Köln – Konzertbericht

Bon_haupt

Was ist wohl in den Köpfen der beeindruckten Besucher beim Verlassen der nicht ganz ausverkauften, aber überaus gut gefüllten Kölner Lanxess-Arena nach dem großartigen Joe Bonamassa-Konzert umhergeschwirrt, fragte ich mich ganz spontan? Mein erster Gedanke war, was der Typ, sofern er noch lebt, der es Mitte der Sechziger Jahre, mit dem Spruch ‚Clapton Is God‘ in einer U-Bahn-Station im Londoner Stadtteil Islington, zu stiller Berühmtheit schaffte, wohl nach diesem Erlebnis für die Sinnesorgane, auf den Gemäuern der Domstadt zurückgelassen hätte.

Aber nach der Reihe: Pünktlich um 20:00 Uhr gingen die Lichter in der Arena kurz komplett aus und mit der Einspielung eines B.B. King-Stückes (die Alt-Blues-Experten mögen mich teeren und federn, falls es nicht so war),  wurden die Weichen für zwei außerordentlich starke Stunden der hohen zeitgenössischen Blues Rock-Schule gestellt.

Der Protagonist und seine hochkarätigen Begleitmusiker (laut O-Ton Bonamassas bei der Vorstellung vor „Slow Train“ mit die besten dieses Planeten), Michael Rhodes, Reese Wynans, Anton Fig, die Bläser-Sektion mit Lee Thornburg und Paulie Cerra, sowie die beiden agilen Backgroundsängerinnen Jade MacRae und Juanita Tippins, setzten mit „King Bee Shaketown“ als Opener, „Evil Mama“ und dem starken „Just Cause You Can“ zunächst auf neueren Stoff.

Hier muss ich direkt den wunderbar transparenten Sound (jeder der Beteiligten war perfekt zu hören) und die tolle Lighttshow in der Halle loben, die eigentlich nur durch ein paar Scheinwerfereffekte und einen, sich im Farbenspiel stetig verändernden Vorhang hinter der Bühne, stilvolle Eleganz verbreitete.

Joe, mittlerweile auch zu einem richtig starken Sänger herangereift, konzentrierte sein fulminantes Spiel auf insgesamt vier verschiedene Gitarrenmodelle, wobei die Gibson Les Paul den Schwerpunkt des Abends bildete. Nashville-Urgestein Reese Wynans, vor kurzem noch für seine Beteiligung bei Stevie Ray Vaughan in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen, präsentierte sprichwörtlich die gesamte Klaviatur seines Tastenkönnens.

Michael Rhodes wechselte auch oft das Arbeitsgerät und pumpte routiniert seinen Tieftöner-Part, während Anton Fig  in bewährt guter Manier trommelte. In der Bläser-Gilde hatte diesmal Paulie Cerra gegenüber Lee Thornburg etwas Übergewicht. Er hatte deutlich mehr Solo-Pluster-Parts und durfte beim bärenstarken „Slow Train“, ebenso wie zuvor die beiden Background-Röhren Mac Rae und Tippins, mal die Lead vocals übernehmen.

Als meine Favoriten des Abends entpuppten sich das balladeske „How Deep This River Runs“, das melodische „Mainline Florida“ (mit schönem Southern Rock-E-Solo) und die komplette Schlussphase mit den Tracks „Driving Toward The Daylight“, dem furiosen „Boogie With Stu“ (Wynans mit HT-Geklimper), das poltrig shuffelnde „Last Kiss“ und das zur reinen Männersache erklärte, fett rockende „How Many More Times“ (Joe, Michael, Reese und Anton im Quartett, die Sängerinnen und Bläser hatten die Bühne verlassen) zum Abschluss des Hauptteils.

Das krönende Finale gab es mit der atmosphärischen, unter die Haut gehenden Killerballade „Sloe Gin“, bei der Joe nochmals ein majestätisches E-Gitarren-Solo auf seiner Paula abließ. Einfach herrlich! Nach exakt zwei Stunden war dann Schicht.

Um aber nochmal zum Anfang zurückzukehren. Da Gernot keine Sprühdose im Auto hatte, das nass-kalte Sauwetter und die wenig aufmerksamkeitsträchtige Gegend, in der wir geparkt hatten, nicht dazu animierte, sich ebenfalls in irgendeiner Form zu verewigen, nutze ich für mein Statement lieber bequemer Weise dieses Magazin, da ja vermutlich auch ein paar Leutchen den Artikel lesen und gegebenenfalls, verbreiten werden.

Als jemand, der als bekennender Atheist, es nicht so mit dem Allmächtigen hat und auch mit Superlativen in Bezug zu Menschen eher sorgsam agiert, halte ich nach dieser starken Leistung ein ‚Bonamassa Is Good‘ für eine, im Sinne der Sache, vielleicht nicht ganz so dick auftragende, aber dafür umso ‚weltlichere‘ Würdigung…

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric guitar)
Michael Rhodes (bass)
Reese Wynans (keys)
Anton Fig (drums)
Juanita Tippins (vocals)
Jade MacRae (vocals)
Lee Thornburg (trumpet)
Paulie Cerra (sax, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

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Ana Popovic – 27.03.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

Ana Haupt

Es ist 20:10 Uhr, als Ana Popovic nach kurzem Intro ihrer drei Mitstreiter Michele Papadia, Cory Burns und Cedric Goodman, frei nach dem Motto ‚Da mach ich mir ’nen Schlitz ins Kleid und die Bluesfreunde finden’s wunderbar‘, in luftigem schwarzen Minifummel, samt gold-umschlungener High-Heels, die Bühne des Schwarzen Adlers betritt.

Ganz zur Freude zweier, vor mir stehender, angereister (männlicher) Besucher aus Viersen, die unumwunden zugaben, dass der reine Musikgenuss nicht der einzige Anlass ihres Kommens gewesen war. „Das Auge hört schließlich mit“, hieß es stichhaltig, auf Nachfrage meinerseits, in der knapp formulierten Begründung.

Die aus Belgrad stammende Musikerin, die gegen Ende des letzten Jahrtausends gen Westen zog, um sich professionell ihrer Blues-Passsion widmen zu können, stieg mit ihrem quirligen E-Gitarrenspiel fließend in den begonnenen Jam ein, um dann einen, von viel spielerischer Leidenschaft geprägten Gig folgen zu lassen.

„Can You Stand The Heat“ hieß es, als sich die ersten Schweißperlen auf der Stirn so manchen Besuchers zu bilden begonnen hatten, um in die soulig ummantelten „Object Of Obsession“ und „Love You Tonight“ (dezentes Motown-Flair) hinüberzugleiten.

Mit dem balladesken „Train“ gab es ein Highlight des ersten Sets, dem mit dem von Wah-Wah-E-Gitarren getriebenen Stampfer „She Was A Doorman“, dem slow-bluesigen „Johnnie Ray“ (Ana mit rot-weißer Stratocaster und tollem Solo, für das sie Szenenapplaus einheimste) und dem rhythmisch stampfenden „Long Road Down“ (starkes Orgelspiel von Papadia) weitere unterhaltsame Tracks folgen sollten.

Nach der Pause ging der launige Gig mit dem Tom Waits-Cover „New Coat Of Pain“ weiter, bei der die Band dessen typisches Barroom Blues-Flair perfekt inszenierte. Überhaupt trug die stilistische Bandbreite des Quartetts aus bluesigen, rockigen, souligen, funkigen und auch dezent jazzigen Ingredienzien zum Gelingen der Gesamt-Performance erheblich bei.

Explizit erwähnenswert neben der unentwegt temporeich agierenden serbischen Protagonistin (glänzte zudem auch mit ein paar Slide-Einlagen), sind sicherlich auch die restlichen Bandmitglieder. Michele Papadia konzentrierte sich ziemlich konzentriert auf seine E-Piano-Klimpereien und Orgel-Schwurbeleien, während die Detroiter Rhythmus-Sektion mit Cedric Goodman (was für ein Kraftbündel am Schlagzeug)) und Cory ‚Buthel‘ Burns (mit herrlich pumpendem und knarzendem Bass, auch mit guten Harmoniegesängen), teilweise einen mordsmäßigen Groove abließ.

Und so ließen die Vier auch bei Stücken wie u. a.  „If Tomorrow Was Today“, „Woman In Love“, den Covern „Can’t You See What You’re Doing To Me“ (Albert King) und „Can You See Me“ (Hendrix) sowie dem fulminanten „Show You How Strong You Are“ (wieder mit mehrfachen Zwischenapplaus) ihrem spielerischen Treiben freien Lauf, bis Ana die Gitarre ablegte, die Bühne verließ und ihren Mitstreitern, wie zu Beginn, nochmals das Parkett für einen jammigen Ausklang des Hauptteils überließ.

Als Zugabe gab es nochmals ein ausgedehntes intensives Instrumental, für das Ana erneut von ihrer abgewetzten Strat zur, zuvor schon erwähnten, noch relativ unverbraucht erscheinenden, rot-weiß glänzenden Gitarre gleicher Bauart wechselte. Letztendlich hatte sich das Konzept aus Blues Rock-Power, kombiniert mit erotischer Ausstrahlung wieder mal absolut bewährt.  Die Bluesfreunde in der Vierbaumer Kult-Location fanden es tatsächlich wunderbar…

Vielen Dank an Ernst Barten und sein engagiertes Adler-Team für die gewohnt gute Kooperation, was die Akkreditierung betrifft.

Line-up:
Ana Popovic (lead vocals, electric guitar)
Cory Burns (bass, vocals)
Cedric Goodman (drums)
Michele Papadia (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ana Popovic
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Schwarzer Adler

Soul Return – Same – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

„Soul Return“ ist das erste Album der gleichnamigen kalifornischen Band, bestehend aus der Sängerin und Mundharmonikaspielerin Kellie Rucker, dem Slide-Gitarristen JJ Holiday und dem Drummer Michael Barsimanto. Alle drei haben in der Vergangenheit, jeder für sich, bereits mit zahlreichen Größen aus dem Musikbusiness, wie zum Beispiel Bruce Springsteen, Bob Dylan, Keith Richards oder Andy Taylor zusammengearbeitet. Ergänzt werden die drei auf der CD durch den Bassisten Keith Karman.

Herausgekommen ist ein Album ganz in der musikalischen Tradition von Grateful Dead, Janis Joplin und Curtis Mayfield oder Howlin’ Wolf. Es ist die Rückkehr des California Soul, funky, groovy und teilweise auch ein wenig psychedelisch. Beherrscht wird das Werk von Kellie Ruckers prägnanter, rauer Stimme, die irgendwie an die Sangeskünste von Janis Joplin, mit Einflüssen von Macy Gray, erinnert, sowie dem einzigartigen rhythmischen Gitarrenspiel von JJ Holiday.

Gleich zu Beginn groovt es kraftvoll und mächtig mit „You’re Leavin‘ Me“. der Opener besticht direkt durch einen satten Bass, gepaart mit einem flotten Funk-Rhythmus und einem eingängigen Gitarrenriff im Refrain. Treibend geht es auch dann beim tranceartigen, zum Tanzen einladenden, „In The Meantime“ weiter. Der nächste Song „Life Of Crime“ ist ein fröhliches, eingängiges Soulstück mit schönen Einlagen von JJ Holiday an der Slidegitarre und Kellie Rucker an der Mundharmonika, die auch in „FYL“ einmal mehr ihre Qualitäten als Shouterin unter Beweis stellt.

Ihre an Janis Joplin erinnernde Stimme beherrscht ebenfalls das nachfolgende Stück „Only Love Can Save Us Now‘, ein schöner Country-angehauchter Blues, bei dem JJ Holiday erneut zeigt, was er an der Slidegitarre drauf hat. „Va Va Voom“ wiederum rockt so richtig, auch hier legt sich Kellie Rucker stimmlich wieder mächtig ins Zeug und lässt zwischendurch immer wieder Ihre Harp aufblitzen. Das fröhlich swingende „In America“ erinnert stilistisch stark an Songs von Lou Reed.

Die erste Verschnaufpause gibt es dann mit „Kiss Me“, ein Leidenschaft versprühendes, sinnliches Stück mit psychedelischem Mittelteil, in dem Kellies Stimme so verführerisch wie sonst nirgends auf der CD klingt. Das folgende „Throwin‘ And Fumblin’“ ist eine gelungene Interpretation des ähnlich lautenden Traditional „Rollin‘ And Tumblin’“ von Hambone Willie Newbern. In ruhigere Gewässer steuert die CD dann mit dem bluesig-melodiösen Stück „Had We Not“, das mit seinen Southern-Anleihen zum Träumen und Relaxen einlädt.

Auf das rhythmisch funkige „Talk To Me“ folgt dann als Abschluss der CD die einfühlsame Bluesballade „If These Walls Could Talk“, die Janis Joplin nicht besser hätte intonieren können und ihren Abschluss in einem vor Verzweifelung schreienden Gitarrenjam findet.

Insgesamt ist das Debüt von Soul Return eine wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen herausragende Scheibe, die von Anfang bis Ende einfach nur Spaß macht und die auch nach dem x-ten mal Hören nicht langweilig wird. Also, eine absolute Kaufempfehlung mit 5 Sternen.

Dixiefrog Records/H’art (2018)
Stil: Blues (Rock)

01. You’re Leavin‘ Me
02. In The Meantime
03. Life Of Crime
04. FYI
05. Only Love Can Save Us Now
06. Va Va Voom
07. In America
08. Kiss Me
09. Throwin‘ And Fumblin‘
10. Had We Not
11. Talk To Me
12. If These Walls Could Talk

Soul Return
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H’ART Musik-Vertrieb GmbH