Sari Schorr & Band, 21.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Sari Schorr ist eine Dame, die mittlerweile zweifelsohne zu einer unserer Dauergäste in Sounds Of South avanciert ist. Nach den beiden Alben-Reviews zu „A Force Of Nature“ und dem amtierenden Silberling „Never Say Never„, sah ich sie jetzt zum vierten Mal live. Gestern Abend gab es ihr drittes ‚Stelldichein‘ im Dortmunder Musiktheater Piano.

Was die Besucherzahlen angeht, zumindest unter meiner Präsenz, scheint die New Yorkerin, trotz konstant guter Leistungen, bei uns irgendwie immer noch nicht richtig angekommen zu sein. Ob der Grund ist, dass sie den Blues-Fans zu rockig und den Rock-Fans zu bluesig ist, oder es einfach nur am Wochentag lag, bleibt somit im großen Reich der Spekulationen angesiedelt.

Abgesehen von der mit 80 Minuten (inklusiv zweier Zugaben) etwas knapp bemessenen Spielzeit, ließ der Abend keine Wünsche offen. Gegenüber dem letzten Gig in Rheinberg gab es zwei personelle Veränderungen. Matt Beable zupfte den Bass und der angesehene, aus dem britischen Brighton stammende Keyboarder Stevie Watts, bediente stilsicher Piano und Orgel.

Allein der heftig rockende und stampfende Opener „The New Revolution“ war schon das Eintrittsgeld wert. Was der an diesem Abend überragende Gitarrist Ash Wilson hier schon auf seiner schnieke weißen Duesenberg-Gitarre an Riffs und Soli abließ, war regelrecht beeindruckend. Er scheint sich von Auftritt zu Auftritt weiterzuentwickeln. Für mich diesmal der heimliche Star.

Sari selbst überzeugte natürlich mit ihrer sympathischen Präsenz, ihrer gewohnt positiven Ausstrahlung und ihrem engagierten, vor Kraft nur so strotzenden Gesang. Nicht zuletzt wegen ihrer blendenden vokalen Performance beim Mott The Hoople-/Bad Company-Klassiker „Ready For Love“ darf sich sich meines Lobes, des angehenden weibliche Pendants zu Paul Rogers, erfreuen.

Das Album „Never Say Never“ stand natürlich, mit gleich acht Stücken, absolut im Mittelpunkt des Geschehens. Neben den beiden bereits genannten Liedern, gab es das Robert Johnson gewidmete „King Of Rock And Roll“ (ebenfalls mit Bad Co-Flair), „Thank You“ (mit furioser Wah-Wah-Einlage von Wilson), das Powerstück „Freedom“ (mit tollen Solier-Parts von Wilson und Watts), „Valentina“ (Ash kann es auch auf der Stratocaster) und die mir aufgrund der Melodik am besten gefallenden „Never Say Never“ (herrlicher Schwofer) sowie „Back To LA“ als abschließende Zugabe (wunderbar songdienliches und melodisches E-Gitarrenspiel).

Bei diesen beiden Tracks kam dann auch eine gewisse stimmliche Ähnlichkeit zu Melissa Etheridge, allerdings etwas mehr im Rock verwurzelt, zum Ausdruck. Nicht zu vergessen natürlich Schorrs eigenwillige Interpretation von „Black Betty“, die als erste Zugabe serviert wurde.

Insgesamt ein gelungenes kompaktes Konzert, bei dem eine charismatische Sängerin plus einer stark und spielfreudig agierenden Band, ein schlüssiges Gesamtkonzept abgaben. Sari Schorr bleibt – wie bei ihren Studioalben – auch live eine Bank!

Line-up:
Sari Schorr (lead vocals)
Matt Beable (bass, vocals)
Roy Martin (drums)
Ash Wilson (electric guitar, vocals)
Stevie Watts (keys)

Bilder: Gernot Mangold
Video „Ready For Love“: Adam Zegarmistrz Glagla
Bericht: Daniel Daus

Sari Schorr
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Ally Venable – Texas Honey – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Vor kurzem stand Ally Venable im Rahmen des Blues Caravan 2019 noch auf der Bühne im Dortmunder Musiktheater Piano und wurde in Sounds Of South ausführlich vorgestellt. Dort hinterließ sie einen nachhaltigen Eindruck. Jetzt kommt mit „Texas Honey“ ihr neues Album heraus – nach Puppet Show (2018) und No Glass Shoes (2016) bereits der dritte Longplayer der erst 20-jährigen Texanerin.

Sie hatte mit dem erfahrenen Blues-Gitarristen Mike Zito einen gestandenen Produzenten an ihrer Seite, der freudig von den Aufnahmen erzählt: „Ally ist die Zukunft des Blues und gleichzeitig eine Kreuzung zwischen Blues und amerikanischem Roots-Rock.“

Im überwiegend christlichen Süden der USA hat sie durch die Kirche ihre Gesangsstimme entdeckt. Sie hat aber nicht zur Worship-Musik gefunden, sondern in die Tradition des Texas-Blues-Rock – wie z.B. die, ihres großen Vorbildes Stevie Ray Vaughan, dessen Gitarrenkünste in „Love Struck Baby“ gewürdigt werden. Ein Song von Vaughans Debütalbum „Texas Flood“ (1983), der auch durch Allys Stimme in neuer Lebendigkeit begeistert.

„Nowhere To Hide“ eröffnet die LP rockig und frech und man bekommt einen ersten Eindruck, warum sie bereits 2015 bei den ETX Music Awards u.a. als beste Gitarristin ausgezeichnet wurde. Die Single-Auskopplung „Broken“ knüpft nahtlos an den rauen Blues der Vorgänger-Alben an. Der Titelsong „Texas Honey“ beweist, dass Ally Venable nicht nur gesanglich das Herzstück einer starken Blues-Rock-Band sein kann, sondern auch an ihrer 6-saitigen-Gitarre ein Highlight nach dem anderen abliefert und bei „Running After You“ ausgiebig für den Bottleneck-Einsatz verantwortlich ist!

„Blind To Bad Love“ ist ein harter Slow-Blues, der vom beständigen Schlagzeug-Beat getragen wird. Auf „Come And Take It“ wird Ally an der Gitarre und vocal-technisch vom Memphis-Blues-Musiker Eric Gales begleitet.

Mike Zito greift auf „Texas Honey“, neben seiner Produzententätigkeit, auch mehrfach musikalisch ins Geschehen ein und jammt z.B. bei „One Sided Misunderstanding“ zusammen mit seiner „Schülerin“, in einer Art und Weise die wirklich jeden Blues-Fan „elektrisieren“ sollte.

„White Flag“ setzt diesen Power-Blues mit knarzender E-Gitarre fort. Als letztes Stück nimmt sich Ally Venable den Blues-Traditional „Careless Love“ vor, der schon von zahlreichen Künstlern des Jazz- und Blues-Bereichs interpretiert wurde. Aber Ally gelingt es, diesem Klassiker in frischer und aktueller Weise das besondere Texas-Feeling einzuimpfen und doch ihre eigene jugendliche Note beizusteuern.

„Texas Honey“ ist eine LP, aus überwiegend selbstverfassten Songs, die melodischen und modernen Blues-Rock mit der typischen texanischen Härte verbindet. Ally Venable findet stets die richtige Balance zwischen imponierenden Solo-Parts und persönlichen Texten.

Sie rockt mit einer so ureigenen Entschlossenheit, die man wohl nur so im US-amerikanischen Süden in die Wiege gelegt bekommt und bringt ein Blues-Album in die Szene, das ihre Position als aufstrebendes Talent mit enorm viel Potenzial festigt.

Ruf Records (2019)
Stil: Blues Rock

01. Nowhere To Hide
02. Broken
03. Texas Honey
04. Blind To Bad Love
05. Come And Take It
06. Love Struck Baby
07. One Sided Misunderstanding
08. White Flag
09. Long Way Home
10. Running After You
11. Careless Love

Ally Venable
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Ruf Records

Joost de Lange Band – Lonesome Wolf – CD-Review

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Der im niederländischen Middelburg (schönes Örtchen, in dem wir immer gerne während unserer Zeeland-Urlaube bummeln gehen) geborene Joost de Lange hat mit „Lonesome Wolf“ jetzt sein 5. Studioalbum auf den Markt.

Er und seine beiden Mitstreiter Mitchell Goor (bass) und Ramses Donvil (drums), mittlerweile im belgischen Antwerpen ansässig, haben sich in scheinbar bewusster Trioform seit ca. 2015 der powervollen Variante des Blues Rocks verschrieben.

Das neue Werk umfasst elf Tracks, die alle aus der Feder des Bandleaders stammen und im Giesound Studio in Zwolle eingespielt und aufgenommen wurden.

Schon der heftig brummende Opener „Drifting Away“ mit seinem kraftvollen E-Solo inklusiver Wah-Wah-Elemente, lässt erahnen, was einen im Verlauf des Longplayers größtenteils erwartet: Treibender polternder E-gitarrenlastiger Blues Rock der etwas heftigeren Art.

Der Protagonist spielt sicherlich deutlich besser Gitarre als er singt, was er mit unzähligen quirligen und filigranen Soli untermauert. Aber auch seine Stimme, die manchmal ein wenig wie eine europäische Ausgabe von Johnny Van Zant klingt (in der Markanz aber somit nicht vergleichbar), geht durchaus in Ordnung. Manches Stück wie zum Beispiel „Dreams“ kann sogar mit einem dezenten Southern-Touch punkten.

Auch wenn ich solche powernde Musik eigentlich lieber live als im Wohnzimmer höre, muss man de Lange durchaus den Anspruch attestieren, eine gewisse Melodik und auch eine abwechslungreiche Gestaltung der Songs, nie außen vor zu lassen.

Mit ein paar Piano- und Orgeleinlagen sowie weiblichen Backgroundgesängen hätte man aus den Stücken vielleicht sogar noch viel mehr rauskitzeln können, de Lange hat sich aber vermutlich konsequent für die schroffe Linie im klassischen Dreier Line-up ohne viel Pipapo entschieden.

Da geht es allerdings dann bei „The River“ auch mal in den Slowblues-Bereich (dennoch wieder mit quirligem Solo), beim starken Titelsück „Lonesome Wolf“ und dem straight rockenden „Rock & Roll Radio“ in die texanische Schiene.

Mit dem finalen „The Rambler“ wird noch mal ein atmosphärischer Blues Rocker rausgehauen, der mich ein wenig an Alex Harveys „Faith Heeler“ erinnert.

Wer Spaß an Blues Rock-Altmeistern der harscheren Sorte wie Hendrix, Gallagher, Pat Travers, Frankie Marino, Ted Nugent, Stevie Ray Vaughan & Co. hat, darf sich bei der Joost de Lange Band über eine zeitgenössische Variante derer freuen.

Erwähnt werden muss sicherlich auch das schlichte, aber sehr geschmackvoll und mit Liebe zum Detail gestaltete Digipak von Peter Kortleve (Shortlife Graphic Design, Deventer), wobei mir innen vor allem die Wolfspupillen mit dem weglaufenden Künstler samt Gitarrenkoffer im geschärften Blick, klasse gefallen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues Rock

01. Drifting Away
02. Best Shot
03. Fly On
04. Wandering
05. The River
06. Dreams
07. Soul On Fire
08. Lonesome Wolf
09. I’ll Be Watching
10. Rock & Roll Radio
11. The Rambler

Joost de Lange Band
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Mike Zito – Support: Jeremiah Johnson – 14.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Was für ein Abend im Lütgendortmunder Musiktheater Piano! Der von uns so geschätzte texanische Blues Rocker Mike Zito, den wir noch letztes Jahr im Rahmen des Blues Caravans an gleicher Stelle beleuchtet hatten, gab diesmal ein Stelldichein in eigener Sache und hatte als Support noch Jeremiah Johnson mit dabei, der letztes Jahr mit „Straitjacket“ sein Debüt unter dem Ruf Records Label gefeiert hatte.

Beide wurden jeweils bei ihren Auftritten durch Matt Johnson am Schlagzeug und Kaugummi-Kauer Terry Dry (herrlich kauziger Typ mit skurrilem Erscheinungsbild) am Bass verstärkt. Zunächst war es dann natürlich Jeremiah Johnson bei seiner Deutschland-Premiere vorbehalten, sich und seine Musik dem Publikum näher zu bringen.

Sein früheres Album „Grind“ befindet sich in meinem Besitz. Von daher war Johnson, zumindest für mich kein völlig Unbekannter. Und aus dem legte mit dem Opener des Werkes „Black Lingerie“ sofort eine toll groovende Nummer hin. Herrlich wie seine Delaney-E-Gitarre rumknarzte (erinnerte mich ein wenig an das Spiel von Wishbone Ahs Mark Abraham) und auch Johnsons leicht angerauchte Stimme wusste zu überzeugen.

Ein Kompliment hier an den Tontechniker des Pianos, der einen wunderbar transparenten und klaren Sound in allen Belangen aussteuerte und somit seinen Anteil an dem insgesamt tollen Abend hatte. Das auch von dieser CD stammende “Georgia Peach“ offenbarte Johnsons Affinität zum Southern Rock und dem Betts-umwobenen Gitarrenspiel, bedingt durch das unterschiedliche Gitarrenmodel, natürlich etwas rauer klingend.

Mit dem Schwofer „King And Queen“, „Blues In Herr Eyes“ und „Straitjacket“ gab es dann den Schwenk in Richtung des aktuellen Longplayers, von dem mit „Believe In America“ noch das patriotische Bekenntnis zur Heimat später folgte. Wahnsinn was der Protagonist insgesamt an quirligen Soli abzwirbelte.

Für uns als Southern Rock-Freunde gab es als Bonbons die Stücke „Skip That Stone“ (mit kleinen „Jessica“-Einlagen) und das atmosphärische, Marshall Tucker-trächtige „Southern Drawl“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der aus St. Louis, Missouri stammende Musiker bereits in die Herzen der Piano-Besucher gespielt.

Ich habe bei meinen vielen Besuchen selten einen Support erlebt, der so vom Publikum gefeiert und angetrieben wurde. Johnson wurde unter heftigem Klatschen dann noch zweimal auf die Bühne zurückbeordert, wo er mit „Get In The Middle“ on top eine Bakersfield-Nummer zum Besten gab und bei „Gasoline And Smokes“ noch mal gitarrentechnisch aus allen Rohren feuerte. Großartige Performance, Jeremiah Johnson!

Nach einer kurzen Pause wusste Routinier Mike Zito natürlich um die Höhe der Latte, die Kollege Johnson aufgelegt hatte. Der Texaner warf sofort sein sympathisches Charisma in die Waagschale und konterte mit den formidablen Slidekünsten (als auch vielen konventionellen Spielereien) auf seiner, mit goldenen Reglerknöpfen verzierten, schnieke glitzernden, bordeaux-rot-weißen Music Man StingRay-Gitarre.

Zito eröffnete mit „Mississippi Nights“ und dem Titeltrack des aktuellen Werkes „First Class Life“, die später noch mit dem herrlichen Deltablues zu Ehren von Blind Willie Johnson „Old Black Graveyard und dem wunderbar launigen „Back Problems“ (furiose Soli aller Beteiligten, sehr schön sphärisch das von Komiker Terry Dry, der trotz seiner Flachsereien immer auf präzises Spiel achtete) ergänzt wurden.

Mit „Bad News Is Coming“ lieferte er eine grandiose Hommage an Luther Allison ab und präsentierte mit Sachen wie unter anderem „Wasted Time“, „Keep Coming Back“, „Judgement Day“ (mit integriertem Kurz-„Whole Lotta Love“) und „Make Blues Not War“ einige Schlüssellieder seiner früheren Alben.

Und da Mike Zito nicht nur ein lockerer Typ ist, sondern durchaus den Gentleman in sich trägt, holte er Jeremiah Johnson zurück auf die Bretter des Pianos. Fortan wurde mit den beiden überragend gespielten „Gone To Texas“ und „One More Train“ im Quartett die große Southern Rock-Keule geschwungen, Double Leads und schmissige Einzel-Soli inbegriffen, dass es einem die Freudentränen in die Augen trieb.

Eigentlich wollte kaum jemand die vier Musiker von der Bühne lassen, aber angesichts der noch bevorstehenden Konzerte ging der fließende Übergang zum Merchandising Stand absolut in Ordnung. Johnson schien angesichts der Begeisterung für ihn vor Dankbarkeit überzuschäumen, so dass er jeden Besucher quasi persönlich per Handschlag verabschiedete.

Und in der Tat, das Musiktheater Piano hatte aus meiner Sicht, nicht zuletzt auch wegen der vielen Southern-Ingredienzien, einen der stärksten Blues Rock-Abende erlebt, seit dem ich diese schöne Location besuche. Es war ein großes Vergnügen – Kompliment, die Herren Zito, Dry und Jeremiah und Matt Johnson! Unsere dicke Empfehlung zu Anfang der Tour: Hingehen, wem sich auch immer die Möglichkeit dazu bietet!

Line Up:
Mike Zito – Lead vocals, electric and slide guitar
Jeremiah Johnson – Lead vocals, electric guitar
Matthew R. Johnson – Drums, vocals
Terry Dry – Bass, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Video „Bad News Is Coming“: Adam Zegarmistrz Glagla
Text: Daniel Daus

Mike Zito
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Jeremiah Johnson
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Vanja Sky – 12.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Vanja Sky, im Rahmen von Rufs Blues Caravan, bereits letztes Jahr an der Seite von Mike Zito und Bernard Allison durch Deutschland tingelte und dort auch schon überzeugte, besuchte Sie erstmals den Kölner Yard Club im Rahmen Ihrer ersten Solotour.

Die junge Kroatin, die erst seit wenigen Jahren Gitarre spielt, hatte ihr Debutalbum „Bad Penny“ im Gepäck, von dem sie auch fast jeden Song spielte und ergänzte erwartungsgemäß ihre Show mit mehreren Coversongs. Wie meist im Yard Club, der leider mit etwa 40-50 Fans nur mäßig besucht war, begann das Konzert recht pünktlich gegen 20:15 Uhr.

Vanja in einem weißen Kleid mit roten Blumen gekleidet, brachte auch durch ihre erfrischende und natürliche Art eine regelrechte Wohlfühlstimmung in den Club und interagierte immer wieder mit dem Publikum.

Mit dem Opener „Hard Working Woman“ legte Sie direkt einen feinen Bluessong aus der eigenen Feder hin. Unterstützt wurde Sie dabei von Ihrer Band, Eduard Jimmy Matesic an der zweiten Lead Guitar, der mit einigen starken Soli glänzte, Hanser Schüler an den Drums und Roger Inniss, Rufs Tausendsassa am Bass.

Dem Cream-Klassiker „Strange Brew“, den Sie gekonnt aufs Parkett legte, ließ sie mit „Do You Wanna?“, „Inside Pain“ und „Give Me Back My Soul“ drei Songs vom eigenen Album folgen, ehe Sie sich an Stevie Ray Vaughns „Pride & Joy“ wagte und mit dem selbst geschrieben „Crossroads Of Life“ einen der Höhepunkte des Konzerts folgen ließ.

Psychedelisch beginnend, steigerte sich das Stück mit hohen Wiederekennungswert in eine starke Bluesnummer, die mit dem entsprechenden Applaus belohnt wurde. Dem frühen Fleetwood Mac Klassiker „Oh Well“ gab Sie mit Ihrer Stimme eine ganz eigene Note.

Schön war dabei, wie die Band harmonierte, Vanja sich immer wieder zu Matesic begab, um sich in Soli zu duellieren oder, Seite an Seite mit Inniss stehend, performte. Beiden, wie auch dem Drummer Hanser Schüler war anzumerken, mit welchem Spaß sie bei der Sache waren und sie die positive Stimmung aus dem Publikum aufnahmen.

Danach legte Sky die elektrische Gitarre für einen Song auf Seite und spielte eine gefühlvolle Version des Traditionals „House Of The Rising Sun“, das durch die Animals bekannt wurde. Dies tat sie in einer solch intensiven Art, dass ihre Begleiter mit geschlossenen Augen, scheinbar träumend, in den Song einsetzten.

Hanser bewies hier, dass er neben dem druckvollen Schlagzeugspiel auch mit viel Ruhe und Gefühl sein Instrument spielen kann, um so nicht die traumhafte Atmosphäre zu zertrümmern und nur leichte Akzente zu setzen.

Dem bluesigen „All Night“ folgten das rockige „Don‘t Forget To RnR“ und das Black Crowes-Cover „Twice As Hard“, in dem alle Musiker tolle Soli einbrachten. Besonders hervorzuheben ist hier das mehrminütige Agieren von Roger Inniss an seinem 6-Saiter, bei dem er eindrucksvoll offenbarte, was aus diesem Instrument mit dem nötigen spielerischen Können heraus zu holen ist.

Mit dem leicht balladesken „Married Man“ gab Sky dann Einblicke in Ihr Seelenleben. Schön war zu sehen, wie das Publikum diesen speziellen Moment wahr nahm und scheinbar anmutig lauschte, so auch Inniss, der erst später mit seinem Bass einsetzte.

Gegen Ende des Konzertes legte Sie mit „Bad Penny“, dem ganz stark interpretierten, „Going To My Hometown“, bei dem Matesic sie an der Mandoline begleitete und „Shadow Play“, drei Songs ihres Idols Rory Gallagher hin.

Es mündete darin, dass Sie selbst, auf der Bühne liegend, ihre Gitarre bespielte und Matesic ihr anschließend ganz im Stile eines Gentlemans, wieder aufhalf.

Nach einer eigenwilligen, gesanglich starken Version von „Whole Lotta Love“ gab es als letzten Song noch eine hart rockende Version des Troggs Klassikers „Wild Thing“ und die Band verabschiedete sich vom gut mitgehenden Audienz.,

Der anhaltenden Applaus dafür sorgte, dass mit einem stark vorgetragenen, groovenden „Hit Me With The Blues“ einer der stärksten Songs, die fällige Zugabe bildete. Nach etwa 90 Minuten war der gelungene Auftritt der Nachwuchskünstlerin beendet.

Sicher gibt es noch die eine oder andere Ecke glatt zu schleifen, aber in punkto Publikumsnähe, positiver Ausstrahlung, braucht sie sich vor wenigen in der Szene zu verstecken.

Es wird spannend, wie sich die junge Kroatin weiter entwickeln wird. Mit der Unterstützung der heutigen Musiker, ist zu erwarten, dass man in der Zukunft noch einige Positives von ihr hören wird, und sie auch bei den weiteren Konzerten der Tour, ihre Fans begeistern wird.

Ein Dank auch an Marcus Neu, der immer wieder jungen Künstlern im Yard Club die Chance gibt, sich zu beweisen. Schön wäre es, wenn dies auch besuchsmäßig mehr gewürdigt werden würde, dass dies in Zukunft entsprechend fortgesetzt werden kann.

Line Up:
Vanja Sky – Vocals, Gitarre
Eduard Jimmy Matesic – Gitarre, Mandoline
Roger Inniss – Bass
Hanser Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Ruf Records
Yard Club Köln

Tedeschi Trucks Band – Signs – CD-Review

TTB

Review: Stephan Skolarski

Die geballte musikalische Power der aus 12 Musikern bestehenden Tedeschi Trucks Band auf einer Platte zu vereinen, ist für jeden Produktionsprozess eine Herausforderung. Federführend bei der Entstehung des neuen Longplayers der US-Amerikanischen Blues- und Southern-Rock Formation, war der mehrfache Grammy Gewinner Jim Scott, der schon mit vielen Acts des Musik-Business zusammenarbeiten konnte (u.a. Rolling Stones, Tom Petty, Sting, Wilco) und diese Aufgabe gemeinsam mit Derek Trucks und Bobb Tis, exzellent bewältigt hat.

„Signs“ wurde im sogenannten ‚Swamp Raga‘ (Jacksonville, FL), dem eigenen Studio des Bandleader-Ehepaars Susan Tedeschi und Derek Trucks, aufgenommen und ist bereits das vierte Album in den letzten neun Jahren. Die gewohnte, abwechslungsreiche Unterstützung durch Bläser, Keyboards, Percussion und Backgroundgesang ist erneut das bekannte Markenzeichen dieses Kollektivs. Als Themen des Albums werden nicht nur auf dem Cover, sondern geradezu eindringlich in den Songs Umweltzerstörung und gesellschaftliche Spaltung angeprangert.

Leider musste die Band in der Vergangenheit einige Schicksalsschläge verkraften. Im Bekanntenkreis verstarben u.a. Butch Trucks, Gregg Allman, Leon Russel und B.B. King, die alle sehr enge Wegbereiter und Vorbilder waren. In liebevoller Erinnerung wird diesen Alt-Meistern im Booklet die besondere Wertschätzung erwiesen. Gewidmet ist das Werk jedoch ausdrücklich Colonel Bruce Hampton, der langjährig als Förderer und Mentor die musikalische Ausrichtung begleitet hat. Die Wirkung auf Sängerin Susan Tedeschi, die auch ihre Trauer und Wut verarbeitet, äußert sich dennoch in optimistischer Weise: „Als Musikerin möchte ich rausgehen, Kraft vermitteln und die Menschen inspirieren.“

Die Aussage setzt wortwörtlich ein Zeichen, einen Maßstab für die Tracks und die Vitalität von „Signs“. Und so geht es auf dem Opener „Signs, High Time“ gewaltig los. Der Funk/Soul Mix auf „I‘m Gonna Be There“ driftet im Refrain zu einem eher gängigen Pop-Rhythmus ab. „Walk Through This Life“ liebäugelt mit angenehmen Soul-Country und greift zugleich die äußerst schweren Verluste der Vergangenheit auf, gepaart mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft („Let’s walk through this life togehther/Show a little staying power/Even in our darkest hour/There’s still you and me“).

Das milde „Strenghten What Remains“ ist für die TTB ein vergleichsweise minimalistisches Arrangement und ein schöner, liebevoller Song. Auf dem melancholischen „All The World“, inklusive weinendem Gitarren-Solo von Derek Trucks), wird auf die Vergänglichkeit des Planeten aufmerksam gemacht („All the world is bleeding“). Die Vorab-Singles „Hard Case“ und „They Don’t Shine“ verfeinern die Platte durch Gospel-Power, klassischen Blues und warme Gitarren. „The Ending“ ist ein rein akustisches und trauriges Lied, das von Susan Tedeschis Stimme sanft getragen und von Derek Trucks und Oliver Woods (The Wood Brothers) Gitarren kunstvoll begleitet wird und nochmals die verstorbenen Freunde würdigt.

Der Longplayer „Signs“ steht für einen bunten Facettenreichtum aus Blues, Southern Rock, Funk und Soul; ähnlich üppige Sounds kommen im artverwandten Stil allenfalls noch von Gov‘t Mule oder der Marcus King Band rüber. Die Tedeschi Trucks Band schöpft ihr breites Potential auf jedem Alben neu und beständig aus. Sie haben mittlerweile ihren unverkennbaren Tedeschi-Trucks-Sound entwickelt, der sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet und auch auf „Signs“ fast schon magisch in seinen Bann zieht.

Fantasy Records (2019)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Signs, High Times
02. I‘m Gonna Be There
03. When Will I Begin
04. Walk Through This Life
05. Strengthen What Remains
06. Still Your Mind
07. Hard Case
08. Shame
09. All The World
10. They Don‘t Shine
11. The Ending

Tedeschi Trucks Band
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Universal Music
Promoteam Schmitt & Rauch

Gary Hoey – Neon Highway Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Schade, dass Gary Hoey hierzulande noch keinen wirklich weitreichenden Bekanntheitsgrad erreicht hat. Dabei ist der 58-jährige US-Amerikaner in den Staaten spätestens seit 1987, als er von niemand geringerem als Ozzy Osbourne entdeckt wurde, eine feste Größe in der Blues- und Blues Rock-Szene. Nebenbei stammen auch zahlreiche Songs aus der TV- und Kino-Welt aus seiner Feder.

Mit seinem neuen Album „Neon Highway Blues“ dürfte sich seine Popularität bei uns aber bald steigern, frönt Gary Hoey doch mit seinen Gastmusikern Eric Gales, Josh Smith und Lance Lopez gekonnt und ausgiebig dem Blues und Blues Rock.

Gleich mit dem Opener „Under The Rug“ geht es mit Unterstützung von Eric Gales und einer eingängigen Grundmelodie ziemlich funky in die Vollen bzw. in die Beine, die gleich darauf wieder mit dem zum Dahinschmelzen schönen Slowblues „Mercy Of Love“ unter Mithilfe von Josh Smith wieder zur Ruhe gerufen werden. „Your Kind Of Love“ ist dann wieder ein beschwingter, gute Laune verbreitender, Shuffle. Gary Hoeys Lieblingssong ist allerdings nach eigenem Bekunden der Chicago Blues „Don’t Come Crying“, bei dem sein Sohn Ian kräftig an der Gitarre mitmischt.

„Still Believe In Love“ klingt stellenweise ein wenig wie Queens „Crazy Little Thing Called Love“ unter Southern-Einfluss. Mit „Almost Heaven“ (zart und melodiös), „Waiting On The Sun“ (nachdenklich und in sich ruhend wirkend) und dem Titelsong „Neon Highway Blues“ (leicht sphärisch) sind außerdem drei reine Instrumentalstücke auf dem Silberling versammelt.

Die sägenden Gitarrenriffs der beiden Songs „I Felt Alive“ und „Living The Highlife“ intonieren eine etwas härtere und im erstgenannten Song auch düstere Gangart. Auf „Damned If I Do“ trifft dies dem Grunde nach auch zu, dennoch ist dies eher ein fetziger Blues Rocker mit Beteiligung und Handschrift von Hoeys Labelkollegen Lance Lopez.

Insgesamt ist Gary Hoeys neuestes Werk musikalisch also breit gefächert mit Einflüssen aus Blues Rock, Chicago Blues und Rock’n Roll. Beim ersten Hören stellt sich zwar das Gefühl ein, alles irgendwie schon einmal gehört zu haben, die musikalischen Feinheiten und auch Fähigkeiten der Musiker offenbaren sich aber erst, wie so oft, bei mehrmaligem und bewussten Anhören der Scheibe. Man möchte sie dann eigentlich gar nicht mehr weglegen.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Under The Rug (feat. Eric Gales)
02. Mercy Of Love (feat. Josh Smith)
03. Your Kind Of Love
04. Don’t Come Crying (feat. Ian Hoey)
05. Still Believe In Love
06. Almost Heaven
07. I Felt Alive
08. Waiting On The Sun
09. Damned If I Do (feat. Lance Lopez)
10. Living The Highlife
11. Neon Highway Blues

Gary Hoey
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Ben Poole – 08.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

Poole_haupt

Ben Poole zurück in Deutschland. Nachdem er ja schon letztes Jahr intensiv in unseren Landen getourt hatte (wir berichteten von seinem Gig in Rhede), geht es jetzt zunächst im Rahmen seiner ‚Anytime You Need Me‘-Tour bis Ende April durch Deutschland und das umliegende Ausland, bevor er Anfang Mai in die Heimat zu weiteren Gigs zurückkehrt.

Während meine bisher erlebten Konzerte von ihm auch von den kleinen Intermezzi und Scharmützeln mit seinem Keyboarder Joe Mac ihre Zusatzwürze beinhalteten, gab es diesmal den ungeschliffenen rauen Ben Poole im klassischen Trio (Gesang/E-Gitarre, Bass Schlagzeug) zu sehen, beziehungsweise zu hören.

Mit Martin Deering gab es erneut einen fließenden Wechsel am Schlagzeug, Beau Barnard zupfte standesgemäß den Tieftöner. Ben bediente sich diesmal zweier Telecaster-Modelle und seiner gewohnten Gibson Les Paul im steten Wechsel.

Schon der riffig rockende und stampfende Opener dieses Abends, „Take It No More“, vom neuen, oben angeführten Werk, offenbarte, was den Besucher in den nächsten etwas über 1 1/2 Stunden erwarten würde: E-Gitarrepower und ungezügelte Spielfreude aller Beteiligten pur.

Gleichzeitig war dieser Song schon ein schönes Beispiel dafür, wie es ist, wenn gute Musiker, das immer so ein wenig im Studio getragene Korsett, verlassen und sich auf der Bühne ungezwungen austoben können.

Poole brachte letztendlich sieben Stücke aus dem aktuellen Longplayer, garniert mit ein paar älteren Sachen, sowie natürlich der wieder beeindruckenden, langminütigen Freddie King-Adaption „Have You Ever Loved A Woman“, mit dem gewohnt filigranen und zum Teil leise gespielten Intro, bei dem leider einige Anwesende mal wieder despektierlich, ihre Klappe nicht halten konnten und im Hintergrund rumbrummelten. Schade, dass der 1976 verstorbene Blueser, diese tolle Abwandlung seines Klassikers nicht mehr erleben kann, er wäre vermutlich genauso begeistert wie die restlichen Leute im Yard Club.

Die sich wechselnden, straight rockenden und atmosphärischen Nummern, durchzogen mit unzähligen quirligen Soli des Protagonisten, gipfelten am Ende in dem gerade zu sensationell performten, Bad Company-umwehten  Titelstück und Namensgeber der Tour „Anytime You Need Me“ (mein Gott, was zündete der 29-jährige Brite hier für E-Gitarrensalven auf seiner abgewetzten Telecaster, tolles Bass-Solo dazu von Barnard) und dem ebenfalls zum Finale fantastisch, hart und spielfreudig zelebrierten Don Henley-Cover „Dirty Laundry“ (sehr schön auch die stimmliche Ähnlichkeit der beiden, herrliches Southern Rock-trächtiges E-Solo zum Ende), dass dem Eagles-Chef vermutlich die Kinnlade vor Erstaunen runterfallen gelassen hätte, sofern er anwesend gewesen wäre.

Dieser begeisternde Gig war genau das Gegenteil zu dem kürzlich erlebten einer britischen Genre-Kollegin. Poole übertrug seine Freude am Auftreten sichtlich auf’s Publikum, konversierte, interagierte, verabschiedete sich mit den Kollegen zusammen und war auch hinterher für nette Pläuschchen, Bilder und Signaturen am Merchandising-Stand präsent (ohne Angst vor einer Erkältung…). Sein Tourmanager reichte dem schwer schufteten Kollegen Mangold, angesichts seiner Schweißtropfen auf der Stirn, sogar ein Wasserfläschchen.

SoS-Kompagnon Gernot ließ sich von ihm noch eines seiner tollen Poole-Schnappschüsse auf einer groß-formatigen Hochglanzplatte mit Autogramm versehen (Ben tief beeindruckt von dem Teil). Dazu gab es noch entspannte Gespräche mit seiner netten Agentin Florence Miller und unser obligatorisches VIP-Bild mit den beiden sowie dem Yard Club-Master Marcus Neu.

So betreibt man positive Werbung in eigener Sache und investiert auch schon wieder in die Zukunft. Sounds Of South wird von daher zusätzlich noch den Gig am 24.03.2019 im heimischen Schwarzen Adler protegieren, Ernst Barten und die versammelten Rheinberger dürfen sich auf eine heiß rockende und brillante Show freuen. Also, bis die Tage, Ben Poole!

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitars)
Beau Barnard (bass, bgv)
Martin Deering (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Poole
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Yard Club Köln

Brandon Santini – The Longshot – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der Blueser Brandon Santini ist wahrlich ein musikalisches Arbeitstier. Er ist jahrein, jahraus mit 250 Konzerten weltweit unterwegs und hat sich dadurch in der Bluesszene im Laufe der Zeit einen Namen gemacht, was ihm fünf ‚Blues Music Award’-Nominierungen und drei ‚Blues Blast Magazine Award‘-Nominierungen eingebracht hat.

Mit seinem neuen Album „The Longshot“ verlässt Brandon Santini nun die traditionellen Bluespfade, auf denen er lange erfolgreich unterwegs war, um die beiden Seiten seiner Seele, die zwischen Blues („Beggin’ Baby“, ein schöner, eher traditioneller Blues) und Rock („Don’t Come Around Here“, einem wild pulsierenden Klopper) pendeln, zu einem Ganzen, teilweise mit relaxten Südstaatenanleihen („Broken Bones“, ein typischer Countryblues), zu vereinen.

In dieser Bandbreite präsentiert sich die komplette Scheibe, wobei allerdings die etwas ruhigeren Töne überwiegen. Da sind z. B. das balladenhafte, im Singer-Songwriter-Stil gehaltene, mit leichter Keyboarduntermalung ruhig fließende „One More Day“ oder das stilistisch an Chris Rea erinnernde „Drive You Off My Mind“. Entspannt und eingängig sind auch fast alle übrigen Titel des Albums. Mit „Heartbreaker“ hat Santini einen gemächlichen Midtempo Blues hingelegt und auch „Back To You“ bietet eine ruhige, etwas schleppende Grundmelodie mit Ohrwurmqualitäten.

Mit den letzten zwei Tracks von „The Longshot“ bringt Santini dann noch einmal seine rockige Seite zum Klingen. „Evil Is Going On“ ist ein ziemlich flotter, leicht Country beeinflusster, swingender Rockabilly Shuffle, während „Somebody’s Gotta Go“ recht rockig-heavy daher kommt.

Insgesamt hat Brandon Santini mit „The Longshot“ ein ernergiegeladenes, stilistisch farbenfrohes, modernes Album abgeliefert, ohne dabei seine traditionellen Blueswurzeln zu leugnen, was nicht zuletzt auch durch die virtuosen Mundharmonika-Sätze in den einzelnen Stücken zum Ausdruck kommt. Von Santini wird in Zukunft sicherlich noch mehr Gutes zu hören sein. Wir sind gespannt!

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues Rock

01. Don’t Come Around Here
02. Beggin‘ Baby
03. One More Day
04. Drive You Off My Mind
05. Heartbreaker
06. Broken Bones
07. Back To You
08. My Worried Mind
09. Going Home
10. Evil (Is Going On)
11. Somebody’s Gotta Go

Brandon Santini
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American Showplace Music

Joanne Shaw Taylor, 03.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Vor gut zwei Jahren hatten wir Joanne Shaw Taylor bereits schon mal in unserem gern besuchten Musiktheater zu Dortmund beleuchtet. Damals wie auch jetzt fand das Konzert an einem Sonntag Abend statt. Auffällig war diesmal besonders, dass sich die Besucherzahl gefühlt nahezu verdoppelt hatte, was sicherlich auch ihrer guten Leistung 2017 geschuldet war.

Somit war das Piano nahezu voll, als die Protagonistin um 20:05 Uhr mit ihrem auf zwei Positionen veränderten Line-up, im Rahmen ihrer „Reckless Heart“-Tour,  die Bretter der immer wieder sehens- und aufsuchenswerten Lütgendortmunder Location betrat.

Der gestrige Gig hatte aus meiner Sicht einige Licht- und Schattenseiten. Als positiv zu vermerken gilt, dass sie gut die Hälfte der Stücke der Setliste, ihrem neuen Album „Recklesss Heart“ widmete, das ab dem 15.03.2019 käuflich zu erwerben ist.

Dass sie eine vortreffliche Gitarristin ist und eine tolle Stimme hat, mit der sie wuchern kann, darüber gibt es wohl keine Diskussionen. Unzählige quirlige Soli und auch ihr Zusammen- wie auch Wechselspiel mit Bob Fridzema an den Keys gehörten zu Schlüsselmomenten ihrer Performance, an deren Ende insgesamt 13 Stücke plus zwei Zugaben auf der Habenseite standen.

Als meine persönlichen Highlights habe ich den, mit Fridzemas HT-Klimpereien verzierten Opener „In The Mood“, das mit furiosen Lang-Soli von beiden versehene „Let It Burn“, das dezent Southern-angehauchte „“The Best Thing“, den Slowblues „Time Has Come“,  das Beth Hart umwehte „Reckless Heart“ und den leicht swampig treibenden Track „Going Home“ vermerkt.

Das Finale des Haupteils, „Bad Love“, zur der sie ein güldenes Gibson SG-Gitarren-Modell schulterte, wurde nochmals im Uptempo-Modus bewältigt. Die beiden Zugaben „Mud Honey“ und das Instrumental „White Sugar“ wurden recht emotionslos runtergeniedelt.

Über die wesentlich härtere Gangart als vor zwei Jahren (Gernot gefiel es besser, mir blieb ein wenig die Melodiösität auf der Strecke), kann man noch streiten. Über das wenig empathische Verhalten der Protagonistin (meist in sich gekehrt, überwiegend, selbst beim Lächeln, auf sich und ihren Gitarrenklang fixiert, kaum Ansagen, Fernbleiben am Merchandising-Stand) gegenüber dem ihr eigentlich wohlgesonnenen Publikum, als auch ihrer Rhythmusfraktion (Drummer Perry wieder hinter eine Plexiglaswand verbannt), die meist nur schmückendes Beiwerk darzustellen schien, sowie ihre, sich nicht gerade durch Freundlichkeit auszeichnende Tourmanagerin, wohl eher nicht.

Joanne Shaw Taylor sollte sich darüber im Klaren sein, dass ihr zweifelsohne durch gute Leistung aufgebautes Kartenhaus, dennoch immer fragil ist und gerade bei der übergroßen Konkurrenz im Blues Rock-Genre, schneller als gedacht, wieder einstürzen kann. Bei den ‚weichen‘ Faktoren sollten sie und ihr Team zukünftig noch an sich arbeiten.

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Tom Sansbury (bass, vocals)
Oliver Perry (drums, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

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