Vanja Sky – 24.05.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

Sky-haupt

Himmlischer Abend gestern mit Vanja Sky und ihren Jungs. Im Vergleich zum Gig in Köln, den Gernot alleine begutachtet hatte, gab es im kleinen urigen Leverkusener topos zwei Umbesetzungen, die sich am Ende als äußerst effektiv erweisen sollten. Zum einen fehlte mit dem natürlich geschätzten Omnisassa Roger Inness am Bass zwar ein absolutes Schwergewicht der Branche, was man zunächst als großen Verlust einstufen könnte.

Dies wertete jedoch das Standing der Protagonistin (die es im Rahmen des Blues Caravans im Schatten von Mike Zito und Bernard Allison als quasi Newcomerin, in der Hinsicht, erst mal schwer genug hatte) sich zu positionieren, merklich auf, zumal mit Artjom Feldtser ein engagierter Ersatz gefunden worden ist, der seinen Rhythmus-Part (mit Drum-Kollegen Hans Jakob Schüler) einwandfrei erledigte und auch noch dezente Harmoniegesänge beisteuerte.

Überragend allerdings ihr Co-Gitarrist Robert Wendt, der zu meiner großen Überraschung mit seinem Slidespiel auf einem Danelectro-Modell und seinen furiosen Soli auf einem Haar Traditional T aged, die erwartete klassische Blues Rock-Ausrichtung der Kroatin, in unvermutete Southern-Sphären lenkte. Seine klirrenden Einlagen erinnerten teilweise an die von Skynyrd-Gitarreo Allen Collins, nicht zuletzt wurde auch mit „Simple Man“ eine unter die Haut gehende Coverversion mit eingestreut.

Die diesmal mit markant blonden Rasta-Dreadlocks-Extensions aufwartende Vanja, die seit drei Tagen gesundheitlich etwas geschwächelt hatte und laut eigener Aussage mit Hilfe von Whiskey und dem zurecht wieder begeistert mitgehenden topos-Publikum, einen Schnellheilungsprozess erfahren hatte, legte den Fokus mehr auf ihre, sich durch ein hohes Maß an Variabilität auszeichnende Stimme. Da wurde von hoch bis tief und auch rauchig, alles an Registern gezogen, zum Teil auch mal kräftig gefaucht (z. B. bei „Wild Thing“).

Gitarrentechnisch konzentrierte sie sich großzügig auf kleinere Soli, Intros, Fills, Rhythmus- oder Wechselspieleinlagen und überließ hier überwiegend Robert Wendt das Rampenlicht.

Das zweiteilige Set wurde mit dem lupenreinen Southern Rocker „Hard Working Woman“ eröffnet und hatte in Part 1 mit Tracks wie u. a. dem shuffligen „Strange Brew“, „One Reason“, dem delta-bluesig angehauchten „Crossroads Of Life“ sowie dem Klassiker-Trio „Oh Well“ (aus der Fleetwood Mac-Anfangszeit), „House Of The Rising Sun“ (schön rootsig) und dem wunderbaren Schwofer „To Love Somebody“, bereits viele Leckerbissen auf der Menükarte.

Die zweite Hälfte, beginnend mit „All Night“ (mit Twin-Elementen), der eindringlichen Mahnung „Don’t Forget To Rock And Roll“ (drei feurige Southern Rock-Soli von Wendt), dem erwähnten Skynyrd-Evergreen „Simple Man“ (mit Publikumsgesang), dem swampigen „Married Man“, der starken Gallagher-Hommage mit „Bad Penny“ und „Shadow Play“, dem atmosphärisch packenden „I’d Love To Change The World“ und dem launigen Troggs-Feger(bekannt aber eher durch die Fancy-Version) „Wild Thing“ (auch wieder am Ende richtig southern), sowie dem Led Zeppelin-Paradestück „Whole Lotta Love“, weckte nochmal so manche, mittlerweile schlummernde Energiereserve, der überwiegend anwesenden Ü-Fünfziger.

Obwohl das Quartett angesichts der hohen Temperatur auf der beengten Minifläche des topos schon ‚auf Felge‘ lief, ging es mit „Hit Me With The Blues“ nochmal in die stürmisch geforderte Verlängerung. Dann war aber endgültig Schluss. Der „Himmel ist die Grenze“ heißt es so schön. Vanja Sky gelingt es immer besser, sich aus dem einstmaligen Korsett des Blues Caravans zu lösen und ihre eigene Persönlichkeit auf der Bühne zu entwickeln. Das Publikum, Gernot und mich eingeschlossen, schien jedenfalls auf ‚Wolke 7‘ zu schweben.

Am Ende gab es noch Gelegenheit, mit Vanja und ihren Jungs zu quatschen und auch einige Schnappschüsse für unsere VIP-Galerie zu machen. Danke an Klemens Kübber für den grandiosen Abend im topos!

Line Up:
Vanja Sky – Lead vocals, electric guitar, slide guitar
Robert Wendt – Electric guitar, slide guitar
Artjom Feldtser – Bass, vocals
Hans Jakob Schüler – Drums

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Videos: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Vanja Sky
Vanja Sky bei Facebook
Ruf Records
topos Leverkusen

Grady Champion – Steppin‘ In – A Tribute To ZZ Hill – CD-Review

Champion_300

Die eigentlichen Champions in der Familie Champion sind die Eltern von Grady Champion. Der Sohnemann ist, sage und schreibe, das jüngste von insgesamt 28 Kindern!!! Das nenne ich mal einen Beitrag fürs Rentensystem! Die Suche nach ’ner 30 1/2 Zimmer Wohnung in Canton, Mississipi, war da vermutlich von absolut abenteuerlicher Natur…

Aber Spaß beiseite, die Familie ist dann natürlich auf einer Farm ansässig geworden. Der Protagonist gelangte, wie sooft bei den Amis, über den Kirchenchor in musikalische Sphären, allerdings zunächst im Rap-Milieu, entdeckte Ende der 1990er Jahre dann aber seine Passion für den Blues. Er  lernte Mundharmonika-Spielen und brachte mit „Goin‘ Back Home“ 1998 sein erstes Album in diesem Stil heraus.

Sein größter Erfolg war sein Co-Writing bei „Trust Yourself“, zu finden auf Etta James‘ Grammy-dekoriertem Album „Let’s Roll“. Auf seinem aktuellen Longplayer „Steppin‘ In“ widmet er die Aufmerksamkeit dem schon lange nicht mehr unter uns verweilenden texanischen Bluesmusiker Z. Z. Hill,  der von seiner mittlerweile ebenfalls verstorbenen Mutter sehr verehrt wurde.

Dessen performte Stücke hat Grady Champion jetzt in ein von ihm zugeschnittenes Gewand gekleidet. Ein typischer Blues-Sound im Stil und Gesang der traditionellen dunkelhäutigen Blues-Ikonen King, Collins, Waters & Co., gemischt mit dem Genre-verwurzelten Gibson ES-E-Gitarrenambiente, Harp-, Bläser-, Piano- und Orgelklängen (klasse hier Sam Brady) und gospeligen als auch souligen weiblichen Hintergrundgesängen.

In der zweiten Hälfte schwenkt das Album mit Stücken wie „Three Into Two Won’t Go“, „Cheating in the Next Room“ und „Right Arm For Your Love“ phasenweise in Soulsphären, wobei letztgenanntes mit seiner Southern-angehauchten E-Gitarre und der rauchig-heiseren Stimme sogar ein wenig an Kid Rock erinnert. Mein Favorit des Werkes.

Die beiden finalen Tracks „Everybody Knows About My Good Thing“ (E-Gitarren-betonter starker Slowblues) und „When It Rains It Pours“ finden dann aber wieder den Weg zurück in die klassischen Blues-Gefilde.

Gray Champion liefert mit „Steppin‘ In“ ein solides, gut und gemütlich anhörbares Blues-Album ab, bei dem seine Empathie für den hier Tribut-bezollten Künstler authentisch zum Ausdruck kommt. Ganz klar Stoff für Traditionalisten der 12-Takt-Sparte.

Malaco Music Group (2019)
Stil: Blues

01. Down Home Blues
02. Shade Tree Mechanic
03. Someone Else Is Steppin‘ In
04. Bump and Grind
05. I’m a Blues Man
06. Open House At My House
07. Who You Been Giving it To
08. Three Into Two Won’t Go
09. Cheating in the Next Room
10. Right Arm For Your Love
11. Everybody Knows About My Good Thing
12. When It Rains It Pours

Grady Champion
Grady Champion bei Facebook
Malaco Music Group

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws – Crocuses From Ashes – EP-Review

Priest_300

Zu den Bereicherungen meines ja nicht gerade kleinen musikalischen Horizonts, zählte im letzten Jahr zweifelsohne die texanisch-niederländische Formation Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws.

Das Vorgängeralbum „Flowers Under The Bridges“ hatte ich nur in Form der positiven Rezension des Kollegen Skolarski vernommen, konnte mich dann aber vom Können der Band anhand ihres starken Konzerts in der Krefelder Kulturrampe leibhaftig überzeugen.

Ihre vermutliche Passion für Blumen (wen wundert es – drei Holländer in der Band…) neben dem Blues Rock, wird mit dem Titel ihrer neuen EP „Crocuses From Ashes“ nun genauer spezifiziert.

Die fünf neuen Stücke stammen allesamt aus der Feder von Dede Priest und Johnny Clark, letztgenannter ist im bürgerlichen Leben unter dem Namen Hans Klerken anzutreffen. Für den transparenten Sound zeichnet sich Erik Spanjers verantwortlich.

Schon der Opener „You Are Gonna Rise“ gibt die Marschrichtung für den weiteren Verlauf des Werkes vor: tolles, in den Siebziger Jahren verankertes E-Gitarrenspiel (Interpreten wie Hendrix oder Clapton & Co. zu damaligen Zeiten lassen grüßen), die markante volumige ’schwarze‘ Stimme der Priest, Clarks überwiegend tolles Rhythmus- und Fillspiel, zusammengeführt in einem texanischen Blues Rock-Ambiente.

Nicht zu vergessen die von Dede bei den Stücken „Vermillion Allure“ und „Crocuses“ eingeflochtene knarzige Violine, die der Band noch ein weiteres markantes Markenzeichen verabreicht. Ray Oostenrijk am Bass und Drummer Leon Toonen erledigen routiniert und gekonnt die erforderliche, taktgebende Hintergrundarbeit.

Highlight für mich ist das frech und angriffslustig gesungene, mit surrenden Slide- und Rhythmusgitarren veredelte und shuffelnde „Texas Hurricane“ (klasse auch die Hendrix-mäßigen Zwischen E-Hooks und das quirlige Solo), das auch von der Melodik ein zu Begeisterungsstürmen bewegender Hinhörer ist.

Johhny Clark hat seinen Auftritt in der Mitte des Kurzsilberlings, wo er beim Creedence Clearwater Revival-umwobenen „Superlovely“, in Sachen Lead Gitarre und -Gesang die Zügel inne hat und diese Aufgaben mit Bravour meistert.

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws haben mit dem neuen Kurzwerk „Crocuses From Ashes“ einen schönen kleinen musikalischen Zierblumenstrauß gebunden. Der hier verkörperte niederländische Rock-Musik-Calvinismus in Kombination mit der südstaatlichen Wucht eines texanischen Wirbelsturms, ergibt eine kurzweilige Mischung aus ehrlicher, detail-verliebter Instrumental-Arbeit und immer wieder aufbrausender Stimm-Urgewalt.

Creeping Fig Records (2019)
Stil: (Texas) Blues Rock

01. You Are Gonna Rise
02. Vermillion Allure
03. Superlovely
04. Texas Hurricane
05. Crocuses

Dede Priest
Johnny Clark’s Outlaws
Johnny Clark’s Outlaws bei Facebook
Dede Priest bei Facebook

Catfish – 16.05.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

CF_haupt

Nachdem wir uns zwei Tage zuvor noch bei Joe Bonamassa zum Hochseeangeln in großen Blues Rock-Weltmeeren befunden hatten, galt es an diesem Abend, wieder in die eher etwas übersichtlicheren genretypischen Gewässer, zurückzukehren.

Diesmal hatten wir den Haken, wie schon vor knapp einem Jahr an gleicher Stelle, im urigen Leverkusener topos in Richtung Catfish ausgeworfen, vor geraumer Zeit immerhin noch Gewinner des British Blues Awards.

Klemens Kübber hatte uns unsere bewährten Plätze direkt vor der Bühne reserviert, sodass wir, wie sooft, von den üblichen trinkfreudigen rheinischen Stammgastfrohnaturen in diesem Lokal umgeben waren, die natürlich auch ihren ehrenwerten Anteil an der hervorragenden Stimmung bei diesem Gig hatten.

Hauptverantwortlich war allerdings die erneut starke Leistung des Quartetts, bestehend aus dem Führungsduo Matt und Paul Long, das im Leadgesangsbereich (überwiegend Matt, Paul mit ein paar Stücken wie u. a. dem progressiven „Ghosts“, „Loan Me A Dime“ oder „Big Shot“) sowie den tragenden Instrumenten E-Gitarre und Keyboards, den Stempel aufdrückte und der sich im Hintergrund befindlichen, gut harmonierenden Rhythmussektion mit Bassist Adam Pyke und Schlagzeuger Kevin Yates.

Allein Paul Longs Keyboard-Equipment nahm gefühlt schon fast die Hälfte der kleinen Bühnenfläche im topos ein. Demnach war für den Rest ‚Musizieren auf engstem Raum‘ angesagt.

CF_300Das Quartett hat mit „Burning Bridges“ seit einigen Tagen ein, im wahrsten Sinne des Wortes, brandneues CD-Werk am Start (Review auch demnächst bei uns), ein integrierter Showeffekt in Machart des Albumtitelbildes wäre allerdings im kleinen topos von recht ambitionierter und eher nicht empfehlenswerter Natur gewesen…

Die Briten stiegen dann mit dem flotten „Break Me Down“ aus diesem Silberling in den insgesamt in zwei Sets aufgeteilten Gig ein, dem mit u. a. „Leading Me On“, „The Root Of All Evil“ (schön Southern rockig), “Soulbreaker“ und das sogar mit dezentem Metal-Touch und epischem Flair umwobene „Exile“ (die drei letztgenannten auch vom neuen Longplayer), bis zur Pause folgten. Bereits jetzt schon eine starke Vorstellung.

Der zweite Durchgang stand besonders im Zeichen des stimmgewaltigen und gitarrentechnisch versierten Matt Long. Aber auch der eher in sich gekehrte Bassist Adam Pyke blühte nicht nur bei seinem Solo in „Big Shot“ auf, wo er filigran seine lange dünnen Griffel über den sechsaitigen Tieföner (fast in E-Gitarren-Manier) fliegen ließ.

Hier hießen die Stationen dann „Broken Man“, „Too Far To Fall“ (von Paul gesungener Stampfrocker), „Archangel“ (sehr emotional), mein Highlight „Better Days“ (launiger Blues Rock-Stampfer, dezent Southern) mit integriertem Reggae-Bridge und das großartige „Make It Rain“ (grandioses E-Solo von Matt mit Leisespielphase und krachendem Ende), zu Ehren ihres verstorben früheren Mitspielers, als furioser Abschluss des Hauptteils.

Die stimmungsträchtige Zugabe „Breaking Up Somebody’s Home“ brachte mit launigem Mitgröl-Interaktionsteil, wo auch die besagten Frohnaturen wieder ungehemmt zum Zug kamen, die Statik des denkmalgeschützen topos sinnbildlich ins Wanken. Danach hatten sich die sympathischen Musiker ihren Feierabend redlich verdient, besonders der durchgeschwitzte Matt Long, saß richtig groggy auf seinem Stuhl am Rande der Merchandising-Ecke.

Fazit: Catfish boten auch bei ihrer zweiten Stippvisite im topos eine tadellose, mitreißende Leistung, die ihre Beliebtheitswerte im Genre  somit auch über Großbritannien hinaus nachhaltig steigern müsste. Eine lebensnahe Band, die man aus besagten Gründen hier immer wieder gerne aufsuchen wird! Und wie heißt es im Anglerlatein in etwa doch so schön: „Kommt der Wind aus Westen, beißt der Wels am besten.”

Line-up:
Kevin Yates – drums
Adam Pyke – bass
Paul Long – keys and vocals
Matt Long – guitar and vocals

Bilder: Gernot Mangold
Facebook-Videos: Klemens Kübber
Text: Daniel Daus

Catfish
Catfish bei Facebook
topos Leverkusen

Joe Bonamassa – 14.05.2019, Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf – Konzertbericht

Joe_haupt

Nachdem wir Joe Bonamassa im letzten Jahr bereits in größerem Rahmen in Köln erleben konnten, galt es diesmal, den umtriebigen Blues-Musiker mit seiner hervorragenden Band (einzige personelle Veränderung war Mahalia Barnes statt Juanita Tippins im Background) in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric HALLE zu begutachten.

Die einstmalige Philipshalle, mit der natürlich so einige Erinnerungen bis zurück in die Jugend (u. a. Wishbone Ash, ZZ Top, Heart, Lynyrd Skynyrd) verbunden sind, war an diesem Abend überaus gut besucht (es waren nur ganz wenige Lücken auszumachen). Von daher hatte sich die Diskussion im Bekanntenkreis zuvor, ob die Eintrittspreise (von 80–150 Euro) gerechtfertigt sind, insofern relativiert, dass es genug Leute gibt, die dem Resultat von Angebot und Nachfrage in diesem Fall, aufgeschlossen gegenüber stehen.

Und ich muss auch ehrlicher Weise sagen, wenn man die ganze zu stemmende Logistik im Hintergrund, samt dem involvierten Personal (inklusive Band), die dahinter steht und nicht zuletzt auch die famose Leistung, die auf der Bühne erbracht wird, berücksichtigt, bewegt sich das Ganze auch durchaus in einem nachvollziehbaren Rahmen. Da ist solch eine Summe sicherlich viel besser investiert, als zum Beispiel jeden Samstag in irgendwelche nichtssagende Fußballsöldner oder sonstige Schaumschläger aller Art.

Nicht zu vergessen, dass sich Joe dieses ‚Standing‘ von der Pike auf (mit akribischer Arbeit, ungeheurem Fleiß und kluger Marketingstrategie) über viele Jahre redlich erarbeitet hat und nicht per Zufall oder durch wahnsinniges Glück dort steht, wo er heute angelangt ist. Jeder seiner ebenso talentierten heutigen aufstrebenden Kollegen im Genre, würde sich solch einer Entwicklung sicherlich auch nicht versperren.

Pünktlich wie die Maurer betraten die Musiker zu einem filmmusikreifen Einspieler um 20:00 Uhr die Bühne, um mit dem Muddy Waters-Cover „Tiger in Your Tank“ in den Spielrhythmus hinein zu finden. Joe ließ auf seiner bordeaux-rot-farbenden Gibson ES ein erstes, seiner danach auf diversen weiteren Modellen (Stratocaster, Les Paul, Firebird, Telecaster), unzählig folgenden quirligen und filigranen Soli ab (auch manchmal in Southern Rock-typischer Slide-Manier) .

Danach standen Stücke seines aktuellen Albums „Redemption“ („King Bee Shakedown“, „Evil Mama“, „Just ‘Cos You Can Don’t Mean You Should”, “Self-Inflicted Wounds” – ) und des Vorgängers “Blues Of Desperation” (“This Train”, “Blues of Desperation”, “No Good Place For The Lonely”) auf dem Plan, die jeweils in zusammenhängenden Blöcken hintereinander ausgesprochen stark performt wurden.

In dieser Phase konnten sich sowohl die beiden eifrig plusternden Bläser Thornburg und Cerra als auch die beiden Backgroundsängerinnen mit kleineren Einlagen profilieren. Grandios und hammermäßig hier vor allem die ruhigeren atmosphärischen Tracks “Self-Inflicted Wounds” und “No Good Place For The Lonely” mit teilweise atemberaubendem Solieren des Protagonisten. Ging schon in Richtung absoluter Weltklasse.

In der ‚zweiten‘ Hälfte, eingeleitet mit meinem Favorit des Abends, dem Tim Curry-Lied „Sloe Gin“, ging es dann Schlag auf Schlag. Joe und seine erfahrenen Mitstreiter spielten sich regelrecht in einen Rausch, was auch vom immer besser mitgehenden und spürbar begeisterten Publikum (in bestuhlten Arenen ist da ja immer so eine Sache), deutlich gewürdigt wurde. Die Stimmung wie auch der Sound waren übrigens insgesamt deutlich besser als letztes Mal in Köln.

„Well Well” (mit engagiertem Wynans an Orgel und HT-Piano), die im Bakersfield-Stil dahinswingende „Boogie Woogie Woman“, der im reduzierten Quartett (ohne Bläser und BGVs) gebrachte B.B. King-Slowblues „Nobody Loves Me But My Mother“ (was für Spielfeuer der vier Schwergewichte Fig, Bonamassa, Rhodes und Wynans), das stampfende „Little Girl“ sowie das wieder in einer wahren Spielorgie endende “Last Kiss“, als letzter Track des Hauptteils, hatten die Leute längst von ihren Stühlen gerissen.

Smokin‘ Joe ließ sich von der Begeisterung regelrecht anstecken und gab zunächst solo bei „Woke Up Dreaming” eine Lehrstunde zum Thema “Was kann ich alles aus seiner Akustikgitarre herausholen?”. Unglaublich, was er da alles an Tönen und Rhythmen (inklusiv Flamenco-artiger Passagen) im steten Wechsel seinem Arbeitsgerät abverlangte.

Das Finale „Mountain Time”, wieder im kompletten Bandgefüge (alle brachten sich nochmals klasse ein – man merkte, dass hier auch die Harmonie im Kollektiv einfach zu stimmen scheint) bewies, dass Joe Bonamassa zu den absoluten Gipfelstürmern der Musikszene zählt.

Eines seiner kommenden anvisierten Bonamassa-Ziele wird wohl darin bestehen, dem geschätzten Kollegen Wynans (der sich mit ihm blendend ergänzte) irgendwann in die Rock & Roll Hall Of Fame nachzufolgen. Er ist, so meine ich, auf bestem Weg dorthin. Ein Hammer-Konzert in Düsseldorf, dass jeden ausgegebenen Euro wert war! Genre-Genuss pur. Joe Bonamassa rules the Blues!

Vielen Dank an Mark Dehler von Netinfect Promotion, der uns erneut dieses tolle Ereignis ermöglicht hat!

Line-up:
Joe Bonamassa (lead vocals, electric, slide and acoustic guitar)
Michael Rhodes (bass)
Reese Wynans (keys)
Anton Fig (drums)
Mahalia Barnes (vocals, percussion)
Jade MacRae (vocals, percussion)
Lee Thornburg (trumpet, vocals)
Paulie Cerra (saxofone, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Joe Bonamassa
Joe Bonamassa bei Facebook
Netinfect Promotion
Mitsubishi Electric HALLE, Düsseldorf

Ryan McGarvey – 11.05.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

RMG_haupt

Nachdem Ernst Barten ja letzte Woche vor dem saustarken Band Of Friends-Gig die Katze aus dem Sack gelassen hatte, dass mit dem Schwarzen Adler zum Jahresende Schluss ist, sofern sich zeitnah kein Käufer findet, galt es, die sich nun abzeichnende ‚Abschiedstournee‘ in Sachen noch ausstehender Konzerte, ausgiebig zu genießen.

Mit Ryan McGarvey, den ich selbst, zu meiner eigenen Überraschung, letztes Jahr im Rückblick 2018, zum Konzerthighlight des Jahres auserkoren hatte, stand direkt der nächste Hochkaräter an.

Auffällig und positiv zu vermerken war, dass im sehr gut besuchten Adler, diesmal auch recht viele junge Leute vertreten waren. So war ich, ungewohnter Weise, tatsächlich gleich von drei jungen Damen, die vom Alter her, meine Töchter hätten sein können, umsäumt, die sich (vermutlich) brennend für das Gitarrenspiel des aus Albuquerque, New Mexico, stammenden Protagonisten, zu interessieren schienen…

Demnach wurde der Altersdurchschnitt – Bluesfreunde der natürlich wieder überwiegend vertretenen ‚Ü-50 & Mehr‘-Generation mögen mir diese Spitze bitte verzeihen – auf ca. rekordverdächtige 49 Jahre gesenkt. Aber Spaß beiseite, wäre das ein neuer (begrüßenswerter) Trend, wäre dies auch ein vielversprechendes Signal in Richtung potentieller Käufer der Location.

Kommen wir aber nun zum Konzert. McGarvey hatte diesmal auf seinen schon zu früheren Zeiten für ihn aktiv gewesenen Drummer Logan Miles Nix zurückgegriffen, der mit seiner glanzvollen kräftigen Performance, mit zum Gelingen dieser insgesamt schon fast brachial anmutenden Heavy Blues-Vorstellung, erheblich beitrug.

Neu am Bass, Ryans Freund aus Kindertagen, Artha Meadors, der sich am 5-saitigen Bass, ‚mannschaftsdienlich‘ einfügte, und sich McGarveys agiler Körpersprache bei so mancher kraftvollen Passage anpasste (heftiges synchrones Rauf- und Runterschwenken mit den Instrumenten, oft sogar fast bis zum Boden).

Der Gig konnte diesmal quasi in vier Abschnitte unterteilt werden. Der erste Part, den Ryan elektrisch auf einer blues-typischen Gibson ES mit Stücken wie „Surrender“, „Fading Away“, „Right Side Of The Dirt“, „Ain’t Enough Whiskey“ und „Pennies“ bestritt, beinhaltete schon drei Stücke aus dem neuen Album „Heavy Hearted„, das auch im weiteren Verlauf im Mittelpunkt stand.

Dies deutete bereits nicht nur vom Titel her Garveys bluesspezifische Präferenz vorzeitig an, sondern auch, dass der Abend nichts für musikalisch zart Besaitete werden würde. Es ging schon zu dieser frühen Phase, besonders, was seine filigranen und dynamischen Soli anging, furios zur Sache.

Selbst in der sich anschließenden Akustik-Passage mit „Six Feet In The Ground“ (noch im Bandformat) sowie „“My Heart To You“ und „Four Graces“ (jeweils solo), ließ Ryan den Besuchern kaum Zeit zum Durchschnaufen. Atemberaubend sein quirliges Spiel selbst auf der Akustikklampfe, das zum Teil sogar an die fingerfertigen Künste des Al Di Meola-, John McLaughlin- und Paco de Lucía-Trios auf dem legendären „Friday Night In San Francisco“-Album erinnerte.

Die war allerdings nur das Vorspiel für eine einzige Heavy Blues Rock-Schlacht in ‚Phase 3‘, bei der sich vermutlich selbst so mancher Heavy Metal-Fan ungläubig die Augen und Ohren gerieben hätte. Tracks wie „Joyride“, „A Walk In The Rain“, „Memphis“ und das wieder exzessiv zelebrierte McGarvey-Parade-Instrumental „Mystic Dream“ (u. a. mit wildem Herumschalten des Humbucker-Steuerungsschalters in kniender Haltung auf dem Boden als Show-Effekt), mit der nun eingesetzten Gibson Les Paul, waren ein einziger Power- und Genuss-Ritt durch diesen Abschnitt der Setliste.

Bliebe der unweigerliche Zugabenteil. „Blue Eyed Angel Blues“, ein Slowblues, atmosphärisch-progressiv beginnend, wurde in der langen Solo-Passage (Ryan teilweise introvertiert allein spielend) zunächst noch halbwegs songtypisch performt, mündete dann aber in ein, bis zum Abschlussgesang währendes Instrumentalinferno (auch dank der beiden Rhythmusleute). Auch in der sich direkt anschließenden Uptemponummer „Houston“, wurde noch mal alles aus Armen und Fingern herausgeholt, was menschenmöglich war. Atemberaubend!

Fazit: Eine weitere Glanzvorstellung von Ryan McGarvey in Rheinbergs Noch-Blues-Kultstätte, der das Blues-Genre, was Intensität und Härte betrifft, in eine neue Dimension katapultiert zu haben schien! Das Potential für eine ähnliche Erfolgsstory wie die eines Joe Bonamassas, ist hier offenkundig vorhanden.

Und ich wiederhole mich angesichts solch begeisternder Erlebnisse gerne. Diese Abende sollen an der Baerler Straße 96 bald nicht mehr stattfinden? Kaum zu glauben. Aber, lieber Ernst, vielleicht bin ich ja derjenige aus NRW, der den Euro-Jackpot an diesem Wochenende geknackt hat…

Line-up:
Ryan McGarvey (lead vocals, guitars)
Artha Meadors (bass)
Logan Miles Nix (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Ryan McGarvey
Ryan McGarvey bei Facebook
Schwarzer Adler

Elles Bailey – Road I Call Home – CD-Review

Bailey_300

Der Wust der Musikveröffentlichungen heutzutage birgt natürlich auch die Gefahr, dass so manches Gute untergeht. Man kann die Augen und Ohren einfach nicht überall haben.

Wurde der Vorgänger „Wildfire“ von Elles Bailey uns noch über den Promotion-Weg quasi direkt serviert, wäre ihr Nachfolger doch glatt ‚durchgeflutscht‘. Aber Gottseidank benennt die junge Britin ja die Straße als ihre Heimat und die führt sie und ihre Band auch immer wieder ins Leverkusner topos, wo sie vor kurzem erneut ein begeisterndes Konzert ablieferte.

Bei dieser Gelegenheit reichte mir die sympathische Musikerin dann den aktuellen Silberling „Road I Call Home“ persönlich und handsigniert natürlich. So hatte ich schon vor dem Hören im Player das Vergnügen, fast sämtliche Tracks, vorab auch in ihrer Live-Wirkung begutachten zu können.

Das Album bestätigt dann im Nachhinein auch die damit verbundene Erwartungshaltung nahezu 100-prozentig. Es ist Musik, die wie für mich persönlich geschaffen ist: Herrliche Stimme, authentisches Songwriting, tolle Instrumentierung, schöne Melodien, abwechslungsreiche Darbietung und saubere Produktion, dazu eine gehörige Portion Blues- und Southern Rock-Flair.

Was sie vermutlich zudem mit mir teilt, ist die Vorliebe für Nashville-inspiriertes Liedgut. Wie schon bei „Wildfire“ hat sich Elles wieder in die dortige Musikmetropole samt ihrer prominenten Aufnahme-Locations begeben und mit namhaften Co-Schreibern wie u.a. Ashton Tucker, Daryl Burgess, Bobby Wood oder Jeff Cohen ihre neuen Kreationen entwickelt.

Die Musik wurde in dortigen Studios neben ihren etatmäßigen Bandmates wie Joe Wilkins & Co. von den Stars der dortigen Studioszene wie Chris Leuzinger, Pat Buchanan, Mike Brignardello, Steve Mackey, Wes Little, Jimmy Nichols, Jony Henderson, Kim Keys und Chris Rodriguez veredelt. Das Ganze perfekt soundtechnisch eingefangen und abgemischt haben Brad Nowell und Steve Blackmon.

Schon der swampige Opener „Hell Or High Water“ mit seinem reißenden Slide ist nahezu perfekter Stoff für dieses Magazin. Southern Rock pur. Im weiteren Verlauf der Stücke glänzt Bailey mit schönen Tempo- und Stimmungsvariationen, die sie in ihrer vokalen Performance (wen wundert es bei dieser Stimme) blendend meistert.

Im southern-souligen „Deeper“ (mit plusternden Bläsereinsätzen) sehnt sie sich nach Liebe, die nicht nur an der Oberfläche kratzt, während sie sich beim emotionalen Slowblues in Beth Hart-Manier (famoser Gesang), über die Wandlung des Partners sinniert.

Der „Medicine Man“ bedient erneut mit starker E-Gitarrenarbeit die Southern Rock-Klientel. „Road I Call Home“, der Titelsong, befindet sich genau in der Mitte, ein schöner kompromissloser Uptemporocker.

Die Piano-trächtigen „Foolish Hearts“ (dezent bluesig) und „Light In The Distance“ (emotionale reduzierte Abschlussballade) könnten, wenn es nicht anders wäre, fast aus der Songschmiede von Elton John und Bernie Taupin stammen, ein Beweis für die Qualität ihres eigentlich für Höheres bestimmten Songwritings.

Meine beiden Lieblingsstücke „Help Somebody“ und „Miss Me When I’m Gone“ treffen mit ihrer flockig-launig melodischen Art, samt starker (Slide-) E-Gitarren wieder ordentlich ins Southern-Herz.

Fazit: Elles Bailey hält mit „Road I Call Home“ ganz locker das hohe Niveau, dass der starke Vorgänger „Wildfire“ als Messlatte aufgelegt hatte. Hier greift von der Stimme bis zur Umsetzung wieder (auch Nashville sei Dank) ein musikalisches Rädchen perfekt ins andere.

Wer die Britin aus unseren Kreisen noch nicht kennt, sollte sich sputen, ihre Tonträger mal anzutesten und natürlich die potentiell kommenden Konzerte bei uns im Auge zu behalten.

Es wäre wirklich schade, diese talentierte Künstlerin, unbemerkt an sich vorbei ziehen zu lassen. Elles Bailey hat ganz viel Southern Rock im Blut. Sie ist eine von uns! Dafür lege ich meine Hand ins Feuer!

Outlaw Music – (2019)
Stil: Blues/Rock/Country

01. Hell Or High Water
02. Wild Wild West
03. Deeper
04. What’s The Matter With You
05. Medicine Man
06. Road I Call Home
07. Foolish Hearts
08. Help Somebody
09. Little Piece Of Heaven
10. Miss Me When I’m Gone
11. Light In The Distance

Elles Bailey
Elles Bailey bei Facebook

Band Of Friends – 03.05.2018, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

BOF_Haupt

Da kommt man am Freitag nach einer Arbeitswoche nach Hause, freut sich schon auf den anstehenden Abend mit der Band Of Friends, nimmt wie gewohnt die Tageszeitung in die Hand und liest schon auf der Titelseite (im Feld mit den Hinweisen auf den Lokalteil), dass der Schwarze Adler verkauft werden soll und Ende Dezember dieses Jahres Schluss ist. Wirkungstreffer – das kam zunächst einem unvermittelten Schlag in die Magengrube gleich.

Datum noch mal schnell gecheckt, nein, es ist nicht der 1. April, Restteile des Blattes erstmal zur Seite gelegt und sich den sogenannten ‚Boten für Stadt und Land‘ zu Gemüte geführt. In dem von Redakteur Uwe Plien, sehr schön verfassten Artikel (übrigens auch der Kommentar von ihm einen Tag später), werden dann allerdings die Gründe von Adler-Chef Ernst Barten – ohne Frage das, über viele Dekaden währende kulturelle wohl wichtigste Gesicht der Stadt Rheinberg – sehr gut nachvollziehbar, dokumentiert.

Ernst steuert in wenigen Tagen auf seinen 70. Geburtstag zu. Da in den heutigen Labors die ‚Ewige Jugend‘ noch nicht erfunden ist und wir alle den biologischen Gesetzmäßigkeiten des Alterungsprozesses der Zellen, unterworfen sind, ist die Entscheidung, in einer Phase aufzuhören, wo es vermutlich schon oft zwicken und zwacken wird, sich aber insgesamt körperlich und geistig noch alles im Lot befindet, sicherlich absolut die richtige.

Fest steht, dass Ernst Barten sein großes ‚Erbe‘ und die noch größere Bürde, die er dem Nachkömmling hinterlassen wird, sicherlich mit ‚Augenmaß‘ übertragen wird. Zu hoffen ist, dass vor allem ein Konzept gefunden wird, das, wie damals noch zu unseren Jugendzeiten, den Dialog und das gemeinsame Erlebnis zwischen Jung und Alt mit guter Gastronomie und weiterhin starker Live-Musik, realisiert und auch finanziell geschultert werden kann. Hier ist in aller erster Linie die Stadt inklusiv Bürgermeister, die Ernst Barten zweifelsohne Immenses zu verdanken haben, mit in der Bringpflicht.

Von unserer Seite vorab schon mal ein herzliches Dankeschön an Ernst für eine großartige (Lebens-) Leistung und auch, nicht zu vergessen, an das ihn über die Jahre unterstützende Team und seine Vertrauenspersonen! Kommen wir aber jetzt zum eigentlichen Anlass des Berichtes, der Band of Friends.

Das Trio, bestehend aus Irrwisch Gerry McAvoy, dem wuchtigen Marcel Scherpenzeel und Wirbelwind Brendan O’Neill trumpfte an diesem Abend schon auf, als wenn es heute bereits kein Morgen im Adler mehr geben würde. Wow, so hart und so spielfreudig, habe ich die drei Musiker noch nie erlebt, und das will in diesem Fall wahrlich was heißen.

Wer die Band Of Friends kennt und schon öfter gesehen hat, der weiß, dass man ein hingebungsvolles, authentisches wie auch schweißtreibendes Best Of-Programm zu Ehren von Rory Gallagher vorgestellt bekommt, bei dem man vom, immer noch hochagilen, stets treibenden und fordernden Kumpanen Gerry McAvoy (steuert ja ebenfalls schon auf die Siebzig zu), auch als Besucher ordentlich eingebunden wird.

So beinhaltete das zweiteilige Set neben ein paar bandeigenen Kompositionen wie u. a. „The Man I Am“ oder „Homeland“ (Gerry einmalig an den Lead vocals), mit Stücken wie „The Last of the Independents“, „Shin Kicker“, dem grandios gebrachten „Do You Read Me“ (mit famosem ‚Leisespiel‘-Bridge von Scherpenzeel), dem nicht so oft gespielten Ohrwurm „Overnight Bag“, „Double Vision“, „Moonchild“ (Marc blickt und zeigte kurz gen Himmeldach Richtung Rory), „Bought And Soul“, dem Ted McKenna und anderen verstorbenen Größen gewidmeten, unter die Haut gehenden „A Million Miles Away“, „Tattoo’d Lady“, „Bad Penny“ und zu guter Letzt „Shadow Play“, eine hochwertige Kette mit Songperlen des 1995 verstorbenen irischen Blues Rock-Kultmusikers.

McAvoy war natürlich dank seines pure Energie verströmenden Charismas, der unbestrittene Leader, aber auch der ‚wie Sau‘ schwitzende Scherpenzeel, kitzelte alles an Power, sowohl stimmlich, wie auch an seiner Klampfe (übrigens mit einigen Southern Rock- und Slide-Soli), aus sich heraus. Nicht zu vergessen die fulminante Performance vom unaufgeregten, aber mit unzähligen Trommelwirbeln glänzenden Drummer Brendan O’Neill, ebenfalls Ex-Gallagher-Gefährte, die der ganzen Geschichte einen unglaublichen Drive verlieh.

Aber auch das Adler-Publikum, natürlich schon frühzeitig von Gerry angestachelt, komplettierte, beziehungsweise erhöhte durch lautstarkes Mitsingen und viele (auch spontane) Rhythmusklatscheinlagen, den launigen Unterhaltungswert des in allen Belangen überzeugenden Gigs.

So ließ sich natürlich auch das BOF-Trio von der begeisterten Vierbaumer Atmosphäre am Ende nochmals anstecken und zog im Zugabenteil mit dem „Bullfrog Blues“, dem überraschenden J.J. Cale-Klassiker „Cocaine“ und „Messing With The Kid“, ausführlich alle Register in Sachen Einsatzwillen und Spielfreude. Das war ganz großes (Blues) Rock-Kino liebe Band Of Friends!

Einer der besten Abende, die ich bisher im Adler erlebt habe. Und dann kommt bei aller Freude und Euphorie am Ende doch noch unweigerlich Wehmut auf. Solche Momente sollen unter Umständen tatsächlich schon bald zum ‚ewigen Schnee von Gestern‘ gehören? Eigentlich unvorstellbar…!!!

Line-up:
Marcel Scherpenzeel (lead vocals, electric guitar)
Gerry McAvoy (bass, lead vocals)
Brendan O’Neill (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Band Of Friends
Band Of Friends bei Facebook
Schwarzer Adler

Hamish Anderson – Out Of My Head – CD-Review

HA_300_

Review: Stephan Skolarski

Aus Sicht eines jungen, begabten Blues-Interpreten aus Melbourne ist der gerade Weg von „Down Under“ in das Heimatland der Blues-Musik sicher eine gute Wahl, seine Leidenschaft zu verfolgen. Daher war es für den Australier Hamish Anderson wohl unausweichlich, dass er sich in die USA begeben musste, um als Blues-Gitarrist so richtig durchzustarten. Dieser Schritt ermöglichte ihm nicht nur sein bemerkenswertes Debüt „Trouble“ (2016), sondern ebenso einen denkwürdigen Auftritt als Support-Act für B.B. King.

Wie schon auf „Trouble“ war Jim Scott beim neuen Longplayer „Out Of My Head“ als Produzent tätig, dessen jahrzehntelange Erfahrungen u.a. mit den Rolling Stones, Tom Petty oder Wilco dem Album zu Gute kommen. Scotts vielschichtige Einflüsse lassen sich auch auf dieser CD ausmachen.

Die Vorab-Single „No Good“ ist ein erfrischender Opener, der durch straighten Blues-Rock aufrüttelt und das Gitarren-Solo ein erstes Ausrufezeichen des Albums, ein Beweis für Andersons Auszeichnung als Top 10 Best New Guitarist 2018 durch „Total Guitar“. „Breaking Down“ bewegt sich unweit rauer Alvin Lee-Klassiker und darf zweifellos als das Glanzstück der Band bezeichnet werden, welches vom durchgängigen Riff außergewöhnlich getragen wird.

Der Slow-Blues „What You Do To Me“ glänzt mit seinem feinen und zarten Rhythmus und wird vom souligen Gesang dominiert. Schweren Blues-Rock, der an Black River Delta und teilweise auch an Grand Funk Railroad erinnert, gibt es auf „You Give Me Something“ eindrucksvoll und am besten lautstark um die Ohren.

Einen leichten Stilbruch erfährt das Album auf dem Titel-Track „Out Of My Head“, der mit eingängigen Akustik-Gitarren virtuos begeistert. Das Arrangement von „The Fall“ klingt zum Teil wie ein Al Stewart-Oldie, kooperiert aber perfekt mit Andersons eleganter Gitarrenarbeit. „World’s Gone Mad“ ist ein Blues-Rock-Song im Midtempo, eine abwechslungsreiche Kombination aus harter Gitarren-Begleitung und intensiv-antreibender Band-Dynamik.

Beim geschmeidigen „You Really Know What Love Is“ wird ein typischer Dylan-/Petty-Track stilvoll performt. Das balladenartige „Dark Eyes“ folgt als letztes Stück in sanfter, akustischer Version, die ausreichend Platz lässt für gefühlvolle Orgelpassagen.

Das Repertoire von Hamish Anderson ist vielseitig und reicht vom Heartland Rock in Tom Petty-Manier, über seichte Jeff Tweedy-Sounds (vor allem auf dem Titelsong) bis zu modernen Blues-Nummern à la Ben Poole oder Mike Zito. Er orientiert sich – nach eigenen Angaben – aber auch an seinen zahlreichen Vorbildern, zu denen u.a. Jimi Hendrix, Peter Green und Howlin Wolf, aber auch B.B. King, Buddy Guy sowie Eric Clapton gehören und denen er mit seinen Eigenkompositionen ausgiebig Tribut zollt.

Der Longplayer „Out Of My Head“ von Hamish Anderson ist eine sehr komplexe Produktion, deren Songs auf verschiedenen, musikalischen Ebenen miteinander harmonieren und ein gelungenes Gesamtkunstwerk ergeben. Der direkte Weg von Australien in die USA hat für Anderson damit offensichtlich erneut vielversprechenden Erfolg. Man darf sich freuen, ihn bald wieder in Europa begrüßen zu dürfen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues, Americana, Roots-Rock

Tracklist:
01. No Good
02. Breaking Down
03. What You Do To Me
05. Out Of My Head
06. The Fall
07. Damaged Goods
08. World’s Gone Mad
09. Happy Again
10. You Really Know What Love Is
11. Dark Eyes

Hamish Anderson
Hamish Anderson bei Facebook
Black Pike Favorites

Aynsley Lister – 28.04.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

Lister_haupt

Rein gefühlsmäßig haben wir in den letzten Wochen die halbe britische Blues Rock-Szene beleuchtet. Mit Aynsley Lister stand im schönen Lütgendortmunder Musiktheater Piano  der nächste Hochkaräter von der Insel an.

Für den Kollegen Mangold war der wuselige Gitarrero aus Leicester absolutes Neuland, meine Wenigkeit durfte ihn nun zum dritten Mal begutachten. Das erste Mal, quasi zu Beginn des Internetzeitalters im heimischen Schwarzen Adler zu Rheinberg, als er ein ganz junger Spund war und Gernot für die Entwicklung seiner Bilder noch in die Dunkelkammer hätte rennen müssen, letztes Jahr im urigen Leverkusener topos und nun in Dortmunds Konzertschmuckstück vor gut besuchter Kulisse.

Drei in ihrer Art völlig unterschiedliche Locations, ich war gespannt, wie Aynsleys Gitarrenkünste und seine Songs im volumigsten der Auftrittsorte rüber kommen würden.

Das Bandgefüge zum Gig in der Bayerstadt war zu 50 Prozent erneuert. Jono Martin zupfte unaufgeregt im Dienst des Protagonisten den E-Bass und hatte ganz dezente Harmoniegesangseinsätze. Craig Bacon kam mir gleich bekannt vor, und tatsächlich, ich hatte ihn früher schon mal als Drummer von Stevie Nimmo gesehen.

Etatmäßig war Andrew Price wieder als Tastenmann (mit vielen Orgelschwurbeleien und Pianogeklimper) an Listers Seite zugange. Die beiden hatten zwischendurch immer wieder ihren Spaß, als Lister seinen Spezi zu ‚Frage-Antwort‘-Scharmützeln an ihren Instrumenten herausforderte. Aynsley bestach natürlich mit unzähligen fingerfertigen Soli auf seinen beiden Stratocastern.

Da sein ‚jüngstes‘ Werk „Eyes Wide Open“ nun schon drei Jahre zurückliegt, verwunderte es nicht, dass sein Programm im Piano dem der letzten Zeit ähnelte und lediglich in der Songanordnung dezent variierte.

Nach kurzem Warmspielen stieg das Quartett mit „All Of Your Love“ ein, pacte mal runter („Il Grande Mafioso“, „Home“) und wieder in unterschiedlichen Tempi rauf („Stay“, das poppige „Soul“, das stampfende „Running Out On Me“).

Als sich der Brite eine halbakustische Klampfe schnappte und deltabluesig mit schönem Slide „Heyde 2612“ einleitete und der launige Barroomschunkler „One More Time“ (claptonsekes Solo am Ende) nachgeschoben wurde, begann sich der Gig peu à peu zu intensivieren.

Mit dem atmosphärischen Blues „Everthing I Have To Give“ (Listers Zwischen-Solo in Peter Green-Manier), dem flockigen „Inside Out“, „I’m Tore Down“ (für die Freunde der Traditionalisten, zum Teil schön jammig) und  dem soundgewalltigen „Possession“ war der Hauptteil auch schon im Fluge vergangen.

„Purple Rain“ ging in der gitarrenlastigen Lister-Version als erste der beiden lautstark geforderten Zugaben natürlich unter die Haut, während das saustarke „Handful Of Doubt“ als Rausschmeißer nochmals die ganze Dynamik, Variabilität  und Spielfreude des Vierers offerierte.

Am Ende für mich aufgrund des beeindruckenden Klangs und auch der schönen Beleuchtung im Piano, das bisher beste Lister-Konzert, ohne die beiden anderen erlebten damit abwerten zu wollen.

Kaum war der Gig beendet, hatte sich Aynsley auch schon eine Jacke über’s verschwitzte T-Shirt gezogen und stand im Foyer in seiner sympathischen Art den Besuchern für Bilder und Autogramme zur Verfügung. Toller Bursche, dieser britische Gitarren-Wizard!

Line-up:
Aynsley Lister (lead vocals, guitars)
Andrew Price (keys)
Jono Martin (bass, vocals)
Craig Bacon (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Aynsley Lister
Aynsley Lister bei Facebook
Musiktheater Piano