Hamish Anderson – Out Of My Head – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Aus Sicht eines jungen, begabten Blues-Interpreten aus Melbourne ist der gerade Weg von „Down Under“ in das Heimatland der Blues-Musik sicher eine gute Wahl, seine Leidenschaft zu verfolgen. Daher war es für den Australier Hamish Anderson wohl unausweichlich, dass er sich in die USA begeben musste, um als Blues-Gitarrist so richtig durchzustarten. Dieser Schritt ermöglichte ihm nicht nur sein bemerkenswertes Debüt „Trouble“ (2016), sondern ebenso einen denkwürdigen Auftritt als Support-Act für B.B. King.

Wie schon auf „Trouble“ war Jim Scott beim neuen Longplayer „Out Of My Head“ als Produzent tätig, dessen jahrzehntelange Erfahrungen u.a. mit den Rolling Stones, Tom Petty oder Wilco dem Album zu Gute kommen. Scotts vielschichtige Einflüsse lassen sich auch auf dieser CD ausmachen.

Die Vorab-Single „No Good“ ist ein erfrischender Opener, der durch straighten Blues-Rock aufrüttelt und das Gitarren-Solo ein erstes Ausrufezeichen des Albums, ein Beweis für Andersons Auszeichnung als Top 10 Best New Guitarist 2018 durch „Total Guitar“. „Breaking Down“ bewegt sich unweit rauer Alvin Lee-Klassiker und darf zweifellos als das Glanzstück der Band bezeichnet werden, welches vom durchgängigen Riff außergewöhnlich getragen wird.

Der Slow-Blues „What You Do To Me“ glänzt mit seinem feinen und zarten Rhythmus und wird vom souligen Gesang dominiert. Schweren Blues-Rock, der an Black River Delta und teilweise auch an Grand Funk Railroad erinnert, gibt es auf „You Give Me Something“ eindrucksvoll und am besten lautstark um die Ohren.

Einen leichten Stilbruch erfährt das Album auf dem Titel-Track „Out Of My Head“, der mit eingängigen Akustik-Gitarren virtuos begeistert. Das Arrangement von „The Fall“ klingt zum Teil wie ein Al Stewart-Oldie, kooperiert aber perfekt mit Andersons eleganter Gitarrenarbeit. „World’s Gone Mad“ ist ein Blues-Rock-Song im Midtempo, eine abwechslungsreiche Kombination aus harter Gitarren-Begleitung und intensiv-antreibender Band-Dynamik.

Beim geschmeidigen „You Really Know What Love Is“ wird ein typischer Dylan-/Petty-Track stilvoll performt. Das balladenartige „Dark Eyes“ folgt als letztes Stück in sanfter, akustischer Version, die ausreichend Platz lässt für gefühlvolle Orgelpassagen.

Das Repertoire von Hamish Anderson ist vielseitig und reicht vom Heartland Rock in Tom Petty-Manier, über seichte Jeff Tweedy-Sounds (vor allem auf dem Titelsong) bis zu modernen Blues-Nummern à la Ben Poole oder Mike Zito. Er orientiert sich – nach eigenen Angaben – aber auch an seinen zahlreichen Vorbildern, zu denen u.a. Jimi Hendrix, Peter Green und Howlin Wolf, aber auch B.B. King, Buddy Guy sowie Eric Clapton gehören und denen er mit seinen Eigenkompositionen ausgiebig Tribut zollt.

Der Longplayer „Out Of My Head“ von Hamish Anderson ist eine sehr komplexe Produktion, deren Songs auf verschiedenen, musikalischen Ebenen miteinander harmonieren und ein gelungenes Gesamtkunstwerk ergeben. Der direkte Weg von Australien in die USA hat für Anderson damit offensichtlich erneut vielversprechenden Erfolg. Man darf sich freuen, ihn bald wieder in Europa begrüßen zu dürfen.

Eigenproduktion (2019)
Stil: Blues, Americana, Roots-Rock

Tracklist:
01. No Good
02. Breaking Down
03. What You Do To Me
05. Out Of My Head
06. The Fall
07. Damaged Goods
08. World’s Gone Mad
09. Happy Again
10. You Really Know What Love Is
11. Dark Eyes

Hamish Anderson
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