Vanja Sky – 12.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Nachdem Vanja Sky, im Rahmen von Rufs Blues Caravan, bereits letztes Jahr an der Seite von Mike Zito und Bernard Allison durch Deutschland tingelte und dort auch schon überzeugte, besuchte Sie erstmals den Kölner Yard Club im Rahmen Ihrer ersten Solotour.

Die junge Kroatin, die erst seit wenigen Jahren Gitarre spielt, hatte ihr Debutalbum „Bad Penny“ im Gepäck, von dem sie auch fast jeden Song spielte und ergänzte erwartungsgemäß ihre Show mit mehreren Coversongs. Wie meist im Yard Club, der leider mit etwa 40-50 Fans nur mäßig besucht war, begann das Konzert recht pünktlich gegen 20:15 Uhr.

Vanja in einem weißen Kleid mit roten Blumen gekleidet, brachte auch durch ihre erfrischende und natürliche Art eine regelrechte Wohlfühlstimmung in den Club und interagierte immer wieder mit dem Publikum.

Mit dem Opener „Hard Working Woman“ legte Sie direkt einen feinen Bluessong aus der eigenen Feder hin. Unterstützt wurde Sie dabei von Ihrer Band, Eduard Jimmy Matesic an der zweiten Lead Guitar, der mit einigen starken Soli glänzte, Hanser Schüler an den Drums und Roger Inniss, Rufs Tausendsassa am Bass.

Dem Cream-Klassiker „Strange Brew“, den Sie gekonnt aufs Parkett legte, ließ sie mit „Do You Wanna?“, „Inside Pain“ und „Give Me Back My Soul“ drei Songs vom eigenen Album folgen, ehe Sie sich an Stevie Ray Vaughns „Pride & Joy“ wagte und mit dem selbst geschrieben „Crossroads Of Life“ einen der Höhepunkte des Konzerts folgen ließ.

Psychedelisch beginnend, steigerte sich das Stück mit hohen Wiederekennungswert in eine starke Bluesnummer, die mit dem entsprechenden Applaus belohnt wurde. Dem frühen Fleetwood Mac Klassiker „Oh Well“ gab Sie mit Ihrer Stimme eine ganz eigene Note.

Schön war dabei, wie die Band harmonierte, Vanja sich immer wieder zu Matesic begab, um sich in Soli zu duellieren oder, Seite an Seite mit Inniss stehend, performte. Beiden, wie auch dem Drummer Hanser Schüler war anzumerken, mit welchem Spaß sie bei der Sache waren und sie die positive Stimmung aus dem Publikum aufnahmen.

Danach legte Sky die elektrische Gitarre für einen Song auf Seite und spielte eine gefühlvolle Version des Traditionals „House Of The Rising Sun“, das durch die Animals bekannt wurde. Dies tat sie in einer solch intensiven Art, dass ihre Begleiter mit geschlossenen Augen, scheinbar träumend, in den Song einsetzten.

Hanser bewies hier, dass er neben dem druckvollen Schlagzeugspiel auch mit viel Ruhe und Gefühl sein Instrument spielen kann, um so nicht die traumhafte Atmosphäre zu zertrümmern und nur leichte Akzente zu setzen.

Dem bluesigen „All Night“ folgten das rockige „Don‘t Forget To RnR“ und das Black Crowes-Cover „Twice As Hard“, in dem alle Musiker tolle Soli einbrachten. Besonders hervorzuheben ist hier das mehrminütige Agieren von Roger Inniss an seinem 6-Saiter, bei dem er eindrucksvoll offenbarte, was aus diesem Instrument mit dem nötigen spielerischen Können heraus zu holen ist.

Mit dem leicht balladesken „Married Man“ gab Sky dann Einblicke in Ihr Seelenleben. Schön war zu sehen, wie das Publikum diesen speziellen Moment wahr nahm und scheinbar anmutig lauschte, so auch Inniss, der erst später mit seinem Bass einsetzte.

Gegen Ende des Konzertes legte Sie mit „Bad Penny“, dem ganz stark interpretierten, „Going To My Hometown“, bei dem Matesic sie an der Mandoline begleitete und „Shadow Play“, drei Songs ihres Idols Rory Gallagher hin.

Es mündete darin, dass Sie selbst, auf der Bühne liegend, ihre Gitarre bespielte und Matesic ihr anschließend ganz im Stile eines Gentlemans, wieder aufhalf.

Nach einer eigenwilligen, gesanglich starken Version von „Whole Lotta Love“ gab es als letzten Song noch eine hart rockende Version des Troggs Klassikers „Wild Thing“ und die Band verabschiedete sich vom gut mitgehenden Audienz.,

Der anhaltenden Applaus dafür sorgte, dass mit einem stark vorgetragenen, groovenden „Hit Me With The Blues“ einer der stärksten Songs, die fällige Zugabe bildete. Nach etwa 90 Minuten war der gelungene Auftritt der Nachwuchskünstlerin beendet.

Sicher gibt es noch die eine oder andere Ecke glatt zu schleifen, aber in punkto Publikumsnähe, positiver Ausstrahlung, braucht sie sich vor wenigen in der Szene zu verstecken.

Es wird spannend, wie sich die junge Kroatin weiter entwickeln wird. Mit der Unterstützung der heutigen Musiker, ist zu erwarten, dass man in der Zukunft noch einige Positives von ihr hören wird, und sie auch bei den weiteren Konzerten der Tour, ihre Fans begeistern wird.

Ein Dank auch an Marcus Neu, der immer wieder jungen Künstlern im Yard Club die Chance gibt, sich zu beweisen. Schön wäre es, wenn dies auch besuchsmäßig mehr gewürdigt werden würde, dass dies in Zukunft entsprechend fortgesetzt werden kann.

Line Up:
Vanja Sky – Vocals, Gitarre
Eduard Jimmy Matesic – Gitarre, Mandoline
Roger Inniss – Bass
Hanser Schüler – Drums

Text und Bilder: Gernot Mangold

Vanja Sky
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Ruf Records
Yard Club Köln

Tedeschi Trucks Band – Signs – CD-Review

TTB

Review: Stephan Skolarski

Die geballte musikalische Power der aus 12 Musikern bestehenden Tedeschi Trucks Band auf einer Platte zu vereinen, ist für jeden Produktionsprozess eine Herausforderung. Federführend bei der Entstehung des neuen Longplayers der US-Amerikanischen Blues- und Southern-Rock Formation, war der mehrfache Grammy Gewinner Jim Scott, der schon mit vielen Acts des Musik-Business zusammenarbeiten konnte (u.a. Rolling Stones, Tom Petty, Sting, Wilco) und diese Aufgabe gemeinsam mit Derek Trucks und Bobb Tis, exzellent bewältigt hat.

„Signs“ wurde im sogenannten ‚Swamp Raga‘ (Jacksonville, FL), dem eigenen Studio des Bandleader-Ehepaars Susan Tedeschi und Derek Trucks, aufgenommen und ist bereits das vierte Album in den letzten neun Jahren. Die gewohnte, abwechslungsreiche Unterstützung durch Bläser, Keyboards, Percussion und Backgroundgesang ist erneut das bekannte Markenzeichen dieses Kollektivs. Als Themen des Albums werden nicht nur auf dem Cover, sondern geradezu eindringlich in den Songs Umweltzerstörung und gesellschaftliche Spaltung angeprangert.

Leider musste die Band in der Vergangenheit einige Schicksalsschläge verkraften. Im Bekanntenkreis verstarben u.a. Butch Trucks, Gregg Allman, Leon Russel und B.B. King, die alle sehr enge Wegbereiter und Vorbilder waren. In liebevoller Erinnerung wird diesen Alt-Meistern im Booklet die besondere Wertschätzung erwiesen. Gewidmet ist das Werk jedoch ausdrücklich Colonel Bruce Hampton, der langjährig als Förderer und Mentor die musikalische Ausrichtung begleitet hat. Die Wirkung auf Sängerin Susan Tedeschi, die auch ihre Trauer und Wut verarbeitet, äußert sich dennoch in optimistischer Weise: „Als Musikerin möchte ich rausgehen, Kraft vermitteln und die Menschen inspirieren.“

Die Aussage setzt wortwörtlich ein Zeichen, einen Maßstab für die Tracks und die Vitalität von „Signs“. Und so geht es auf dem Opener „Signs, High Time“ gewaltig los. Der Funk/Soul Mix auf „I‘m Gonna Be There“ driftet im Refrain zu einem eher gängigen Pop-Rhythmus ab. „Walk Through This Life“ liebäugelt mit angenehmen Soul-Country und greift zugleich die äußerst schweren Verluste der Vergangenheit auf, gepaart mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft („Let’s walk through this life togehther/Show a little staying power/Even in our darkest hour/There’s still you and me“).

Das milde „Strenghten What Remains“ ist für die TTB ein vergleichsweise minimalistisches Arrangement und ein schöner, liebevoller Song. Auf dem melancholischen „All The World“, inklusive weinendem Gitarren-Solo von Derek Trucks), wird auf die Vergänglichkeit des Planeten aufmerksam gemacht („All the world is bleeding“). Die Vorab-Singles „Hard Case“ und „They Don’t Shine“ verfeinern die Platte durch Gospel-Power, klassischen Blues und warme Gitarren. „The Ending“ ist ein rein akustisches und trauriges Lied, das von Susan Tedeschis Stimme sanft getragen und von Derek Trucks und Oliver Woods (The Wood Brothers) Gitarren kunstvoll begleitet wird und nochmals die verstorbenen Freunde würdigt.

Der Longplayer „Signs“ steht für einen bunten Facettenreichtum aus Blues, Southern Rock, Funk und Soul; ähnlich üppige Sounds kommen im artverwandten Stil allenfalls noch von Gov‘t Mule oder der Marcus King Band rüber. Die Tedeschi Trucks Band schöpft ihr breites Potential auf jedem Alben neu und beständig aus. Sie haben mittlerweile ihren unverkennbaren Tedeschi-Trucks-Sound entwickelt, der sich durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnet und auch auf „Signs“ fast schon magisch in seinen Bann zieht.

Fantasy Records (2019)
Stil: Blues Rock, Southern Rock

Tracklist:
01. Signs, High Times
02. I‘m Gonna Be There
03. When Will I Begin
04. Walk Through This Life
05. Strengthen What Remains
06. Still Your Mind
07. Hard Case
08. Shame
09. All The World
10. They Don‘t Shine
11. The Ending

Tedeschi Trucks Band
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Universal Music
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Gary Hoey – Neon Highway Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Schade, dass Gary Hoey hierzulande noch keinen wirklich weitreichenden Bekanntheitsgrad erreicht hat. Dabei ist der 58-jährige US-Amerikaner in den Staaten spätestens seit 1987, als er von niemand geringerem als Ozzy Osbourne entdeckt wurde, eine feste Größe in der Blues- und Blues Rock-Szene. Nebenbei stammen auch zahlreiche Songs aus der TV- und Kino-Welt aus seiner Feder.

Mit seinem neuen Album „Neon Highway Blues“ dürfte sich seine Popularität bei uns aber bald steigern, frönt Gary Hoey doch mit seinen Gastmusikern Eric Gales, Josh Smith und Lance Lopez gekonnt und ausgiebig dem Blues und Blues Rock.

Gleich mit dem Opener „Under The Rug“ geht es mit Unterstützung von Eric Gales und einer eingängigen Grundmelodie ziemlich funky in die Vollen bzw. in die Beine, die gleich darauf wieder mit dem zum Dahinschmelzen schönen Slowblues „Mercy Of Love“ unter Mithilfe von Josh Smith wieder zur Ruhe gerufen werden. „Your Kind Of Love“ ist dann wieder ein beschwingter, gute Laune verbreitender, Shuffle. Gary Hoeys Lieblingssong ist allerdings nach eigenem Bekunden der Chicago Blues „Don’t Come Crying“, bei dem sein Sohn Ian kräftig an der Gitarre mitmischt.

„Still Believe In Love“ klingt stellenweise ein wenig wie Queens „Crazy Little Thing Called Love“ unter Southern-Einfluss. Mit „Almost Heaven“ (zart und melodiös), „Waiting On The Sun“ (nachdenklich und in sich ruhend wirkend) und dem Titelsong „Neon Highway Blues“ (leicht sphärisch) sind außerdem drei reine Instrumentalstücke auf dem Silberling versammelt.

Die sägenden Gitarrenriffs der beiden Songs „I Felt Alive“ und „Living The Highlife“ intonieren eine etwas härtere und im erstgenannten Song auch düstere Gangart. Auf „Damned If I Do“ trifft dies dem Grunde nach auch zu, dennoch ist dies eher ein fetziger Blues Rocker mit Beteiligung und Handschrift von Hoeys Labelkollegen Lance Lopez.

Insgesamt ist Gary Hoeys neuestes Werk musikalisch also breit gefächert mit Einflüssen aus Blues Rock, Chicago Blues und Rock’n Roll. Beim ersten Hören stellt sich zwar das Gefühl ein, alles irgendwie schon einmal gehört zu haben, die musikalischen Feinheiten und auch Fähigkeiten der Musiker offenbaren sich aber erst, wie so oft, bei mehrmaligem und bewussten Anhören der Scheibe. Man möchte sie dann eigentlich gar nicht mehr weglegen.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracks:
01. Under The Rug (feat. Eric Gales)
02. Mercy Of Love (feat. Josh Smith)
03. Your Kind Of Love
04. Don’t Come Crying (feat. Ian Hoey)
05. Still Believe In Love
06. Almost Heaven
07. I Felt Alive
08. Waiting On The Sun
09. Damned If I Do (feat. Lance Lopez)
10. Living The Highlife
11. Neon Highway Blues

Gary Hoey
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Ben Poole – 08.03.2019, Yard Club, Köln – Konzertbericht

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Ben Poole zurück in Deutschland. Nachdem er ja schon letztes Jahr intensiv in unseren Landen getourt hatte (wir berichteten von seinem Gig in Rhede), geht es jetzt zunächst im Rahmen seiner ‚Anytime You Need Me‘-Tour bis Ende April durch Deutschland und das umliegende Ausland, bevor er Anfang Mai in die Heimat zu weiteren Gigs zurückkehrt.

Während meine bisher erlebten Konzerte von ihm auch von den kleinen Intermezzi und Scharmützeln mit seinem Keyboarder Joe Mac ihre Zusatzwürze beinhalteten, gab es diesmal den ungeschliffenen rauen Ben Poole im klassischen Trio (Gesang/E-Gitarre, Bass Schlagzeug) zu sehen, beziehungsweise zu hören.

Mit Martin Deering gab es erneut einen fließenden Wechsel am Schlagzeug, Beau Barnard zupfte standesgemäß den Tieftöner. Ben bediente sich diesmal zweier Telecaster-Modelle und seiner gewohnten Gibson Les Paul im steten Wechsel.

Schon der riffig rockende und stampfende Opener dieses Abends, „Take It No More“, vom neuen, oben angeführten Werk, offenbarte, was den Besucher in den nächsten etwas über 1 1/2 Stunden erwarten würde: E-Gitarrepower und ungezügelte Spielfreude aller Beteiligten pur.

Gleichzeitig war dieser Song schon ein schönes Beispiel dafür, wie es ist, wenn gute Musiker, das immer so ein wenig im Studio getragene Korsett, verlassen und sich auf der Bühne ungezwungen austoben können.

Poole brachte letztendlich sieben Stücke aus dem aktuellen Longplayer, garniert mit ein paar älteren Sachen, sowie natürlich der wieder beeindruckenden, langminütigen Freddie King-Adaption „Have You Ever Loved A Woman“, mit dem gewohnt filigranen und zum Teil leise gespielten Intro, bei dem leider einige Anwesende mal wieder despektierlich, ihre Klappe nicht halten konnten und im Hintergrund rumbrummelten. Schade, dass der 1976 verstorbene Blueser, diese tolle Abwandlung seines Klassikers nicht mehr erleben kann, er wäre vermutlich genauso begeistert wie die restlichen Leute im Yard Club.

Die sich wechselnden, straight rockenden und atmosphärischen Nummern, durchzogen mit unzähligen quirligen Soli des Protagonisten, gipfelten am Ende in dem gerade zu sensationell performten, Bad Company-umwehten  Titelstück und Namensgeber der Tour „Anytime You Need Me“ (mein Gott, was zündete der 29-jährige Brite hier für E-Gitarrensalven auf seiner abgewetzten Telecaster, tolles Bass-Solo dazu von Barnard) und dem ebenfalls zum Finale fantastisch, hart und spielfreudig zelebrierten Don Henley-Cover „Dirty Laundry“ (sehr schön auch die stimmliche Ähnlichkeit der beiden, herrliches Southern Rock-trächtiges E-Solo zum Ende), dass dem Eagles-Chef vermutlich die Kinnlade vor Erstaunen runterfallen gelassen hätte, sofern er anwesend gewesen wäre.

Dieser begeisternde Gig war genau das Gegenteil zu dem kürzlich erlebten einer britischen Genre-Kollegin. Poole übertrug seine Freude am Auftreten sichtlich auf’s Publikum, konversierte, interagierte, verabschiedete sich mit den Kollegen zusammen und war auch hinterher für nette Pläuschchen, Bilder und Signaturen am Merchandising-Stand präsent (ohne Angst vor einer Erkältung…). Sein Tourmanager reichte dem schwer schufteten Kollegen Mangold, angesichts seiner Schweißtropfen auf der Stirn, sogar ein Wasserfläschchen.

SoS-Kompagnon Gernot ließ sich von ihm noch eines seiner tollen Poole-Schnappschüsse auf einer groß-formatigen Hochglanzplatte mit Autogramm versehen (Ben tief beeindruckt von dem Teil). Dazu gab es noch entspannte Gespräche mit seiner netten Agentin Florence Miller und unser obligatorisches VIP-Bild mit den beiden sowie dem Yard Club-Master Marcus Neu.

So betreibt man positive Werbung in eigener Sache und investiert auch schon wieder in die Zukunft. Sounds Of South wird von daher zusätzlich noch den Gig am 24.03.2019 im heimischen Schwarzen Adler protegieren, Ernst Barten und die versammelten Rheinberger dürfen sich auf eine heiß rockende und brillante Show freuen. Also, bis die Tage, Ben Poole!

Line-up:
Ben Poole (lead vocals, electric guitars)
Beau Barnard (bass, bgv)
Martin Deering (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ben Poole
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Yard Club Köln

Brandon Santini – The Longshot – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Der Blueser Brandon Santini ist wahrlich ein musikalisches Arbeitstier. Er ist jahrein, jahraus mit 250 Konzerten weltweit unterwegs und hat sich dadurch in der Bluesszene im Laufe der Zeit einen Namen gemacht, was ihm fünf ‚Blues Music Award’-Nominierungen und drei ‚Blues Blast Magazine Award‘-Nominierungen eingebracht hat.

Mit seinem neuen Album „The Longshot“ verlässt Brandon Santini nun die traditionellen Bluespfade, auf denen er lange erfolgreich unterwegs war, um die beiden Seiten seiner Seele, die zwischen Blues („Beggin’ Baby“, ein schöner, eher traditioneller Blues) und Rock („Don’t Come Around Here“, einem wild pulsierenden Klopper) pendeln, zu einem Ganzen, teilweise mit relaxten Südstaatenanleihen („Broken Bones“, ein typischer Countryblues), zu vereinen.

In dieser Bandbreite präsentiert sich die komplette Scheibe, wobei allerdings die etwas ruhigeren Töne überwiegen. Da sind z. B. das balladenhafte, im Singer-Songwriter-Stil gehaltene, mit leichter Keyboarduntermalung ruhig fließende „One More Day“ oder das stilistisch an Chris Rea erinnernde „Drive You Off My Mind“. Entspannt und eingängig sind auch fast alle übrigen Titel des Albums. Mit „Heartbreaker“ hat Santini einen gemächlichen Midtempo Blues hingelegt und auch „Back To You“ bietet eine ruhige, etwas schleppende Grundmelodie mit Ohrwurmqualitäten.

Mit den letzten zwei Tracks von „The Longshot“ bringt Santini dann noch einmal seine rockige Seite zum Klingen. „Evil Is Going On“ ist ein ziemlich flotter, leicht Country beeinflusster, swingender Rockabilly Shuffle, während „Somebody’s Gotta Go“ recht rockig-heavy daher kommt.

Insgesamt hat Brandon Santini mit „The Longshot“ ein ernergiegeladenes, stilistisch farbenfrohes, modernes Album abgeliefert, ohne dabei seine traditionellen Blueswurzeln zu leugnen, was nicht zuletzt auch durch die virtuosen Mundharmonika-Sätze in den einzelnen Stücken zum Ausdruck kommt. Von Santini wird in Zukunft sicherlich noch mehr Gutes zu hören sein. Wir sind gespannt!

American Showplace Music (2019)
Stil: Blues Rock

01. Don’t Come Around Here
02. Beggin‘ Baby
03. One More Day
04. Drive You Off My Mind
05. Heartbreaker
06. Broken Bones
07. Back To You
08. My Worried Mind
09. Going Home
10. Evil (Is Going On)
11. Somebody’s Gotta Go

Brandon Santini
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American Showplace Music

Joanne Shaw Taylor, 03.03.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Vor gut zwei Jahren hatten wir Joanne Shaw Taylor bereits schon mal in unserem gern besuchten Musiktheater zu Dortmund beleuchtet. Damals wie auch jetzt fand das Konzert an einem Sonntag Abend statt. Auffällig war diesmal besonders, dass sich die Besucherzahl gefühlt nahezu verdoppelt hatte, was sicherlich auch ihrer guten Leistung 2017 geschuldet war.

Somit war das Piano nahezu voll, als die Protagonistin um 20:05 Uhr mit ihrem auf zwei Positionen veränderten Line-up, im Rahmen ihrer „Reckless Heart“-Tour,  die Bretter der immer wieder sehens- und aufsuchenswerten Lütgendortmunder Location betrat.

Der gestrige Gig hatte aus meiner Sicht einige Licht- und Schattenseiten. Als positiv zu vermerken gilt, dass sie gut die Hälfte der Stücke der Setliste, ihrem neuen Album „Recklesss Heart“ widmete, das ab dem 15.03.2019 käuflich zu erwerben ist.

Dass sie eine vortreffliche Gitarristin ist und eine tolle Stimme hat, mit der sie wuchern kann, darüber gibt es wohl keine Diskussionen. Unzählige quirlige Soli und auch ihr Zusammen- wie auch Wechselspiel mit Bob Fridzema an den Keys gehörten zu Schlüsselmomenten ihrer Performance, an deren Ende insgesamt 13 Stücke plus zwei Zugaben auf der Habenseite standen.

Als meine persönlichen Highlights habe ich den, mit Fridzemas HT-Klimpereien verzierten Opener „In The Mood“, das mit furiosen Lang-Soli von beiden versehene „Let It Burn“, das dezent Southern-angehauchte „“The Best Thing“, den Slowblues „Time Has Come“,  das Beth Hart umwehte „Reckless Heart“ und den leicht swampig treibenden Track „Going Home“ vermerkt.

Das Finale des Haupteils, „Bad Love“, zur der sie ein güldenes Gibson SG-Gitarren-Modell schulterte, wurde nochmals im Uptempo-Modus bewältigt. Die beiden Zugaben „Mud Honey“ und das Instrumental „White Sugar“ wurden recht emotionslos runtergeniedelt.

Über die wesentlich härtere Gangart als vor zwei Jahren (Gernot gefiel es besser, mir blieb ein wenig die Melodiösität auf der Strecke), kann man noch streiten. Über das wenig empathische Verhalten der Protagonistin (meist in sich gekehrt, überwiegend, selbst beim Lächeln, auf sich und ihren Gitarrenklang fixiert, kaum Ansagen, Fernbleiben am Merchandising-Stand) gegenüber dem ihr eigentlich wohlgesonnenen Publikum, als auch ihrer Rhythmusfraktion (Drummer Perry wieder hinter eine Plexiglaswand verbannt), die meist nur schmückendes Beiwerk darzustellen schien, sowie ihre, sich nicht gerade durch Freundlichkeit auszeichnende Tourmanagerin, wohl eher nicht.

Joanne Shaw Taylor sollte sich darüber im Klaren sein, dass ihr zweifelsohne durch gute Leistung aufgebautes Kartenhaus, dennoch immer fragil ist und gerade bei der übergroßen Konkurrenz im Blues Rock-Genre, schneller als gedacht, wieder einstürzen kann. Bei den ‚weichen‘ Faktoren sollten sie und ihr Team zukünftig noch an sich arbeiten.

Line-up:
Joanne Shaw Taylor (lead vocals, electric guitar)
Tom Sansbury (bass, vocals)
Oliver Perry (drums, vocals)
Bob Fridzema (keys, vocals)

Bilder: Gernot Mangold
Bericht: Daniel Daus

Joanne Shaw Taylor
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Rozedale – 23.02.2019, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Rozedale am Vortag in Köln im Deutschlandfunk einige Songs für den Radiosender live eingespielt hatten, ging es an einem frühlingshaften Samstagabend nach Dortmund, um sich im hiesigen Blue Notez Club, den meist bluesbegeisterten Fans zu präsentieren.

Im Gepäck hatten sie neben dem im Herbst 2018 erschienen Albums „Wide Awake“ auch ihren Erstling „Long Way To Go“, der 2017 erschienen war. Kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band um die jungen Fronter Amandyn Roses, als stimmgewaltige Sängerin, aber auch Entertainerin und Charlie Fabert, einen wahren Hexer an der Gitarre, die Bühne des recht gut besuchten Clubs. Wenn man bedenkt, dass die Band, abgesehen von einem Festival in Weert, hier erstmals als Newcomer in der Region auftrat, ist das schon erfreulich.

Schon beim Betreten der Bühne genossen sie sichtlich den Applaus der Besucher zur Begrüßung. Dieser sollte sich dann in den zwei, je etwa einstündigen Sets des Abends, in enthusiastische Ausmaße steigern. Die fünf Musiker präsentierten den Fans dabei eine bunte Mischung ihrer beiden Platten, gespickt mit einigen stark interpretierten Coversongs.

Mit „Racing At The Wheel“, „Smoking Gun“ und „ Fireplace“ widmeten Sie den Beginn der Show dem neuen Album und es gelang fast von Beginn an, das Publikum zu begeistern und zum Mitklatschen und Mitsingen von Textpassagen zu animieren.

Sie spielten die Bluessongs in einem zum Teil rockigen als auch souligen Gewand, wobei Fabert seine Gitarre phasenweise zweistimmig bespielte und mit tollen Soli in verschiedenen Tempi begeisterte. Ihm war dabei zu jedem Zeitpunkt anzumerken, mit welcher Freude er sich fast in Extase spielte. Auch Roses spielte zu Teil divenartig mit dem Publikum, wobei das nicht negativ gemeint ist.

Sie stellte einen tollen Kontakt zu den Fans her, und man merkte ihr und der Band an, wie sie die Stimmung im Blue Notez sprichwörtlich in sich aufsaugten.

Mit „Nutbusch City Limits“ von Ike und Tina Turner legten sie das erste Cover in einer ganz eigenen bluesigen Interpretation nach; gewagt aber gelungen, was auch am Applaus der Audienz erkennbar war. Weiter ging es mit einem Griff in den Erstling „Long Way To Go“ und die Band zauberte „Soul Posession“ und „Bad News“ auf die Bretter des Blue Notez.

Nach dem ‚Neuling‘ “The Sun Won‘t Rise Today“ verließen alle, bis auf die beiden Fronter die anderen die Bühne und es wurde eine gefühlvolle Version des Gil Scott Heron Klassikers „I‘ll Take Care Of You“ vorgetragen. Im roten Licht der Bühne präsentierten die beiden den Song mit ganz ruhig integrierten Passagen, in denen man die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen hätte fallen hören können.

Hier auch ein Kompliment an das Publikum, welches ein feines Gespür hatte, wann der Zeitpunkt für lauten Applaus und wann der für eine fast ehrfürchtige Ruhe gegeben war. Nach diesem emotionalen Highlight schickte Charlie Fabert die Besucher in eine Pause, um sich an der Theke des Clubs noch einmal fürs zweite Set zu stärken.

Diese Pause nutzte der Lichttechniker des Clubs, um schnell zwei defekte Fronscheinwerfer auszutauschen, sodass die eh schon recht gut ausgeleuchtete Bühne in einem noch besseren Licht stand. Hier schon einmal ein Kompliment an den wirklich guten und differenzierten Sound und die schönen Lichteffekte, zu denen auch die metallenen Traumfänger der Band sorgten, die das Hintergrundbild, für ein traumhaftes Konzert darstellten.

Mit dem Titelsong von „Long Way To Go“ ging es dann in die zweite Hälfte des Gigs. Nach dem rockenden „Drifting“ folgte der Eddie King-Klassiker “Hideaway“ mit einer langen instrumentalen Phase, in der alle ihr Können als Solisten beweisen konnten. Überhaupt muss gesagt werden, dass die drei Musiker die leicht im Hintergrund standen, einen erheblichen Anteil am Gelingen des Konzerts hatten. Séraphin Palmeri glänzte an den Keyboards. Mal erzeugte er Klangteppiche mal legte er furiose Soli ein.

Denis Palatin an den Drums bewies, dass er ein Könner seines Faches ist und neben Speed auch die gefühlvollen Einlagen beherrscht. Im zweiten Part konnte er auch mit einem furiosen Solo glänzen.

Pili Tempo beackerte seinen Bass stoisch, meist im Hintergrund stehend, absolut souverän und hatte seinen großen Auftritt im Intro von “When Evil Sets Its Sights On You“, das er über etwa eine Minute stark einleitete und Besucher hinter mir zu Aussagen, wie “das ist ganz groß“ hinriss.

Stark und Gefühlvoll war auch die Tracy Chapman-Nummer „Sorry“, die Roses und Fabert zu zweit vortrugen. Eine ‚Extended Version‘ von „The Kind Of Man“ beendete zunächst den Hauptteil. Toller Gesang, klasse Soloeinlagen aller Musiker und ein Gitarrensolo von Fabert, welches sich über Minuten hinzog versetzten das Publikum in fast ungläubiges Staunen.

Als Zugabe legten die Fünf noch „Go Your Mojo Working“ von Muddy Waters nach. Nach Endes des Konzertes dauerte es aber noch einige Zeit, bis das Blue Notez sich leerte. Gefühlt jeder zweite der Besucher begab sich an den Merchandising-Stand, an dem Managerin Florence Miller alle Hände voll zu tun hatte, um die Besucher mit CDs zu versorgen, die dann auch direkt von den Künstlern signiert wurden. Dabei nahmen sie sich auch Zeit für einen kurzen Plausch und für das eine oder andere Fanfoto.

Abschließend noch ein Dank an alle Beteiligten für einen tollen Abend, an dem Rozedale eine starke Werbung in eigener Sache betrieb. Mit Sicherheit wird es nicht ihre letzte Präsenz in Dortmund gewesen sein und vermutlich wird jeder der Anwesenden beim nächsten Mal mindestens einen zusätzlichen Besucher ins Schlepptau nehmen.

Line Up:
Amandyn Roses : Lead vocals
Charlie Fabert : Guitars
Séraphin Palmeri : Keyboards
Denis Palatin : Drums
Pili Tempo : Bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Rozedale
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Blue Notez Dortmund

Reese Wynans and Friends – Sweet Release – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Reese Wynans braucht man eingefleischten Fans der Blues- und Southern-Rock-Szene eigentlich nicht mehr vorzustellen! In den letzten Jahren vor allem als „rechte Hand“ von Joe Bonamassa bekannt, ist eine Albumveröffentlichung von Reese unter eigenem Namen längst überfällig gewesen. Der Keyboarder wird als Studio- und Begleitmusiker bereits seit fast 50 Jahren hoch geschätzt. Er agierte nie ganz vorne im Rampenlicht, konnte aber seine Qualitäten und Erfahrungen als Musiker jahrzehntelang vielfältig einbringen, sodass er 2015 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame berufen wurde.

Um seine Bedeutung für den Blues hervorzuheben, hier ein kurzer Abriss seiner musikalischen Biografie: Schon Ende der 1960er spielte der heute 71-jährige US-Amerikaner in einer Vorgängergruppe der Allman-Brothers-Band mit Dickey Betts und Berry Oakley. Die prägendste und produktivste Phase seiner Musikkarriere bestand in der 5-jährigen Zusammenarbeit mit Gitarren-Phänomen Stevie Ray Vaughan. In den letzten 20 Jahren hat er seinen Weg konsequent weiterverfolgt und an den schwarz-weißen Tasten viele Blues- und Southern-Größen (z.B. John Mayall, Buddy Guy, Joe Ely) unterstützt. Einige von ihnen haben sich für Reese auf diesem Longplayer die Ehre gegeben.

Das Album ist vor allem eine Retrospektive seiner Karriere geworden mit vielen Erinnerungsstücken, so zum Beispiel das erste Cover „Crossfire“, das neben „Say What!“, „Riviera Paradise“ und „Hard To Be“ zum Quartett der Stevie Ray Vaughan-Songs gehört. Auf diesen Stücken haut Reese so energiegeladen in die Tasten, wie zu seiner Double Trouble Zeit. Soul-Legende Sam Moore beweist auf „Crossfire“, dass seine Stimme noch die gleiche charmante Ausstrahlung wie früher verbreitet.

Wer glaubt, es reicht, Joe Bonamassa als Produzenten an seiner Seite zu haben, der auch noch auf fünf Titeln seine Gitarre „sprechen“ lässt („Sweet Release“, „Hard To Be“, „Riviera Paradise“, „Take The Time“ und „So Much Trouble“), hat die Rechnung ohne Kenny Wayne Shepherd gemacht. Die Gitarren-Ikone begleitet Reese Wynans u.a. fulminant auf der Arc Angels-Nummer „Shape I’m In“. Für das Titelstück (im Original von Boz Scaggs) hat sich Wynans einen ganzen Chor zusammengestellt und gleich acht verschiedene Lead Vocals untergebracht, die prominent von Warren Haynes angeführt werden und eine entspannte Southern-Rock-Ballade erschaffen.

Den Abschluss des Longplayers – der die Bezeichnung wirklich verdient hat, mit seinen 13 Titeln und insgesamt 70 Minuten Spielzeit – bildet das Beatles-Cover „Blackbird“, auf dem Reese Wynans die ganze „Stage“ für sich hat und ein meisterhaftes, instrumentales Grand-Piano-Lehrstück improvisiert.

Bedenken, „Sweet Release“ könnte ein ‚Alterswerk‘ sein, werden sich von Beginn an schnell in Luft auflösen. Die LP ist eine große Blues-Jam-Party und verbreitet die befreiende Atmosphäre, den Spaß und die Frische eines junggebliebenen Blues-Rock-Altmeisters.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Crossfire
02. Say What!
03. That Driving Beat
04. Your Killing My Love
05. Sweet Release
06. Shape I’m In
07. Hard To Be
08. Riviera Paradise
09. Take The Time
10. So Much Trouble
11. I’ve Got A Right To Be Blue
12. Soul Island
13. Blackbird

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Ryan McGarvey – Heavy Hearted – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Heavy Hearted“ legt der 33-jährige Ausnahmegitarrist Ryan McGarvey nach dem 2014 erschienenen „The Road Chosen“ nun sein viertes Studiualbum nach. In der zwischenzeit wurde ein feines Live-Werk eingeschoben, was das Warten auf neuen Stoff ein wenig verkürzte.

Nun gelingt McGarvey mit „Heavy Hearted“ ein würdiger Nachfolger. Im Line-up vertraut der aus Albuquerque, New Mexico, stammende Musiker den Instrumentalisten, die ihn vornehmlich in den letzten zwei Jahren begleiteten.

Miles Logan Nix schwingt, wie schon auf allen Vorgängern, die Drumsticks und am Bass glänzt mit Carmine Rojas, ein echter Schwerkaräter, der schon für Musiker wie David Bowie, Tina Turner, Rod Stewart oder im Bereich des Blues, Joe Bonamassa, tätig war. Verstärkt wir das bewährte Trio im Studio von Brant Leeper am Piano.

Nach dem knapp einminütige Intro „Prelude“, einem leicht esoterisch klingenden ruhigen Instrumental, wird man dann vom folgenden „Feelin‘ Like I Do“ jäh aus dem Lehnstuhl gerissen. Wie aus dem Nichts weckt die treibende Gitarre, zu Beginn hinterlegt mit Keyboardklängen, den Zuhörer.

Nix und Rojas sorgen mit zum Teil stampfenden Spiel dafür, dass eine harte Bluesnummer im Stile eines Stevie Ray Vaughan, direkt die Meßlatte für das gesamte Album hochlegt. Im Vergleich zu den älteren Platten macht McGarvey auch gesanglich einen sehr gereiften Eindruck, über die Qualität seines Gitarrenspiels brauchen im Prinzip keine Worte verloren werden, Extraklasse, was er immer wieder, auch in den Folgestücken, in starken und variablen Soli, von rasant bis ruhig getragen, beweist.

Auch das Mitwirken des Tastenspielers Brant Leeper entpuppt sich als sehr positiv, da den Songs so noch eine größere Fülle gegeben wird. Mit „Bright Side Of The Dirt“ geht es im Sinne des harten Blues weiter, während Ryan bei „I Shoulda Known Better“ auch den Old Stile Blues perfekt beherrscht.

Bei „Break My Heart“ besinnt sich der junge Amerikaner wieder auf seine härtere Gangart, welche ihn auch von vielen Bluesmusikern sehr positiv abgrenzt. Mit „Houston“ baut McGarvey ein Instrumental ein, in dem er, rhythmisch unterstützt von seiner Band, praktisch ein vier-minütiges, facettenreiches bluesiges Solo hinlegt.

Im countryumwehten „Six Feet In The Ground“ gelingt es McGarvey, Blues und Country zu verknüpfen. „Ain’t Enough Whiskey“, eine fast schon sentimental klingende Bluesnummer mit dezent sphärischem Gitarrenspiel, welches ein wenig in Richtung Gary Moore geht, beeindruckt durch gefühlvolles Songwriting. Dieser fast schon episch daherkommende Track fühlt sich ein wenig an wie die Hymne der Platte.

Bei „Walk In The Rain“ ist es mit der Ruhe vorbei. Eine satte Bluesnummer mit zum Teil Soli in Hard Rock-Manier. Auch das folgende „Surrender“ ist trotz eher ruhigen Gesangs ein rockender Song, der mit einer unglaublichen Sounddichte imponiert.

„Who Would’ve Thought“, eine schöne Ballade, wird natürlich, sonst wäre es nicht McGarvey-like, mit einem ausladenden, zum Teil heftigen Solo beendet. Was aber besonders beeindruckt, ist der Einstieg in den Song, wo der Protagonist die ersten Riffs einer der schönsten Balladen, die ich kenne, das legendäre „Love Hurts“ von Nazareth, in einer anderen Tonlage nutzt, um einen Spannungsbogen für den Track zu erreichen.

Das instrumentale „Conclusion“ schließt im Stile des Intros, eine ganz starke Paltte ab, in der Ryan seine ganze Spielkunst auffährt und von absoluten Ausnahmemusikern unterstützt wird.

Was soll als Fazit gesagt werden? Absolute Kaufempfehlung der Platte und der Besuch eines der vermutlich im Frühjahr anstehenden Konzerte. Wenn man diese Platte, aber auch die alten Scheiben hört, ist es nicht erstaunlich, dass McGarvey an der ‚Keeping The Blues Alive At Sea‘- Tour teilnimmt und er das Boot mit Musikern wie Joe Bonamassa, Peter Frampton, Joanne Shaw Taylor, aber auch aufstrebenden Künstlern wie King King oder Robert Jon & The Wreck teilt.

McGarveys Auftritt wird mit Sicherheit eines der Highlights dort sein und ich kann mir gut vorstellen, wie bei einem seiner Klassiker, dem phantastischen „Mystic Dream“, die Sonne Ende August im Mittelmeer versinkt. „Heavy Hearted“ entpuppt sich als weiterer Meilenstein in der Blueskarriere Ryan McGarveys.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

01. Prelude
02. Feelin‘ Like I Do
03. Right Side Of The Dirt
04. I Shoulda Known Better
05. Break My Heart
06. Houston
07. Six Feet In The Ground
08. Ain’t Enough Whiskey
09. A Walk in the Rain
10. Surrender
11. Who Would’ve Thought
12. Conclusion

Ryan McGarvey
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Double K Booking

Andy Frasco And The U.N. – Change of Pace – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der amerikanische Keyboarder und Sänger Andy Frasco war ein Party-Typ, wie ihn die Geschichte der Rock-Musik immer wieder hervorbringt. Getreu dem alten Ian Dury Song „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ waren durchzechte Nächte und Drogen Exzesse keine Seltenheit. Sein Lebensstil brachte ihn jedoch nach einem längeren Drogentrip zu der Erkenntnis, dass Kreativität und musikalische Fantasie nicht grenzenlos zur Verfügung stehen.

Das neue Album von Andy Frasco & The U.N., „Change of Pace“, ist daher zunächst einmal aus einem Sinneswandel heraus entstanden – ein Tempowechsel in Form eines Longplayers. Für den Bandleader ist das Werk vor allem eine Verarbeitung seiner „Party-First-Phase“, aber auch ein Schritt in eine andere Lebenssituation.

Produzent Dave Schools, Gründungsmitglied und Bassist der Southern-Rock Band „Widespread Panic“, verhalf Andy maßgeblich durch seine ‚Weckrufe‘ zu diesem Kurswechsel. Seine insgesamt vierte LP ist durch eine Art Studio-Tournee entstanden. In einem abgelegenen Bergstudio in Sonoma County begann dann die Produktionsreise an der Seite von Schools und jeder Song spiegelt die Umgebung der Aufnahme-Orte wieder – sei es das New Orleans ‚Bourbon Street Feeling‘, die Indie Atmosphäre von Los Angeles oder die besondere ‚Energie‘ von New York.

Das Titelstück „Change of Pace“ reitet auf einer gewaltigen Keyboard-Wave und gefühlvollen Gospelgesängen dahin. „Don’t Let it Fool Ya“ beginnt zögerlich und geht dann in einen treibenden RnB-Refrain über. Auf „Love, Come Down“ werden moderne Pop- und Soul-Ansätze miteinander verbunden, die auch von einem Bruno Mars-Album stammen könnten. Ein bluesig, ausufernder Bläser-Rhythmus prägt das dynamische Funk-Stück „Up/Down“. Die wunderschöne Soul/Gospel-Perle „Let Your Mind Be Free“ ist der ausdrucksstärkste und intimste Song, auf dem Andy größtenteils solo performt und im Refrain von harmonisch anmutenden Background-Gospel begleitet wird.

Andy Frascos Band „The U.N.“ besteht aus wenigen Mitgliedern und einer Vielzahl von weiteren Musikern, die als Studiogäste ihr Können in das neue Werk einbringen. So auch in die Vorab-Single „Waiting Game“, die auch gehobene Ansprüche eines puren Soul-Rock erfüllt. Auf „Find a Way“ geht es mit dichten Bläsersätzen wieder deutlich funkiger zur Sache. Das letzte Stück „Don’t Let the Haters Get You Down“ erinnert an das Pogues-Feier Lied „Fiesta“ und Andy Frasco beendet das Album somit stilecht nach seinem früheren Motto: „What Happened Last Night?“

Der Blues-Rock der Vorgänger-Alben kommt nicht so stark zur Geltung. Die Pfade führen Andy Frasco & The U.N. eher zu hippen Soul-Rock und R&B-Sounds. Auf dem Blues und Jazz Festival in Bamberg 2016 wurde sein feuriges Live-Album „Songs From The Road“ aufgenommen und auch das Konzert bei Rock am Ring öffnete ihm nicht nur hierzulande die Pforte zu einer treuen Fan-Gemeinde. Mit „Change of Pace“ reiht sich Andy Frasco spätestens jetzt in die Garde erfolgreicher „Tasten-Bandleader“ ein.

Rough Trade (2019)
Stil: Soul, Blues-Rock, R&B

01. Change of Pace
02. Don’t Let it Fool Ya
03. Love, Come Down
04. Up/Down
05. Let Your Mind Be Free
06. Waiting Game
07. Somedays
08. Find A Way
09. Can’t Force Love
10. The Walk
11. Don’t Let the Haters Get You Down

Andy Frasco And The U.N.
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