Rozedale – 23.02.2019, Blue Notez, Dortmund – Konzertbericht

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Nachdem Rozedale am Vortag in Köln im Deutschlandfunk einige Songs für den Radiosender live eingespielt hatten, ging es an einem frühlingshaften Samstagabend nach Dortmund, um sich im hiesigen Blue Notez Club, den meist bluesbegeisterten Fans zu präsentieren.

Im Gepäck hatten sie neben dem im Herbst 2018 erschienen Albums „Wide Awake“ auch ihren Erstling „Long Way To Go“, der 2017 erschienen war. Kurz nach 20:00 Uhr betrat die Band um die jungen Fronter Amandyn Roses, als stimmgewaltige Sängerin, aber auch Entertainerin und Charlie Fabert, einen wahren Hexer an der Gitarre, die Bühne des recht gut besuchten Clubs. Wenn man bedenkt, dass die Band, abgesehen von einem Festival in Weert, hier erstmals als Newcomer in der Region auftrat, ist das schon erfreulich.

Schon beim Betreten der Bühne genossen sie sichtlich den Applaus der Besucher zur Begrüßung. Dieser sollte sich dann in den zwei, je etwa einstündigen Sets des Abends, in enthusiastische Ausmaße steigern. Die fünf Musiker präsentierten den Fans dabei eine bunte Mischung ihrer beiden Platten, gespickt mit einigen stark interpretierten Coversongs.

Mit „Racing At The Wheel“, „Smoking Gun“ und „ Fireplace“ widmeten Sie den Beginn der Show dem neuen Album und es gelang fast von Beginn an, das Publikum zu begeistern und zum Mitklatschen und Mitsingen von Textpassagen zu animieren.

Sie spielten die Bluessongs in einem zum Teil rockigen als auch souligen Gewand, wobei Fabert seine Gitarre phasenweise zweistimmig bespielte und mit tollen Soli in verschiedenen Tempi begeisterte. Ihm war dabei zu jedem Zeitpunkt anzumerken, mit welcher Freude er sich fast in Extase spielte. Auch Roses spielte zu Teil divenartig mit dem Publikum, wobei das nicht negativ gemeint ist.

Sie stellte einen tollen Kontakt zu den Fans her, und man merkte ihr und der Band an, wie sie die Stimmung im Blue Notez sprichwörtlich in sich aufsaugten.

Mit „Nutbusch City Limits“ von Ike und Tina Turner legten sie das erste Cover in einer ganz eigenen bluesigen Interpretation nach; gewagt aber gelungen, was auch am Applaus der Audienz erkennbar war. Weiter ging es mit einem Griff in den Erstling „Long Way To Go“ und die Band zauberte „Soul Posession“ und „Bad News“ auf die Bretter des Blue Notez.

Nach dem ‚Neuling‘ “The Sun Won‘t Rise Today“ verließen alle, bis auf die beiden Fronter die anderen die Bühne und es wurde eine gefühlvolle Version des Gil Scott Heron Klassikers „I‘ll Take Care Of You“ vorgetragen. Im roten Licht der Bühne präsentierten die beiden den Song mit ganz ruhig integrierten Passagen, in denen man die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen hätte fallen hören können.

Hier auch ein Kompliment an das Publikum, welches ein feines Gespür hatte, wann der Zeitpunkt für lauten Applaus und wann der für eine fast ehrfürchtige Ruhe gegeben war. Nach diesem emotionalen Highlight schickte Charlie Fabert die Besucher in eine Pause, um sich an der Theke des Clubs noch einmal fürs zweite Set zu stärken.

Diese Pause nutzte der Lichttechniker des Clubs, um schnell zwei defekte Fronscheinwerfer auszutauschen, sodass die eh schon recht gut ausgeleuchtete Bühne in einem noch besseren Licht stand. Hier schon einmal ein Kompliment an den wirklich guten und differenzierten Sound und die schönen Lichteffekte, zu denen auch die metallenen Traumfänger der Band sorgten, die das Hintergrundbild, für ein traumhaftes Konzert darstellten.

Mit dem Titelsong von „Long Way To Go“ ging es dann in die zweite Hälfte des Gigs. Nach dem rockenden „Drifting“ folgte der Eddie King-Klassiker “Hideaway“ mit einer langen instrumentalen Phase, in der alle ihr Können als Solisten beweisen konnten. Überhaupt muss gesagt werden, dass die drei Musiker die leicht im Hintergrund standen, einen erheblichen Anteil am Gelingen des Konzerts hatten. Séraphin Palmeri glänzte an den Keyboards. Mal erzeugte er Klangteppiche mal legte er furiose Soli ein.

Denis Palatin an den Drums bewies, dass er ein Könner seines Faches ist und neben Speed auch die gefühlvollen Einlagen beherrscht. Im zweiten Part konnte er auch mit einem furiosen Solo glänzen.

Pili Tempo beackerte seinen Bass stoisch, meist im Hintergrund stehend, absolut souverän und hatte seinen großen Auftritt im Intro von “When Evil Sets Its Sights On You“, das er über etwa eine Minute stark einleitete und Besucher hinter mir zu Aussagen, wie “das ist ganz groß“ hinriss.

Stark und Gefühlvoll war auch die Tracy Chapman-Nummer „Sorry“, die Roses und Fabert zu zweit vortrugen. Eine ‚Extended Version‘ von „The Kind Of Man“ beendete zunächst den Hauptteil. Toller Gesang, klasse Soloeinlagen aller Musiker und ein Gitarrensolo von Fabert, welches sich über Minuten hinzog versetzten das Publikum in fast ungläubiges Staunen.

Als Zugabe legten die Fünf noch „Go Your Mojo Working“ von Muddy Waters nach. Nach Endes des Konzertes dauerte es aber noch einige Zeit, bis das Blue Notez sich leerte. Gefühlt jeder zweite der Besucher begab sich an den Merchandising-Stand, an dem Managerin Florence Miller alle Hände voll zu tun hatte, um die Besucher mit CDs zu versorgen, die dann auch direkt von den Künstlern signiert wurden. Dabei nahmen sie sich auch Zeit für einen kurzen Plausch und für das eine oder andere Fanfoto.

Abschließend noch ein Dank an alle Beteiligten für einen tollen Abend, an dem Rozedale eine starke Werbung in eigener Sache betrieb. Mit Sicherheit wird es nicht ihre letzte Präsenz in Dortmund gewesen sein und vermutlich wird jeder der Anwesenden beim nächsten Mal mindestens einen zusätzlichen Besucher ins Schlepptau nehmen.

Line Up:
Amandyn Roses : Lead vocals
Charlie Fabert : Guitars
Séraphin Palmeri : Keyboards
Denis Palatin : Drums
Pili Tempo : Bass

Text und Bilder: Gernot Mangold

Rozedale
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Blue Notez Dortmund

Reese Wynans and Friends – Sweet Release – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Reese Wynans braucht man eingefleischten Fans der Blues- und Southern-Rock-Szene eigentlich nicht mehr vorzustellen! In den letzten Jahren vor allem als „rechte Hand“ von Joe Bonamassa bekannt, ist eine Albumveröffentlichung von Reese unter eigenem Namen längst überfällig gewesen. Der Keyboarder wird als Studio- und Begleitmusiker bereits seit fast 50 Jahren hoch geschätzt. Er agierte nie ganz vorne im Rampenlicht, konnte aber seine Qualitäten und Erfahrungen als Musiker jahrzehntelang vielfältig einbringen, sodass er 2015 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame berufen wurde.

Um seine Bedeutung für den Blues hervorzuheben, hier ein kurzer Abriss seiner musikalischen Biografie: Schon Ende der 1960er spielte der heute 71-jährige US-Amerikaner in einer Vorgängergruppe der Allman-Brothers-Band mit Dickey Betts und Berry Oakley. Die prägendste und produktivste Phase seiner Musikkarriere bestand in der 5-jährigen Zusammenarbeit mit Gitarren-Phänomen Stevie Ray Vaughan. In den letzten 20 Jahren hat er seinen Weg konsequent weiterverfolgt und an den schwarz-weißen Tasten viele Blues- und Southern-Größen (z.B. John Mayall, Buddy Guy, Joe Ely) unterstützt. Einige von ihnen haben sich für Reese auf diesem Longplayer die Ehre gegeben.

Das Album ist vor allem eine Retrospektive seiner Karriere geworden mit vielen Erinnerungsstücken, so zum Beispiel das erste Cover „Crossfire“, das neben „Say What!“, „Riviera Paradise“ und „Hard To Be“ zum Quartett der Stevie Ray Vaughan-Songs gehört. Auf diesen Stücken haut Reese so energiegeladen in die Tasten, wie zu seiner Double Trouble Zeit. Soul-Legende Sam Moore beweist auf „Crossfire“, dass seine Stimme noch die gleiche charmante Ausstrahlung wie früher verbreitet.

Wer glaubt, es reicht, Joe Bonamassa als Produzenten an seiner Seite zu haben, der auch noch auf fünf Titeln seine Gitarre „sprechen“ lässt („Sweet Release“, „Hard To Be“, „Riviera Paradise“, „Take The Time“ und „So Much Trouble“), hat die Rechnung ohne Kenny Wayne Shepherd gemacht. Die Gitarren-Ikone begleitet Reese Wynans u.a. fulminant auf der Arc Angels-Nummer „Shape I’m In“. Für das Titelstück (im Original von Boz Scaggs) hat sich Wynans einen ganzen Chor zusammengestellt und gleich acht verschiedene Lead Vocals untergebracht, die prominent von Warren Haynes angeführt werden und eine entspannte Southern-Rock-Ballade erschaffen.

Den Abschluss des Longplayers – der die Bezeichnung wirklich verdient hat, mit seinen 13 Titeln und insgesamt 70 Minuten Spielzeit – bildet das Beatles-Cover „Blackbird“, auf dem Reese Wynans die ganze „Stage“ für sich hat und ein meisterhaftes, instrumentales Grand-Piano-Lehrstück improvisiert.

Bedenken, „Sweet Release“ könnte ein ‚Alterswerk‘ sein, werden sich von Beginn an schnell in Luft auflösen. Die LP ist eine große Blues-Jam-Party und verbreitet die befreiende Atmosphäre, den Spaß und die Frische eines junggebliebenen Blues-Rock-Altmeisters.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

Tracklist:
01. Crossfire
02. Say What!
03. That Driving Beat
04. Your Killing My Love
05. Sweet Release
06. Shape I’m In
07. Hard To Be
08. Riviera Paradise
09. Take The Time
10. So Much Trouble
11. I’ve Got A Right To Be Blue
12. Soul Island
13. Blackbird

Reese Wynans
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Ryan McGarvey – Heavy Hearted – CD-Review

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Review: Gernot Mangold

Mit „Heavy Hearted“ legt der 33-jährige Ausnahmegitarrist Ryan McGarvey nach dem 2014 erschienenen „The Road Chosen“ nun sein viertes Studiualbum nach. In der zwischenzeit wurde ein feines Live-Werk eingeschoben, was das Warten auf neuen Stoff ein wenig verkürzte.

Nun gelingt McGarvey mit „Heavy Hearted“ ein würdiger Nachfolger. Im Line-up vertraut der aus Albuquerque, New Mexico, stammende Musiker den Instrumentalisten, die ihn vornehmlich in den letzten zwei Jahren begleiteten.

Miles Logan Nix schwingt, wie schon auf allen Vorgängern, die Drumsticks und am Bass glänzt mit Carmine Rojas, ein echter Schwerkaräter, der schon für Musiker wie David Bowie, Tina Turner, Rod Stewart oder im Bereich des Blues, Joe Bonamassa, tätig war. Verstärkt wir das bewährte Trio im Studio von Brant Leeper am Piano.

Nach dem knapp einminütige Intro „Prelude“, einem leicht esoterisch klingenden ruhigen Instrumental, wird man dann vom folgenden „Feelin‘ Like I Do“ jäh aus dem Lehnstuhl gerissen. Wie aus dem Nichts weckt die treibende Gitarre, zu Beginn hinterlegt mit Keyboardklängen, den Zuhörer.

Nix und Rojas sorgen mit zum Teil stampfenden Spiel dafür, dass eine harte Bluesnummer im Stile eines Stevie Ray Vaughan, direkt die Meßlatte für das gesamte Album hochlegt. Im Vergleich zu den älteren Platten macht McGarvey auch gesanglich einen sehr gereiften Eindruck, über die Qualität seines Gitarrenspiels brauchen im Prinzip keine Worte verloren werden, Extraklasse, was er immer wieder, auch in den Folgestücken, in starken und variablen Soli, von rasant bis ruhig getragen, beweist.

Auch das Mitwirken des Tastenspielers Brant Leeper entpuppt sich als sehr positiv, da den Songs so noch eine größere Fülle gegeben wird. Mit „Bright Side Of The Dirt“ geht es im Sinne des harten Blues weiter, während Ryan bei „I Shoulda Known Better“ auch den Old Stile Blues perfekt beherrscht.

Bei „Break My Heart“ besinnt sich der junge Amerikaner wieder auf seine härtere Gangart, welche ihn auch von vielen Bluesmusikern sehr positiv abgrenzt. Mit „Houston“ baut McGarvey ein Instrumental ein, in dem er, rhythmisch unterstützt von seiner Band, praktisch ein vier-minütiges, facettenreiches bluesiges Solo hinlegt.

Im countryumwehten „Six Feet In The Ground“ gelingt es McGarvey, Blues und Country zu verknüpfen. „Ain’t Enough Whiskey“, eine fast schon sentimental klingende Bluesnummer mit dezent sphärischem Gitarrenspiel, welches ein wenig in Richtung Gary Moore geht, beeindruckt durch gefühlvolles Songwriting. Dieser fast schon episch daherkommende Track fühlt sich ein wenig an wie die Hymne der Platte.

Bei „Walk In The Rain“ ist es mit der Ruhe vorbei. Eine satte Bluesnummer mit zum Teil Soli in Hard Rock-Manier. Auch das folgende „Surrender“ ist trotz eher ruhigen Gesangs ein rockender Song, der mit einer unglaublichen Sounddichte imponiert.

„Who Would’ve Thought“, eine schöne Ballade, wird natürlich, sonst wäre es nicht McGarvey-like, mit einem ausladenden, zum Teil heftigen Solo beendet. Was aber besonders beeindruckt, ist der Einstieg in den Song, wo der Protagonist die ersten Riffs einer der schönsten Balladen, die ich kenne, das legendäre „Love Hurts“ von Nazareth, in einer anderen Tonlage nutzt, um einen Spannungsbogen für den Track zu erreichen.

Das instrumentale „Conclusion“ schließt im Stile des Intros, eine ganz starke Paltte ab, in der Ryan seine ganze Spielkunst auffährt und von absoluten Ausnahmemusikern unterstützt wird.

Was soll als Fazit gesagt werden? Absolute Kaufempfehlung der Platte und der Besuch eines der vermutlich im Frühjahr anstehenden Konzerte. Wenn man diese Platte, aber auch die alten Scheiben hört, ist es nicht erstaunlich, dass McGarvey an der ‚Keeping The Blues Alive At Sea‘- Tour teilnimmt und er das Boot mit Musikern wie Joe Bonamassa, Peter Frampton, Joanne Shaw Taylor, aber auch aufstrebenden Künstlern wie King King oder Robert Jon & The Wreck teilt.

McGarveys Auftritt wird mit Sicherheit eines der Highlights dort sein und ich kann mir gut vorstellen, wie bei einem seiner Klassiker, dem phantastischen „Mystic Dream“, die Sonne Ende August im Mittelmeer versinkt. „Heavy Hearted“ entpuppt sich als weiterer Meilenstein in der Blueskarriere Ryan McGarveys.

Eigenproduktion (2018)
Stil: Blues Rock

01. Prelude
02. Feelin‘ Like I Do
03. Right Side Of The Dirt
04. I Shoulda Known Better
05. Break My Heart
06. Houston
07. Six Feet In The Ground
08. Ain’t Enough Whiskey
09. A Walk in the Rain
10. Surrender
11. Who Would’ve Thought
12. Conclusion

Ryan McGarvey
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Double K Booking

Andy Frasco And The U.N. – Change of Pace – CD-Review

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Review: Stephan Skolarski

Der amerikanische Keyboarder und Sänger Andy Frasco war ein Party-Typ, wie ihn die Geschichte der Rock-Musik immer wieder hervorbringt. Getreu dem alten Ian Dury Song „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“ waren durchzechte Nächte und Drogen Exzesse keine Seltenheit. Sein Lebensstil brachte ihn jedoch nach einem längeren Drogentrip zu der Erkenntnis, dass Kreativität und musikalische Fantasie nicht grenzenlos zur Verfügung stehen.

Das neue Album von Andy Frasco & The U.N., „Change of Pace“, ist daher zunächst einmal aus einem Sinneswandel heraus entstanden – ein Tempowechsel in Form eines Longplayers. Für den Bandleader ist das Werk vor allem eine Verarbeitung seiner „Party-First-Phase“, aber auch ein Schritt in eine andere Lebenssituation.

Produzent Dave Schools, Gründungsmitglied und Bassist der Southern-Rock Band „Widespread Panic“, verhalf Andy maßgeblich durch seine ‚Weckrufe‘ zu diesem Kurswechsel. Seine insgesamt vierte LP ist durch eine Art Studio-Tournee entstanden. In einem abgelegenen Bergstudio in Sonoma County begann dann die Produktionsreise an der Seite von Schools und jeder Song spiegelt die Umgebung der Aufnahme-Orte wieder – sei es das New Orleans ‚Bourbon Street Feeling‘, die Indie Atmosphäre von Los Angeles oder die besondere ‚Energie‘ von New York.

Das Titelstück „Change of Pace“ reitet auf einer gewaltigen Keyboard-Wave und gefühlvollen Gospelgesängen dahin. „Don’t Let it Fool Ya“ beginnt zögerlich und geht dann in einen treibenden RnB-Refrain über. Auf „Love, Come Down“ werden moderne Pop- und Soul-Ansätze miteinander verbunden, die auch von einem Bruno Mars-Album stammen könnten. Ein bluesig, ausufernder Bläser-Rhythmus prägt das dynamische Funk-Stück „Up/Down“. Die wunderschöne Soul/Gospel-Perle „Let Your Mind Be Free“ ist der ausdrucksstärkste und intimste Song, auf dem Andy größtenteils solo performt und im Refrain von harmonisch anmutenden Background-Gospel begleitet wird.

Andy Frascos Band „The U.N.“ besteht aus wenigen Mitgliedern und einer Vielzahl von weiteren Musikern, die als Studiogäste ihr Können in das neue Werk einbringen. So auch in die Vorab-Single „Waiting Game“, die auch gehobene Ansprüche eines puren Soul-Rock erfüllt. Auf „Find a Way“ geht es mit dichten Bläsersätzen wieder deutlich funkiger zur Sache. Das letzte Stück „Don’t Let the Haters Get You Down“ erinnert an das Pogues-Feier Lied „Fiesta“ und Andy Frasco beendet das Album somit stilecht nach seinem früheren Motto: „What Happened Last Night?“

Der Blues-Rock der Vorgänger-Alben kommt nicht so stark zur Geltung. Die Pfade führen Andy Frasco & The U.N. eher zu hippen Soul-Rock und R&B-Sounds. Auf dem Blues und Jazz Festival in Bamberg 2016 wurde sein feuriges Live-Album „Songs From The Road“ aufgenommen und auch das Konzert bei Rock am Ring öffnete ihm nicht nur hierzulande die Pforte zu einer treuen Fan-Gemeinde. Mit „Change of Pace“ reiht sich Andy Frasco spätestens jetzt in die Garde erfolgreicher „Tasten-Bandleader“ ein.

Rough Trade (2019)
Stil: Soul, Blues-Rock, R&B

01. Change of Pace
02. Don’t Let it Fool Ya
03. Love, Come Down
04. Up/Down
05. Let Your Mind Be Free
06. Waiting Game
07. Somedays
08. Find A Way
09. Can’t Force Love
10. The Walk
11. Don’t Let the Haters Get You Down

Andy Frasco And The U.N.
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Oktober Promotion

Tommy Castro & The Painkillers – 17.02.2018, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Tommy Castro & The Painkillers standen bei mir dieses Jahr ganz oben auf meiner To-Do-Liste, zum einen, weil die Band zu meiner eigenen Schande in Sachen Live-Auftritte bisher absolut an mir vorüber gegangen ist und nicht zuletzt wegen ihres mir einzig bekannten Albums „Stompin‘ Ground“, das mir außerordentlich gut gefiel.

Pünktlich, auftragsgetreu und zielgerichtet wie echte Killer, legten Leader Tommy Castro, Langzeitweggefährte Randy McDonald, mit seinem mintgrünen Bass, Tastenvirtuose Mike Emerson und Schlagzeuger Bowen Brown um 20:00 Uhr mit dem funkigen Instrumental „Shakalak“ den Grundstein für einen vor Spielfreude strotzenden Gig.

Gebracht wurde ein Querschnitt aus Castros seit 1994 währender Karriere, durchzogen mit ein paar Covernummern von schillernden Musikern wie Taj Mahal, Buddy Miles, John Lee Hooker und Elvin Bishop. Protegiert wurde dazu ihr aktuelles Werk „Killin‘ It Live“, eine, wie der Titel es schon andeutet, ebenfalls in dieser Form gestaltete Live-Scheibe, aus der dann gleich sieben Stücke performt wurden.

Castro konzentrierte sich insgesamt mehr auf den klassischen Blues Rock alter Schule, die zum Teil recht radiofreundlichen Tracks von „Stompin‘ Ground“ blieben außen vor, was man an den hier gebrachten Tracks wie „Blues All Around Me“, „Enough Is Enough“ und Them Changes“ dieses Werks erkennen kann.

Was herausstach war die freundliche und sympathische Bühnenpräsenz der Kalifornier, die zudem in eine begeisternde, wie schon oben angedeutete Spielfreude mündete. Tommys unzählige filigrane, quirlige und zum Teil regelrecht furiose E-Gitarren-Soli (z. B. bei John Lee Hookers „Serves Me Right To Suffer“) auf seiner eigens für ihn konzipierten Delaney-Castrocaster (nur einmal beim Trump-kritischen „Enough Is Enough“ wechselte er zur Gibson Les Paul, wo er dann kurz auch seine Slide-Künste andeutete) und Mike Emersons variables Tastenspiel mit viel Honkytonk-Geklimper, Orgelgeschwurbel und E-Piano-Geglucker, standen dabei meist im Rampenlicht.

Die unaufgeregt agierende Rhythmusfraktion mit Randy McDonald und Bowen Brown konnte sich mit zwei kurzen Soli an ihren Instrumenten und Harmoniegesängen profilieren. Nach dem Buddy Miles-Klassiker „Them Changes“ zum Ende des Hauptsets gab es dann fulminant abgehenden Southern Rock mit Elvin Bishops „Party ‘Til The Cows Come Home“ und den Rausschmeißer „Common Ground“ vom 2015er-Album „Method To Madness“ als Zugabendank für die tolle Stimmung im Publikum.

An diesem launigen Abend im Dortmunder Musiktheater Piano ist es Tommy Castro und seinen Painkillern bestens gelungen, den Schmerz, den das heutige Leben nun mal teilweise so mit sich bringt, musikalisch vergessen zu lassen – auf jeden Fall zumindest für gute 105 Minuten! Insgesamt ein toller, mitreißender Killer-Gig des Quartetts aus San Francisco!

Line-up:
Tommy Castro: Lead vocals, electric and slide guitar
Randy McDonald: Bass, vocals
Mike Emerson: Keyboards
Bowen Brown: Drums, vocals

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Tommy Castro & The Painkillers
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Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Blues Caravan – 10.02.2019, Musiktheater Piano, Dortmund – Konzertbericht

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Das war doch mal wieder ein attraktives Paket, im wahrsten Sinne des Wortes, was Thomas Ruf im Rahmen des Blues Caravans 2019 auf den Weg gebracht hat. Seit 2005 schickt er tolle Künstler seines Labels im Trio auf die Reise und hat damit so manche formidable Karriere initiiert.

Im letzten Jahr hatte er um die Newcomerin Vanja Sky, mit Bernard Allison und Mike Zito, zwei hart gesottene Blues-Recken geschert, diesmal gab es mit der Finnin Ina Forsman, die 2016 schon mal partizipierte, der Texanierin Ally Venable und der Serbin Katerina Pejak, wieder eine geballte Jung-Frauen-Power.

Alle drei Musikerinnen hatten neue Alben am Start, wobei Mike Zito bei Venable und Pejak als Produzent involviert war. An diesem gut besuchten Sonntag-Abend im wie immer schönen Musiktheater Piano in Lütgendortmund, starteten die drei Protagonistinnen, verstärkt durch Bass-Tausendsassa Roger Inniss, der auch durch den Abend moderierte, und Elijah Owing an den Drums, mit dem direkt knackig rockenden Gemeinschaftssong „They Say I’m Different“, bei dem alle schon ihre Gesangskünste einbrachten.

Ina Forsman mit einem knallroten Rüschenkleid in Center-Position, die sehr elegant in schwarz gekleidete Katarina Pejak am Keyboard (hätte optisch auch blendend in ein Klassik-Ensemble gepasst) und Ally Venable mit schwarzem, äußerst knappen Pailletten-Mini Fummel-Einteiler und kniehohen Stiefeln waren auch optisch ein Hingucker für die zahlreich versammelte Fotografenschaft und das anwesende Restpublikum.

Ina verließ danach die Bühne und Katarina Pejak hatte als erste die Gelegenheit, ihr neues Debütwerk „Roads That Cross“ zu protegieren. Ally unterstützte an der E-Gitarre. Sie wählte als Einstieg, das in Barroom-Manier swingende „She’s Coming After You“, gefolgt vom herrlich Country-umwehten Titelstück, einer Gänsehaut-Ballade, die mit eines meiner Highlights des Gesamtgigs darstellte.

Der „Turtle Blues“ als Hommage an Janis Joplin (schönes HT-Piano), eine weitere herrliche Ballade „Old Pain“ (mit kleiner amüsanter Anekdote aus Franklin, Tennessee, zur Einleitung) und das rauchig atmosphärische Joni Mitchell-Cover „Sex Kills“ (auch auf der neuen CD vertreten) mit Kneipenpiano-Einlage bewiesen, dass der Serbin, von der Mike Zito sagt, dass sie mit ihrer Musik einen sowohl zum Nachdenken als auch zum Weinen bringen kann, für die Zukunft einiges zuzutrauen ist. Eine klasse Performance von Katarina Pejak!

Als das selbstbewusste langmähnige, erst 19-jahre junge ‚Texas Honey‘ Ally Venable, im Trio mit Inniss und Owings, mit dem gleichnamigen Titeltrack ihres im März erscheinenden Silberlings „Texas Honey“ übernahm, kam rockiger Schwung in die Bude.

Die ließ ihr Vorbild Stevie Ray Vaughan bei Stücken wie „Nowhere To Hide“, „Broken“ (Pejak assistierte am Piano), „Devil’s Son“, „Back Water Blues“ und nicht zuletzt beim überragend gespielten „Riviera Paradise“ in klassischer, wie auch in Slide-Spielart, rassig wieder aufleben. Auch sie insgesamt mit tadellosem Job in texanischer Blues-Manier.

Nach kurzer Pause hatte dann Ina Forsman ihren großen Auftritt. Sie stellte ihr neustes Werk „Been Meaning You To Fall“ ins Rampenlicht. Ihr energiegeladener und engagierter Gesang sowie ihre fesselnde Bühnenpräsenz war geradezu ansteckend. Sie schien ihren Frust durch den Verlust ihres Handys, auf dem sich alle Daten für neue Songs befanden regelrecht weg singen zu wollen. Immerhin gab es ja mit dem neuen Longplayer dann doch noch ein unvermutetes Happyend.

Ihre Vorstellung war überwiegend grooviger und souliger Natur, klasse gefiel mir das Southern Rock-angelehnte E-Gitarrensolo Venables am Ende von „Be My Home“. Emotionaler Höhepunkt sowie Abschluss ihres Sets war meiner Meinung nach die mit Katarina im Duo aufgeführte Pianoballade „Figure“, in der sie ihr wohl erlebtes Beziehungschaos aufarbeitete.

Danach ging es dann wieder mit versammelter Mannschaft bei launigen Tracks wie u. a. „Love Me Like a Man“ (Bonnie Raitt), „Company Store“ (mit klasse Acapella-Gesang) inklusiv der Staus Quo-trächtigen SRV-Zugabe „The House Is Rockin‘“ (inklusivt Mitsing-Interaktion) fulminant zur Sache, wobei sich die drei Mädels beim Leadgesang, immer wieder die Klinke in die Hand gaben.

Insgesamt war auch dieser Blues Caravan 2019 wieder eine unterhaltsame, ja sehr gelungene Sache. Mit Ina Forsman, Ally Venable und Katarina Pejak präsentierten sich drei sehr musikalisch versierte, wie auch hübsch anzusehende, unterschiedliche Charaktere, die den Blues in all seinen Facetten äußerst kurzweilig und modern auslegten, aber auch im Team zu überzeugen wussten. Wer eine oder mehrere der noch kommenden vielen Veranstaltungen im Rahmen des Blues Caravan 2019 besucht, macht alles richtig!

Line-up:
Ina Forsman (lead vocals, percussion, vocals)
Ally Venable (lead vocals, electric guitar, slide guitar, vocals)
Katarina Pejak (lead vocals, keys, vocals)
Roger Inniss (bass)
Elijah Owings (drums)

Bilder: Gernot Mangold
Text: Daniel Daus

Ina Forsman
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Katarina Pejak
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Ruf Records
Musiktheater Piano
3Dog Entertainment

Eric Gales – The Bookends – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Spätestens seit seinem letzten Album „Middle Of The Road“, welches 2017 erschienen ist und einen persönlichen Wendepunkt in Gales Laben markierte, gilt er zu Recht als einer der profiliertesten und spannendsten Bluesrock-Gitarristen der Gegenwart.

Sein neues Werk „The Bookends“ hat Gales über einen Zeitraum von neun Monaten geschrieben und anschließend zusammen mit seinen Mitstreitern Mono Neon am Bass, Aaron Haggerty an den Drums und Dylan Wiggins (Orgel) in verschiedenen Studios eingespielt. Und natürlich mischt auch wieder seine Frau LaDonna als Background-Sängerin und Perkussionistin mit. Zudem sind noch Beth Hart, Doyle Bramhall II und B. Slade als Gastmusiker mit von der Partie.

Herausgekommen ist ein kraftvolles Album, wenngleich die Rhythmik der Songs vielfach recht ähnlich ist, aber immer getragen von Gales’ typischem Gitarrensound. Zu Beginn der CD geht’s mit dem leicht düster schwelenden Opener „Intro“ los, der dem geneigten Hörer die tendenzielle Grundstimmung des Werkes näher bringt.

Bevor es dann aber mit dem nächsten Rhythmushammer „Whatcha Gonna Do“ weitergeht, gibt sich der Sänger und 2017’er Emmy Awards Gewinner B. Slade auf dem funkigen und leicht vom Jazz und Soul beeinflussten „Something’s Gotta Give“ die Ehre. Auch „It Just Beez That Way“ ist eine eher flotte Nummer, in der Gales erstmalig eine Slidegitarre spielt und die nicht ganz so heavy wie viele der anderen Tracks daher kommt.

Bei dem balladenhaften „How Do I Get You“ steht Gales’ Gesang im Vordergrund, der zum Ende des Titels mit den Background Vocals und Gitarrenriffs zu einem furiosen Ende verschmilzt.

Zur Halbzeit gibt es dann den klassisch arrangierten Slowblues „Southpaw Serenade“ mit Doyle Bramhall II, inklusive wild klagender Gitarrenlicks und harmonischem Gesang im Hintergrund.

Die düstere und schwere Stimmung von „Reaching For A Change“ und die hackende Rhythmik von „Somebody Lied“ bilden einen starken Kontrast zu dem folgenden Klassiker „With A Little Help From My Friends“. Hier singen die Seelenverwandten Beth Hart und Eric Gales ein wunderschönes Duett. Beide hatten sich mit Hilfe von Freunden von Ihrer Drogensucht (Gales) und Depressionen (Hart) befreien können. Es ist der wohl beste Song des Albums geworden.

Zum Abschluss rockt der Longplayer dann mit dem härteren Stück „Resolution“, einem reinen Instrumentalstück, und „Pedal To The Medal“, auf dem B. Slade sein zweites Gastspiel abliefert, dem Ende entgegen.

Insgesamt ist „The Bookends“ ein gelungenes Werk, auch wenn das Vorgängeralbum stilistisch etwas abwechslungsreicher war. Dafür präsentiert sich der gebürtige Memphis-Mann auf seiner aktuellen Scheibe gesanglich gereifter, was er nach eigenem Bekunden auch seinem Produzenten Matt Wallace zu verdanken hat, der unermüdlich und hartnäckig daran gearbeitet hat, Gales Stimme auf ein neues Level zu heben.

Mascot Label Group (2017)
Stil: Blues Rock

01. Intro
02. Something’s Gotta Give (feat. B. Slade)
03. Whatcha Gon’ Do
04. It Just Beez That Way
05. How Do I Get You
06. Southpaw Serenade (feat. Doyle Bramhall II)
07. Reaching For A Change
08. Somebody Lied
09. With A Little Help From My Friends (feat. Beth Hart)
10. Resolution
11. Pedal To The Medal (feat. B. Slade)

Eric Gales
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Mascot Records
Netinfect Promotion

Vanesa Harbek & Band – 24.01.2019, topos, Leverkusen – Konzertbericht

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Zweite Bestandsaufnahme von Sounds Of South in Sachen der als ‚Blues Queen from Argentina‘ betitulierten Vanesa Harbek, diesmal im urigen topos in Leverkusen, unter Beobachtung des ‚Chief himself‘ und Fotograf Jörg Schneider.

Leider hatte wohl die klirrende Kälte so manchen topos-Stammbesucher auf der heimeligen Couch verweilen lassen und eine Bowie-Coverband-Veranstaltung (ich persönlich bin von solchen Acts, egal auf welchem Niveau sie sich bewegen mögen, nicht angetan) in der benachbarten Domstadt, wird vermutlich auch noch einige Gäste gekostet haben. Gerade mal 15 Besucher hatten sich letztendlich eingefunden. Liebe Leute, haben es solch einzigartige und erhaltenswerte Clubs nicht schon schwer genug?

Die Anwesenden wurden allerdings mit einer absoluten Sahnevorstellung der heute in Berlin lebenden Protagonistin und ihrer beeindruckenden polnischen Rhythmusfraktion, bestehend aus Lukasz Gorczyca am Tieftöner und Tomek Dominik am Schlagzeug, belohnt. Das Trio spielte so engagiert und freudig, als wenn das topos aus allen Nähten geplatzt wäre.

Set 1 wurde mit dem Freddie King-Instrumental, quasi heute schon einem Blues-Standard, „Hideaway“ eingeläutet, bei dem Vanesa einen ersten Einblick auf ihre, auch im weiteren Verlauf im Mittelpunkt stehende, temperamentvolle flinke Fingerfertigkeit gewährte.

Bei der folgenden, sehr schön shuffelnden Uralt-Kamelle „Rooster Blues“ offerierte sie dann erstmals ihre angenehmen stimmlichen Qualitäten. Mit u. a. „If You Love Me“ (grandioses E-Solo), der dynamische Schunkler „Something’s Gotta Hold On Me“ (Etta James), „Killing Floor“ (mit herrlichem E-Gitarren-Bass-Scharmützel am Ende), „Going Down“ (knallhartes Solo der Harbek) und „Hit The Road Jack“ war der Coveranteil auch hier recht dominant.

Es überzeugten aber besonders die sehr klug, in ihrer Heimatsprache gehaltenen, eingeflochtenen Eigenkreationen wie „Vuelvo Al Sur “ oder „Te Extraño Buenos Aires“, die mich in ihrer typischen Melancholie wehmütig an meine, allerdings schon sehr lange zurück liegenden, Südamerika-Urlaube, vor allem abends in den vielen netten Musik-Bars, erinnern ließen.

Auch der ähnlich konstruierte zweite Teil überzeugte mit einem Peter Green-umwehten Instrumental-Einstieg (fulminantes Bass-Solo von Lukasz Gorczyca) und Tracks wie „Tore Down“, „Malted Milk“ (Robert Johnson), „Chain Of Fools“ oder dem Uptempo-Feger „Pride And Joy“, wo die sympathische Blondine (natürlich auch sehr sexy gekleidet) auf ihrer Stratocaster so manches claptoneske Solo abließ.

Hervorzuheben auch hier wieder der lateinamerikanische Block mit Stücken wie „Vanesca Tango“, „En El Abismo“ und einer bärenstarken Version von Santanas  „Oye Como Va“.

Als Zugabe und Ausklang des Konzerts ließen die drei noch eine schöne Version von „Proud Mary“ mit klasse Tempiwechseln folgen. Insgesamt eine tolle Show mit überaus engagiert agierenden Musikern. Vanesa Harbek bewies, dass sie sich hinter anderen ‚Guitar Ladies‘ der Marke Samantha Fish, Vanja Sky oder Joanne Shaw Taylor & Co. wahrlich nicht zu verstecken braucht und bietet mit ihrem südamerikanischen Touch noch eine besondere Note.

Line-up:
Vanesa Harbek (lead vocals, electric guitar)
Lukasz Gorczyca (bass)
Tomek Dominik (drums)

Bilder: Jörg Schneider
Text: Daniel Daus

Vanesa Harbek
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topos Leverkusen

Julian Sas – 19.01.2019, Schwarzer Adler, Rheinberg – Konzertbericht

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Recht pünktlich, gegen 20:15 Uhr betraten Julian Sas und seine Band unter dem Applaus der Anwesenden die Bühne des bestens gefüllten Schwarzen Adlers und eröffneten damit die Konzertsaison im hiesigen Rheinberger Bluestempel. Dars er mit „Home Feeling“ zum Einstieg einen Song gewählt hatte, der das Gefühl von Geborgenheit ausdrückt, mag Zufall gewesen sein, aber es war schnell klar, dass er sich in den Gefilden des Schwarzen Adler, in dem er seit Beginn seiner Karriere regelmäßig auftritt, überauswohl fühlt.

Er suchte und fand immer wieder den Kontakt zu den Fans, sodass der Funke in beide Richtungen übersprang und sich ein sehr dynamischer bluesrockiger Abend entwickelte. Mit „Mercy“ ging es rasant, eher hart weiter, wobei Fotis Anagnostou am Bass und Lars Erik van Elzakker, der den durch einen Radunfall verletzten Rob Heijne an den Drums ersetzte, eine ganz starke Rhythmusgrundlage boten und Roland Bakker an der Hammondorgel dem Song, wie auch vielen im weiteren Verlauf, eine immense Fülle gab.

In dem Zusammenhang gab es für mich die einzige nicht so schöne Sache des Konzertes, als ein Besucher zwischen zwei Songs lautstark nachfragte, wo denn Rob Heijne an den Drums sei, was ich persönlich recht respektlos gegen den Lars Erik van Elzakker empfand. So eine Frage kann man auch in aller Ruhe mal nach dem Konzert stellen und alles ist gut!

Bei „I Believe To My Soul“ nahm Sas leicht das Tempo heraus, streute aber in den sehr melodiösen Song ein rasantes Solo ein, wo er so nah am Bühnenrand stand, dass fast der Eindruck entstand, er verschmelze mit den beistert mitgehenden Zuschauern in der ersten Reihe. An den Gesichtszügen Julians war zu erkennen, wie er diese Anerkennung genoss.

Aber auch die anderen Musiker, Fotis Anagnostou oft mit einem schon schelmisch anmutenden Lächeln, der dauergrinsende Tastenmann Roland Bakker und der Drummer Lars Erik van Elzakker zeigten durch ihre Präsenz, wie sie die fast euphorische Stimmung im Schwarzen Adler genossen. An dieser Stelle wird einem vielleicht klar, warum viele Bluesmusiker immer wieder gerne nach Rheinberg kommen.

Was gibt es schöneres, von einem solch begeisterungsfähigen und meist auch disziplinierten Publikum zu spielen, welches bis auf die vorab genannte Ausnahme auch ein gutes Gespür dafür hatte, wann in ruhigen Songphasen Geräusche von außen die Stimmung eines Liedes zerstören können.

Mit „Jump For You“ ließ Sas den Boogie in den Blues einfließen, was dem Song eine Dynamik der alten ZZ Top verleihte. Neben Sas, der sein Gitarrenspiel mit Mimik und posend untermalte, wirbelte auch Fotis Anagnostou zum Teil akrobatisch über seinen Bass.

Mit „Blues For J“ streute Sas dann einen fast balladesk daherkommenden Blues ein, welchen Bakker an den Tasten mit fast schon Pink Floyd-ähnlichen Klangteppichen und einem Solo untermalte und van Elzakker an den Drums seine Sticks so dosiert einsetzte, dass die Ruhe des wunderschönen Bluessongs nicht gestört wurde. Mit „My Love Is Thumlin‘ Down“ wurde wieder auf Gaspedal getreten und das Orgelspiel ging ein bisschen in Richtung alter Deep Purple, als diese noch einiges an Blues zu bieten hatten.

Den folgenden Track kündigte Sas mit den Worten an, dass es etwas gibt, das alle Menschen, wann auch immer, einmal benötigen – eine helfende Hand! „Helping Hand“ in ZZ Top-Manier sorgte dafür, das einige im Publikum auch die Hüften schwingen ließen.

Mit Klängen, diee zu Beginn an den Hendrix Hit „Little Wing“ erinnerten, schloss Sas den ersten Set mit dem fast hymnischen „Blues For The Lost And Found“ ab. In diesem Song war auch die musikalische Nähe zum leider viel zu früh verstorbenen Rory Gallagher, dem heute leider überraschend sein langjähriger Drummer Ted McKenna in den Musikerhimmel gefolgt war, stark erkennbar.

In Gesprächen der Zuschauer während der knapp 15 minütigen Pause war immer wieder zu hören, wie beeindruckt diese von den spielerischen Fähigkeiten aller Musiker, aber auch deren Bühnenaura waren.

Nach der Pause legten Sas und Band mit „Turpentine Moan“ und „Roll On“ gleich wieder los wie die Feuerwehr und der Bruch, den eine Pause oft in Konzerten nach sich zieht, war heute nicht erkennbar. Mit „Coming Home“ folgte eines der Highlights des Abends. Im fast einer southernrock-artigen Hymne gleichenden Stück, glänzte neben dem Gitarrenvirtuosen Sas einmal mehr Roland Bakker an der entsprechend gespielten Orgel. „Life On The Line“ folgte stilistisch ähnlich, aber weitaus rockiger.

Das treibende „Sugacup Boogie“, sorgte im Publikum für schwenkende Köpfe und fast frenetische Stimmung, die aber später noch einmal gesteigert werden sollte.

Mit Klängen von Hendrix‘ „Angel“ und diversen eingearbeiteten Riffs anderer Rock- und Blues-Klassiker legte die entfesselnd spielende Band ein Intro zu einer in der Präsenz selten gehörten Versionen von „Hey Joe“ hin. Es gibt Coverversionen, welche besser sind als das Original. Ob das in diesem Fall auch so war, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich war es mindestens auf Augenhöhe, wobei die Klänge der Hammond Orgel, diesem eine ungeahnte Breite gab. Die Zuschauer waren jedenfalls schier aus dem Häuschen. Sas unterbrach einmal ganz kurz diese extended Version mit den Worten: „Can you feel it?“ und ich glaube, jeder wusste was er meinte. Die Mystik dieses Hendrix-Hits hatte sich scheinbar über den Adler gelegt.

Danach wurde mit „Devil Got My Number“ noch einmal Vollgas gegeben. Eindrucksvoll dabei, wie es Sas gelang Riffs à la AC/DC in seinen hart rockenden Blues einfließen zu lassen. Nach fast zwei Stunden war dies der zunächst letzte Song, aber Sas und Kumpanen ließen sich nicht lange bitten, um noch zwei Zugaben hinzulegen.

Der Gallagher-Song „Bullfrogg Blues“ wurde dem heute verstorbenen Ted McKenna gewidmet und man konnte die eine oder ander unterdrückte Träne im Publikum erkennen. Ganz im Sinne des auch im Hard Rock beheimateten McKenna entwickelte der Song eine unglaubliche Dynamik als letzter Gruß an ihn bei der Reise in den Rock ’n Roll Heaven. Nachgelegt wurde noch einmal das Texas Blues-umwehte „Boogie All Around“, welches zudem auch einen Hauch von „On The Road Again“ hatte.

Nach etwa 140 Minuten Power-Blues-Rock fand ein begeisternder Abend im Schwarzen Adler sein Ende und Sas und Band standen noch einige Zeit für Smalltalk parat und signierten gekaufte CDs. Wenn das heutige Level gehalten werden kann, erwartet die Fans an der Baerler Straße ein ganz heißes Konzertjahr.

Auf diesem Weg auch ein Dank an Ernst Barten und sein Team, dass immer wieder für solche Highlights im eher beschaulichen Rheinberg sorgt. Mein Wunsch ist dass die in diesem Jahr folgenden Konzerte weiter so gut besucht werden, da dies die Grundlage ist, dass auch in Zukunft Musik auf diesem Niveau auch in kleineren Clubs geboten werden kann. In diesem Sinne: „Ich habe fertig!“ und dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Line-up:
Julian Sas (lead vocals, electric & slide guitar)
Roland Bakker (piano, organ)
Fotis Anagnostou (bass)
Lars Erik van Elzakker (drums)

Text und Bilder: Gernot Mangold

Julian Sas
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Schwarzer Adler

Walter Trout – Survivor Blues – CD-Review

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Review: Jörg Schneider

Mit seinem 2017’er spielfreudigen Album „We’re All In This Together“ setzte Walter Trout musikalisch auf bekannte Gastmusiker, denen er die Songs ihrem Stil entsprechend quasi auf den Leib zugeschnitten hatte, ohne seine eigene Virtuosität dahinter zu verstecken. Jetzt, ein gutes Jahr später, heißt sein neuestes Werk „Survivor Blues“. Ein durchaus zweideutiger Name, kann er doch als Anspielung auf seine per Transplantation geheilte lebensbedrohliche Lebererkrankung aufgefasst werden.

Oder aber als Hinweis, dass gute Bluessongs immer überleben. Schließlich widmet sich Trout auf seiner neuesten CD weniger oft gehörten oder gespielten Juwelen des Bluesgenres, wobei er die Klassiker nicht einfach nur gecovert hat (das würde sicherlich auch nicht seinem Anspruch an die eigene Musikalität entsprechen). Vielmehr hat Trout sie liebevoll neu arrangiert und in ein moderneres Gewand gekleidet.

So finden sich auf dem Album Titel des Mississippi-Bluesers Jimmy Dawkins („Me My Guitar And The Blues“) oder Sunnyland Slim, einem dem Delta-Blues verschriebenen Pianisten („Be Careful How You Vote“). Des Weiteren ist jeweils eine Nummer von Luther Johnson („Woman Don’t Lie“) und Hound Dog Taylor („Sadie“) auf dem Langspieler vertreten. Auch ein Titel seines Mentors, Lehrmeisters und Freundes John Mayall („Nature’s Disappearing“) darf natürlich nicht fehlen. Dazu gesellen sich zudem noch Songs von Otis Rush („It Takes Time“), Mississippi Fred McDowell (Goin’ Down To The River“) und J.B. Lenoir („God’s Word“).

Bei den Arrangements verzichtete Trout vielfach auf die im Original vorkommenden schwelenden Keyboard-Soundteppiche und ersetzte sie durch frische Klänge aus der Bluesharp. Der so erzeugte klarere Sound katapultiert die Tracks in die Jetztzeit, so z. B. „Me My Guitar and The Blues“ und der Stampfer „Be Careful How You Vote“. Auch das ruhigere, im Original traditionellere „Woman Don’t Lie“ präsentiert sich hier im raueren Chicago-Stil, wobei die Originalversion etwas gefälliger daher kommt. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die beste Interpretation ist jedoch nach Ansicht des Rezensenten John Mayalls 1970’er umweltkritischer Song „Nature’s Disappearing“. Hier stimmt einfach alles, ein frischerer Sound und auch gesanglich eine Verbeugung vor dem Großmeister des weißen Blues.

Eingespielt hat Trout sein neues Werk in Robbie Kriegers Studio, dem ehemaligen Gitarristen der Doors. In „Goin’ Down To The River“ ist er sogar als Gastmusiker zu hören. Ansonsten setzt sich Walter Trouts Band auf dieser CD aus Johnny Griparic am Bass, Skip Edwards an den Keys und Walters langjährigem Drummer Michael Leasure zusammen. Das erklärte Ziel der Musiker war, die alten Songs nicht einfach nur nachzuspielen, sondern in die heutige Zeit zu transferieren. Das ist der Truppe um Walter Trout mit diesem hörenswerten Album absolut gelungen.

Nach eigenem Bekunden durchlebt er im Moment die beste Zeit seines Lebens. Man darf also jetzt schon gespannt sein, mit welchem Projekt der Bluesrock-Titan Walter Trout demnächst aufwartet.

Provogue – Mascot Label Group – (2019)
Stil: Blues Rock

01. Me My Guitar and The Blues
02. Be Careful How You Vote
03. Woman Don’t Lie ( feat. Sugaray Rayford)
04. Sadie
05. Please Love Me
06. Nature’s Disappearing
07. Red Sun
08. Something Inside Of Me
09. It Takes Time
10. Out Of Bad Luck
11. Goin’ Down To The River (feat. Robby Krieger)
12. God’s Word

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